Nr. 115.
Verantwortlich für den rebaitioneflen Teil: Carl Schütte, t. für die Anzeigen: 3- Parzel ler-Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actlcndruckerei In Fulda. Fernfprecher Rr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung
erZeitung
Mittwoch, 19. Mai 1920.
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47. Zahrg.
Die Kandidatur Erzbergers.
Die Erzbergerfrage ist wieder einmal Gegenstand Öffentlicher Erörterungen. Kürzlich brächte eine Anzahl Zeitungen infolge Dertrauensrnißbrauchs verzähl gegnerischer Zeitungen vertrauliche Müleilungen aus der letzten Sitzung des Reichraueichuffes der Zentrumspartei, in der auch der Fock Erzdergcr behandelt worden war. Wir find bisher N'cht auf diefen Ar ikel eingegangen, da uns die Unt-rlagen fehlten, friizu- stellen, ob und inwieweit er auf Tailachenmaleriat beruhte. Es hieß darin im wesentlichen,
in jener Sitzung des Reichsousichusics hätten nur einige Badener und Württemberger für Erzberper gesproßen. Geradezu niederschmetternd für die Teilnehmer seien -ie Ausführungen Fehrenbach» gewesen, der das unehrliche Spiel Erzbergers" anläßlich der Friedensreso- fulion von 1917 aufgedeckt habe, indem er durchblicken iirß, daß wir ohne Erzberger wahrscheinlich 1917 einen annehmbaren Frieden bekommen hätten. Diese Ausführungen seien umso durchschlagender gewesen, als Fchren- doch früher ein Freund Erzbergers war und die Frie- bensrefolution mit bemerkenswerter Zähigkeit verteidigt Hobe. Mit 49 gegen 7 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen habe sich sodann der Reichsausschuh gegen eine San- li&atur Erzbergers ausgesprochen. Gegen Erzberger stimmten auch Trimborn,' Fehrenbach, Giesberts, Siegerwald, Marx, Brauns, Barsch. Seine Verteidiger waren der fetzige Finanzminister Dr. Wirth und der Geistliche Rat Schoser, beide aus Boden. 3n einer Polemik mit dem Letzteren, seinem Landsmann, habe Fehrenbach wörtlich erklärt: „Seit Jahren war Erzberger der Kopf der Fraktion, die übrigen Abgeordneten aber willenlose Glieder." Es wurde beschlossen, zwei hervorragende Zentrumsanoe- hörige zu Erzberger z» schicken und ihn z« ersuchen, sich vorläufig der Politik s o r n z u h <kl t e n."
In einer Erörterung dieses Berichtes wurde in einem Zentrumsblatt mitgeteilt, daß von der höchsten Parteiinstanz mit 49 gegen 10 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen beschlossen wurde, zwei Mitglieder zu Erzberger zu schicken mit dem Ersuchen, der Politik künftig fernzubleiben; ferner te.lte dar Blatt mit, Präsident Fehrenbach, der lange Zeit Erzberger deckte, habe über Erzbergers Verhalten beim Sturze des Reichskanzlers von Bethmann-Hollweg, Material erhalten, das ihm die Aufrechterhaltung seines Standpunktes nicht mehr möglich machte.
