Nr. 138
Würfel Ihn cm. lieb sich nicht er- — im besten Fall unb Eifersucht in
Einbcrusunll des Reichstags.
Der Präsident der Nationalversammlung, Abg. Fehlen back, hat den Reichstag auf Donnerstag, 24. Juni einberufen.
ernannr. __ „ ,
* Abg. Lrzberger dementierte die Meldung, wonach er sich irgendwie bereit erklärt habe, auf sein Mandat zu verzichten. — Die Meldung war dem „Beil. Lok.-Anz." aus Fulda zugegangen. Die Fuldaer Meldunoen des Perl. Lok.-Anz. find feit langem als
erhöhte Fernsprechgebithrenordnuitg und die Zwangs- anleihe von tOLO Mk. für Anschlüsse hat zu zahl- reichen Kündigungen seitens der Teilnehmer gesurrt. In München, Ivo 6000 Anschlüsse.gekündigt sind wurde einer Abordnung in der bayerischen Abteilung des Reichspostministeriums erklärt, daß eine Revision der Gebührenordnung binnen kurzem den Reichstag beschäftigen weide.
* Tie Verluste im Ruhrgebiet Wie verlautet sind in ganz Westfalen in den Tagen ter Ruhr- n nruhcn a>is Anlaß des KaPP-Put|ches 108 4.ule, 74 standrechtlich Erschossene und 12 Bermißte und 50 Beiwundeie festeestellt worden. Die Zahl der Gefangenen und Gesiüchleteu kann noch nicht übersehen werden. . , ...
* Festungsgesangene als Abgeordnete. Unter
den neuen Abgeordneten zum b.herischcn Landtag befinden sich ;ivei, die wegen Beteiligung an dem Hochverräter! chen Unteruehnlen der Aiünchenec Rate» repnbltk eine Festungshaft verbüß n: der ehemalige Boi sitzende des Landessotdalenrats, Sauber und der Schlosser Hage in elfter, dess n Rolle bei dem bekannten Mord im bayerischen Landtag am 21. Februar 1919 bisher keineswegs geklärt worden ist. Der Landtag roirb baiiiber zu entscheiden haben, ob die beiden Gewählten für die Dauer der Land- tagslaaung aus der Hast zu entlassen sind.
.Aber, Herr Dozent — wohin kämen Sie, wenn Sie ez bei allen Patienten so dächten!“
.Sie sind eben nicht .alle Patienten-, sondern eine Ausnahme, Fräulein Sore!“
.Nein — ich kann das auf keinen Fall annehmen.“
.Sie müßen es, wenn Sie wirklich einen Funken Dankbarkeit für mich fühlenI Warum wollen Sie mir nicht die kleine Genugtuung gönnen, doch wenigstens einmal ein wenig bcizutragen zu dem Glück eines an. deren Menschen . . . da es mir sonst im Leben damit ohnehin nicht glücken will?" Seine Stimme war weich geworden. Eine Pause trat ein.
Endlich sagte Lore leise: .Gut, ich nehme e8 an . . . da eö Ihr Wunsch ist. Aber nur unter der De. dingung. Ihnen alles später zurückzuerslaiten, wenn ich in der Lage dazu bin!"
.Meiuietivegciü, Sie Outes, törichtes Kindl Und morgen darf ich also kommen, um mich zu überzeugen, wie es Ihnen im neuen Heim behagt?“
.Gewiß!“
,I,ch will Ihnen mich Dücher mitbringen zum Lesen, Ihre Violine ist bereits draußen. Und im Gärtchen, wo es eine Weinlaube und schöne Obstbäume gibt, die nun freilich noch nicht belaubt sind, Ivirb es Ihnen gewiß auch gefallen. Sie sollen schon keine Langeweile leiden draußen.“
.Wie gut Sie sind! . . .“
Daniela halte jedes Wort vernommen. Regungslos mit vor Staunen geweiteten Augen lauschte sie.
Die weich Egon? Stimme klang! Wie bei Mühe und Zeit hatte er für das fremde Geschöpf vergeudet, während er für sie selbst nie Zeit gehabt • . •
Er mußte 'sie sehr lieben. Und mit ihr — ergab sich ja aus jedem Wort — hatte er offenbar nicht die Absicht, einen Bruch herbeizuführen — trotz der Fürstin Laban ...
