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Samstag, 12. Zunl 1920
Nr. 134
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Stimme klang
Er würde in tausend
„Aber nur
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ist
(üu;
am sicherstem.
Sie ließ sich
sprich mir, daß kein Mensch schichte da erfährt! Absolut
„Das kann ich nichts Lou.
muß es erfahren!"
„Nein, gerade er nicht!
Fordernde Liebe
Roman von Erich Ebenstein.
von dieser dummen Ge- niemonb."
Dein Mann mindesten?
Hänger der konfessionellen Schule und nahm die simultane höhere Schule nur im Hinblick auf Organr» sationSschwierigkeiten als Kompromiß hin. Pros. Mausbach (Münster) trat, an Voß anknüpfend, für stärkere Berücksichtigung des religiösen Erziehungselements ein.
In den nächsten Sitzungen werden u. a. Gur- litt und Adolf v. Harnack sprechen.
Tann packte sie wieder Grauen.
Wenn aber doch? Auch Mama hatte so gern gelebt, und solche Krankheiten sollten erblich seit . . .
„Ach was . . sie biß die Zähne zusammen. Dann erst recht! Dann mutzte man die kurze Spanne Zeit ausnützen . . . dieses wundervolle Leben genießen bis zum letzten Atemzug!
Nein, sie wollte sich nicht unterkriegen lassen von Reser abscheulichen Krankheit, Nicht einmal daran den-
Wahlkreis Thüringen.
Es liegt jetzt das amtliche Endergebnis der Reichs- tagswahlen im 13. Wahlkreis Thüringen vor. Es ist folgendes: Mehrhestssozialisten 2 Sitze (42 567 Reststimmen), Unabhängige 5 Sitze (24 527 Rest stimmen), Deutschnationale 1 Sitz (31134 Reststimmen), Demokraten 1 Sitz (28 026 Reststimmen), Kommunisten 0 Sitze (20 289 Reststimmen), Bauernbund 2 Sitze (56 531 Reststimmen), Zentrum 0 Sitze (48 472 Reststimmen), Deutsche Volkspartei 2 Sitze (27 434 Reststimmen).
(Das Zentrum bringt in dem zum Wahlkreisverband Sachsen-Thüringen gehörigen Wahlkreise Magdeburg noch über 13 000 Stimmen und Merseburg noch rund 6000 Stimmen auf. Der Zentrumskandidat Propst Poppe ist also gewählt.)
fett! So bezwang mcm sie vielleicht Und niemand sollte ihr da hineinreden I einfach nicht krank machen . . .
„Wera." sagte sie plötzlich und ihre
gen zur Verwirklichung des Sozialismus formulieren. Das Proletariat wolle sich überhaupt nicht mit ten Rechtssozialisten verbrüdern, mit den Bürgerlichen lehnten die Unabhängigen grundsätzlich jede Koalition ab.
Das ist eine bittere Pille für den „Vorwärts . Die Unabhängigen wollen von den Mehrheitssozialisten nichts wißen wenn diese ihnen auch die Tore sperr- cngelweit öffnen. Die Mehrheitssozialisten mögen den Forderungen der Unabhängigen soweit nachkommen wie ie wollen die Unabhängigen werden immer noch mehr f o r • ein. sie wollen ja nicht aufbauen und lehnen jede positive Arbeit auf dem Boden der be- tehenden Ordnrmg ab. ,
Aengsten sein, sich Gott weiß was einbilden und mich von Arzt zu Arzt schleppen . . .*
„Ja,, das würde er gewiß, denn er liebt Dich," meinte Wera nachdenklich. „Eben darum mußt Du ihm so weit als möglich, jede Sorge zu ersparen trach- ten. Das geht nur, wenn Du Dich schonst, alle? tust, was der Arzt anordnet, und bald wieder ganz gesund bist —"
Lou sah die Freundin ärgerlich an. Schonung — Aerzte — gerade das hatte sie gefürchtet. Dann aber huschte plötzlich ein schlaues Lächeln über ihr Gesichtchen.
