Nr. 128.
Berantworllicki für den redaUionellen Teil: Carl Schütte, " für die Anzeigen: I. Par zell er-Fulda. " Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Rr. 9. Telear.-Adresse: Fuldaer Zeitu ng
Somstag, 5. Juni 1920«
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47. Zahrg.
In letzter Stunde
Morgen, Sonnlao, fallen die Würfel.
Wenn der Tag sich neigt, dann ist über die Gestaltung unserer politischen Zukunst die Entscheidung gefall n.
Die Hoffnung auf die Genesung und Rettung des Vaterlandes freizt gegenwärtig auf etwas besseren Fußen, als in den verflossenen anderhalb Jahren. Wir sind über die furchtbaren Gefahren des Zusammen- bruchs, der Revolution, der Streiks und der Putsche lebendig hindurchgekommen; wir haben trotz alledem die Ordnung gerettet und damit die Möglichkeit, uns weiter heraus- und emporzuringen. Daß unsere aus- märtige Sage in der Besserung begriffen ist und die bcoorstehenden Konferenzen einige Aussichten für eine erträgliche Durchführung der Friedensbedingungen eröffnen. ist offensichtlich.
Also zum Verzweifeln haben wir zur Zeit weniger Grund, als in den früheren Monaten. Wer im Was- (er liegt und einen Rettungsring vor sich hat, greift ge-
£ Die Zentramspartei fordert die christliche A -j Volksgemeinschaft.
■ Nieder mit dem Radikalismus, der religiös, ■ j politisch und wirtschaftlich das Volk zugrunde- n j richtet. Wählt die Partei des christlichen Volkes. *
Wählt Zentrum!
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»iß zu. Mit frischem Mut und frischer Kraft setzt er die Reitungsarbeit fort. Mit der Verdrossenheit ist kein fseil zu erreichen. Was Hilst das Klagen und Schelten über wirkliche Mißstand« oder angebliche Fehlgriffe, die hinter uns liegen? Es gilt weiter zu bauen auf der ge- rettekn Grundlage. Daran sich zu beteiligen ist jedes Bürgers Recht und Pflicht.
Recht und Pflicht rufen ihn am morgigen Sonntag jur Wahlurne. Dort soll er seine Stimme abgeben nach seiner gewissenhaften Ueberzeugung. Wer sich durch Sügenkünste und Verhetzungen ins Bockshorn lagen läßt, ist nicht wert, ein freier deutscher Mann zu heißen. Auch die deutsche Frau soll tapfer ihre Freiheit wahren. Nach den Erfahrungen von der vorigen Wahl darf man sogar hoffen, daß die weiblichen Wähler sich noch weniger verblüffen lassen, als die männ- sichen. Der weibliche Instinkt durchschaut manches Komödienspiel der Wahlhetzer, mit der der grübelnde Verstand der Männer nicht so schnell fertig wird.
Männer wie Frauen müssen an die Wahlurne treten im Bewußtsein ihrer Pflicht für die heiligen und K>ea!en Güter, für Religion und sittliche Ordnung und christliches Familienleben einzutreten. Wer feinen Glauben auch am Wahltage treu und wirksam bekunden will, ter wird sesshaften an der Partei, die aus dem Schiffbruch an idealen Kulturgütern gerettet hat, was zu retten war.
Roch einen praktischen Ratschlag muß man hin- yifügen: Geh frühzeitig zur Wahl, möglichst schon cm Vormittag. Auf geschoben ist manchmal aufgehoben. Den Rest des Wahltages kann man nützlich verwenden, indem man die Säumigen noch auf die Beine bringen hilft.
Um 6 Uhr wird das Wahlgeschäft geschlossen. Danach wird niemand mehr zur Wahl zugelassen.
Um Schleswig.
Heber den Schleswig-Vertrag wird vom Ritzau- schen Büro eine amtliche Mitteilung der dänischen Regierung veröfsentlicht, in der es u. a. heißt, daß die vereinigten Staaten, England, Frankreich, Italien und Lapan sowie Dänemark und Deutschland den 23enrag ratifizieren müssen. Der Vertrag soll sofort nach der
Fordernde Liebe.
Roman von Erich Ebenstein,
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Er starrte sie bestürzt an. Dann versuchte er zu lächeln.
»Si« wissen wohl, daß dies nicht geht! Ich bin doch kein Barbar und Lou nicht die Frau, die sich so etwas «eten ließe!"