Präsident Fehrenbach veröffentlicht nunmehr eine längere Erklärung, in der er feine Ausführungen im Reichsausschuffe dem Inhalte nach aus der Erinnerung wiedergibt. Es heißt darin:
„Ich stellte an die Spitze meiner Steuerungen den Antrag, Herrn Erzberger zu ersuchen, für die nächste Wahl von einer Kandidatur abzusehen. Diesen An- trag hielt ich für berechtigt im Interesse der Partei, der Fraktion und der Persönlichkeit Erzbcrgers. . . . Sodann tarn ich auf die politische Tätigkeit Erzbergers zu spre- chen, wobei ich auch die Beanstandungen von Parteifreunden über die Haltung der Fraktion gegenüber dem Einflüße Erzbergers zurückzuweifen suchte. Ich führte dann aus an der Hand der Geschichte der Fraktion und ihrer Führung, wie Erzbergers Cinsluß ständig wachsen mußte, bis er während des Krieges infolge der Vertrauensstellung Erzbergers beim Kanzler und feiner genauen Kenntnis aller politischen Vorgänge ein vorherrschender wurde. In diesem Zusammenhänge kam ich auch auf die Veröffentlichungen des Herrn von Selbmann Hollweg: Friedensmöglichkeiten im Frühsommer 1917, in der Nr. 110 der Deutschen Allgemeinen Zeitung zu sprechen, in welcher Herr von Bethmann feine Verhandlungen mit dem Nuntius Pacelli in der Zeit vom 26. bis 29. Juni 1917 besprach. Dethmanns Aussatz habe auf mich den gewaltigsten Eindruck gemacht. Don diesen Friedensverhandlungen mit weitgehenden Konzessionen des damaligen Kanzlers hätte ich nichts gewußt: meines Wissens auch von der Fraktion niemand: dagegen hätte ich durch Erzberger selbst nach Erscheinen des Artikels erfahren, daß er zu jenen Verhandlungen zum Teile zu- gezogen gewesen fei. jedenfalls genaue Kenntnis davon besessen habe. Ich führte aus — genau wie ich es schon
Fordernde Liebe.
Roman von Erich Ebenstein.
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8.
Danielas Freundin aus St. Kathrein war angekommen. Sie war nicht schön, aber ein kluges, murrte« reg Ding, dem das Herz am rechten Fleck saß und das keine Ansprüche machte.
„Tu brauchst Dich um mich gar nicht zu kümmern," sagte sie zu Daniela, „ich habe eine Menge Laufereien, meist für meinen Mann, der sich erst jetzt so nach und nach allerlei Instrumente anschaffen tonn. Anfangs kaufte er nur das Allernötigste. Wenn ich bei Dir schlafen darf, bin ich heidenfroh, denn ich spare das teure Hotel, und daß wir'» nicht dick haben, Alfred und
weißt Du ja!"
„Ja. das wußte Daniela. Sie hatten ohne einen Kreuzer Geld geheiratet, die beiden, und sogar die Ausstattung auf Abzahlung genommen, gleich nachdem Renner die Gemeindearztstelle in dem steirischen Ge. birgsdors bekam.
. Tanieto wunderte sich im Stillen, dqß die Freundn fo blühend auSrah bei der „Hungerlerderei" freier mehr. ftlS bescheidenen Landpraxis. Noch mehr, daß sie so glücklich mar
„Sie muß wohl sehr glücklich mit ihrem Mann fein," dachte sie neidvoll .Und doch war Renner losch trockener Patron ... gar nicht mal sehr verliebt in sie •iS Bräutigam . . .
Heidlof, der Frau Dr Renner bisher nur flücktrg gekannt, sand vom ersten' Tag an herzliches Gefallen «n ihr. Erstens, weil es sich fo gut plaudern ließ mit ihr, ztveitens. weil Daniela in Gegenwart der Freundin r>ne ganz andere toar als bisher: heiter, freundlich vnd nachgiebig.
Sie setzte ihren Stolz Darein, vor Martha a'8 gluck- l'che Frau dazustehen und sie um Gottes w-llen nicht merken zu laffen daß in ihrer Ehe nicht alles st mmte. Tie Unterhaltung bei den Mahlzeiten verlies dafum ohne Mißton. Allerdings: sowie Daniela ihre Freun- bin nach deren Zimmer geleitet und in ihr eigenes Schlafzimmer zum Gatten zurückkehrte, versiel sie in Wr chstes, trotziges Schweigen, wie es seit jenem letzten streit zwischen Ihnen herrschte.
