Nr. >30.
Verantwortlich für den redattionellen Teil: Carl Schütte, n für die Anzeigen: I. Parzeller-Fnlda. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung
Dienstag, 8. Zum 1920»
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47. Zahrg
Die Reichstagswahl.
Die bisherigen Ergebnisse.
Das vorläufige Ergebnis aus 31 Wahlkreisen (von 8ß) beträgt (die Abgeordnetenmandate sind in Klammern beigefügt): Ztr. 2 720 000 (45), Bayer. Volksp. (Ztr.) 794 287 (13), Deutfchnat. 2 673 000 (48), Deut. Volksp. 3178 000 (54), Dem. 1996 000 (48), Mehr- heitsfoz. 4721 000 (96), Unabh. 4123 000 (68), Kam- muniften 398 000 (6). Die Zahl der abgegebenen Stimmen beträgt nach den bisherigen Feststellungen 21500 000. Dieser Zahl entsprechen 360 Abgeordnete.
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Die Zentr. Pari. Korr. schreibt:
Wenn sich auch über das Wahlergebnis noch kein abschließendes Urteil abgeben läßt, kann man doch schon erkennen, daß sowohl die äußerste L i n k e als auch von den Rechts Parteien vor allem die deutsche Volks- partei einen nicht unbeträchtlichen Stimmenzuwachs zu verzeichnen haben. Die Kosten tragen die Demokraten und auch die Mehrheitssozialisten. Faßt man allerdings die beiden sozialistischen Parteien zusammen, so gewinnt es den Anschein, als ob sie in ihrer Gesamtheit eine, wenn vielleicht auch geringe, so doch beachtenswerte Einbuße zu verzeichnen haben werden. Das Zentrum allein ist, so weit aus dem bisher vorliegenden Zahlenergebnis geurteilt werden kann, der ruhige Pol in der Erscheinungen Flucht geblieben. Die Absplitterungsbestrebungen haben dem Gefüge der Partei keinen Schaden zugefügt. Auch die starken mitunter äußerst gehässigen Anfeindungen des Zentrums durch die anderen Parteien haben nicht die Wirkung erzielen können, die man sich bei den Gegnern in allzu großer Voreiligkeit versprechen zu können glaubte. Denn — und dies kann wohl mit Sicherheit jetzt schon gesagt werden — der festgefügte Bau der Zentrums- Wählerschaft hat auch diefen Anstürmen standgehalten und sich trotz Sturni und Dranges von allen Seiten her als treu und fest erwiesen.
Durch den starken Stimmenrückgang, den die Demokraten zu verzeichnen haben, und durch den Verlust, von dem auch die Mehrheitssozialisten betroffen werden, wird naturgemäß die bisherige Koalition eine Schwächung erfahren. Wie weit sich aber das Stimmenverhältnis verschoben hat und wie weit die ehemaligen Koalitionsparteien zurückgedrängt sind, läßt sich noch gar nicht übersehen, darum läßt sich auch über die künftige Regicrungsblldung noch gar nichts sagen.
Wahlergebnis und Koalition.
Eine starke Verschiebung, aber keine Sammlung und Klärung, so daß sich eine «bedenkliche Verwirrung und Unsicherheit ergibt.
So stellt sich nach den bisherigen Meldungen der Wahlausfall dar.
Der feste Pol in der Erscheinungen Flucht ist das Zentrum, das sich trotz aller Angriffe von außen und allen Sprengungsversuchen von innen her mit ge- wohnter Tüchtigkeit behauptet hat. Windthorst sagte vor dreißig Jahren: „Unsere Partei heißt nicht bloß Zentrum, sondern sie bildet auch dm Mittel- p u n k t." Das gilt jetzt noch mehr als jemals. Wenn die verworrenen Kräfte sich wieder zu einer lsistungs- fähigen Arbeitsgemeinschaft zusammenschließen motten, so müssen sie sich um die Zentrumspartei kristallisieren.