»Oho! Warum probieren Sie es nicht wenigsten?? ich es Ihnen sagen? Weil Sie kein Mann sind! Rein, nicht eine Spur von Männ'ichkoit steckt in vhnen! Immer nachgeben, sich in die Ecke drücken las- sin, sich aussaugen lassen von dem Egoismus dieser kleinen törichten Frau — ist das nicht erbärmlich?"
Er schwieg lange. Endlich sagte er kleinlaut: .Sie An mir unrecht. Vielleicht bin ich Lou gegenüber lein N^nn. Vielleicht keinem Geschöpf, das schwach und hilfsbedürftig ist. T a den brutalen Willen des Man. *3 herauskehren, erschiene mir roh. Aber ich bin ?»"er ein Mann gewesen, wo das Leben Mut oder ^aten erforderte!"
. »O ja — Taten der Selbstentäußerung. 3. D. erne Nacht lang auffitzen, wenn man todmüde ist. nur b°mit ein verzogenes Kind seinen Willen hat! Sich Kosten seiner Gesundheit zu Tode arbeiten, damit b'eseJ Kind genießen kann! In abgeschabten Kleidern he-rumrenneu, weil man die besseren immer irgend ]inem armen Teufel schenkt! Das sind Ihre Helden- taten!"
»Kun ja. Aber würden S i e g. D. nicht dasselbe 'un, Fräulein Wera? Tun Sie es nicht — nur in Anderer Weise?"
_ »Ich bin eine Frau. Ta ist es ganz natürlich, kb-r ein Mann —'
. »Finden Sie es denn gar so schön, wenn ein Motin ®>ne Kraft nur im Rahmen dcS Fanftrechts beweist, kochten Sie nie daran, daß mehr Kraft dazu gehört, fb andern freiwillig unterzuordnen, all sie zu tyran- usieren?"
«Sich nnterzuotdnen ist immer Pflicht der Frau!
»Verzeihen Sie, aber drez ist eine Phrase, die wir gedankenlos aus Zeiten vergangener Gewalttätigleiien übernommen haben! Tie Seele de? Menschen weiß uchtz von .Mann" oder »Frau". Sie hat nur die ,«te Pflicht, ihre angeborene Art zu betätigen. Da?
Ratifizierung durch die Hauptmächte in Kraft treten, die zur Zeit den Friedensverirag mit Deutschland ratifiziert haben. Die Ratifikation der Vereinigten Staaten ist danach zum Inkrafttreten des Vertrages nicht nötig.
Es ist also Deutschland noch die Möglichkeit gegeben, sich zu wehren gegen die Ungerechtigkeiten und Vergewaltigungen des Vertrages, die noch über die Härten des Friedensvertrages hinausgehen. Die Reichsregierung wird wohl diese Möglichkeit und alle ihre leider so geringen Mittel auch bis zum äußersten ausnützen.
Ein Eingeständnis des Wahldrucks in Nordschleswig.
Der dänische Staatsminister R e e r g a r ö gab anläßlich einer Parteifestlichkeit der Bcmern-Linken die Erklärung ab, feine Partei sei nicht der Ansicht, daß das Abstimmungsergebnis gestatte, die zweite Zone zu verlangen. Bei der Abstimmung sei, ohne daß es der Kommission zur Last gelegt werden dürfe, ein starker Wahldruck ausgeübt worden. Wenn in« dessen die Alliierten eine Internationalisierung der 3weiten Zone auf der Grundlage des Friedensvertrages für möglich halten, so wüde die Dauem-Linke das mit Freuden begrüßen. — Der Däne gibt also selbst zu, daß Flensburg überwiegend deutsch ist. Trotzdem treten sie immer noch für eine Internationalisierung der zweiten Zone ein. was gleichbedeutend mit der Trennung von Deutschland wäre. Und Neergard gehört noch der gemäßigteren Richtung an!
Dalutabesserung und Wirtschaftslage.
In der Aussprache de? WirtfchaftSratS am Donnerstag beim Reilbswirtschastsministerium führte der Reichswirlscbaftsminister Schmidt unter anderem aus. daß unsere Volkswirtschaft mit am schlimmsten von dem Mangel einer Kontrolle für die Ein- und Ausfuhr betroffen worden ist. Diese Kontrolle durchzufübern war völlig unmöglich, solange das Loch im Westen bestand. Auch die sväter emgeführte Kontrolle hatte bei großen Interestentenkreisen im Westen mit starken Widerständen zu kämpfen. Noch vor kurzem sind nach der Einführung der Kontrolle m einem Monat und an eine Aussangstelle Waren, hn Werte von 11 Millionen Mark beschlagnahmt worden Um diese Verhältnisse zu ändern, war die Errichtung eines großen Verwaltunosavvarate? notwendig an dem noch viel zu bessern bleibt. Aber den Lurus im Verkehr mit dem Auslande den Einzelnen frei schal, ten zu lassen können wir uns nicht leisten.
