- Fuldaer Heilung -
Druck oct Fuldaer Aetieudruckerei in Fulda
M 123.
Samstag, 29. Mar 1920.
Die Staatsgewalt geht vom Volke aus!"
Die Mahnrufe, die wir hier in den letzten Wochen wiederholt haben erschallen lassen, haben noch längst Ml überall den gewünschten Eindruck gemacht. Heute trennen uns nur noch acht Tage von dem entscheidenden g Juni. Und noch herrscht bei uns in der Stadt und rundum auf dem Lande vielfach noch eine Jnteres- senlo si g k e i t, die geradezu unverzeihlich genannt werden muß in Anbetracht der furchtbaren Entscheidung, die der Wahltag des 6. Juni für unser gesamte- Wirtschofis-, Gesellschafts- und Kultur-Leben bringen wird. Es finden Versammlungen statt, die einen weit besseren Besuch aufweisen dürften. Vielleicht, tznß manchmal die Propaganda für die Verfammlungen nicht richtig betrieben worden ist. Trotzdem steht das eine fest, daß noch eine schwere Aufklärungsarbeit zu leisten ist, ehe die Wählermassen zu der Erkenntnis gebracht worden sind, was in diesen Tagen der Vorbereitungen aus die Wahl chre Pflicht erheischt-
Es scheint, daß weite Bolkskreise bereits ganz vergessen haben, daß wir in einer neuen Zeit leben, in der Zeit der deutschen demokratischen Republik, an deren Dersassungsansang das schwerwiegende Wort steht: »Das Deutsche Reich ist eine Republik, die Staatsgewalt geht vom Volke aus."
Ohne uns in den Streit über den Sinn dieser Worte rinzulaffen, in denen wir keine theologische, sondern eine rein staatsrechtliche Formulierung der Frage erblicken, wir müssen uns mit der Tatsache abfinden, daß auf Grund unserer jetzigen Derfasiung das Volk selb st die Regierung bestimmt und somit das Wohl und Wehe des Reiches, das Bestimmungsrecht über Leden und Tod des gesamten Staatswesens in die Hand der Wähler- massen gelegt ist.
Ein Recht vo'n unabsehbarer Trag- weite ruht damit tn der Hand der wahlberechtigten Bevölkerungsschichten.
Diesem großen Rechte entspricht aber auch auf der anderen Seite eine große Pflicht, die Pflicht näm- üch, sich viel ernster und viel eindringlicher als bisher über das Staats- und Gesetzeswesen zu unterrichten, damit man im Stande ist, bei der Wahl von seinem Rechte den richtigen Gebrauch zu machen. Die Demo- fratie, wie wir sie in unserer Vefasiung festgelegt haben, setzt ein staatsmännisch reifes Volk voraus, keine Hammelherde, die sich stumpfsinnig von einigen Führern hin- und Herwersen läßt. Wo dieses Verständnis noch fehlt, da gilt es, in diesen letzten Tagen die ganze Kraft einzusetzen, um die breiten Wählermaßen auf die Wahl vorzubereiten und auf ihre verfassungsmäßige Verantwortung für das Wohl und Wehe des Reiches hinzuweifen. Man muß dem Volke klar machen, daß es selbst am 6. Ium darüber entschei- bet, wie es in Zukunft regiert fein will. „Der neue Reichstag, der ein Produkt der Wahl am 6. Juni sein wird, wird auf dem Gebiete der deutschen Republik fast 4 Jahre lang eine fast unbegrenzte Macht ausüben, keine Regierung wird nur einen Tag gegen seinen Willen bestehen können. Beschlüsse, die er faßt, können höchstens durch eine allgemeine Volksabstimmung, deren Aparat schwer in Bewegung zu setzen ist, aufgehoben werden." Diese Wort», die wir jüngst in einer sozialistischen Zeitung lasen, sollten auch jedem Zentrumswähler fiar machen, von welcher Bedeutung und Tragweite die Wahlhandlung am 6. Juni für ihn selber und das ganze Volk -st.