Wie dachte er sich denn dann aber die Zukunft r Wollte er auch die Fürstin betrügen oder dieses Mad. chen? £b:r beide?
O welch schlechter, herzloser Egoist war er doch- Drin nahmen sie jetzt Abschied. Es mußten noch andere Patienten im Wartezimmer sein, denn Egon begleitete Fräulein Sand nur bis an die Tür.
Leise huschte Daniela hinaus. Sie mußte sie von Angesicht zu Angesicht sehen, diese Circe nut der wer. chen Stimme, die ihn so bezauberte . . • - ......
.(Fortsetzung folgt ).
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Wenn sie sich ihm zu Füßen sichte ...
Nein! Tas ging nicht. Liebe zwingen. Er würde sie auSlachen bemitleiden!
Ausland.
* Tie RegiernngSkrise in Oesterreich hat sich wieder verschärft, da der chiistlich-ioztale Parteitag sich gegen die Fortsetzung der Koalition ausgc» sprachen hat. ,,
* D'e polnische Kabinettskrise hat sich verschärft. Man rechnet mit einem neuen Ministerium der Linksparteien und sofortigen Vorschlägen zu Friedensver- handlunaen mit den Bolschewisten.
* Albanien. 80 italienische Soldaten und 5 Ofsi- ziere, die von den aufständischen Albanern gefangen genommen waren, wurden erschossen» als die Ausstän-
§ordernde Liebe
Roman von Erich Ebenstein.
bischen erfahren hotten, daß, das türkische Stadtviertel von Balona von den Italienern in Brand gesteckt worden sei. Die Leichname wurden dann tn barbarischer Art zerstückelt. , .
* Unruhen tn Mesopotamien. Nach einer Havas- melbung aus Teheran vom 14. Juni hat sich die schon beunruhigende Lage in Mesopotamien in rcn letzten Tagen verschlimmert. In Älo ul leien schwere Unruhen ansgebrochen. 6000 Araber l eitlen die Slaaisgebäude angegriffen. Man meldet zahlreiche Tote. Die Verblnbungen mit Bagdad seien a b g e i ch ni t t e n; auch in Hambra bauen bluiige Zusammenstöße slaitgefunden. In Bagdad seien die Manifesianten vor das Polizcikomiuißartat gezogen, um die Befreiung der politischen Geiaugenen zu erlangen. Auf dem Tigris seien englische Schiffe geplündert und die Besatzung getötet worden.
Toipn erwachten wieder Trotz khr. Mußte sie denn gehen? Wenn sie nun einfach nicht in die Scheidung willigte?! Daun half der tfut. siin all ihre Liebe nichts ...
Draußen erklang die Klingel. Nebenan Ueß sich Undeutliches Stimmengemurmel vernehmen. He'bloss Ctfcination halte begonnen. Aber Daniela hor.e cs nur wie im Traum. Sie hatte heute nicht einmal
Der Ausbau der Wehrkräfte.
Der Landckveriommlung ist tin Gesetzentwurf scher die Beieiislettum, weiterer Slaa-smitt.4 für den Ausbau von Wasserkräften im oberen ^.uell« gebiet -ber Weier zugeganren. Es sotten über die im Jahre UN3 bereiigesleNten 15V- Millionen hinaus weitere 30V» Millionen bewilligt werden. Bet Ausbruch des Weltkriegs war der Stand der int
re vorher gewonnenen Bauarbeiten so, daß,man Gude 1914 mit der Lieferung clekiriichcr K^ast tn vollem Umfang beginnen zu können hosfie. Wahrend des Krieges wurde elektrische Atbetl nur au die Verbraucher in Waldeck abgegeben, nach dem Walsen- sttllstand auch das Um pannwerk Feldberg belic|err, ans dem die drei Krei e Meltnngen, Fritzlar und Dombera Strom entuebmer. Inzwischen sind neue Verträge teils abgeschlossen, teils vereinbart mit vier Kaliwerken in den Kreiten Göttingen und Norlheiin und mit acht Landkreisen, und der Anschluß an das Versorgnngs ieviet der staa>lichen Nlatnlrastiverke bergestclli. Dadurch wirb ober der Bau wetteret Leitungen und Um Pannwerke eilorderiich, sur die der erwähnte Betrag anaefordert ivtrd. -tz-e
kanzler ernennen, und dieser Reichskanzler soll alsbald ein Ministerium bilden und mit den Ministern ein Programm ausstellen. Die demokrattsche Befürchtung, daß nicht nach der B-rfasiung gehandelt werde, ist mcht berechtigt. Was hat es für einen Zweck, tn den ~ag hinein einen Reichskanzler heute zu ernennen, der morgen wieder das Mandat in die Hande des.R^chs- Präsidenten zurückgeben müßte. Das wurde die Str | nur verschärfen. Klüger ist eine der Ernennung vorangehende ausklärende Arbeit, wie sie Trimborn ^leistet hat. Mit umständlichem Formelkram ist keine praktische Politik zu treiben. Es ist verfassungsmäßig> korrekt und zugleich zweckmäßig, wenn der Reichspräsident sich erst über das Wollen und Können der Retchs- tagsparteien orientiert und wissen will, aus welchem parlamentarischen Fundament er die neue Regierung begründen kann. „ .. .
