>er. lese lrch m*
M NS.
«amsta,, 22, Mai 1920.
--- Fuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer Aetieadrnckerei w Fulda.
ms in
hen nie eilt ien
er. im an, on ei!
cg; er-
or. em ub Int aff:
cn.. :n., 1. in m« n.
en
K«
,u Mt !i. ie !lt ch ?.
?« in Em tr el 0
t« t«
S n n d
9
« l»
> > rt
it
r 1 i
i
t
t
v
।
Woran krankt das deutsche Volk?
Daß der deutsche Volkskörper krank ist, das braucht man nicht weiter auseinanderzusetzen. Wan denke nur an die nie so wie jetzt verbreitete all- gemeine Unehrlichkeit, an die wahnsinnige Vergnügungssucht, an die Fieberschauern, die kürzlich das Herz unseres wirtschaftlichen Lebens, das Ruhrgebiet, erschütterten, und man wird erkennen, daß ein ge- fähriicher Bazillus im Blute des deutschen Volkes kreisen muß, der seine Lebenskraft vollständig zu zer- lütten droht.
Wo steckt der Erreger dieser lebensgefährlichen Erkrankung? Gewiß ist der Krieg mit allem, was er mit sich brachte, die Revolution mit ihren äußern und inneren Erschütterungen, der Gewaltfriede von Versailles mit seinen Forderungen nicht unschuldig an dem gegenwärtigen Zustand des deutschen Volkes. Alle diese Umstände aber waren nur die äußere Veranlassung dazu, daß der innere Krcmkheitsstoff zum vollen Ausbruch kam. Ein Mensch, der innerlich gesund ist, wird vieles ohne Schaden überstehen, dem ein innerlich kranker Mensch zum Opfer fällt. Das deut- sche Volk hätte auch diese schweren Zeiim überstanden, wäre der Volkskörper innerlich gesund gewesen. Er war aber innerlich erkrankt und so ist es kein Wunder, daß es diese Gewaltkuren nicht aushielt und erschöpft zusammenbrach, daß es eine Krisis durchmacht, von der man nicht weiß, ob sie nicht seine vollständige Auf- lösung, die Erschöpfung aller seiner Kräfte und den Untergang herbeiführen wird.
Diese innere Erkrankung des deutschen Volkes ist eine Erkrankung des deutschen Geisteslebens, der deutschen Seele.
Sie besteht in einem grundlegenden Irrtum m der Auffassung des ganzen Lebens. Christus hat als Lebensprinzip für den einzelnen Menschen wie auch für die Gemeinschaft der Menschen, die Gesellschaft und den Staat, aufgefteflt: „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechigkeit!" Das Christentum legt also den Hauptwert auf die E w i g k e i t s z i e l e und setzt das Irische erst an die zweite Stelle. Es vernachlässigt das Irdische keineswegs, aber es macht es nicht zum alleinigen, zum Endzweck des ganzen Lebens. Anders der moderne Mensch, vor allen Dingen der vom Sozialismus erfaßte Proletarier. Er stellt als Lebensprinzip auf „Suchet zuerst den wirtschaftlichen Fortschritt, das Irdische, ja suchet dieses allein, denn es gibt nichts Ewiges, kein Jenseits."
