Aus dem besetzten Gebiet.
Tie beleidigten Neger. Wetzen Beleidigung der französischen schwarzen Truppen wurden fünf Verleger und Redakteure von Pfälzischen Blättern zu Gefängnis strafen bis zu einem Monat und Geldstrafen bis z» 10 000 Mark verurteilt.
Französische Soldaten als Nänber. Ein Kaufmann in Saarlouis wurde auf der Heimkehr von einer Ge. schäftsreise zwischen 10 und 11 Uhr abends aus offener Straße von drei französischen Soldaten in dem Augenblick, als er an ihnen borbeigegangen war meuchlings niedergeschlagen. Einer der Soldaten kniete auf den Wehrlosen und drückte ihn mit dem Gesicht in den Straßensand, während die anderen seine Taschen durchsuchten. Mehrere hundert Mark, eine silberne Uhr mit Kette, ein silbernes Messer und Geschästspapiere fie. len den Räubern in die Hände. Der Ueberfallene trug Verletzungen am Kopfe davon. Die französische Gar. nisonkommanantur sagte dem Opfer Wiedergutmachnncz zu. Die Saar-Jeitrmg, ein Zentrumsblatt, bemerkt zu dem Ueberfall: „Da in den letzten Tagen mehrfach von derartigen Ucberfällen durch französisches Militär berichtet wurde, drängt sich die Frage auf, ob Verbrecher bei uns ihren Einzug gehalten haben, ober ob wir unter Menschen einer Kulturnation leben.“
No» französischen Soldaten kberkaLen wurden zwei Mädchen am Fuß des Nerobergs bei Wiesbaden. Das eine der Mädchen kam dabei derart zu Schaden, daß es ins Krankenhaus aufgenommen werden mußte. Die Täter konnten unerkannt entkommen.
Der Bürgermeister von Gleiwitz, Dr. Geißler, wurde seines Amtes enthoben, weil er Befehlen eines französischen Generals nicht Folge geleistet^ hatte, da ihm nur die Vertreter aller alliierten Mächte maßgebend feien.
Französische Messerhelden in Gleiwitz. Am SamS- tag passierten mehrere französische Soldaten in Gleiwitz den Turnplatz am Gymnasium. Mehrere Gymnasiasten unterhielten sich lachend über die auffällige Uniform eines Schotten. Die Franzosen sprangen über den Zaun des Turnplatzes und stachen mit den Seitengewehren auf die hilflosen Schüler ein. Ein Ober, Primaner und zwei Sekundaner wurden schwer verletzt. Der Oberprimaner erhielt einen lebensgefährlichen Bauchstich und kommt nach den Aussagen der Aerzte kaum mit dem Leben davon. Die Erregung der Bevöl- kerung ist ungeheuer. «. i
, * Schwere Militärrevolte in Italien. In Triest ist eine gefährliche Militärmeuterei ausgebrochen. Die im Desetzungsaebiet entbehrlichen Alpini-Truppen soll- ten zur Verteidigung von Valona nach Albanien verschifft werden. Eine große Anzahl Alpini prote- stierte gegen ihre Verwendung zu neuen Kämpfen. Nachts kam es zu einer Revolte. Man. hörte. anhaltendes Gewehrfeuer. Ein Teil der Alpini griff das Gardekorps an und verletzten zahlreiche Offiziere. Ka- rabinieri und Soldaten boten alles auf, um diese Riesenkundgebung einzudämmen. Panzerautos unb Re» gierungstrupven durchziehen die Stadt. Die Zahl der Toten und Verletzten konnte noch mcht festgestellt wer- den Auf den Straßen herrscht großer Tumult, da sich den aufständischen Alpini sofort Verbrecherbande» angeschlossen haben. 1
' * Die Lage in Albanien. Zu den großen inner- politischen Schwierigkeiten Italiens gesellen sich jetzt ernsieKonflikte in Albanien. Dort hat sich die Bevölkerung aegen die italienische Besatzung erhoben. Die Aufständischen haben den italienischen Truppen erhebliche Verluste beigebracht und sie in die Hafen- stadt Valona zurückgedrängt, wo sie die Truppen jetzt belagern und bedrängen. Die stark kommuni- stuch verhetzten Seeleute und Hafenarbeiter in den italienischen Hafenstädten weigern sich, Munitious- und sdilfelransporte nach Valona abzuferrigen, sodaß die Lage der Italiener in Albanien sehr ernst ist. Eine der ersten Aufgaben Giolittis wird sein, hier dnrchzugreifen. ___________________
Deutsches Reich.
