)
-
tat 16. kw
eb. k
in.
m- cr» Dt.
?.
itt.
ent '96
I
I
j:
lj.
n«
L
n
ds
l
ie
?. fein et
L
r« it» n
l.
3 i
s, !N M it lk
l» ¥ H 1« t, n
S
1
t
3
I
Fuld aerZeitung
Nr. IIS.
Verantwortlich für den redattionellrn Teil: Earl Schütte, :: für die Anzeigen: I. Parze Iler-Fulda. u
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actirndruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. S. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung
Samstag, 22. Mai 1920.
Bezugspreis: Monatlich 2,00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns obgeholt 2,10 Alk. Anzeigenpreis: DieKleinzeile (Colonelmatz) 50 pfg„ u. 10'1, Zuschlag, dir Retlamezeile (Texibreite) 1.50 Alk., u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.
47. Zahrg.
Das GeSurtssest der Kirche.
Not und Angst ringsum in der Welt, aber doch ein Lichtblick zu Pfingsten für den trostsuchenden Christen: Wenn alle weltliche Herrlichkeit wankt und stürzt, so steht doch fest und frisch die Kirche da, die vor fast 1900 Jahren als Werkzeug des himmlischen Geistes auf Erden begründet wurde.
Dieser Ausgang der jüngsten Weltwirren macht einen wunderbaren Eindruck, wenn man sich erinnert, n>ie die kirchcnfeindliche Freimaurerei rnilze- wirkt hat bei der Anfachung des Kriegsfeuers, — wie die siegenden Machte sich förmlich verschworen hMen, den Einfluß des Oberhauptes der Kirche lahmzulegen, — und wie in der nachfolgenden Revolution die religionsfeindliche Sozialdemokratie obenauf kam. Alles das hat der Kirche nicht schaden können. Im Gegenteil: sie hat an Würde und Kraft gewonnen, während ihre Neider und Gegner trotz äußerlicher Augenblickserfolge immer mehr die Unzulänglichkeit ihrer Kraft erkennen müssen.
Der Gegensatz zwischen der Freimaurerei und der kirchlichen Autorität trat besonders scharf hervor^. in Italien, in der Umgebung des Vatikans, und manchen beschlich uns zeitweilig die Furcht, daß die dortige Kriegshetze zur Vertreibung des Papstes aus Rom führen könnte. Aber was sehen wir jetzt in Italien? Das Staatsruder ist nicht mehr in den Händen der Freimaurer: bei den Wahlen hat die katholische Volks- partei einen überraschenden, überwältigenden Auf- frfjmung genommen: das Oberhaupt der Kirche steht gefriert und einflußreicher da, als zuvor, und gerade von der italienischen Regierung ist der Anstoß gegeben worben zu der versöhnlichen, friedlichen Weltpolitik, die an die Bestrebungen des heiligen Stuhles sich anschlieht. Die vom christlichen Geiste beseelte und mit großer Weisheit durchgeführte Friedenspolitik des Papstes behauptet schließlich das Feld; nicht nur m Italien, sondern in der Welt überhaupt.
Die Machthaber, die sich verschworen hatten, die neue Weltordnung ohne oder gar gegen die, Kirche durchzuführen, bekommen die Grenzen ihrer Kraft immer deutlicher zu spüren. „ Was sich jetzt ab- spiell in der hohen Politik, ist das mühselige Ringen der Väter des „Gewaltfriedens", ihr heilloses Machwerk noch eine Weile aufrecht zu erhalten trotz der verderblichen Wirkungen, die in den Wirren und Nöten der Menschheit von Tag zu Tag sich häufen. Das prah- lerifche Aushängeschild dieser Weltweisheit war der „Völkerbund". Diese Herrlichkeit steht noch immer auf dem geduldigen Papier. Die Tatsachen zeigen uns Wlkerspaltung und Völkernot. Wer mit sehnender Seele einen Friedensbund der Menschen sucht, kann nur seine Hoffnung setzen auf die Kirche, die in ihrer bewährten universalen Organisation die Grundlage bietet für ein brüderliches Zusammenleben der Men- schen im Geiste der Gottesfurcht und der Nächstenliebe.