Früher wurden wir regiert durch eine vom Kaiser ernannte Regierung. Damals konnte man es sich gemütlicher machen und die Sorge für das Wohl des Staates der Regierung überlasten. Jetzt regieren wir uns selbst durch eine von den gewählten Volksvertretern eingesetzte Regierung. Wehe uns, wenn jetzt durch die Wahl eine unreife Mehrheit im Reichstag das Heft in die Hand bekommt und nun »verfastungsgemäß" -1 Jahre lang zum Verderben des Staates Mißwirtschaft treiben kann.
Sollte es soweit kommen, dann wäre alles spätere Sammern und Klagen vergebens. Wir hätten es ja nicht anders gewollt, weil wir die Bedeutung des 6. Suni nicht richtig eingcschätzt hätten.
Noch ist es Zeit! Unser Schicksal liegt tn unserer Hand'.
Schmiedet das Eisen, so lang es noch warm ist, _ ■ -----
Wolfram von Eschenbach.
Zu feinem 700jährige« Todestag.
Bon Studienastessor Dr. Mau3-Fulda.
3m Mai dieses Jahres sollen es 700 Jahre sein, der mittelalterliche Dichter Wolfram von Eschenbach gestorben ist; genau wissen wir weder Monat noch 3ahr, einige nehmen 1220 als sein Todesjahr - an.
Von dem Leben dieses großen deutschen Dichters ist weniges bekannt. Er gehörte einem ritterlichen Geschlecht an, das seinen Namen von dem Städtchen Eschen- doch trägt, nahe bei Ansbach in der bayerischen Pro- wnz Mittelfranken. Ein Denkmal in Gestalt eines Siun» "er-s mit der Bildsäule des Sängers ist 1860 in Eschenbach tem Andenken Wolframs ern-chiat worden, und noch tetae sind Eschenbachs Einwohner stolz auf ihren berühm-
Namensträger. Dis ins 17. Jahrhundert hat man tert auch fein Grab gezeigt.
2er Ueberlieferung seines Geschlechts gemäß wurde ®alfMm Ritter, im Schildamt sah er seinen vornehm-
Beruf. Auf seinen Rittersahrten kam er an den des kunstliebenden Landgrafen Hermann von Thü- ti::Sen, der im Anfang des 13. Jahrhunderts ein Mittel- teuft höfischer Sitte und Poesie war; hier in den Mauern ter Wartburg, wo Hermann Hof hielt, hat Wolfram zu- ammen mit Walther von der Vogelweide frohe Tage verübt. Ein glänzendes Licht strahlt über jene Zeit auf der Wartburg, wo nach dem mittelalterlichen Gedicht „Der Wartburgkrieg" vor dem Throne Hermanns ein poetischer peftitreit auf Leben und Tod ausgesochten wurde. Ri- 'terd Wagner hat in seinem „Tannhäuser oder der SSn- Serkrieg auf der Wartburg" jene sagenumwobene Zeit der mittelalterlichen Blüte deutscher Dichtkunst verherrlicht und Erklärt. Nicht immer ist Wolfram in Thüringen geweilt. 5® hat ihn wieder nach seiner Heimat zurückgezogen; mit r?eih und Kind hot er in kleinen Verhältnissen gelebt, aber r*. Quillt hat ihn nicht niedergedrückt, er scherzt gelegen!» .Arüber sie. Schulbildung hatte er nicht genossen, -r sagt tebst von sich, daß er weder lesen noch schreiben konnte. Zuas er weiß, schöpft er nicht aus Büchern, sondern aus sich selbst.
..Wolfram war eine tiefe, grüblerische Natur echt deutscher^ Art; er belauschte die Geheimniste der Natur und tan^chheit und sann über Gott, so vor allem in seinem chauptwerk, dem unsterblichen P a r z i v a l, den et um “10 vollendet hat. Es ist dabei ganz nebensächlich, ob
Sozialdemokratie und Beamtenschaft.
