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Nr. 131.

Verantwortlich für den redattlonellen Teil: Carl Schütte, " für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. r. Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung

Mittwoch, 9. Zuni 1920.

Bezugspreis: Monatlich 2,00 Alk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 2,10 Mk. Anzeigenpreis: DieKleinzeile (Colonelmatz) 50 Pfg., u. 10°j« Zuschlag, die Reklamezeile (Textbreite) 1.50 Alk., u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

47. Zahrg.

Die Reichstagswahl.

Das amtliche Gesamtergebnis.

Wie Wolffs Tel.-Büro von zuständiger Stelle er­fahrt, sind bei den Wahlen zum Reichstag noch den vorläufigen amtlichen Meldungen insgesamt 25719067 Stimmen abgegeben worden. Da­von entfallen auf die Sozialdemokraten 5 513 157, die Unabhängigen 4 809 862, die Deutschnationale Volks­partei 3 638 851, die Deutsche Volkspartei 3 456131» das Zentrum 3 500 800, die Deutschen Demokraten 2152 509, die christlich-föderalistische Liste (Bayerische Volkspartei und christliche Volkspartei) 1 254 963, die Kommunistische Partei 438199, die Deutsch-Hanno­versche Partei 318104 Stimmen.

Auf Grund dieses Stimmenverhältnisses. sind mit Berücksichtigung der Verteilung der Reststimmen auf die Verbandswahlkreise und die Reichsliste 418 A b- geordnete gewählt worden und zwar: 92 der sozialdemokratischen Partei, 58 des Zentrums, 36 der Demokraten, 61 der Deutschnationalen Volkspartei, 59 der Deutschen Volkspartei, 80 der Unabhängigen, 2 der Kommunistischen Partei, 4 des Bayerischen Bauern­bundes, 5 der Deutsch-Hannoverschen Partei und 21 der christlich-föderalistischen Liste. Bei der Berechnung ergab sich, daß von den R e st st i m m e n über 30 000 je ein Mandat auf die Demokraten, die Deuischnatio- nale Volkspartei und die christlich-föderalistische Liste entfällt. 2m übrigen verteilen sich die Reststimmen folgendermaßen: 11157 Sozialdemokraten, 20 800 Zentrum, 22 509 Demokraten, 8851 Deuischnationale Volkspartei, 16131 Deutsche Volksparte!, 9862 Un­abhängige, 15 763 christlich-föderalistische Liste, 18 104 Deutsch-Hannoveraner, 18199 Kommunisten, 87 518 Deutscher Wirtschaftsbund für Stadt und Land.

Unter Hinzurechnung der Abgeordneten aus den Abstimmungsgebieten ergibt sich, daß der neue Reichs­tag insgesamt 460 Abgeordnete zählen wird. Die Mandatsverteilung ergibt mit dieser Zu­rechnung folgendes Bild:

1920 1919

Zentrum

67

1 89

Christl. Förveralisten

2t

(Bayer. Vp. usw.)

J

Deutschnationale Vpt

65

42

Deutsche Volkspartei

61

22

Demokraten

45

74

Sozialdem. Partei

110

16.3

Unabhängige

80

22

Kommunisten

2

—

Bayer. Bauernbund

4

4

Deutsch-Hannoveraner

5

3

Sonstige

—

2

Zus.:

460

421

Der Rücktritt des Reichskabinetts

ist nunmehr am Dienstag mittag erfolgt. Der Reichspräsident hat das Rücktriltsgefuch ange­nommen und die Minister gebeten, bis auf weiteres ihre Geschäfte weiterzuführen. Außerdem hat er den Reichskanzler ersucht, darauf hinzuwirken, daß eine möglichst beschleunigte Feststellung des Wahlergeb­nisses erfolgt und die Einberufung des R e i ch s t a g es möglichst bald stattsmden möge.

