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Dienstag, t. Juni 1920
Nr. 125
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Fordernde Liebe
Roman von Erich Ebenstein.
Ileue Ausweisungen aus Eupen und Malmedy.
In Aachen sind am Sonntag 130 Familien, die tus Eupen und Malmedy ausgewiesen worden sind, eingetroffen, nachdem vor einigen Tagen bereits 300 Familien eingetroffen waren.
Die Bedingungen, unter denen die im Friedensvertrag vorgesehenen Volksabstimmungen in Eupen and Malmedy staüfinben sollen, hat der Botschaftsrat jetzt genehmigt. Der belgische Botschafter wohnte den Beratungen bei. '
Eine Friedens-Enzyklika des Papstes.
Der Papst richtet an daS Episkopat der ganzen Welt eine Enzyklika über die christliche 93er» iöbnung und den Frieden. Er ermahnt alle Kinder der Kirche des ganzen Erdkreises, den ehe» maligen Streit zu vergessen und an seine Stelle Eintracht und gegenseitige Liebe zu setzen. Der Papst fügt hinzu, daß er allen Feinden der katholischen Kirche verzeiht und keine Gelegenheit außer Acht lassen wolle, Gutes zu erweisen. Er schließt mit dem Wunsche, daß alle Christen, würdig dieses Namens, auch denen gegenüber so handeln möchten, die sie im Laufe des Krieges beleidigten.
Der den beiden Rechtsparteien nahestehende anti- ultramontane Reichsverband sucht den konfessionellen Hader im, Deutschen Reich wieder aufzu- peitschen. Rechtsstehende Blätter berichten, daß am Sonntag ein Vertretertag des antiultramontanen Reichsoerbandes in Berlin stattgefunden habe. Sie Aussprache habe die Notwendigkeit des verschärf- egen den Ultramonta- e n t r u m mit Rücksicht aus den
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Ein deulschmüionaler Wahlschwindel.
Amtlich wird festgestellt: 3n seiner Rede in Hannover stellte der frühere Staatsminister H e l f f e r i ch und nach ihm zahlreiche Redner der Dsutschnationalen Dolkspartei, als letzter der frühere Staatsminister Dr. Hergt (München) die Behauptung auf, daß die Entente neben dem inzwischen unterschriebenen Friedensvertrag noch einen zweiten, weitaus milderen in Vorbereitung hatte. Dieser letztere hätte u. a. dir Besetzung im Westen nur auf 18 Monate und keinerlei Besitzergreifung des Saargebiets vorgesehen. Helfferich gab als Quelle dieser Neuigkeit das Mitglied des Ministeriums Clemenceaus T a r d i e u an. Es wird hiermit festgestellt, daß keinerlei Publikationen, weder von Tardieu noch von einem anderen Mitglied eines Ententeministeriums existieren, in denen das Märchen von einem solchen zweiten Frie- densvertrag erzählt wird, daß also die ganze abenteuerliche Geschichte in das Reich der W a h l f a b e l n ge- hört. Wie diejenigen zu beurteilen sind, die auf diesem bitterernsten Gebiet mit Erfindungen arbeiten und solchen Schwindel weiterverbreiten, sei dem Urteil eines jeden Einzelnen überlasten.
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ja nicht zu wissen, daß et ihretwegen überhaupt nicht zu Bett gegangen war.
„Was machst Du denn da?"
„Ordnung, Kleines. Es sah ein bißchen wild hier. Ich hoffe, Du wirst das künftig nachmachen
immer alles gleich richtig verwahren. Deine hübschen Sachen werden ja ganz verderben, wenn Du sie nur in den Schrank stopfst oder gar hier außen liegen läßt!"
Lau antwortete nicht. Sie blinzelte nach dem Fen- I ster, vor dem die Schneeflocken wirbelnd in der Luft tanzten.
Roland fragte, während' er nach dem Frühstück klin. gelte, wie fr? geschlafen habe und sich nun fühle?
„Danke. Geschlafen habe ich gut. Nur müde bin ich. Und esien mag ich auch nichts."
