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Verantwortlich für den redattlonellen Teil: Earl Schütte, - für die Anzeigen: I. Parzelter-Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actlendmckeret in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreffi: Fuldaer Zeitung.

Nr. 124.

47. Zahrg.

Poincace, der abgetan fette Staatspräsident von Frankreich, hatte durch den demonstrativen Rücktritt vom Vorsitz in der Wiedergutwochungskommission das Sig­nal zur Opposition gegen den angeblich zu nachgiebigen Millerand gegeben. Loucheur, Tardreu und cmdere frühere Mitarbeiter des Tigers Clemenceau markierten diese Opposition in der Kammer. Aber sie drangen nicht dmch, weil die große Mehrheit entschlossen war, erst einmal abznwarten, was die gegenwärtige Regierung bei den schwebenden- Verhandlungen für Frankreich herausschlagen könne. Das Urteil über Millerand wird erst gesprochen werden, wenn er von Spaa zurückkehrt. Vorläufig hat er freie Hand, aber in der beschlossenen Tagesordnung wird ihm als Richtschnur die „vollkom­mene Wiedergutmachung der Schäden an Personen und Gütern" mit gegeben. Das soll ihm offenbar den Rücken stärken, nicht bloß gegen Deutschland, sondern auch ge­genüber den Engländern und Italienern, die in ihrem eigenen nnd im allgemeinen Interesse eine gewisse Be­schränkung der französischen Ansprüche verlangen.

Immerhin ist es schon ein Fortschritt, daß Millerand -eine Kammer gewonnen hat für den grundlegenden Gedanken, die Gesamtverpflichtung Deutschlands bereits jetzt in einer festen Summe zu vereinbaren. Für das

Millerand will 70 Milliarden.

'Sn der französif chen Kammer tourte am »reüag eine Interpellation über die Verhandlungen twn HhtHe und Spaa besprochen. Millerand er- gärte, die Miierten gingen nach Spaa als Fordernde, ab» «W als Verteidiger, mit vollkommen freien Hän- ben nm die Ausführung des Friedensvertrages, aber rücht dessen Revision zu erzielen. Die Entwaffnung Deutschlands fei die erste Bedingung des Weltfriedens. Ez wäre eine Ungerechtigkeit und ein Skandal, wenn fcie Urheber des Krieges nicht die Schuld, die sie sich verpflichtet hätten, zu zahlet,, vollkommen entrichten würden. (Beifall.) Selbst der Bankerott Deutschlands würde das französische Volk nicht davon befreien, den £trern des Krieges diese Summe zu bezahlen. Au- finanziellen Gründen, um sobald wie möglich den Ketrag der deutschen Schuld zu finanzieren, habe man t'- Möglichkeit erwogen, diese Schuld schon jetzt fest- «schen. Doch sei keine Ziffer festgesetzt. .Die Be. rechmmgen, die man seit einem Jahr gemacht hat, schätzen die französischen WiedergutmachunySansprüche auf 200 bis 210 Milliarden. Nach dem Stand vom 15 Mai seien das 70 Milliarden Goldmark. Dar Wichtigste sei, daß den alliierten Ländern effektive Rea­lisierungen in Form von Kapitalien und Entschädigun- gm in Form einer internationalen Anleihe oder etwa einer Serie von Anleihen geben wolle, woraus hervor, sehe, daß die Miierten eng verbunden fein müßten, um diese Anleihen zu kontrollieren, so daß also keiner ter Alliierten isoliert fei in der Verteidigung seiner Interessen gegenüber dem Schuldner. Die andere Me­thode bestehe darin, lange Aahre auf die Zahlungen zu warten. Die jcht angenommene Mechode dbet zwinge nicht, mehr als zwanzig Jahre auf den Ver­trag zu starren, und man gebe nichts dabei auf. Die französische Regierung und die alliierten Regierungen wollten nichts von ihren Pfändern aufgeben, nament­lich von den besetzten deutschen Gebieten. In San Remo habe man auch erklärt, daß, wenn Deutschland sich länger seinen Verpflichtungen entziehe, neue (Gebiete besetzt werden könnten. Er wiederhole, daß die Politik Frankreichs eine Politik ter Union mit seinen Alliierten sei, aber auch eine Vvlitik des Einverständnisse» mit Deutsch- *<rn b.

