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Mittwoch, 2. Juni 1920

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Fordernde Liebe

Roman von Erich Ebenstein.

Bezugspreis: Monatlich 2,00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 2,10 Mk. Anzeigenpreis: DieKleinzeile (Colonelmaß) 50 Vfg., u. 10°/, Zuschlag, die Reklamezeile (Textbreite) 1.50 Ulf., u. 100/o Zuschlag. Del Wiederhol. Rabatt.

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Wie fie «ns aussaugen.

Die Iahresbezüge für die Berlin und anderen Städten Deutschlands weilenden feindlichen Kom- Missionen sind neuerdings bedeutend erhöht war« den. Der Generalpräsidlnt, der bisher 225000 Mk. jährlich bekam, bezieht jetzt 342 000 Mark. Ter Generalpräsident einer Unterkommission bekommt fortan 252 000 Mark, gegen bisher 168 000 Mk. Der Generalmajor bekommt jährlich 252000 Maik, statt bisher 108 000 Mark. Der Jahresbetrag des Obersten beträgt 180 000 Mark, gegen 80 000 Mark bisher. Ein Major erhält 162000 Mark, gegen

Tie Lage in Oberschlcsien.

In Beuthen hat die fran»Lsische Militärbehörde mit Massenverhaftungen begonnen. Infolge der Zwischenfälle am Sonntag wurden am Montag und Dienstag in Beuthen 14 Bürger aufgrund von Denun. ziationen festgenommen und dem französischen Kom­mandanten vorgeführt. In Beuthen und im Industrie­gebiet hat unter französischer Duldung die allgemeine Bewaffnung der polnischen Sokolvereine be­gonnen, die in bewaffneten Trupps durch die Straßen ziehen, lieber den Zwischenfall, bei dem angeblich ein Amerikaner erschoßen worden sein sollte, erfährt man noch, daß cS sich nicht um einen Amerikaner, sondern um einen en gli s ch en Staatsangehörigen handelt Der Betroffene ist aus KönigShütte gebürtig, hatte sich wäh­rend eines 13jährigen Aufenthalts in England das englische Staatsbürgerrecht erworben. Bei dem Vorfall soll auf einer Elektrischen der Ruf: Nieder mit Frank­reich vernommen worden fein, worauf die französische Mache einen putgekleidetenHerrn, den englischen Staats­angehörigen Heide, aus dem Wagen holte und ihn auf dem Platz erschoß. Von Augenzeugen und Bekannten deS Erschoßenen wird ausgesagt, daß Heide auf keinen Fall den beanstandeten Ruf ausgestotzen habe.

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eßen war mit ihr.

Schon beim Eintritt stand ihr eine finstere Falte auf der Stirn. Ten ganzen Tag hatte sie daheim nichts als Aerger hineinschlucken müßen. Ta lvar erst Da­niela gekommen — wieder einmal mit ihren »Albern­heiten", wie Wera e§ bei sich nannte — und hatte un­aufhörlich über Egon geklagt, der ihr angeblich untreu fein sollt«. Mama natürlich glaubte alleM. Tann schämten sie sich beide nicht, sogar heimlich zum Portier deS Sanatoriums zu gehen,' um sich nach dem Befinden „der Dame zu erkundigen, die Dr. Heidlof heute ope­riere“ — »der Name fei ihnen momentan entfallen —

Verantwortlich für den redaltionellen Teil: Carl Schütte, ” für die Anzeigen: I. Par zell er-Fulda. z Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Artiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreße: Fuldaer Zeitung

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Die alte und die neue Wahlsrorrt.

Bei den vorigjähngen Wahlen zur Nationalver­sammlung ergab sich der Aufmarsch der Parteien sozu­sagen v o n s e l b st. Ohne weiteres brach in allen Ord­nungsparteien die Erkenntnis durch: Wir müssen die rein sozialistische Mehrheit verhindern, damit nicht Deutschland einer einseitigen und ungezügelten Klassen- herrchast verfällt, in die verhängnisvolle „Diktatur des Proletariats" gerät.