Die Mittelparteien haben viel verlorm, die Parteim auf den Flügeln haben erheblich gewonnen. Bei solcher Kennzeichnung des Ergebnisses muß das Zentrum ausgenommen werden, da es die Ehre und hoffentlich auch die Kraft der Mttelparteim gerettet hat.
Fordernde Liebe.
Roman von Erich Ebenstein.
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„Unmöglich, mehre Gnädigste! Was denken Sie oon mir? Ich werde doch einen jungen Kollegen nicht in Unannehmlichkeiten hineinreiten! Es ist ja auch sicher nichts dabei . . . alles ganz harmlos . . . sprechen wir nicht mehr darüber! Sie entschuldigen . .
Er wollte sich abwendm. Aber da stand Damela plötz- kich mit blitzenden Augen vor ihm.
„Nein, so dürfen Sie nicht gehen, Profesior Wasa/ sagte sie erregt. „Ich habe alles gehört. Ihre Worte enthalten eine Verdächtigung meines Mannes, die ich nicht schweigend auf ihm sitzen lasten kann. Es ist mein Recht, Aufklärung in seinem Namen zu verlangen! Warum dachten Sie, daß Fräulein Sand eine Verwandte oon vns ist?"
„Gott, wie Sie die Sache gleich aufbauschen, schöne Frau! Wenn ich Ihnen schon sage: es ist gar nichts dabei! Sie haben gar keinen Grund, eisersüchtig zu sein . . ."
„Das habe ich auch nicht," erklärte Daniela mit einer Bestimmtheit, die ihr verstörter Blick Lügen strafte. „Ich will nur Antwort oon Ihnen!"
„Ach, Sie wissen doch gewiß selbst alles bester als ich! schließlich ist Kollege Heidlof ja ein vermögender Mann, »er sich wohl auch einmal den Spaß machen darf, für ein rrmes Mädchen — selbst wenn keine verwandtschaftlichen Beziehungen bestehen — das teuerste Sanatorium und alles, was drum und dran hängt, aus eigener Tasche zu be- zahlen! Selbstverständlich aus reinstem Idealismus und mir, weil jenes Mädchen ihm Gelegenheit gibt, durch einen .berühmten Fall" von sich reden zu machen. Ich natürlich, in meiner Dämlichkeit, begriff dies nicht gleich und dachte, »ine solche Großmut müßte sich durch nähere menschlichen Beziehungen erklären lasten . . .“
„Wie — es ist wirklich wahr? Mein Schwiegersohn bezahlt die Krankenkosten für dieses Mädchen?" hnter- brach ihn die Hofrätin, zwischen Bestürzung und Unglau- den schwankend.
Daniela schob ruhig ihren Arm in den der Mutter.
„Errege Dich, nicht, Mama," sagte sie würdevoll. „Ja, es ist, wie Professor Wasa sagt. Egon hat alles vorher «it mir besprochen. Er hätte die Operation, die hoffentlich seinen Namen berühmt machen wird, anders nicht ausfüh- können, da ihm keine Klinik zur Verfügung steht und Fräulein Sand eine gänzlich mittellose Polksschullchrerin
Anders ausgedrückt: die O p p o f l t l o n, sowohl von rechts als von links, hat zahlreiche Wähler an sich gezogen; die Arbeitsgemeinschaft aber hat Einbuße erlitten.
Das war bis zu einem gewißen Grade erwartet worden. Denn die furchtbaren Leiden der Zeit mußten viel Unzufriedenheit erzeugen, und weil die Koalition in ihrer beschränkten Leistungsfähigkeit nur Flick- und Stückwerk liefern konnte, mußte zu der Unzufriedenheit sich der Neuerungsdrang gefellen. Viele Enttäuschte wollten es einmal mit einer a n - deren Partei und einer anderen Regierung versuchen. In den bürgerlichen Kreisen haben zweifellos die scharfen Steuergesetze wesentlich dazu mitgewirkt, daß aus den demokratischen Reihen viel Wähler zu den Rechtsparteien als den vermeintlichen Schützern des „Besitzes" übergegangen sind. Auf der Linken waren manche Sozialisten enttäuscht über, den langsamen Fortgang der sogenannten Sozialisierung und ließen sich wieder für den Gedanken der Kiassenherr- schäft einfangen. Die Verschiebung ist also an sich nicht überraschend; aber sie hat einen grö- ß e r e n Umfang erreicht, wie man bei der vielgerühmten Denkkraft und Bedächtigkeit des deutschen Volkes erwarten dürfte.