In der Debatte wandten sich die ehemaligen Ele- vleneoamchen Minister Loucheur und T a r d i e u gegen Millerand, dessen Forderungen viel zu gering feien. Schließlich wurde aber eine vom Abg. CoIrat beantragte Tagesordnung mit 535 gegen 68 Stimmen angenommen, die besagt, daß her Friedensvertrag bon Versailles DeutstAand vollkommene Wieder, gutmachnng der Schäden an Personen und Gütern cuferlege. Di- Kammer nehme die Erklärung der Re­gierung an und habe das Vertrauen, daß sie im Einverständnis mit den Miierten di« Interessen und He Rechte Frankreichs wahren werde.

fordernde Liebe.

Roman von Erich Ebenstein.

18] -----------

Mer e? Ivar niemand da. lind als er sie dann wenige Tage später so bleich und zitternd und trostlos 'n dem verödeten Haus fand, dessen Dienstboten ver­schwunden tparen und an dessen Türen Siegel lagen. Ms sic ihm mit ihren großen Kibderaugen fragend ansah: Was soll nun aus mir werden jetzt? Da tonnte er einfach nicht ander», al» sie in seine Arme nehmen und trösten . . -

Ein wahnsinnige» Mitleid hatte ihn erfaßt tote ein Kausch. Er dachte an all die fröhlichen Stunden, die er hier verlebt An all die süßen, schmeichelnden Worte, b!e er ihr bewundernd zugeflüstert. Allerdings — da» toen die anderen muh. Eben deshalb wagten sie sich i° fetzt gar nickt mehr heraus nach RomanSkrön . . .

Mancher fühlte dumpf: er hatte da in guten Tagen gedankenlos ein Schuldenkonto angehäust, das nun i'gendwie nach Bezahlung schrie.

Run — er, Roland von Meister, löste e? ein! @S jch-en ihm Ehren- und Herzenssache zugleich. Daß e5 nidjt jene große Liebe war, von der et manckunal ge« te®tm±, wußte er wohl ...

Anfangs schien ihm aber alles noch leicht.

ging einfach in Pension und ernährte sie und 'nu feiner Kunst Ter Besitzer einer der größten Zei­tungen in Wien war sein Duzfreund. Der würde ihm schon helfen. In der Tat wurde seine Anfrage durch ein Telegramm beanüvortet: Zufällig 1. RcdaktiouS- froften frei. 6000 Kr. Gehalt. Willst Du annehmen?

Nun war ja alles gut. Lou wurde in der Familie e’ne§ Kameraden untergebracht und daS Abschiedsgesuch IW kB rieben. „Mit 6000 fronen leben wir ja wie die Könige' dachte er, der von Gelderwert nie eine be- Wndere klare Vorstellung gehabt hatte. Em halbe» 2ahr später heirateten sie in aller Stille.

Seinen Eltern hatte er absichtlich nichts geschrieben.

konnte doch die Gründe für alles so schwer scht'ft- lnh auSeinandersetzen! Auch würde Papa, der nut Lew ur‘b Seele Soldat gewesen, sicher alles getan hoben, »m seinen Absckied aus der Armee zu hintertreiben

Nem, besser, man überraschte sie und erklärte allez Endlich. Lou» Liebreiz würde am besten helfe«, *■8® 9i persöh»««. '

wirtschaftliche Gedeihen aller beengten Staaten ist es offenbar beffer, wenn jetzt schon Klarheit und Sicher- tjeit geschafft wird. Dar allem tst es wichtig, vau spa­tere Nachforderungen, auf welche die Deutejäger speku- liert hatten, durch endgültige Abmachungen ausgeschlo^» en werden. Nur auf bteft Weife ist es maguch, «e Forderungen in Einklang mit der LeistungsfahMeit Deutschlands zu bringen, und zwar in bauernfcen em- klang, da die lähmende Drohung mit den der Nachschus- en bei einem Aufschwung des deutschen Gewerbe,,eigee endlich beseitigt'werden soll.

