Dienstag, 15. Zuni 1920
Teil: Carl Schütte
Leruospreis Monatlich 2.00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 2,10 Alk. Anzeigenpreis: DieKleinzeile fß-ninnolmaM 50 Ma., u. 10°!o Zuschlag, die Reklamezeile ^°XS1.50 mf., n. 10»/. Zu1chl°g?Bei Wiederhol. Rabatt.
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47. Zahrg.
für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. »druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei i
Nr. 136
in Fulda.
Deutscher Reich
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Rotationsdruck u. Verlag der ------------- _
Fernsprecher Nr. 9. Tclegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung
zum 10. Oktober, ersucht wird.
a Die mecklenburgilche Landtagswahl. Bei den Landtagswahlen sür Mecklenburg-Schwerin erhielten die Deutschnationalen bisher 64056 Stimme», die Volkspariei 46 399, die Mittelstandsvereinigung 21079, die Demokraten 20 640, die Sozialisten 116 131, die Unabhängigen 22 942, und die Kommunisten 1104. Auf je 5000 Stimmen entfällt ein Abgeordneter. Eine Reihe von Orten steht noch aus. — Somit würden nach dieser vorläufigen Meldung, an Abgeordnetensitzen erhalten: die Deutjch- notionalen 12 bis 13, die Deutsche Dolkspartei 9—10, die Mittelständler 4, die Demokraten 4, die Mehr- heitssozraldemokraten 20—21, die Unabhängigen 4 und die Kommunisten 0 Sitze. Die bisherige sozialdemo- kratisch-demokratische Mehrheit von 49 Stimmen ist danach stark zusammengeschrumpft, denn schwerlich bringt das Platte Land ihr noch viel Zuwachs. 1919 errangen die Mehrheitsjvzialdemokraten 32, die Demokraten 17, die Teutschnationalen 10, die Deutsche Volkspartei 2, der Dorfbund 2 und der Handwerkeibund 1.
Aerzte und Krankenkassen.
Der Hauptverband deutscher Ortskrankenkassen teilt uns mit: Der Schiedsspruch im Aerztestreik ist von den Krankenkassenverbänden mit der Bedingung angenommen, daß Mindest- und Höchstsätze für die Pauschbeträge des Aerztehonorars festgesetzt wer- den. Zentrale Verhandlungen im Reichsarbeitsmim- sierium stehen bevor. Bis zur endgültigen Eimgung bleibt der veriragslose Zustand bestehen.
Der Beirat des Aerzteverbandes hat den Schiedsspruch über das Honorar angenommen und bezüglich des obigen eine Form gefunden, die eine Aussicht auf endgültige Eimgung offen läßt.
Talent betätigen konnte. Der Philisterzirkel des Fuldaer Landes „Buchonia" verliert m ihm fernen •Begründer und ersten Vorsitzenden.
(!) Gersfeld. Eine Anzahl beteiligter Handwerker hat die Errichtung einer Zwangsinnung tn Gersfeld für alle diejenigen beantragt, welche rm Amtsgerichtsbezirk Weyhers, Kreis Gersfeld, das Schneiderhandwerk als stehendes Gewerbe selbständig betreiben, gleichviel, ob dieselben der Regel nach Gesellen oder Lehrlinge halten oder nicht. Der Landrat in Gersfeld ist mit den Erhebungen betraut worden, ob die Mehrheit der beteiligten Handwerker zustimmt.
Aus der hohen Rhön. In der M o r d s a ch e des von Holzsrevlern und Wilderern kürzlich erschossenen August Zentgraf von Hausen bei Fladungen wird uns mit geteilt, daß Albert Ditzel aus Oberweid, geb. in Frankenheim, A. und Friedrich ebenfalls aus Fran- kenheim, als des Mordes verdächtig verhaftet wurden. Die tödliche Kugel war nicht dem Getroffenen, sondern dem Förster von Hausen zugedacht.