lieber die sachlichen »Bedingungen - die das Schriftstück der Demokraten ausstellt, laßt sich reden. Das Verlangen, daß alle Mitarbeiter den monarchtstl- schen Gedanken abschworen sollten, geht freilich zu weit; es genügt, wenn überall die bestehende Ver- fasiung anerkannt und auf eine gewaltsame Lende- mng ehrlich verzichtet wird.
tote sonst das Verlangen zu horchen.
Wozu auch? Sie wußte ja nun, was geschehen würbe. ,
Aber plötzlich horchte sie doch gespannt auf. Eine weiche Helle Frauenstimme, die sie noch nie gehört hatte ' sprach drin. Sprach laut und bezcistcrt .. Taz' Wort »Lebensretter“ schlug an Dan nas Ohr, allez andere blieb unverständlich. Sie sprang auf unb schlich an die Tür. Lautlos schob sie die schwere Por- tiete zurück. Sie wußte aus Erfahrung: w:nn man das Ohr dicht an das Schlüsselloch legte, konnte man trotz der Polsterung innen verstehen, was gesprochen wurde. .... o
.Lebensretter“ — das konnte nur die Fürstin Laban sein! Vielleicht hatte sie irt ihrer verklebten Un- geduld gar nicht erst bis morgen warten wollen ...
Aber sie war es nicht, sondern Lore Sand.
Tenn eben sagte Heidlof; .Es, ist sehr lieb von Sbncn, Fräulein Lore, daß Ihr eritcr —^0, nachdem Sie daz Sanatorium verlaßen haben, mir £'• ■
-Es ist nur natürlich,“ antwortete die weiche Mäd- ch-nstimme. .Verdanke ick' Ihnen denn nicht alle-? Tatz ich wieder ein lebensfähiger Mersch bln. arbetten kann, unb nun sogar am ein Glück denken earf, b mir ohne Sie ewij verschlosien geblieben Ware. diel haben Sie für mich getan! Sogar an eine — nung dachten Sie, wie man mir sagte . . •
»Waren, Sie schon draußen?“ untorbrach er sie Xato . - - -
Vonisatiusvereitt.