Diesen falschen Grundsatz sehen wir zuerst in die Erscheinung treten in der heidnischen Ausgestaltung des Kapitalismus, dem Mammonismus der Reichen, der nur an möglichst großen finanziellen Ge- roinn dachte und die ewigen christlichen Grundsätze im wirtschaftlichen Leben und Streben, vor allen Dingen den Grundsatz der Nächstenliebe auch den Arbeitnehmern gegenüber vollständig außer acht lleß. Diese materialistische Gesinnung des sog. Kapitalismus ober Mammonismus erzeugte als Gegendruck einen Mammonismus und Materialismus der Besitzlosen. Und dieser Geist organisierte sich in der sozialdemokratischen politischen Partei und den sozialdemokratischen sogen, „freien" Gewerkschaften. Man frage nur einmal einen überzeugten Sozialdemokraten: „Was willst du eigen!« lich, was ist dein Hauptzweck und Ziel", und man wird von ihm die Antwort bekommen: „Ich will meine wirtschaftliche Lage verbessern, ich will es bester, ja ich will es „sehr gut" haben auf dieser Welt; denn es gibt ja nur ein Diesseits; und den Himmel lassen wir den Engeln und den Spatzen." Die Luft, die einer im sozialistischen Lager einatmet, ist von materialistischem Dunst vollständig durchschwängert; und je mehr man darin lebt, desto mehr verliert man alle Ideale und versinkt im rohesten Materialismus. Wer die Schriften der Sozialdemokratie kennt, der weiß, wie der Diesseitsgedanke alles bei ihr beherrscht und durchdringt. Ja, der Jenseitsglaube und die 3en= seitshoffnung wird vom Sozialismus als der grimmigste Feind des sozialen Fortschrittes gehaßt und bekämpft. Der Fanatismus, mit dem man gegen Religion und Christentum vorgeht, entspringt zum großen Teil dieser Erwägung.
Nur so erklärt sich auch die Verzweiflung und die innere Wut, die jetzt die sozialistischen Arbeitermasten
Unpolitische Zeitläufe.
Von Fritz Nienkemper.
Berlin, 18. Mai 1920.
P fing st malen oder Trauerweiden?
Seit sechs Fahren können wir das Pfingstfest nicht wehr in gewohnter Freude und Frische begehen. Erst drückten die Mühen des Krieges; dann aber, als wir aufatmen wollten, drückten noch schwerer die Lasten und Leiden des schrecklichen „Friedens".
„Nächstes Jahr wird's bester sein", sagten wir uns jedesmal. Und im nächsten Jahr mutzten wir seufzen: Noch ebenso schlimm; ja, noch schlimmer!
Hoffnungsgrün leuchten die Maien rings umher; doch in unserm Ohr widerhallt die Klage der Israeliten, die in die Gefangenschaft geschleppt waren. An den Wassern von Babylon, da satzen sie und weinten sie mti? hängten ihre Harfen an die Weiden! — An die Trauerweiden.
Ja, es ist die bittere Zeit der Trauer, der Tränen, der Klagen.
Wo bleibt die Hoffnung?
Der Ungläubige mag verzagen und verzweifeln. Der ^hrist weiß, daß die Heimsuchung von oben gekommen ist und auch das Heil von oben kommen wird.
Die Verheißung des Trösters trügt nicht. Tas Pfingstfest versichert uns aufs neue, daß der Berater und Helfer, der heilende Arzt der kranken Welt, der ®eift der Erneuerung und des Wiederaufbaues die Menschheit nicht im Stiche läßt.
Pflanzet frische Maien auf mit hellgrünen Blättern, °>e aufwärts streben. Schmücket die Pforten und er. füllet die Herzen mit Hoffnung, denn da? Heil ist unser trotz alledem!
*
Wo wurzelt denn das Elend auf Erden?
Die Natur grünt und blüht, wie es sein soll. Vielfach sogar schöner und üppiger, als in Durchschnitts, jähren, die Naturkräste tun ihre gewohnte Schuldigkeit Dre Menschen könnten sich satt essen und in Frieden «chinleben, wenn sie nur vernünftig wären. Tas ganze furchtbare Unheil ist nur den Torheiten und Lei- denfchaften der Menschen entsprungen. Me Adams- kinder, die da leiden und klagen, müssen an ihre Brust schlagen und bekennen: Wir sind des eigenen Unglücks Schmiede.