h Frankfurt a. M. Die Funkspruchstation der Hauptpost zur Uebermittlung n. S e delsnach richten jeder Art an die Handelskam- mcr und deren Interessenten ist nunmehr tn vollmr Betriebe. Jeden Morgen 6,30 Uhr treffen die Mel- düngen im Hauptpostgebäude em und können nach UÜbertragung und Vervielfältigung bereit-, um 9 Uhr den Handelshäusern usw. zur Verfügung gestellt werden Neben dieser Einrichtung erhalt, die Handels, kammer bis zum Herbst noch eine Station für draht, lose Telegraphie. • 1
me Frankfurt o. SR. Die F r a n k f u r t e r V er. brauckerkammer wendet sich in einer enetgt- scheu Eingabe an das Polizeipräsidium, um den Unfug des „Döollebuschmachens" aus der Welt zu schaffen. Tagtäglich werden Fuhrwerke mit Kohlen und Holz I unter den Augen der Fuhrleute und vielfach sogar mit deren Wissen von Kindern und Erwachsenen be. raubt sodaß es vorgekommen ist, daß an einzelnen Fuhren bis zu 15 Zentner Brennstoffe gefehlt haben. Die Frankfurter Polizei hat diesen Zuständen vielfach untätig zugesehen und sich kaum um Abhilfe gekum, mert — Der Magistrat hat einen größeren Betrag gur Errichtung von J>u g endw a n d e r h e r, bergen bereitgestellt.
Die Reichsschulkonferenz.
2n der Reichsschulkonferenz wurde am Samstag kfe Debatte über die E i n h e i t s sch u l e zu Ende ge- lieber 70 Redner hatten sich zu dem Thema Mm $ßort gemeldet. Ein dazu bestimmter Verirauens- ^chuß hatte schließlich 25 Redner aller verschiedenen fkuhtungen ausgesucht. Don diesen wurde das, Thema ? ollen Einzelheiten von den verschiedensten Seiten aus ^»gehend beleuchtet. Als für unsere Zeit besonders y^akteristisch mag erwähnt werden, daß auch zwei ?chulervertreter zum Wort kamen. Besonders ein ivdeutscher Jüngling gab seiner souveränen. Ber-
Ausland.
** In Frankreich hat der Ernahrungsminister die Fleisch preise bedeutend herabgesetzt in Anbetracht der stark sinkenden Preife für lebendes Vieh.
* Sehr ernste £cgc in Albanien. Der Anfang Mai nach Beginn der Räumung von Südalbanien aus- gebrochenr Ausstand hat die ganze Provinz Balg NS
Trimtforn mit der Regierungsbildung beauftragt.
Der Führer des Zentrums, der Abg. Trim- | ftnrn ist Montag vormittag zum Reichspräsidenten §fjer't berufen worden und hat mit ihm eine längere I Besprechung oehabt. Im Verlauf dieser Besprechung m ihm der Auftrag der Kabinetsb ildung zu I teil geworden. Er hat den Auftrag, trotz der großen I Schwierigkeiten, die der Bildung eines neuen Kabi- I nettg nach den zwei vergeblichen Versuchen, im I Wege' stehen, angenommen. Zur Zeit befinden sich I bereits eine größere Anzahl von Zentrumsabgeord- I neten und besonders die führenden Männer unter l HE, in Berlin; sie stehen in dauernder Fühlung- | «ahme miteinander.
Durch die Berufung Trimborns kommt endsich zur I Anerkennung, was schon von vornherein klar zu er- I fehen war: das Zentrum bildet den wirklichen Mit- I tclpunft und den Kriftallifationspunkt für jede oerfaf- k fungsmäßige Regierung, wenn eine solche unter den verworrenen Verhältnissen überhaupt möglich ist.
Genau betrachtet ist Trimborn eigentlich der I erste, der den Auftrag zur Kabinettsbildung im vol- I l-n Sinne des Wortes übernommen hat. «eine beiden Vorgänger wollten nur einen Versuch unter einer bestimmten Bedingung anstellen. Hermann Müller be- sckränkte sich auf dst Anfrage bei den Unabhän- | gigen, da er sich darauf feftgelegt hatte, nur unter I Teilnahme dieser Partei eine Regierung bilden zu können. Dr. Heinze wollte seine weitere Tätigkeit abhängig machen von der Bereitwilligkeit der Mehrheit s s o z i a l i st e n, mit ihm und der Deutschen j Dolkspartei zusammen zu arbeiten. Beide erhielten eine I glatte Absage von den umworbenen Parteien, und I damit war ihnen die einzige Bohle, auf die sie sich gestellt hatten, unter den Füßen fortgezogen.