Pnberhorn. Am 9. Juni tagte im Bonifatinshnuse die alle drei Jahre ftattfinbente Ge n er a t v e rsa in in» tu na des Bonifatiusvcreius. Die Verhandlungen wc^ rcn dieses Jahr von besonderer Bedentunp, da es sich bei dec fortschreitenden Teuerung für den Bonifatius, verein darum handelt, nach Milteln zu suchen, um die einzelnen Dia,porastatwnen. halten zu tonnen, vor allem die katholischen Privatschulen. Mit Geuuptnung konnte seslgestellt werden, daß das katholische ^o.k tn ben letzten drei Jahren in fortschreitendem Mage dem Bonisatirisverein seine Liebe unb Unterstützung ge. schenkt hat Tics gilt vor allem von uiiicru katholi- frfx-n Kindern, die im Donifalius-Sammclverein reiche Mittel zur Rettung der Diasporakinder zuiarnmenge- bracht haben. Doch sind die Anforderungen so gewal- tig daß nur eine weitere intensivste unb vermehrte Bonifatiukarbeit ez verhüten kann, daß, wir, nicht m absehbarer Zeit vor Nnineu stehen, wo letzt blühendes katholisches Leben herrscht. Einen breiten Raum bei den Beratungen nahm die Besprechung ubr da» neue hochwichtige Unternehmen des Bon-.faliuSveven>s ein, es iit das Institut der Tiasporahelferninen. d-e wtzt schon in größerer Anzahl in den verich,ebensten Tot. len der Diasvora tätig sind, vor allem bei der religiösen Unterweisung der zerstreuten T.aiporakinber und tz-r Rettung der auf den großen Gütern in der Provinz Sachsen zerstreuten katholiselien Laridarbetterin- neu Sodann wurde besonders die Frage besprochen, wie'unsere katholischen Kinder noch mehr wie bisher für die Unterstützung des BomfatiusvereinS gewonnen werden könnten Und da zeigte es sich, daß aus Seiten der großen katholischen Lehrer- und Lehrerinnen organisationen die größte Bereittrelligkeit begeht tri Zukunft auch in den Schulen.die Sammeltätigkeit sur, die Zwecke des Bomfaltiisvercins rc|p. des L.o.n,atiuZ» Sammelvereins zu steigern.
’ßeranlroorilid) iür ben redaliionellen Teil: Earli Schütte, I . IQ'IA
Mr die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda r. I D0NNerStKg, )<♦ JUtll IVZU» I Rotatlensdruck u. Verlag der Fuldaer Actlendruckerel in tjulba. I |
Fernsprecher Nr. 9. Teiegr.-Abresse: Fuldaer Zeitung |---- ---
Gehobeltes und Ungehobeltes von derWahl.
«Es wirb ja doch nicht anders. Was soll man ba noch wählen gehen. Am besten kümmert man sich um den ganzen Kram nicht“. Vor der -e!ahl rönn e man solche und ähnliche lveise Sprüche öfter Horen. Vor der Nationaluiahl toar'3 anders gewesen. Damals war Schlvung in der Sache unb nngesium kam der -Ibilie des Volkes zum Ausdruck, daß Schluß gemacht werd- mit der verfassimgslosen, der schrecklichen Zeit, daß Ruhe und Ordnung und gute Sitte w-eder Einkehr hielten in Deutschland, das vor dem Kriege, sich nicht wenig einbnlbcte auf seine rnusverhnste ^1'3lPl'n >a ben öffentlichen Betrieben, auf die allgemeine Achtung! von Autorität und Gesetz. :
Diele Blütenträume sind seitdem geknickt worden Wohl ist manches besser geworben, aber c3 OJ'M mch« „nur immer langsam voran", es ging logar sehr, sehr langsam vorai,. Mühselig und steung ist der Weg, der aus dem Trüinmerseld, das Stieg unb Revmution hinterlassen haben, hinausführt., Noch onnet Vd) uu3 lein Ausblick in lachende, blumige Gefilde, wir icheir ringsum nur verwüstetes Land, das Disteln und -oe- nen trägt Ein schwerer Druck liegt ans dem Volke urb die Negierung, von der rachsüchtigen und miil.e.v- losen Entente auf Schritt unb Tritt znruckgestoß-N, kann ihn nicht Bannen. Tie Not wächst und die Goiich.er werden länger und länger ob der unerhörten bleuer- ovser, die dessenungeachtet der neue Staat uns unverlangt. So hatte sich mancher die Entwicklung nn neuen Volks staat mit seinen Freiheiten vorn und hin- ten nicht gedacht. Kein Wunder, tvenn ra keine rechte Freudigkeit für die Wahl aufkommen ko .e.
