Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Carl Schütte, - für die Anzeigen: 3- Parzeller-Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung
aerZeitu
47. Zahrg,
Dienstag, 18. Tfiai 1920
Bezugspreis: Monatlich 2,00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 2,10 2RL Anzeigenpreis: DieKleinzeile (Colonelmaß) 50 Pfg., u. 10°/, Zuschlag, die Reklamezeile (Te^tbreite) 1.50 INk., u. lO6/o Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.
Festsetzung der deutschen Zahlungen.
fieber die Frage der Wiedergutmachung und die •WHehung der deutschen Entschädigungssumme gaben die englischen und französischen Minister am Schlüsse der Vorkonferenz in chytha folgende Erklärung ab:
1. Die englische und die französische Regierung erken- r,n an, daß es im allgemeinen Interesse liegt, daß die Wiedergutmachung der durch den Krieg verur- iachten Schäden unverzüglich sichergestellt «ird, und daß zu diesem Zweck die nötigen Mittel so iibne'll wie möglich flüssig gemacht werden. Sie erkennen ierner an, daß es wünschenswert ist, daß Deutschland in den Stand gesetzt werde, durch eine rasche Er- süllung seiner Verpflichtungen seine finanzielle Autonomie wiederzuerlangen.
2. Die Regierungen glauben übrigens, dag, um eine £5fung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die die allgemeine Weltlage schwer belasten, herbeizusühren, und um endgültig eine Aera des Friedens herzustellen, es not- wendig sei, zu einer Regelung der Gesamtheit aller internationalen, durch den Krieg verur- kacht-n Lasten zu kommen, und daß es parallel damit notwendig fei, die Vereinigung der Kriegslasten der aßrerten Länder und der Wiedergutmachungslosten der Mittelmächte sicherzustellen.
Infolgedessen werden die Sachverständigen der beiden Länder damit beauftragt, sofort ihren Regierungen zur Prüfung den Minimalbetrag der deutschen Schuld, der sowohl von den Alliierten angenommen we-den könne, als auch vereinbar fei mit der Zahlungsfähigkeit Deutschlands, vorzuschlagen, des ferneren die Z ah lun g s in o d a lit ä t e n und die bestmögliche Art, die Schuld flüssig zu machen, zu be- stimmen. Um die obgenannten Absichten zu erreichen, müßten deshalb Grundlagen gesunden werden, noch denen die von Deutschland geleisteten Zahlungen zwischen den Miirten verteilt werden könnten gemäß den zuvor getroffenen Abmachungen, die bann, wo es notwendig sei, vervollkommnet werden müßten.
Der Havasvertreter in London hat über die Beratungen von Hythe noch erfahren, die Ministerpräsidenten hätten 120 Milliarden Goldmark für die von Deutschland zu zahlende Entschädigungs- summe festgehalten, doch sei kein Einverständnis über den Zahlungsmodus erzielt worden. Um die verschiedenen Anschauungen über die Entschädigung in Anklang zu bringen, schlug die französische Delegation 30 Iahreszahlungen vor, die Deutschland durch internationale Anleihen aufbringen könne. Der Anteil Frankreichs an den 120 Milliarden Goldmark beträgt 66 Milliarden oder 55 Prozent. England erhält 25 Prozent.
Der Erfolg von hykhe.
Nach Mitteilungen aus Frankfurt a. M. hatte die französische Besatzungsbehörde noch am Donnerstag für weitere 355 französische Offiziere Wohnungen in Bürgerhäusern gefordert und zwar für den 25. Mai. Zum 1. Juni war weiter die Bereitstellung einer Achtzimmer-Wohnung für einen an diesem Tage eintreffen« den Zivilkommissar gefordert worden. Die schnelle Räumung Frankfurts wird auf entsprechende Beschlüsse der Konferenz von Hythe zurückgeführt, die von Atgland und Italien durchgedrückt wurde.
Braunschweig und Mecklenburg.
Das Wahlergebnis in Braunschweig
ist ähnlich ausgefallen wie das gestern gemeldete Tell- «gebnis der Stadt Braunschweig.