Trimborn steckt sich nicht in die Zwangsjacke einer j solchen Selbstbeschränkung, sondern wahrt sich die ziveckmäßige Bewegungsfreiheit. Nicht etwa in vor- I eiliger Zuversicht auf das Gelingen, er hat vielmehr | in der Besprechung beim Reichspräsidenten die außer- I ordentlichen Schwierigkeiten der gegenwärtigen Sage entwickelt. Er will feine Pflicht tun nach bestem Vermögen, obschon er weiß, wie ungemein schwierig die Aufgabe und w>e unsicher der Erfolg ist. I
Wir wollen seine Anstrengungen, wenn sie auch einer Sisyphusarbeit bedenklich ähnlich erscheinen, mit I den besten Wünschen begleiten und unsererseits aus der Uebernahme des Auftrags zunächst nur die Folgerung ziehen, daß der überaus sachkundige Trimborn I die Lage nicht fürverzweifelt hält. Er glaubt offenbar noch an eine Möglichkeit, zu einer friedlichen and gedeihlichen Lösung der Krisis zu gelangen, und wenn der Weg dahin auch noch dunkel und voll Hin- I berniffen fein mag, so wollen wir doch unsere Hoffnung im Hinblick auf Trimborns Klugheit und Wagemut sich «frischen lassen. ,
Es läßt sich nicht verkennen, daß durch die Haltung ter Sozialdemokratie die Sage weit schwieriger geworden ist. Die Mehrheitssozialisten haben sich näm- lich in dem gestern mitgeteilten Beschluß ihrer Konferenz nicht damit begnügt zu erklären, daß sie eine Beteiligung irgend einer Rechtspartei an einer Regierung, an der sie teilnehmen könnten, nicht wun- schen, sondern sie sind noch einen Schritt weiter gegangen u. haben ausdrücklich hervorgehoben, daß sie „eine Fortsetzung der bisher betriebenen Koalitionspolitik mit Zentrum und Demokraten gegenwärtig als unmöglich betrachten". Man kann nur hoffen, daß das nicht das allerletzte Wort ist. Das „unmöglich" klingt ja auch mehr nach einer Erwägung, als nach einer Willensmeinung, und das „gegenwärtig" deutet auf eine Veränderung der Sachlage hin. 3n dieser Hinsicht ist auch zu beachten, daß der Reichskanzler Müller, der entscheidend zu her Absage an die Rechtsparteien mit gewirkt hat, in dieser Parteikonferenz lebhaft empfahl, die Sozialdemokraten sollten sich in den Aemtern, die sie inne haben, zu behaupten suchen. Er will also keinen richttgen Streit durchführen, sondern rechnet auf em Durchhalten, bis die Mittegierung seiner Partei wieder möglich wird.
Das ist die eine Seite der Sache, die noch einen Ausweg erkennen lassen kann. Die andere Seite steilich zeigt wieder die Schwäche und Unselbständigkeit der Mehrheitssozialiften. Ihre Absage ist ein Erzeugnis der Furcht vor dem „unabhängigen Wett- bewerb bei den Wahlen. Sie scheuen sich, die V-r- ontv-ortlichkeit für die Regierung weiter zu tragen, nachdem die Unabhängigen es abgelehnt haben, ihrer- feits die Verantwortlichkeit mit zu übernehmen. Aus Wahltaktik möchten sic in dieselbe bequeme Oppositionsstellung gehen, die von den Unabhängigen mit Erfolg nusgenutzt worden ist. Zugleich steilich möchten sie fre äußerlichen Vorteil retten, die ihnen die bisherige Mitregierung gebracht hat.