Heidlof unterließ jede Bemerkung herüber. Er fragte auch nicht: was hast Du eigentlich gegen m:w- Desto öfter dachte er in dieser Zeit an Weras Warnung damals, als sie ihm prophezeit halte: „Aber so, wenn
vorher gegen Erzberger unter vier Augen ausgesprochen hatte — daß ich in Kenntnis dieser Vorgänge einer Friedensaktion widerraten und jedenfalls Die Vertretung Der Friedensresolution in Der Sitzung vom 19. Juli 1917 nicht übernommen hätte. Ich hätte von dieser parlamentarischen Akn.on eine Störung der vom Papste eingeleiteten Friedensschritte befürchtet. Ich habe Den Sturz Bechmann Holiwegs unter Mitwirkung der Zentrumsfraktion und Erzbergers schon damals für einen Fehler gehalten, zumal man keinen Nachfolger hatte. Jetzt bin ch von der Berfchliheit Der damaligen Aktton gegen Bethmann noch fester überzeugt. Bethmann fei damals zu westgehenden Konzessionen bereit gewesen, er habe sich auch an der Vcrmitt- lungsrolle des Papstes nicht gestoßen, das sei bei den bekannten protestantischen Vorurteilen nicht von leb em Staatsmann zu erwarten. Erzberger habe sich zur Mitwirkung bestimmen lasten durch Aeußerungen des Kronprinzen, Hindenburgs und Ludendorsss.. Wenn auch jene Friedensaktion des Papstes nach dem Eintritt Amerikas in den Krieg einen Erfolg nicht versprach, so wären spätere Friedensmöglichkeiten mit größerer Energie und Vorsicht zu behandeln gewesen. Als eine direkte Fälschung müsse er es bezeichnen, wenn gesagt werde, er habe durchblicken lasten, daß wir ohne Erzberger wahrscheinlich schon im Jahre 1917 einen annehmbaren Frieden bekommen hätten; er habe auch nie von einem unehrlichen Spiel Erzbergers gesprochen, auch nie daran gedacht.
Erzberger selbst veröffentlicht über sein Verhalten in den Lulitagen 1917 :in Deutsch. Aolksblatt eine Erklärung, die sich besonders gegen den Verdacht wehrt, er habe damals die Berhandlungen Bethmann Hollwegs mit dem Nuntius der Zentrumspartei verheimlicht. Er betont,
daß er selbst über den Inhalt der vertraulichen Aussprache zwischen Bethmann Hollweg und dem Münchener Nuntius von keinem der Beteiligten unterrichtet worden sei, er deshalb auch Der Zentrumssraktion hierüber keine Mitteilungen machen konnte. In Dem kritischen Juli 1917 habe ihm der damalige Reichskanzler weder direkt noch indirekt eine Mitteilung darüber zukommen lasten, daß er eine Friedensaktion durch die Vermittlung einer neutralen Macht, insbesondere durch den Heiligen Stuhl eingeleitet oder in Aussicht genommen habe; wohl aber habe er ihn, Erzberger, durch eine Vertrauensperson in den Tagen bet Krisis wissen lassen, daß er nur noch so lange im Amte zu bleiben gedenke, um die Reform des preußischen Wahlrechts und die zugesagte inverpolitische Neuorientierung durchzusühren. Die Anwesenheit des Münchener Nuntius in Berlin Ende Juni 1917 durfte durch die Preste nicht bekannigegeben werden. Die Tatsache selbst hätten durch ihn die Herren Spahn, Grober und Dr. Porsch erfahren, die er auch zu einer Zusammenkunft mit Dem Nuntius nach Berlin eingeladen habe. Die aber dazu nicht erschienen.
