Nr. 121.
Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Carl Schütte, ~ für dir Anzeigen: I. P a r z e l l r r - Fulda. -
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerrt in Fulda. Fernsprecher Nr. g. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung
Donnerstag, 27. Mai 1920.
Bezugspreis: Monatlich 2F0 AN. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 2,10 M. Anzeigenpreis: DieKlrinzetle (Colonelmatz) 50 pfg, u. 10*1« Zuschlag, di« Reklamezeile (Textbreite) LSOfflt, u. 10*4 Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.
47. Zahrg
Die Einladung «ach Spaa.
Äur eine Fortsthung von Versailles?
KK an die deutsche Regierung gerichtete aMerte Note, in der mit Rückst,^ auf die deutschen Wahlen der Aufschub der Konferenz in Spaa vorgeschlagen wäd, hrtft hervor, daß der Zweck der Konferenz sei, die .Nichterfüllung feierlicher Verpflichtungen" des Ser« Mer Vertrages durch Deutschland zu erörtern und Abmachungen wegen der Sicherung der Durchfichrung des Vertrages in Zukunft zu treffen. Es fei deshalb von größter Wichtigkeit, daß dir Konferenz nicht kmrch außerhalb ihrer liegenden Inanspruchnahme abgelenkt ober verzögert werde.
Es steht also nichts von einer Verhandlung fiter die deutsche Schuld darin. Millerand scheint ihre Festlegung noch vor der Konferenz von Spaa durchsetzen zu wollen. Unsere Vertreter müssen in Eoaa Rückgrat genug zeigen, sich dies nicht bieten zu
Line weitere Verschiebung?
Die „S. Z." will aus Rom erfahren, daß man dort «ufthaft eine weitere Verschiebung der Konferenz von Spaa herbeizuführen wünsche, da die llalienische Re- girung wegen des Zusammentritts der neuen Kammer kaum in tret Lage sein werde, schon am 21. Juni in Spaa zu erscheinen. Der neue Aufschub werde allerdings nur sehr kurz sein.
Das Urteil der Lach verständigen: Undurchführbar?
Der «Nieuwe Courant" meldet aus Paris, daß die Finanzfachoerständigen der Wtedergutmachungskom» Mission einen Berich» abgestattet haben, in dem gesagt wird, daß die wirtschaftlichen Bedingon» gen des Versailler Vertrages undurchführbar sind und daß der ganze Abschnitt des Friedensabkvm« mens, der sich auf diel« wirtschaftlichen Bedingungen bezieht, abgeändert werden muß.
Daß die wirtschaftlichen Bedingungen des Versailler Vertrages undurchführbar sind, ist uns nichts neues. Wenn die Wiedergutmachungskommission der Stotterten jetzt endlich auch zu dieser Ueberzaugung kommen füllte, so würde das einen großen Schritt vorwärts auf dem Wege zu einem wirtlichen Frieden und zur wirtschaft- sichen Wiedergesundung ganz Europas bedeuten. Ehe rotra glauben, müssen wir aber Bestimmteres hören. Wir haben schon zu oft vergebens darauf gewartet, daß man drüben endlich vernünftig werde.
Wie eS z«m Zusammenbruch« kam.
Die Akten des parlamentarischen Untersuchungsausschusses stnd nunmehr mit der Herausgabe der Protokolle betreffend die Entscheidung über den U-Boot- trieg abgeschlossen worden. Da dieser U-Bootkrteg und sein Fehlschlagen die Quellen für unseren Zusam» menbruch waren, empfiehlt es sich, auf diese Protokolle des näheren zurückzukommen.