Die Sozialdemokratie, die ehemalige „Älaffen« partei", die nur in dem Arbeiter ein brauchbares Mitglied der Zukunftsgesellschaft erblickt, hat jetzt eine eigne „Zentralstelle für Beamten a g 11 a t i o n" geschaffen, ferner auch eine besondere Kundgebung: „An die deutsche Beamtenschaft" eigens zur Wahl erlassen. Dieses Manifest ist auf den Ton gestimmt, daß für die deutsche Beamtenschaft eigentlich erst mit dem „Sieg" der Revolution ein menschenwürdiges Dasein begonnen habe und es bemüht sich, nachzuweisen, was den Beamten feit der Revolution erst an Rechten zugefallen sei, wie diese seitdem auch Milliarden an Bezügen mehr erhalten hätten, während vor zehn Jahren für die gleichen Zwecke mit Mühe nur 100 Millionen aufzubringen gewesen mären._
Den Beamten, welche die Sozialdemokratie länger kennen und nachzudenken pflegen, wird die nun auf einmal so heiß erwachte Liebe derselben zu dem Beamtentum doch zunächst etwas sehr e i g e n t ü m - l i ch vorkommen. Sie erinnern sich noch sehr wohl der Zeiten, wo die Sozialdemokratie von den Beamten aller Art als „Organen des Klassenstaates" weniger freundliche Ansichten zu haben pflegte und nach dieser Richtung hin auch mit ihrer Meinung durchaus nicht hinter dem Berge hielt. Unwillkürlich fragt man sich: was hat die Sozialdemokratie als reine Arbeiterpartei denn vor Krieg und Revolution für die Beamten getan? Und trugen etwaige Anträge der Sozialdemokraten in den Parlamenten zugunsten der Beamten nicht zu sehr den Charakter der schönen Geste, indem die gleichen Leute dem Staat die dazu nötigen Mittel d eirroet gert en ? Also Steine statt Brot!
Die Sozialdemokratie tut sich heute darauf etwas zugute, daß die Rechte der Beamten durch die Verfassung „sichergestellt" seien. Die Beamten ober sind klug genug, um nicht zu wißen, daß die Stellung der Sozialdemokratie zu ihren wohlerworbenen Deamtenrechten durchaus nicht so rein und zweifelsfrei ist, als daß man sich unbedingt auf sie verlassen könnte. Der Satz des sozialdemokratischen Programms „Wahl der Behörden (also auch der Beamten) durch das Volk" besteht auch heute noch und sollte den Beamten zu denken jgeben. Der heutige württembergische Minister Leiphardt hat im Januar 1919 in einer Versammlung erhärt, daß die Sozialdemokratie selbstverständlich eine Wahl der Beamten auf Zeit, nicht lebenslängllch fordere. Die mehrheits- fozialistifche Leipziger „Freie Presie" schrieb am 24. März 1920: „Der Kreis der politischen Beamten, d. h. derjenigen, die jederzeit h'mausgeworsen werden können, muß wesentlich erweitert werden." Diese und andere Sicherungen sollten den Beamten zu denken geben, die auch dadurch gewarnt sind, wenn sie heilte sehen, daß die schönen Worte: Freie Bahn dem Tüchtigen, seitens der Sozialdemokratie in dem Sinne praktiziert wird, daß bei ihr bei Beamtenan- stellungen persönliche Tüchtigkeit und parteipolitisch betätigte Gesinnungstüchtigkeit vielfach zusammenzufallen scheinen.