Aus dem Zusammenbruche am Ausgang des Krieges entstand bie Gefahr, daß die Sozialdemokratie mit ihrer vrogrammatischen Religionsfeind, schäft und Gottlosigkeit die kirchlich-sittlichen Interessen vergewaltigen könnte. In Deutschland wurde in dieser Ansicht ein Entscheidungskampf bei den Nationalwahlen im Januar 1919 ausgetragen, und sie brachte einen glücklichen Erfolg, da die Diktatur der RlÄikalen obgewehrt und die Möglichkeit geschaffen wurde, mit Hilfe dec Nationalversammlung wertvolle Sicherheiten für die religiösen Interessen zu schaffen, insbesondere auch auf dem Gebiete der Schule. Die bevorstehenden Neichstogswahlen müssen ein Ergebnis haben, daß der weitere Ausbau auf den gegebenen Grundlagen erfolgen kann.
Wie sehr das Ansehen des Oberhauptes der Kirche gestiegen ist, zeigt sich in der Entsendung von offiziellen , oder vorläufigen Vertretern beim hl. Stuhle, die auch von solchen Staaten entsandt werden, die früher dem Papsttum die Anerkennung grundsätzlich versagten. Die
Fordernde Liebe.
Roman von Erich Ebenstein.
15] ----------
Danielas weit geöffnete Augen ruhten starr aus tym.
„Das willst Du tun?" fragte sie abwesend. „So ungeheuer wichtig ist Dir dieses junge Mädchen? TaS fiel Dir ja nicht einmal bei der Fürstin Laban ein wo Du doch auch behauptetest, es handle sich um eine sehr ernste Operation!" ,
Heidlof machte eine ungeduldige Bewegung. Aber er bezwang sich.
.Dort lagen die Dinge ander?. Mit der vollzöge- neu Operation schwand auch die Gefahr bi? auf ein Minimum. Hier wächst sie. Erst wenn es festsieht, daß der Blutkreislauf wieder den normalen Gang nimmt, kann die Operation als gelungen betrachtet werden. Daneben kann eine Reihe von Zufällen eintreten, die wein sofortiges Eingreifen erfordern. 85et Demem Mangel an Verständnis für diese Dinge kann ich Dir dies nicht so deutlich erklären, wie ich wohl möchte, liebe Daniela ..." „ „ ,
„Testen bedarf eß auch nicht", fiel sie rasch ein. „So viel verstehe tck> schon, daß Dir die Sache wrchitg ist, und icb wünsche Dir das beste Gelingen dazu. Aber das Wobl eines fremden Geschöpfe« darf Dir nicht höher stehen, als das Deiner Frau. Du blamierst nach vor meinen Angehörigen, wenn Du mich morgen wieder allein gehen läßt. Du kränkst mich tiefer, als Du ahnst. Egon, denn natürlich müßte ich mir die Frage vorigen: Gilt ihm denn dieses Mädchen mehr als rch? Das kannst Du nicht wollen! Schon um meiner Rrche willen mutzt Du mir den Beweis geben, daß es n r ch t so ist!"
Sie schwieg und blickte ihn erwartungsvoll an. Heidlof rührte sich nicht.
Im stillen packte ihn verzweiflungsvolle Wut. Konnte man kindischer und kleinliche- sein? „ES '.st mcht ein. mal Eifersucht" dachte er verbißen. „Nur alberne Rechthaberei. Sie will den kleinlichen Triumph er* l-ben, daß selbst in dieser bitterernsten, wichtigsten Sache sür mich ihre Laune den Sieg erringt. Alles, alles glaubt sie fordern 8U dürfen, weil ich sie lrebe. Aber die Liebe eines Manne? ist doch keine Kinderviolirre, auf der Selbstsucht und Eitelkeit nach Belieben herum- klimper» könne» , .
Kirche Gottes hat in den Wirren der Zeit nicht bloß ihre Freiheit zu behaupten, sondern auch ihre Würde und ihren Einfluß zu heben vermocht.
Don ihr gilt das Wort, daß der Stein, den die Bau- Leute umwerfen wollten, zum Eckstein geworden ist. Sie ist die Arche des Heils, die aus der modernen Sint- lut das wertvollste rettet und die Mittel bietet, zur Er- Neuerung des Erdenlebens.
Wir sehen, daß die Vorsehung die Welt schwer 1 eimgesucht aber doch nickst verlosten hat. Der heilige Geist will auch heutzutage noch weiterwirken aus der Erde gemäß der Verheißung, daß das Antlitz der Erde erneuert werden soll.