„Natürlich werde ich dies tun, soweit es nötig ist. Aber sieh — Rollo soll dadurch gar nickt beunruhig^ werden. Von dem Gelingen seines Stückes hängt ja so viel für ihn ab: Ehre, Ruhm und Geld, vielleicht feine ganze Zukunft! Wie könnte er Ruhe zur Arbeit finden, wenn er mich krank glaubt? Ich b i n es ja gar nicht. Ich fühle da? ganz genau. Ich habe nur ein bißchen zu toll getanzt, vielleicht auch zu wenig ge- schlafen in den letzten Wochen. Wenn Du mir der- sprichst, reinen Mund zu halten, verspreche ich Dir, drei Tage lang still im Bett zu liegen und sogar morgen, wenn Rolly ins Bureau gegangen, einen Arzt rufen zu lassen. Davon braucht er narürlich nichts wißen. Ich erkläre Rolly einfach, ich sei ein wc-. . übermüdet imb wolle mich nur ein vaar Loge lang
chen abringen.
bis auf weiteres! Wenn ich sehe, daß d-m Arzt nickt folgü oder Dein Befinden nicht n mutz es Dein Mann erfahren!"
Die Reichsschulkonferenz.
Am Freitag begann im Reichstage die von Fachmännern und weiten Elternkreisen lebhaft erwartete Reichsschulkonferenz. Sie ist von der Regierung einberufen worden, um in wichtigen Schul- und Erziehungsfragen ihr Gutachten abzugeben. Auf ihr werden alle Richtungen der Schulpolitik bis zu den radikalsten Schulreformern, im Ganzen über 600 Sachverständige, vertreten sein. Viele der bekanntesten praktischen Schulmänner und Theoretiker sind anwesend, sowie auch die Führer und Führerinnen der großen Vereinsorganisationen auf diesem Gebiete, Persönlichkeiten, die aus den Schulkämpfen her bekannt sind. Ursprünglich sollte die Konferenz bereits zu Ostern tagen; sie wurde damals verschoben, um jetzt einberufen zu werden. Sie wird einige Tage dauern. 2 Tage dazwischen bleiben für die Ausschußberatungen frei, die im Gegensatz zu den anderen Sitzungen nicht öffentlich sind. Reichsminister des Innern Dr. Koch eröffnete die Sitzung und begrüßte die Versammlung. Sie solle nicht als ein Parlament durch Mehrheitsbeschlüffe die Schulpolitik bestimmen, sondern als eine Konferenz von Fachmännern wirken. Nach ihm sprach Staatssekretär Schulz über die Aufgaben der Konferenz. Die Hauptprobleme seien die Einheitsschule und die Vereinheitlichung der Lehrerbildung. Abg. Sic. Mumm wandte sich gegen die Zusammensetzung der Konferenz, die von einer bereüs zurückgetretenen Regierung einberufen sei, der Vertreter der katholischen Schulverbände, Abg. Marx, schloß sich ihm int wesentlichen an. lieber den ersten Punkt der Tagesordnung: „Die Einheitsschule" referierte Oberstudienrat Dr. Kerschen st einer (München), der einen eingehenden Plan über die Einheitsschule vorlegte. Die Debatte nahm schließlich sehr lebhafte Formen an, die Oertlichkeit der Tagung scheint selbst einer Konferenz von Wissenschaftlern ihren Stempel aufzudrücken. Prof. Dr. Binder (Stuttgart) erläuterte den Standpunkt der akademisch- humanistischen Richtung. Ihm trat in äußerst scharfer Form der fanatische Schulreformer Dr. Karsen (Lichterfelde), der jetzige Leiterdereinstigen Hauptkadettenan'talt entgegen. Lyzealdirektor Dr. Boß (Köln) bekannte sich als grundsätzlichen An-
Zeppeline in fremden Diensten.