Richt das mindeste Recht hat die Sozialdemokratie, die Neuregelungen, die die rechtliche und wirtschaftliche Lage der öffentlichen Beamten seit Kriegsausgang erfahren hat, nun etwa als besondere Errungenschaften der neuen Republik hinzustellen. Das Zentrum nimmt auf alle Fälle für sich in Anspruch, auch im alten „Klassenstaat" alles für die Beamten getan zu haben, was für ihre wirtschaftliche und soziale Lage notwendig erschien, ohne allerdings mit seinen Wünschen auch immer durchzudringen. Und zwar sowohl im Reichstag als auch in den Landesparlamenten. Das Zentrum, das von jeher eine Reihe von Beamten und Lehrern zu seinen hervorragendsten Mitgliedern in den Parlamenten zählte, hat sich namentlich auch während des Krieges um die wirtschaftliche Besserstellung der Beamten a u f das eifrigste bemüht, und auch eine zeitentsprechende Reform des Beamt en rechts auf das entschiedenste gefordert. In seinem jüngsten Wohlauf- ruf versichert das Zentrum programmatisch: „Ein pflichttreues Beamtentum anerkennen wir als »ine der wichtigsten Stützen des Staates. Darum treten wir ein für feine wirtschaftliche Sicherstellung. Wir arbeiten mit an der Schaffung eines einheitlichen Beamtenrechts. Wir etftreben zeitgemäße Verjüngung des Beamten-
Wolfram für fein Werk eine französische Quelle benutzt hat. Das Große und Bedeutende ist von ihm allein geschaffen worden. Der Parzival ist nicht bloß für Wolframs Zeit geschrieben; der Dichter stellt in dem Einzelmenfchen Par- zioal etwas allgemein Menschliches dar. Der innere Werdegang des Helden ist der eigentliche Mittelpunkt der Dichtung, und damit schuf Wolfram den ersten deutschen Entwicklungsroman, freilich nicht in der Form des Ro- mans, von dem des Epos, das 25 000 Verse zählt.
Parzival hat früh feinen Vater verloren, er ist auf dem Schlachtfeld gefallen. Seine Mutter Herzeleide will den Sohn vor ähnlichem Geschick bewahren; sie flüchtet mit ihm in die Waldeinsamkeit, in voller Unkenntnis der Welt und des Rittertums soll er hier auftoachsen. Aber vergeblich sind der Mutter Sorgen; eines Tages begegnen dem Knaben auf dem Felde Ritter in prächtiger, glänzender Ausrüstung. Er vernimmt, daß König Artus solche Herr- lichkett vertelle, und da gibt es für den Jüngling kein Halten mehr; eine unsagbare Sehnsucht packt ihn. Die Mut- ter ist trostlos, aber sie kann ihn nicht zurückhalten; sie macht noch einen letzten Versuch, sie steckt Parzival in Narrenkleider, vielleicht würde der Spott der Welt ihn dann wieder in chre Arme zurücktreiben. Die Mutier stirbt, das Herz bricht ihr beim Abschied. Der unerfahrene, einfältige Junge mit dem goldenen Herzen, „der reine Tor", zieht in die Well hinaus. An Artus Hof erregt er Bewunderung wegen feiner Schönheit und Tapferkeit, aber auch Lachen wegen der Kleidung und der törichten Rede- weife. Später kommt er zu dem erfahrene , Ritter Gur- nemann, der ihn in allen ritterlichen Tugenden unterweist und zu edlem Benehmen anhäll. „Dor allem sollt ihr nicht viel fragen, doch wohlbvdächtig Sn'.romt fegen". Ge- rade diese Lehre wird für Parzival verhängnisvoll.
Ohne es zu wissen, gelangt er auf die märchenhaft schöne Gralsburg Munsalnäsche. Rach dem Glauben des Mittelalters ist der Gral, die Schüße!, aus der Christus beim letzten Abendmahl mit feinen Jüngern aß, und in der Joseph von Arimaihäa das Blut Christi be: der Kreuzigung auffing. Wolfram leibst hält den Gral für einen kostbaren Edelstein, der wunderbare Eigenschaften hat, nur unschuldige Herzen dürfen ihm nahen. Die Brüderschaft der lern pfeif en hütet diesen Schatz in Demut, Keuschheit und ritterlicher Tapferkeit. Der König der Gralsburg An- fortas liegt an einer Wunde siech darnieder; Anfottas erzählt Parzival von feinen Leiden. Aber Parzival erinnert sich der Lehren des greifen Gurnemanz und fo unter-
tums, Aufstieg der ur.ktn und m.itlern Beamten bei entsprechender Leistungsfähigkeit."