Wie von ofsiziöfer Seite geschrieben wird, sei anzu­nehmen, daß der Reichspräsident den bisherigen Reichs­kanzler Hermann Müller auffordern werde, die Bil­dung einer neuen Regierung zu versuchen. Dieser werde sich, wie anzunehmen sei, zunächst an die Unabhän­gigen wenden, damit diese einen ihrer Wählerzahl entsprechenden Einfluß in der Regierung erhalte und em entsprechendes Maß von Verantwortung übernehme.

Fordernde Liebe.

Roman von Erich Ebenstein.

24] ----------

»Weißt Du das wirklich?" sagte in diesem Augen­blick eine tiefe, ruhige Stimme von der Tür her. »Ich fürchte sehr, Stil bist Dir schon heute der Grenzen nicht nrehr Her bewußt und — könntest sie eines Ta- ges ganz übersehenI"

_ Isolde war herumgefahren. Ihr Gatte ftanb im Türrahmen. Sein ernstes, männlich schönes Antlitz, don graumeliertem Haar umrahmt, war ihr voll zuge. wandt. Einen Augenblick tauchten beider Micke inein­ander. Dann warf Isolde trotzig den Kopf zurück.

»Beruhige Dich," sagte sie spöttisch, „Du wirst nie 'n die Lage kommen. Dich meiner schämen zu muffen!"

»Hoffen wir es! Denn ich weiß nicht, ob all meine Liebe dann groß genug wäre, um dies zu ertragen. Ich könnte eine Frau, deren Ehre nicht sonnenrein ist, weder achten noch — lieben. Schon, daß Du mit diesem sehr empfindlichen Gefühl in mir — spielst • • . kränkt mich tief, das weißt Du!"

Isoldes Blick irrte scheu an ihm vorüber.

Bist Du eigens hierher gekommen, um mir dies »u sagen?" murmelte sie unsicher.

»Nein ..." er machte.eine Pause und fuhr dann 'n verändertem konventionalem Ton fort: „Man sucht Dich. Die Diener wollen wiffen, ob serviert wer- t*en kann."

. „Ach so — ja gewiß!" Sie nahm mechanisch den 'hr gebotenen Arm und verließ das Kabinett.

Tie HofrÄin atmete tief auf. „Und Du?" wandte sie sich dann an Daniela. „Wirst Du stark genug sein . . ."

. »Ja, Mama," antwortete die junge Frau mit klang­loser Stimme und fuhr sich über die Stirn. „Komm, laß uns gehen!"

16.

Man speiste in zwei Zimmern, an kleine Tische ver- teilt, die traulich in künstlich geschaffenen Ecken und Nischen standen. Ueberall war nur für 4—6 Per­sonen , gedeckt. Ein schlanker Glaskelch mit weißen Treibhausblüten nahm die Mitte ein, ringsherum stan­den auf spitzenüberdecktem Damast verschiedene Wem' sorten, Sekt in, silbernen Kübeln, kalte ’ifen, Fruchrschalen und süße Leckerbissen nebst den üblichen Zutaten,

Es stehe aber wohl fest, daß dieser Versuch von vom herein zum Scheitern verurteilt fei; die Unabhängigen würden nach ihrem Wahlerfolg schärfer als je es ab­lehnen, in eine Koalition mit bürgerlichen Parteien einzutreten. Hermann Müller werde dann den ebenso formellen, weil nicht weniger aussichtslosen Versuch ma­chen, mit den bisherigen Koalitionspar­teien, den Mehrhsitsfozialisten, Demokraten und Zentrum, eine Negierung zu bilden. Wer ihre knappe Mehrheit wäre nur den gültig gebliebenen Mandaten zur Nationalversammlung aus den Wahlkreisen der Ab­stimmungsgebieten zu danken. Wenn diese beiden Ver­suchs, wie vorauszusehen ist, ergebnislos bleiben, dürfte Hermann Müller den Auftrag in die Hände des Reichs­präsidenten zurücklegen. Man nimmt an, daß der Reichspräsident dann den Führer des Zentrums Dr. Trimborn mit der Kabinettsbildung beauftragen wird, bei der er aber auf nicht geringere Schwierigkei­ten stoßen wird, als Hermann Müller., Da aus inner- politischen Gründen weder eine reinsozialistische Regie­rung möglich scheint, noch eine Mehrheit, die lediglich aus den beiden rechtsstehenden Parteien und dem Zen­trum bestehen wird, bliebe — das ist die Auffassung der verantwortlichen Persönlichkeiten — als einzig mögliche Lösung eine Koalition, die von den Mehrheitssozialiften bis zur Deutsch en V o l k s p a r t e i reicht. Die Deutsche Volkspartei hat bereits mehrfach ihre Bereitwilligkeit erklärt, an einer solchen Kombination teilzunehmen. Auch im Zentrum herrscht Geneigtheit dafür. Erheblichen Widerstand macht sich dagegen aber bei den Demokraten geltend und ablehnend verhalten sich noch die Mehrhestssozialisten.

