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Mittwoch, 16. Zuni 5920

Nr. 137

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ligionslose Schule. Aber auch andere Kreise glaubten die Zcu geEcrrmen, ihre Ideen Wirklichkeit werden ZU lassen. Revolutionszeiten sind immer fruchtbar ge­wesen mi Vorschlägen und Projekten auf dem Gebiete

Ohne Gruß stürmte er hinaus ins Vorzimmer, wo Daniela hörte, wie er Hut und Mantel vom Kleiber-

Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Carl Schütte, n für die Anzeigen: I. Varzeller-Fulda. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

rungsbildung eingehend erörtert worden ist. Die Kon­stituierung der Fraktion ist vorläufig vertagt worden und der Vorstand der alten Zentrumsfraktion mit der Führung der Geschäfte einstweilen beauftragt wor-en.

Zur Frage der Regierungsbildung erstat­tete der Abg. Geheimrat T r i m b o r n über den bis­herigen Verlauf feiner geführten Verhandlungen Be­richt, die bekanntlich ein Ergebnis bisher nicht gezeitigt haben. Die Aussprache in der Fraktion zeigte die außer­ordentlich großen Schwierigkeiten, welche diesmal in­folge des Verlaufs der Wahlen einer Regisrungsbn- dung entgegenstehen. Es ist immerhin mit der Mög­lichkeit zu 'rechnen, daß Geheimrat Trimborn seinen Auftrag in die Hände des Reichspräsidenten zuruck- legen wird.

Man meldet, daß Abg. Trimborn, sobald er auch noch mit den Demokraten verhandelt hat, sich aber­mals an die Sozialdemokratie wenden wird. Es ver­stärkt sich indessen mehr und mehr der Eindruck, daß die Mehrheitssozialdemokratie tatsächlich nicht gewillt ist, die bisherige Koalition fortzuführen, sondern sich auf die bequemere Stellung wohlwollender Neutralität zu­rückzuziehen gedenkt.

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an der vorgeschriebenen Zahl fehlen, wahrend die Zentrumspartei ein weiteres Abgeordneten­mandat erhält. Auch in Westfalen erhielt das Zen- tnim infolge der Listenverbindung nach dem endgül­tigen amtlichen Ergebnis ein Mandat mehr.

Me sog. Christliche Dolkspartei im Rheinland hat, entgegen früheren Nachrichten, kein Mandat er­halten. __________ „

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Sie erschrak mm doch ein bißchen. So zornig hatte sie ihn noch nie gesehen. Hastig eilte sie ihm. nach. Heidlof stand bereits angekleidet an dör Ausgangs- tür.

„Du willst fort —? Jetzt — vor Tisch?,'

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Es kam vor, daß Heidlof nachmittags für . Sprung heimkommend, um rasch eine Tasse Tee zu trinken, daheim niemand vorfamd. Daniela war aus- »gangen, das Mädchen saß schwatzend bei der Haus­besorgerin und in der Küche stand noch das Eßgeschirr vom Mittag ungereinigt. Sehr häufig war das Essen nicht zur rechten Zeit fertig und Heidlof konnte kaum ein paar Bissen hastig hinunterschlingen, ehe er ins Ordinationszimmer mutzte.

Seine Instrumente wurden nicht mehr so sorgfäl. >-tig gereinigt der Staub nicht mehr gründlich beseitigt, seit Daniela' es aufgegeben hatte, die Oberaufsicht dar­über zu führen. _

Edgar die Wäsche kam schadhaft m tie Schranke nach dem Reinigen Bald fehlte ein Knopf, bald war em Loch im Strumpf unaugsebessert geblieben.

Heidlof sagte nie ein Wort darüber. Er nähte sich wie in seiner Militärzeit die Knöpfe selbst an uni warf zerrissene Strümpfe einfach in den Cfcn.