Zunächst fei folgendes festgepellt. Es ist von den Vertretern der Marine immer bestritten worden, daß die Marine-Verwaltung einen bestimmten Zeitpunk für die Wirkung des U-Bootkrieges angegeben habe. Aus den Akten ergibt sich aber nun einwandfrei, daß noch der Erklärung des Admirals Tirpitz England »binnen zwei Monaten um Frieden bitten" müsse. Der Admiral von Holtzendorff sprach in seinem Mvnorandum von vier Monaten, im zweiten vom 15L Februar 1916 von sechs Monaten, die entscheidende Denkschrift des ALmiralstobes vom 2. Dezember 1916 bemißt diese Riederzwingungsfrist auf fünf 3Ronate. Wir lassen nun hier den Hauptteil des wichtigsten Protokolls über die Sitzung vom 8. Januar 1917 bei Exzellenz von Hindenburg ■y** weaeres jrvmmemnr joigeiE
v. Hoktzenborff: Der Kanzler kommt morgen hier an. 7- Felsmaischall: Welche Schmerzen hat er? — 0. Holtzen- ”rff: Der Kanzler will sich die diplomatische Vorbereitung
Fordernde Liebe.
Roman von Erich Ebenstein.
16] • --------------
.Sind Sie denn so sicher, daß es gelingt, gnädige BW?'
-Absolut! Wenn man alles so genau durchdacht tot tote Sie, und so mit ganzer Seele dabei istl , , .*
»®8 hängt nicht alles von mir allein abl Dte ^itorstcmdskrcrft eines Menschen läßt sich nicht genau berechnen. Auch kann eine Kleinigkeit alles in «rege stellen. Ein Umstand mindestens ist schon gellen mich!"
Er erzählte ihr von der Erkrankung der Wärterin.
-.Schwester Gertrud ist die gewissenhafteste Pflege- die wir überhaupt haben. Ich habe sie mir seiner- flfe Assistentin selbst ab geeichte, und nun speziell meine Patienten erbeten. Sie tarnt deren Natur Und war von mir genau instruiert. Nun kann
^^ftombe AuShtlfStrHrtertn vielleicht alles derber-
Rlartho Stermer hatte aufmerksam zugehört. 3hm J®* sie rasch: .Wollen Se mich nicht nehmen an- Schwester Gertrud, Herr Dozent? Ich hab« schon «0» Kranke gepflegt und bin nicht ganz ungeschult. Mm- könnten Ne sich aus meine absolute Gewissenhaft oetioffen!" Heidlof sah sie betroffen an.
-Tnädi» Frau! Wie dürfte ich . . ."
machen Sie doch keine Geschichten! Ich wäre Mrchtbar stolz, wenn Sie mir so viel Vertnmen schenke, wollten!'
sprach so lieb und natürlich, daß Heidlof schließlich r?™01 annahm. Ein Stein war ihm vom Herzen ge- cT8- Sogar den Streit mit Daniela hatte er vergessen. P™* Sedanken waren wieder ruhig und durchaus mit bevorstchenLen Operation beschäftigt. Doll Eifer ging
Martha Römer auf ihre morgige Tätigkeit vor- Er*1“ 'M» ihr klar zu machen, worauf es hauptsächlich y bet Pflege.
fptochen zuletzt ganz sachlich wie zwei Kollegen.
der Patterittn ward« nicht genannt. Es werbe daß Heidlof in aller Frühe ein paar tmerläß- -^^^toilenbesuche mache, dann aber gleich nach dem ^Hsiuck heimkommm wolle, um Frau Renner abzuholen
88 felnein Schützling zu bringe«.