Die vorstehende offiziöse Auslasiung läßt die Schwierigkeiten, die sich der Regierungsbildung noch entgegenstellen, erkennen. Die Verwirrung ist groß, wir kommen aus ihr nur heraus, wenn die Parteien Opferwilligkeit bezeigen. Die Erörterungen in der Parteiprefse kaffen aber leider mehr Selbstsucht als Pflichtbewußtsein erkennen. Dem Zentrum tut man freilich unwillkürlich die Ehre an, daß man ihm zu- traut, es werde tapfer zur Rettung des Vaterlandes in die Bresche springen. Für die übrigen Parteien wer­den jedoch allerhand „Bedingungen" aufgestellt, und daran wird die vermeintlich imposante Bemerkung ge­knüpft, man will sich gar nicht aufdrängen, sondern will lieber in der verantwortungslosen Opposition stehen.

Das gilt auch von den beiden Parteien, die bisher mit dem Zentrum die Koalition bildeten. Die d e m o- kr atifche Presse versichert, ihre Leute konnten nur mitfprekn, wenn die Mehrheitssozialisten emgeschlos- fen blieben. Die Mehrheitsfozialisten lassen verkünden, daß die notwendige Erweiterung der Koa­lition nur durch den Anschluß der Unabhängigen zu­lässig sei. Den Anschluß der Deutschen Volkspartei leh­nen sie von vornherein ab, weil diese Partei nicht genügend republikanisch und demokratisch gesinnt fei. Dabei vergessen sie, daß die „Unabhängigen" erst recht nicht demokratisch sind, sondern auf eine Klassenherr­schaft (zum Teil sogar nach bolschewistischer Methode) grundsätzlich und tatsächlich hinarbeiten. Der Grund für diese plötzlich erwachte Bruderliebe ist offenbar die Besorgnis der Mehrheitssozialisten, daß die Unabhän­gigen, wenn sie außerhalb der Koalition bl-'^en, .hnen noch mehr Wähler abfangen werden als bisher. Also Sorge um die Zukunft der eigenen Partei, nicht um die Zukunft des Vaterlandes!

Für die Deutsche Solfspartet hat die „Nationalliberale Korr." das vorläufige Wort ergrif­fen und mehrere Sebingungen ihres Eintritts formuliert, die sich kurz dahin zufammenfaffen lassen: Fachminister, Kammer der Arbeit mit Vetorecht, obligatorische Schiedsgerichte, „nationale" Orientierung der Außen- positik. Das sind Dinge, über die sich reden läßt, wenn

Das sah sehr hübsch tmb zwanglos ans. Man be­diente sich selbst nach Belieben, nur die wärmen Spei­sen wurden serviert, und das Geschirr von lautlos her­umgleitenden Dienern gewechselt. Tischkarten gab es nicht. Jeder wählte sich seinen Partner selbst.

Isolde hatte dies Arrangement erdacht in der stil- Ixn Hoffnung, daß es Dallariva so leichter .gelingen werde, an ihre Seite zu kommen. Denn natürlich mußte sie sich als Hausfrau von dem illustresten Gast, einer ältlichen Exzellenz, zu Tisch führen kaffen.