Dieser Wahlinstinkt machte sich geltend in allen bürgerlichen Parteien und in gewissem Grade sogar bei den Mehrheitssozialisten. Denn nachdem die revolu­tionäre Regierungs-Gemeinschaft mit den Unabhängigen in die Brüche gegangen war, spürten die helleren Köpfe in der Schüdemann-Partei, daß sie selber unter das Joch der Radikalen geraten würden, wenn letztere mit ihnen zusammen die parlamentarische Mehr­heit erlangen und unter Berufung auf das alte Pro­gramm die rücksichtslose Durchführung des Klassen- kampses fordrn würden.

So gab es in der Wahlbewegung vom vorigen Jahre nu eine maßgebende Kampffront: Gegen die r a d i k a l e L i n k e! Wegen einer Gefahr von rechts brauchte man sich keine Sorgen zu machen, da die Mo­narchisten, Militaristen, Landbündler und Alldeutsche durch die schweren Schicksalsschläge in Ohnmacht gestürzt zu sein schienen. Obendrein hasste man, daß die Kon­servativen den Rest ihrer Kräste zur Abwehr der Dik­tatur von lnks mit einsetzen würden.

Die Lage hat sich inzwischen bedeutend geändert. Mit der einen Front ist es nicht mehr getan. Wir sind in den Zweifrontenkrieg geraten. Die Gefahr von links besteht noch fort; die ruhige Entwick­lung wird aber jetzt auch von rechts her gefährdet. Wenn die Rechtsparteien durch ihre scharfe Agitation eine Verstärkung ihres parlamentarischen Einflusses ge­winnen sollten, fo würde das an und für sich betrachtet noch nicht schlimm sein. Aber das Verhängnis steckt darin, daß die Erfolge der Rechten den U m- stürzlern aus der Linken zugute kommen würden. Ein neuer Borstoß nach Kappscher Art würde nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch in Berlin und zahlreichen anderen Industriestädten zu einer Mobilma­chung der „Roten Armee" führen. 3a, schon das bloße Gespenst eines Rechtsputsches wirkt gefährlich, da di« Terroristen von links den „weißen Schrecken" aus- nutzen, um ihre leichtgläubigen und begehrlichen Maßen aufzureizen.

' Die Begehrlichkeit und Unzufriedenheit in der Meße ist unter den traurigen Zeitverhältnissen so sehr gestie­gen, daß wir die einmütige Abwehr des ganzen Bürgertums mü Einschluß der, besonnenen Sozialisten! jetzt mindestens ebenso notwendig hätten, wie im vori­gen Jahr. Das Bewußtsein der Intereßen- und Pflichtgemeinschaft ist aber leider geschwunden. Ueber die Schuldfrage zu streiten, hilft uns nicht vorwärts. Es gilt, die Tatsachen ins Auge zu faßen und demgemäß seine Entschlüße einzurichten.

Die Sachlage ist die: Die Wiederherstellung der Monarchie oder eines misitärischen Obrigkeitsstaates ist nach wie vor unmöglich, weil jeder derartige Der- such sofort abgelcst werden würde durch eine bolsche­wistische Revolution. Das einzig greifbare Abwehrmit- tcl gegen den Umsturz ist die Koalitionsregie­rung. Gegen die Diktatur des Proletariats kann uns nur eine demokratische Politik retten, d. h. die ehrlich und folgerichtig durchgeführte Politik auf Grund des Wahlergebnisses. Das Wahlergebnis wird auf keinen Fall eine Mehrheit für eine einzelne Partei ergeben. Die Geschäfte müßen nach wie vor, wenn sie gedeihlich wester gehen sollen, von einem Bündnis mehr-e- rer Parteien geführt werden.