Insgesamt wurden im Freistaat Braunschweig ob« Gegeben: für den Landesverband der rechtsstehenden horteten 73 960, für die Demokraten 18 600, für die Sozialisten 27 700, für die Unabhängigen 73 200 und mr die Kommunisten 2380. Der Landtag besteht aus »0 Abgeordneten. Die Mandate verteilen sich folgen« vermaßen: Landesrvahloerband 23 (i. B- 15), Demo« toten 6 (14), Sozialdemokraten 8 (17), Unabhängige
.Das' Stimmenverhältnis der Bürgerlichen und der sozialistischen Parteien ist gleich geblieben. Es ergab üch auch diesmal wieder eine kleine sozialistische Mehrheit. Innerhalb der Parteien aber hat sich eine ge- .WUige Verschiebung bemerkbar gemacht. Die extremen Parteiender Rechten und Linken haben tinen sehr starken Zuwachs erhalten, während die Mitte entsprechend geschwächt wurde. Die sehr zu- llespitzten radikalisierten Derhältnisse Braunschweigs erlauben keinen Rückschluß auf das Reich, sie ent- halten aber eine ernste Lehre für das Reich, die Lehre, haß es von ungeheurer Wichtigkeit ist, durch Ausgleich Aschen den Gegensätzen die Ausdehnung einer solchen Entwicklung zu verhindern, die unbedingt zum Bux- gerkrieg führen müßte.
Ende der sozialistischen Mehrheit in Strelitz.
Am Sonntag fanden in Mecklenburg-Strelitz die Wahlen zum Lantztao statt, sie ergaben die Bese i = ’19ung der bisherigen Mehrheit der Sozialdemokraten, die von 35 Sitzen 18 infle hatten.
Reue belgische Gewaltakte.
Die belgische Gewaltherrschaft m den Kreisen Eupen und M a l m e b 9 nimmt immer rücksichtslosere Formen an. Bor kurzem sind die Belgier dazu übergegangen, alle Personen, die nach dem 1. August 1914 in den Kreisen zugezogen sind, auszuweisen. Den Betroffenen wird nur eine Frist von wenigen Tagen gelassen. Wenn sie das ihnen zum Kurse von einer Mark gleich einem Franken umgewechselte Geld nicht zum Tageskurse zurückzahlen, so wird ihnen ihre be- wegliche f)abt zurückbehalten. Hunderte von Familien werden hierdurch in die größte Rot gebracht. Die lusmeifung erfolgt im Widerspruch zu dem in den Kreisen geltenden Recht und zu verschiedenen Bestim- Htungen des Friedensvertrages. Den nachdrücklichen Protest, den dis deutsche Regierung sofort bei der Frie- benskonferenz, beim Völkerbund und bei der belgischen Regierung erhoben hat, scheinen die belgischen «okalbehörden unberücksichtigt zu l^en. Diese neue geradezu unmenschliche Maßnahme kennzeichnet zur Ge- ■üge das belgische Gewaltregiment in den Kreisen Eupen und Malmedy . Trotz dieser offenkundigen Tat- Ahe wollen belgische Abgeordnete und Minister die Bdt glauben machen, daß in diesen Gebieten Belgien fein Regime mit Milde, Wohlwollen und Takt aus« übe und daß alles in schönster Ordnung fei.
Es haben erhalten: Wirtschostsiche Bereinigung der Rechtsparteien 10, Handwerkergruppe 4, Demokraten 5, Mehrheitssozialisten 15, Unabhängige 1 Mandat. Es stehen also 19 bürgerlichen 16 sozialistische Abgeordnete gegenüber, voraussichtlich wird sich eine demokratisch-sozialistische Koalition bilden, die mit 20 Stimmen eine feste Majorität hätte.
.* . L t -----------—-----------*'
?'' Jur Tarifbewegung.