Aufgehobene Ausnahmevorscheisten.
Die Regierung hat bereits entsprechend der Ankün- isigung in der Nationalversammlung Erleichterungen les Belagerungszustandes geschaffen. Der Reichsprä- ident hat die Ausnahmevorschriften a u f g e h o b en für olgende Bezirke: Berlin, Brandenburg, Pommern, ne Reste der früheren Provinzen Westpreußen und Posen, für Schleswig-Holstein, Hannover, Hessen- Nassau, sowie für die Rheinprovinz außer dem Re- gierungsbezirk Düsseldorf, ferner für Hessen, Lippe- Detmold, Schaumburg-Lippe und die Hansestädte. Im Freistaat Sachsen, in Württemberg, Boden und in Thüringen mit Ausnahme von Gotha bestehen Aus- nahmeoorschriften nicht.
3m Ruhrgebiet
st die Sage unverändert. Am 18. Mai ist in Elber- elb die Sicherheitspolizei eingerückt. Zu irgendwelchen Zwischenfällen ist es sowohl beim Cinrücken in Elber- elö, wie auch in Hagen und Schwelm nicht gekommen. Man darf sich indessen nicht darüber täuschen, daß der Aufstandsfunke unter der Asche weiterglüht und daß es angespannter Aufmerksamkeit bedarf, um nicht plötzlich von neuen verhängnisvollen Ereignissen überrascht zu werden.
Wie von der Eisenbahnverwaltung mitgeteilt wird, sind während der politischen Unruhen im Ruhrgebiet Ende März durch Beraubung und Beschädigung von Dahnen und Gleisanlagen usw. Schäden im Betrage von 2 0N Millionen Mark entstanden, von denen rund 18 Millionen auf die Beraubung von Eisen- bahnwagen und Entwendung von Stoffen und Geräten entfallen.
Gegen die schwarze Pest.
Die Gewalttätigkeiten der französischen schwarzen Truppen im besetzten Gebiet, besonders ihre Ausschreitungen gegen Frauen, hoben den Anstoß zu einer starken Einspruchsbewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika gegeben. Die amerikanische Presse ist angefüllt mit Einzelheiten über diese Aus- schreitungen und mehrere angesehene Körperschaften be- reiten Protestkundgebungen vor. Andere haben solche Kundgebungen bereits erlasten. Gerade in Nordamerika, wo der Gegensatz zwischen der weißen und schwarzen Rasse ganz besonders scharf ist, erregen die jetzt dort bekannt werdenden Einzelheiten heftige Empörung.
Bemerkenswert ist ein Schreiben, das der „Frkft. Ztg." zufolge der Apostolische Vikar des E r z bi s ch of s und Primas der Vereinigten Staaten, I. G. M y t h en, an den französischen Botschafter in Washington gerichtet hat. Es heißt in dem Schreiben:
„Es wäre tragisch für die Amerikaner, die den letzten Krieg mitgemacht haben, wenn sie, die zum Sieg der Alliierten beitrugen, sich vorstellen müßten, das Ergebnis ihrer Mitwirkung solle sein, daß Neger auf hilflose Frauen losgelassen werden. Wenn dieser Nachricht nicht widersprochen wird, so gäbe es nichts, was den gegenwärtigen freundlichen Deziehun- gen zwischen der französischen und amerikanischen Re- publik größeren Schaken bringen könnte. Dieser Pro-
„Was verlangst Du eigentlich?" fragte er endlich gereizt.
„Daß Du diese Operation derschtebst! Du kannst sie ebensogut übermorgen machen!"
„Nein. Das ist unmöglich. Ich hÄbe den Opera, tionssaal mit Mühe für morgen bekommen. Alles ist vorbereitet und kann nun nicht mehr rückgängig gemacht Iperden, Wie darfst Tu mir nur überhaupt zumuten, eine so ernste Sache zu verschieben, bloß um einer Gesellschaft willen!? ES wäre zum Lachen, wenn eS nicht . . . tieftraurig wäre!"
Daniela drängte sich plötzlich schmeichelnd an ihn!.
„Egon — liebst Du mich denn nicht mehr? Bin ich Dir wirklich so gleichgültig geworden, daß Du mir ein so kleines Opfer nicht bringen willst?"