Im übrigen war er momentan stärker als je beschäf- llgt. Ex arbeitete einen Vortrag aus, den er im März im Aerzteverein halten und der gleichzeitig gedruckt

der Pädagogik. „

Man braucht sich also über die Unruhe und Ge­schäftigkeit auf dem Gebiete der Schule und der Er­ziehung an iich nicht zu wundern oder zu beunruhigen. Denn dies liegt nun einmal im Geiste der Zeit. Brr der Jugend soll der Anfang gemacht werden, um in die irdische Unvollkommenheit den menschheitsbeglückenden Idealzustand hineinzupslanzen. In Wort und Schrift wird das Bestehen für überlebt erklärt, für die neuen Ideen geworben. Die Gesetzgebung aber kann nur langsam arbeiten, sie ist vollauf beschäftigt, dem Volke erst' das materielle Leben zu sichern. Aus diesem Zwiespalt entsteht eine gewisse Hochspannung, die be- deutlich werden kann. Eine Entspannung ist wün­schenswert Sie zu bringen, dürfte den Hauptnutzsn der Reichsfchulkonserenz ausmachen

Sie gibt Gelegenheit dazu, daß sich die verschiede­nen Richtungen wenigstens einmal aussprechen können. Hoffnungen und Wünsche, Bedenken und Vesutcyiun- gen werden vor einem größeren Kreise vorgetragen; von allen Seiten werden die Probleme beleuchtet, ent­gegengesetzte Anschauungen nach Für und Wider er­wogen. Ausgleichen werden sich die Gegensätze nicht; aber mancher wird doch nachdenküch werden, ob das Ideal, das er sich aus seinem Erfahrungskreise heraus- qestaltet hat, auch durchführbar ist. Die Ueberzeugung, daß Schule und Erziehung mit besonderer Vorsicht wegen der Folgen, mit besonderer Rücksicht auf die Be­teiligten behandelt werden müssen, wird zweifellos durch eine solche Konferenz gestärkt. Wirkt sie beru­higend im Sturm und Drang des Ueberganges, an- regend für die künftig? Gesetzgebung, so hat sie ihren Zweck erfüllt.

Im Laufe des Winters waren die Voroerertungen so weit gediehen, daß die Konferenz vom 7.—17. April tagen sollte. Der Kapp-Putsch machte die Ausführung unmöglich und nötigte dazu, sie bis nach den Wahlen hinauszufchieben. Am 11. Juni endlich konnte eer Reichsminister des Innern, Koch, die erste Re'chsschui- konferenz im Reichstagsgebäude eröffnen. Alle Schul­arten von der Universität herab bis zum Kindergarten sind vertreten. Alle Richtungen in der Pädagogik bis zu den entschiedenen Reformern und zu der sortschrnt- lichen Jugend sind berücksichtigt.

Es ist klar, daß eine so bunt zusammengestellte, nur zu diesem Zweck berufene Versammlung nicht über alle ihr vorgelegten Schul» und Erzichungsangelegenhei.e.r vollständige Klärung und Einmütigkeit erzielen kann.' Mehrheitsbeschlüsse aber können keine bindende Kraft, haben bei einer Körperschaft, die von der Regierung nach eigenem Ermessen berufen ist. Der Reichsmmisrer des Innern hatte schon erklären lassen, daß den Be­schlüssen der Konferenz keine bindende Kraft mne- wohnen foll, daß sie vielmehr nur als Material für die Gesetzgebung des Reiches und aer Länder dienen sollen. Dennoch gab bei Beginn der Verhandlungen Äbg. Mumm die ausdrückliche Erklärung ob, daß seine Freunde den Beschlüssen der Konserenz m: gut-, achtliche Bedeutung beilegen könnten. Die gleiche Ver­wahrung legte auch Geheimrat Marx für eine Reiye von Organisationen ein und hob mit Recht hervor, baß man bei dem Charakter der Konferenz folgerichtiger von Beschlüssen lieber ganz absehen würde.