Die Bedenken gegen Erzbergers Wiederausstellung auf der Tagung des Reichsausschusies waren lediglich taktischer Natur. Wie von Teilnehmern an der Ta- gung mitgeteilt wird, sprachen e:ne Reihe von Mitgliedern des Reichsausschusses für Erzberger- sie haben dann trotzdem dem Beschlüsse zugcstimmt, Erzberger zu bitten, von einer Kandidatur Abstand zu nehmen, nicht etwa aus Animosirät gegen Erzberger, dessen große Verdienste um die Partei von allen Seiten anerkannt wurden, sondern aus Erwägungen heraus, die ja klar zutage liegen. Man war bet diesem Beschluß von der Erwägung gelltet. einmal vor allem den Kölner Quertreibern den Wind «us den Segeln zu nehmen, dann aber weiter Die Verhandlungen mit der Bayerischen Volkspartei wegen Wiedervereinigung mit dem Zentrum nicht zu stören. Es wird ausdrücklich versichert, daß an ein dauerndes Fernbleiben Erzbergers niemand gedacht hat. Es wurde auch kein Zweifel darüber gelassen, daß, abgesehen von der Würltembergischcn Zentrumspartei, die letzte Entscheidung darüber bei Erzberge: selbst liegen würde. Inzwischen hat, wie bereits gemeldet wurde, das württembergische Zentrum die Aufstellung Erzbergers als Reichstagskandidat mit großer Mehrheit beschlossen.
du stets nachgibst, wird eS nur immer schlimmer werden zwischen euchl Daniela wird immer mehr verlangen!"
I,i, so war eS gekommen. Erst hatte sie ihm nur Vernachlässigung vorgeworfen, nun quälte sie ihn mit grundloser — ach, so kleinlicher umb crn'.ebrigenb.’r — Eifersucht I
Für Den Ernst seines Berufes ohne Verständnis oDer kDrilnahme wollte sie sich auS eifersüchtiger Neugier nun plötzlich überall in fein Tagewerk hineindrängen.
Schon die nun alle Augenblicke, wenn er fortging, lauernd hingeworfene Frage: „Wo gehst Du hau e überall hin? Es ist nur, daß ich Dich telephonisch verständigen kann, falls etwas Neues vorkomml . . ." irritierte Heidlof. Bald merkte er, daß sie auch sonst spionierte. Tie Briese auf feinem Schreibtisch waren oft anders gelegt, al? er es selbst getan. Ter Papier- korb wurde nun täglich geleert, was sonst nur wöchentlich einmal geschehen war. Wenn in der Sprechstunde junge Tarnen erschienen, erschien and) Daniela zuwek. len für einen Augenblick im Wartezimmer, um irgendeine Kleinigkeit zu holen. Die sie vorher absichtlich Dort hingelegl batte. Sogar hinter b?r Durch schwere Portieren verhängten Tür seines Ordinationszimmers, Das an das Rauchzimmer stieß, hatte er schon mchvmals ein verdächtiges Geräusch vernommen, wie wenn Dort jeinanD horchend stünde.
Ach ja — es war ein rechter Vergnügen, verheiratet zu sein! Er begriff plötzlich, warum fein Schwiegervater fein halbes Leben im Institut drüben verbrachte, anstatt Daheim. Schwicgermama war ja nur D e zweite Auflage Danielas. Wenn man vor der nur das Wort Wissenschaft ansfvrach, hielt sie sich schon die Ohren zu. Tölzer, Halmenichlags erster Affistent, hatte eS thm neulich lachend erzählt. . . .
Da war Diele einfache, kleine LandarztenSfrau aus St Kaihrein doch ganz anders! Sie, Die Tochter eines Vvlksschullehrers, halte sich mit staunenswerter Jniel- ligenz in Den Beruf ihres Mannes cingelebt. Es war Di'relt ein Beronügen, mit ihr über Berufelachen zu sprechen — notabene ein Vergnügen, das HeiDlof in feinem Heim nur zum erstenmal genoß.
Sie war über alle Standessragen unterrichtet, de- kündete einen regen WisicnStncb für mt.rcffan e Fälle, tos alle medizinischen Blätter und konnte nicht müDe werden, von Dem im Brennpunkt moderner Klin ter- ersahrungen stehenden Kollegen ihres Mannes Aitskinist über Diese oDer jene neue Heilmethode zu erbitten. „Alfred wird eS so sehr internieren, wenn ich ihm
Belgischer Handstreich gegen Monschau.