„Wer etwas mußt Du doch zu Dir nehmen! Ein MaZ Milch
„Gott bewahre! Das brächte ich nicht hinunter! Denn eS durchaus etwas sein muß, dann schicke, bitte, Betty um ein paar Kaviarbrötchen und Champagn-r. Tas wird mich aufrappeln. Aber dann mußt Du ihr auch Geld geben, lieber Rolly, denn ich habe keines mehr."
„ggie — Du bist mit dem Wochengeld schon wieder fertig?" fragte er bestürzt. „CS ist doch erst Mittwoch!"
Sie zuckte sorglos lachend die Achseln.
„Ja, ich weiß wirklich nicht, wohin eS kommt! Mer ich habe keinen Heller mehr!"
Schweigend ging er hinaus und gab dem Mädchen die letzte Zwanzigkronennote, die er besaß.
„Lasten Sie meinen Kaffee nur", sagte er dabei, „ich trinke ihn gleich hier in der Küche. Eilen Sie nur um Kaviar und Champagner, daß die gnädige Frau nicht lange warten muß."
Das Mädchen entfernte sich. Roland ging nach dem Badezimmer Dort lief bereits das warme Wasser
। in die Wanne für LouS Bad, das sie stets nach dem Frühstück zu nehmen gewohnt war.
In der linken Ecke stand schräg vor einer Gruppe Blattpflanzen sein altmodischer Schreibtisch, über und über mit Büchern und. Schriften bedeck^
Was kostet jeder Soldat?
Das alte Heer hatte vor dem Kriege bei einer Stärke von 900640 Mann einen JahreshauShalt von 979 867 719 Mark, der einzelne Soldat kostete also im Durchschnitt 1224 Mark. DaS neue 100000.Mann.Heer wird unter Berücksichttgung deS Besoldungsgesetzes jährlich etwa 2 Milliarden Mark erfordern, was eine Durchschnittsausgabe von 20000 M. für je einen Mann bedeutet, siebzehnmal so viel wie vor sechs Jahren. Diese gewaltige Mehrausgabe verliert allerdings erheb- sich von ihrer anscheinenden Bedeutung, wenn man dabei nicht vergißt, daß der Geldwert auf ein Achtel bis ein Zehntel gesunken ist. Auch daS alte Heer würde jetzt mindestens acht bis zehn Milliarden, der einzelne Mann in ihm 10000—12000 Mark kosten.
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47. Zahrg.
Was zu beachten ist. I
1. Wo Wohl und Wehe des Volkes vielleicht für I Jahrzehnte auf dem Spiele stehen, kann es keine Wahlenthaltung und fernen Wahlleicht- I sinn geben. „ ,. . . I
2. Nach Zugeständnis aller Parteien handelt es sich bei den Wahlen — mehr als je zuvor — letzten Endes um Weltanschauungs -Wahlen. Darum könnte der, der persönliche Interessen, Klaffen- I und Standesinteressen, überhaupt politische und wirt- schriftliche Interessen an erster Stelle ansetzt, tn Gefahr 1 kommen, an seiner Weltanschauung Verrat zu ubm. I Hier gilt keine Vertuschung, keine Vogelstraußpolltlk, keine Selbsttäuschung. Wegen eines vermuteten zeit- lichen Vorteils oder wegen irgendeiner Verbitterung eine kirchenfeindliche Partei unterstützen, hieße für den I gläubigen Katholiken eine Verachtung des Wortes: Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit: alles anderSswird euch von selbst zugegeben werden. I
3. Kirchenfeindlich ist nach den unzweideutigen Aeu- ßemngen des neuen kirchlichen Gesetzbuches sowie unserer I Bischöfe jede Partei, die nicht mit offenem Visier für I die konfessionelle Volksschule eintntt.