An der Koalition mag man so viel bemängeln wie man will: Der Augenschein lehrt, daß wir o h n e d i e Koalition ins Verderben geraten. Da­her ist das dringende Gebot der Politk, daß jeder ge­wissenhafte Wähler sich hütet vor einer Unterstützung der extremen Parteien, dagegen die Arbeitsmehr- h e i t i n d e r M i t t e aufrecht zu erhalten sucht.

Für uns laßt sich die Frage der Wahlfronten und der Wahstaktik sehr einfach, wenn wir unserer alten bewährten Zentrumspartei nicht bloß Treue halten, sondern auch alle mögliche Wahlhilfe angedeihen lassen. Denn das Zentrum war der K e r n der Arbeits­gemeinschaft, die uns bisher über den Berg geholfen hat, und das starke Zentrum wird auch das R ü ck g r a t bilden müßen für die Regierung, die uns aus den neuen Gefahren retten soll.

Verderben droht von links, ernste Gefahr von rechts; das HrilliegtinderMitttz,

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„Freilich“, nickte sie, sich in den Kißen zurecht "estelnd, „ich bin ja immer Noch recht müde, und -abends muß ich frifch fein!“

. »Abends? Du denkst doch nicht, daß ich Dich heute Wieder in Gesellschaft gehen laße?" sagte er ganz be-

„Wo Du in der Nacht Fielen: hattest und vmner noch so schwach bist!“

, »Natürlich denke ich daSl Heute hieltest Du mich utcht mit zehn Pferden — ich freue mich zu fehrl Tas lachen Schwäche schlafe ich schon auS. Denke doch — Heute will ich ja auch das süße, blaßblaue Chiffonkleid flum erstenmal anziehen l Das letzte Geschenk, das mir **r arme Papa noch aus Paris bestellte! Dazu nehme uh die PoniwalSkischen Familienperlen, zu deren Ver- kauf sich Pgpa auch in kritischen Zeiten gottlob nie «.'tfäliefjen konnte! Es wird wundervoll zusammen- wmmen: Tas zarte Dlaßblau und der sanfte feurige ^ckmelz der Perlen zu meinem dunklen Haar. Isolde P E3 iuird sich fürchterlich ärgern — besonders wenn härt, daß mich Dallariva gerade in dieser Toilette ^d?en_ soll! Nein, nein, Rvlly — Schatz, um dieses "ergnügen bringst Tu mich nicht!"

Den ganzen Vormittag ließ der Gedanke an seine e,ne törichte Frau Roland nicht loS.

. -Von Rechts wegen müßte ich ihr diesen Wahnsinn ^nfach verbieten", dachte er. „Sie ist entschieden lei- v^ud. Vielleicht steckt eine schwere Krankheit in ihr? teIe kann sich den Tod holen, wenn sie sich nicht schontI“

-Ich werde es ihr auch verbieten!" nahm er

• mittags auf dem Nachhausewege energisch vor.

Aber als er heimkam, saß Lou frisch und munter ?e ein junges Kätzchen bei Tisch, aß mit vorzüglichem Appetit und plauderte so lebhaft wie immer. x

Sie hatte vorzüglich geschlafen und dann „zur z-robe" ih>- „wunderbares Gedicht von Kleid" ange. sogen. „Taz hat mich ganz und gar gesund gemacht!“ ""sicherte sie strahlend.

Roland lächelte über diese „merkwürdige" Medizin, aber nicht mehr den Mut, etwas vom Daheim- bl-lben zu sagen.

Freilich _ ais er um %6 abermals heimkam, ^be er wieder bedenklich. LouS Augen leuchteten

so merkwürdig. In ihrem Boudoir, wo zwischen hun­derterlei Toilettegegenständen sich Betty und eine Fri. feurin breit machten, stand eine zweite, halbgeleerte Sektflasche und eine Taffe mit dem Rest schwarzen Kaffees.