** Berlin, 13. Juni. Der Reichspräsident hat ben Ausnahmezustand im Ruhrgebiet und in Schlesien aufgehoben. — Der Reichsrat hat die Ausführungsbestimmungen zur Reichsbesoldungs- ordnung und zur Umsatzsteuer verabschiedet. Ferner beschloß er die Ausprägung von weiteren fünfzig Millionen Mark in 50-Pfeunig-Stücken aus Aluminium. — Der vorläufige Reichswirt- schaftsrat wird zum 30. Juni einberufen. Di- Vollsitzungen finden im Herrenhans statt. — Die Meldungen der Daily Mail, daß in New-Aork der größte Teil der Möbel aus den kaiserlichen Palästen in Berlin und Potsdam versteigert wurde, sind frei erfunden.
* Bisher 115 Nuhrrcbellen begnadigt. Von 541 durch die außerordentlichen Kriegsgerichte im Ruhrgebiet verurteilten Personen wurden Gnadengesuche eingereicht. Bisher wurden 141 dieser Gesuche erledigt, und zwar hat der Reichspräsident in 115 Fällen von" dem Gnadenrecht Gebrauch gemacht und in 26 Fällen das Gesuch abaelehnt. Von den zahlreichen während der Unruhen im Ruhrgebiet verhafteten Personen wurden inzwischen der größte Teil wieder aus freien Fuß gesetzt. Nur die gemeiner oder schwerer Vergehen oder Verbrechen Verdächtigen werden weiier in Haft behalten.
* Terrorismus. Ein besonders krasser Fall von Terrorismus wird vom „Bad. Beobachter" berichtet. Ein Arbeiter erhielt vom städtischen Arbeitsamt Karlsruhe Arbeit bei der Firma Scharrer^ am Rheinhafen Angewiesen. Bei der Vorstellung erklärte ihm der Be- triebsobmann, er tonne am 1. Juni anfangen. Zum
Meines Ferrilletsn.
Die Hrimal im Bilde.
Die lebendige Schönheit unserer Hessen-Heimat stellt sich gerade jetzt in den Tagen des sonnigen Frühsommers bereitwilliger als je vor bas bewundernde Auge des Na- turfreunöes. Berg und Tal, Wiesengrund unb Bach, Dörfchen mit flimmerndem Sonnenlicht über den Dächern, wogendes Aehrenfeld und Wald, Wald — auch dem nüchternsten Auge offenbaren sie jetzt das Geheimnis ihrer Schönheit, bringen ihm Kunde von der gütigen Meisterhand ihres Schöpfers. Freilich sind es nur bi« Sonntagskinder, Lieblinge des Himmels, die jene Botschaft der schönen Natur über die Güte und Kraft des Schöpfers in ihrer ganzen jauchzenden Inbrunst hören, zu denen diese Schönheit spricht, bald in brausenden Hymnen, bald m zarten Melodien. Wir anderen, mit Mtagsmenjchen, aber müssen uns zu den Füßen bet Begnadeten setzen und zusehen, was sie uns von jenen ErkemNnissen und Entdeckungen offenbaren.
Niemand führt uns besser zur Schönheit der Natur Bis der Meister der Landschaftsskizze, jener Künstlet, der stets bereit und fähig ist, Natur in der ganzen Frische des ersten Eindrucks sestzuhalten, den zarten Schmalz feinfühlig aus der Wirklichkeit in die Kunst hinemzunehmen, in dem einfachsten Motiv die überwältigend« Kraft und den Liebreiz der Gotteswelt ausleuchten zu lassen.