Im englischen Unterlaufe teilte Churchill auf em Anfrage mit, daß die Auslieferung des Luftsck^fes L 7 in den nächsten Wochen zu einwrten (et. SOlan bo?fi durch feine Probefahrten wertvolle Erfahrungen zu ma chen. Ein zweites Luftschiff wurde m. den Besitz d« Bereinigten Staaten gehen, lieber drei notö nn B« befindliche weitere Luftschiffe stände noch eme Abmachun, bevor durch die sie für Handelszwecke nutzbar gemach werden sollten. Auf' die weitere Frage, warum, L 7 noch nicht ausgeliefert (et, erklärte Churchill, mir sm, nicht unbefriedigt über die Art. m der die Deutschen ch- Verpflichtmiaen erfüllen.
nicht mehr matt, sondern hell und energisch. „(8er.
Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Carl Schütte, “ ' für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. n
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreße: Fuldaer Zeitung.
Regierungskrisen überall.
Deukschland, Italien, Oesterreich, Ungarn, Polen, Norwegen . . .
Es ist, als ob eine Krisenkonjunktur über die I ganze Welt hereingebrochen wäre. Aus aller Herren I Länder werden mit einem Male mehr oder minder I große Regierungsschwierigkeiten gemeldet. An Berlin I Wien, Rom, Warschau find die Kabinette zurückgetteten, I in Budapest und Christiania stehen sie kurz davor, Lett- I land hat sich gerade erst in Ordnung gebracht, in Bu- I karest hat sich die Regierung jetzt erst durch die Wah- I len festigen können, in Nordamerika steht die Prüft' I denteuwahl bevor.
In Italien ist Giolitti, wie angekündigt lvurde. I bereits offiziell mit der Kabittettsbilbmitz beauftragt I worden. Uns kann es nur genehm fein, wenn dieser I Mann, der vordem einer bet Hauptstützen des Drei- I Hundes War, in Italien wieder zur Macht gelangt. I Auch seine bisherigen Gegner treten für seine Kan di- I datur ein, so daß ihm die Bildung eines Ministeriums wohl sicher gelingen wird. Wie es heißt, ist die katholische Partei bereit, ihm zu folgen, ebenso alle demo- I kratisch gesinnten bürgerlichen Elemente. Sogar die I Rechte will offenbar keine Schwierigkeiten bereiten. I Nur die Sozialisten bleiben offiziell in der Opposition. I
Die Krisis in Oesterreich hat inzwischen zum formellen Rücktritt der Regierung geführt. Der Rücktritt be- 1 deutet den Bruch der Koalition zwischen den So- I Solisten und Christlich-Sozialen. In Oesterreich liegen I die Verhältnisse ähnlich wie bei uns, Sozialisten und I Bürgerliche halten sich ungefähr die Wage, sodaß eine I arbeitsfähige Regierung sich nur durch eine Koalition I zwischen den Sozialdemokraten und Christlich-Sozialen I (entsprechend dem deutschen Zentrum) halten konnte. I Zwischen den Bürgerlichen und den in Oesterreich sehr I radikal angehauchten Sozialdemokraten bestand schon I lange scharfer Zwiespalt. Dmch eine Verordnung des I Staatssekretärs Deutsch über die Wahl der Soldaten- I r ä e im Heere hat er, wie gestern dargelegt wurde, zum I offenen Bruch geführt. 3m österreichischen Heere spie- I len noch jetzt di« Soidatenräte eine große Rolle, die i ihnen diese neue Verordnung für immer erhalten wollte. I Dagegen liefen dir Chvisüich-Sozialm und die Groß» I deutschen in der letzten Nationalversammlungssitzung so I heftig Sturm, daß die Sozialisten sich genötigt sahen, die I Konsequenz zu ziehen. Deutsch-Oesterreich befindet sich jetzt in derselben Lage wie Deutschland, es besteht die I Möglichkeit einer rein bürgerlichen Koalition zwischen I Zentrum und Rechispatteien, die dann gegen eine sehr I starke sozialistische Opposition regieren müßte.