„Mir war nach Tisch ein bißchen flau und ich hatte etwas Kopfschmerz", sagte Lou, seinen fragenden Blick beantwortend. «Aber nun ist mir fo fidel zumute, daß Du's gar nicht glauben kannst! Nun bitte, liebster Schatz, geh nun zu Deiner Schreiberei, denn hier kön­nen wir Dich nicht brauchen. Um 7 Uhr kommt Wera schon, um mich abzuholcn, und ich muß vorher noch frisiert und anzekleidet werden.

Er verschwand gehorsam. Aber ruhig war er nicht. Er schrieb ein Stündchen und lauerte dann int Vor- zimmer auf Wera. Sie war ja immer der RettungS. engel in all seinen Nöten. Ihr klagte er am liebsten feine Not. Und wie oft hatte sie — wenn er sich hin­ter sie gesteckt — bei LouS schon irgend etwas durch- gesetzt, waS er vergebens versucht hatte!

Vielleicht half sie auch heute . . .

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Deutsches Reich.

* * Berlin, 31. Mai. Die Reichsregierung hat in den letzten Tagen neue Getreideankäufe im neutralen Ausland borgenommen, wodurch der Bedarf des Reiches für die B r o l e r n ä h r u n g bis zur neuen Ernte gedeckt ist. — Wie ein Reutertelegramm mitteilt, ist die Ablieferung bei 500 0 Lokomotiven an die Entente, wie sie im Friedensvertrage borgeschrieben ist, nunmehr beendet.

* Aerzte und Krankenkassen. In den Einigungs- Verhandlungen kam in der Frage der freien Arzt­wahl eine borläufige Einigungsformel zustande.

c Für die Veteranen! Ter Abg. Andre (Ztr.) hat anläßlich der Beratung des neuen Reichsver- sorgungSgesetzeS für Kriegsbeschädigte und Kriegs- Hinterbliebene zu Gunsten der Veteranen folgende Entschließung etngebrachk:

Durch den Entwurf deS Neichsversorgungsgesetze» hat die Reichsregierung die große Notlage der Kriegs- vefchäsigten nnd KriegShintervliedcnen de» letzren großen Krieges anerkannt. In ähnlicher Notlage ve-

12.

Aber als Wera dann endlich kam, merkte

Der Bekermtirislag.

So kann man das Fronleichnamsfest be­zeichnen, well in feiner Feier der Drang steckt, oor aller Welt den Glauben und die Ehrfurcht gegenüber dem erhabenen Geheimnis recht feierlich zu bekunden. An das Hochamt im Gotteshaus« schließt sich die Pro­zession durch die Straßen und Felder, damit das Aller- heiligste und deßen Verehrung aus den engen Kirchen- mauern hinausgetragen werde in den unendlichen Him- melsdom und unter die ewige Lampe der Sonne.

„Wer Mich vor den Menschen bekennen wird . . Die gläubigen Katholiken sind wert entfernt von irgend einer Feiiwseligkeit gegen andersdenkende Mitbürger; sie wollen nur in würdiger M«se Gebrauch machen von der Freiheit, die jetzt allen Richtungen zusteht: ihre Ueberzeugung und ihre Willensmeinung in friedlicher Form öffentlich zu bekunden. Jeder Katholik hat das Recht, mt diesem Bekenntnistage Zeugnis abzulegen von seinem Glauben und seiner Liebe.

An diesen religiösen Bekenntnistag schließt sich nun dieses Jahr am nächsten Sonntag ein politischer Bckenntnistag. Auf die Prozession der Beter folgt alsbald die Prozession der Wähler, die zur Wahlurne berufen.sind. Das zeitliche Zusammentref­fen ist ein Zufall: aber es besteht doch ein innerer Zu­sammenhang zwischen den beiden Bekenntnissen.