In Berlin wurde in einer öfsentlicheck Dank- beamten-Bersammlung beschlossen, megt m den Streik zu treten. — In der Berliner Metallindustrie hat die Arbeiterschaft neue Zulagen geordert, die sich bis zu 50 und 100 Prozent der bisherigen Löhne bewegen. Da die Industriellen Die Forderungen ablehnen wollen, so ist mit einer neuen Streikbewegung größten Umfangs zu rechnen. Zahlreiche Millionenaufträge aus Skandinamen bet der Berliner Metallindustrie sind von den Auftraggebern zurückgezogen worden. — Die streikenden Bankangestellten in Rheinland und Westfalen nahmen einen Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses an und nahmen dis Arbeit wieder auf.
Die Verhandlungen im Buchdruckgewerbe.
Die Verhandlungen im Tarifausschuß der Buchdrucker über neue Teuerungszulagen sind beendigt. Sie bringen den Buchdruckern an den kleinsten Orten 18 Mark neue wöchentliche Teuerungszulage, an den größten Orlen 36 Mark, in Fulda 24 Mark. Siele Beträge werden in zwei Raten geteilt, deren erste mit Wirkung vom 31. Mai und deren zweite vom 5. Juli ab zu zahlen ist.
Zum Ausgleich ist der Aufschlag auf alle Druckrechnungen um 25 Prozent erhöht worden; die Berechnung des Papiers ist hierin nicht einbe-
Tie Sage im Gewerbe wurde als sehr bedenklich bezeichnet. Namentlich in Zeitungsbetrieben sähe es trostlos aus. Wenn nicht unverzüglich eine Besserung kommt in allen Preisen, vornehmlich den Papierpreisen, so gäbe es eine Katastrophe. Mehrere Zeitungen, die mehrmals täglich erschienen, haben sich auf einmaliges Erscheinen beschränkt. Verschiedene Blätter haben bereits ihr Erscheinen ganz eingestellt, andere stehen vor der Schließung ihres Betriebes.
Deutsches Reich.
♦« Berlin, 17. Mai. In der Provinz Schleswig- Holstein sind mehrere Landräte im Zusammenhang mit dem Kopp-Putsch vom Amte entfernt worden. — Der ehemalige Kaiser und die Kaiserin sind jetzt von Amerongen nach Schloß Doorn übergesiedelt. Zahlreiche Filmphotographen hatten sich ein« gesunden. Das Kaiserpaar hielt aber durch einen entlegenen Treppeneingang unbemerkt seinen Einzug.
Gemeinden und Einkommenfieuerbefchlüsse. Der Reichsanzeiger veröffenllicht eine Verordnung zur Ueberleitung der Gesetzgebung im Bereiche der Einkommensteuer, die mit Wirkung vom 1. April 1920 in Kraft getreten ist und bestimmt, daß Gemeinden (Ge- meindeverbändc) Einkommensteuern im Rahmen des Landesrechts noch bis zum 30. Juni 1920 beschließen können, soweit triefe Steuern zur Deckung von Umlagen erforderlich sind, die von weiteren Kommunal- oerbänden zur Befriedigung von Bedürfnissen des Rechnungsjahres 1919 vor dem 1. April 1920 beschlossen worden sind.
.. /
f : a Kurland.
Men — dne deutsche Stadt. Anläßlich bw *r« zigjährigen Bestehens des Deutschen Schulvereins sanden am Sonntag Riesenkundgebungen für den Anschluß an Deutschland vor dem Wiener Rathaus statt. Um 10 Uhr vormittags strömten von allen Seiten mächtige Züge mit schwarz-rot-goldenen Fahnen, Eichenlaubkränzen und Tafeln mit Inschriften dem Rathaus zu. Auf den Inschrifttafeln war zu lesen: „Heraus mit dem Selbstbestimmungsrechtl" „Ein Gott, ein Staat, ein Vaterland!" „Hoch, das deutsche Wien!" Das Festabzeichen trug die Worte aus Wilhelm Teil: „Wir wollen fein ein einig Volk von Brüdern!" und darunter: „Stimmt für den Anschluß!" Zum Schluß der Kundgebung hoben sich viele tausend Hände zum Schwur, und aus allen Kehlen drang das Gelöbnis, am Ziel der Vereinigung des Deutschtums festzuhalten.