Auch das polnische Ministerium ist zurückgetteten. Der I Kabinettsrücktritt bedeutet einen grundsätzlichen Wechsel der Innen- und auswärtigen Politik und ist von größter I internationaler Wichtigkeit. Das Kabinett Skulski hatte I nie eine feste Reichstagsmehrheit hinter sich, sondern I stützte sich aus Zufallkoalitionen. Jetzt werden wahrschein- I lich die beiden stärksten Fraktionen, die Sozialisten I und die Bauernpartei, eine Regierung bilden, die I damit eine feste Mehrheit hinter sich hätte. Doch werden I die Verhandlungen nicht von heute auf morgen beendet I fein. Ein solches Ministerium würde als seine außen- I politischen Hauptaufgaben die Anbahnung des Fttedens | mit Sowjet-Rußland und besserer Beziehungen mit Mit- I teleuropa, besonders mit Deutschland, betrachten.
Budapest, Christiania, Bukarest. Auch m anderen europäischen Staaten kriselt es. Das ungarische So« gründlich ausruhen. So ersparen wir ihm jede Beunruhigung. Das siehst Du doch ein?"
„Ja. Aber ich weiß doch nicht ... es scheint mir Pflicht, ihm eine so ernste Sache nicht zu verschwei- \ gen —"
„Bah e? ist ja gar keine „ernste Sache", ich schlvöre I es Dir!' Wenn Du wüßtest, wie leicht und wohl ich mich fühle! Sei doch nicht fo schwerfällig, Wera!"
Zwischen Ehegatten soll vollste Offenheit herrschen. Jede Lüge, jede Heimlichkeit —“
„Ach Gott, rede doch keinen Unsinn! So eine Lappalie! Wem nützt e5 denn wenn Du es ihm sagst? Niemand? Nur, daß Du ihm jede Ruhe nimmst und einen Berg Sorgen auflädstl Uebrigens will ich Dir noch etwas sagen: Wenn Du auf Deinem Willen bestehst, dann tue ich gar nichts! Dir zum Trotz! Dann schone ich mich nicht, auch wenn der Arzt es bet. langt!"
„Welchen Arzt willst Du denn rufen laßen? Doch einen tüchttgen, der Erfahrung hat?" frug Wera, im- wer noch zögernd, obwohl sie wußte, daß Lou auf ihrem Willen bestehen würde und obwohl sie ja selbst Roland jede Sorge ersparen wollte, wenn es sich irgendwie vor ihrem Gewißen verantworten ließe.
„Natürlich nehme ich einen tüchtigen," versicherte Lou eifrig. „Den jungen Dr. Kämmender, der uns schräg gegenüber wohnt, laße ich holen. Der soll sehr geschickt fein, und wir kennen uns auch bereits."
Sie verschwieg, daß diese „Bekanntschaft" sich bisher nur auf bewundernde Blicke des jungen Arztes beschrankte, die er ihr bei gelegentlichen, nicht ganz zufälligen ' Begegnungen auf der Straße zugeworfen.
Wera war viel zu arglos, um an fo etwas auch nur zu denken. Kämmender besaß* in der Tat einen guten Ruf und verkehrte in vielen vornehmen Häusern. Dort, dachte sie, wird Lou ihn kennen gelernt hoben. . .
Trotzdem machte sie noch verschiedene Einwande, die aber von Lou sehr geschickt widerlegt wurden. Endlich ließ sie sich doch noch das gewünschte Verspre-
Die Neubildung des Kabinetts.
Der Reichskanzler beauftragt.
Was für Freitag angekündigt wurde, ist Tatsache geworden: Reichspräsident Ebert hat den Reichskanzler Hermann Müller ersucht, die Bildung eines neuen Kabinetts zu übernehmen. Auf Grund dieses Auftrages ist Müller gestern mit den Führern der Un- abhängigen in Verhandlungen eingetreten. Sie sind erfolglos verlaufen. Der unabhängige jlbg. C r i f p i e n, an den sich Müller gewandt hatte, erklärte im Auftrage ferner Partei, diese könne nicht in eine Regierung eintreten, die sich die Wiederaufrichtung der im Kriege zusammengebrochenen „kapitalistischen Ausbeutungsroirtschaft" zum Ziel gesetzt habe und zur „Niederhaltung des Proletariats" den „Militarismus neu belebe und stärke", wie es die bisherige Koalitionsregierung getan habe. Für die Unabhängigen komme nur eine rein sozialistische Regierung in Betracht, in der sie die Mehrheit haben, den bestimmenden Einfluß ausüben und m der ihr Programm die Grundlage der Politik bilde.