Denn ein Kind durch seine dummen und tollen Streiche in Not kommt, ruft es: Vater, hilf! Der ^wige im Himmel muß noch viel mehr Liebe und Ge- duld haben, wie ein irdischer Vater. Millionen von un. gelehrigen und trotzigen Erdenkindern reihen sich von fefaa väterlichen Hand los und wollen auf eigene Faust
ersaßt hat und sie schier zum Wahnsinn treibt Sie haben unter dem Einfluß der seichten, materialistischen Aufklärung ihre ganze Hoffnung auf das D i e s s e i ts gestellt und sehen sich nun bitter enttäuscht, um alle Hoffnung auf lange Zeit, vielleicht endgültig, betrogen. Millionen sind gegenwärtig in dieser seelischen Verfassung. Kein Wunder, daß dieser Bazillus auch die Gefahr der Ansteckung für solche Kreise mit sich bringt, die tn Berührung mit der Sozialdemokratie kommen und das sind in Deutschland bei der weiten Verbreitung der Sozialdemokratie schließlich alle Volksklassen, auch diejenigen, die man noch als ch ristich bezeichnen kann. Wir finden darum heute in unserem ganzen deutschen Volk eine mehr oder weniger starke Betonung des irdischen Reiches und seiner Güter, des Materiellen, im Gegensatz zu dem Reiche Gottes, dem Christentum und feinen hohen Zielen, dem ewigen Glücke im Himmel. Die Vereine und Gemeinschaften, die religiös-kulturelle und geistige Ziele verfolgen, treten mehr und mehr in den Hintergrund und die rein wirtschaftlichen Verbände nehmen immer mehr das öffentliche Interesse in Anspruch und drohen die ersteren zu verdrängen. Die sozialdemokratische Partei mit ihrer 50jährigen Agitation, in der sie für das Christentum, den Gottesglauben, das Jenseits nur Spott und Hohn hatte und immer nur vom „Himmel auf Erden", dem sozialen Fortschritt und den wirischaftsichen Errungenschaften redete, hat große Teile der Arbeiterschaft in den ödesten Materialismus hineingetrieben. Es verfing nicht mehr bei ihnen, daß man ihnen sagte, die Sozialdemokratie sei eine Gefahr für ihren Glauben, man erhielt von ihnen immer nur die Antwort: „Ich will meine wirt- fchaftliche Lage verbessern." Die Diesseitsforderungen beherrschen die Lage. Sie werden an erster Stelle erstrebt, auch um den Preis der Ewigkeitsforderungen. Wir sehen, tfeie die heutige Welt den Grundsatz des Heilandes: „Suchet zuerst das Reich Gottes und feine Gerechtigkeit, alles übrige wird euch zugegeben werden," vollständig verwirft und einem neuen Lebensgrundfatz huldigt: „Suchet allein das Glück auf Erden, denn ein anderes gibt es nicht."
Die Auswirkung eines so falschen Grundsatzes muß notwendig Katastrophen über die Menschheit und Völker bringen. Wenn die Menschheit nur im Irdischen ihr Glück sucht und erstrebt, kann sie es eben überhaupt nicht finden, weil die irdischen Dinge niemals eine Menschenseele und noch weniger eine ganze Volksseele restlos glücklich machen können. Die Menschheit muß sich wieder an das Wort des größ- Menschenkenners, Menschenfreundes und -lehrers erinnern: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, an seiner Seele aber Schaden leidet?" Hier haben wir die Lösung des großen Rätsels und des Riesenjammers, den wir gegenwärtig in unserem Vaterlande erleben. Aus unsere Verhältnisse übertragen lautet dieses Heilandswort: „Ihr Toren, chr glaubt mit Lohnforderungen allein, mit Verbesserung der äußeren Verhältnisse, mit gerechterer Verteilung der irdischen Güter allein der gegenwärtigen sozialen Schwierigketten Herr zu werden; es nützt dem Menschen für sein Glück nichts, wenn er an materiellen Gütern alles gewinnt, aber feine Seele, fein Glauben und feine sittlichen Kräfte vernachläs. figt werden." Will man aus dem Elend unserer Zett heraus, bann muß man endlich einsehen, daß die erste und Hauptaufgabe darin befiel)en muß, die Seele des Volkes, die schwer erkrankt ist, einer Gesundung und Kräftigung entgegenzuführen. Es bleibt eben wahr, roas Napoleon gesagt hat, daß man kein Volk groß machen könne ohne Seelenkuttur, ohne Religion. Man mag die äußern Verhältnisse noch so sehr verbessern, noch so glänzend gestalten, wenn man Menschen mit kranken Herzen und erstorbenen Seelen hineinfetzt, wird man zu einem wahren Glück, zu dauernder Gesundung des Volkes und des Wirtschaftslebens niemals gelangen. Reform von innen heraus, Revolution des Geistes allein kann uns das Heil bringen, nach dem das deutsche Volk millionenstimmig ruft. Zurück zum Glauben unserer Väter, zurück zum praktischen Christentum, zurück zu den Lehren des Heilandes — das ist das einzige Mittel zur Rettung.