Der Stoff der Beratung ist in acht Gruppen ein- geteilt: 1. Schularten, Schulziele und organisatorische Zusammenfassung zur Einhellsschule, 2. methodische Fragen und Bedeutung einzelner Schulfächer für das gesamte Schulwesen, insbesondere: Arbeitsunterricht, Werkunterricht, Staatsbürgerkunde, Kunsterziehung, Lern- und Unterrichtsmittel, 3. Lehrer (Lehrerinnen), Ausbildung derselben und ihre Beteiligung an der Schulleitung und Schulverwaltung. 4. Schüler (Schüle-

Zur Reichsschttlkonferenz.

Von Prof. Grebe, M. d. pr. L.

Die Sozialdemokratie, der Sieger vom 9. Novem­ber 1918, ist eine Klasfenpartei. Eine von ihr getra­gene Revolution mußte einen sozialen Charakter ein­nehmen und alle Einrichtungen des allen Staates er­greifen. Unter diesen Umständen konnte tue Schule von der Beweaung nicht unberührt bleiben, ja sie schien zunächst noch stärker bedroht als die herrschende Wirt­schaftsordnung. War es doch viel leichter, auf dem Gebiete des Schulwesens in gewagten Experimenten seine Lieblingsideen durchzusetzen als unser zusammen­gebrochenes Wirtschaftsleben in sozialistischem Geiste wieder aufzubauen. Munter flatterten daher in den ersten Wochen der Revolution aus dem Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, in dem Hae- nisch und Hosimann verantwortlich zeichneten, die Er­lasse ins Land hinaus und verrieten recht eindeutig, wohin die Reife gehen sollte. Sofort regte sich aber

im Volks entschiedener Widerstands und der Ausfall der Nationalwahlen zwang zu gemäßigtem, gesetzmäßi­gem Vorgehen. Die Sozialdemokratie hat natürlich ,auf ihre Schvlpläne nicht verzichtet; sie drängt nach einer Umgestaltung in sozialer und religiös-erziehlicher Rich- i jung. Ihr Ideal ist und bleibt die rein weltliche, re-

Taniela, „ , . j

„Jawohl. Ins nächstbeste Gasthaus. Dort wird man ja das bißchen Essen, dessen ich bedarf, wohl fertig haben I" _ L '•

Egon — diese Schande willst Du mir an tun? "„Du selbst zwingst mich dazu! Kümmere Dich fünf, tig nur halb so viel um deine häuslichen Pflichten, wie um . . . andere Dinge, die Dich von rechts wegen gar nichts angehen, und es wird nicht mehr borfom- menl Adieu."

Die Tür fiel hinter ihm zu. Mit verstörtem Duck kehrte Daniela ins Zimmer zurück. Sie dachte gar nicht daran, zu essen. „Ich habe keinen Appetits, sagte sie mechanisch, als Fanny sie zehn Minuten spa­ter zu Tisch rief, „tragen Sie alles wieder hinaus."

Tann flüchtete sie in das kleine, dunkle Nauchzim- merchen neben Heidlofs Ordinationszimmer wohin bei Tay nie jemand kam, und letz sich auf ein niederes Sofa fallen.

Geistesabwesend starrte sie lange vor sich 9m-

Wie brutal und lieblos er heute zu ihr gesprochen hatte! Es war klar, er arbeitete bereits aus den Bruch hin. Nein — es konnte gar nicht anders sein. Wie hätte er sonst wegen der kleinen Verzögerung solch einen Lärm schlagen können?

Aber natürlich — er mußte ja einen Vorwand su- ^en®ana‘ ohne Anlaß konnte er ihr doch nicht eines schönen Tages den Stuhl vor die Tur fetzen. Plötz- lich griff sie sich verzweifelt mit beiden Hamen an den 5l0Pkt es denn möglich? Er wollte wirklich fort von ihr. So sollte alles enden? Aber fre lrebw rhn ja! Sie konnte ihn nicht verlieren! Nie wurde sie das überleben ... , „ ’

2S<x3 tim? Um Gottes willen, was tun? schrie es in "Ihr Die abenteuerlichsten, unmöglichsten Gedan. ken kreuzten ihren Kopf.