des uneingeschränkten U-Boot-Krieges vorbehalten, um Amerika draußen zu halten. Er habe ihm gegenüber die Note über bewaffnete Dampfer als U-Boot-Falle bezeichnet, die den Konflikt mit Amerika herbeiführen würde. — Exz. Ludendorfs: Das hat der Kanter ja alles gewußt. — v. Holtzertwrff: Das Auswärtige Amt mehrt, wenn Nordamerika emgriff«, würde auch Südamrika m den Krieg eingreifen. Dann denken Sie an die Zeit nach Friedens- schluh. — Feldmarscholl: Erst müssen wir mal siegen! — Exz. Ludendorff: Die Bezeichnung der Note über Abschieben bewaffneter Dampfer als U-Boot-Falle ist wieder Derzögerungsoersuch. — 0. Holtzendorff: Was hm wir, wenn der Kanzler nicht mitmacht? — Feldmarschall: Das macht mir auch Kopfzerbrechen. — 0. Holtzendorff: Darm müssen S i e Kanzler werden. — Feldmarschall: Nein, das kann ich nicht und will ich nicht. Ich kann mit dem Reichstag nicht verhandeln.—0. Holtzendorff' 2ch halte Bülow und Tirpitz wegen ihre» Verhältnisses zmn Kaiser für ausgeschlossen.— v. Ludendorff: Ich würde dem Feidmar- schall nicht zureden. — Feldmarschall: Ich kann im Reichstage nicht reben. Ich lehne ab. — Wie ist es mtt Dallwitz? — Exz. Ludendorff: Ob er den U-Boot-Krieg überhaupt will? — 0. Holtzendorff: Der Kanzler genießt im Aus- lande großes Vertrauen. — Feidmarfchall: Also wir halten alle zusammen. Es muß fein. Wir red)- neu mit dem Kriege mit Amerika und haben alle Vorbereitungen getroffen. Schlechter kann es nicht werden. — 0. Holtzendorff: Seine Majestät ist auch über die Lage und Stimmung im eigenen Volke nickst hn Bilde. — Erz. Ludendorff: Das stimmt. — v. Holtzendorff: Volk und Armee schreit nach dem uneingeschränkten U-Booi- ftriea. — Exz. Ludendorff: Das stimmt. — v. Holtzen- dorff: Staatssekretär Heifferich sagte $u mir: Ihr Weg führt zur Katastrophe. Ich erwiderte ihm: Sie lassen uns in die Katastrophe treiben. Feldmarschall: Das stimmt. Die Hauxrtsache für mich ist, ee ist keine Operation, die uns an anderer Stelle militärisch schwächt. — v. Holtzendorff: Ich habe Ikuhrfchten, t»g Rußland zusarmnenbvechen wird, wenn es im Norden angefaßt wird."
Am 9. Jammr 1917 fand dann noch eine weitere Besprechung bei Hindenburg im Hauptquartier zu Pleß statt. Aus diesem Protokoll find folgende Auslassungen von größtem Interesse:
Kanzler: Der U-Booürisg ist die »letzte Karte". Ein sehr ernster Entschluß. Stenn aber die militärischen Stellen den U-Dootkrteg für notwendig halten, so bin ich nicht in der Lage zu widersprechen. — Feldmarschall: Wir sind gerüstet, um dien Eventualitäten zu begegnen gegen Amerika, Dänemark, Holland und auch die Schweiz. — Kanzler: Es läßt sich beulen, daß der U-Bootkrteg das Kriegsende hinauSschrebt. — Exzellenz Ludendorff: Stet U-Bootkrieg bringt such unsere Ar. meen in eine andere, bessere Lage. Durch den Mangel an Grubenholz, an Kohlenförderung leidet die Muni» tiowserzeugung. Das bedeutet eine Erleichterung für die Westfront. Daß diese Erleichterung eintreten wird, wird durch unsere eigenen Verhältnisse, die Wirkung unserer TvanSportkrifis bewiesen. Luch Rußlands Oft fensivkrast wird durch den MmeitionSmangel, hervorgerufen durch SchiffSnot, geschädigt. Die sibirische B-chn allein genügt für Rußland nicht. — Kanzler: Ame - rikaS Hilfe bei eventuellem Eintritt in den Krieg wird bestehen in Lieferung von Lebensmitteln an Eng. land, finanzieller Verhilfe, Entsendung von Flugmaschi. nen, Entsendung von FreiwilligenkorpS. — Feidmar. schall: Damit toter»em toir schon fertig. Die Gelegenheit für den U-Bootkrieg ist so günsttg tote tarnt jemals wieder. Wir können ihn führen und müssen ihn führ.ahrj bsspzk chckjsMtß.äöützll?.(12S müssen ihn führen."
Daraus ersieht man, daß diese „letzte Karte", wie der Kanzler sich misdrückt, doch viel zu leichten Herzens ausgefptelt wurden Aus den Erörterungen ergibt sich, daß man genau wußte und sich durchaus klar war, daß ein F e h l s ch l a g des 0°Bootkrieges den Verlust des ganzen Krieges mit allen feinen fürchterlichen Folgen nach sich ziehen werde. Es ist auch unverstänttich, wie man den Einwand des Kanzlers wegen der Hilfe Amerikas so leicht abtun konnte.