Dem Berlage 31. G. Elwert in Marburg ist es wieder einmal beschieden gewesen, zwei solcher Künstlet zu gewinnen, die mit dem Zeichenftift die Schönheit des Hessenlandes preisen. Aus dem Vogelsberg heißt das eine jetzt erschienene Heft, das Federzeichnungen von Albrecht Riedesel F r h t. o. E! senbach darbietet. Der Künstlet, aus dem alten Geschlecht der Freiherrn Riedesel, hat mit überraschender Sicherheit Motioe landschaftlicher und architektonischer Art aus den Besitzungen seiner Fa-
Schluffe die verhängnisvolle Frässe, ob er auch organk- fiert sei. Sie Antwort: „Ja, Mitglied des christlichen Metallarbeiterverbondes." Darauf: „3a, dann tut es mir leid, ich kann Sie nur emstellen, wenn Sie in den sozialdemokratischen Verband übertreten!" Der Arbeiter ist Familienvater, hat acht Kinder, ist schon seit einiger Zett arbeitslos und wurde auch hier ni ch t eingestellt, weil er sich weigerte, übergutreien. Dabei garantiert Art. 159 der Reichsverfafluna die Koalttionsfreihett und Art. 163 das Recht auf Arbeit.
* Die „neutralen" Gewerkschaften. Wie die angeblich „freien" Gewerkschaften die Neu trali tät auffassen, haben sie bei den jetzigen Reichstagswahlen wieder deutlich bewiesen. In der so,. Münchener Post war in den Tagen vor der Wahl eine in großen Buchstaben gedruckte Bekanntmachung folgenden Inhaltes zu lesen:
„Die dem Gewerkschaftsverein angefchlossenen Organisationen mit rund 150OOO Mitgliedern ve rpfl i ch- ten ihre Mitglieder, da? Wahlrecht unter allen Umständen auszuüben durch bie Abgabe eines Stimm« zettels für die Kandtdaten der fo zi alistis chen Parteien.“
Zur Durchführung einer strengen Kontrolle waren in allen Wahllokalen gewerkschaftliche Wahlkontrollstellen eingerichtet, wo jeder Gewerkschaftsmitglied sich eine Wahlkontrollkarte abstempeln lassen und am nächsten Tage dem Betriebsvertrauensmann obliefern mußte. Dem systematisch organisierten Wahlzwang konnte somit keiner entschlüpfen. Aber trotzdem sind die „freien" Gewerkschaften „neutral", wenn sie ihre Agitatoren auf den Mitgliederfang hinaus- schicken.
= Weimar, 10. Sani Der Bolksrak de» Landes Thüringen wurde heute nach Berabschiedung des BeamtenbesoLuugsgefetzes geschlossen. — Am 21. 5uni, am Tage nach den Neuwahlen zmn Volksrat, wird der Landtag von Sachen-Weimar "im großen Schwurgerichtssaale des Landgerichtsgebäudes zu längerer Tagung xusammentreten.
Kurland.
** Das Kabinett Giolitti in Italien ist in großen Zügen bereits gebildet. Es umfaßt führende Politiker aller Parteien. Die katholische VolkSPanei besetzte mit Meda di- Finanzen, mit Nodino oder Micheli die Industrie.
* Die Verewigung deS Haffes. In Antwerpen ist eine antideutsche Liga unter dem Ehrenvorsitz des Gouverneurs, deS Bürgermeisters und der beiden Generale der Festung gebildet worden. Sie führt den Namen: „Vergessen wir niemals". In Paris wurde ein vom Matin gestiftete- Denkmal für Miß Cavcll enthüllt, die während des Krieges von einem deutichen Kriegsgericht wegen ausgedehnter Spionage im Rücken des deutschen Heere- zum Tode verurteilt und erschossen wurde.
* Die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten. In Amerika beginnt der Kampf der Partei um die imRovember vorzunehmendeNeuwahl des Präsidenten. Auf dem republikanischen Parteikonvent erhielt der Senator Harding die meisten Stimmen als Präsidentschaftskandidat der Partei. Die Einigung auf diesen Namen erfolgt erst in der siebten Abstimmung. In den sechs vorhergehenden Abstimmungen hatte General Wood, der frühere Freund Roomvelts, die höchste Stimmzahl erhalten. — Harding ist schottischer Abkunft, feine Gattin, eine geborene Kling, hatte deutsche Voreltern. Im ganzen ist Harding als ein starker Kandidat anzusprechen. Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit darauf zu rechnen, daß die Republikaner bei den Wahlen den Sieg davontragen werden. Wa- ihr Sieg für die auswärtige Politik zu bedeuten hätte, ergibt sich ohne weiteres ans der von den Republikanern beschlossenen „Platform". Die republikanische Partei würde ihrer bisherigen Haltung nach niemals der Ratifizierung des Versailler Vertrages zustimmen, jedoch für die rascheste Wiederherstellung des Friedenszustandes mit Deutschland eintreten. ____________
Der Schttlstreik in Herne.