glücklich werden. Sich ausleben, tote die moderne Redensart lautet.
Sie leben und streben vermessen drauf los, big die Ruinen über sie zufammenfchlagen. Im verheerenden Kriege lassen sie ihre Zerstörungskünste glänzen. Dann recken sie mit großartiger Geste ihre Arme zum Wiederaufbau und da versagt jämmerlich die menschliche Weisheit und Kraft. Was die Weltweifen Wiederherstellung nennen, schafft nur Tranen, und was sie Frieden nennen, ist hie Fortsetzung der grausamen Feindseligkeiten.
Der Menschengeist verwirrt und verdirbt das Angesicht der Erde. Der Geist Gottez mutz kommen, um die Verheißung zu erfüllen von der Wiedererschaffung ustd der Erneuerung des Antlitzes der Erde.
Die Menschheit stützt vor der engen Wahl: entweder wieder christlich zu werden oder in der modernen Sintflut unterzugehen.
Die Pforten der Hölle sind in diesen schrecklichen Jichren so weit geöffnet worden, wie kaum jemals in der Vorzeit. Aber die Verheißung lautet, daß sie die Kirche nicht überwältigen werden. Wer davon durch- drungen ist, läßt die Hoffnung auch im ärgsten Elend nicht sinken.
Der Geist Gottes, schwebt hilfsbereit auch Wer dem Sumpf, in den Uns der verblendete Menscbenaeist ver- lockt hat.
*
Wann wird die Rettung kommen?
Ungeduldig, wie wir sind, möchten wir mit den Jüngern am Himmelfahrtstage fragen: „Herr, wirst du wohl in dieser Zeit das Reich Israel Herstellen?" Da sprach er zu ihnen: „Es steht euch nicht zu, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat; aber ihr werdet meine Zeugen sein bis an die Grenzen der Erte."
Der Ewige rechnet nicht nach der Uhr der kurzlebigen Menschen. Tausend Jahre such vor ihm wie ein Tag. Wir haben den Verlaus des Weltplans ab- zuwarten und im5 damit zu begnügen, daß die himm- lische Geisteskraft uns befähigt, Zeugnis zu geben von der Wahrheit und zu handeln nach der Gerechtigkeit.
•
Das Unglück ufr Welt dürfen wir nicht ausschließlich den Ungläubigen aufladen. Mitschuldig ist auch die Schwachheit ker Gläubigen. Sie haben es nur zu sehr an dem Zeugnis fehlen lassen, das der Erlöser von ihnen gefordert und das mutige Auftreten der Apostel ihnen vorgebildet hatte.
Ihr sollet meine Zeugen fein, nicht bloß in der Wohnstube oker im Tempel, fondern im ganzen öffent- sichen Leben: in der Werkstätte, in der Versammlung hn politische« ßftriebe.
Die Partei aber, welche allem für diese innere Heilung des Volkes, für Religion und Christentum und wahre Seelenkultur, für konfessionelle Schule und innere Verbindung zwischen Staat und Kirche, für Durchdringung des ganzen öffentlichen Lebens mit dem christlichen Geiste eintritt, ist das Zentrum. Wer es ehrlich meint mit dem Wiederaufblühen unseres Volkes, der trete jetzt in der Wahlzeit ein für diese Partei des Idecckismus.