Millerand hatte sogar den Mut, der Kammer und i;em Volk offen zu sagen, daß feine Politik nicht nur auf die Union mit den Verbündeten, sondern auch auf das Einverständnis mit Deutschland gerichtet fei. Um das zu verstehen, muß man beachten, daß -Frankreich großen Eeldhunger hat und deshalb entscheidenden ’ Wert darauf legt, möglichst schnell bares Geld zu er« halten und nickst aus die langsamen Teilzahlungen Deutschlands angewiesen zu sein. Der heiß gewünschte Wcltkredit ist aber nicht anders zu erreichen, als durch i>re Zustimmung Deutschlands, das sowohl seine Bereit­willigkeit, als auch feine Befähigung zur Deckung zu er­klären hat. Die Unerläßlichkeit der direkten Mitwirkung gibt unseren Vertretern eine verhältnismäßig starke Po­sition bei den Verhandlungen in Spaa und auf den anberen Konferenzen.

Um die Hohe der Summe wird es freilich noch einen fcharfen Kampf geben. Die beutegierigen Fran­zosen sind noch immer in tollen Einbildungen über die Unerschöpflichkeit der deutschen Reichskasse befangen. Deutschland hat in Versailles hundert Milliarden, nicht für Frankreich allein, sondern für s ä m t l i ch e Entente­staaten, an geboten, aber zinslos in 30 Jahren, das heißt also umgerechnet nur etwa 40 Milliarden effektiv. Und auch die nur unter der Voraussetzung von Kredi­ten, Rohstoffen, verfügbarem Schiffsraum wid Ab­rechnung aller sonstigen Lieferungen. Das war die — damals — denkbare Höchstsumme. Heute ist sie nicht größer, sondern kleiner geworden. Und nun verlangt Millerand für Frankreich allein 70 Milliarden, und in zwanzig Jahren, und muß sich noch von Lou­cheur und Genossen schelten lassen, daß er zu billig sei. Auf diesem Wege werden wir nicht zum Einverständnis trimmen, denn dazu gehört, daß jeder Teil verständig sei!

In dieser Hinsicht wäre es uns etn gutes Zeichen, wenn sich die Nachricht bestätigt, daß die Wiedergut- machungrkommission 5 sachverständige Mitglieder nach Deutschland senden wolle, um an Ort und Stelle zu­verlässige Informationen über die wirtschaftliche Lag» in Deutschland einzuziehen. Eigentlich hätten die Sie­ger schon langst über die Leistungsfähigkeit Deutsch­lands sich gründsich unterrichten sollen. Wenn sie das jetzt nad^olen und die Sachlage nicht nach ihren Wünschen und vorgefaßten Meinungen, sondern nach dem wirklichen Tatbestand« abschätzen, so ist das gewiß die beste Vorbereitung auf Spaa. Dann werden auch die Darlegungen unserer Vertreter Gehör und Ser« «ständnis finden, und man wird erkemwn, daß derjenige, der unmögliches fordert, sich fÄbst schädigt, da er durch die Uebedaftung den Schuldner leistungsunfähig macht.

Die Aussichten für unsere auswärtige Politik bessern sich. Möge nur dis innere Politik eine Hindernisse schaffen!

Wie groß ist unser DolkSvcrinögen?

Gegenüber der Schätzung des deutschen Dolksvennö- gtre vor dem Kriege, dos der frühere Staatssekretär Helfferich auf 300—320 Milliarden Mark beziffert hat, stellt Reichsfinauzminifter Dr. Wirth in einer Unterredung mit einem Vertreter des „Bert TageBl." fest, daß unser Sachvermögen ganz autzerordmtlich zurückgepangm ist. Er erklärte u. a.: „Unser Angebot bei den Friedensverhand­lungen, 100 Milliarden in jahrelangen Raten zu zahlen, war einmal gemacht worden unter der Voraus-

Aber nun kam die erste Enttäufckung: Der General hatte weder Sinn noch Verftändniz für diesen exotischen Liebreiz!

Ach, imb dann kamen noch viele anderen Enttäu­schungen.

Lou warf sich mit unheimlicher Leidenschaft tn eilten wahren Strom von Vergnügungen. Anfang» ging Roland mit. Er freute fich, wenn er sie glücklich und bewundert f<ch. Ihn selbst! langweilten Gesell­schaften. Sie kosteten auch viel Geld. Rechnen konnten sie beide nicht. Alle Augenblicke gab es leere Taschen, obwohl er jede Minute benützte, um klein« Arbeiten zu schreiben, die ihm auch gut bezcchlt wurden. ES reichte eben alle» nicht.