4. Aus diesem Grunde kann keine der anderen bürgerlichen Parteien für den gläubigen Katholiken in Frage kommen. In der Nationalversammlung war ein für die christliche Auffassung günstiges Schulkompromiß zwischen Zentrum und der sonst aui kulturpolitischem Gebiet viel radikalere Ziele verfolgenden Sozialdemokratie vereinbart worden. Es ist der traurige Ruhm der Demokraten, Deutschnatio- nalen und deutschen Dolkspartei, dieses erste Kom» i promiß zu Fall gebracht zu haben. Ist die gläubige Wählerschaft etwa gesonnen, den Demokraten, der deutschen Volkspartei und den Deutschnationalen auch nn neuen Reichstag wieder Gelegenheit zu geben, bei der Schulgesetzgebung etwa noch erträgliche Vereinbarungen zu Fall zu bringen? Auch nach der Vergangenheit dieser Parteien ist an eine entschiedene Vertretung der katholischen Schul- und Kircheninteressen durch sie nicht zu denken. Selbst wenn ein einzelner Abgeordneter für sich persönlich die konfessionelle Volks- schule verträte, fein Katholik dürfte die Gesamtpartei, die über einen einzelnen Abgeordneten hinwegschreitet,
I unterstützen. _ ,
5. Was die Stellung des gläubigen Katholiken zur sozialdemokratischen Partei angeht, so braucht man, was sonnenklar ist, nicht zu sagen. Die Behauptung sozialdemokrattscher Zeitungen und sozial- I demokratischer Versammlungsredner, „ein Katholik könne I auch Sozialdemokrat sein", ist schon oft als falsch nachgewiesen worden. Uebrigens ist die sozialdemokratische Partei, aus der sich unablässig die „Unabhängige soz. Partei", der Spartakismus und Bolschewismus rekrutiert, allmählich auch dem Blindm in ihren letzten Zielen und Bestrebungen bekannt genug. Alle diese I sozialistischen Parteien vertreten Anschauungen, die mit | dem Glaubensbekenntnis unvereinbar sind. Wenn So- I zialisten einmal etwas anderes behaupten, so fennen sie I entweder nicht tun Katholizismus ober nicht die Sozial- I bemotratie.
6. Einigkeit macht stark; Zersplltterung und I Teilnahmlosigkeit schwächen, sie bedeuten deshalb in I Anbetracht der Wichtigkeit dieser Wahlen eine schwere I Gewissensverantwortung ______________
Airs dem besetzten Gebiet.
* Ein frilnzSsischs Urteil. Der in der Badischen LrAinsabrik iii Ludwigshafen beschäftigte Ingenieur Imhoff, der den Krieg zuletzt als Hauptmann mrtmachte tmtb der unlängst von den Franzosen verhaftet wurde, ist wegen Diebstahls von Hausgegenständen 'n Fran!- reich zu 16 Fahren Zwangsarbeit verurteilt worden, B-i einer Haussuchung sollen _ bei ihm gestohlene Gegenstände gefunden worden sein.
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Auch Roland hatte wenig angeborenen Sinn Ordnung. Immerhin hatte seine militärische Vergangenheit ihm zur Gewohnheit gemacht, wenigstens seine eigene Garderobe leidlich instand zu halten, was mm sehr gut war. Denn Lou, die keinen Knopf an- nähen konnte und sich bei Risten einfach mit Sicher. heitSnadeln half, dachte gar nicht daran, sich darum zu bekümmern.
„Ja", dachte er, „Wera Halmenschlag hat recht; I ein besonders feiner oder fttmmungsvoller „Poeten- I winkel" ist daS gerade nicht! Aber wenigstens „ver. I unziert" der alte Schreibtisch nicht LouS eleganten Sa- Ion, ich brauche nicht in ter Angst zu sein, alle Augen, blicke durch einen Besuch in die Flucht geschlagen zu werden, und kann nach Belieben — rauchen! Ohne Rauchen könnte ich doch nicht arbeiten. Und Ruhe habe ich hier ja auch. Nein, eS ist wirklich nicht so schlimm, als es aussieht. . ."
Dabei zog er ein Schubfach auf, in dem sich noch eine Anzahl druckfertiger Arbeiten aus früherer Zeit befanden. Dieser kleine Schah war nun Goldes wert, wo erst in sechs Tagen der Erste war und sie beide kein Geld mehr hatten.