Die Vorkommnisse, wegen deren die katholischen Eltern in der Industriestadt Herne bei Bochum den Schulstreik organisiert haben, werden in einer Darstellung von Herne aus wie folgt wiedergegeben:
An den katholischen Schulen von Herne hatten drei Lehrer auf Grund des bekannten Ministerialerlasses bie Erteilung des Religionsunterrichtes eingestellt. Der dadurch verursachte Unmut bet katholischen Eltern wuchs noch, als sich die Lehrer offen als Anhänger einer gottlosen Weltanschauung bekannten un& auch äußerlich jede Verbindung mit der Kirche losten. Zum offenen Ausbruch kam dann die (Empörung, als die Regierung einen der Lehrer, der nach Weitmar versetzt war, von dort aber fortgenommen werden mußte, weil die Weitmarer Katholiken steikten, wieder nach Herne zutückschickt«. Die Katholiken in Heme erblickten darin eine unerträgliche Brüskierung, die sie sich auf keinen Fall gefallen lassen tonnten Nm mit Mühe gelang es den Elternausschüssen, die Eltern vom sofortigen Eintritt in den Gesamtstreik abzuhalten. Man gab der Regierung noch Frist bis zum Anfang der Pfincsstserien. Als man fie nicht einmal einer Antwort würdigte, et folgte mit Schulbeginn der Streik, den man für alle Fälle schon vorher so eingehend vorbereitet hatte, daß er mit 90 Prozent der gesamten katholischen Schuljugend von Heme (über 8000 Kinder) ein» setzte.
milie, den Schlössem Eisenbach und Stockhausen ausgewählt und fcstgehalten, denen der malerische Reiz in hohem Maße eigen ist. Hohe Achtung vor der Ge- schmacksäußerung einer verblichenen Generation spricht aus den Blätiem, die in sauberer Ausführung dargeboten werden und manchen die Augen öffnen werden, wie schön doch diese schlichten Vogelsbergdörfer und ihre Umgebung, wie vielsagend vor allem diese alten Herrensitze in Eisenbach, Stockhausen und Bttstem sind.
Anders als der emst und gemessene Sprößllng hessischen Adels saßt Fried Siern aus Frankfurt a. M. bie Landschaft an. Main, Spessart und Rhön nennt sich das Heft, das 16 zum Teil farbige Zeichnungen und rin herzhaftes Wort über Wandem und Schauen enthält (Heft 3 der „Bilder aus der Heimat). Der Zeichner hat sich selbst als „frohen Wandersmann“ im Bilde festgehalten, im Mai 1909 war», auf dem Roten Moor in der Rhön: den Wandersack auf dem Rücken, das Strauß, lein am Hut«, fo steht tr selbstsicher in freudigem Schauen auf förmigen Rhönmatten. So find auch die Landschcf- ten gesehen und wiedergegeben: kräftig, lebendig, sich selbst genug, mit Kennzeichnungen, bie optimistisch klingen: Forellenbach in der Rhön, auf lustiger Höhe (Wtsroder Kuppe) usw., „Bildstöckchen in der Rhön“ fit eine Leistung voll frommer Innigkeit. Fried Stern paßt zur Rhön. Er hat Gemüt. Man lernt bei ihm die Reize unserer Helmatberge mit dem Herzen erfaßen, wie man bei dem Frhr. Rledefel für den Blick auf Linie und Licht wertvolles Reuland erobert.