Er hatte sie vorhin auch um die Gunst gebeten, an ihrem Tisch Platz nehmen zu dürfen ober, wenn dies nicht möglich wäre, wenigstens am Nebentisch.

Und nun war er nicht da! Isoldes Blick.glitt är­gerlich suchend umher. Die meisten Tische waren schon besetzt. Nur hier und da standen noch Gruppen um­her, die offenbar noch nicht schlüsiig waren, wie sie sich teilen sollten. Dort in der Ecke schoben ein paar Her­ren eben zwei Tische einfach aneinander . .

Neben Isolde standen zwei Damen und drei Her­ren, zu denen sich nun noch ein älteres Paar gesellte.

„O weh. Sie sind schon vollzählig," sagte die Dame bedauernd zu Isolde „wir hätten so gern bei Ihnen gesessen! Aber es ist ja wohl nur für sechs Personen Raum?"

„Schadet nichts, liebe Frau v. Walser," sagte Isolde rasch, „wir lassen noch das Tischchen dort anrückenI" Sie gab den Dienern einen Wink. Die Sache war ihr höchst erwünscht, denn so blieb nun doch Platz für Dallariva . . . wenn er kam.

„Pardon, meine Herrschaften," fuhr sie hastig fort, „ich will nur rasch noch einmal im Nebenzimmer noch, sehen ob alle gut versorgt sind . . . netn, Exzellenz, Sie brauchen sich nicht zu bemühen," lehnte sie den dargebotenen Arm ihres Kavaliers ab. „Ich bin im Augenblick wieder da." Flüchtig eilte sie in den an. stoßenden Raum.

Nichtig — da stand er! In der Ecke neben Lou, um die sich eine Anzahl junger Herren drängte! Wera Halmenschlag und die unscheinbare Frau eines Atta- ches waren die einzigen Damen der Gruppe. Man mußte drei Tischchen aneinanderstellen und noch war nicht Raum genug für alle.

Isolde tret „xsenn Sie keinen Platz mehr sind»- 'evt Dallariva," sagte sie halblaut, ihn gebie- l terisch ansetzend — „drüben bei uns ist noch genug."

sie ohne Eigennutz und Eigensinn geltend gemacht wer­den. Andererseits müßten auch von den anderen Ge­nossen der Koalition Bedingungen gestellt werben, näm­lich die rückhaltlose Anerkennung der Verfassung nut der entschiedenen Ablehnung jeder Putschpolifik und unter Verzicht auf jeden Kulturkampf, so daß die Aufrechter­haltung der Garantien für die religiös-sittliche Inte­ressen außer Zweifel gestellt bleibt. .. .

Für die Erweiterung der Koalition könnte em Zu­zug von links nur in Frage kommen, wenn die Un­abhängigen sich spalten und ihr rechter Flügel sich ehrlich auf den demokratischen Standpunkt der Mehr- heitssozialisten stellen würden. Das ist aber vorläufig ausgeschlossen. Die Unabhängigen sehen selbst ein, daß sie, wenn sie gezwungen werden, positiv zu arbeiten, nicht in der Lage sein werden, ihre Wahlversprechungen zu erfüllen und daher Anhänger verlieren werden. Da­rum bezeugen sie die stärkste Neigung, in der Oppo- sitionzu bleiben.

lieber die Haltung der M e h r h e i k s s o z i a l i - st e n ist noch zu sagen, daß ihr Parteivorstand sich soeben gegen das Zusammengehen mit der Deutschen Volkspar­tei ausgesprochen, aber doch die endgültige Entscheidung einer Parteikonferenz überlassen hat. Diese täte klug, wenn sie sich nicht voreilig festlegte, sondern erst ab- wartete, tEas für den Fortgang der Politik sich als un­bedingt notwendig erweist.

Die Sage ist so verworren und das Lebensinteresse des Volkes ist so stark gefährdet, daß keine Partei, die es gut meint mit dem Vaterlande, sich von der Selbst­sucht bestimmen lassen darf.