Er wählte drei Stücke Nus und schob sie in Me Brusttasche. Auf dem Rückwege ttank er feinen Kaffee in ter Küche ans. Inzwischen war Betty zurückge- kommen, ordnete LouS Frühstückstoblett und trat mit Roland zugleich ins Schlafzimmer.
Lou sah ihnen matt entgegen. Große dunkle Ringe lagen unter ihren Augen.
„EiOntlich habe ich gar keine Lust zu eßen - » .", sagte sie weinerlich.
„Du mußt! Ich werde Dich füttern", bestand Roland mit ungewohnter Energie auf feinem Willen.
„Das Bad ist auch bereit, gnädige Frau Gräfin", meldete Betty,
„Ach, daz Bad! Ich sehne mich ja danach, aber meine Beine sind so schwach — willst Du mich nachher hinaustragen, Rolly?"
„Natürlich. Aber erst mußt Du essen!"
Er fütterte sie mit den Kaviarbrötchen und nötigte ihr zwei Gläser Sekt auf, tie sie etwas belebten. Dann hüllte er sie in ihren Bademantel, trug sie hinaus, hob
I sie in die Wanne und ließ die Brause mit lauem Was. I sei auf fie niederströmen. Später hob er sie wieder I heraus, frottierte sie und trug sie, sorgsam in den Bade- I mantel rin gebullt, wieder ins Bett zurück.
„So, und hier bleibst Du mir nun liegen und ver.
I suchst zu schlafen" gebot er.
Bei all dem hatte er gar nicht das Gefühl gehabt, I ein junges Weib zu betreuen. Er tat alles mit der I zärtlichen Sorgfalt eines Vaters, der eS einem angst, lich behüteten Sorgenkind recht, recht behaglich machen I möchte. Und wie ein solches, mit naiver Selbswerständ. 1 lichkeit, nahm sie feine Hilfeleistung hin.
(Fortsetzung folgt) -
Berlin ergeben. ____ ____________
Deutsches Reich.
*♦ Berlin, 31. Mat Die Konferenz von Spaa soll endgültig am 21. Juni ftattfinben. , Die nächste Gewinn-Ziehung der Spar-Prämien»^ anleihe findet am 1. Juli statt.
* Der deutsche Geschäftsträger in Rom, v. Her ff, ist gestorben. Der ans der Konsulatskarriere Hervorgegangene war vor dem Kriege Generalkonsul in Mailand und Genua und kam dann an der Spitze der deutschen Mission nach Rom.
* Vereinigung Posens mit Polen. Wie oberfchlesi- sche Blätter melden, wirb am 1. Juni die enbgüüige Vereinigung der Polen angeglieberten Teil der Provinz Posen mit Pongreßpolen und Galizien erfolgen. Da- mit sind die Hoffnungen der Posener, in Anbetracht ihrer beförderen kulturellen Verhältniffe eine gewisse Selbständigkeit innerhalb des polnischen Staates zu behalten, endgültig gescheitert.
* Heilmann gegen Hergt. Bekannt sind die Aeuße- rungen des soz. Abg. Heilmann über seine Unterredung mit dem Führer der D e u t s ch na t i on a 1 e n, He r g t, am 13. März, aus der zum mindesten Hergts Sympathie für Kapp unb feine Freunde hervorging._ Sn längeren Darlegungen wurde durch eine Erklärung der Rechtspresse versucht, das Heilmannsche Protokoll über diese Unterredung cis einseitig und falsch hinzustellen. Demgegenüber machte nun dem „Kasi. Tagebl. zufolge der Abg. Heilmmm in der Kasseler Stadthalle eine sicherlich sehr bemerkenswerte Feststellung. Staatsminister a. D. Hergt hat nämlich zu Heilmann, als dieser auf die Gefahr eines Zerfalls Deutschlands bei Fortdauer des Kapp-Putsches Hinweis, gesagt: „Viel- leicht gewinnen wir Posen und Westpreußen zurück und ein starkes Ost-Reich. Ein Reich aus Preußen, Pommern, Posen und Schlesien ist für die Zukunft wichtiger als dieses Deutschland, das ja doch zugrunde geht"
Selffam, daß ihm all dies erst heute zum Dewutzt. fein kam! Aber freilich — sonst schlief er eben mor- Yens so lange es ging, und hatte dann stets höchste Eile, in sein RedaktionÄüro zu kommen. Mittags kam er nur zum Esten heim, und wenn sein Tagewerk um ö Uhr beendet war, setzte er sich rasch ins Badezimmer, wo er sich eine Schreibecke eingerichtet hatte, zündete den Gasofen an und schrieb an seinem Stück. Wo sollte er dann noch Zeit haben, sich um die Ordnung daheim zu kümmern?