Was das Kapitel Amerika angeht, so ist auch noch folgender Vorgang, der ebenfalls in den jetzt heraus- gegebenen Dokumenten fest gehalten wird, von arößtem ynfereffe. Der deutsche Mllstaraltachee kn Washington, Major von Paoen, erklärte in völliger Ueberein- stimmung mit unserem amerikanischen Botschafter Gra-
Daniela machte große Augen, als sie am Frühstückstisch erscheinend, ihre Freundin bereite fettig zum Ausgehen ge- kleidet vor fand und mm die gestern besprochenen Abmachungen erfuhr.
Ihr bleiche» Gesicht rötete sich jäh und ihre Augen sahen die Freundin finster an. Dann lachte sie bitt« -ruf.
.Daniela?" Martha Renner blickte bestürzt auf. „Was soll dies?-
.0, nichts. Kümmere Dich nicht darum!'
„Bist Du böse, mell ich nicht mtt in Isoldes Gesellschaft tarn?*
„Gott bewahre! Wie dürfte ich — Dir da, übel nehmen, da ja auch meinem Mann diese Person wichtiger und teurer ist, als seine Frau! Uebrigens gehe ich nun natürlich auch nicht zu Isolde. Ich habe es satt, immer als Strohwitwe aufzutreten!"'
Matthä stttch sich schweigend Sutter auf ihr Brötchen, aß es und teerte ihre Teetasse. Daniela rührte keinen Bissen an.
Da stand chre FreunRn auf, schlang den Stan am ihren Nacken urtb sagte ebenso ernst als herzlich: „Du bist kindisch, Dana. Verbittere tnH Dir und ihm nicht das Leben mit solchen Dunnnhesten! Mache Dir klar, was für Deinen Maim heute auf dem Spiel steht —*
.Laß das," unterbrach sie Daniela schroff, ihren Stan abschüttelnd. »Man merkt, daß Du von ihm beeinflußt bist und ihn entschuldigen willst. Aber ich weiß ja mm ganz genau Bescheid. Halle zu ihm, so viel Du willst — mtt liegt auch daran nichts mehr!'
Martha konnte nicht antworten, denn Heidlof trat in diesem Augenblick ein. Er mußte die Worte Da. xielag gehört haben. Während er kurz grüßte, flog sein Blick peinlich erstaunt zu ihr.
Also nicht einmal so weit konnte sie sich beherrschen, daß sie ihr« Streitigkeiten vor dem Gast verbarg I
Daniela war dunkelrot geworden, stand auf und verlieh, ohne ein Wort be8 Abschieds, da, Gemach. Martha Rmmer sah Heidlof bestürzt an und murmelte in töd- sicher Verlogenheit:
»Mein Gott, nun bin ich vielleicht schuld . e .*
.Nein, gnädige Frau. Beruhigen Sie sich. Der Schuldige bin nur ich", fiel ihr Heidlof bitter ins Wort, .ich habe mich gestern abend geweigert, die Ove» ration zu verschieben, um Daniela in Gesellschaft begleiten zu können. Sie verlangte dies als «Ltebezve-
fen Dernstorff nach feiner Abberufung aus Amerika dem Generalstabschef von Falkenhayn folgendes:
.Wenn es Ihnen nicht gelingt, Exzellenz, hie Bereinigten Staaten aus der Koalition unserer Feinde herauSzuhalten, dann haben Sie den Krieg verloren; darüber tarn gar kein Zweifel bestehen/
Don diesem Urteil auf das tiefste betroffen, gab der bamafige Staatssekretär des Auswärtigen Amtes 3a- goro die Anregung, Major Papen solle den in der Berliner Kriegs-Preffe-Konferenz vereinigten Pressevertretern einen Vortrag über diese Dinge halten. Diese Absicht scheiterte aber an dem Einspruch des Majors Nicolai, welcher als Ches der Nwhrichten-Abteilung bei der Obersten Heeresleitung tätig war.