Mit der Besserung der Valuta, die gleichzeitig von dem Sinken der Preise im Ausland begleitet ist, hat sich in unserem Wirtschaftsleben besonder? dort, wo die Inlandspreise den Weltmarktpreisen sich genähert haben die Lage geradezu katastro' phal gestaltet. Nur wo wir fetzt noch eine gewisse Svannung zwischen Inlands- und Auslandspreisen haben können wir die Sache mit ansehen. Es bleibt die unabweisbare Aufgabe der WirtschaftSpolink, die Preise niedrig zu halten. Sehr verkehrt war auch die ungesunde lleberkapilalisterimg, die auf vielen Zweigen der Wirtschaft Platz gegriffen tat. Die jetzigen Preise für landwirtschaftliche Produkte werden auch auf die Dauer nickst zu halten fein. Wir werden olles aufbieten mästen, um die gegenwärtige Krisis in ihrer Wirkung zu mildern aber wir müssen durch sie hindurch, um zu gesunden Verhältnis, sen zu kommen. Der Preisrückgang ist not. wendig, seine Folgen müssen überwun- den werden, selbst wenn wir dadurch auch vorübergehend zur ArbeitSlostgkeit kommen Der Minister streifte sodann die Abhängigkeit von den ausländischen Wirtschaftskräften und die Aussichten, die in Zukunft die Wiedereröffnung des rustiscken Markte? bieten könnte. Er meinte zum Schluß, daß wir nach Hebet« Windung der fetzioen Krisis die Möglichkeit haben werden. mir der Zwangswirtschaft auf , uhö- ten, und daß wir allmählich au einer Verbesserung unserer wirtschaftlichen Lage gelangen können.
Widerstand gegen die Lieferung der Zeppeline. Die Abgabe der nach dem Friedensvertrage an die Entente auszuliefernden Zeppelin-Luftschiffe, die fn den nächsten Wochen übergeführt werden soll-
ist ihre Kraft und Stärke. E? gibt Seelen, die unfähig sind, sich- unterzuordnen, und andere, die c5‘ gern tun. aus Liebe — in beiden Geschlechtern. Warum soll die eine besser fein als die andere, warum sich durch Zlpang in ein Schema knechten lassen? Gott schuf fix so — also hat sie ein Recht zu fein.
Rasch, Schlag aus Schlag, waren die Worte gofal- len, während die Blicke beider sich kreuzten. Je ruhiger Meister blieb, befto grimmiger wurde Wera. Run lag Helle Röte auf ihrem Gesicht. Unwirsch stieß sie her- auS: »DaS sind Ausreden, die Sie sich selbst machen, weil I-nen der Mut zum Kamps fehlt! Warum, wenn Ihr Svstem der Nachgiebigkeit so gut ist, rufen Sie mich zu Hilfe gegen LouS Eigensinn? Ich kann ihr nichiS verbieten!"
.Ta? sollen Sie auch nicht. Wer ich dachte. Sie seien ihre Freundin?"
.Taz bin ich . . Wera? Antlitz toutbe noch röter „aber da sie ja offenbar zu jenen Seelen gehört, „denen Unterordnung nicht angeboren ift und die deshalb beileibe nicht durch Zwairg geknechtet werden dürfen", tote Sie vorhin in Ihrer Theorie so schön au?- einandersetztcn — so fühle ich gar keine Veranlassung, mich einzumengen 1"
Sie sprach viel härter und schroffer, al? ht ihrer Natur lag Abe sie fühlte sich nicht nur auf? äußerste gereizt, sondern empfand seltsamerweise auch plötzlich einen unbegreiflichen Groll gegen Lou.
Wie kam die dazu, so milde beurteilt zu werden? Durften denn gerade' die unbedeutendsten Frauen im Leben alle? tun und sicher fein, noch entschuldigt zu werden?