Die Verschiebung auf der Linken stellt sich nicht etwa als ein Reingewinn des Sozialismus, dar, sondern beschränkt sich auf den Abmarsch von Mehrheitssozialisten in das Lager der stark schimpfenden und viel versprechenden Unabhängigen. Die Gefahr einer Klassendiktatur ist also nicht näher gerückt, doch die Einbuße der Mehrheitssozialisten, die vielleicht künftig Minderheitssozialisten genannt werden müssen, ist störend für die Bildung der Avbeitsgemein- schäft.
Bei der Verschiebung unter den sog. bürgerlichen Parteien ist es bezeichnend, daß die Deutsch-Rationalen längst nicht so viel Vorteil aus der Unzufriedenheit gezogen haben, wie die Deutsche V o l k s p a r t e i, die Erbin des alten Nationalliberalismus. Die Deutschnationalen haben eine sehr eifrige, vielfach skrupellose Agitation entfaltet und namentlich in Zentrumskreisen Stimmen zu fangen versucht. Letzteres ist an der Festigkeit der Zentrumswähler gescheitert. Aus den anderen Kreisen hätten die Konservativen wahrscheinlich mehr Zulauf erhalten, wenn nicht der Kapp-Putsch auf viele besonnene Wähler abschreckend gewirkt hätte. Die Deutsche Volkspartei war durch diesen Streich weniger komprimittiert; sie hatte bezeichnender Weise schon vor der Wahl einen beträchtlichen Zugang in ihrer Fraktion, sowohl von bisher demokratischen, als auch von bisher konservativen A.b- geordneten. Diese Zugkraft der ehemaligen national- liberalen Partei hat sich auch bei der Wahl fortgesetzt, gefördert durch die materiellen und gesellschaftlichen Hilfsmittel der Schwerindustrie.
Infolgedessen hat die Deutsche Volkspartei eine ganz hervorragende Stellung erlangt, die unter Umständen ausschlaggebend werden kann. Wenn nämlich die Demokraten und die Mehrheitssozialisten so geschwächt werden, daß sie mit dem Zentrum zusammen nicht mehr eine sichere Arbeitsmehrheit bilden können, so kommt der Anschluß der Deutschen Volkspartei an die Koalition in Frage.
Der Reichskanzler hat freilich neulich erklärt, die Mehrheitssozialisten würden für ein Zusammengehen mü der Deutschen Volkspartei nicht zu haben sein; aber damit braucht das letzte Wort noch nicht gesprochen zu sein. Bei seiner veränderten Sachlage muß man "manchmal in einen Apfel beißen, den man für sauer erklärt hat, und die Scheidemann-Fraktton wird schließlich selbst zu prüfen und zu entscheiden haben, ob sie alles preisgeben will, was sie bisher erstrebt ........ Milin i rii ।’i,................
ist. Natürlich wünschte Egon nicht, daß dieser Akt von Humanität an die große Glocke gehängt wird!"
Ihre Mutter sah sie verdutzt an und schwieg. Prosestor Wasa lachte behaglich auf.
„Nun, sehen Sie Gnädigste! Nun hat sich ja alles aufgeklärt! Das mit der „Humanität" haben Sie schön gesagt, junge Frau! Aber wir sind ja unter uns, nicht wahr? Wir wissen, was wir davon zu halten hoben! Auch der i Ruhm ist nicht umsonst, hahaha! Man muß es sich zuweilen ein tüchtiges Stücke Geld kosten lassen . . ."