(Fortsetzung folgt.)

Spaa.

Lloyd George sagte im Unterhause, das Datum der Konferenz von Spaa sei noch nicht endgültig festgesetzt worden, doch werde die Konferenz wahr­scheinlich am 15. Juli beginnen.

Die Gefahren für die Abstimmung im Osten.

Nach Fertigstellung der Fahrpläne für die Züge zu den Volksabstimmungen ’m Ost- und Westpreußen haben sich Vertreter des Reichsverkehrsministeriums zu den Reichskommissaren m Allenstein und Marien­werder begeben, um den Abstimmungskommissionen die Notwendigkeit der Freigabe des Korridors durch Polen für diese Züge nochmals auseinanderzusetzen.

Seitens der Regierung sind Vorkehrungen getrof­fen, die Abstimmungsberechtigten auch ohne den po- littschen Korridor zu benutzen, auf dem Wasserweg nach West- und Ostpreußen zu bringen. Für diese Fahrten ist eine große Reihe von Dampfern gepachtet worden, die am Ende des Monats von Kiel und Swinemünde ihre Fahrt nach Ostpreußen antreten sollen und 160 000 bis 180 000 Personen aufnehmen können. ________________________

Aus dem besetzten Gebiet.

♦ ®ne starke Zumnlung. Die vom Völkerbund ein« oesehte Saarregierung hat den Professor Otfried Nippold (Bern) als Präsidenten des Oberlandesgerichtes Saar­brücken aussrfehen. Nippold hat während des Krieges in der schweizerischen Presse das deutsche Volk m der ge­

hässigsten Weise angegriffen und verleumdet. Sollte der Soarkommission denn gar nicht zum Bewußtsein gekommen sein, was sie mit einer solchen Ernennung dem Saargebiet nimuten? , „ „ ..

* Zeilungsverboke. Die „Köln. Volkszeitung, die „Rheinische Zeitung" und fünf andere Blätter wurden von der Rheinlandskommission auf Grund des Artikels 13 der Verordnung auf fünf Tage verboten. Dem Verneh­men nach ist der Grund des Verbotes dann zu suchen, daß die beiden Zeitungen Artikel gegen die Verwendung far- big er Truppen im besetzten Gebiete veröffentlichten.

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Seine Operation, die viel Aussehen erregt und ihm fcharenweise neue Patienten zugefüksrt hatte, war itot'n ausführlich erläutert.

So war es Februar geworden. Daniela wurie immer ungeduldiger. Wie lange würde denn Lore Sand noch im Sanatorium bleiben? Das dauerte za eine Ewigkeit — — —

Ta bekamen ihre Gedanken unerwartet eine neue Ricbtung. Sie fand im Papierkorb die klein zerrissenen Reste eines Briefes, den die Fürstin Laban an Egon Heidlof geschrieben hatte.

Mit einer Geduld, die einer besseren Sache würdig gewesen wäre, setzte sie die einzelnen Schnitzclchcn zu­sammen.

Ter Brief enthielt eine Einladung zum Tee für übermorgen außerdem aber vertrauliche Dekenntuisie, welche den Gedanken nahe legten, daß die junge v'ür- siin in ihrem Arzt mehr sah als bloß ihren „Leoerw- dttter", wie sie ibn nannte

Daniela hatte so sehr den Kopf verloren in ihrer grenzenlose Bestürzung, daß sie alles andere darüber vergaß und erst erschreckt auffuhr, als fie Egons Schritt im Vorzimmer hörte. 1

Was — schon Mittag? Verstört schob sie den Brief, den sie sorgfältig auf Pauspapier aufgeklebt hatte, in die Tasche und erhob sich.

Inzwischen ging Heidlof gereizt im Eßzimmer auf und nieder. Er war später als sonst heimgekommen, noch dazu arg verstimmt über gehässige Angriffe seines alten Widersachers, Professor Wasa, die man ihm zu- getragen hatte. In einer halben Stunde sollte seine Ordination beginnen. Nun war der Tisch noch nicht einmal gedeckt! , . !