Imposant ist es wahrlich nicht, wenn eine große vartei sich abhängig macht von den Entschließungen und Praktiken einer anderen Partei und sich gewunden umher drückt gegenüber einer Aufgabe, die sie als stärkste Fraktion des Reichstages von rechts wegen zu kosen hätte.
Augenblicklich ist nun die Sachlage so, daß eine Koalition mit Einschluß der Mehrheitssozialisten nicht vollständig unmöglich, aber doch bei der Unselbständigkeit und Willensschwäche dieser Fraktion als sehr schwierig erscheint. Wenn Trimborn einen Ausweg findet, wird er als Retter des Vaterlandes be-- ’tu&t werden dürfen.
Stadtverordneten-versammlung.
(i) Fulda, 15. Juni 1920.
An der gestrigen Sitzung nahmen 30 Mitglieder teil. Dom Magistrat waren anwesend Oberbürgermeister Dr. Antoni, 2. Beigeordneter Fritz, Stadtrat Laux, Stadtbaurat Eberlein. Den Vorsitz führte der Stadt. Verordnetenvorsteher Rang. Es hatte sich viel P u» likum eingefunden.
Zunächst wurde die
Beratung des Haushaltsplanes fortgesetzt.
Beim Etat der Grund st ücksve r w a ll u n » wurde von mehreren Seiten der Wunsch geäußert, daß die aus Friedenszeiten her noch verpachteten Aecker und Wiesen größeren Umfanges parzelliert und an Anheim,sehe Kleingärtner vergeben werden sollten. Der d^err Ob e t» bürgerineister stellte fest, daß die Parzellierung m großem Umfange bereits vorgenommen ist. Die Stadt fjat an mehr als 1000 Kleingärtner Gelände verpachtet. Auswärtige Pächter sind nur noch in kleiner Zahl vor- Händen Es wurde beschlossen, künftig die Verpachtung langfristig vorzunehmen und festzustellen, welche aus- wärtigen Pächter noch vorhanden sinh, - - '
ergriffen. Die Rebellen beschießen Dalona mit Artillerie, und versuchen, die Stadt zu (türmen, un italienischer General ist gefangen genommen worden. Der Angriff wurde abgewiesen, do-h mußten mehrere Städte geräumt werden. 2n Trieft unö in Bari kam es, um die Abfahrt von Verstärkungen zu verhindern, zu schweren Tumulten. Die 'talienische Regierung trifft nunmehr energische Maßnahmen zur Rettung Valonas. Fünf Schlachtschiffe und zahlreiche Torpedoboote sind dorthin abgegangen. Sie Aufstau dischen wurden durch einen von den Schifssgeschutzen unterstützten Gegenangriff zuruckgetrieben. Zwei.,uw dert Tote und zahlreiche Gefangene ließen sie zurück. Die Italiener nahmen taufend albanische Mohammedaner gefangen. Antioari, und ebenso die beiden vorgeschobenen Garnisonen im Innern des Landes, Tepelem und Dasciali wurden geräumt. — Sie italienische sozialistische Parteileitung verlangt die sofortige Rau- mang Albaniens. Sn einer Zusammenkunft mt den Vertretern der Eisenbahner und der Seeleute soll die Verhinderung der Truppentransporte organisiert werden.
Hus dem Nachbargebiet.
Waldbrände.
H Riesig. Am Sonntag, den 13. d. Mts. ist I schon wieder ein Waldbrand in einer hiesigen Privatwaldung entstanden, nachdem erst am Psingst« I montag ein Brand im Walde des Herrn Wuite die Bewohner von Riesig in Aufregung gebracht hatte. Durch das persönliche Eingreifen des Herrn Land« l rat§ konnte damals der Brand rechtzeitig gelöscht werden, auch dieses Mal gelang es noch, den ent- stehenden Brand zu ersticken. Die Ortsbehorde von j Riesig sieht sich gezwungen, strenge Maßregeln gegen diejenigen zu ergreifen, die mit brennender Zigarre I oder Zigarette im Walde angetroffen werden. Gegebenenfalls werden sämtliche Privat- und Gemeindewaldungen von Riesig gesperrt. I
k. Giesel. Sonntag nachmittag entstand im Staats Wald, Distrikt 72 ein Waldbrand. Durch das tatkräftige Eingreifen der Einwohner von Giesel und | Istergiesel sowie der Feuerwehren aus diesen Orten gelang es, den Brand einzndämmen. Der Schaden ist trotzdem bedeutend. Zweifellos ist der Brand I durch das achtlose Fortwerfen einer brennenden Zigarette oder eines Streichholzes entstanden.