Die Liebe der Sozialdemokratie zur Beamtenschaft ist ftagwürdig; das Derhällnis des Zentrums zu ihr beruht auf den alten Beziehungen gegenseitiger Wertschätzung und Treue. Am 6. Juni wählt der Beamte, der sein wahres Wohl im Auge hat, die alterprobte Freundin seines Standes, die Zentrumspartei!
Wenn der Dauer Maifeier hält.
Einen unerwarteten Erfolg batten die Sozial- demokraten mit ihrem Aufruf zur Maifeier in einem Orte des ober.n Badens. Ein Bauer, der den Schlachiruf der Sozialisten: „Alle Räder stehen still . . ." auf seine Wcise auffaßte und zeigen wollte, daß auch die Landwirte eine Macht im Staate feien, erließ in einer Anzeige in den ,Breisgauer Nach- riebten' an die kleineren und mittleren Landwirte des Bezirkes folaende Aufforderung:
„Maifeier 1920! Samstag den 1. Mai und Sonn, tag den 2. Mai etfudie ich sämtliche kleineren und mitt, leren Landwirte, der böheren Feiertage wegen sich der Feier anzuschließen und an diesen zwei Tagen weder Milch noch sonst etwas abzuliefern und niemandem etwa? zu verabfolgen, um das große Mw fest verschönern zu helfen." —
Das Karlsruher Organ der Unabhängigen greift diese Anzeige in den stärksten Tönen an, nennt eS Bauernübermut und schließt mit der versteckten Drohung: Es werde nicht so bleiben, dessen mögen die Bauern eingedenk sein! — Blag man zu dem L'.eserstreik stehen wie man will; das fortgesetzte Streiken der Industriearbeiter reizt die Bauern und wenn sie schließlich zu solchen Schritten greifen, berufen sie sich nur auf das Beispiel, das die Stadt ihnen fortwährend gibt.
Erhebung der Einkommensteuer durch Lohnabzug.
Die in den Paragraphen 45 bis 52 des neuen Einkommensteuergesetzes vorgesehene Erhebung der Steuer in Form eines zehnprozentigen Abzugs vom Arbeitsverdienst der Arbeiter und Angestellten, die ursprünglich zusammen mit den übrigen Vorschriften des neuen Gesetzes am 1. April hätte in Kraft treten sollen, hatte wegen technischer Schwierigkeiten hinausgefchoben werden müssen. Sie soll nunmehr wie schon kurz gemeldet, am 25. Juni zur Einführung kommen. Eine Veröffentlichung des Reichsfinanzministeriums gibt die Art des neuen Verfahrens bekannt:
Für den Abzug an der Quelle kommen, gemäß § 51 Eink.-St.-G. folgende Einkommen aus Arbeit tn Betracht: a) Gehälter, Besoldungen, Löhne, Tantiemen, Gratifikationen, oder unter sonstiger Benennung gewährte Bezüge und geldwerte Vorteile der in öffentlichem oder in privatem Dienste angestellten oder beschäftigten Personen (Arbeitslohn); b) Wartegelder, Ruhegehälter, Witwen- und Waisenpensionen und andere Bezüge oder gell werte Vorteile für frühere Dienstleistung oder Berufstätigkeit.
Der Wert der Natural- und Sachbezüge ist regelmäßig mit dem Betrag anzurechnen, der sich au8 den Lohntarifvereinbarungen ergibt. Dem Abzug unterliegen nicht: militärische VersorgungSgebührnisse auf Grund einer infolge deS Krieges erlittenen Dienst- beschädigung, die Zulagen auf Grund der Militär- pensionS- und Versorgungsgesetze (Verstümmelungs-, Kriegs-, Alters- und Tropenzulagen ufro.), Bezüge aus einer Krankenversicherung, endlich Wartegelder, Ruhegehälter, Witwen, und Waisenpensionen usw., die einen Jahresbetrag von 1500 Mark nicht übersteigen.