' Jetzt ist noch mehr als nach der Wahl vom vorigen Jahre' Klugheit und Opferwilligkeit geboten, weil die Regierungsbildung nach dieser Verwirrungswahl auf noch größere Schwierigkeiten stößt.

Das Wahlergebnis in Hessen-Nassau.

Nach den vorläufigen endgültigen, Ermittelungen des Wahlkreisleiters im Wahlkreis Hessen-Nassau ent­fallen auf die Deutschnationalen 171 033 (2 Abgeord.), Deutsche Vpt. 189 174 (3), Zentrum 179960 (2), Demokraten 111971 (1), Mehrheitssozialdemokraten 297 842 (4), Unabhängige 138 927 (2), Kommunisten 15 854 (kein Abgeordneter). Es fehlen noch 30 Stimm­bezirke, die an dem Ergebnis kaum etwas ändern dürf­en. Es gilt als sicher, daß die Deutschnationalen und das Zentrum durch die Wahlkreisverbindung mit Hesfen-Darmftadt noch je einen Abgeordneten erhalten werden.

Aus dem Kreise Fulda.

Niederbieber (berichtiat). Z 153, DV 3, S1, U 2- Vertsteinbach. W 258. Z 206, S 8, U 15.

Aus dem kreise Gersfeld.

Kreis Gersfeld. (Gesamtergebnis). Z 6085, D 543, TN 544, DV 1331, S 719, U 797, K 3.

Schlitzenhausen. W 130. D 3, DV 75, S 22.

Günthers. W 171. DV 49, S 89, U 1.

. Nenswarts. W 145. DV 107, S 7 U 3.

Mosbach. W 147. Z 8, D 3, DN 19, DN 19, S 6, U 10.

Rommerz bei Gersfeld. D 20, DN 20, DV 18, S 7, U 2.

Theobaldshof. D 11, DV 30, S 76, U 19.

Brand. W 123. Z 106, U 3.

Nengersfeld. DV 42.

Aus dem kreise Hünfeld.

Hünfeld. Im Krerfc Hünfeld wurden für das Zentrum abgegeben 7657 Stimmen, für die Deutsch- nationalen 1485, für die deutsche Volkspartei 625. für die Demokraten 289. für die Mehrheitssozialdemokra­ten 1479, die Unabhängigen 425 und die Kommunisten

„Ach nein, Herr Dallariva darf nicht fort! Ich habe ihn heute zu meinem Kavalier ernannt," sagte Lou statt seiner, wandte sich lästig um und starrte Isolde blinzelnd an.

Beider Frauen Augen tauchten einen Moment in­einander. Der Isoldes sprühend vor schlechtverhehltem Aerger, der Lons spöttisch triumphierend.

„Das heißt, wenn Ihnen gar so viel daran liegt, diesen närrischen Maler bei sich drüben zu haben," sagte sie nun lächelnd, „so bin ich gern bereit, ihn aus meinem Hofstaat zu entlasten!"

„Mir?" Isolde hatte sich bereits wieder in der Gewalt. Ein finsterer Blick Weras hatte sie zur Be. sinnung gebracht. „Mir liegt gar nichts daran. Ich fürchtete nur, daß die Herrschaften hier zu eng sitzen werden."

„Ach, das ist gerade gemütlich!"

Nun, dann ist es ja gut. Auf Wiedersehen und viel Vergnügen!" Sie nickte allen freundlich zu, streifte Dallariva, der eine halb verlegene, halb bedauerliche Miene aufgesetzt hatte, als wollte er sagen: Du siehst, ich kann nicht anders, mit einem verächtlichen Blick und entfernte sich.

Dallariva strich äußerst zufrieden seinen schwarzen Spitzbari ä la Rubens. Es war doch eine samose Re­klame für ihn, daß sich die zwei schönsten Frauen der Gesellschaft so um ihn stritten!