Da entschloß er sich, lieber daheim zu bleiben und etwas Größeres zu schreiben, was aller Not ein Ende machen würde. Lou hatte ja nun schon viele bekannte Familien, an die sie sich anschlietzen konnte, und sie hatte vor allem — Dera.

Diese wunderbare Dera, die immer rubig und ziel- bewußt vorging, für allez Rat wußte und es sich in dc» Kopf gefetzt hatte, Lou zu erziehen.

Roland trat ihr so dankbar dafür! Nie Hütte er ge­dacht. daß es so selbstlose, kluge Frauen überhaupt gäbe! Ach, wenn sie Lou nur ein bißchen — ein ganz kleines bißchen häuslicher machen könnt«. Und ein bißcken weniger kokett . . .

Es stand ihr ja so niedlich und war ganz barmte;. Aber ej beunruhigte ihn doch oft bei seiner Arbeit, daß ihr nun vielleicht wieder dieser oder jener eine Liebes­erklärung machte und sie dazu nur — vergnügt lachte!

Man konnte auch nie wissen, ob ihr kindisches Herz­chen nicht doch eine» Tage» ein wenig Feuer fing? Lou war ja ganz unberechenbar. Sie war ihm gut, gewiß. Wer, ob es die echte große Liebe war? Auch er hatte fit ja innig lieb mit jener tiefen Zärtlichkeit, die er für alles Schwache empfand und die ihn d-nnal» zwang, um sie zu werben. Dennoch wußte er ganz genau: die himmelstürmende Leidenschaft de, Manne, zum Weibe war tS nicht. Die fehlte zwischen ihnen. Und lauerte hinter dieser Tatsache nicht doch immer eine Gefahr?

All dies zog nun durch feinen Kopf.

Ja, es war vieles anders gekommen, als er gedacht. Mit dem stillen Leben zu zweie«, in dem er ruhigen Herzens arbeitete, Lou sich zur Hausfrau entwickelte U für da» 6000 Kroxsv 6x L-iKtu» «toH wär-.

fetjung, daß der ganz« tfrtebensoertrag anbers i gestaltet mürbe. Es hat sich jetzt gejettf, rote gerade durch die Wegnahme von Auslandsguthaben, Schiffsraum, Ersen- bahnmoterial, Vieh und besonders der Kolome« dar \

deutsche Wirtschaftsleben m ferner Leistungsfähigkeit ,

außerordentlich zurückgega«gr« »st. Er tritt , schon die Tatsache in die Erscheinung, daß du SBegmibm« ter lebenswichtigen Elemente der Dolkswinfchaft, die La« stungsfähigkeit einer solchen außerordentlich hemmt, An« gesicht» der heruntergekommenen Nutzung der Gnmd und Boden» und der Schmälerung der deutschen »oömflach« macht der Gesamtwert alles land- und sorstwrrtschasüich I cusaenuhten Bodens in Deutschland heule wohl kaum I mehr als 25 Milliarden Goldmark aus. Man will also Deutschland eine Last auferlegen, die um em vielfaches größer ist, als ter ganze Wert des land- und forstwirtschaftlichen Besitzes. Aus dieser Tatsache allem geht hervor, daß eilte derartige Forderung, auch wenn fi« I in Raten verlangt wird, unmöglich erfüllt werden I kann. Und an der Unmöglichkeit ter Durchführung 'NA solchen Forderung muß diese einfach scheitern.

Aus vem besetzten Gebiet.

Do, frenzösifche Polizei,ericht in Euskirchen verurteilte den Jagdpächter H. au6 Bonn wegen angeb- I lieber Bedrohung eines französischen Soldaten zu 20 I Tagen Gefängnis und 2000 Mark Geldstrafe. Der Pächter hatte einen Soldaten beim Wildern betroffen I und ihm „Hände hoch, halt" zugerufen und seinen Namen festgesiellt. Darin wurde die Bedrohung er« I blickt. Ein Neffe de« Pächter», der seinen Onkel ledig. I lich Begleitet hatte, wurde zu 15 Tagen Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe verurteilt.