Auch diese aktenmäßige Feststellung gibt uns einen Einblick in die Zusammenhänge, die darauf hinaus- liefen, das Volk blind zu halten, sodaß es mti verbundenen Augen in den Zusammenbruch trieb.
Der Feind im Lande.
Aravzösische Willkürherrschaft im Saargebiet.
Die Kommission für das Saar gebiet verbietet eine Besprechung zwischen den ßanbräten und Bürgermeistern des Saargebiets, die zwecks Aufstellung der Listen für die in 15 Jahren erfolgende Abstimmung über das Saar gebiet abgehalten werden soll. Die .Saarbrücker Zeitung" äußert sich hierzu und sagt, daß die Bevölkerung von dem ü$r zustehenden und verbrieften Rechte unter allen Umständen Gebrauch machen und schärfsten Protest gegen dieses unverständliche Dersammlungsverbot einlegen solle.
Tag für Tag werden Zeitungen verboten, die, ohm eigene Meinung zu äußern, deutsche Ent- Mießungen über die .schwarze Schmach", ja sogar solche, die englische und amerikanische Berichte hierüber veröffentlichen. — Die Regierungskommission hat weiter oerfügt, daß in der Wohnungskommission der Stadt Saarbrücken neben sieben Ausländern nur vier Einheimische sitzen sollen.
fionflitt in der Saarfommiffioa.
Die FriÄtenskonferenz hat verlangt, daß Deutschland den Obersten Lylander aus der Kommission für das Saargebiet abberufe. — Oberst Tylander war zu energisch für tue deutschen Interessen eingetreten. Er hatte sich geweigert, an den Arbeiten der Kommission weiter teilzunchmen, mn dadurch gegen die dem Friedensoertrag widersprechende Grenzziehung zu protestieren. Die Reichsregierung hatte sein Verhalten gebilligt.
Ein Meisterstreich der Einstchr-KMM.
Die „Soff. Zig." berichtet von der eigenartigen Vorgeschichte einer Tuchlieferüng für die Si- cherhettspolizei. Trotz des Angebots des Syndikats der deutschen Tuchfabriken, den notwendigen Stoff für 170 Mark das Dieter zu liefern, haben sich die Ein- kaufsstellen der Sicherheitspolizei entschlossen, den Stoff für 275 Mark, also 105 Start das Meter mehr als von den deutschen Firmen gefordert war, von einer englischen Firma Clellarch zu beziehen. Den Reingewinn der englischen Firma Clelland schätzt man in Kreisen deutscher TextUindustrieller auf mindestens 25 Millionen Mark. Dieselbe Firma Elelland hatte noch im Dezember 1919 einen beträchtlichen Posten dieses Stoffes einer Kölner Firma zum Preise von 65 Mark (fünfundsechzig Mark) das Meter angeboten.
Von der vorgesetzten Dienststelle der Reichswirt- schastsstelle für Textilien, welche die Einsuhrgenehmi- 9JW ^e, Tuchsiefenmg erteilt hatte, ist nunmehr diese Einfuhrbewilligung aetütfgejogen worden. Major Bauer, der Abtesiwrgsvorstand der Beschaffungs» stelle der Sicherheftspofizei, und der kwfmSrmssche ßtf. ter, Direkter Gourdet, sind vorläufig beurlaubt worden.
toeis"^ unb ich lehnte ab. Das verzeiht sie mir mm Er mochte eine ungeduldige Bewegung, att toollte er etwas ton sich schieben. .Denken wir nicht toeiter daran, Ich brauche meine Gedanken, weiß Gott, heute anderswo! Wollen wir gehen?"
«Werden Sie denn nicht vorher frühstücken?"
«Danke. Das besorgte ich bereits unterwegs."
Schweigend folgte ihm Martha Renner. Sie war innerlich noch ganz fassungslos über das Gehörte und begriff auf einmal vieles , . 1
Daniela sah beiden, hinter den Vorhängen beS Schlafzimmers versteckt, nach. Dann eilte sie zum De. lephon und teilte ihrer Mutter mit, daß sie heute kei- nesfalls zu Diez ginge.