„Mein Manch ist kelin Strebers" unterbrach ihre Daniela kalt, „das wißen Sie ganz gut, Herr Professor l Wäre er das, hätte er wie mancher andere die Tochter irgend eines seiner Lehrer geheiratet und sich vom Schwiegervater zum Hochschulprofessor lach- zieren loffen Das hat er verschmäht. Was er anstrebt, widr er allein aus eigener Kraft und durch seine Verdienste erreichen!"
Sie nickte stumm und zog ihre Mutter mit sich fort. Wasa sah beiden wütend nach. Me Welt wußte, daß er selbst den von Daniela angeleuteten mühelosen eWg gewählt hatte, um rasch emporzukommen.
Dann aber huschte ein böses Lächeln über sein feistes Gesicht. Was lag daran? Die Hauptsache war doch gelungen: er hatte dem heimlich beneideten jüngeren Kollegen eine Suppe cingebrockt, an der er da- heim noch lange würde löffeln müssen! Denn Danielas Versicherung, sie habe um alles gewußt, konnte einien so erfahrenen Menschenkenner, wie ihn, doch keinen Augenblick täuschen! Mit vollem Bewußtsein hatte er die Brandfackel der Eifersucht in Daniela; Herzen entfacht. Der eheliche Zwist würde Heidlof mm den Ruhm im Beruf wohl versalzen . . .
Daniela hatte die Hosrätin instinkttv in ein leeres Seitenkabinett gezogen. Tort warf sie sich erschöpft in einen Fauteuil und bedeckte das Antlitz mit den Hän. den.
Die Hofrätin erging sich indes in Bewunderung. Wie groß, wie erhaben war das von Daniela, den Mann noch zu verteidigen, der sie so schmählich verriet! Wie eine Heldin hatte sie gesprochen! Egon mußte sich ja in Grund und Boden hinein schämen! Ach und wer hatte da? wohl von ihm gedachvt? Denn nun konnte man ja leider gar nicht mehr daran zweifeln, daß er diese? Mädchen . . .
,'Laß das, Mama!" fuhr da Daniela, ihre Mutter schroff unterbrechend, auf. Sprich kein Worr darüber! Ich ertrage es nicht! Ich wollte, ich hätte Egon nie gesehen! Lü... ich hasse ihn! — "
und zum Teil auch errungen hat. Sn diesem Fall wurde die bisher tonangebende Partei nicht nur sich selbst zum Sklaven der Unabhängigen machen, sondern auch das ganze Land und Volk in die tchlmunsten Gefahren stürzen. Denn alsdann müßte eine Koalition der bürgerlichen Parteien gebildet werden, und darauf wäre eine Schilderhebung des Linksradikalismus zu befürchten.
Vor einem solchen Verderben muß Deutschland unbedingt «bewahrt bleiben. Demgemäß müssen alle gewissenhaften Abgeordneten das ihrige tun, um aus J>em Wirrwarr, den die Wahlstimmen geschaffen haben, eine brauchbare Arbeitsmehrheit und eine feste Regierung herauszuarbeiten. Dieser Wiederaufbau muß so schnell wie möglich erfolgen, da die hochwichtigen Verhandlungen in Spaa bevorstehen.
Wir halten an der Hoffnung fest, daß die Gewählten doch mehr Gemeinsinn bewahren, als die Wähler, die leider so vielfach zerfahren und abenteuer« sich sich gezeigt haben.
Aus dem fireife Fulda.
fireis Fulda. Gesamtergebnis: Z 23 790, D 1131, DN 1208, DB 1242, S 1756, U 4359, K 36.
Davon entfallen aus die S t a d t F u I d a: Z 6500,., D 817, DN 781, DV 686, S 1174, U 2034, K 18.
Auf die Landgemeinden des Kreises: Z 17 290, D 284, DN 427, DV 556, S 582, U 2325 U 18.
Dielershan. Z 88, S 1, U 2.
Steinhaus. W 177. Z 137, DN 6, S 2, U 22.