„Nein. Meine Gefühle sind unverändert — wenn Du auch stark darauf sündigst, Daniela! Das solltest Du wißen. Aber diese Sache hat nichts mit Liebe zu tun. Das'Opfer, das Du forderst, forderst Du meinem Pflichtgefühl ab und dieses antwortet Dir mit nein! Es gibt eine Grenze, wo Nachgiebigkeit verächtliche Schwäche würde — laß uns davor halt machen, Daniela — um Teinet- und meinetwillen! Selbst meine Liebe zu Dir würde nicht stamdhalten, wenn Du fortgesetzt Unmögliches von mir verlangst!"
Er hatte ernst und warnend gesprochen. Aber Da- nftela achtete nicht darauf. In ihr war nur ein Ge. danke: Dieses Mädchen oder ich! Wenn er nicht nach- gibt, dann ist eS sicher, daß er sie liebt . . .
„Es i st nichts Unmögliches, Egon", sagte sie fieber- hafi erregt. „Man kann alles, wenn man will. Wenn Du plötzlich erkranken würdest, müßte die Opecatton doch auch verschoben werden! Tu er mir zuliebe! Weil ich Dich bitte darum, weil meine Ruhe davon ab- hängt! Weil ich fönst nicht mehr glauben könnte, daß Du mich „och liebst . .
„Genug", unterbrach er sie, am Rande seiner Ge- duld. „Ich kann nicht! Und ich sage Dir offen, Ta- nrela: Ich will auch nicht! Selbst, lvenn ich alles noch rückgäng'g machen könnte, ich würde es nun erst recht nicht tun! Du hast eS ab gelehnt bisher, teil Ian meinem Beruf zu nehmen, und ich habe mich damit abgefunden. Aber nun laß auch die Hände davon! Er ist kein Spielzeug für die Launen eine- verzogenen Fraut"
test schließt den der Kirche in sich, die wir zu vertreten die Ehre haben." _ . . _ ,
Es ist erfreulich, daß die Kunde von den Greueln endlich in die Welt gedrungen ist. In Amerika, Eng- land und Italien, in Schweden und Spanien erheben sich immer mehr Stimmen gegen diese niederträchtige französische Methode, die deutsche Bevölkerung des be- setzten Gebietes zu peinigen. Wr Deutsche dürfen uns aber jetzt noch nicht zufrieden geben, immer lauter muß unser Protest erschallen, solange bis das Weltgewissen aufgerüttelt ist und die Franzosen zwingt, die schwarzen Horden aus Europa zu entfernen.
Von zuständiger Stelle in Berlin wird mitgeteilt: Der französische Einwand, daß die farbigen Truppen im besetzten Gebiet französische Bürger seien, ist nach hier vorliegenden Nachrichten unrichtig. Im übrigen sind unter den farbigen französischen Trup. en Schwarze (Neger), Braune (Nordafrikaner, Algerier, Tunesier und Marokkaner) und Gelbe (Ana- mtten, Tonkinesier, chinesische Arbeitstruppen) zu ver- stehen. Im besetzten deutschen Gebiet liegen unter an» deren Negertruppen die Senegalschützenregimenter 10 und 11 in Mainz und Wcums, das Madagdskaische Jägerregiment in Ludwigshafen, Speyer und Germersheim. Dann sind afrikanische Truppen, etwa sechs Schützenregimenter, auf das ganze besetzte Rheinland verteilt. _____________
g. * 1 * *
Beim Abendessen fehlte Daniela. Sie hatte sich bei der Freundin mit heftigen Kopfschmerzen entschuldigen lassen. .
So saßen Heidlof und Martha Renner einander denn allein gegenüber. Anfangs schleppte sich bas Ge. spräch nur mühsam hin. Heidlof sprach fast gar nichts. Die Szene mit Daniela lag ihm noch in allen Gliedern. Schmerz und Zorn bestürmten ihn abwechselnd. Dabei hatte er das dumpfe Gefühl, daß sich der Streit dieS- mal nicht so rasch beilegen würde wie sonst.