Auch gegen Roland Meister suhlte sie zornige Er. bitterurg. Ter Schwächling l Wie er seine kleine Frau lieben mußte! Diel mehr, als Wera bisher vermutet hatte! Dabei drehe es einem das Herz im Leibe um, wenn man in sein müdes, verwachtes Gesicht blickte, da? so bleich und hohläugig ausiah, daß ihm Schonung sicher viel nötiger gewesen wäre als Lou. Ah, der General hatte recht, wenn er keinen Fuß mehr in den jungen Haushalt setzte weil er sich sonst totärgern müßte über seines So'hneS Waschlapptgkeit der polnischen Wirtschaft gegenüber . . ."
„Sie lehnen e? also ab, noch einen Versuch bei Lou zu machen?" fragte Roland«
fen, stößt auf Schwierigkeiten. Die Arbeiter des Luft- schisfbaus Zeppelin und die Besatzung der „Delag" in Friedrichshafen, die die Uebersührung der Luftschiffe übernehmen sollten, weigerten sich, dies zu tun, weil sie durch die Maßnahmen der Entente den deutschen Luftschiffbau und Luftschiffbetrieb für bedroht ansehen. Sie machten ihre Mitwirkung bei der Ablieferung der Luftschiffe besonders davon abhängig, daß die beiden Verkehrsluftschiff- „Bodensee" und „Ro r d st e r n" Deutschland belassen werden und keine Zerstörung der Werftanlagen verlangt wird, die den Bau von Luftschiffen für längere Zeit lahmleaen würde.
(Es handelt sich bei der „Bodensee", die noch big November regelmäßig ihren Tagesdienst zwischen Berlin und Friedrick'Shafen versehen hat, und ibn bann wegen eine? Verlängerungsnmbaues emstcllte, sowie bei dem neuen, noch nickst einmal emaefafirenen Luftschiff „Nordstern" um P a s s a g i c r l u f t s ch ! f f e, die m t dem Versailler Vertrage nicht das mindest- zu tun haben. Tenn dieser enthält in ben Artikeln 198 ff. nur Bestimmungen über Luftstreitkräfte, also Krieg?, l u f t s ch i f f e und nur in dem Artikel 202 ist einmal von „Luftschiffhallen und Schuppen für jede Art von Luftfahrzeugen" die Red«. Die Entente hat also nicht den mindesten Einspruch auf dieses, deutsche Privat, eigenfum, diese deutschen Passagierluflschiffe.
Ohne, die Mithilfe ter Arbeiter und des tetfinifchen Personals der Tclaq wird die Entente gar nicht in der Lage sein, die beiden Passagierlustschiffe aus Deutschland fortzuschasfen.)
Wählt nicht rechts, wählt nicht deutschnational!
Die Politik dieser Kreise war während des Krieges und nach dem Krieg verfehlt. Sie warcn die Kriegsverlängerer, dir Gründer und Verteidiger Oer V aterlandsp artei. Sie haben, um wenig zu sagen, für den Kapp-Putsch lein Wort der Verurteilung gehabt. Wählt keine Putschisten von rechts! Deren Politik ist so gefährlich, wie die Politik der Bolschewisten von links. Wählet sie nicht, sondern wählet die Kandioaien der Zen- trnmsparlei! Diese verbürgen eine ruh ige Entwicklung, sie schaffen Ruhe, Ordnung und Stetigkeit im Lande. Darum wählet sie!
Wählt kein« Linksradikale!
Es sind Volksfeinde! Sie zerstören die Kraft unserer Wirtschaft. Sie führen die Arbeiierlchaft t on einem Streit in den anderen hinein; bereiten politische Putsche vor, um die Staatsgewalt zu erobern. Tann wollen sie alle anderen Parteien knechten und entrechten. Wählet sie nicht! Keine Stimme diesen Volksfeinden! Wählet Zentrum!
Ausland.
* Demonstralfonen gegen den Schandsrieden in Budapest. In Budapest herrscht wegen der bevorstehen- ben Unterzeichnung des Friedensvertrages eine sehr erregte Stimmung. Die Regierung hat umfassende Sicherheitsmaßnahmen gclroffei,. Trogdem kam et Donnerstag zu stürmischen Kundgebungen. Die Menge demonstrierte vor ben Gebäuden der österreichischen, tschecho-sowakischen und rumänischen Gesandtschaft und schlug unter Schmährusen die Fenster ein. Berittene Polizei vertrieb die Demonstranten. Die Kundgebungen wiederholten sich im Laufe des Tages unter Rufen: „Es lebe der neue Krieg! Wir wollen ben Schand- frieben nicht mitmachen!" und uitier Drohrufen gegen die ftonfuln.