Die Kabinettsbildung in Italien. Bonomi hat infolge des Widerstandes der Katholiken auf die Kabinettsbildung verzichtet. Infolgedesien wächst die Aussicht auf die Wiederkehr Rittis.
* Der amerikanische Senat und bet Friede mit Deutschland. Die im amerikanischen Senat angenommene Resolution über die Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland und Oesterreich ist von den Republikanern ausgegangen. Wilson hat sich mit aller Energie gegen die Annahme dieser Resolution gesträubt, unb man erwartet, daß er jetzt Einspruch einlegen wirb. Der Beschluß hat also noch keine endgültige völkerrechtliche Bedeutung.
* Ter Kaiser von Japan liegt im Sterben.
Die Verantwortung beim Wählen.
Don einem Parlamentarier wird uns geschrieben:
Nie war die Verantwortung beim Wählen größer als jetzt. Um deswillen nicht, weil auch nie die Mitbestimmung des Volkes bis zum letzten Volksgenossen an die Gestaltung der politischen Geschicke des Landes so unmittelbar war, wie das jetzt der Fall ist.
Parlamentarier ftüherer Zeiten waren eigentlich nur Aufsichis- und Kontroll-Beamte, ohne entscheidende und bestimmende Gewalten. Ihr Aufsichis-, Kontroll- und Kritikrecht war immer mehr und mußte unter die- fen Umständen mehr oder minder platomfch fein. Eine direkte Beeinflussung des politischen Willens, der nicht vom Parlament, sondern von anderen Fak- loren der Staatsgewalt ausging, war ihnen nicht möglich. Ds polittfche Schicksal wurde letzten Endes WndM DeWaljunüsorgcMp geleistet, di« auch, ihrer
seits nicht frei in ihren Entschließungen .sondern wieder abhängig von Weisungen anderer, dem allgemeinen Dolkswillen unzugänglicher und oft genug auch über den Wolken schwebender Organe waren .
Das ist nun mit einem Male ganz anders geworden.
Das alte Parlament, das nach des Grafen Pofa- dowsky zutressendem Wort nichts anderes als eine „Abstimmungs-Maschine" war, ist abgelöst durch eine Volksvertretung, die ihrerseits die Regierungs- gewalt und damit die Bestimmung des politischen Geschickes von Volk und Land unmittelbar und direkt ausübt. Heute ist der Parlamentswille überragend, er ist ausschlaggebend für die Entschließungen und Waßnohmen der Regierung.
Damit ist das Parlament und damit sind die gewählten Volksvertreter unmittelbar Stegen» t e n, unmittelbar aktive Former und Gestalten des politischen Lebens unseres Landes und Volkes geworden.
Daraus ergibt sich aber auch die ungeheure, vordem nie in solchem Ausmaß und solcher Wucht bestandene Verantwortlichkeit des einzelnen Wäh- lers. Heute hat das Wählen eine ganz andere Bedeutung als je früher. Der Tag der Wahl stellt deshalb auch die Wähler vor eine viel schwierigere und verantwortungsreichere Entscheidung, als sie je früher für jeden von uns bestanden hat. Dazu kommt ein weiteres: niemals zuvor hat auch jede einzelne Stimme ein größeres Gewicht gehabt, als diesmal. Bei dem Wahlkampf wird um jede einzelne Wählerstimme gerungen werden, jede einzelne Stimme auch fällt schwer ins Gewicht und kann ausschlaggebend werden. Auch das müssen sich die Wähler vor Augen halten . Auch diese Tatsache muß ihnen die Wucht und Größe ihrer Verantwortlichkeit eindring- sich vor Augen führen. Aus dieser Erkenntnis müssen dann die Wähler die Folgerungen ziehen.