Jeder Arbeitnehmer hat sich für das Rechnungsjahr 1920 von der Gemeindebehörde seines Wohn, oder BeschästigungSorteS eine Steuerkarte ausstellen zu laßen. Die Ausstellung erfolgt unentgeltlich. Sie kann von der Gemeindebehörde auf Antrag auch dem Arbeitgeber Überlaßen werden.
Der Arbeitgeber hat bei jeder Lohnzahlung 10 Prozent des Arbeitslohnes einzubehalten. Der zurück- zubehaltende Betrag ist auf volle Mark nach unten abzurunden, wenn die Lohnzahlung für eine Woche oder einen längeren Zeitraum erfolgt, in allen andere« Fällen auf volle 10 Pfennige. Für den einbehaltenen Betrag hat der Arbeitgeber in unmittelbarem Anschluß an die Lohnzahlung Steuermarken in entf prechender Höhe einzukleben und diese durch Aufschrift des Datums zu entwerten.
Liegt eine Steuerkarte des Arbeitnehmers nicht vor, so ist der Arbeitgeber verpflichtet, Steuermarkien in Höhe des einbebcltene« Betrages aufzubewahren, biz dar Arbeitnehmer seine Steuerkarte vorlegt, und entsprechend zu entwerten. Der Arbeitnehmer hat dem Arbeitgeber auf Verlangen eine schriftliche D e s ch e i-
läßt er die so natürliche, menschliche Frage ach dem Leiden des Königs, durch die Parzival ihn hätte heilen können. Parzival lädt bannt eine Schuld auf sich, fieilich unbewußt; er verkennt, daß das natürliche, echt menschliche Empfinden höher stehen muß als Konvention und ©itte. Er wird der Gralskron« unwürdig; einsam und verlaßen steht er am andern Morgen allein und auch an dem Hof des Königs Artus ist feines Bleibens nicht mehr, als eine Orals» botin ihm flucht ob der versäumten Mitleidsfrage. Par- zioal ßt in seiner Ehre getroffen durch diese Schmähungen, und da er sich für schuldlos hält, wild er irre an Gottes Güte, er hadert mit Gott und mit sich selbst; unstet und düster irrt er so mehrere Jahre umher, er will den Gral aus eigner Kraft suchen. Nach langem Umherschweifen packt ihn endlich an einem Karfreitag die Reue, als ihn ein Ritter an die Treue mahnt, die Gott an diesem Tage irch seinen Rreu$estob der Menschheit bewiesen habe.
Da weicht sein Trotz; ben dem frommen Einsiedler Trevrizent tn der Felsenklaufe findet er die innere Erlösung durch das Bekenntnis seiner Schuld:
Euren Rat, Herr, ruf« ich an;
Denn vor Euch steht ein sündiger Mann.
Durch die milde Belehrung des heisigen Einsiedlers gewinnt er den Seelenfrieden wieder; Trevrizem klärt ihn auch auf über den Gral: Der Gral ist nichts anderes als das Oebensglück, und das kann nur errungen werden durch ein reines, demütiges Herz, nicht durch Tapferkeit und Trotz. So geläutert, zieht Parzival wieder auf die Gralsburg und stellt die Mitleidsfrage, durch die er Anfortas die Genesung, sich selbst die Grolskrone verschafft.
Das ist in oller Kürze der Inhalt der weitverzweigten Handlung. Die Idee des Ganzen hat Wolfram gleich im Anfang der Dichtung ausgesprochen: Zweifel und Schwan- ken sind schlimme Feinde der Seele. Treue, Beharren und Stetigke-t sind die Wurzeln und Triebfodern des Gu- ; ten. Wer — auch im Irren — den rechten Mannesmut üch bewahrt und ein freudiges Vertrauen auf Gott hat, der kann di« Glückseligkeit erlangen. Wolfram selbst sagt m Schlüsse seines Parzival:
Des Loben so sich endet, Daß er Gott nicht entwendet Die Seele durch des Le-bcs Schuld, Und er daneben doch die Huld i Der Welt mit Ehren sich erhält,
I Der bat fein Leben wohl bestellt.
n i g u n g über den empfangenen Lohn, den einbehal, tenen Betrag und Wert der eingeklebten und entwerteten Steuermarken zu geben.