Reinhards. W 144. Z 113, DV 4, S 8, U. (Die gestern aus Niederrode gemeldeten Ziffern beziehen sich auf Reinhards.)
Mesen. W 155. Z 134.
Äiedcrkalbach. Z 226, S 12, U 56.
Wolferts. W 143. Z 129, D 2.
Mogdlos. Z 200, D 1, S 6. U 28.
Aus dem fireife Gersfeld.
Schmalnau. W 397. Z 234, D 17, DV 9, S 5, U 67, K 2.
Ried (berichtigt). Z 118, S 2, U 12.
Melperts. W 75. Z 73.
Sandberg b. Gersfeld. W 100. DN 46, DV 35, S 1.
Obernhaujen. D 6, DN 16, DV 10, U 9.
Altenfeld. W 71. Z 10, D 14, DN 3, U 11. fiippelbach. W 91. D 1, DV 64, S 2.
Ab-sroda. Z 205, U 1.
Maiersbach. W 197. Z 49, D 2, DN 41, DV 8, S 8, U 33.
Langenberg. W 98. Z 91. 11 1.
Rodenbach. W 127. D 4, DN 9, DV 37, S 2, U 10.
Reulbach-. W 228. Z 219, D 1, DV 2, U 1.
Aus dem fireife Hünfeld.
fireis Hünfeld. Z 7657, D 239, DN 1485, DV 625, S 1479, U 423, K 6.
Oberdrchbach. D 5, DN 6, DV 34, S 71.
Ldenfachfen, Miesenbach, Weißenbach, Herrenspiegel. D 1, DN 149, DV 1, S 32, U 1.
Leibolz. Z 128, DN 12, DV 2, S 9, U 12.
Leimbach. W 186. Z 170, S 5, U 2. hünhan. W 244. Z 120, D 1, S 5, U 3. Dammersbach (berichtigt). Z 108, D 1, S 3, U 19, K 1.
Aus dem fireife Schlüchtern.
Steinau, Kr. Schlüchtern. W 1330. Z 27, D 49, DN 410, DV 103, S 371, U 8, K 43.
Herolz. Z 247, DN 16, DV 2, S 19, U 2.
„O! Und eben noch sprachst Du so vernünftig und schön zu Wasa!"
„Das war Ehrensache! Ich bin seine Frau - , , noch bin ich es! . . . Aber mein Herz wußte nichts von bem, was ich sprach!" Ein krampfhaftes, trockenes Schluchzen schüttelte ihren Körper.
Erschrocken beugte sich die Hofrätin zu ihr.
„Fasse Dich, Daniela . . . wenn jemand käme! Und was willst Du denn eigentlich tun? Treibe um Gottes willen die Sache nicht auf die Spitzel Wenn ich Dir raten könnte —" '
„Nein, rctte mir nicht! Das sind Dinge, die jeder nach feinem eigenen Können erledigen muß!"' . . i
„Bedenke die Leute! , s ■’* . '
„Ach, die Leute!" Daniela lachte bitter auf. »Was scheren mich die!"
„Willst Du, daß sie mit Fingern auf Dich weisen und je nach ihrem Wesen die betrogene Frau bemitleiden oder belächeln? Professor Wasa hat einen scharfen Blick und eine noch schärfere Zunge. Er beneidet Egon immer um dessen so viel tüchtigeres Wissen. Er wäre der erste, der sich ein Vergnügen daraus machte, die Sache unter die Leute zu bringen, wenn er merkte, daß Du ihn vorhin getäuscht hast!"
Die Hofrätin sprach noch viel und goß nach Kräften Oel in Danielas offene Wunde. Es war chr plötzlich Heidenangst Hcwordeq, die Tochter könne am Ende ernstlich an Scheidung denken — gerade jetzt, wo Heidlof allem Anschein nach begann, berühmt zu werden. Man müsse alsdann immer Haltung bewahren. Viele Frauen müßten gelegentlich in der Ehe beide Augen schließen. Nachher renke sich schon alles wieder ein . . . erst müsse man doch auch Gewißheit haben — heimlich beobachten — vielleicht habe Egon doch alles aus Mit. leid getan oder bloß, um sich die Möglichkeit zu sichern, den seltenen Fall nach seiner Methode zu behandeln
Mitten in diese Auseinandersetzungen, denen Ta- nila starres Schweigen entgegenbrachte, platzte Isolde hinein. Sie sah erhitzt und geärgert aus.