* Hilferufe Polens an Frankreich. Rach zuverläf. sigen Melbungen Hot Polen in ber letzten Woche in Paris einen Schritt zur Herbeiführung der Hilfe Frankreichs im polnilch-russischen Kriege unternommen. Es fall offen gesagt worden ein, daß Polen sich höchstens noch bis Ende Juni halten könne. Treffe bis dahin nicht siarke Hilfe ein, so werde die Offen- fine völlig zusammenbrechen. Da» würde aber nicht
„Ja." Kurz und kalt tarn die Antwort von Wera? Lippen.
„Vielleicht haben Sie recht, daß es aussichtslos wäre", meinte er bekümmert. „Verzeihen Sie, daß ich darum bat. Ich bin so unruhig . . . hoffentlich ohne Grund . . . bitte, reden Sie Lou wenigstens zu, daß sie nicht tanzt! Es soll ja nachher, glaube ich, getanzt werden, nicht wahr?"
„Ja." Wera ärgerte sich von neuem. Warum nahm er ihre Ablehnung so gutmütig ergeben hin? Warum machte er sich nicht wenigsten? Luft in Vorwürfen? Nein, er war wirklich gar kein Mann , . .
Da öffnete fidj die Tür des anstoßenden Gemachs und Leu schwebte läcktelnd »rein. Sie sah unendlich liebreizend und poetisch au? in der weich fließenden blaßblauen Wolke, die sie umhüllte und von der ein diskret flimmerndes Gleißen au »ging. Wundervolle Perlen schimmerten um tu? schlanke Hälschen und bauten lich als Diadem über da? dunkle Haar. Etwas unendlich Keusches, Reines lag Über der ganzen Er. scheinung auSgegossen.
Stumm hingen Rolands Blicke an ihr.
„MondenstrahlI" sagte er leise.
Lou lachte und tätschelte ihm die Wange.
„Wie hübsch Tu das sagst! So etwas kann nur einem Dichter einfallen!" Dann reichte sie Wera die Hand. „Grüß Gott, Herzblatt! Sei nicht böse, daß ich Dich warten ließ! Bist Du zufrieden mit meinem Aussehen?"
„Gewiß. Aber nun laß uns endlich gehen, e8 ist höchste Zeit." antwortete Wem trocken. T«r Ausdruck .Mondenstrahl" kam ihr für dieses kokette kleine Wesen reichlich abgeschmackt vor.
An der AusgangStür sah Roland feine Frau noch einmal besorgt an.
.Ist Dir wirklich ganz wohl, Lou?"
„Ja Rollt,! Gewiß!"
Wera verzog spöttisch die Lippen.
»Sehen Sie denn nicht, daß sie rosig aussieht toi« ein Borsdorser Apfel?"
Er was ihr einen halb vorwurfsvollen, halb, bittenden Blick zu, der sagen sollte: Latz Dich nicht täuschen und gib acht auf fiel Heute nacht hn Fieber sah sie auch so rosig aus ... ,
fiiotiiefeuno fofat*
nur bedeuten, daß sich die Polen bann zurückziehen müßten, fonbern es würbe vielmehr bie völlige Niederlage sein und zur Folge haben, baß binnen kurzem mit bem Einzug ber Roten Armee in Warschau zu rechnen sei. Frankreich soll zugesichert haben, baß so rasch wie möglich 100000 Mann, vorwiegend farbige Truppen, zur Verfügung stellen wolle. Es sei be- absichtigt gewesen, diese aus englischen Schiffen nach Danzig zu bringen und von dort an bie Front. England habe jedoch die Lieferung der Tonnage a b g e l e h n t mit Rücksicht auf die Stellungnahme der Seeleute, die derartige Transporte verweigern. Nun soll versucht werden, die Zustimmung Deutschlands für den Durchmarsch der französischen Truppen zu verlangen, doch zweifelt man daran, daß man diese bekommen wird.
* Im Zeichen ber internationalen Abrüstung. Aus Japan wirb gemelbet: Soeben wurde da§ größte Schlachtschiff fertiggestellt und vom Siapel gelassen. Es besitzt eine Wasserverdrängung von 33 800 Tonnen, bat eine Sänne von 660 Fuß und eine Geichwindigkeit von 23Vs Knoten. Bewaffnet ist es mit acht 16 Zoll-Geschützen; die Besatzung besteht aus 1336 Mann. Das Schiff führt be» Namen „Bulsu".
