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Nr. 127.

Verantwortlich für den redaltionellen Teil: Carl Schütte, “ für die Anzeigen: I. Parze! Irr-Fulda. n Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

Freitag, 4* Ium )920»

Bezugspreis: Monatlich 2,00 Ulf. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei unsabgebolt 2,10 IRL Anzeigenpreis: DieKleinzeile (Colonelmatz) 50 Pfg., u. 10°« Zuschlag, die Reklame zelle (Textbreite) 1.50 Hit, u. 10°/» Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

47. Zahrg.

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Die Entscheidung über Schleswig.

Dem Vorsitzenden der deutschen Frredensdelegation fn Paris, Edppert, ist am 31. Mai eine Note über die neue deutsch-dänische Grenze in Schleswig pnd über dm Uebergang Nordschleswigs an Dänemark überreicht worden. Die deutsche und die dänische Regierung sollen binnen 10 Tagen eine Ant­wort auf diesen Vertragsentwurf geben.

Wie halbamtlich mitgetcilt wird, ist die in dem Ent­wurf vorgesehene Grenzlinie noch schlechter als die Clausensche Linie! Die vorgesehene Grenze verläuft ungefähr wie die Clausenlinie, mit einigen Ab- weichungen zu ungunsten Deutschlands (Krusau, Patt­burg, Aoenhoft, Sielhost). Neu ist gegenüber dem Frie- densoertrag, daß Dänemark nicht nur den deutschen Staatsbesitz, sondern auch den Provinzialbesitz der Pro­vinz Schleswig-Holstein und den Privatbesitz aller deut­schen Mitglieder des ftüheren schleswigholsteinschen Her- zogshauses erhält. Alle Kauf-, Miet- u. Pachtverträge, die in bezug auf Staats- oder Provinzgüter nach dem Waffenstillstand abgeschlossen sind, sollen null und nich. 4g sein, wenn nicht Dänemark zustimmt.

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Ohne eine neue Vergewaltigung Deutschlands kann es nicht abgehen. , Schon die Clausensche Linie, die die erste und zweite Zone trennt, war für Deutschland un- künftig, indem sie die Flensburger Föhrde mitten durch, schnitt und die Überwiegend deutschen Gebiete von Tan­dem und Hoyer und somit den nächsten Festlandshafen der Insel Sylt vom deutschen Gebiet abschnitt. Jetzt werden sogar noch einige (Semeinten ter zweiten Zone, ohne jeden tatsächlichen Gmnd, ter ersten zugewiesen. Ueberflfissig zu sagen, daß diese Gemeinden eine weit überwiegende deutsche Mehrheit haben. Auch die ente­ren Uebergangsbestimmungen des Vertrages sind un­günstig für Deutschland. Die Antwort, die Deutschland nun binnen zehn Tagen auf den Vertragsentwurf geben soll, kann sich natürlich nur in der Richtung seiner frü­heren Vorschläge bewegen. Sie stützen sich auf den Friedensvertrag, der bestimmt, daß die Grenze nach dem Willen der Bevölkerung untör geo­graphischen Verhältniste zugezogen werden soll. Dieser Bedingung wird die Entscheidung des Obersten Rates nicht gerecht. Sie tritt das Selbstbestimmungsrecht mit Füßen und wird den alten deutsch-dänischen Grenz- strest verewigen und verschärfen.

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Streik in der ersten Zone. Nach einem Beschluß fcr Gewerkschaften soll in der ersten Zone der General­streik erklärt werden. Die Arbeitgeber wollen einen Stmidenlohn von 1,40 bis 1,60 Kronen zahlen. Die Arbeiter verlangen jedoch einen solchen von 2 Kronen. Die Setzer, sowie die Eisenbahner die in dänische Dienste übergetreten sind, wollen sich dem Streik nicht anschließen. In der Stadt Hadersleben werden bereits Maßnahmen getroffen, um in der Arbeit der öffentlichen Behörden keine Stockung eintreten zu lassen. — Die Dänen werden in Nordschleswig wohl noch manche Nuß zu knacken bekommen.

England, Frankreich und Rußland.