„Nanu — was ist denn los?" sagte sic nun, der- wundert von einer zur andern blickend. „Was hat Daniela?" ...
Tie Hofrätin erzählte es ihr. . • ’
„Und darüber ärgerst Du Dich so,' Dana?" sagte Isolde giftig. „Ich sage Dir, die Männer sind es alle zusammen nicht wett, daß wir uns ihretwegen grämen! Falsch sind sie und' flatterhaft . . ."
„Das kannst Du doch von Deinem Mann nicht [a^en, Jfoldel" warf die Hoftsttig tadelnd ein.
Aus dem fireife Gelnhausen.
Rad Orb (berichtigt). W 2759. Z 1081, D 89, DN 69, DV 216, S 263, U 341, K 347.
Mrstein. Z 55, D 43, DN 114, DV 92, S 200/ U 10, K 2.
Roßberg. W 205. Z 45, D 2, DN 6, DV 34, D 33, K 3.
Mernes. Z 253, S 49, K 1.
Oberhessen.
fireis Ziegenhain. (Es fehlen noch einige Orte. Z 77, D 1174, DN 5328, DV 1963, S 4140, U 34tz, K 29
Mardorf.' W 576. Z 509, D 18, DV 4, S 15, U 4,
Aos der Provinz.
Raumburg (Kassel). Z 467.
Fritzlar (Kreis und Stadt): DN 3927, DV 2210, Z 1145, D 944, S 4790, U 578, K 3.
Witzenhaofen (Kreis und Stadt bis auf 1 Gemeinde)? DN 3729 (1810), DV 3439, (110), Z 149 (84), 2)' 1034 (3752), S 6538 (10 471), U 1662 (3).
Wahlkreis: Heffen-Rassau.
Beim Wahlkreisleiter, Oberregierungsrat v. Lentze, wurden bis Montag abend 6 Uhr aus 2400 Stimmbezirken gezählt: Deutfch-Nat. 155 000, Deutsche Vp. 154 000 Zentrum 137 000, Demokr. 96 000, Soz.- Dem. 241000, Unabh. 110 000, Komm. 10 000. Sicher gewählt sind vorläufig: Deutsch-Nat. Helfferich, Lind, Deutsche Vp.: Rießer. Zentrum: Schwarz, Herbert, Demokr. Schlickt ng, Spz.: Scheidemann, Tesch, Kaiser, Thöne, Unalbh.; Dißmann. 40 0 Be» z i r k e f e h l e n n o ch.
weitere Ergebnisse.
Hessen-Darmstadt. Z 95 453, DN 83153, DB 94 653, S 179 814, U 72 218, K 3035, D 63 715. Danach sind vorläufig gewählt: 2 S, 1 DV, 1 DN, 1 Z, 1 D, 1 U. Die Reststimmen werden der S, vielleicht auch der DV und dem Z noch 1 Mandat verschaffen.
Wahlkreis Thüringen. S 156 349, U 310 857, DN 89 762, D 86 289, K 19 533, Bauernbund 164 877, Z 47 240, DV 144 760. Es fehlen noch 234 ländliche Bezirke. 1919 wurden gewählt 4 D, 5 S, 2 DN, 3 U, 0 Z.
Sachsen. Die Abgeordneten von ganz Sachsen, sind: 3 D (bisher 7), 6 (4) DN, 6 (1) DV, 8 (17) S, 9 (3) U, 1 (0) K.
Wahlkreis Westfalen-Nord: Z 5 (6), S 3 (9), D 0 (1), DV 1 vielleicht 2 (1), U 1 (0), DN 1 (1).