Der dem Kreise Eupen benachbarte Kreis Monschau ist am Dienstag plötzlich von belgischen Truppen besetzt worden. An Stelle der bisher aus 152 Mann bestehenden französischen Besatzung ind vier belgisäie Kompanien getreten. Der Brüsseler „Soir", begrüßt dir Besetzung, die auf Veranlaffung des Marschalls Fach erfolgt sei, ois wichtige Enlschei- Lung. Belgien solle die Bahn Aachen-Monschau gegen die Gefahr deutscher Sabotageakte schützen, deren Besitz zwischen Deutschland und Belgien umstritten ist. Die schwarzen und die gelben Franzosen.
Amtlich toirb mitgeteilt: Einem Artikel der Pariser Ausgabe Dc8 .Chicago Tribunte vom 10 Mat zufol e werden Die in der deutschen Presse mit ftei ton zahlreichen Fälle von Sittlichkeitkverbre en Der französischen farbigen Truppen in Den besetzten deutschen Gebieten von Dem französischen Ministerium de» Aus- roärhgcn summarisch in 81 br ebe geftc 111. @!eidveitia wird von Der nämlichen Behörde behauptet. Daß sich in Den fraglichen @cbicten’eiibcrbaupt „schwarze Trupp, n" nicht mehr DcfänDcr, wiewohl nachträ lieb zu e eben wird,Daß Dieselben mit sogenannten „gelbcnZr tippen" belc t find. Die indessen französiiche Bür er und ebenso von kaukasischer Raffe feien wie die Franzosen, Eng- tauber und Ameiikaner. Tie Reichöregiernn i muß diese Unterscheidung Des fianzöiscken Ministeriums zwischen fch'wa zen uno gelben Truppen grundsätzlich als voll', bcDcuninacloS ablehnen. Sie eiblidt in Der Besetzun i Deutscher Lanbeste le mit französischen Truppen afrikanischer Herkunft, gleichgittii roeldjcr Haut- färbe sie fein mögen, ein Verbrechen gegen Die Zivilisation, Das Die strengste Verdammung Der \ cfamten gesitteten Welt bcrauSiorDcrt. Was die von frati öfifiter Seite geleugneten Sittlichkeitsverbrechen Dieser Truppen anbe- lan t so bcfinDct sich eine Zusammenstellung auiheutifcher Falle im Druck. Die ReichSeegierun.i bemertt indessen schon jetzt, daß die Anzahl der betanntge ebenen Fälle von Vergewaltigungen nur einen germ en Anhalt gibt für bad" Martyrium Der Deutschen Frauen in Den be» fetzten Gebieten, deren unsägliche Leiden zumeist aus begreiflichem Schamgefühl Der Ocsfentlichtclt verborgen bleiben.__________________ _
Oestliches.
Abstimmung in Ostpreußen am 11. Juli.
Die Abstimmung in Ostpreußen findet, wie Per» lautet am 11. Jul« statt. Wer nicht in Den Abstim- mum.s-SonDerzu en htnreist, braucht einen Paß. Tie Freifahrscheine jüt Die Fahrt ins AbsiimniiingSgeviet Ost- und Westpreußen, Die vom Deutschen Schutzbund für Die Grenz« unD Ausländsdeutschen auS e. eben nerben, haben vom 21. Tag vor Der Abstimmung ab für Die Hinfahrt, bi» zum 21. Tage nach Der Abstimmung für Die Rücktahtt Gültigkeit.
Polnische Gewalllükigkeilen.
Arn Beuthener Moltkeplatz überfiel eine Anzahl polnischer Arbeiter zwei Deutsche, die ihrer Abneigung gegen eine Angliederung Oberschlesiens an den polnischen Staat Ausdruck gegeben hatten. Die deutschen Arbeiter wurden in der schwersten Weise mißhandelt. Erst einer Patrouille der Sicherheitswehr gelang es, die Burschen festzunchmcn. Die Nachrichten über polnische Gewalttätigkeiten gegen Deutsche in Oberschlesien mehren sich. In Beitthen wurde auch ein Handwerksmeister von den Polen überfallen, weil er und sein« Begleiter iteutfdje Lieder sangen.