Lloyd Georges Verhandlungen mit Krassin.

Dor kurzem traf ter russische Sontergesandte, Krassin, zu wirtschaftlichen Besprechungen in Son- don ein. Trotz ter widerstrebenden Haltung ter natio­nalistischen Presse hat Lloyd George Krassin in Gegenwart des Außenministers Lord Curzon und Bo» nar Laws empfangen und es soll noch eine zweite Zusammenkunft ter englischen Minister stattfinten. Nach einer Matinmeldung aus London soll Krassin die Erlaubnis erhalten haten, in London eine Art Filiale der russischen Genossenschaften zu errichten. Krassin habe bereits in einer großen Londoner Dank ein Depot von einer Million Pfund hinterlegt.

Zu ter Zusammenkunft waren auch der franzSsssche tmd ter italienische Botschafter eingelaten, die jedoch abgelehnt haten. In Frankreich hat dieses Ver­handeln Lloyd Georges mit Krassin sehr böses Blut gemacht, da man vor allem fürchtet, daß Ruß­land feinen Besitz an Gold jetzt für Waren an Eng­land und die Neutralen anstatt zur Bezahlung seiner Schulden an Frankreich hergeben könnte.

Die abzuliefern-en Schiffe.

Im FrietenSvertrag war die Frage offen gelafien Korden, wer die Kosten für die auf deutschen Werften noch im Dau befindlichen und an di« Entente abzu- siefernden Schiffe zu tragen habe. Nunmehr ist eine Vereinbarung mit der deutschen Schiffahrts- Delegation in London zustande gekommen, wonach Deutschland diese Kosten zu übernehmen hat. Da­für erhält Deutschland von den auf deutschen Wersten m Dau befindlichen Handelsschiffen 100 000 Brutto- Registertonnen, während 225 000 der Entente abgelre- fett werden müssen Leider fallen auf Deutschland tue. jenigen Schiffe deren Fertigstellung noch am meisten tm Rückstände ist Die Anträge aus Neberlassun« von weiteren 45 000 Tonnen an Deutschland wurden abge- lehnt. ,

Schiedsspruch im Krankenkassenstreit.

In dem Streit zwischen Aerzten und Kranken­kassen ist jetzt der Schiedsspruch des EiniaungsamleS erfolgt, der eine Verdoppelung der Honorar- sätze vorssebt. In der Frage des Arztsyftems kam ei zu einer Verständigung, die eine we,euklicke An­näherung an die Durchführung der freien Arzt­wahl bedeutet. Ebenso wurde ein Einvernehmen über die Schaffung von sozialdhaienischen Einnch- hingen durch Krankenkassen erzielt.

Der Bantteamfenffreif vermieten.

. vm Arteitsministerium hoben gestern nochmals Derhand- nmgen stattgefunden. Si« führten zu einer Vereinbarung, wonach die laufenden Teuerungszulagen tmt ■■■■■■■■■■■■■■■■■ Boni Wr Devnsinnös Untergang ?

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Wirkung vom 1. April erhöht werden und zwar für : Verheiratete um monatlich 200 Mark für Ledige um monatlich 135 Mark und für Lehrlinge und Burschen um 50 Mark. Diese Sätze gelten für Plätze in Orts, klasse 1 für Plätze in den anderen Ortsklassen finden entsprechend« Abschläge statt. Die Verhandlungen über einen neuen Reichstaris sollen in der zweiten ^Hälfte des Juni wieder aufgenommen werden. Die Srrerk- bewegungen sind im Reiche sofort abzubrechen.

Ein internationaler Bauernbund.

Wie der daher. Bauernführer Dr. H e i m in Köln in einer Wählerversammlung mitteilte, sind seilens der sämtlichen vereinigten Bauernvereine Deutschlands, Oesterreichs, Ungarns, Belgiens, HrllandS, Schwe­dens, Norwegens ujw. Vorbereitungen zur Schaffung einer grünen Internationale für die gesamte Landwirtfchaflswelt mit dem Sitz in Haag in die Wege geleitet. Am 6. August findet in Passau eine Besprechung ter deutschen, österreichischen, ungarischen, bulgarischen und rumänischen Bauernführer in dieser Sache statt. ___________

Ein Mcisterstreich der Einfuhrpolitik.