Er läutete Sturm. Fanny erschien mit verdrosse­nem Gesicht.

„Bringen Sie augenblicklich die Suppe!" herrschte er sie in ungewohnter Heftigkeit cm.

„Ich bin noch nicht ganz fertig mit der Kocherei, Herr Dozent, Aber in einer Viertelstunde —“

„To! Sie wissen, daß ich um halb drei Ordination habe! Was ist denn das für eine Wirsschaft jetzt? Wozu sind Sie eigentlich da?"

„Na, Wunder wirken kann ich auch nicht," gab I Fanny erbost zurück, „wenn man alles allein machen soll . . .! Tie Aufwartefrau eilt jetzt auch immer schoir eine halbe Stunde früher fort als sonst, und kein Mensch sagt ihr ein Wort! Auf mich kommt daun alles." . 1

„Schweigen Siel Daß die Mahlzeiten pünktlich I gehalten werden, ist wohl das mindeste, was ich von I Ihnen verlangen kann!"

I Fanny brach tn Tränen aus.

„Ich kann ja gehen, Herr Dozent ... so anschreien I brauche ich mich nicht zu lassen!"

„Wie Sie Ivollen. Suchen Sie sich ruhig zum 1.

I März einem anderen Posten."

I Er wandte sich verärgert wb. In der Tür des Ne- I benzimrners stand Daniela blaß vor Erregung, wäh- I rend Fanny stumm hinausschlich.

„Was soll das heißen?" fragte Daniela, „Du hast I Fanny gekündigt?"

I „Wie Du siehst. Mindestens vom Dienstmädchen 1 brauche ich mich nicht als fünftes Rad am Wagen be- 1 handeln zu lassen)

Bezugspreis: Monatlich 2.00M. ohne Zustellgebühr. In Fuioal

bei uns abgeholt 2,10 Mk. Anzeigenpreis: D.eKleinze le A? iQhrCt (Colonelmaß) 50 Pfg., u. 10°« Zuschlag, die Reklamezeile | “ J J S feb8r°1 ~iRa6att •

Es war der Brief einer überspannten, vielleicht auch nur blasierten Weltdame, die nach Sensationen dürstete. Hätte Heidlof besonderen Wert darauf ge­legt, er würde ihn wohl kaum zerrissen und in den Papierkorb geworfen haben.

Aber daran dachte Daniela gar nicht. Sie dachte nur daran daß die Fürstin bestrickend schön und durch ein von den Großeltern ererbtes immenses Vermögen völlig unabhängig sein sollte. Isolde, die sie kannte, hatte es der Schwester einmal erzählt.

Und diese Frau liebte Egon, wollte sich seinetwegen sogar scheiden lassen--denn das deutete ihr Brief

ja ganz klar anl .,

Würde er nicht mit beiden Händen zugreycn '■ Was sollte ihn denn zurückhalten? Sie — Daniela? Ach er liebte sie ja längst nicht mehr! Sein Beruf• Bah — er würde froh sein, die Rackerei an den Nagel hängen zu können und in irgend einem schönen Erden- wiukel sorglos von den Renten seiner furylnhen Ge­mahlin zu leben.

Lore Sand? Ja — die liebte er zwar. Aber so 1 schön wie die Fürstin war sie gewiß nicht und schließlich I nur ein armes Mädchen--"

! Nein, die Wahl konnte ihm nicht schwer werden. 1 Männerliebe verging ja so rasch Eitelkeit und Be- | gehrlichkeit dagegen waren ihnen angeboren ■ ■

Eine nachträgliche Rechtfertigung.

Im Wahlkampf war die Koalition für die Agitatoren von rechts und links die Zielscheibe aller Angriffe. Und jetzt, wo der Wirrwarr aufgeräumt werden muß, erkennt alle Welt, daß es in Deutfch- fanb ohne Koalition überhaupt nicht geht. Die be­sonnenen Leute aus allen Parteien haben den Her­zenswunsch: Ach, wenn doch die alte Koalition, die j tms diese anderthalb Jahre über den Berg geholfen ; |af, vorläufig noch weiter bestehen könnte!