In Altdorf (St. Pietz) wurde der sozialdemo- krcnische Pacleisekrctor Kroczek durch Revolver- schlisse so schwer verletzt, daß er bald daraus seinen Der- letzunge» erlag. Her Mord ist von großpolnischer Seile vollbracht.
Augustinusverein.
Düsseldorf, 15. Mal.
Sn Der gestrigen Versammlung des Augustinus-Vereins würbe Das Präsidium, bestehend aus Den Herren: Öen- darüber berichten tonn. Er ist mit Leib und Seele Arzt!"
Tanicla hörte diese Fachunteihaltung mit großer Bewunderung.
„Du redest ja, als habest Du selbst Medizin stu. Diert," sagte sie dann einmal zu Martha, als sie beide allein waren. „Mir dreht sich alles im Kopf, wenn ich Die vielen lateinischen Ausdrucke von Dir höre. Wo hast Tu denn Die her?"
„Gott, ich lese Doch die Fachblätter mit meinem Mann und auch sonst manches meDizinische Werk, tag mich anzieht."
„lind das langweilige Zeug interessiert Dich wirk, lich?"
„Na, erlaube, Daniela! Wie denn nicht? Ich mußte mich ja ein wenig cinarbeiten in meine neuen Pflichten. Jcki bin doch sozusagen meines Mannes Assistent. Was finge er Denn sonst an, wenn c8 no'.tut, einen komplt- zierten Verband anzulegen ober eine kleine Operation auszuführen, und ich verstünde hy.-ber feine Weisungen, noch hätte ich eine Ahnung von den Regeln wie so eiioas gemacht wird!"
,.Ta hilfst — Du ihm?" fragte Daniela immer er- stauntet.
„Wer sollte es sonst tun? Allein geht es doch nicht und brr nächste Kollege wohnt vier Stunden entfernt und tat selber alle Hände voll zu tun. Verwundun. gen aber, Die sofortige Eingriffe nötig macken, g bt es bei uns draußen alle Augenblicke, Da ein Hammerwerk und eine Tampfsäge in AlfreDS Sprengel liegen."
„Scheust Du Dich denn nicht Davor? Ich könnte kein Blut sehen!"
„Ach, das gewöhnt sich ball'. Man muß nur immer Daran Denken, daß man eben bemit einem Menschen hilft, ihm seine geraden Glieder — oft sogar Das Leben erhält. Dieses ideale Moment im Berus teS Arzies, siehst Tu. daz ihm alles leicht erscheinen läßt, hilft auch mir immer rasch über das erste Grauen bin. weg. Ganz kleine Sacken darf ich sogar selbst machen, ivcnn Alfred grab; nicht Daheim ist und Die Sache (S’le hat. Z. B. Schnittwunden verbinden, uneekährliche Blutungen stillen, harmlose Medikamente verabreichen. Tenn wir haben ja auch Die Apotheke, wie Du weiß', und Die ist ganz meiner Obhut anbertraut. Natürlich habe ich mich anfangs tüchtig zusammennehmen müssen. Denn AlfrcD hat nicht viel Geduld zu langen Eklärun. g-en. Ta bat ich ihn um Südjec zur Einführung, und nun acht es ganz gut."
(Fortsetzung folgt.)