Zu der Angelegenheit deS TucheinkausS bei der englischen Firma Elelleland für die Sicherheits­polizei —, bekanntlich hat die EinkausSstelle der Sicherheitspolizei das englische Angebot angenommen, obwohl deutsche Firmen dasselbe Tuch 105 Mark das Meter billiger liefern wollten —, teilt die Vosfische Zeitung noch folgendes mit:

Am Donnerstag, dem 27. Mai, fand im Handels. Ministerium eine Sitzung statt, an der fast sämtliche Staatssekretäre teilnahmen, und in ter vom Reichswirt­schafts Ministerium die Zurückziehung ter erteilten Ein­fuhrbewilligung gefordert wurde. Dabei stellte sich her­aus, daß diese Einfuhrbewilligung nicht mehr zu­rückgezogen werden konnte, weil das Ge' schäft inzwischen perfekt geworden war. Die Stoff« befinden sich zum Teil schon in Berlin, und der Rest lagert im besetzten Gebiet. Der ganze Posten ist be­reits bezahlt Dies« eilige Bezahlung ist um so auffälliger als auf der Einfuhrbewilligung (Bestelltag 30. April) als Zahltag der 80. Juni 1920 vermerkt war Diese voreilige Bezahlung bei dem jetzigen Stand der Valuta legt den Gedanken nahe, daß irgendwelche Leute ein erhebliches Interesse an dem schnellen und endgültigen Abschluß dieses Geschäfts gehabt haben

Aus dem besetzten Gebiet.

• Weitere französische Mordtaten in Oberschlesien. Ein neues Verbrechen, das sich ein Franzose in D e u» th e n hat zuschulten kommen lassen, wird, der „Bres­lauer Ztg." gemeldet: Der Arbeiter Schwirzh ließ im Vorbeigehen einem Franzosen gegenüber, in dessen Be­gleitung sich ein Straßenmädchen befand, eine abfällige Bemerkung fallen. Darauf fiel der Franzose über ihn her und stieß ihm einen Dolch in den Rücken. Der Schwerverletzte tourte in das Krankenhaus übergeführt, in tem er hoffnungslos darnieterliegt. — Dte Auf­regung in Beuthen hält unvermindert an. Die fran­zösische Besatzung ist verstärkt Worten. Französische Be­rittene Truppen halten die Straße vor tem Lomnitz» Hotel frei und gehen rücksichtslos gegen die Passanten vor. Französische Offiziere schlagen Vorübergehende, welche die Straße nicht schnell genug frei machen, m i t der Reitpeitsche über Gesicht und Kopf.

* Neue Verbrechen farbiger Soldaten. Der Ober. Präsident ter Rheinprovinz hat vom Rsgierungspräsi- tenten in Köln einen eingehenden Bericht über neuer- liche Schandtaten ter Schwarzen erhalten Der Re­gierungspräsident berichtet über drei Fälle schwerer Sittlichkeitsverbrechen in tem Landkre'S Euskirchen an zwei elf- und zwölfjährigen Knaben und einem dreizehnjährigen Mädchen. Der Oberpräsident erklärt in einem Bericht an die Ententetelegierten, daß er bei einem elementaren Ausbruch der Empörung die Verantwortung auf die militärischen Kommandostellen abwälzen müsse die entweder nicht in ter Lage oder nicht gewillt seien, die ruhige deutsche Bevölkerung vor solchen Gewalttätigkeiten zu schützen. — Im Hafen- gebiet von Mannheim, das eine französische Besetzung hcst haben zwei Marokkaner ein Liebespaar überfallen und nachdem sie den Liebhaber verjagt hatten, das Mäd­chen vergewaltigt.

Deutsches Reich.