Bei den heutigen ungünstigen DerhWm'ffen im graphischen Gewerbe überrascht die Ausstattung dieser Hefte durch den Verlag Elwert. Die glänzende Tradition de» Marburger Hessenkunst-Derlage» siegt über all« Schwie- rigkeiten der Zett. Roch großer ist die Ueberraschung, daß das Vogelsberghest nur 4 -Ä, Ne Zeichnungen von Fried Stern tue 6 .M kosten sollen. Dr. SL
Die katholischen Ettern von Herne waren sich Kar darüber, daß sie eine große Verantwortung auf sich nahmen, als sie zu diesem letzten Mittel griffen Aber sie hielten sich im Gewissen verpflichtet, nicht noch länger untätig zuzusehen, wie m den konfessionellen Charakter ihrer Schule Bresche auf Brefche gelegt wurde. Es galt hier, prinzipiell Stellung zu nehmen und zu verhindern, daß von feiten ungläubiger Lehrer unmerklich bi« Simultanschule ihnen unterschoben werde. Die kothol. Eltern glauben für sich bie Bestimmungen des Schulunterhaltungsgesetzes in Anspruch nehmen zu Formen, das noch uneingeschränkt in Gültigkeit ist und ihren Schulen den Charakter von rein konfessionellen Schulen zusichert. Auch von rechtlichem Standpunkte aus ist deshalb die Forde- rung der Eltern, die nicht-katholischen Lehrer von ihren Schulen zu, entfernen, einwandfrei, denn ihre Forderung stützt sich nicht darauf, daß die betreffenden Lehrer den Religionsunterricht nicht mehr erteilen, sondern ausi die Tatsache, daß sie nicht als KatholiFen anzujehen sind, und darum nicht mehr das Recht haben, an Fonfessionellen Fathol. Schulen — und bas sind die Hemer Schulen vorläufig noch — zu unterrichten.
Auf dem Boden dieser gesicherten Rechtslage sehen' die Fathol. Eltern den Ausgang des Kampfes mit Ruh« entgegen Der feste Wille zum Durchhalten gibt ihnen die Möglichkeit, auch die für sie selbst unliebsamen Folgen des Streikes auf sich zu nehmen Nebenbei mag gesagt fein, daß sie, vom Gefühl der Verantwortung durchdrungen, alles hm, um diese Folgen auf das größtmöglichste Mindestmaß herabzusetzen. Durch täglichen Religionsunterricht in der Kirche, Spaziergänge der einzelnen System« und demnächst auch durch Lichtbildervorträge wird dafür gesorgt, daß die Strrikzeit nicht ganz nutzlos für die Schuljugend bleibt.
Bei dieser Sachlage dürfen bie Hemer kath. (Eltern sich wohl der Gewißheit hingeben, daß das ganze katholische Deutschland ihren Kampf um die Schule mit uneinge- schränkter Sympathie verfolgt. Sie kämpfen ja nicht nur für sich, deren Ausgang ihres Kampfes wird auch entscheidend sein für Die Lage der konfessionellen Schule zunächst in der Uebergangszeit bis zum Rechtsgesetz, das sicherem Demehmen nach noch auf mehrere Jahre auf sich warten lassen kann Die Regierung mutz wieder einmal wohl oder übel erkennen, daß der katholische Dolksteil in weit größerem Umfange an der konfessionellen (Erziehung festhölt, als man nach dem Ausfall der politischen Wahlen armefimen wollte.
Die katholischen Eltern des Fuldaer Landes, die in der glücklichen Lage sind, nicht zu solchen äußersten Mitteln greifen zu müssen, um ihre Rechte auf konfessionelle Schulerziehung zu sichern, werden den Kampf katholischer Eltern von Herne mit warmer Anteilnahme begleiten.
Aus Kirche und Schule.
D!e päpstliche Jtitnliafur in Berlin.
Der zum päpstlichen Nuntius in Berlin ernannte Msgr. Pacelll wird im Laufe des Sommers von München nach Berlin übersiedeln. Für die Zwecke der Nuntiatur wird vorläufig ein Teil des der Witwe des Hofbaumeisters Ihm gehörigen Hauses, Diktoria- straße 12, eingerichtet.