sing (Dortmund), Münstermann (Gelsenkirchen), Grunau (Neuß), Hankamer (Essen), Dr. Hohn (M.-Gladbach), Nik. Müller (M.-Gladbach) und Otto (Oobjsberg) wieder, geaähli. \
Bei dem Bericht über Die politische Lage betonte Herr Lensing besonders die jchwierige Lage Der po- Mischen Presse, von Der fetzt schon viele Zeitungen, Die durch Den Krieg noch leiblich Durchgekommen sinb, mit großer Unterbilanz arbeiten. Bei Den Löhnen stehen für )ie nächsten Drei Monate abermals Erhöhungen um 35 Prozent in Aussicht. Die Papiernot Droht geradezu eine Katastrophe zu werben. Da ist es Pflicht Der leitenden Stellen, nicht bloß mit Worten, sondern auch endlich mit Taten einzutreten. Mit Befriedigung konnte der Vor- fitzende in den rein politischen Fragen große Einigkeit Der Press« bezüglich der aUgemeinen Richtlinien fcststellen. Zu. warnen ist vor dem allzu starken Hervordiängcn der Berufswünsche und Interessen bei Der Aufltell "ng Der Wahlliste. Die Frage: Wer ist Der Tüchtigste, muß wieder in Den SotDergrunb treten. In Der Diskussion entledigte P* f>-rr F. X. Bachem eines Auftrages Des Kölner Erzbischofs Dr. Schulte. Daß der Herr Erzbischof zu einem der Kölner Zentrumsreformer gejagt habe, er habe feine Zustimmung, wird als glatte Erfindung erklärt. Der Herr Erzbischof erklärt ausdrücklich, daß er nicht hinter Den Kölner Zentrumsreformern stehe.
Postminister Giesberts wies Darauf hin, daß er schon die Erhöhungen der Gebühren für die Zeitungen bis zum 1. Oktober zurückgestellt habe. Ob das auch weiter möglich fei, stehe dahin. Er machte Die Zeitungen auch auf andere Gründe und Gefahren ihrer Notlage aufmerksam. Besonders durch das Bestreben des K o n - zern s Stinnes, welcher schon 64 deutsche Zeitungen und sechs Zellstosfabriken aufgekauft habe. Auf politischem Gebiet warnt er, alles wieder auf den Zustand vor der Revolution zurückfchrauben zu wollen Unsere wirttchaft» licke Not beruht teilweise auf der Obstruktion und Draht, ziehcr«! in weiten Kreisen, welche schars beobachtet werden müssen.
Lm ganze.i nahm die Versammlung einen recht an» regenden und befriedigenden Verlaus.
Minister Stegerwald ititö d!e Sozialisierung.
In Bersin tagt zur Zeit der Derbandstag der Forst-, Land- und Weinbergsarbeiter, eine der christlichen Gewerkschaften. Angesichts des großen Interesses, das die neuerdings mehr und mehr emporwachsende Organisation der ländlichen Arbeiter beansprucht, hatte der frühere Generalsekretär der christlichen Gewerkschaften, der jetzige preußische Wlhlfahrtsminister Stegerwald, auf dem Ver- bandstage eine Behandlung der politischen Lage übet» nommen. Stegerwald führte aus:
Ein gesunder Sinn für Ordnung uni Arbeit schlum. mete im Izmern des deutschen Arbeiters. Um d.escn Gedanken wieder zum Durchbruch zu verhelfen, müsse man von Der deutschen Arbeitersdiast verlangen, daß sie sich nicht länger von einem kleinen Kreitz von Fanatikern beirren lasse. Im St impfe nie Wiederherstellung eines geordneten Slaalswesrns müsse Die christlich-na ionale Arbeiterschaft als Stoßtrupp freuen. Tie christlich-nationale Arbeiterschaft sei an erster Stelle dazu berufen, fick für einen Völkerbund auf der Grundlage der Gerechtigkeit einzusehen. Tas deutsche GemeinfclmstSgesubl müsse gestärkt werden, der Kampf ter pi-luifdjen Parteien auf große Weltanschauung.s- ideole, nickt auf kleine persönliche Reibereien ging-stellt werden. Einstweilen sei allerdings von