Am meisten mußte die Erkenntnis, daß man- ches erstrebte Ziel nicht erreicht worren .st, na.urlich auf die Wähler der bisherigen Mehrheitsparlewn ver stimmend wirken, die die Verantwortung tur Oe schicke des Landes auf sich genommen batten unb ein großer Teil der Wahlarbeit mußte dazu dienen bjt Wählern klar zu mackien. daß Politik d'e Kunst st ras Mögliche zu erreichen, nicht «ber d^ Vergnügen, Seifenblasen nachzusagen. ~ie anbe ,.i ten es leicht, über die Dhwerarbe.ter der Koant.onr- Politik die im Schweiße ihres Angesichts sich h'ut-.r d.n NeichSkarren stemmten, 'hn aber nur rnckwei,e und zollweise voranbrachten, die Na,e zu riimpfen Ob ste stärkere Mn-keln batten, brauchten sie ,a acht nach- Ki en ES iit das Weh und Ach jeder Koalmons- .Politik, daß sie nicht in kühnem Sturm und Drang einfach ein bestimmtes Parteiprogramm, für das M Parteisreunde sich Begcntert haben, >n ■ die Tat um- letzen kann Jede der beledigten Parteien muß manch-
.Nein. Es drängte mich zuerst. Ihnen noch einmal so recht aus Herzensgrund zu bauten!“
„Ach, lassen Sie das doch! Der beste Dank für mich ist, wenn ich zuweilen in Ihr sr>sel)es, liebes Gesichtchen sehen und ein Stündchen mit Ihnen verplaudern darf! Tann darf ich mir ja sagen: Dies ist ein wenig mit Dein Werk! Glauben Sie mir, barüuer verwinde unb vergeße ich . . . manche bittere Enttäuschung!“
»Gibt es denn solche auch für Sie, den kühnen Dezwinger von Leid und Tod?“
»Sie bleiben Wohl niemand erspart! Und sie sind doppelt bitter, Ivenn sie uns ... mitten ins Herz treffen! Tenn das Herz verwindet Enttäuschungeir nicht so leicht, als der Verstand, Nur die teilnehm.-nde Wärme eines anderen Herzens kann dann den Glau- ben in uns wieder aufrichten, daß es auf dieser Erbe überhaupt noch Gute? gibt . . . aber laßen wir dies,“
unterbrach er sich, wie ärgerlich über sich selbst so viel gesagt zu haben. »Wir wollen lieber von Ihnen sprechen das ist erguickiicher. Haben Sie sich schon einen Plan gemacht, wie Sie Ihre Zeit nun draußen verbringen werden? Denn vor Herbst dürfen Sie nicht daran denken, den Schulunterricht wieder auszuneh-. men — wenn Sie es überhaupt je wieder tun.“
„TaS haben Cie mir bereits angekündigt und cs trifft mich insofern nicht schwer, als ich ja vor Herbst ohnehin auf keine feste Anstellung rechnen könnte. Lasur will ich die unfreiwillige Mußezeit dazu benützen, um meine Ptivatilumden wieder auszunehmen.“
»Oho! Dagegen lege ich mein Veto ein. Sie sind geheilt, aber nod) lange nicht arbeitsfähig. S.e werden also gar nichts tun, als faulenzen, möglichst viel in frischer Lust sein und sich pflegen.“
„Saä ist unmöglich! Mindestens einige Stunden muß"ich aufnehmen. Jph stehe schon so tief in Ihrer Schuld, daß ich absolut nicht —“
.Bah reden Sw davon nicht! Ihr Fall hat mir Gelegenheit gegeben, mein Können zu zeigen, unb das bringt mir zehnmal mehr ein, als die kleine Hilfe, die ick Ihnen leiste, bis Sie selbst wieder ohne Sck-aden criöcrbeu können. Der A sagt, mutz auch B sagen Sie haben sich mir einmal anvertraut unb ich will Sie nicht nur gesund sondern auch frisch und kräst^g dem Leben übergeben! Das Here unvollständige Arbeit,
wollte ich Ihnen blotz das b.ßchen Leben und nicht aurt) die Fähigkeit, es baucrub zu bewältigen, gogeoen haben!“'
^^bürgerliches Kabinett in Aussicht.
9c. rNayer-Lvusbcuren zum Reichskanzler ausersehen.