Die Hofrätin war ganz außer sich darüber. Sie bestürmte Daniela mit Fragen, konnte aber die unter Weinen und Schluchzen gegebenen Antworten nicht verstehen.
«Ich beschwöre Dich, mein Kind, komme wenigstens srffort zu mir. damit tost unß auSreden", rief sie rasch, «ich selbst tau» ja nicht fort Die Schneiderin sitzt nebenan und vollendet meine Toilette für heute abend Alle Augenblicke ruft sie mich zur Probe ..."
.Schluß!" klang es von der Zentrale dazwischen.
Daniela Tiefe den Schalltrichter fallen.
Ja. Zu Marno! Das war das Beste! Dort wurde sie immer verstanden. Und Mama sollte ihr auch raten. ... ;
10.
Auch im Haushalt des jungen MeifterS gab eS an diesem Margen viel Unruhe.
Roland, der an einem Schauspiel arbeitete und dazu wie gewöhnlich die halbe Nacht geopfert hatte — bei Tag nahmen ihn seine Redaktionsgeschäfte vollauf in Anspruch — fand, al» er nach Mitternacht leise in» Schlafzimmer schlich, Lou mit weit geöffneten Augen fiebernd im Bett liegen.
Sie hatte den Abend mit Bete Hakraenschlag und ein Paa, Bekannten tm Opernhaus verbracht und toat noch ganz wohl gewesen, als fi« heimtanmend eine« Augenblick bei Roland eintrat, um ihm Guienacht zu sagen. . .
Damit war es ganz plötzlich gekommen.
(Fortsetzung folgt)
Deutscher Reich.
** Bersin, 26. Mal. Reichswehrminister Geßl er tft heute, von Wilhelmshaven kommend, in Holtenau eingetroffen und hat sich zur Marinestation zu einer internen Unterredung über Marinefragen begeben. Nach einem Empfang im Kieler Rathaus, an dem der Bürgermeister und die Mitglieder des Magistrats teil- nabmen, erfolgte bann die Weiterfahrt des Reichswehrministers nach Lübeck. — Die deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen in Paris nehmen einen günstigen, wenn auch langsamen Verlauf. — Der sozialdemokratische Genossenschaftssekretär Abg. Weele in Breslau, wurde zum Landrat in Streh- len und der Gewerkschastssekretär Seibold zum Land- rat in Rimvtsch ernannt. — Die Reichsregierung befreite die Abstimmungsgebiete van der Sonderauflage für Me Verteuerung des Getreides. Eine entsprechende Herabsetzung des Brotpreises erfolgt sofort.
* Ein Dementi. Die aus der Pariser Presse übernommene Meldung, eS sei eine Note der deutschen Regierung an die Entente gerichtet worden, die sich mit den Kosten deS Besatzungsheeres befasse, wird an deutscher amtlicher Stelle dementiert. Don einer Forderung der französischen Regierung auf Zahlung von 29V, Millionen Mark für die Maingau-Besetzung ist an zuständiger Stellt noch nichts bekannt.
* Merges auf freiem Fnß. Der auf Beran» lafsung bet Staatsanwaltschaft Hildesheim in Haft genommene Kommunistenführer August MergeS ist wieder auf freien Fuß gesetzt worden.
Der neue Religionslehrplan in Thüringen.
Der Thüringer Lehrerbund hat den von Me^ ningischen Lehrern ausgearbeiteten neuen Reli- gionslehrplan angenommen. Danach werden in den vier untersten Schuljahren nur deutsche Märchen und Sagen, Robinson und die Kindheitsgeschichte Jesu behandelt; in den vier obersten Schuljahren: 1) das Gottsuch en der alten Völker, 2. das Leben Jesu, 3. die Lehre Jesu, 4. bad Gottsuchen des deutschen Volkes.