Dieser erste Klärungsversuch hat also nöch keine Klärung gebracht. Es war ja eigentlich überflüssig, weil er nur etwas in die Akten bringen wird, was als selbstverständlich vorausgesehen wurde. Die offizielle Anfrage des Reichskanzlers Müller bei den Unabhängigen hat keinen anderen Wert, als daß die Mehrheitssozialisten sich den Rücken decken gegen den Vorwurf, daß die Einigung und die Vorherrschaft der Sozialdemokratie ihrerseits verhindert worden sei. Für nicht richtig würden wir es halten, wenn Hermann Müller sofort nach dem Rein der Unabhängigen seinen Auftrag als erledigt betrach, fet; er müßte als Vertreter der stärksten Partei erst noch den weiteren Versuch machen, ob sich für die alte Koalition eine genügende Erweiterung finden läßt. Statt dessen scheint Herr Müller zu wünschen, daß erst der eine oder andere Führer einer bürgerlichen Partei sich um die Sammlung bemüht und aktenmäßig die Unmöglichkeit einer rein bürgerlichen Regierung feststellt. Auf diesem Umwege würde dann die Unentbehrlichkeit der mehrheitssozialistischen Partei vielleicht „glänzend erwiesen" werden, aber besser wäre es, wenn zeitraubende Umwege vermieden würden. Der Drang zur Sammlung sollte sich so schnell und so stark, wie nur möglich, geltend machen, damit wir aus der Unsicherheit herauskommen, die lähmend wirkt auf unsere innere und außenpolitische Entwicklung.
Die Unabhängigen bleiben unerbittlich.
Man mag ihren radikalsten Forderungen entgegen, kommen, sie werden immer noch radikalere erheben.
Die Unabhängigen hatten in ihrem Organ der „Freiheit", am Donnerstag als Bedingung für die Teilnahme an der Regierung acht „Uebergangs- forder ungen" aufgestellt, von denen sie nicht ab- gchen würden. Es befinden sich darunter um nur ein paar herauszugreifen, folgende: Entwaffnng und Auf- lösung aller „konterrevolutionären" Formationen, Mannschaftserfatz aus den Reihen der organisierten Arbeiterschaft, Durchführung der Sozialisierung umfaßende Kommunalisierung, Ueberführung de? Großgrundbesitzes und der großen Forsten in gesellschaftlicher Eigentum. Das Organ der Mehrheitssozialisten. ber „Vorwärts", hatte, was die Unabhängigen nicht erwartet hatten, diese Forderungen der Unabhängige« anerkannt, um durch diesen Geniestreich den Un- abhängigen die Trümpfe aus der Hand zu nehmen. Tie Freiheit war dadurch in die Lage eines ManneS verseht der unannehmbare Forderungen gestellt zu haben glaubte, um plötzlich zu erfahren, daß die Gegen- ieitt diese Forderungen annimmt Rasch gefaßt springt sie aber jetzt über ihren eigenen Schatten und erklärt dem „Vorwärts": „Die Forderungen seien jetzt be. reits überholt Die Instanzen der Partei, die demnäckst die taktischen Richtlinien für die Zukunft anfmistellen hätten, würden sich ohne Zweifel mit solchen Forderungen nicht begnügen, sondern Forderun-
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Wera setzte sich neben sie. Noch war sie ganz ver» *»rt, konnte das Ungeheuerliche nicht faßen. Wie ein okitz aus heiterem Himmel war eS gekommen . . .
War das ein Blutsturz gewesen? War Lou schwer Ircmk, ohne daß sie es bisher teuftten? Oder hatte die Anstrengung des Tanzens nur ein harmloses Blut- gesprengt? Sie hätte sich so gerne damit gedurstet . . . aber die Bemerkung, daß auch LouS Shit- kt ... . „o Gott, es träte schrecklich!" dachte sie und to®0te den Gedanken gar nicht auszudenkcn. „Wie bsiirde Roland dies ertragen? Zu all seinen anderen Kargen auch noch diese!"