Jetzt mußte er fortwährend an seine Mutter denken. Wie war bei der alles nett und sauber, wie aus dem Schächtelchen! Die Kleider so sorgsam verwahrt, der Wäscheschrank mit seinen bunten Bändern unb dem Lavendclgeruch eine Sehenswürdigkeit!
Ach ja — es war hübsch, wenn eine Frau Ordnung hielt in ihrem Heim . . .
Wieder sah er auf das bleiche Gesichtchen an seiner Brust herab. Arme, kleine Lou — sie war eben keine «rau, fentern nur ein Kind . . .
Sehr vorsichtig ließ er sie auf die Kisten nieder, gleiten, denn sein Arm war wie tot und er hielt die unbequeme Stellung einfach nicht länger au5. Gott- fok>. sie erwachte nicht. Sie schlief nun ganz fest. Seife, °uf den Strümpfen, erhob er sich, reckte die Mieder, gähnte unt' sah nach der Uhr. Erst halb acht. Da hatte er noch anderthalb Stunden Zeit, ehe er fort Nutzte, und konnte hier ein wenig Ordnung machen. Ss sah ja zu abscheulich miSl
Sorgsam glättete er die Handschuhe,, räumte die Schmucksachen eiy und schloß tie Bonboniere. Al§ er ulles in die Schränke bringen wollte, erschrak er von neuem
Großer (Sott! So schlimm hatte fein Schrank ja Mt einmal in der ärgsten Junggesellenzett auSgefehenl
angriffe. Der linke Flügel der roten Front soll bis 30 Werft südlich von der «Station Wapnarshy an der Bahn Proskurow-Odesia dorgedrungen fein.
*♦ Die ostsibirifche Republik. Rußland erklärte der ostsibirifchen Republik, deren Anerkennung durch die Räteregierung und die Bereitschaft, mit ihr m Beziehungen zu treten. Die ostafiatttche Republ^ ist ein Pufferstaat und umfaßt alle Gebiete östlich des Baikalsees bis Kamtschatka.
Der Kampf gegen rechts.
Don der Zentrmnspreffe ist die Wahlparole aus- gegeben worden: „Sowohl gegen dis radikale Rechte wie gegen die radikale Linke"., Das hat die Deutz ch- nationalen sehr verdrosien. Sie ärgern sich baruoer, weil die Deutfchnationalen dadurch auf „bemahe die gleiche Stufe" wie die Unabhängigen gestellt wurden. Daß dieser Vorwurf zum Teil zutrifft, daran ist aber nicht das Zentrum, sondern die Deutschnationale Dolkspartei selber schuldig. Sie hat sich durch ihr parlamentarisches Verhalten in der Nationaloers amm- lung selbst an die Seite der Unabhängigen gestellt. Ihre bösartige Obstruktion machte sie von selbst zu einer bloßen Oppositionspartei. Der Satz:, »-^"llegen stimmen die Unabhängigen und die Deuischnationa- len" war fast stehende Rubrik in dem Parlamentsberichte geworben.