Auf der letzten amtlichen Lehrerversammlung zu Kamdurg standen die Lehrer allgemein auf dem Standpunkte, daß deutsche Sagen-, Helden- und Dichtergestolten an die Stelle der alten jüdischen zu treten hätten. Nach diesem „Religions"lehrplani wird nun von diesem oder spätestens vom nächstens Jahre an allgemein in den evangelischen Schulew Thüringens „Religionsunterricht" erteilt ■
Katholiken schützt chr wenigstens eure heiligsten Güter und wählt ein starkes Zentrum, da» sie euch schützen Hilst!
Zur thüringische« Landeswahl.
Ä Weife. In der Besprechung des Wahlvor" standes mit dem Bezirksvorstand der Zentrums" Partei des 4 Verwaltungsbezirkes von Sachsen-Weimar wurde gestern beschlossen, für die Landtagswahlen eine gemeinsame Liste mit der Demokratischen Partei aufzustellen. Die Berhand- lungen über die Stelle auf den Wahlvorschlag der Demokratischen Partei sind noch im Gange. Als Bewerber der Zentrumspartei kommt in erster Linie der bewährte Abgeordnete bei Bezirks Herr Lehrer Dotter-Geisa in Frage.
Ausland.
* Aeldmarfchall Doroevlc, einer der erfolgreichsten österreichischen Heerführer im Weltkrieg, ist In Klagen, furt gestorben.
** Die polnische XMteriog*» Die Meldungen von dem gelungenen rnssischen Durchbruch an der Beresina und Dünaburg bestätigen sich. Die Durchbruchsstelle hatte eine anfängliche Breite von 85 bzw. 35 Kiwmetern. Nach den letzten Meldungen wird an der Beresina eine heftige Schlacht geschlagen, in der die Russen bereits Erfolge zu verzeichnen hoben. Auch die Stadt Berdischew ist jetzt von den Polen geräumt worden. Die polnische Front ist dort so ge. schwächt, daß man auch dort einen russischen Durch- bruch befürchtet. Die Polen geben jetzt den Verlust Keiws zu. — Sie scheinen sich mit der mit so großem Tamtam eingelöteten Offensive in die Nesseln gesetzt zu haben. $
* Irland. Ein amtlicher Bericht verzeichnet 100 neue Verbrechen, darunter die Zerstörung von Post.' zeistationen, Angriffe auf Wohnungen und Wegtrei- düng fremden Viehs.
ttnfer Kampf nm die Konfessionsschule.
Für die Wahl stehl die S ch u l f r a g e mit ihren ganzen Ernst obenan. Schulkämpfe hat es schon mehr gegeben, aber noch keiner hatte die Bebeutung des kom! menden.
Dank der Arbeit des Zentrums ist es zwar gelun gen. in der Berfaflung die ftonfeffionafd^uli zu sichern. Es gelang, obwohl die Anhänger der tonfef stonslofen Schule in der Nationalversammlung du Mehrdeit besitzen. Das ist die wertvollste Frucht dm vielgeschmähten Beteiligung des Zentrums an dei Koalition. Wenn das Ze^rum durch feinen Eintritt in die Koalitionsregierung nichts erreicht hätte als die«, hätte es schon darum unbedingt in sie eintreta* müssen. Hätte sich das Zentrum an der Regierung nicht beteiligt, dann wäre die konfessionslose Schule und damit auch die religionslose Schule absolut sicher in die Reichsverfassung aufgenommen worden.
Die Arbeit für die Konfessionsschule wurde dem Zentrum leider erhedllch erschwert durch das Verhallen anderer Parteien: die erste Verständigung mit der 60* lialbemofratie brachte den weitgehendsten Schutz der Konfessionsschule; da waren es Demokraten, Deutsche Lolkepartei und namentlich die Deutschnationalm, denen dies zu wett ging. So war das Zentrum zu einem werteren Nachgeben gezwungen. Die Deusschnationale« haben für den Schutz der jkonfefflonsschule nahezu nichts getan; sie sind sogar dem Zentrum hierbei in den Rücken gefallen.
Durch die Verfassung ist aber mm erst der G r u n d- satz der Kankessionsschule festgelegt, die eiaentllchen