Tie Steuermarken werden zunächst mir bei den P o sta n st alt e n zum Verkauf gestellt. Ser. I o r e n e, unbrauchbar gewordene ober zerstörte Steuerkarten werden erseht. Die in solchen Steuer, karten nachweisbar eingellebien und entwerteten Steuermarken werden auf die Steuerschuld des Arbeitnehmers ausgerechnet. Bare Herauszahlng findet nicht statt. _
Die in der Form der eingeklebten Steuermarken entrichtete Einkommensteuer wird auf die endgültig zu zahlende Einkommensteuer angerechnet. Diese Anrechnung erfolgt erst nach Ablauf des Kalenderiahres 1920. Sie erfolgt nur dann früher, wenn der Arbeitnehmer eine besondere Aufforderung zur vorläufigen Zahlung der Relchselnkommensteu-r erhalte« hat. In diesem Fall kann er die in feiner Neuerkarte eingeklebten Steuermarken unter glelmzer- tiger Vorlage des Steuerfestsetzungsschreibens an Zah- lüngsstatt hingeben. _ .. ,
Auf Antrag des Arbeitgebers kann die S.euerbe- hörde gestatten, daß die Verwendung von Steuer, marken unterbleibt. Der lOprozentrge Lohnabzug wird dann durch ben Arbeitgeber m bar oder durch Ueberweisunq auf Postscheck- ober Bankkonto dem Finanzamt übermittelt. Der Arbeitgeber ist m diesen Fällen verpflichtet, dem Arbeitnehmer auf beben Ver» langen monatlich eine Bescheinig u n g über den ausgezahlten Lohn und einbehaltenen Betrag auszu. stellen Die Anrechnung dieser Ueberwenung er- folgt erst nach der endgültigen Veranlagung zur Em- kommenstsuer 1920.
Kur Kirche tm6 Sdnile.
--- Limburg, lieber die Diözesansy n o d e, welche in der letzten Juliwoche in Limburg abgehallen wird und hier bereits erwähnt wurde, wird dsm „Raß. Boten" u. a. geschrieben: Sie Diözesansynode M deutsch: Bistumsveriammlung) ist die Versammlung der Geistlichkeit eines Bistums untre Vorsitz des Bl- sckofs zur Beratung von Diözesan-Angelegenheiten. Während diese Einrichtung selbst bis zum sechsten Jahrhundert im Abendcand nachweisbar ist, ist der Name derselben als Diözesansynode fest dem 13. Jahr- hundert allgemein in Aufnahme gekommen. Die m, Jahre 1215 zu Rom abgchaltene allgemeine Kirchen- Versammlung (das vierte Lalerankonzil) schrieb vor, daß die Diözesansynode jährlich wenigstens einmal solle abgehalten werden, damit der Bischof seinen Geistlichen die auf der Versammlung der Bischöfe einer Kirchen- Provinz (der Provinzialsynode) gefaßten Beschlüße öffentlich bekannt mache. Auch das Konzil von Trient (1545—1563) schrieb die jährliche Abhaltung der Diözesansynode vor, welche aber im Laufe der Zell wegen der Ausbildung, der kirchlichen Verwal- tung und der Gliederung letzterer weniger nötig war, weil es noch andere Mittel zur Befragung der Geist- sichtest, besonders durch schriftlichen Verkehr und tue Dekanatskonferenzen, gab. Doch ist fest der Mitte des 19. Jahrhunderts die Veranstaltung der Diözesansynoden wieder häufiger geworden. In dem seit säst 100 Jahren bestehenden Bistum Limburg hat eine solche bis jetzt nicht stattgesunden, lieber die Synode [jät das seit Pfingsten 1915 für die ganze Kirche maß. gebende Kirchenrechtsbuch nähere Bestimmungen getroffen. Die Diözesansynode wird rund 70 Mitglieder zählen. Mr haben nur beratende Stimme, der Bischof allein entscheidende und gesetzgeberische. Für die auf der Synode zu behandelnden Gegenstände sind, je zwei Referenten bestimmt, neben denen noch der eine oder andere Priester zur Aeußerung über den Gegenstand aufgefordert ist, so daß eine gründliche Durch- abitung der Derhandlungsgegenstände erwartet werden kann. Als Ort für die Tagung der Synode ist die St. Annakirche in Limburg bestimmt. Die erste im Bistum Limburg ftattfindendc Diözesansynode darf in der Geschichte des Bistums einen hervorragenden Platz beanspruchen.