Dazu kam, daß man ihm kurz vor dem Abendessen telephonisch <nt$ dem Sanatorium mitgeteilt,, daß die erprobte Wärterin seiner Patientin, Schwester Gertrud, soeben einenOhnmachtSanfall gehabt und «uz dem Dienst miSgeschaltet werden mußte. Man habe inzwi- schen zu Fräulein Kand eine AushilfSwärterin gestellt.
zweifle aber, daß das Haus überhaupt beschlußfähig fei. Wohl ober übel mußte also der Präsident darangehen, festzustellen, ob dieser Zweifel zutreffend fei. Aus Antrag des mehrheitssozialdemokratischen Abg. Loebe wurde nunmehr zur Ermittelung der Beschlußfähigkeit oder Beschiuh- unfähigkeit des Hauses über den Antrag Graefe auf Ao- ietzuna dieses Punktes von der Tagesordnung namentlich abgestimmt. Da es durchaus nicht sicher war, ob das Haus beschlußunfähig sei, verlassen die D e u t s ch nationalen bis auf drei ihrer Abgeordneten und die 6eut» schen Dolksparteiler geschlossen das Hous, um auf diese Weise künstlich die Beschlußunfähig- keit herzu st eilen. Die Abstimmung ergab daraufhin die Anwesenheit von 211 Abgeordneten, von denen 3 für den Antrag Graefe und 208 gegen ihn gestimmt hatten. Da zur Beschlußfähigkeit die Gegenwart von 212 Abgeordneten erforderlich war, so ergab sich mit einer ei n 3 i g e n Stimme Beschlußunfähigkeit der National- Versammlung. Die Rechte hat also durch ihr Verhalten — ein wahltaktisches Manöver — die Erledigung dieses Gesetzes absichtlich sabottiert.
Um %12 Uhr eröffnete Präsident Fehrenbach nun- mehr die unwiderruflich letzte Sitzung der Nationalversammlung zur Entgegennahme einer Kundgebung des Re i chs p r ä s i d en t en, die einige Abgeordnete und einige Regierungsmitglieder stehend anhören I>n ihr spricht der Reichspräsident der Nationalversammlung den D a n k aus für die geleistete Arbeit. Er stellt die Verfassung als das Fundament deS neuen Staatsgebäu- des hin, das als Grundfeste für die künftigen Geschlechter aufgebaut sei, damit diese der ersten Bauleute der Republik ost in Treue gedenken mögen. Er,Werst dar. auf hin. daß nur der Weg der Gesetzmäßigkeit nach aufwärts führt und daß die geistigen Waffen ,tm Kampf der Meinungen die einzig erlaubten feien. Diese Erklärung des Reichspräsidenten wurde mit lebhaftem Bravo aufgenommen, allein Frau Zietz hielt es selbst in dieser feierlichen Stunde der Nationalversammlung für angebracht, die Weihestimmung durch wenig angebrachte Zwischsnriife zu stören. Nach einer kurzen Rede des Reichskanzlers Hermann Müller, in der eu ein zusammenfassendes Bild der iz^jährigen Tätigkeit der Nationalversammlung entwirft, nimmt der demo- kratische Abg v. Payer das Wort, um in zu Herzen liebenden, eindrucksvollen Worten dem Präsiden, t e n für die unparteiliche sind gerechte Geschäftsführung und für die selbstlose Arbeit an der Spitze der Volksvertretung den Dank des gesamten Hauses auSzu- sprechen Seine Unparteilichkeit müsse vor allem gerühmt werden, sein köstlicher, gesunder Humor habe oft über die schwierigsten Situationen hmweageholfen Mit Liebe und manchmal auch mit sanfter Gewalt habe er die Nationalversammlung zu einem guten Ende geführt. Sein Name würde als der des würdigen Praudentem der verfassunggebenden deutschen Nationa'versammlung in das Buch der Geschichte übergehen. Präsident Fehrenbach dankt dem Vorredner.und spricht die Hoffnung aiis, daß keine Ereignisse eintreten möchten, die es nötig machten, die Nationalversammlung vor den Wahlen "zum Reichstag nochmals ein-uberufen. M nehme an, so fährt er fort, daß dies die letzte Stimde der Nationalversammlung ist. Sie war ein Produkt unserer neuen staatlichen Verhältnisse. Dadurch steht sie im Streit der politischen Meinungen. Eme gerechte Würdigung ihrer wertvollen Arbeit ist bei der Leidenschaftlichkeit des politischen Kampfes in der Gegenwart nicht zu erreidfam. Erst die Geschichte wird in der Lage fein, ein abschließendes Urteil zu fällen Für unS aber nehmen wir in Anspruch, daß wir bestrebt waren, nur zum besten des deutschen Volkes zu arbeflen. Da. mit haben wir dem deutschen Volk da? Zeichen eines zielbewußten Ausbauwillens gegeben. Schließlich spricht der Präsident den Wunsch aus. daß das Se'bstbestim- munasrecht der Völker dock noch eine Vereinigung mit den Stammesbrüdern in Oesterreich ermöglichen möge.