Ein Zweifler möchte vielleicht sagen, die politische Dahl sei ja geheim, also könne von einem Bekenntnis keine Rede sein. Aber wenn auch geheim bleibt, wer den einzeln"» Zettel abgegeben hat, so tritt doch die Summe der Wahlstimmen, die für jede Partei ab­gegeben werden, an das Licht der Oeffentlichkeit und wird als Kennzeichen des Volkswillens verwertet. Aus den Stimmenzahlen folgert man, wie stark die ver­schiedener! Richtungen im Volke vertreten sind. Unter den gegenwäitigen Verhältnissen wird man das Wahl­ergebnis vor allem daraufhin untersuchen, wie sich an Zahl und Tatkraft der christlich gesinnte Volksteil zu den ungläubigen Elementen verhält.

Wir wünschen alle von ganzem Herzen, daß das deutsche Volk in seiner Mehrzahl sich nach wie vor als christlich bewähren möge. Dabei verhehlen wir uns nicht, daß gerade der katholische Volksteil berufen ist. das Rückgrat für die christliche Vertretung im Par­lament zu bilden. Wenn die katholischen Wähler sich in Mißmut von der Wahl fernhalten wollten, so würde es schlecht aussehen auf den Bänken, wo die Verfechter der heiligsten und höchsten Intereßen sitzen sollten. Die idealen Güter der Religion, der Sittlichkeit, der Iu- 'geuderziehung, der gesamten christlich-deutschen Kultur würden in die schlimmste Gefahr geraten, wenn gerade diejenigen Wähler, die vor anderthalb Jahren einen Wall gegen die antichristliche Sintflut errichtet haben, bei dieser Wahl versagten.

Mit vieler Mühe haben unsere bisherigen Vertre­ter etwas erreicht, worauf sich zur Pflege der idealen Güter weiter bauen laßt. Aber esmußebennoch weiter gebaut werden auf den errungenen Grundsteinen, und deshalb brauchen wir treue und tüch­tige Vertreter der christlichen Weltanschauung noch ebenso dringend wie vorher. Daraus folgt die P f l i ch t für jeden christlichen Wähler und na­mentlich für den katholischen Wähler, daßeramsi. Iuni<cinGlaubensbekennt- ius ablegt, d. h seine Stimme abgibt für die be­währten Vertreter der religiös-sittlichen Grundsätze und Interessen.

Der Gang zur Wahlurne muß m demselben Geiste angetreten werden, wie der Prozessionsweg. Wenn das Bekenntnis am Fronleichncrmstage mit dem Be­kenntnis am Wahltage in. Einklang bleibt, dann wird sich die Kraft des christlichen Gedankens in alter Ge» jchloßenhest und Entschlossenheit gellend machen.

Am Sonntag

wird zum neuen deutschen Reichstag gewählt. Es gilt in die'en letzten Tagen noch viel Vorarbeit zu leisten. Nutzet die Slunde!

Rüttelt die Lauen!

Weckt die Schlafenden!

Begeistert die Gleichgültigen!

Klärt die Mißgestimmten auf!

Laßt keine Ausrede gelten!

Kus jede Stimme kommt es an!

Zu wählen, ist

Christenpflicht, ist Bürgerpflicht!

Wer nicht wählt, der sei g «brandmarkt.

Gebrandmarkt wegen PolitischerGewissen- l o s i g k e i t, wegen Verrats amBaterlande und an der Kirche.

Der 6. Juni muß ein

glänzender Sieg der Zentrums Partei

werden.

Der Stimmzettel des christlichen Volkes ist der Stimmzettel des Zentrums. Er beginnt mit dem Namen Schwarz, Jean Albert.

wie hieß sie doch gleich?" Natürlich war ihnen der Portier auf den Leim gegangen und hatte den Namen arglos genannt.

Triumphierend waren sie damit heimgekommen. Lore Sand! Gottlob, nun wußte es Daniela! In ihrer Freude darüber erklärte sie sich dann sogar be» reit, doch mit zu Isoldes Gesellschaft zu fahren.

Und zu alledem mußte man still sein! Als Wera nur einmal den Mund auftun wollte, fuhr ihr Mama gleich über den Schnabel.