Schwurgericht.
Q Hanau. Am Montag trat das Schwurgericht zusammen. Angeklagt ist der Handelsmann Bernhard Braunschweiger aus Wüstensachsen (Rhön), dem zur Last gelegt wird, am 28. Juli, 1919 in Hilders einem ihm zugeichobenen Eid wissentlich falsch, geschworen zu haben. Der Angeklagte ließ durch seinen Verteidiger Herrn Rechtsanwalt Dr. Koref beantragen, den Vorsitzenden des Schwurgerichts Geh. Justizrat Dr. Kleinmann wegen Besorgnis der Befangenheit abzulehnen. Begründet wurde der Antrag damit, ! daß der heutige Vorsitzende des Schwurgerichts auch bei der Sitzung der Strafkammer in Fulda, in der die heutige Strafsache verhandelt und an das Schwurgericht verwiesen wurde, den Vorsitz inne hatte. Der erste Staatsanwalt Lehmann bemerkte, es sei unerhört, den Versuch zu machen, den ältesten Richter des Landgerichts wegen Befangenheit abzulehnen. Der Angeklagte wisse zudem garnicht, wie jener Richter in der Sitzung der Strafkammer Fulda gestimmt habe. Das Gericht kam zu dem Beschluß, i den Antrag des Angeklagten als unbegründet zurückzuweisen. Braunschweiger hatte sich am 31. Januar 1919 mit dem Siegfried Weinberger zu den Eheleuten Heller in Tlelperts begeben und dem Heller einen schönen kuranten (Saul, den er zu Hause habe, angeboten. Der Verkauf des Pferdes kam zustande, der Kaufpreis betrug 850 Mark. Heller fühlte sich durch den Kauf benachteiligt, das Pferd, welches schon durch viele Hände gegangen war, erwies sich als minderwertig und verendete. Run kam es vordem Amtsgericht Hilders zu einem Prozeß. Braunschweiger hatte den Landwirt auf Zahlung des Kaufpreises verklagt. Heller machte in diesem Rechtsstreite geltend, Braunschweiger habe ihm das Pferd als gesund I verkauft und eine entsprechende Zusicherung gegeben. I B. beschwor, daß er diese Zusicherung nicht gegeben I habe. Die von ihm beschworene Tatsache soll jedoch I nicht der Wahrheit entsprechen. Es waren 14 Zeugen I geladen. In der Verhandlung beantragte der I Staatsanwalt, die als Zeugen vernommenen Sieg- I fried Weinberger, Liebmann Weinberger und Max I Weinberger aus Wüstenfüchsen nicht zu vereidigen, I da sie der Begünstigung verdächtig seien. Dem- I gemäß beschloß das Gericht. Die Geschworenen be» I zahlen die Schuldfragen auf fahrlässigen Mein- I eid. Das Urteil lautete auf 6 Monate Ge» I fä ngnis. Der Angeklagte, so lautete die Be- ! gründung, fei mit gewissenloser Leichtfer- I trgkeit vorgegangen, vor allem aus Gewinn- I sucht. ~
F. Pilgerzell. In unserer Gemeinde hat sich die I Errichtung einer dritten Schulstelle als not- I wendig erwiesen. Die neue Stelle soll mit einer I Lehrerin besetzt werden.
tt Neuhof. Im Alter von 55 Jahren ist hier nach I längerer Krankheit der weithin bekannte und geschätzte I Arzt Sanitätsrat Sr. Heitzmann gestorben.