Damit hat eine ernste und schwere Epoche deutsche» I Geschichte ihren Abschluß gefunden.
Deutsches Reich.
* Berlin, 21. Mai. Die Verordnung zum Schutze der Kriegsteilnekmer gegen Zwangsvoll, ftreckung wurde bis zum 1. Juli 1921 verlängert. — Reichswehrminister Geßler ist von seiner Inspektionsreise ins Ruhrrrvier nach Berlin zurückgekehrt und
Die Nachricht berührte ihn äußerst peinlich. Kam denn heute alles zusammen, nm ihm den morgigen Tag noch zu erschweren? Nicht nur, daß Daniela ihn um feine innere Ruhe gebracht, nun mußte auch noch di« einzige Wärterin erkranken, auf die er sich unbedingt hätte verlassen können.
Wer weiß, welch ungeschickte Person die AushilfS- Wärterin nun vielleicht war? Am Ende gar eine Anfängerin . ,
Wenn die Geschichte schief ginge! Er mochte den Ge- danken gar nicht ausdenken. Welcher Triumph für Professor Wasa, mit dem er wiederholt ü6er_ ben Fall debattierte und der ihm klipp und klar erklärt hatte: „Erstens halte ich die Operation für unausführbar, zweitens würde sie der Patientin nicht einmal das Leben retten. Sie setzen Ihr Renommee da ganz unnötig aufs Spiel!"
Prosessor Wasa war neben Professor Schebesta, Heidlofs einstigem Lehrer, die erste Koryphäe der gynä- kologischen Klinik. Im Gegensatz zu Schcbesta war er Heidlof, in dem er einen neu emporsteigenden Stern witterte, durchaus nicht gewogen, und würde einen Mißerfolg gewiß mit gehässiger Freude begrüßen.
„Ich wäre nicht nur blamiert — ich wäre einfach fertig mit meiner Karriere", dachte Heidlof beklommen. „Ganz abgesehen davon, daß ich innerlich nie darüber hinwegkommen würde, der Mörder dieses armen Mädchens zu sein . . ."
Sein Gesicht wurde immer sorgenvoller.
Frau Dr. Renner, die genau wußte, toas morgen für ihn auf dem Spiel stand, konnte sich endlich nicht enthalten, wenigstens den Versuch zu machen, ihn auf» zuheitern.
Sie erzählte allerlei heitere Erlebnisse aus der Landpraxis ihres Mannes und lenkte dann unvermerkt auf die morgige Operation hin, die sie als die genialste I Tat bezeichnete, die seit langem ausgeführt worden sei. Alle Welt werde stolz auf ihn sein, die Kollegen ihn beneiden, die Wissenschaft seinen Namen rühmend verzeichnen. Das Schönste aber werde das Hochgefühl sein für ihn selbst: einen Menschen nicht nur der» Leben erhalten, sondern ihn auch m den Stand ver, | setzt zu haben, erwerbsfähig zu sein.
Sie sprach so warm und begeistert, daß Heidlof fie dankbar ansah. Er merkte wohl, wie sie bestrebt war, ihm Mut und Selbstvertrauen wiederzugeben. Aber bann lächelte er trübe. '(Forts, folgt.)
Die letzte Sitzung der
Nationalversammlung.
Am Freitag trat die Nationaloersammlung zu ihrer letzten Sitzung zusammen. Auch diese nahm, wie die Don- I nerstagsihung, teilten glatten Verlauf. Man durfte zu- I nächst gespannt sein, wie die drohende
Regierungskrise entspannt würde, die dadurch entstanden toar, daß der Antrag der I Unabhängigen auf sofortige Aufhebung des Delagerungs- zustandes gegen den Willen der Regierung mit den Stim» I men der Mehrheitssozialdemokratie, also einer Regierung-. Partei, angenommen wurde. .