♦* Berlin, 3. Juni. Der neu zu wählende Reichs­tag kann frühestens am 23. Suni zusammentreten. — Dem Reichsrat ist eine Vorlage zugegangen, die eine Senkung der Preise auf gesetzlichem Wege erreichen will, ferner ein Entwurf, ter mit großer Schärfe gegen das Schiedertmn vorgeht. Einzelheiten fehlen noch. — Der badische Gendarmerieoberst Kuenzer ist zum Reichskommiflar für öffentliche Ordnung ernannt worden. — Nach Meldung aus Cherbourg sind die beiten deutschen Panzer­kreuzer „Stuttgart" und „Grautenz" dort ange­kommen. — Der frühere Vorsitzende ter Deutschen Friedensgesellschaft, Pfarrer Otto Umfrid, ist dieser Tage verstorben. — lieber den Verkauf der „Münch. N. Nachrichten" meldet die „M. Post", daß deren Auslieferung an die Großindustrie so gut wie be­schlossen sei. Beteiligt seien außer dem Stinnes-Kon- zern die Kommerzienräte Zentz und Eppner in Mün­chen. Das Blatt werde einen rechtsdemokratischen Charakter erhalten. — Das Reichswehrministerium wird einen Befehl erlassen, nach tem beurlaubte lln- teroffiziere und Mannschaften dienstliche Schuß- und Wufrwafsen (Handgranaten) nicht mit sich führen dürfen. , ,, „ , _

♦ Ostpreußen wieder abgeschnürt. Nachdem der Güterverkehr durch den polnischen Korridor in den letz- ten Wochen sich ungestört abgewickelt hat, verwei- gern die Polen ohne Angabe irgendwelcher Gründe an den Uebergangsftationen jetzt wieder die Abnahme der beladenen Güterwagen, so daß Ostpreu- ßen wieder einmal vorn Reiche abgeschnitten ist. Durch- gelassen werden vorläufig nur Eilgüter.

Ausland.

• Paul Deschanels Geheimnis. Der räffelhafte Ei- smbahnunfall des ftanzösischen Präsidenten Deschanel, dem die Nachricht von einem nervösen Zusammenbruch folgt, wird dadurch noch geheimnisvoller, und in Paris werden schon allerlei seltsame Geschichten erzählt. Des- ckmnel ist erst rnige Monate Präsident, von Ueberarbei« tung, infolge der er krank geworden wäre, kann also keine Rede'sein. GsJtectt tuitodöc.nä cünas meni*

liches hinter tem Eisenbahnunfall, was man mit Rück- sicht aus die Würde des Staatsoberhauptes nicht offen­baren will, was aber schwerlich dauernd geheim gehal­ten werten wird. Vielleicht wird in absehbarer Zeit Clemenceau, der bei ter Präsidentenwahl Deschanel unterlag, doch noch mal Staatsoberhaupt von Frank­reich. — „Petit Journal" versichert, daß in führenden politischen Kreisen die Frage einer Einberufung des Kongresses der Stemmern aufgeworfen worden ist. Die- er Kongreß würde eine Verfassungsänderung in ge­wissen Punkten bezwecken und namentlich die Stelle ei­nes Vizepräsidenten zu schaffen haben.

• Schwere Niederlagen ter Sowjetarmee melden die Polen. Sie berichten: Die Niederlage, die die Bol- chwisten in Weißrußland erlitten, brachte die Offen- ive zum Stehen. Alle Versuche des Feindes, weiter gegen Südwesten vorzurücken, sind gescheitert. An der Beresina hat der Feind eine neue große Niederlage er­litten .diesmal nördlich von Bobruschk, wo die polnische Kavallerie ein ganzes russisches Kavallerieregiment um- ringte und gefangen nahm und dabei eine große Menge Kriegsmaterial erbeutete.

Die Schuld des Zentrums.

Dir Krittker des Zentrums im katholischen Sager, die im Rheinland unseren Frem ter durch die Grün­dung einer christlichen Volkspartei in ten Rücken fallen, uchen ihre Absplitterung damit zu begründen, daß sie agen, tes Zentrum habe die Rechte ter Kirche nicht entschieden genug gewahrt Wie gern hätte das Zen­trum mehr herausgeschlagen für das christl. Volk; aber wie ist das möglich, wenn im Parlament die Zahl der christlich gefronten Abgeordneten bei weitem nicht an die unchristlich gesinnte Mehrheit heranreichte?