Der Heimgegangene war eine Zierde seines Standes, ein verdienstvoller Förderer katholischen Lebens und ein treuer Vorkämpfer der Zentrumspartei, als Mensch ein Mann von festem Gepräge, der das Herz auf dem rechten Fleck hatte, stets hilfsbereit und liebenswürdig. Hervorragend und einflußreich war die Rolle, die er in der ärztlichen Standesorganisation spielte. Besonders herzlicher Verehrung erfreute er sich im Kartell- verbande der kathol. deutschen Studentenverbindungen (CV). Er war Philister senior der Würzburger Verbindung „Markomatmia" und Vostandsmitglied des Altherrenbundes des CV. Mehrere Jahre hindurch hat er die Verbands Zeitschrift „Akademia" redigiert. Große Verdienste erwarb er sich um den Stellennachweis des CV., in dem ex setzt x«ches orMsisaiorifches
Aus Geisa und Umgevuna.
--- Geisa. Man schreibt uns: Der Kernpunkt des neuen Wahlgesetzes für die Wahlen zum Land, tag Thür in gen bildet die Bestimmung, baß auf je 12 000 Stimmen 1 Abgeordneter entfällt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß man bei Festsetzung gerade dieser Stimmenzahl den Zweck verfolgte, dis Zentrumspasttei, die bei beit letzten Landtagstvahleu etwa 8500 Stimmen aufgebracht hatte, mundtot zu machen. Wir Zentrumswähler protestieren gegen die. ses Vorgehen derjenigen Parteien, die in Thüringer die Macht zu HÄen glauben. Wir verlangen, daß auch uns die Eßassungsmäßige Möglichkeit ftsgeben wird unsere Interessen durch einen Erkorenen unseres Vertrauens im Thüringischen Landtag vertreten zu lassen Wenn man glaubt, auf unsere 8—9000 ©tun. men im Kampfe gegen den Radikalismus und in der Sorge um die Wiedererstarkung unseres Vaterlandes verzichten zu können so tragen wir nicht die Verantwortung für solche Kurzsichtigkeit. Keine andere Partei kann für uns in Frage kommen, keine bietet uns in Kulturfragen die nötige Sicherheit, von keiner bür. fett wir erwarten, daß sie im Kampfe um die konfef- fionelle Schule, der für uns in Thüringen von solcher Wichtigkeit, uns unterstützen wird. Deshalb heißt die Parole am 20. Juni für jeden Zentrumswähler: Swengfte Wahlenthaltung! Keine Stimme irgend einer anderen Partei! Wir bleiben zu Häuf e!
--> Vom Landesfiuanzamt Thüringen wird uns geschrieben: _
Mit dem 25. Juni dieses Jahres treten bte Vor- schritten der 45—52 des Einkommensteuerge; eher über den Abzug von Einkomm en st eu er vom Arbeitslohn in Kraft. Hiernach hat leder Arbeitneh- mer der das 14. Lebensjahr vollendet hat, sich von der Gemeindebehörde fernes Wohn- oder Arbetts- orteg eine Steuerkarte ausstellen zu lasten Die Ausftellung erfolgt kostenfrei. Der Arbeitgeber hat bei der Lohnzahlung 10 Proz.. des Arbeitslohnes zu Sa- ften des Arbeitnehmers einzubehalten und für den einbehaltenen Bettag Steuermarken in Re Steuerkarte einzukleben und zu entwerten Die SteueMarken ge, i langen bei den P o ft an ft alt en Sum Verkauft Ne I einaeklebten und entwerteten Steuermarken werden ! bei der Steuerzahlung als bar in Anrechnung Genommen Auf Antrag des Arbeitgebers kann eine Ver- Wendung von Steuermarken unterbleiben und der em- bshaltene Sßetrag durch den Arbeitgeber unmittelbar der zuftändigen Steuerhebestelle zugeführt werden Der Antrag ist beim Finanzamt zu stellen. Als Arbeitge- «-r gelten auch Reichs-, Landes-, und Gemetndeb«. Hörden oder sonstige öffentlich-rechtliche Verbände tocflen der von ihnen zu- zahlenden Besoldungen. Wartegelder, Ruhegehälter Witwen- und Waisengelder. Alles Nähere ergibt sich aus den in der Sttuerkarte ab gedruckten Bestimmungen.