Er war in beide ein bißchen verliebt, wenn er auch nicht genau wußte, für welche sein Herz höher schlug. Immer darauf bedacht, von sich reden zu machen, wünschte er brennend, mit einer von ihnen in ein kleines Abenteuer verwickelt zu werden, was er zur Ausbreitung seines Ruhmes für sehr förderlich hielt.

Mittelmäßig begabt, eitel und beschränkt, hatte er es doch verstanden, sich durch sein geschmeidiges Wesen, seinen hübschen Kopf und seine gesucht originelle Art zum Modemaler emporzuarbeiten.

Die Frauen hatten ihn „gemacht". Er hielt sich daher ausschließlich an sie, und seit er mit einer rus­sischen Großfürstin einen' „Roman" gehabt — über den übrigens niemand genaueres wußte und von dem er selbst nur in geheimnisvollen Andeutungen sprach — war es Mode geworden, sich von ihm malen zu lasten.

(Sortierung folgt.)

6 Stimmen. Die Wahlbeteiligung war geringer als wie bei der Nationalwahl. Diesem Umstand ist. es Wohl auch zuzuschreiben daß das Zentrum einige Stim­men (355) verloren hat. Die Demokraten haben wie überall sehr schlecht abgeschnitten, von 1206 sind sie aus 239 gesunken, auch die Mehrheitssozialien haben 199 Stimmen verloren Der Verlust der Demokraten ist der deutschen Volkspartei zu gute gekommen, die 552 Stimmen mehr aufzuweisen hat als bei der National­wahl die Unabhängigen, haben 420, die Deutschnatio­nalen 162 Stimmen gewonnen. Erfreulich ist es. daß die hatkolische Landbevölkerung dem Zentrum treugeblieben ist; Deutschnationale und deutsche Volkspartei haben hier keine Geschäfte gemacht.

Wetzios und Schletzenrod. Z 3, D 5, DN 64, DV 27, S 2, U 1.

Oberstoppel. D 19, DV 54, S 49, U 1.

Aus dem kreise Schlüchlern.

Kreis Schlüchtern. Z 2415, D 1370, DN 4283 ‘ DV 540, S 3102, U 738, K 71.

Marborn. Z 172, S 20, U 6.

Kreis Gelnhausen. (Endgült. Ergebnis). Z 6343 D 1384, DN 3197, DV 2989, S 5284, U 1451, St 2043.

Momberg (Kr. Kirchhain). Z 431, D16, DN 20, S 11.

Kreis Rotenburg. Z 167, D 1311, DN 3643, DV 3044, S 7102, U 610, K 3.

Weitere Ergebnisse.

Wahlkreis Berlin. Bemerkenswert ist die Verände- rung der Parteistärken in der Reichshauptstadt, wo ja das politische Leben besonders lebhaft ist. Hier sind die Mehrheitsfozialisten von 405 000 auf 186 000 Stim­men zurückgegangen, die Demokraten von 178 000 auf 72 000, das Zentrum hat etwa 20 000 Stimmen ver­loren. Die Gefamtzahl der sozialistischen Stimmen ist von 712 000 auf 561 000 zurückgegangen. Die Deutsche Dolkspartei ist von 62 000 auf 141000 emporgeschnellt, die Deutschnationale Volkspartei dagegen konnte nur von 104 000 auf 113 000 steigen.

Wahlkreis Süd-Hannover. Gewählt sind: 5 S, 3 DV, 2 Welfen, 1 Z (Dr. Maxen), die Demokraten er­halten durch die Liftenverbindung mit Ost-Hannover einen Sitz.

Wahlkreis Westfalen-Süd. Zu dem bereits gemel­deten Wahlergebnis ist nachzutragen, daß die Sozial­demokraten 230 000 Stimmen verloren haben, von denen die Unabhängigen 170 000 und die Kommunisten 17 000 gewannen, der sozialistische Reinverlust im Sn- dustriebezirk beträgt 40 000 Stimmen. Auf der ande­ren Serie gewannen die beiden Rechtsparteien 85 000, das Zentrum behauptete sich restlos, die Demokraten verloren 55 000 Stimmen. Einschließlich der Polen stiegen die bürgerlichen Stimmen um 60 000.