Gn offenes Geständnis des Meinungsumschwungs hat die Deutsche Volkspartei abgelegt. Die hatte sich im Wahlkampf an die konservative Taktik ^geschlossen und besonders dem Zentrum das „Zu- , fammengehen mit der Sozialdemokratie" zum Vor­wurf gemacht. Aber alsbald nach chrem Wahlsiege mußte die Deutsche Volkspartei sich zur Mitarbeit mit den Sozialdemokraten bereit erklären; sogar eine Ein­ladung dazu an die Scheidemann-Partei ergehen las­sen und sich einen — Korb holen.

Aus der Erkenntnis der Staatsnotwendigkeit ma­chen wir den Volksparteilern natürlich keinen Vor­wurf. Im Gegenteil: es ist löblich, wenn die Führer vernünftiger werden als die unverantwortlichen Agi­tatoren. Wir wollen nur hoffen, daß man fortan nicht das Zentrum schilt und verdächtigt, weil es rechtzei­tig im Interesse des Vaterlandes dasselbe getan hat, was die Nationalliberalen tun wollten, als es zu spät war.

Die Logik der Tatsachen rechtferssgt nicht nur die bisherige Koalitionspolitik im ganzen, sondern räumt auch auf mit der irrigen Ansicht, daß die alte Koalition nur der Sozialdemokratie Vorteile gebracht habe. Un­sere Freunde im Parlament sind ja vielfach angegrif­fen worden, als ob sie die höchsten und heiligsten Jn- leressen an die Sozialdemokratie ausgeliefert und deren Machtentfaltung in verräterischer Weise gefördert, hät- ta. Aber was erleben wir jetzt? Die sozialdemokra­tische Fraktion will von der Herrlichkeit und den Vor­teilen, die ihr angeblich die Koalition gegeben hat, nichts mehr wissen. Sie lehnt das Verbleiben in der Koalition ab und rechnet auf mehr Erfolg, wenn sie auf eigene Faust ihre Ziele verfolgt.

Aus diesem Drange nach Bewegungsfreiheit laßt üch klar erkennen, daß die Mehrheitsforialisten ent- ! täuscht sind über die Früchte, die die Koalition j ihrer Partei gebracht hat und daß sie die Arbeitsge­meinschaft mit den bürgerlichen Parteien als hem­mend empfinden. Sie möchten aus der Verant­wortlichkeit für die Polittk heraus, sie möchten die Zwangsjacke der Staatsnotwendigkeiten abstreifen. Das ist nicht schön und zeigt eine bedenkliche Schwäche gegenüber dem unabhängigen Wettbewerber um die Gunst der Massen. Aber vorn Standpimft der Par- Kiselbstsucht wird die Haltung begreiflich.

Die Partei hat Stimmen u. Mandate verloren, da ist Ke bessere Stimmung umgeschlagen und bat das ein- ieitige Parteiinteresic in der Fraktion die Oberhand er­langt. Hoffentlich nicht auf die Dauer, möchten wir gerne fagem Nicht aus Vorliebe für die Sozialdemo­kratie, sondern in der Erkenntnis, daß unter den ob­waltenden Umständen die Heranziehung dieser Partei zur verantwortlichen Mitarbeit von größtem Wert ist, namentlich auch in der Hinsicht, daß dadurch die Ueber- spannung und Ueberstürzung in den sozialistischen Be­strebungen am besten verhindert werden kann.

Die alte Koalition war nicht bloß eine Staatsnote Wendigkeit, sondern auch ein wertvolles Hilfsmittel zur S o l k s e r z i e h u n g.

Was man verlieren soll, pflegt man erst richtig zu schätzen.