Wahlkreis Westfalen-Süd: S 4 (7), U 3 (0), D 1 (1), Z 5 (5), DV 3 (3).
Wahlkreis Baden (vor!.): Z 343 831, S 190 309, DB 64 814, D 116 484, DN 113 205, K 14 489, U 102 564 (1919 wurden gewählt: Z 5, D 3, S 5, DN 1).
Wahlkreis fiöln-Aachen: Z 10 (10), DV 1 (1) D 0 (1), S 2 (3), U 1 (0). (Eupen-Malmedy haben nicht mit abgestirnrnt).
Wahlkreis Trier-fioblenz: (Der Saarbezirk stimmt diesmal nicht mit) Z 4 (8), D 0 (1), S 1 (2), DV 1 (1). I
Wahlkreis Düsseldorf-Ost: Z 3 (4), D 1 (1), DN 2 (1),' DV 2 (1), S 1 (3), U 3 (2).
Wahlkreis Düsseldorf-West: Z 5 (7), S 1 (3), DV 1 (1), U 1 (0).
Wahlkreis Berlin Vorläufig: S 185 289, Z 36100, D 74 563, DN 120 790, DV 142112, U 137 166, K 13 686.
„Ach, wer spricht von Georg? Der ist bloß Pedant! Aber dieser Dallariva! Vor zwei Minuten sagt er mir noch die übertriebensten Schmeicheleien, und im Handumdrehen zieht er den Triumphwagen dieser polnischen Circe! In meinem Leben habe ich nichts so bereut, als daß ich Lou Meister in die Gesellschaft eingefühtt Habel so lohnt sie es mir nun! Habt ihr bemerkt, wie schamlos sie mit Dallariva kokettiert? Unerhört einfach! Alle Welt bemerkt eS schon und spricht darüber!"
, „Stt froh," bemerkte die Hofrätin mit trockene^ Strenge, „dann spricht man wenigstens nicht über: Dich! Ich'war vorhin entsetzt, Isolde, über sDeiner»- Leichtsinn und Mangel in Tccktl^
„Oho, Mama! ?" ” " " ~ :: T."""
„Jawohl. Ich habe es genau bemerkt, wie! Du diesem eingebildeten Maler heimlich Blicke zuwarfst^ die er sich ja — falsch auslegen muß! Und das W den Äugen Deiner Gäste, Deines Mannes sogar!"
„Ich Wollte, daß er zu mir kommt. Ich mußte mit ihm reden über mein Bild, das er malen will, sonst bringt es Lou noch dahin, daß er sie zuerst malt!"
„Dein Mann will davon ja überhaupt nichts wissen!"
„Weil er eifersüchtig ist! Weil er sich einbildet, Dallariva gefällt mir und ich wollte mich nur deshalb von ihm malen lassen. Gerade darum ist es Ehrensache, auf meinem Willen zu bestehen und Georg zu beweisen, wie unrecht er hat! Ich will doch nur, daß Dallariva, der schon mehrere Erzherzoginnen und die meisten Damen der hohen Aristokratie gemalt hat, auch mein Bild im Künstlerhaus zur Ausstellung bringt. Würde ich davon nun plötzlich ablassen, müßte Georg baitn glauben er habe mit seinem kleinlichen Verdacht recht!"
„Liebe Isolde, das sind SpitzsindiMten, die Du Dir, wie ich fürchte, nur selbst einreden willst . .- .*
„Mama! Du denkst doch nicht . , .* fuhr Isolde sehr tot werdend, auf.
„Ich denke gar nichts, als daß es sehr unklug sie, wenn eine anständige Frau ihren Ruf so leichtsinnig aufs Spiel setzt, wie Du in der letzten Zeit!"
„Meinen Ruf?" Isolde richtete sich hochmütig aus. „Ich kann Dir versichern, Mama, daß ich immer ganz genau weiß, wie weit ich als Dame und anständige Frau gehen darf),"
(Fottjeßlmg folgt) ,