*♦ Berlin, 14. Juni. Die deutschen Delegierten zu der internationalen Arbeitskonferenz in Genua unter dxr Führung des Reichsmintsters a. d. Wissel haben Berlin verlassen. — Die internationale Schleswig-Kommission hat sich aufgelöst. — Die von Paris stammende Meldung, Deutschland habe beim Obersten Rat verlangt, bte Reichswehr, die zurzeit 200000 Mann zählt, weiterhin beibehalten zu dürfen, entspricht, nicht den Tatsachen. Dagegen ist in Paris eine Rote überreicht worden, in der Fristverlängerung für die Herab- i des 200000 Mann starken Heeres bis
Deutschlands Kohlen- und Viehlieferungen.
Die Pariser Wiedergut machuugskommission teilt über den gegenwärtigen Stand oer Kohlen» und Viehlieferungen Deutschlands laut SJerfatnct Fne- densvertrag mit, daß sie erhalten haben am 31. Mai an Kohlen: Frankreich 4,686,042 Tonnen, von denen 406,000 Tonnen an Luxemburg abge- treten wurden, Italien 316,063 Tonnen und Belgien 98,553 Tonnen; Vieh: Frankreich 6,547 Pferde, 40,720 Stück Rindvieh) 67 476 Schafe, 7875 Ziegen Belgien 3116 Pferde, 43,489 S'ück Rindvieh, 32,644 Schafe, 6140 Ziegen und 28,339 Stück Geflügel.
ochtung gegen die „Paukerschaft" so unzweideutig Aus- druck, wie sie eben ein richtiger „Pennäler" nur äußern
Sn der Montag-Sitzung wurde die Frage der^Leh- rerbilbung behandelt. Unter den Berichterstattern hat sich die Ansicht durchgerungen, daß zwar bis zur Hochschule eine gleichmäßige Borbildmig aller Lehrer, der Volksschul- wie der höheren Lehrer, wünschens- wert sei, daß es aber technisch undurchführbar sei, allen Dolksschullehrem die jetzigen Universitäten zu, ossnen. Für sie müßten daher pädagogische Akademien mtt Hochschulrang geschaffen, werden. — 21m Samstag und Sonntag wurde über die „Arbeitsschule debattiert.
Umsturz in Rußland?
Sn Paris wird in amtlichen Kreisen erklärt, daß man keine Kenntnis habe von der gestern durch Reuter gemeldeten Gegenrevolution in Rußland und der dort neu gebildeten Regierung unter Brussilow. Andererseits geht aus einer Umfrage der Agentur Havas in Pariser amtlichen Kreisen hervor, daß sett dem 11. Suni die französischen Funkstationen aus Moskau nur unverständliche Radiotelegramme erhalten haben. Roch am Sonntag abend wurden imdechissrierbare russische Funksprüche ausgefangen.
Reutermeldungen sind immer mit Vorsicht aufzunehmen, besonders solche über Rußland. Wer weiß, was für ein Sitteresse England mit der Verbreitung olcher Nachrichten verfolgt? Reuter hat den Boi- Heroismus in Rußland schon so ost totgesagt, und mmer wieder ist gerade dann kurz darauf Räie-Ruß- land besonders stark gewesen. Man denke nur an die angebliche Eroberung Petersburgs durch Sudenitsch und den angeblich so überaus siegreichen Vormarsch der Denikin und Kcltschak!
Andererseits mag darauf hingewiesen werden, daß in der letzten Zeit über Polen her hartnäckig Meldungen kommen, die von Brussilows Absicht, die Räteregierung zu stürzen, sprachen. Brussilow hatte zuletzt das unumschränkte Kommando über die Westfront. Doch die letzte Meldung hierüber berichtete von ber Verhaftung Brussilows.
Es spricht manches für, manches gegen die Zuverlässigkeit der neuen Alarmmeldung, lieber kurz oder lana muß ja doch der Sturz der Rätediktatur in Rußland kommen. Vorläufig bleibt uns nur übrig,, nähere Nachrichten abzuw'arten.