* Schweinehunde. Au« Raub rokb gemeldet: Am I Freitag den 7. Mai landeten in dem Motorboot „Eli- I fabettz Barbara" mm Kostheim her 1 Offizier und etwa I 35 Monn des 26. ftcmzösilchen Infanterie-Regiments m I der zum Kreise St. Goarshausen gehörigen Stadt Raub, | die im unbesetzten Gebiete liegt Di« widerrechtlich ge­landet« Trupp« versammelte sich vor dem Blücherdenkmal, I wo ter Offizier eine Rede hielt, welche die Mannschaften I sichtlich erfreute und welche in die Forderung ousflang, I das Denkmal zu — beschmutzen. Der Offizier ging den Mannschaften In dieser Tätigkeit voran. Der Vorfall nef I eine Menschemmsammlung hervor; nur durch die besonnene | Haltung zweier Wachtmeister wurde ein Zusammenstoß I verhütet Der Offizier und die Soldaten bedrohten die . Versammelten mit Revolvern und Reitpeitschen; beim Ab» r fahren über den Rhein rief ter Offizier der Menschenmenge I „Schweinebande" zu. — Mit diesem Schimpfwort mag er j sich wohl unfreiwillig selbst charakterisiert haben. Ange- I sichte dieser gemeinen Ausführung weißer Franzosen müssen I uir der französischen Aeußenmg, sie kenne keinen Unter« I schied zwischen weißen und farbigen Franzosen, recht geben. I Der Kannibale vom Senegal unterscheidet sich von die« I te n Franzosen nur durch die Hautfarbe, nicht aber durch I ie „Höhe^ feiner Kultur.

Abzug der Senegalesen.

Ein Tagesbefehl des OberkommaMerenden der I französischen Rheinarmee General Degoutte spricht der fenegalischen Brigade, die di« R h e i n a r m e e verlasse, weil sie zu einer Dertrauensmission aus ein auswärtiges Operationsgebiet (Syrien) berufen worden sei, seinen Dank aus und bemerkt, „daß die Truppen sich durch ihre Herzlichkeit und Einfachheit die Sympathie aller Bewohner der besetzten Gebiete erworben habe, die mit ihnen in Berührung gekommen seien. Sie könnten mit Stolz ihre Sittenreinheit und ihr hohes Pflichtgefühl als Menschen und Soldaten ins Feld führen gegenüber perfiden Anklagen. Das „Echo du Rhin" betont aus diesem Anlaß, daß die Abberu­fung der Senegal-Brigade vom Rhein keine Folge der deutschen Campagne gegen die schwarzen Truppen sei.

Die Bevölkerung, deren Sympathie die Senegaleser — nach Degoutte — angeblich errungen haben sol­len, wird befreit aufatmen, wenn sie von der „Einfach­heit, Herzlichkeit und Sittenreinheit", di« der Tages­befehl den Truppen nachrühmt, erlöst wird. Auf welche Ursachen die Abberufung zurückzuführen ist, ob auf „die deutfche Campagne" oder etwa auf Winke von London her, kann angesichts der Tatsache des Ab­zugs gleichgültig bleiben.

war e§ nichts. Man braune da» Doppelte. ES hieß fieberhaft angestrengt arbeiten. Arbeiten, immerzu, ohne Ruhepausen . . .

Er blickte wieder auf LouS Gesichtchen und — er­schrak ernstlich. Wie sah es plötzlich bleich und elend ais.l War sie krank? Hatte sie sich nur überanstrengt mit all diesen gesellschaftlichen Devgmügungen, denen sie so maßlos nachjagte?

Es kam ihm oft ganz töricht vor, faß sie darin ihr Glück fand. Aber böse konnte man ihr trotzdem nicht fein. Er für feine Person durste sich auch nicht be­klagen. Er hatte ja gewußt, daß ihre naive Selbst­sucht ganz ahnungslos und „in aller Unschuld Opfer um Opfer von ihm fordern würde. . .

Aber um ihrer Gesundheit willen mußte sie nun loch wohl diese tolle Vergnügungsjagd etnschränken und sich schonen ...

Draußen graute der Tag. Unbarmherzig fiel sein kaltes Licht auf die Dinge ringsum, die fo kunterbunt durckeinander lagen, wie Lou sie gestern zurückgelassen, als sie in die Over fuhr.

11.