Auch Lou dachte an ihre Mutter. Ja — so hatte 13 bei Mama angefangen vor fünf Jahren . . . Auch m einer Gesellschaft. Bleich und welk wie eine ge. Wite Blume hatten sie sie damals nach Hause gebracht mitten in der Nacht. Lou erinnerte sich noch fenau an das Entsetzen, das sie befiel, als sie. die lamals Fünfzehnjährige,'aus dem Schlaf ausgeschreckt, k"sah, wie man das blutbefleckte Kleid aus weißer ^eide so ftutmn und vorsichtig von Mamas schlankem Leib zog . . .
Vierzehn Tage später hatte man sie nack dem Sü- *en gebracht. Lou durfte sie nie mehr küßen. Und enter den Palmen und Lorbeerbäumen schleppten sich p diele bleiche, müde Menschen hin, hüstelnd, mit steberglänzenden' traurigen Augen . . .
Seit damals haßte Lou den Süden. Und er hatte i° auch Mama nicht geholfen. 1 Sie sehnte sich nur
Paris zurück Und als man im Mai wieder wrthin reiste, lebte sie nur für kurze Zett noch einmal euf. Ein Vierteljahr fpäter bettete man sie am Pere Lachaise .
Ein Schauer durchlief Lou? Leib. Nein, nie toürM *.e sich nach dem Süden verbannen laßen unter all "ese kranken Menschen! Sie haßte die Kranken. Sie ®?tlte nicht krank fein! Sie toar es ja auch nicht! «re J5ätte sonst solch prickelnde Lebensfreude ihr, ganzes Sein erfüllen können? Erst gestern — erst vor 'wer Stunde noch! Sie hatte einfach ein bißchen zu getanzt . . . dabei konnte dem gesündesten Men- Ken ein Aederchen. platzeg . - y.;
binett ist durch bas gewalttätige Vorgehen der Offizierstruppen in Schwierigkeiten geraten. Die Christlich-Nationale Vereinigung und die Agrarpattei, die größten (bürgerlichen) Parteien des Landes, haben einen Block zur Unterdrückung jeglicher Gewaltherrschaft und zur Auftecht- erhaltung des Rechts genri''~’v'. Als • • tmaßlirfjer neuer Ministerpräsident wird ' pony t genannt. Ob
das Kabinett bereits ga>b .mr einzelne Minister zurückgetteten sind, ist aus den widersprechenden Meldungen nicht zu ersehen.
In Norwegen ist das Kabinett über Differenzen in der Steuerfrage gestrauchelt. Ein neues konservativ- sozialdemokratisches Kabinett unter dem Landtagspräsidenten Halversen ist wahrscheinlich.
In Rumänien hat die Kabinettskrise durch bte Neuwahlen ihre Lösung gefunden. Geneml Averescu hat jetzt eine Mehrheit von 215 Abgeordneten gegen 127 Oppositionelle hinter sich.
3m Grunde genommen haben all diese und ähn- [itfje Krisen dieselbe Wurzel. Der Uebergang vom Krieg zu der Neuen Ordnung, die zwar friedlich fern soll, aber noch langst keinen Frieden im Innern und nach außen herbeigeführt hat, bringt Armer neue Schwierigkeiten und Erschütterungen. Die Wiedergeburt erfolgt unter Wehen und Krämpfen.