Diese Tatsache zu ändern, hätte estesoereinten Ansturms aller christlich denkenden Kreise bedurft, um eint möglichst starke parlamentarische Macht zu er­langen. Statt dessen aber soll das Zentrum gesprengt werten, das von allen Parteien als zuverlässigsten Ber- Leidiger der ckristlicken Kulturgüter sich erwiesen hat. Wie der im Rheinland wieder <->.» .•>.*;• • •te.yjt

aufgestellte Prof. Saas-Trier in verschiedenen Wählerversammlungen nachdrücklich betont hat, hat sich weder der Nimttus, noch ter deutsche Episkopat ver­anlaßt gesehen, tem Zentrum einen Tadel auszuspre- chen, weil es christliche Güter nicht hinreichend gewahrt hätte. Und die hätten doch wohl das Recht gehabt, das i rfte Wort zu sprechen. Sie haben es n i ch t getan, weil sie genug Einblick in die Dinge hatten, um zu er­kennen, daß das Zentrum die unserer Auffassung nicht entsprechenden Bestimmungen der Berfassung nicht hat hindern können, weil es eben zuwenigMacht hatte. Das ist seins „Schuld".

Sorgt, daß es mehr Macht bekommt, dann wird es solche „Schuld" nicht mehr auf sich laten.

Deutschnationale Katholikenhetze.

Es sind schon zahlreiche Auslassungen maßgebender Persönlichkeiten innerhalb ter deutschnationalen Par­tei sowie Veröffentlichungen teutf^nationaler Organe beigebracht worden, die nicht den geringsten Zweifel an ter Gegnerschaft ter Deutschnationalen gegen die Rechte ter katholischen Kirche auskommen lassen. Der Einwand der Deutschnattonalen, daß es sich um Ent­gleisungen einzelner handle, für die die Partei nicht verantwortlich gemacht werden könne, verfängt nicht, dafür sind die unfreundlichen ja feindlichen Steuerun­gen führender deutschnationaler Politiker und deutsch- nationaler Organe zu zahlreich. Nein, über die wahre Gesinnung der deutschnationalen Partei ten Katho- lsiken gegenüber kann kein Zweifel bestehen. Dennoch halten wir es für unzweckmäßig, auf Ausführungen des deutschnattonalen Wahlhandbuches hinzuweisen. In dieser Wahlbroschüre wird u. a. ge­sprochen von ultramontanen Sonderin­teressen, Herrschaft der katholischen Kirche über den Staat bezw. im Staat. Fer­ner heißt es, daß bas Zentrum stets bereit sei, ten nationalen Staat zu schädigen, wenn es ter römisch-katholischen Kirche dafür umso besser geht. Neben diesem gewiß unverdächtigen Zeugen für die wahre Gesinnung ter Deutschnattonalen kön­nen wir uns ferner berufen auf Ausführungen tes deutschnattonalen politischen nahestehenden bekannten Politikers Adam Röder. Herr Röder sagt in seinem Buch fiter den „Deutschen Konservativmus und die Revolution" u. a.:

„Besonders das antikatholIfche — ter Mann ter Agitation sagt immer: das antirömische — ist es, das bis tief in die positivsten Kreise hinein polemische Gefühle, Reizung des Widerstandes auslöst. Das wissen die klu­gen Drahtzieher genau und richten ihre Polemik danach em. Der alte Satz, daß der Katholizismus an sich antinational fei — es wird immer wieder oergef« stn, daß das Christentum grundsätzlich übernational ist ■— wird als Selbstverständlichkeit gebraucht und dazu die ein­schränkende Phrase geslochen, daß man dem „nationalen" Katholiken gern die Hand reiche. Es bleibt ja dann jedem einzelnen Überlassen, sich die Zahl dieser nationalen Ka- chyliken selbst zu konstruieren. Hier rotrb Drunnenvergis- tung schlimmster Art getrieben . . ."