einem nationalen Gemeinschaftsgefühl nicht- zu merken. Ohne Pflege des nationalen und sozialen GemeinschaftsgesiiheS sii aber eme WiederanfrickUum Tenischlands it d.i möglich. Auf wirtschaftlichem Gebiet mime eine Versittlich' ng und Vereinfachung ter Wirtschaft eintreten. E ne Un. wasie von Arbeitskräften and Material weide jetzt >n der Her stellung von Luxusartikeln vertan. Eine Ver- stoatlichimg der Wirtschaft sei abziilehnen. Eine S o- ? i a l i • 11 r ii it fl würde nur zu einer gewaltigen U n. terbi 1 ai. z der sozialisierten Werke führen. Auch für große Streik? und Arbeitkkämpfc sei jetzt nicht tte geeignete Zeit. Die Arbeiterschaft habe wohl de poli' tiscke Macht an sich gerifien, fei aber jetzt Dab.i. durch wilde Streiks und durch das Verkästen ter gewerksckat- lichen Tiftivlin Die wirtichastliche GrunDkage für il’te Mkrcht selbst zu zertrümmern und zu ein;m bei. sp'ellosen Helotentum herab-usinken. Der deutsche Arbeiter müsie sich feiner großen welthistorischen Vcrant- wortuno cetradifen zeigen, er muffe erkennen, daß ihm seine Glcickberrcktigrmg auch Pflich'en c'ngrba.Tit habe. Ter Feind stehe dort, wo man Die Arbeiterscha t mit G lvalt und Terror an Der Produkt on hindere Nur der Glaube an die sittlich« Kraft Des deutschen Volkes könne Rettung bringen.
Aus den Verhandlungen des Derbandstages ist mit« .zuteilen, daß der Verband in 3000 Ortsvereinen 120000 Mitglieder, darunter 36 000 weibliche und 6000 jugendliche zählt. Im Jahre 1919 hat er 275 Tarifvertrag, abgeschlossen, davon 177 für Landarbeiter, 22 für Forstarbeiter, 32 für Weinberasarbeiter, 2 für Gestütwörter, 18 für Straßenwärter, 6 für Nutzviehpfleger und 18 für Gärtner. Der Berichterstatter wandte sich ringe» hend gelten die Bestrebungen, wirtschastsfriedliche. „gelbe" Landarbeitervewerkschaften zu gründen. Damit fiele man den christlichnationalen Landarbeitern in den Rücken und arbeite, letzten Endes doch der radikalste.! Scrialdemokratte in die Hände.
Der Kasienbkricht für 1919 schließt mit 1 095 602.15 Mark in Einnahme und Ausgabe ab. Don 1913 bi» 1919 wurden 208 993 Mark für Unterstützungen und Rechtsschutz verausgabt. Das Gesamtvermögen des Verbandes betrögt zurzest 420 000 Mark.
Tas Ende einer Entrüstungskomödie.
Seit mehreren Wockien wird ein sechZiähriges Töch- terchen des Major? Bischoff zu parteipohtiidx11 Zwecken durch Die rechtsstehende Presie geschleift Der Steltiner Cberpräfibent Lippmann, der an Der Spitze Der Demo- kratncken Wahlliste Pommerns steht, sollte eine Hast über dieses Kind verhängt haben, um Durch Das Kind Den Aufenthalt Des Vaters zu erfahren Major Bischoff ist ein Führer Der Eifernen Division, Der nach feiner Beteiligung am Kapp-Puljch geflohen ist und jrtzl steckbrieflich verfolgt wird. Obwohl Die Darstellung der Presie von Ansang an nicht Den EinDruck von Glaub- Würdigkeit machten, schlug Die Entrüstung über Das ge- wakträtige Vorgehen gegen Das arme, unschulDige Kintz in der Presie Der Rechten wahre Purzelbäume.
I-tzt toirD gemrDct. daß Major Bisd)oif überhaupr kein Kind hat und Daß das auf seinem Gute Ne-tzow angetroffene Kind eine Tochter Der Baronin von Frey" tae-Loringhoven ist. einer Baltin, die Bischofs bei seinen Kämpfen im Baltikum kennen gelernt und mit auf fein Gut genommen hat Tie Tame ist mit Blfckiosf ge- flohen und ihr Kind ist. wie nvt aller Bestimmckett er« Härt wird, niemals verhaftet und niemals in Schutzhaft