Die Zweifler und Verneiner pflegen ihr Mundwerk und ihr Schreiblverk eifriger auszunützen, wie bie Gläubigen. Das ist nicht richtig. Am wenigsten in dieser „demokratischen" Zeit, wo jede Richtung bewertet wird nach der Zahl und dem Eifer ihrer Bekenner.
Gerade jetzt, in der Zeit vor Pfingsten und Fronleichnam, ist die beste Gelegenheit, Versäumtes nachzuholen.
Mz Wähler gib Zeugnis davon, daß du zu den Anhängern des rechten Geistes gehörst. Bekenne deine christliche Weltanschauung. Nicht nur in dem Stimmzettel im verschlossenen Umschlag, sondern auch im Verkehr mit den anderen Wählern durch Zuspruch, Anregung, Hilfeleistung.
Zum Märtyrer fehlt wohl die Heldenkraft. Aber zum Bekenner eignet sich auch der Durchschnittsmensch, wenn er nicht gerade ein Feigling ist.
Katholische Arbeiterschaft und Zentrum.
Auf dem außerordentlichen Derbandstag der katholischen Arbeitervereine Westdeutschlands in Düsseldorf, über den wir schon berichteten, hat Derbands- sekretär Albersmann einen bemerkenswerten Vortrag über die parteipolitische Stellungnahme der katholischen Arbeiter gehalten. Er führte u. a. aus:
Dantbar wollen wir anerkennen, was die Zentrumspartei an positiven Erfolgen erreicht hat: Freiheit der Re- ligionsgesellschasten, Glaubens- und Gewissensfrechett aller Bürger, staatlicher Schutz ungestörter Religionsübung, Vorrecht der Ellern über die Erziehung ihrer Kinder zu bestimmen, Aufrechterhaltung der christlichen Schule und konfessionellen Erziehung. Der demokratische Geist wird die politischen Gegensätze nicht mildern, aber er soll bewirken, daß die Kämpfe sich in einer duldsamen Form vollziehen. Keine Staatsform braucht mehr sozialen Ge- meinschaftsgeist wie die Demokratie. Ist auch der innere und äußere Glanz geschwunden, der unser Volk zusam- menhielt, so muß dennoch auch heute noch wieder ein starkes nationales Leben alle Volksschichten durchfluten. In der gegenwärtigen schweren Not müssen wir zu einem Volke zusammenwachsen. Das ChristeMum steht zwar über jeder Staatsform, aber es adelt und veredrll den Staatsgeöanken und gibt der staatlichen Autorität die höchste Weihe. Auch die wirtschaftlichen Gruppen haben sich heute mehr denn je bewußt zu sein, daß eine Parier nicht ohne Rücksicht auf die anderen und das Dolksganze handeln kann. Wir Arbetter haben weitestgehendes Verständnis für bte Lebensnotwendigkeiten der Partei. Für den Einfluß in der Partei ist nicht allein die Zahl der Vertreter, die ein Stand in sie hineinschickt, ausschlaggebend, sondern in erster Linie darauf kommt es an, ob die Vertreter der Stände ihre Gedanken, Bestrebungen unb Wünsche am Gesamtwohl messen. Das setzt voraus, daß die Derireter wirkliche Politiker sind, die die Wett nicht nur durch die Standesbrille suchen.