Rur wer sich der Verantwortlichkeit beim Wählen bewußt ist, wirb gut wählen unb ein gutes Wahlergebnis ist die Voraussetzung für die langsame, ruhig« aber stetig nach aufwärts führende Entwicklung der Dinge, die uns allein aus der Not der Zeit zu erretten vermag. • ,
i * ■ '
Köln, 17. Mai. Die katholischen Pfarrer von Köln mit Ausnahme des Oberpfarrers Kastert (eines Führers der neuen Christlichen Volkspartei) erlassen in der „Köln. Volksztg." einen Aufruf, in dem sie auf die Wichtigkeit der bevorstehenden Reichstags wählen Hinweisen. Es handle sich um die Existenz der katholischen Kirche. Es sei darum die Pflicht aller Katho- kiken, treu unb fest zur altbewährten Zentrumspartei zu stehen. Die Pfarrer beklagen und bedauern die Zersplitterung im Zentrum. Köln dürfe nicht bi! Pflanzstätte einer politischen Spaltung der beutschen Katholiken werden.
Wahlbewegung in Hessen-Nassau.
----- Die Hessische Bauern$elfung, das Organ des Landbundes, bemüht sich offensichtlich, fast in jeder Nummer am Zentrum herumzumäkeln. Man wird in unfern Kreisen diesem Blättchen mehr, als es seither geschehen ist, auf die Finger sehen müßen, damit es nicht durch seine unnötigen und ent {teilten Mitteilungen Verwirrung in unfern Reihen stiftet. Bezeichnend ist auch seine Notiz: Zu den Reichstagswahlen in Nr. 47. ‘ Am sympathischsten scheint dem Landbund die deutsche V 0 lks- partei (die früheren Nationalliberalen, bekanntlich die eigentlichen Väter des Kulturkampfes) zu fein, die läßt er nämlich zuerst aufmarfchieren und teilt mit, daß sie an zweiter Stelle und an vierter Stelle einen Landwitt auf die Liste gefetzt haben. Nun hat aber diese Partei bei den letzten Wahlen nur einen Abgeordneten durchgebracht, daß sie diesmal bester abschneiden und der an zweiter Stelle stehende Landwirt in den Reichstag einziehen wird, ist zum mindesten recht unsicher. Auch bei den nun folgenden Deutschnationalen, die bei den vorigen Wahlen auch nur einen Sitz erhielten, kandidiert der Landwirt nicht an dieser sichern ersten, sondern an der zweiten Stelle. Nun kommen bei der Bauernzeitung die Demokraten, für die ein Landwirt Trieschmann an zweiter Stelle kandidiert. Erst zu allerletzt kommt so ganz nebenbei das Sätzchen: „Auch die christliche Volkspattei stellt an zweiter Stelle einen Landwirt aus dem Kreise Fulda aus!" Den Namen mitzuteilen, hält sie nicht für nötig, und warum beim hier auf einmal „christliche Dolksparlei" und nicht „Zentrum", wie die Bauernzeitung fönst immer schreibt, wenn sie an dieser Partei kritisiert und herummäkelt. Wahrscheinllch will sie mit dieser bei uns in Hessen gar nicht gebrauchten Bezeichnung den Anschein erwecken, als komme das döse Zentrum gar nicht für den Landbund in Betracht, sondern höchstens die neue Kölner Partei der Nörgler und Quertreiber, die sich ja bekanntlich christliche Dolkspattei nennt. Das ist u. E. eine bewußte Irreführung der Leser. Wenn die Mitglieder des Landbundes übrigens, wie es in einer Entschließung des Vorstandes heißt, nur solche Listen wählen sollen, die an unbedingt sicherer Stelle einen .Landbundkandidaten" (soll wohl heißen — Landwitt) aufweisen — dann käme doch in allererster Linie das Zentrum in Betracht, dessen Kandidat ganz sicher gewählt wird, während deutsche Dolkspattei und Deutschnationale ausscheiden würden. — Komisch berührt es übrigens auch, wenn der Landbund alle Maßregeln, Verordnungen und Bestimmungen, die zu Gunsten der Landwittschaft erlaffen werden, allein als sein Verdienst beansprucht. Er ist daran am unschuldigsten. Nur dadurch, daß auch andere wirklich einflußreiche Drgani- fationen und Parteien, vor allem das Zentrum, dafür eingetreten sind, konnten sie durchgesetzt werden.