Wahlkreis Württemberg. Es sind insgesamt ge­wählt: 4 Zentrumsabgeordnete (Erzberger, Bolz, Feil- mayer und Andre!, 3 S, 3 Bauernb, 2 U.

Wahlkreis Dadeo. Es sind gewählt: 5 Zentrums­abgeordnete (Fehrenbach, Dietz, Reichsfinanzmimster Dr. Wirch, Ersing und Damm), 2 D, 2 DR, 1 DV. Durch Verbindung tritt der württembergischen Liste wird das Zentrum noch einen sechsten Sitz erlangen, ebenso gewinnen noch einen Sitz die Deutschnationalen und die Unabhängigen, und in Württemberg die Mehr- heitssozialisten.

Die oldenburgischen Landtagswahlen.

Die Landtagsmandate einschließlich Eutin und Birkenfeld verteilen sich wie folgt: 7 Demokraten (— 7), 11 Zemrum (+ 0), 10 Sozialdemokraten (— 4), 13 Deutsche Volkspartei (+ 5), 1 Deuisch- nationaler (+ 1), 2 Landbund (+ 2), 5 Unabhängige (+ 2). _________—_________

Eine neue deutsche Note

in der Schisfahrtssrage.

Die Neichsregierung, die bereits wiederholt bei der Entente wegen Belassung des für die deutsche Wirtschaft unbebingt nötigen Schiffsraumes vorstellig geworden ist, hat der Entente neuerdings eine Note überreicht, in der sie ihrerseits auf die schweren Nachteile hinweist, die die Schiffahrtsregelung für Deutschland betreuten würbe.

Der Friedensschlutz mit Ungarn.

Die allgemeine Aufmerksamkeit war während der letzten Woche so sehr von der Reichstagswahl in An­spruch genommen, daß der Friedensschluß der Entente, mit Ungarn, der am 4. Juni vollzogen wurde, ziemlich unbeachtet geblieben ist. Und doch ist dieser Friedcns- schluß, der unserem ehemasigen Verbündeten aufgezwun­gen wurde, der für Ungarn geradezu vernichtend ist/ einer besonderen Betrachtung wert, weil er die gewalt­tätige, Haß und Zwietracht vorwiegende Politik der Entente bloßlegt

Unter, allen Friedensschlüssen ist der Friede mit Un­garn, was die Vergewaltigung eines Volkes betrifft, der gewalttätigste. Ungarn behält nur ein Drittel sei­nes Gebiets und 40 Prozent feiner Bevölkerung. Es wird auf diese Weise ein „rein nationaler" Staat, in welchem neben 7% Millionen Magyaren nur noch etwa 400 000 Deutsche und ungefähr 100 000 Slowaken leben werden. Aber es kommen ein Viertel der Magyaren unter Fremdherrschaft, näm­lich eineinhalb Millionen Ungarn unter rumänische und 400 000 Ungarn unter südslawische Fremdherrschaft. Daneben geraten 350 000 Deutsche unter tschechoslowa­kische, eine halbe Million Deutsche unter rumänische Fremdherrschaft. Es ist das eine Verleumdung der eigenen Grundsätze, daß bie Entente die natürliche For­derung Ungarns, in den abzutretenden Gebieten Volks- abstimmunaen zu veranstalten, abgelehnt hat. Eben diese Ablehnung zeigt, daß diese Politik nicht daraus ausgeht. Recht zu schaffen, sondern an die Stelle von Machtverhältnissen, die unbequem waren, andere Macht- Verhältnisse zu setzen.

Ungarn ist künftig nur noch ein kleiner Zwergstaat an der mittleren Donau, eigentlich nur eine etwas weite Umgebung der Zweimillionenstadt Budapest, im Um­fange von 97 000 Quadratkilometern, auf allen Seiten einaeschlossen durch Nachbarn, di« ihm übelgesinnt sein