Tatsächlich sind ja der linksradikale Bolschewismus und der rechtsradikale Nationalismus we^ensver- wandt. Beide bekennen sich zu einer bedenkenlosen Gewaltpolitik, die einen zur Erzwingung der Dikta- tur des Proletariats, die anderen zur Wiederherstellung des alten Systems, das ihnen tue Herr- schäft im Staate wieder geben soll. Man versteht nicht, wie eine Partei, die so den Geist des Wider- spruchs gegen die rechtmäßige Ordnung durch ihre Haltung im Parlament gepflegt hat, wm eine solche Partei wagen kann, ihre Kandidaten einer Bevölkerung zur Wahl zu präsentteren, die sich danach sehnt, endlich zur Ruhe und Ordnung zu kommen. Die endlich den Haß, der das Volk auseinanderreißt, zu Grabe getragen sehen möchte. Die christlich gesmnte Bevölkerung kann das Treiben dieser Kreise nie un nimmer mitmachen. Es ist der Geist des Imperialismus, der einen großen Teil der deutschnationalen Gefolgschaft beherrscht, jener unselige Geist, der ine I Welt in ein Meer von Blut und Tranen stürzte, der einen besseren Frieden verhinderte - wett er über Rom gekommen wäre! — em Geist, der sich national gebärdet, dabei aber als Nation nur den großen Geldbeutel kennt. Die Deutschnattanalen haben I nicht mitgearbeitet an dem Wiederaufbau unseres Daierlandes nach Krieg und Revolution, sie haben die organische Gesundung geradezu sabotiert. Si- haben fein Verständnis für das Denken und rWen unb für bas Wirtschaftsleben eines Volkes, das, Kneg unb Revolution hinter sich hat. Sie sehen nur ttutes: Der Karren soll in das alte Gleise zuruckgeschoben werden. Heute steht der extremste Kapitalis- mus gerade in den Reihen der Deutschnattonalen.
I Großindustrie wie Großjunkertum sind wahrhaftig I nicht die geeigneten Schützer der sozialen Irrungen f cf) aften unb nicht die Freunde emer ge- I recht verteilten Steuerbelastung; sie sind trn Gegenteil bestrebt, alle Lasten, die der verlorene Krieg I uns aufgebürbet hat, vom großen Geldbeutel abzuwal- zen auf bie Schultern der breiten Massen in Stadt ^Mtt"dem Geiste, der bei der äußersten Rechten I herrscht, müssen wir enbaultig brechen, wenn wir noch wirklich christliche Politik machen woucn, wenn wir noch Liebe zum Gesamtvolke haben, wenn wir nach unferm Parteiprogramm handeln wollen.
WahWeWegimg in Hessen-Nassau.
•— Die Fuldaer MeyrheitSsozialisten batten gestern abend abermals eine Wählewersammluug mr Stadt- faal. Der Besuch War sehr schwach. .
(*) Hvras. In der gestrigen Wählerversarmulung der Zentrumspartei verbreitete sich Herr Ritter m eindrucksvoller Rede über die Friedenspolttil, die der neue Reichstag zu treiben habe und über die -,tellun- d^r Pmteien zu dieser Politik. Me Diskussion gab ihm noch Gelegenheit zu einer durchschlagenden legung der deutfchnationalen Angriffe auf den -Reich»- Verderber" Erzberger. T.
= MüS. In der gestern abend ck^ehaltenen f cnttttlimet $>ic bon geirrt o, 3
S Herr Parteisekretär ^Muh l en-
berg Mer Parlament unt) Zentnmsfrakttcm. Die Zwangswirtschaft und ihren allmähligen Abbau behau zelte in der Aussprache Herr V o gl e^r ,
= Aus bre Rhön. Auch tn den Rhonorten versagi die Aufklärungsarbeit der Zentrumsparte, nicht ES fernen u a Versammlungen statt tn 8 Reulbach und Eckwe.i sba ch, m denen Herr EM dienassessor Tr. W i l l über die Wichtigkeit der Reichs- tagsivahlen und die Aufgaben des neuen Reichstags n erfolgreicher Weise sprach.