Die Kulturkämpferei ist in diesen Kreisen heute wie ehedem zu Hause. 5n der „Mitteld. Zeitung- Erfurt, finden sich in ter Nr. 71 vom 11. März 1920 einige bezeichnende Blüten. Es heißt da anläßlich der Ablehnung einer Hindenburgkandidatur durch die „Germania":

. . Das ist eine jesuitische Verdrehung schlimm­ster Art. Weil den schwarzen Gesellen mit ihrem jetzigen Anhang die Gefahr einer nationalen Einigung unter der Parole Hindenburg droht, versuchen sie diese Gefahr zu bannen. Noch besteht das deutsche Volk nicht aus solch jesuitisch empfindenden politischen Geschästs- mackern."

An einer anderen Stelle spricht man von der Zen­trumspartei als einer „Genossenschaft der politischen Schieberzunft".

So denkt und schreibt man in deutschnattonalen Blättern. Die deutschnationale „Deutsche Zeitung" bezeichnet in Nr. 352 vorigen Jahres ten Volks» verein für das kathol. Deutschland als fremd- völkische Einrichtung, die eine große Gefahr für das deutsche Wesen bedeute. In Nr. 287 schreibt sie:

„Die Völker müßten botmäßig und stets, gefügig blei- ten. .nur baui bediente man sich des Klerikalismus

mit seinen reichen Mitteln, Beichtstuhl, Ablaß und Inquisition!!!"

Don den vielen anderen Beispielen für den hirn­verbrannten Romkoller weiter Rechtskreise nur noch fol­gendes: Als im November 1919 in Lübeck die Lan­desausschußwahlen tevorstanten, fanden sich in einer von einem deutschnationalen Wahlredner vertriebenen Broschüre: „Wie werten wir wieder reich?" von Hugo Jordan-Waren (Müritz) folgende Auslassungen:

„Erzberger ist nicht umsonst Jesuit (!) und han­delt deshalb nach jesuitischem Grundsatz: „Der Zweck heiligt die Mittel." Dieser charakterlose Mann, der im Dienst« Roms und im Solde des Papstes steht, hat es sich zur Aufgabe gestellt, das evangelische Deutschland an die katholische Entent« zu verkaufen." (Seite 9.) Eine Seite weiter ist die Rede von dem „internationalen Pfaffen tu m".

Was man von dieser Seite auf kulturpolitischem Gebiete zu befürchten hat, ist jedem Landwirt klar ge­worden, als er währeid des Kapp-Putsches las, daß die Recktsputschisten ten sattsam bekannten freigeisti- gen P a st o r Traub zum K u l tu s m i n i ft e r zu machen suchten. Hier erübrigt sich wirklich jedes wei­tere Wort.

Zentrum und Handwerk.

Unter ten Parteien, die den Schutz und die Förde- rung des Handwerks auf ihre Fahnen geschrieben haben, teht das Zentrum ebenen. Schon zu einer Zeit, als die Sorge für die Erhaltung des Handwerks und des gewerblichen Mittelstandes bei den meisten Parteien noch nicht „aktuell" war, hat die Zentrumspartei mit Nachdruck sich der Handwerkersorderungen angenom­men, sie ist die älteste und erfolgreichste Förderin des Mittelstantes. . ,

Das Zentrum hat sich stets dafür emgesetzt, daß tem Handwerk als einem unentbehrlichen Glied auch der modernen Volkswirtschaft der ihm gebührende Platz im öffentlichen Leben eingeräumt wird. Ohne Hand­werk ist der Wiederaufbau Deutschlands unmöglich. Un- ser Vaterland kann nur durch wertesckaffende Arbeit ge­rettet werden und diese vermag in erster Linie der selb­ständige von Schaffenslust erfüllte Handwerker und kleine Unternehmer zu leisten. Aus dieser Er­kenntnis heraus hat das Zentrum in der Nationalver­sammlung und in der preußischen Landesversammlung handerwerkerfördernte Anträge gestellt und durchge­bracht, die den Bezug von Rohstoffen, Beschaffung von Kredit, Heranziehung zu öffentlichen Arbeiten, Refor­men des Lerdingungswesens usw. betraf. Dem Sozialisierungsgesetz sind auf Betreiben tes Zentrums die schlimmsten Stacheln genommen, dafür aber Klau­seln in das Gesetz gebracht worden, die einen hervor­ragenden Schutz des Handwerks bedeuten. So kann sozialisiert werden nur gegen Entschädigung, ferner nur wenn ein „dringendes Bedürfnis" nachgewiesen ist und schließlich in jedem einzelnen Falle nur durch besonderes Reichsgesetz. Durch das Zentrum ist so der wilden Sozialisierung ein Riegel vorgeschoben worden. .