Der Abg. Trimborn hat am Mittwoch vor- mst'oa nochmols mit den Vertretern der Mehr- k e i t s f o z i a 1 i ft e n verhandelt und dabei feftftcllen riffen daß für eine Teilnahme dieser Partei an einer P’cietung keinerieiAusficht vorhanden ist. Es blieb also nichts weiter übrig, als dos Augenmerk «unmrhr auf die B i l d u n g e i n e r b ü r g e r l i ch e n Regierung zu richten. Abg. Trimborn hat in diesem Sinne dem Reichepräsidenten den Präsidenten der Rationaiversammlung Fehrenbach als Reichskanzler in Vorschlag gebracht, der jedoch, obschon er allen «Karteien genehm war, aus triftigen Gründen glaubte, ab'lehnen zu müssen. Darauf hat Abg. Trimborn sm Einoerständnis mit Herrn Fehrenbach und unter cofler Billigung der Zentrumsfraktion sowie des Par- teioerstandes, die gestern eine gemeinsame Sitzung ab» hielten, den deutschen Geschäftsträger in Paris, Dr. Mayer-Kaufbeuren, benannt. Dieser Vor- ,Mg fand die volle Billigung des Reichspräsidenten, dec siÄ seinerseits sofort telegraphisch mit einem entsprechenden Angebot an Dr. Mayer wandte. Dessen Lntwon steht zur Stünde noch aus. Nimmt er an, mos in parlamentarischen Kreisen allgemein gehosit wird, fo darf man eine befriedigen de Erledigung der Trimbornschen Miffion ehestens erwarten.
Berliner Blätter wissen zu melden, man nehme in Berliner polikifchen Kreisen allgemein an, daß Mayer bie Kabinettsbildung übernehmen werde. Auch könne ole sicher gel en, daß in der Mehrzahl Zentrumsführer und Demokraten, die bisher schon Regierungsgeschaste führten, auf ter Ministerlifte wieder erscheinen werden. Mit dem Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. Heinze, hat Trimborn gestern nachmittag eine eingehende Besprechung gehabt. Er hat Heinze das Wtrtschafts- winisterium angeboten. Heinze nahm daraufhin, >n einer schnell zufammenberufenen Sitzung mit seiner Fraktion Fühlung und lehnte auf ihren Beschluß hin das A n g e b o t ab. Die Meldung eines Berliner Blattes, daß es gelungen fei, ein Kabinett aus ten bürgerlichen Mittelparteien, Zentrum, Deutsche Volks- partei und Demokratische Partei, zusammenzufetzen, wird demgemäß von der Deutschen Volkspartei temeu- fiert. Man ist indessen der Ansicht, daß diese Koalition vielleicht doch zustande kommen werbe.. Man weist darauf hin, daß Trimborn nicht offiziell die Deutsche Vvlkspartei zur Regierungsbildung hätte auffordern können, da feine Aufgabe ja nur gewesen (et, Vorverhandlungen zu führen. Man darf also erwarten. daß Dr. Mayer offiziell an die Deutsche Doiks- Partei herantreten wird, um sie zur Teilnahme an der Koalition aufzufordern. Die S o z i a l d e m o k r a - t e n dürften sich entschlossen haben, der Umbildung des Kabinetts keine Opposiiion zu machen und ihm gegen- über sich wohlwollend zu verhalten.
wtb Berlin, 17. Juni. Sn parlamentarischen Kre sen spricht man von folgender M i n i st e r l i st e: Reichskanzler: Mayer, Inneres: Kock, Auswärtiges- ton' $1 ostiz (früher sächsischer Gesandter tn
Wiens, Wirtschaft: Wiedfeld (D. Dp.), Direktor ter Kruppwerke, Schatz: von Siemens, Arbeit: S t e- gerwald, Verkehr: Grän er, Justiz: Heinze, Reichswehr: Keßler. . -
Die demokratischen Dedingungm.
Die Erkläruna, die ter Führer der demokratischen Partei Senator Petersen dem Abg. Trimborn bet der Besprechung über die Koalitionsbildung überreicht hat, bezeichnet es bekanntlich als verfassungswidrig, daß der Reichspräsident einen Vertrauensmann zu Dorschla- gen über die Ministerberufung bestellt habe. Rach der demokratischen Auslegung der Verfassung soll der Reichspräsident sofort aufs Geratewohl einen Reichs-
Dcr eiserne Besen.