Minister flach erklärte hierzu, daß der gesinge Be- schlutz der Nationalversammlung nur ein Ersuchen um Aushebung des Belagerungszustanbes darstelle, es sich also dabei nicht um ein bestimmtes Verlangen handele. Außer- dem lagen bie Verhältnisse betört, daß sowohl von links als auch von rechts erhöhte Putschgefahr bestehe. Heber bie Absichten der Putschisten von rechts werbe er in bett nächsten Tagen ber Oessentlichkeit nähere Angaben zugehen lassen. Die Regierung habe sich ,eboch brzu entschlossen, eine möglichst milde Handhabung des Belagerungszustandes eintreten zu lassen und ihn da, wo dies möglich fei, überhaupt aufzuheben. Die Anfuh- rungen des Ministers waren von anhaltenden lärmenden Zwischenrufen der Unabhängigen begleitet, unter denen sich besonders Frau Zietz hervortat.
Der Abg. henke, der daraufhin das Wort ergriff, wollte diese Erklärungen des Ministers nicht gelten lassen und unter dem Vorwurf des Derfassungsbruches stellte er den Antrag, die Nationalversammlung möge ber Regie- rung ihr Mißtrauensvotum aussprechen. Mil biefem Anträge aber hatte Herr Henke ein unangenehmes Pech. Herr Henke hatte nämlich nur 13 Genossen ge- funben, bie feinen Antrag unterschrieben hatten, wahrend bie Geschäftsordnung vorschreibt, daß zur Gültigkeit eines Antrages bie Unterschrift von minbestens 15 Abgeorbneten ersorberlich ist. Der Präsident wies also mit Recht den Antrag zurück und erklärte damit die Angelegenheit für erledigt.
Auf diese Weise ist die drohende Kabinettskrise als überwunden zu betrachten. Das Haus schritt zum nächsten Punkt der Tagesordnung, dessen Behandlung man mit berjffjtigter Spannring entgegensehen durfte. Es handelte sich um die 3. Beratung des Gesetzentwurfs über die
Aufhebung der Militärgerichtbarkeit, einen Entwurf, den die Rechtsparteien mit jedem ihnen nur zu Gebote stehenden Mittel zu Fall zu bringen beabsichtigten. Der beutschnationale Abg. von Graefe stellte auch sofort ben Antrag auf Absetzung bieses Punktes von der Tagesordnung. Eine so wichtige Angelegenheit dürfe nur vor einem vollen Haufe verhandelt werden. Er be»
Daniela war tief erblaßt. Es zuckte schmerzvoll um ihre Lippen, aber zugleich erschien eine trotzige Falte auf der glatten, weißen Stirn.
So sprach cr zu ihr? Er, der sie bischer vergöttert chatte? Und da konnte sie noch zweifeln, daß ihr dieses Geschöpf seine Liebe gestohlen hatte? Ein wilder, eifer-
süchtiger Haß gegen die Unbekannte quoll in ihr empor. Aber sie würde nicht ruhen, bis sie sie kannte und dann — ja dann würde sie es ihr ins Gesicht schleudern, tote tief sie sie verachtete . . .
„Dies toar also Dein letztes Wort?" fragte sie kalt.
„Ja!" Heidlof, der ans Fenster getreten toar und in die Dunkelheit hinausstarrte, wandte sich langsam um.
Als er in Danielas verstörtes Gesicht blickte, trat er in einer weichen Aufwallung rasch auf sie zu. Er begriff: sie litt wirklich unter seiner Unbeugsamkeit. Und vielleicht bereute sie ihre Torheit schon. Sie war ja gut, das wußte er. Sie liebte ihn so sehr. Ihre Fehler waren nur Folgen einer verkehrten Erziehung und des Beispiels, das Mutter und Schwester ihr gaben. Die versuchten ja beide auch immer wieder ihre Männer zu Hampelmännern ihrer Laune zu machen . . .
„Liebe Daniela" sagte er sanft. „Versuche doch nur einmal gerecht zu sein und mich zu verstehen. . ."
Aber die junge Frau wandte ibm schroff den Rücken.
„Latz mich ! Ich weiß ja nun Bescheid. Du brauchst nicht mehr zu heucheln."
Damit verschwand sie.