Hits dem Nachbargebiet.
----- Poppenhaufen iRhön). Einen lehrreichen uni gemütlichen Pfingst-Abend bereitete unserem kathol. Jünglingsverein die Jungmannschaft des kath. kau sm. Vereins Fulda. Auf seiner Rhön- roanberung beehrte er uns mit seinem Beiuche im Vereinssaal int Schwesternhaus. Der Vizepräses Brehl hielt eine kurze Ansprache, es wurden einige heiteren Gedichte vorgetragen und nichts vergessen wurde die körperliche Stärkung. Unser Präses dankte und brachte ein Hoch aus und empfahl alle Versammelten dem Schutze der Maienkönicsin Maria.
Die Rhön.
In zweiter vermehrter und verbesserter Auflag« hat bet Rhönklub jetzt bas Rhönalbum, 150 Abbil- c urigen nach Liebhaber-Aufnahmen, Text von Hermann Knott- Weimar, bei der Verlagsbuchhandlung Lohmüller und Sommer in Fulda herausgebracht. Das Werk, das zu dem für die jetzigen Verhältnisse wohlfeilen Preis von 13 Mk. ausschließlich Teuerungszuschlag ab- gegeben wird, kann freudiger Aufnahme in weiten Kreisen der Rhönfreunde gewiß fein.
Den großen Wert des Rhönalbums, das zum erstenmal im Jahre 1912 erschienen und von dem damaligen 1. Schriftführer des Rhönklubs, dem inzwischen der- swrbenen Herrn Erich Breusing aus Fulda ins Leben gerufen worden ist, begründet das herrliche Bildermaterial, das darin bereinigt ßt. Aus allen Teilen der Rhön sind Bilder aufgenommen. Und die Mannigfaltigkeit der Rhönlandschaft forgt dafür, daß auch in diesen Bildwerken Mannigfaltigkeit und Ab- wechRung nicht fehlen, zumal neben sommerlichen Landschaften, wie sie geläufiger sind, auch die Rhön zur Winterzeit mit künstlerischem Geschmack im Lichtbild festgehalien worden ist. Welch köstlicher Genuß, diese Bilder zu durchblättern und dabei der erinne» tungsreichen Wanderfahrten zu gedenken, die man selbst in sorgloser Jugend durch diese Heimatberge unternommen Hail Wie vertraut grüße« bi« Dörfer» wie ftleigi der Duft blumiger Rhönhuie« aus, wie rauscht der Ton silberner Waldquellen, wie umfängt uns die wilde Schönheit des EiSgrabcns und die Einsamkeit und Unendlichkeit des DammersfeldeS! Wo sind die Wegegenossen, die sich all dieser Herrlichkeit mit uns erfreuten? Stundenlang können uns diese Bilder zu schwelgendem Versenken in eine schöne Vergangenheit führen. Und dann macht es auch nichts aus, wenn einmal zufällig so ein Bildchen die weniger gemütliche Erinnerung an einen sommerlichen Landregen unwiderstehlich wachruft, an eine Rhöntour, bei der man „naß bis auf die Haut" war und durch die guten Patres auf dem Kreuzberg „trocken gelegt" werden mußte.
Wem Beruf oder Entfernung nur noch selten den Weg zur Rhön gestatten, der wird im Rhönalbum einen Zauberstab finden, mit dem er sich geistigerweise immer wieder in die Köstlichkeit unseres Gebirges versetzen kann. Den andern aber, die die Rhön nur erst