*
):( MagdloS bei Flieden. Eine gut besuchte W a h l- versammluna fand Sonntag abend unter Leitung des Herrn Lokalkaplan Trageser hier statt. Herr KuratuS Hahn-Rommerz kennzeichnete die verschiedenen Parteien, die sich um der Wähler Gunst bemühen und forderte mit eindringlichen Worten au reger Wahlbeteiligung zu gunsten der Zentrumsliste auf. Der zweite Redner des Abends, Herr Domkapitular Günther« Fulda, zeigte, wie die katholische Kirche sich jeder- zeit als die erfolgreiche Schützern» der Menschenrechte bewiesen, daß ß» überall für wahre Freiheit, Gleich
heit und Brüderlichkeit eingetreten sei und deshalb be< gründeten Anspruch habe auf Unterstützung zur Durchführung der religiösen und kulturellen Forderungen.
)< Schwarzbach (Kreis Hünfeld). In einer gut be« suchten Zentrums-Wahlbersammlung, dik Herr Pfarrer Gnau eröffnete, setzte Herr Redakteur Schmitt von Hünfeld in länget er Rede die Verdienste des Zentrums um die Landwirtschaft auseinander und ermahnte eindringlich, daß die hiesigen Zentrumswähler' auch dieseSmal, wie sie es schon seit vielen Jahren getan hätten, dem Zentrum treu bleiben möchten.
[] Großentaft. Am Sonntag abend wurde hier eine gut besuchte Zent r um s-W ahlvers a tnmlung unter Leitung des Bürgermeisters Sauerbier abgehalten. Herr Parteisekretär Müller vcn Marburg sprach in l'/iftünbiger Rede über den Werdegang des neuen Reiches und über die Notwendigkeit der Mitarbeit des Zentrums in der Koalition. Reicher Beifall der Anwesenden lohnte den Redner für seine klaren Ausführungen. Interessant und anregend berkef die sich anschließende DrSkusst 0 n, besonders über Abbau der Zwangsbewirtschaftung und über die neuen Steuern. Alle waren hochdefriedi, t über die Aufschlüsse, welche der Herr Parteisekretär den Anfragein Gärtner, Sauer» b'et und Abel geben konnte. Nachdem der Herr Pfarrer noch einige ermunternde Worte gesprochen hatte zum treuen Festhalten am Zentrum, das sich auch in dieser aufgeregten Zeit wiederum als echte Volkspartei gezeigt habe, wurde die Versammlung geschlossen. Eine Sammel lung für die Parteikasse ergab 74 Mark.
Aus dem lkachdargediet,
(:) Dielershan. Der allbekannte Kreuzotternjäger, Herr A. L a r b i g, fing innerhalb 14 Tagen im Die- tershaner Forst nicht weniger als sechs Kreuzottern. Es ist angebracht, darauf hmzuweisent beim Beerensammeln während des Sommers vorsichtig zu sein und am besten Stellen, die als Aufenthaltsort der giftigen Schlangen bekannt sind, zu meiden.
(dt) Schwarzbach, Kr. Hünfeld. Die Bewohner der Pfarrei Schwarzbach hatten ihrem früheren Herrn Pfarrer Pfeifer, z. Zi in Großauheim bei Hanau, zu feinem silbernen Priesterjubiläum eine namhafte Summe gespendet. Der Jubilar hat nun in Ansehung der sehr beschwerlichen Pastoraiion der hiesigen Pfarrei diese Summe zu einer Kaplaneistiftung überwiesen. Die ungefähr 1 Stunde von ihrem Pfarrdorfs entfernt liegenden Gemeinden Obernüst, Mahlerts und die weit zerstreut umheliegenden Weller und Höfe griffen den Gedanken mit Freuden auf und sammelten sofort die Summe von über 35 000 Mark, um eine selbständige Kaplanei in der Filiale Obernüst zu erhalten. Hoffentlich wird der schöne und überaus notwendige Plan bald verwirklichl.
* * Hersselll. sHeim. Baden in der freien Fulda unterhalb der Einmündung der Haune ertrank das zehnjährige Söhnchen des PolizeiwachtmeisterS Möller.
(;) Bebra. Im Rotenburger Forstbezirk tonrbe der Forstaufseher Held aus Rotenburg, der mit zwei Wilderern irft Walde zusammentraf, von diesen er» -schossen. Die Verfolgung der Wilderer ist ein« geleitet.