* DankeSlundgebnng des katholischen Deutschlands a» Papst Benedikt XV. Bischof D. Michael Felix Ko' rum von Trier erläßt einen Hirtenbrief, in welchem er zur Teilnabme an einer großen Dankeskunbgebung an den HI Vater einlabet. Der Bischof erinnert an die Bemühungen beS Hl. Vaters für bie Kriegsgefangenen, ihrem Austausch und Internierung. „Nicht weniger als zehnmal ist er seit November 1918 bei den feindlichen Negierungen für menschenwürdige De« hcmblmig, geordnete Seelsorge unb sofortige Heimkehr der Gefangenen auf das entschiedenste vorstellig geworden. Weiter macht der Bischof aufmerksam auf das großartige HilfSwerl des Papstes für bie Notleidenden unb besonders die hungernden Kinder, um „in unseren Kindern bie Zukunft bes Volkes sicher zu stellen, weil sie bas Saatkorn sind der zukünftigen Generationen“. Der Ertrag her Weltspende macht heute schon viele Millionen aus. Mein für, Deutschland hat der Hl. Vater bis seht etwa acht Millionen Marl gegeben,“ Als Tankeskundgebung empfiehlt her Dischof den Heim, k"hrem unb Kindern am Feste der Apostelfürsten di« hl. Kommunion für die augenblicklichen großen Anliegen des Hl. Vaters aufzuopfern. „Die deutschen Bischöfe werben den Dank unserer Kinder dem HI. Vater persönlich missprechen, im Nomen aller Heim- kehrer wird die Kirchliche Hilfe in Paderborn Benedikt XV. auf das Fest Peter unb Paul eine DankeSkund- gebung überreichen." I
4* Würzburg. In der Person des Erzbischofs von Bamberg erhielt das Bistum Würzburg einen Administrator/ Bischof Ferdinand von Schloer legte nach 22jähriger verdienstvoller Amtsführung wegen hohen Atters die Leitung der Diözese nieder. So sind Bamberg und Würzburg, wie schon wieder- holt zur alten fürstbischöflichen Zeit, einem gemeinsamen Oberhirten unterstellt.
Sus dem Nachbargebiet.
= Kerzell. Man schreibt uns: Gestern nachmittag vergnügten sich verschiedene Einwohner von Kerzell damit, am Auslänfer des Weges von, der Ausspann über die Straße Kerzell-Neuhof auf einen Schießstand, dessen Ziellinie über die Straße geht, scharf z« schießen. Keinerlei Absperrungen oder Vorsichtsmaßregeln waren von den Beteiligten getroffen, sodaß Spaziergänger Gefahr liefen, getroffen zu werden. Es muß als durchaus ungehörig verurteilt werden, daß ohne alle Sicherung über öffentliche Wege hinweg solche Schießstände benutzt werden.
△ «isfeld. Die hiesige Fleischerinnung nimmt zu der bevorstehenden Fleischverteuerung das Wort und weist nach, daß der Oberhessiiche Vieh- handelsverband für ein Stück Großvieh zum Lebendgewicht von 1000 Pfund nicht weniger als 266 Mark und der Kommunalverband 19 Mark erhalten. Dadurch würde jedes Pfund Fletsch um mehr al- 60 Pfg. verteuert. Dte Innung fordert bie sofortige Beseitigung deS Verbandes.
A Ulmbach (Schlüchtern). Der Frost in voriger Woche hat in den am Wasser in den Niederungen liegenden Gärten und Feldern Kartoffeln und Bohnen geschadet. Die Hitze hat die Erde so aus- getrocknet, daß ein Regen dringend nottut. Die Zwetschenbäume hängen voller Schoten, so,daß eine Mißernte bevorsteht. Birnen bringen sehr geringe, Aepfel scheinbar gute Ernte. Tie Blattläuse und Raupen schaden viel. Bis jetzt ist ein schlechtes Honigjahr. Die Bienen werden kaum ihre Winter- nahrung zusammentrag:». Durch die scharfen Nord« und Ostwinde haben die Bienenvölker fehr gelitten. — Die Hauptleitung der elektrischen Anlage über den Bogel-berg ist abgesteckt. Die Masten werden geatzt. Jetzt soll aber jeder, der sich anschließen will, 4 Mark für jede- Quadratmeter Geländefläche als Anzahlung entrichten. Wer wird dies können?