Roland; Blick glitt peinlich berührt darüber hin.

Du lieber Gott, was lag imb stand da nicht alle» Berum! Ein halbes Dutzend Aschenbrödelschühcken aus Stoff und Leder mit hohen Hacken und blitzenden Agraffen, mindestens ebenfobide lange Handschuhe, ge­braucht urti ungebraucht, manche ohne Knöpfe, andere zerrissen. Parfümflaschen, Taschentücher, Schmucketu'.s, deren Inhalt auf dem Toilettentisch achtlos überein» ander geworfen war. Spitzenbesetzte Dessou», kostbare Toiletten zwischen nicht mehr sauberen SchlakröckeN, ein Kamm voll krauser, dunkler Härchen, eine Brenn, schere, eine umgeworfene Bonboniere, au» der «in Teil ter Praline«? am Boden verstreut lag ...

Und so sah er hier eigentlich fast immer au;! Lou Batte tie Gewohnheit, jedesmal, ehe sie fortging, eine Menge Dinge anzuprobieren, di« si« dann wieder acht, los beiseite warf.

Wenn da» Mädchen Zeit hatte, räumte sie zuwkilen Wohl wieder alle» beiseite. Sehr oft aber gebrack e» ihr daran und sie beschränkte sich <ruf e'nc flüchtige Reinigung t«5 Zimmers.

Lou seihst aber brachte nie ei« Stück wieder an fei» ntn richtigen Sie störte der Ären «rrgSmn «ie.

(Fortsetzung folgt.)

Deutsches Reich.

** Bersin. 30. Mai Der Reichskanzler stattete dem bayerischen Ministerpräsidenten in Mün­chen einen Besuch ab und besprach sich mit ihm über Fragen der inneren und äußeren Politik. — Nach einer amtlichen Aufstellung sind sitzt siebzehn Postuberwa- chungsstellen in Tätigkeit. Diesen Stellen wird die Briefpost nmh dem Auslaich zugeführt und sie sollen, abgesehen von der Bekämpfung der Kapital- und Steuerflucht, auch btn Verkehr mit ausländischen Wert- papieren, Gold und Waren überwachen, sowie den Ket« terchandel, den Wucher und die Schiedergeschäfte be­kämpfen. — Frithof Nansen berechnet die Kosten der Heim enlmng der deutschen Kriegsgefangenen aus Si­birien und Rutzlarck) aif l1/« Milliarden Mark. Er hofft, daß die Hälft« ber 200 000 deutschen Gefangenen noch vor Embruch des Winters heimbefördert sind. — Der deutsche Geschäftsträger in Rom, v. H e r f f, ist an Nierenentzündung hoffnungslos erkrankt.

* Hergt und Heilmann. Die rechtsstehenden Blätter beröffentlidien eine lange Darlegung der Deutfchnationalen Bolkspartei, in der die Angaben des Abg. Heilmann über sein Gespräch mit dem deutsch-nationalen Führer Hergt am 13. Marz d. Is. bestritten werden. Die Neußerungen Hergis über rin Einverständnis mit den fremden Militär Missionen, über die gering« Bedeutung und Kraft eines General- streik«, während Kapp und Lüttwitz die Waffen und Lebensmittel hätten, und über eine Festlegung der deutschnationalen Partei für Kapp, werden als Miß- I Verständnisse bezeichnet.

0 Gebührenerhöhung für Schöffen, Geschworene und Zeugen. Auf dem Wege einer Beiordnung ist wieder eine Erhöhung der Gebühren für Zeugen und Sachverständige forme der Tagegelder und Reisekosten der Schöffen und Geschworenen durchgeführt worden. Dom 15. Mai erhalten Zeugen und Sachverständige Geübhren in der zweieinhalbfachen Höhe der bisher geltenden Sätze. Als Aufwandsentschädigung für jeden Tag, an dem der Zeuge oder Sachverständige abwesend I gewesen ist, sind 40 Mark, statt bisher 15 Mark fest. | gesetzt worden. ____________

Ausland.

* Deutsch-lettischrr Friedensvertrag. Die lettische I Regierung hat das Friedensprotokoll, das am 5. Mar I in Berlin von dem Delegierten Lettlands und Deutsch« I land» unterzeichnet wurde und das nach Austausch der Ratifikationen in Kraft treten soll, veröffentlicht. Lettland erhält von Deutschland eine Entschädigung I von etwa einer Milliarde.