Nach dieser Formulierung unserer Gedanken über den Geist, der im neuen Staatsleben herrschen soll, kommt die Frage, mit welcher und in welcher Partei können die Arbeiter ihre Betätigung finden. Das Zentrum hat im allgemeinen unseren stets auf das Gesamtwohl eingestellten Wünschen und Forderungen entsprochen, und wir sagen trotz früherer gelegentlicher Beanstandungen: Wir stehen zum Zentrum und werden es verteidigen mit aller Macht. In richtiger Erkenntnis und klarer Weitsicht hat das Zentrum die Front der Mitte mit gebildet. Es war richtig von der Fraktion gehandelt, daß sie enischloffen versuchte, die christlichen Gedanken im Rahmen des Möglichen dmchzusetzen. Die weitblickende erfolgreiche Arbeit des Zentrums ver- pflichtri uns zu hohem Dank. Auch zur Wiederbelebung des Wirtschaftslebens hat die Arbeit der Fraktion zu ihrem Teil beigetragen. Wenn die katholischen Arbeitervereine sich so zu Verteidigern der Partei- und Fraktionspolitik machen, haben wir auch das Recht, die Kritiker abzu- 'chütteln. Was neuerdings von feiten der sog. Zentrums- Reformer in Köln sich ereignet hat, war vorauszusehen. Aber dauernd schaden kann es der Partei nicht. Diese Leute gehören nicht zum Zentrum, das sind keine ehrlichen Demokraten und keine sozialen Männer nach dem Dorbilde Emanuel von Kettelers. Wir lehnen mit aller Entschiedenheit eine Arbeiterpartei ab. Im demokratischen Staat ist eine Standespartei nicht berechtigt und der Arbriterstand, der sich selbst einordnen muß, muß aus die Dittatur, die ihn einst bedrückt hat, verzichten. Die Zentrumspartei ist eine Partei auf demokratischer Grundlage und in ihr wollen wir als christliche Arbeiter uns mit unseren Ideen durchsetzen. Das Slte auch von den Anhängern der anderen Stände, ittelstänbler, Bauern usw. erstrebt werden. Hätten die Arbetter in der vergangenen Zett, als sie mit ihren Ideen und Forderungen unter dem Zwang der Zahlenstärke der Parteien im Parlament nicht durchdrangen und Hütten sie kurzsichtigerweise Polltik als Standespartei getrieben und sich vom Zentrum abgesondert haben, so würde sein Einfluß zum Schaden des Ganzen empfindttch geschmälert und der Bestand der Partei stark bedroht gewesen sein. Die Arbeiter haben die Partei nicht verlassen und werden auch jetzt mit ih r und für sie gegen ihre Feinde und gegen die Kurzsichtigkeit von Ein- zelmitgliedern kämpfen. Mit aller Kraft gehen wir an die
Das all einsichtigste ist das Handeln nach dem Bekenntnis. Wenn alle, die sich Christen nennen, wirk- lich christlich lebten, würde die Menschheit jetzt nicht in dem furchtbaren Elend stecken.
An den Triefen de? Weltapostels Paulus finden sich herrliche Stellen, die für unz überaus zeitgemäß sind. So schreibt er an die Galater über das Leben im Geiste:
„Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder. Machet aber ja die Freiheit nicht zmn Anlaß für das Fleisch, sondern dient einander durch die Liebe des ®eifte3. Wenn ihr euch gegenseitig beißet und fresset: gebt acht, daß ihr nicht ganz voneinander aufgezehrt werdet.
Wandelt nach dem Geist, so werdet ihr dez Fleische? Lüste nicht vollbringen. Tie Frucht deS Geistes aber ist:
Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Güte. Langmut, Sanftmut, Treue, Bescheidenheit, Enthaltfamkit, Keuschheit.
Wenn wir im Geiste leben, lasset irnS auch im Geiste wandeln. Lasset unz nicht lüstern fein nach eitlem Ruhm, nicht herausfordernd und neidisch gegeneinander.
Täuschet euch nicht: Gott läßt seiner nicht spotten. Denn was jemand säet, daS wird er auch ernten. Wer auf fein Fleisch säet, wird van dem Fleisch auch Verderben ernten; wer aber aus den. Geist säet, der erntet von dem Geiste ewiges Leben."
In die gegenwärtige Zeit der Bedrängnis und Not passen besonders die folgenden Schlußworte deSApostels: „Lasset uns Gutes tun, ohne zu ermüden, denn zu feiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht Nachlassen. So lange wir also Zeit haben, laßt uns allen Gutes tun, zumal den Glaubensgenossen." So spricht der Geist der Liebe, bet die kranke Welt heilen wird. Ehre und Segen dem, her habet nach seinen schwachen Kläftgn Mftt
Arbeit sm unser« Ideen und Gedanken in der Partei; aber auch in den Kamps für ihre Politik und sagen: Wir werden kämpfen für die demokratische Zentrumspartei, für den christlich-sozialen Geist in ihr und die großen nationalen und kullmellen Ausgaben, die wir mit ihr zu lösen kraftvoll entschlossen sind. (Starker Beifall.)