0 Großauheim. Der 100 Hektar große frühere Exerzierplatz der Hanauer Garnison ist jetzt überflüssig geworden. Vom Kreisausschusse des Kreise- Hanau ist der Plan in'- Auge gefaßt worden, da- Gelände, welche- früher der Gemeinde Groß, auheim gehörte, derTrzeugung landwirtschaftlicher Produkte nutzbar zu machen, vor allem die besten Flächen mit Brotgetreidezu bebauen.
h Frankfurt a. M. Di« Kriminalpolizei nahm den 14jährigen Schüler Edgar Glücksmaun, Wollgraben 6, wegen Sch ieber schwi ndeleien oroßzügigster Art krjt. Das Bürschchen machte
bei zahlreichen namhaften DeknyattdUlngen Besuch, und bot diesen Zucker in großen Mengen und un. gewöhnlich billig an, nämlich 5,80 Mark das Pfund. Sämtliche Geschäfte, ohne Ausnahme, fielen auf den Schwindel herein und bestellten nicht nur Zucker sondern gaben dem Dreikäshoch auch Vorauszah.' fangen bi- zu 2000 Mark, ohne auch nur irgend eine Sicherheit von dem Jungen mit den Unschuld-, äugen zu verlangen. Der Zucker aber blieb aus. Mit dem Geld« aber lebte der Junge einen guten Tag. Jetzt wurde der hoffnungsvolle Schwindle festgenommen.
me. Frankfurt a. M. Die Sage ans dem Ar, beitsmarkt hat sich im Monat Mai bedeutend verschlechtert. Die offenen Stellen gingen um 13°/» zurück. Es waren nur noch 882 gegen 1126 im Monat April. Die Erwerbslosenfürsorge 6<rt einen Zugang von 19°/» erfahren. Es wurden 1896 Männer und 189 Frauen unterstützt. Dir Belastung der Erwerbslosenfürsorge ist deshalb auch ganz be- sonders stark, weil eine große Anzahl von Betrieben infolge Arbeitsrnangels nur beschränkt arbeiten konnte, wodurch neue Ausgaben für entgangenen Lohn not. wendig wurden.
H Kelkheim (Taunus). Der Mitteldeutschz Gauverband der kath. laufm. Vereins gungen Deutschlands veranstaltete am gestrige» Sonntag seine herkömmliche Dankwallfahrt. Dies« mal war die Klosterkirche in Kelkheim das Ziel der frommen Waller, die sich recht zahlreich aus alle» Gaustädten des „Mitteldeutschen" eingefunden hatten. Auch Fulda stellte 5 Teilnehmer. Unter Gebet und Gesang zog die Prozession zur stattlichen Franzis« kanerkirche, die das trauliche Taunusdorf auf sanft ansteigender Höhe krönt. Dort hielt Herr P. Rem» gius Schulte 0. F. M., der ehemalige geistl. Beirat des K. K. V. Fulda, eint zeitgemäße Festpredigt, in der Redner zur treuen Festhaltung unb Propagierung der alten Verbcmbs-Jbeale, die in bet katholischen Weltanschauung begrünbet sind, aufforderte. Mit einem brausenben Te Deum fand die eindrucksvolle Feier, die noch durch ansprechende Sologesänge deS Herrn Fammler jr. verschönt wurde, ihren Ab. schluß. Bis zum Abgang des Zuges fanden sich die Teilnehmer im Hotel „Taunus" zu einer kurze» gemütlichen Rast zusammen.
3 Eschwege. Die Anhänger der hiesigen tinab» hängigen sozialdemokratischen P artei veranstalteten eine öffentliche Protestkundgebung gegen die Erhöhung der Fleisch- Preise. "Aus demselben Grunde sind die Hau», fronen in dem benachbarten Wanfried in eine» Konsumentenstreik eingetreten und haben die Abnahme der ihnen zustehenden Fleischmenge abg«. lehnt. Die Metzger haben das hiesige LandratSamt zur Vermittelung auf gerufen.
hc. Kassel. Die Kasseler Sicherheit-« Polizei macht zur Zeit eineUmwandlung durch, Au- den bisherigen zwei großen Hundertschaften werden drei kleine Hundertschaften gebildet.. Gleichzeitig ist die Gesamtstärke vom Ministerium de- Innern ans 420 Beamte einschließlich Oberbeamte erhöht worden. Diese Beamtenzahl ist noch nicht eingestellt, jedoch durch Vormerkung zahlreicher, Bewerber aus allen Bevölkerungs« und Berusskreise«, die den Annahmebedingunge» entsprechen, gedeckt. Die Einberufung aller Anwärter wird erst erfolge», wenn die Unterbringung uns Bekleidung für diese neuen Beamten sichergestellt ist. Im Juli wird diese Umbildung durchgeführt sein.