-g. Homberg bei Kassel. Man schreibt uns:
Als Teil deS Reichsverbandes des deutschen Handwerks, welcher bisher etwa Wi Millionen Mitglieder zählt, wurde in Kassel (wie wir am Montag an anderer Stelle schon meldeten. D. Red.) ein Bezirksverband für Kurhessen und Waldeck gegründet. Vertreten wäre« nahezu sämtliche Innungen und Geweröevereine deS Bezirks. Erstrebt wird die Erkämpfnng der Gleichberechtigung mit Industrie, Handel und Landwirtschaft. (31 gilt, den Zusammenschluß der 2% Millionen Handwerksbetriebe nebst deren Anhang herbeizuführen, um diese zusammengeschlosiene Masse, etwa 5—6 Millionen Wahlstimmen, auf der Plattform dez politischen Leben» zur Geltung zu bringen. Er gilt den Gefahren, die dem Handwerk in der Gegenwart und besonders in der Zukunft durch die Gesetzgebung drohen, mit Macht entgegenzutreten. ES gilt für Erhaltung und Förderung bei erwerbstätigen Mittelstandes (Artikel 164 dex Reichs Verfassung) einzutreten und den in diesem Punkt« verfassungsuntreuen Geistern in Regierung und Parteien die Spitze zu bieten. Es gilt positive Milarbeit zu leisten zum Wiederaufbau des Staates und zur Gesundung der Verhältnisse durch Ermöglichung gufrlebe» ner Einzeleristenzen, welche der Klassenverhetzml« nicht zugänglich sind. Dazu bedarf es großer Opfertoil- li gl eit und das Zurückstellen kleinlicher Eigeninter- effen. Dazu bedarf es der Mitarbeit eines lebte Einzelnen. Deshalb können neben den Korporationen auch Einzelhandwerker dem Verbände beitreten, welch Letzterer feinen Aufbau in Ortsgruppen und Kreisverbände gliedert. Die Geschlossenheit des Auf- baueS erfordert die Beachtung aller politischen Parteien und in Zukunft kann Wohl auch die Zentrumspartei in Hessen-Nassau nicht umhin, das Handwerk auch in der Kandidatenfrage zu berücksichtigen. ■
△ Limburg, (sonntag früh wurde auf einet Böschung bet Eisenbahn Limburg—Staffel dieLe iche eines jungen Mädchens von 18—20 Jahren gefunden. Die Tote wurde als das Dienstmädchen Therese Herp aus Frickhofen erkannt. Welche bei Zahnarzt Lux-Limburg in Dienst stand und um 9 Uhr abends Milch aus Staffel geholt hatte. Ob Unfall oder Verbrechen vorliegt, ist noch nicht ermittelt.
Mantmischer Sobalenfag in Frankfurt a. 2!L er. Frankfurt a. M.
Zu einer machtvollen Kundgebung katholischen Glau bens im Leben der Großstadt wurde der erste marianifch« Sodalentag, der am Sonntag unter stärkster Beteiligung der marianifchen Kongregation von ganz Hessen- Nassau stattfand. Eingelestet mit einer Eeneralkom- uumion aller Teilnehmer und Teilnehmerinnen in den oer- fchiedenen Kirchen der Stadt, vermochte dann der große Kaiferdom die Schar der Gläubigen kaum zu faffen, dir zum Festgottesdienst erschienen waren. Pater Agathange- lus sprach in seiner Festpredigt vom großen Gedanken der Sodalität. Mächtig brauste nach dem von dem Domchor verschönten Levitenamt das Te Deum du-ch die weiten Hallen. In vier verschiedenen Sälen tagten dann die geschlossenen Versammlungen der Sodalitäten, in denen innere Fragen der Organisation besprochen wurden. Am Nach- msttag fand die große Fe st Versammlung im großen Saale des Saalbaues statt, der 2000 Besucher aufzunehmen imstande ist. Da es aber weit mehr waren, mußte unter dem Vorsitz von Pfarrer Dr. Karst Frank-