Die Zenlrumsfraklion des Reichstages trat am Dienstag vormittag zu einer Sitzung zusam­men, in welcher unter Beteiligung des Parteivorstandes der deutschen Zentrumspartei die Frage der Regie- ?——— ■ — ■ -

Fordernde Siebe»

Roman von Erich Ebenstein.

Die Reichstagswahl.

Im Dahlkreisverband Hessen, der aus den Wahl­kreisen Hessen-Nassau und Freistaat Hessen besteht, er­geben sich nach der amtlichen Zählung solgende R e ft- stimmen, die auf die Reichsliste übergehen: Deutsche Demokratische Partei 59 957, Zentrum 48 344, Deutschnationale Volkspartei 20 497, Deutsche Volks­partei 38 266, Sozialdemokratische Partei 10 535, Un­abhängige Sozialdemokratie 31741, Kommunistische Partei 19 358.

Die Demokraten, denen nur 43 Stimmen für das 2. Mandat fehlen, wollen die Wahl anfechten, nachdem 3470 ihrer Stimmen ungültig erklärt sind, well auf den Stimmzetteln alle Namen außer dem des Spitzen­kandidaten durchgestricheu waren.

Am gestrigen Dienstag erfolgte in Kassel in einer Sitzung des Wahlausschusses die Verteilung der Sitze j auf die einzelnen Wahlvorschläge. Danach entfiel durch | die Wahlkreisverbindung mit Hessen auf die Liste ! Helfferich ein weiterer (brütet) Sitz, tm übrigen blieb 1 es bei bem Ergebnis der früheren Fefsstellung. Es I wurden als gewählt erklärt:

Deutschnational: Dr. Helfferich, Landwirt Lind, Niederissigheim, Arbeitersekreiär Hart- | roig, Gadderbaum; |

Deutsche Volkspartei: Dr. Rießer, Land- I wirt Hepp, Seelbach, Lokomotivführer Sei- I bert, Frankfurt;

Zentrum: Mlltelschullehrer Schwarz, Frank­furt, Landwirt Herbert, Zirkenbach, Ge- I werkschaftssckretär H ö n e r, Altenkirchen;

Demokraten: Prof. Schücking, Marburg;

Mehrheitssozialisten: Scheibemann, Frau Tesch, Frankfurt, Arbeitersekreiär Kaiser, Frankfurt, Lanbrat Thöne, Witzenhausen, Schriftsteller Hoch, Hanau;

Unabhängige: Verbanbsvorsitzenber Dißmann, Hanblungsgehilfin Toni Senber, Frankfurt. |

Manbatszuwachs für bas Zentrum. Im Wahl- kreisverbanb Rheinlanb-Süb (Köln - Aachen - Koblenz-Trier) ergab die Zusammenrechnung bet Ueberschußstimmen, daß dem Spitzenkandidaten bet Deutschnationalen Volkspartei Fuhrmann 19 Stimmen

Sie klagte darin über seelische Einsamkeit, in der fie zwischen ihrem viel älteren Gatten, der nur Sports­mann und eigentlich stets unterwegs von einem zum anderen Rennplatz war. und bei den Schwiegereltern, in deren Palais fie wohnten, die ganz in leerem Ge. sellschaftstreiben aufgingen, lebte.

„Ich kann dies Leben einfach nicht länger ertra­gen," hieß es weiter. „Ich will die Ketten sprengen und frei sein und leben! Und Sie — schon einmal mein Lebensretter — sollen mir dabei Helsen — ra­ten . . .! Auch Sie sind ein einsamer Mensch, dem das Leben bisher alles schuldig blieb — sagen Sie mix kein Wort dagegen: Ich weiß — ich fühle es, wenn Sie es auch nie ausgesprochen haben. Mit den Augen der Seele — jener Seele, die Sie ganz versteht, Heid­lof, habe ich es aus Ihrem Blick gelesen!

'Es wird niemand sonst zugegen fein, übermorgen, wenn Sie kommen. Wir beide ganz allein! Dann wollen wir beide beraten, ob und wie vielleicht uns

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