Das Handwerk hat auch keinen Grund zu befürchten, daß im kommenden Reichstag seine Wünsche und Be­schwerden eine geringere Berücksichtigung beim Zen­trum flicken könnten als früher. Das Zentrum ist und bleibt eine M i 11 e l p a r t e i, die sich selbst aufgeten würde, wenn sie nicht den besonderen Bedürf­nissen ter Mittelstände eine höchst sorgfältige Pfleg« angeteihen ließe. 3m Wahlaufruf des Reichs- parteivorstantes der deutschen Zentrumspartei vom 2. Mai ist ter Schutz des Mittelstandes wiederum stark betont. Es ist nicht überflüssig, die Ausführungen hier zu wiederholen. Es heißt dort:

„Ein Iräfiiger Mittelstand erscheint uns Volkswirt, schastlich und sozial unentbehrlich. Wir verlangen darum seinen in der Verfassung gewährleisteten Schutz durch die Gesetzgebung und weitgehendste staatliche Unterstützung der Selbsthilfsbestrebungen im Handwerk und Kleinhandel, besonders zum Zwecke der Rohstoffversorgung und der eteiligung an öffent­lichen Lieferungen Im Gegensatz zu übertriel enen KominunafisierungSbestrebungen ist die S e l b st ä n d i g» feit des volkswirtschaftlich gesunden Handwerks und Handel» aufrechtzuerhalten. Durch fach- und fach- gemäße Ausbildung des Nachwuchses ist die Zukunft von Gewerbe und Handel zu sichern "

Das ist bas alte Programm ter Zentrumspartei und wird es auch in Zukunft bleiten. Auf diesem Boden stehen alle Mitglieder tes Zentrums ohne Ausnahme und werden alle Abgeordnete tes Zentrums stehen, welche jetzt aus ter Wahlurne hervorgehen werten.

Das muß gesagt werten angesichts der Bemühungen ter demokratischen Partei, sich ten Handwerkern m Em- pfehlung zu bringen als die Partei für den gewerblicher! Mittelstand, wie das soeben ein Aufruf des „Handwer- kerausschuffes der deutschen demokratischen Partei" tut. Sn Handwerkerkreisen ist man sich nicht im Unklaren darüber, daß das, was der Mittelstand bisher erreicht hat, er zum größten Teil nur dadurch hat erreichen kön­nen, daß eben das Zentrum und zwar das g an z e Zentrum ohne Unterschied der Standeszugehörigkeit ihn unterstützte.

• Meviel Abgeordnete wird der neue Reichstag haben? Bis zur Revolution gab es 397 Abgeordnete. Für die Nationalversammlung sollten 432 gewählt wer­ten, doch gingen Elsaß-Loihringen und ein Teil von Posen ab, Setzt, wo auf 60 000 Stimmen ein Mandat entfallen soll, würden bei unverminderter Wahlbeteili­gung etwas über 500 Abgeordnete herauskommen, doch geht das abgetretene Weichselgebiet und Schleswig ab. Es werden etwa 475—480 werden.

• Diktatur auch in Kulturfragen. Unmittelbar vor ten Wahlen lüften die Unabhängigen vollend- die Maske. Ihr Organ, die „Freiheit"' erklärt als das Ziel der Unabhängigen, daß auch in Kulturfragen, also in allen religiösen und Schuldingen „mit diktatorischer Gewalt" vorgegangen

MM Air Deaklllilanös meöemmeg? Dann Wetzl öas ganze Bolt znW - ' Dann Marl EM um eine unM j? Ä.:' Dann ffoallt ein flaues 5enü;

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