= Schmalnau. Am Sonntag fand in der Becker schon Wsitschasi dahier eine stark besuchte Zentrumsver- sammlung statt. Der erste Vertrauensmann, Herr Landwirt Karl Füller, eröffnete die Versammlung nut einer kurzen Ansprache, in der er die zahlreich Erschienenen begMte, auf die Wichtigkeit d°r bevorstchen^t Reichstagswahlen hmw,es und dann das Wort Herrn Re- daktem Ritter von M.-Gladbach erteilte. In meisterhafter, überaus verständlicher Weife beleuchtete mm der fjerr Referent die „Aufgaben des neuen Reichstages , bie auf „die Herstellung des inneren Friedens und der Ordnung sowie aus den Ausgleich zwischen den einzelnen Ständen und Parteien zum Allgemeinwohle gerichtet fein müllen. Der Herr Referent unterzog die einzelnen Par- teien einer kritischen Prüfung, inwieweit btefeiben der von ihm aufgestellten und klar bewiesenen Aufgabe des neuen Reichstages durch ihr seitheriges Verhalten^ gerecht geworden sind. Die äußerste Rechte und die äußerste
I Linke, die beide mit Gewalt die bestehende Verfassung^ an- I kämpfen, haben besonders durch die bekannten Vorgang« I des 13. März sowie durch ihre blutigen Aufstande un I Ruhrgebiete gezeigt, daß ihre Politik den inneren tfrtcöer I moder bringen kann noch will. Durch die anderen Par- I teien, die im gegenwärtigen Wahlkampfe sich um bi« I Stimmen der Wähler bewerben, verfolgen meliach Son- I derinteressen und beweisen dadurch ihre Unfähigkeit, dem I deutschen Volke den inneren Frieden zu geben und zu erhalten, ganz abgesehen von ihrer Stellungnahme zm christlichen Schule. Die Zentrumspartei — als die rvahre Partei der Mitte - hat, wie seit Jahren, so auch m der I Nationalversammlung getreu ihrem Programm die an den
Reichstag zu stellenden Aufgaben gelost und 'st allen Ständen des Volkes gerecht gewordem Reicher Beifall lohnte die Ausführungen des Herrn Referenten d,e den Anwesenden die untrügliche Weisung nut auf den Weg I onben «m 6 Juni einmütig emzutreten für die Parte, mit der Parole: „Mr Wahrheit, Freiheit und Recht", für das Zentrum. 3n der nun einfetzenden Diskus- Hon brachte ein Mitglied der U. S. P.-Pariei von Het- tenbaulen die alten Ladenhüter wieder vor, die Sozialdemokraten seien keine Gegner bei Religion, das Äen-
I
Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Carl Schütte, :: für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. n
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adrefle: Fuldaer Zeitung
ten Kampfes g nismus unb bas Z neuen Reichstag unb bie zu errichtenbe Nuntiatur in
Landtagswahlen in Gotha.
Beseitigung der unabhängigen Herrschaft.
Die am Sonntag vorgenommene Wahl zum Gothaer Lanbtag hatte folgendes Ergebnis: Deutsche Volksparier 12 686 Stimmen (3 Sitze), DeutschnationÄe 4117 (1), Bauernbund 21412 (5), Demokraten 7675 (1), IW’ heitssozialisten 3925 (0), Unabhängige 37 899 (9).
Das wichtigste Ergebnis der Wahl ist die Vernichtung ber absoluten Mehrheit der Unabhängigen, die eine bobenlose Mißwirtschaft in Gotha betrieben hatten. Sie habm zahlenmäßig eine Einbuße von 13 000 Stimmen erlitten. Die Mehrheitsfoziaüsten finb um mehr als 4000 Stimmen zurückgegangen. Stark ist der Stimmverlust ber Demokraten, sie finb um 11000 Stimmen hinter ihrer früheren Wahlzahl zurückgeblieben.
- Der onfiullromonlane Reichsverband.
gut er eS verstand. Darüber erwachte AIS er sich zufällig einmal umwandte, Augen verwundert auf sich gerichtet.
„Du bist schon auf, Rolly?"
„Ja. Eben aufgestanden", log er.
Huslanö.
** Die russisch-polnischen Kämpfe. Nach tschechischen Meldungen scheinen vor Minsk die roten Truppen bei der Mündung der Uscha in die Bere. sina an das linke Ufer der letzteren geworfen zu fein. Südlich Kiew erfolgten heftige polnische (Segen-
MeS einfach hineingestopft, wo eben Platz war!
Er mühte sich, auch hier Ordnung zu schaffen, so