Urteile selbst!
Sozialdemokratisch? Wirtschaftlich haben die sozialdemotratischen Operationen den starken deut- schen Dolkskörper an den Rand des Grabes gebracht — in religiöser Beziehung kennst du ja diese Partei, höre aber noch, was der Hauptschriftleiter des „Vorwärts" (Religion ist Privatsache, 2. Ausl. 1919, Vorwärtsverlag) 1919 (beachte das Lahr!) schreibt: „Die geosfenbarte Religion mag jenseits dieser Welt ihr luftiges Gedankengebäude zimmern, in Dieser Welt ber durch Vernunft gordneten Ersahrung hat sie m ch t s zu tun" (S. 10).
Demokratisch? Die ehemaligen Freisinnigen sind keine Partei für denkende Arbeiter, Bürger und Bauern — in religiöser Beziehung hast du sie 'ja bei den Verhandlungen der Nationaloersammlun^eben noch genügend kennen gelernt.
Deutschnational? Wirtschaftlich verhindern sie durch ihre polternde und unfruchtbare Opposition den Wiederaufbau unseres armen Vaterlandes — politisch spielen sie mst dem Feuer und stürzen unser aus tausend Wunden blutendes Volk in neue Abenteuer — in religiöser Beziehung sind bie Deutschnationalen die Nachfolger der alten Kulturkämpfer, si: können ihre Abneigung gegen „Rom" auch heute noch nicht verbergen. Man denke nur dies eine: Beim Kopp-Putsch ernannten ihre Freunde zum Kultusminister einen — Traub!, den sattsam bekannten freigebigen Pastor.
Gar nicht wählen? Dann stärkst du die anderen Parteien und hast selbst den Schoden davon, du und deine Kinder! Freund! Hattest du wirklich einmal am Zentrum etwas auszusctzen, überlege es dir gut, und du wirst gestehen müssen: Alles in allem genommen ist es doch die einzige Partei, Ne für w ch in Frage kommt! — Die Entscheidung ist zu gewaltig! Jetzt in den Tagen der Entscheidung heißt es;
Einig und geschlossen für die alte bewährte Fahne:
Dem Zentrum meine Stimme! । ’
Gleiche Brüder gleiche Kappen.
In deuftch - nationalen Versammlungen ist ungeicheut die Parole ausgegebm worden: wenn einer e? nicht über sich bringe, den deutsch-nationalen Stimmzettel abzugeben, dann möge er seine Stimme wenigsten den Unabbnnniqen geben. Umgekehrt ist von verschiedenen führenden kommunistischen Rednern die Aufforderung in Berliner Versammlungen ergangen, nicht unabhängig, nicht kommunistisch, sondern deutschnational zu wählen! Auch von den Unabhängigen ist das verschiedenorts geschehen.
So arbeiten sich bie Ertreme gegenseitig in die Hände! Es soll unter allen Umständen bie bisherige Mitte zerschlagen werben. Die Extreme von recht» spekulieren auf bas Erbe, unb umgekehrt halten — gewiß nicht mit Unrecht, — bie Unabhängigen und Kommunisten für den sichersten Weg, um zur Herr- fchast zu kommen, einen Wahlsieg der äußerste» Rechten.
Die Schrecken, die wir bisher innen- und außerpolitisch erlebt haben, würden ein Kinderspiel jein, gegenüber dem, was wir durchmachen müßten, wenn die Spekulation der einen oder der anderen Seite in Erfüllung ginge.
Frauen! Wählerinnen!
Eure Stimme ist entscheidens!
Anderthalb Millionen mehr Frauen als Männer sind am 6. Juni slimmberechrigt; denkt Daran, daß euer neues Recht euch eine schwere Veranmwrtung auf bie Schultern legt und erfüllt eure staatsbürgerliche Pflicht! Auch wer nicht wählt, macht Politik, jede ausfallende Stimme stärkt bie gegnerische Partei!
Die Zukunft eurer Kinder die ScbenSbebingungen em es Volkes unb des Vaterlandes in seiner 'schwersten Zeit liegen in eurer Hand!
Ihr könnt der Partei der Ordnung, der Ruhe, der Gerechtigkeit, Der christlichen Erstehung, der christ- lieben Ehe und konfessionellen Schule den Sieg und Ausschlag geben
gegen die Parteien des Umsturzes, ber Anstiftung von Ge ellschasi, Sitte und Religion wenn Ihr Zentrum wählt!