Derdarrdstag der christlich-nationalen Landarbeiter in Berlin.
Am 2. Verhandlungstagr des Derbandstages der Forst-, Land- und Weinbergsarbeiter Deutschlands (vgl. Nr. 115) sprach der Abg. Behrens über „die Land- wirtschaft im Zeichen der Zwangswirtschaft". Für ins Kriegszeit etffumie Behrens die Zwangswirtschaft als eine Notwendigkeit an, jetzt aber sei es eine Lebensfrage ür die Landwirtschaft, einen planmäßigen und beschien- nlgten Abbau der Zwangswirtschaft vorzunchmen, um Steigerung der Erzeugung und dadurch bessere Ernah- rungsverhältnisse zu erzielen. Behrens begrüßte bte Po- litik des neuen Reichsministers für Ernährung und Land- wirtschaft Dr. Hermes ,der endlich alle Mittel zm Hebung und Förderung der landwirtschaftlichen Erzeugung auch durch eine den Gestehungskosten Rechnung tragend« Preisgestaltung anwenden wolle. Es wurden mehrere Anträge angenommen. Dor allem nahm der Derbandstag gegen die landarbeiterfeindliche Hallung der sozialdemokratischen Parteien in den Parlamenten Stellung.
Am Vortage des letzten Verhandlungstages, sprach Gattermann vom Derbandsvorstanü über di« „Arbeitsgemeinschaften und Tarifpolitik in bet Landwirtschaft". Der schwierigste Punkt in den landwirtschaftlichen Tarifverträgen sei die Regelung der A r b e i t s z - i t. Solange in allen Industrie- und Gewerbezweigen der Acht- stundentag gilt, könne man von den Landarbeitern keinen Elfstundentag verlangen. Andererseits seien die Arbeits- gemeinschaften notwendig, um einen gesunden Interessenaustausch zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer herbei, zusühren und gemeinsame Berufsinteressen wahrzunehmen. Der Klassenkampf müsse endlich aufhören. Heber die Wohlfahrtseinrichtungen des Zentralverbandes berichtete deren Leiter, Herr Wilke. Es ist eine Sparabtettung, eine Warenversorgungsabteilung, eine Versicherungsabteilung (Volksversicherung, Diehschädenkaffe usw.) und eine Derlagsabtettung eingerichtet. Die Versorgung der Mti- glieder mit billigen Bedarfsartikeln ist bereits im Gange. Zum Schlüsse wurde noch eine starke Erhöhung der Beiträge und Unterstützungen beschlossen, und der Name des Verbandes in „Zentralverband der Sandor- beiter" umgeändert.
aus dem Nachbargebiet.
0 Bon der hohen Rhön. Unter der Schafherde der Gemeinde Fladungen ist nach Mittellung deS Bezirksamts Mellrichstadt die Maul« und Klauenseuche amtstierärztlich festgestellt worden. Die Herde befindet sich auf den Fladunger Weideflächen der hohen Rhön und wird daselbst unter Weidejperre gehalten.
© Hanau. Zu den Ausgrabungen am Salrs- berge bei Hanau, die unter Leitung des bekannten Limesforschers Prof. Gg. Wolff aus Frankfurt stattgefunden haben, wurde in der Jahresversammlung des Hananer Geschichtsvereins betont, daß das auf« gedeckte Römer bad für die archäologische Wissenschaft von hoher Bedeutung sei, in technischer Hinsicht sogar einzig dastehe. Die Stadt Hanau hat zu den Ausgrabungen einen Zuschuß von 5925 Mark gewährt.
mc Frankfurt a. M. Der Kampf um die Elte rn« beirotswahlen an den höheren Schulen hat mit Macht eingesetzt. An den meisten Schulen liegen zwei Listen aus, eine christlich-neutrale und eine sozialistisch-politische. Zwei Schulen haben es sogar zu einer kommunistischen Liste gebracht.