3n Italien, deffen zukünftige Politik uns sehr nahe berührt, hat man den großen Vorteil, daß eine überragende Pcrfönlichkeit in Reserve stand. Nämlich Giolitti, der seit Kriegsausbruch von den Hetzern als Feind des Vaterlandes verfolgt wurde und jetzt von der großen Mehrheit seines Volkes und des Parlaments als Retter des Vaterlandes begrüßt wird. Einen Mann von solchem persönlichen Gewicht haben wir in Deutschland zurzeit nicht. Sagen wir: noch nicht. Denn es ist wohl denkbar, daß sich derjenige Staatsmann, der uns über die gegenwärtige Smfts glücklich hinweghilft, eine ähnliche Autorität über den Kreis seiner eigenen Partei hinaus erwirbt.,
Für uns kommt es darauf an, ob Giolitti als künftiger Leiter der italienischen Politik im hohen Rat der Entente die versöhnliche Richtung weiter fordern wird. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß er in weltpolitischer Hinsicht den Kurs fortsetzen wird, den sein Vorgänger Nitti eingefchlagen hatte. Dabei darf man freilich nicht vorausfetzen, daß trie Italiener aus reiner Liebe zu Deutschland oder aus sonstiger idealer Schwärmerei handeln. Sie betreiben Interessenpvltttk, wie das ja gegenwärtig in der Welt allgemein üblich ift, und folgen einfach der richtigen Erkenntnis, daß ein le- benssähiges Deutschland und der friedliche Verkehr mit demselben für Italien von größtem Vorteil rft. Daraus wird Oiclüti dieselben Folgerungen ziehen, w« Nitti, und wird st« hoffentlich mit noch besserem Erfolg gegenüber den französischen Gewaltpolitikern geltend machen. . t
Die Krisis in Deutsch-Oe st errerch berühr« unser nationales Gefühl; aber in der Verstands- mäßigen Auftechnung der weltpolitischen Triebkraft, kommt dieses ohnmächtige Land weniger in Bettacht.
Größere Bedeutung für uns kann, wie oben schor angedeutet wurde, die polnische Krisis gewinnen Es bleibt aber noch Näheres abzuwarten, ehe man sich darüber klar wird, ob die neue Regierung in Warschau die angeblich aus der Bauernpartei und den Sozialistei gebildet werden soll, eine ruhigere und friedlichere P» ! lffik einschlagen will, als die bisherigen Machthaber/ | die nicht bloß gegen Rußland kämpften, sondern auch | gegenüber Deutschland die rücksichtsloseste Erobemngs- sucht und Quälerei im großen und kleinen betrieben.
Wenn sich rings umher etwas neues anbafjnt, so sollte das für die maßgebenden Leute in Berlin eine Mahnung fein, daß sie alles daran fetzen, um unser e Krisis bald zum Abschluß zu bringen. Wir brau- chen dringendst eine feste Regierung, die auch tm. Auslande Achtung und Vertrauen findet, damit wir die gegebenen Gelegenheiten zur Verbesserung unserer
I Weltstellung ausnützen können.
Eine neue Note ver Alliierten.
Nach einer Pariser Meldung bereiten die Alliierten | eine „äußerst energische Note" an Deutschland vor, du Deutschland an alle „Vertragsbrüche" erinnert, die es bisher in wirtschaftlicher Hinsicht begangen habe. I Deutschland scheine dadurch, daß man ihm verschieden,. I Ausfuhrlizenzen erteilte, die Neutralen und seine sru« | Heren Verbündeten auf Kosten der Sieger zu beginn I stigen. ,,
Es handel! sich hier offenbar um Beschwerden aus! kaufmännischen Kreisen der Alliierten, wohl vornehm- I lich Frankreichs, die bezug haben auf die etwas ver- I wickelten Ausfuhrbestimmungen aus Deutschland.
Die Arbeilerlumulte bei Krupp.
Die Arbeiter der Friedrich Alfred-Hütte Krupp in | Rheinhausen (bei Duisburg), die durch Gewaltszenen das ganze Werk stillgelegt hatten, haben geftent | in einer Versammlung mit großer Mehrheit beschlossen, die Arbeit wieder a u s z u n e h m e n un!: dann erneut in Verhandlungen mit der WerkleitunL einzutreten. Die Arbeiter verlangten bei ihrer erfteti I Forderung einen Stundenlohn von 8,20 M ohne Un« I terschied, ob es sich um hochqualifizierte oder um Platz« I arbeitet handelt. Die radikalen Drahtzieher konnte« I sich bis jetzt im Hintergründe halten, trotzdem von des I Besatzungsbehörde, die von dem Streik ebenfalls be« | troffen worden war. ihre Namhaftmachung verlang« I wurde. Dem Arbeiterausschuß ift es gelungen, be* I ruhigend auf die Arbeiter einzuwirken. Der Beine» I kann zunächst nur in beschränktem Umfange wieder I auf genommen werden.___