* WilsonS Veto bleibt bestehen. Die Bemühungen, Präsident Wilson» Einspruch gegen die Friedens« I resolution unwirksam zu machen, sind fehlgeschlagcn, da bei der Abstimmung im Paria ment 29 Stimmen I an Bet erforderlichen Zweidrittelmehrheit fehlten.

Die Wirkung dieser Abstimmung ist, daß die Friedens- I resolution gegenstandslos geworden ist.

*♦ Kleinasien. Nach Konstantinopler Meldungen wächst die nationale türkische Bewegung I unter Mustafa Kemal Pascha immer weiter au.

** Syrien. Englische Meldungen berichten von et- I nem immer weiteren Vordringen der Araber in S grien. Die französische Zone und Jerusalem sind von chnen besetzt, Damaskus und Bagdad einge» schlossen.________ _ _______________

Wähler denkt an die Anslandspottttk!

Ob die Konferenz von Spaa bereits im Juni statt» I finden wird oder nach dem Vorschläge Nittis in den Luft verschoben werten wird, ist nebensächlich. 3tt nächster Zeit muß die Aussprache stattfinden, die über di« Abänderung des schrecklichen Friedensvertrages und damit über die Leoensinteressen Deutsch­lands entscheiden wird.

Das müssen die deutschen Wähler im Auge behalten bei chren Wünschen und Bestrebungen für die inner­politische Entwicklung Deutschlands. Verbesserun» I gen im Parteileben, Verbesserungen in der Zusammen­setzung und in der Wirksamkeit der Regierungen, Aus- I gleich zwischen Reich und Ländern, Umgestaltung der I Ländergrenzen, Reformen auf sozialem und wirtschaft« I sichern Gebiete, Sicherung der idealen Güter durch eine gesunde Kulturpolitik, die auch dem christlichen Volksteil sein volles Recht läßt, — das alles sind Sorgen und Aufgaben, die den Wählern mit Recht am Herzen liegen. I Wie schön wär« es, wenn wir diesen häuslichen Ange­legenheiten unsere volle Straft widmen könnten, ohne I uns vom Auslande irgendwie stören zu lassen. Aber wir sind ein besiegtes Volk, wir sind in erschreckendem Matze auf die Gnade der Sieger und die Hilfe des Auslandes angewiesen.

Die Reichstagswahl ist unter dem Drange der Der« hältnisse leider zu diesem stützen Termin angesetzt wor­den u. daraus ergibt sich nun ein zeitlicher Zusammen» stoß der auswärtigen Politik mit der inne» r e n Politik. Wir sollen sozusagen zwei Hasen zugleich I jagen. Dürfen wir da weitgreifende Keifen, ernste Er­schütterungen im inneren Getriebe riskieren? Alles, I was die Achtung und das Vertrauen des Auslandes ge­fährden kann, bedroht unser« Lebensinteressen. Es wirkt wenigstens verzögernd auf die cmgekündigte I Auseinandersetzung, vielleicht sogar Verhängnis» I voll, indem es den versöhnlichen und verständigen Männern im Feindesland den Arm lähmt und den un- I erbittlichen Gewaltmenschen wieder die Oberhand gibt.

Unter diesen Umständen steht das Bedürfnis nach I einer starken und stetigen Regierung I obenan. Wer sonst vielleicht an der Koalition aus diesem oder jenem Grunde kein rechtes Wohlgefallen findet. I wird doch unter den gegenwärtigen Verhältnissen zu der Ansicht kommen müssen: Es ist dc» beste für unser Gesamtwohl, wenn vorläufig die alte Ordnung in dem Parlaments-, und Regierungssystem ohne die Aus« «ncmtersetzung mit den Siegern erfolgt ist.

Au, solcher Erkenntnis ergibt sich der Entschlutz, den führenden Männern, die uns bis hierhin durchgehol- | fm haben, das Vertrauen zu bewahren und vor allem das Zentrum stark und kräftig zu erhal« ° t e «, da es den K e r n p u n k t bildet für eine feste und . stetig« Regierung, die wir jetzt erst recht nohDeabig ha­ben, um die Zukunft Deutschlands zu retten