)( Jena. 3» der Sitzung des Semeinberates gab Stadtrat Becker die beim Lebensmittelamt ztt erwartenden Verluste auf bie für Senaer Verhältnisse ungeheure Summe von 2 391 000 Mark an, bie aber noch keineswegs endgültig ist und sich jedenfalls noch erhöhen wird. Die Verluste beim Kartoffelverkauf lassen sich ebenfalls noch nicht übersehen, so daß bie obengenannte Summe jedenfalls noch beträchtlich überschritten wird. Als Ursache dieser betrübenden Erschei- nung gab Stadtrat Decker das Steigen der deutschen und das Sinken der ausländischen Valuta an, wodurch die Warenpreise um 60 bis 70 Prozent gefallen sind. Aus Drängen der Reichs- und Staatsbehörden habe sich bie Stadt mit Waren in großem Umfange eingedeckt, deren Preise jetzt viel zu hoch sind, um einen Absatz zu ermöglichen. (Aehnliche Erfahrungen haben an# dere Städte auch gemacht. D. Red.)
AuS OSerhssserr und Leu Hess. Aemiern«
X Kirchhain. 3n einer Sitzung des Kreistages wurden die Bedingungen festgesetzt, zu welchen die Geldinstitute dem Kreis diezurErbauungder Ueberlanbgetrale notwendigen Gelder bat« leihen. Dem in dieser Beziehung vom Kreisausschuß vorgelegtcn Antrag wurde zugestimmt, lieber de» Stand bet Arbeiten wurde Auskunft erteilt. Wie schon früher mitgeteilt, erstreben aus dem Kreise Alsfeld eine größere Anzahl Gemeinden Anschluß an die Stromversorgung des Kreises Kirchhain. Die Verhandlungen mit 6er hessischen Provinzialverrvaltung über die Anschlußfrage sind noch nicht abgeschlossen, lassen aber ein zufriedenstellendes Ergebnis erhoffen. Weiter wurde noch im Kreistage die emberroeite Aufbringung des Schlachtviehes besprochen. Es ist angeregt, die Schlachloiehabueferung auf die einzelnen Grundeigentümer nach der Größe des Besitzes heran umzulegen, daß für einen Hektar Besitz jährlich 75 Psd. Schlachtvieh geliefert werden sollten. Die Angelegenheit soll vorerst durch eine Kommission vorberaten werden.
£ohales.
Fulda, 14. Juni 1320.
i± Personennachricht«». Dem Hegemeister Ho»>. zu Michelsrombcich, Oberförsterei Fulda, wurde zu»/ 1. Juli 1920 die Försterstelle Haufen, Oberförsterei Salmünster übertragen.
L- Tas 25 jährige Orbensjubiläum bes Vorfteher- ber hiesigen Niederlassung der barmherzigen Brüder, des ehrw. Bruder- Benedikt, wurde gestern im Herz-Jesu»Heim in erbaulicher Weise begangen. Zu dem vo» dem Anstallsgristlichen Herrn Kaplan Lin- in der im herrlichsten Blumenschmücke prangende» Kapelle abgehaltenen feierlichen Dankgortesdienste hallen sich außer den Insassen des Hauses die (3tä»* bigen unb Gönner des Jubilars sehr zahlreich ein- gefunden. Die Festpredigt hielt der frühere A»' staltsgeistliche Herr Dr. D i n d i n g e r aus dem Oblatenkloster zuHünfeld. Ein feierlicherÄugenblick war es, alber ehrw. Subilar, bie mit dem Silberkran,ze umwundene brennende Kerze in der Hand, die Ordensgelübd« erneuerte. Das koitierte Hochamt verschönten mehrstimmige Lieder eines kleinen Anstattschores. Beendet wurde die denkwürdige Feier durch ein TcdeuM und den sakramentalen Segen. Nach der Mitiags- andacht zag eine Prozession in den Garten der Anstalt, woselbst eine dort aufgestellte, dem 3ubilar von dem Konvent der Brüder gewidmete und von Herr» Bildhauer Fleck hier gelieferte fchöne 3 o s e p h s" Statue eingeweiht wurde. Dem schlichten 3ubi!dt wurden im Laufe seines Ehrentages viele Glückwünsche und Liebesbeweife aus Rah und Fern zuteil, die Zeug' xis ablegterz von der Beliebtheit der Barmherziges