Zur Frage der Hafervewirtschastung.
Von amtllcher Seite wirb uns geschrieben:
Im laufenden Wirtschaftsjahre hat die Regelung der Haferbetoirtschaftung zu den größten Schtoierigkei» ten geführt. Bekanntlich sollten die Landwirte je Morgen 1,4 Ztr. als sogenannten Pflichthafer zum Preise von 20,75 Mk je Ztr. abliefern. Der Rest stand den Landtoirten alsdann zur freien Verfügung; er konnte im freien Verkehr abgesetzt werden und unterlag der freien Preisbildung.
Die Folge war eine mangelhafte Ablieferung deS Pflichthafers und eine unheimliche Preistreiberei auf
Kleines Feuilleton»
— Das neue Heim des früheren deutschen Kaisers, Schloß Doorn bei Utrecht, ist ein großer, aber in feiner Anlage ziemlich schlichter Herrensitz, der durch Naturschön eiten ausgezeichnet ist. Er prawttert sich nicht aufdringlich der Oeffentlichkeit, und ist nicht zum wenigsten wohl deshalb von dem einstigen Herr- -cherpaare erworben worden. Der Hofstaat ist nur von bescheidenem Umfange und hat in dem neue» Wohnsitz ebenfalls Unterkunft gefunden. Seine Besitzung Achtlleion aus der griechischen Insel Korfu hat der Kaiser noch behalten, er hat wohl noch nicht alle Hoffnung aufgegeben, es später wieder besuchen zu können. Ta es während deS Krieges als Entente* * Lazarett diente, werden wohl noch mancherlei Reno- vterungSarbeiten getroffen werden müssen. liebet die Herrschaft Urville in Lothringen sind die Auseinandersetzungen mit der französischen Regierung noch nicht abgeschloffen. Der Privatbesitz des Kaisers in Preußen, Kabinen, Rominten usw., gehört zu de» Gegenständen des Abkommens mit der republikanischen Regierung in Berlin. Das frühere Ministerium Hirsch-Südekum hatte bekanntlich eine Vorlage für den preußischen Landtag ausgearbeitet, die aber keine Zustimmung sand. Die Sache „schwebt" also. ns.
— Me lief reichen die Wurzeln von Feldsrüchlen? Daß die Säume ihrer oft beträchtlichen Größe und Stärke wegen zumeist Wurzeln haben, die sich tief in die Erde versenken und durch eine ausgedehnte Verbrettung für den nötigen Halt sorgen, ist allgemein bekannt. Kann man doch in allen alten Wäldern oft darüber interessante Beobachtungen machen. Wie tief aber bringt z. B. ein Getreidehalm mit seiner Wurzel in den Erdboden hinein, oder eine Bohne, Erbse usw.?. Davon bekommt man nichts zu sehen. 3m allgemeinen nimmt man eine nur sehr mäßige Tiefe an, etwa 20 bis 30 Zentimeter, weil man sich sagt, daß bei einer solchen Länge der Wurzeln die Pflanze hinreichend ernährt wird. Die Wissenschaft hat eingehende Untersuchungen vorgenommen und ist dabei zu überraschenden Resultaten gekommen, die allerdings je nach der Art der Bodens und seines Feuchtigkeitsgehaltes ver- schieden waren. So hat man z. B. einmal in einem Roggenfeld eine Grube mit senkrechten Wänden gegraben und das Erdreich beiderseits dieser Wände mtt Hilfe einer Blumenspritze vorsichtig abgewaschen, um die Getreidewurzeln freizulegen. Dabei stellte sich heraus, daß die Wurzeln ein filzartiges Geflecht zartester Fasern bildeten und bis 1,25 Meter in die Tiefe reichten! Derselbe Lllü und durchschnittlich dieselbe Tiefe