„Siebe Wera, bitte, menge Dich da nicht ein! Dana Hai ganz recht, wenn sie entschlossen ist, diese Geschichte gleich im Keim zu ersticken 1"

Natürlich! Daniela hatte immer recht. Nach Ma- mas Meinung waren überhaupt die Frauen immer im Recht, wenn sie ihre Männer quälten und ihnen das Leben erschwerten!

Dann schickte Baron Thalwann ein Bukett für Wera, bie nun erst erfuhr, daß Isolde für heute abend „selbst­verständlich" auch Thalwanns geladen hatte.

Aus einigen Bemerkungen Mamas entnahm sie fer­ner, daß man für heute in dieser Sache eine Entschei­dung von ihr erhoffe . , .

„Denn gewiß ist das Bukett nur eine zarte Andeu­tung, daß er sich Dir heute erklären will", meinte die Hofrätin anzüglich.

„Gut", dachte Wera, „fie fallen endlich ihre Ent­scheidung haben l Wenn mir auch der Abend total ver­darben ist und alles anders kommen wird, als sie hof­fen

Nun mußte sie, ohnehin schon innerlich erregt, auch hier bei Meisters Tinge hören, die sie reizten. , .

Oder mußte man sich nicht ärgern, wenn ein Kann so unvernünftig gut und schwach war wie dieser Ro- land Meister?

Ohne eine Miene zu verziehen, hatte sie seinen auS- sü-rlichen Bericht angehört. Als er aber jetzt mit einem bittenden Blick schloß: „Ich hoffe so sehr auf Sie, Fräulein Wera! Vielleicht wißen Sie ein Mittel, Lau heute daheim zu halten? ES wäre ihr fo nötig", da fuhr sie ihn schroff an.

„O ja, solch ein Mittel weiß ich. Aber nicht i ch, sondern S i e allein können es antoenben! Nehmen Sie ihr das blaßblaue Fähnchen weg. auf das sie fo eitel ist, und sperren Sie ihr die Wvhnungstür vor der Nase | zu! Tas ist doch sehr einfach!" i (Fortsetzung folgte

Die Bankbemnlen-Lewegung.

Aus Berlin wird gemeldet, daß, nachdem die Bank­leitungen den Vermittlungsvarschlag in Sachen der Tarifbewegung abgelehnt haben, beide Bankbeamten. Organisationen, der Allgemeine Verband und der Deut­sche Bankbeamtenverein beschlossen haben, den Singe- stellten den Eintritt in den Streik zu empfehlen. Die Enffcheidung fall in einer nochmaligen Abstim­mung fallen die am Donnerstag stattfindet. Bei ent­sprechender Mehrheit für den Streik wird derselbe am Freitag beginnen. Taz Reichsarbeitsministerium soll seinerseits nachmals am Donnerstag versuchen, durch Verhandlungen in letzter Stunde eine gütliche Entschei. düng herbeizuführen. i

Die Friedensbotschaft des Papstes.

In seiner Enzyklika an den Episkopat der ganzen Welt ermahnt der Papst weiter die katholische Preße, sich jeder Unduldsamkeit zu enthalten und alles das zu vernteiden, was gegen die Gesetze des Christmtums verstoße, und fährt dann fort:

„Wir wiederholen es allen Völkern, die während des großen Krieges im Kampfe standen, daß jede Ursache des Zwiespaltes verschwinden muß. _ Die fveimdschost- lichen Beziehungen zu den Völkern müßen wieder ausge­nommen werden. Eine allgemeine V ö k k e r v e r s ö h- nung ist in die Wege geleitet. Der Heilige Stuhl hat während des Krieges immer wieder die brüderliche Ver­söhnung der Völker gepredigt. Diese Grundsätze werden jetzt nach lauter von der Kirche betont. Die Haltung des Heiligen Stuhles ist nicht so auszufaßen, als ob dieser auf seine geheiligten Rechte verzichte. 3m Gegenteil, wir haben schon unter unseren Vorgängern betont, daß es eine heilige Pflicht ist, die Würde und die Rechte des apoftoli- scheu Stuhles zu verteidigen. Deshalb verlangen wir drin- oend, daß Frieden gemacht wird, damit auch die anormale Sage des Kirchenfürsten ein Ende hat. Die Kirche ist dos wirksamste Mittel, um die Brüderlichkeit wieder herzustel- len unter den Menschen. Wir wenden uns daher a n alle Menschen und alle Völker der Erde, die mit gutem Herzen dem katholischen Glauben und der Kirche Christi angehören, und fordern sie auf, wieder Menschen zu werden."