Es ist allerhöchste Zeit, daß mit einem mächtigen eifernen Besen in den Reichstehörden und namenlud) in den Kriegsgesellschasten ausgekchrt wirb. Die Zähigkeit, mit ber insbesondere die Letzteren am Leben Heben, nur damit einige recht einträgliche Postchen noch so lange wie möglich gehalten werben können, ist bewundernswert, wirkt aber auf ben Volkskörper aus« faugerifch. Wir haben an biefer Stelle schon mehrfach auf bie geradezu wahnwitzige Verschwendung von Reichsgeltern infolge der „Uebcrorganifierung tn ben Verwaltungsbehörden hingewiesen. Die Dinge nehmen aber nachgerade die Formen eines öffentlichen Skandals an. Das krasseste Beispiel bietet , das Reichswir 1 schaftsministerium. — Bei fet- ner Abtrennung vom Reichsamt des Innern im ■<uyre 1917 hatte es 90 Beamte, die im Jahre darauf auf die Hälfte ermäßigt wurden. Jetzt hat das Ministerium einen Scamtenftab von 1600 Köpfen, wozu noch 500 Stenotpistinnen kommen. Jeter einzelne, Refe- rent hat zwei, zum Teil sogar drei Schreibmaschtnisttn- nen für sich, zwei für die Vormittags-, eine für die Nachmittagsstunden. Es liegt auf der Hand, daß die tatsächliche Leistung eines solchen Apparats ?u ter aufaewanbten Kraft und zu den ausgewandlen Geldern in keinem Verhältnis stehen ka n n. Bei allen Tetlcn und Teilchen dieses Apparats volle Leistungsfähigkeit vorausgesetzt, würde bas Reichswirtschastsministermm allein ja bas Reich zu Tote verordnen und regieren. Es ist unbedingt zu fordern, daß fo rasch als möglich das Parlament sich mit diesen Dingen besaßt.
Aus dem besetzten Gebiet.
• Vie französischen llebergrffe. In Oppeln wurde ein neuer jcMvcrer Uclergriff von Franzosen beruht. Mehrere Eifcnbatinei, vte aus dem Dienste rauten, wurden auf der Straße von französischen Soldaten auf polnisch gefragt, ob sie Polen oDcr Deutsche seien. Als sie sagten, sie wären Deutsche, wurden sie von den Franzosen ohne Grund aus da? fctnuerite mißhandelt und mit Erschießung bedroht. Die Mißhandelten haben sich beschwerdefuhrend an den englischen Obersten der interalliierten Kommission gewandt.
* Die k e tlichen Liedcr — tn Deutschland verboten.
Der kommandierende General der ätneinai mec in Der
Nemasvreis: Monatlich 2,00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fuida I ,
bei'un-abgeholt 2,10 Mk. Anzeigenpreis: DleK'einze e I 'jührg
rwmoneimaß) 50 Pia., u-10°» Zuschlag, die ReklamezeUe I > =
(lertbreite) 1.50 Mk., u. 10% Zuschlag- Bei L—
durch die französische Armee besetzten Zone bat^Mge öon Zwischenfällen und um Anlasse 8U llnfuJcn,.° p°erm?iden“ verboten, daß in der eefjentr Jfcit: beuge L-yinnen oder Liedei, welche „einen teindieligen. provo zierenden Charakter gegen Frankreich“ tragen^ geiuoge werden. Verboten sind ». a : »Die Wach» am N h ein“, „D e u tschland,De uti ch Ian du dera 11 e c „Seil dir im Siegerkranz“. Ferne, wird in bcrFranzos besetzten Zone unter allen Umstanden das Ftagge mit jchwarz-weitz-rotenoder schwarz-rot-goldenen ^ah
ÜCt» «blSfung der Franzosen B ^berschl,sien ? Dem Oberschlesischen Wanderer“ wird verichtet. daß tue Voigän-e in Oberschlesien und die damit verknupiten unaufhörlichen Beschwerden bei der Ententetoinmiision die Wirkung gehabt haben, daß eine flbloiung der ge gcntoärtigeu französischen Besatzungstruppen in Kurz vevorstehe. _
Deutsches Reich.
** Berk'n, 15. Juni. Am 15. Juni ist das Gesetz betreffend die Veibandsordnung für den Ruhr- kohlen 1 vH in Kratt getreten, das die Ansredlu n g von 150 000 B e r g I e u t e n mir ihren Familien zu einem einheitlichen Wohnbezirke bezweckt. - Geheim, rat Dr. Nießer ist wegen Ueberlastuttg_ mit an- bereu Arbeiten ans dem Präsidium des pansabun- des attsgefchieden. Er wurde zum Ehrenpräsidenten