Weiter erklärt der Papst auch, im Interesse der Dölkerversöhnung die seit dem (£nbe des Kirchenstaates für den Besuch katholischer Herrscher in Rom geltenden Hindernisse rnildern zu wollen und die Kirche am Völ­kerbünde Mitarbeiten zu laßen. Andererseits drückt der Papst die Hoffnung aus, daß die seit 1870 bestehende Anormalität seiner Lage bald aufhöre. Schließlich er­hofft er den Anbruch einer neuen Aera, wo die m i l i- tärischen Ausgaben ermäßigt, neue Kriege vermieden und die Unabhängigkeit der Völker sowie die Unverletzüchkeit ihrer gerechten Grenzen gesichert werden.

finden sich aber auch viele erwerbsunfähige oder ganz erheblich erwerbsbeschränkte Veteranncn früherer Kriege. Es ist Pflicht der Regierung, diesen zu helfen. Die Nationalversammlung richtet daher an die Reichsregie­rung das Bringende Ersuchen, den Rentenempfängern und Kriegsteilnehmern aus früherer Zeit möglichst halft Hilfe zu bringen.

Der soziale Ausschuß der Nationalversammlung, wie diese selbst nahm den Anirag Andre einstimmig an. Die Regierung fag^e Berücksichtigung zu.

* Keine Ueberstundcnvcrgüiung für Beamte. Der preußische Finanzminister Lüdemcmn hat in einer Verordnung bestimmt, daß jeder Beamte ver­pflichtet ist, seine volle Arbeitskraft dem Staate zu widmen und, wenn erforderlich, auch über die Dienst­stunden hinaus zu arbeiten ohne besondere Ent­schädigung. Ausnahmen, die gemacht worden seien, sollen alsbald wieder beseitigt werden, zumal die neue BesoidungSreform den Beamten auskömmlich- Gehälter sichere.

Ausland.

* * Oesterreich soll weiterhungern! Wie die,Reichs­post' erfährt, bat die Entente gegen die geplante Erhöhung der Kopfbrotmenge durch Oesterreich Vor­stellungen erhoben, daß die>e Maßregel von ihrem guten Willen abhängig, sie aber nicht befragt wor­den sei und auch die Weltversorgnng mit Broige» treibe eine solche Erhöhung nicht begünstige.

* * In Tripolis sind mehrere Europäer von Ara­bern gefangen genommen und fortgeschleppt worden. Die Araber verlangen ein Lösegeld.

bisher 84 000 Mark. Ein Hauptmann bezieht jähr- lich 172 400 Mark, bisher 70 000 Mark, ein Unter- Offizier 69 300 Mark gegen 39 600 Mark. Der ein* * fache Mann der Truppe erhält einen Jahresbezug von 42 000 Mark, gegen 24000 Mark bisher. Hier- bei ist zu beachten, 'daß die Jahresbezüge der Kom- Missionsmitglieder lediglich Verpflegungs­gelber darstellen, und daß die Kommissionsmit. glteber außerdem Quartier und Gehalt empfangen. Das Quartier z. B. für General Rollet allein kostet uns jährlich ungefähr 144 000 Mark für Zimmer im Hotel Kaiserhof. So müssen wir lediglich für Ho elunterkunft der Kommissionsmitglieder jährlich 14V» Millionen Mark bezahlen.

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