Einzelbild herunterladen
 

I

Die Räumung des Maingaues.

Die Franzosen haben heute früh begonnen, Fron!» furt und den Maingau, den sie am 6. April rechtswid­rig besetzt hatten, zu räumen. Gestern traf hier fol­gende Melduna ein:

wlb Frankfurt a. UL, 16. Mai. Wie die französi­schen Behörden heute früh den amtlichen Stellen mit- teillen, beginnt die Räumung Frankfurts und des ge­samten Maingaues am Montag, den 17. Mai, vormit­tags von 4 Uhr ab. Um während der Räumung un- liebfamen Vorfällen vorzubeugen, fordern die Franzosen Die Stellung von Geiseln: Regierungspräsi- -ent Koßmann, Oberbürgermeister Voigt, Polizeipräsi­dent Ehrler, Sladtverordnetenvorstcher Hopf, Stadtrat Dr. Rumpf, Stadtverordneter Sion. Außerdem muß eine Bürgschaft von 1 Million Mark hin- kriegt werden.

lieber die inzwischen erfolgte Räumung liegen folgende Meldunaen vor:

wb. Frankfurt, a. M. 17. Mai. (Tel.) Die Rau- mung Frankfurt» durch die Franzosen hat heute früh 4 Uhr begonnen. Bis 7 ULr morgens hatte ein großer Teil der Truppen die Sradt bereits verlasien. Die Zurückgebliebenen sind ebenfalls marschbereit. Zwischenfälle haben sich nicht ereignet. Die Abzugs, strotze und auch -die bisher von den Franzosen belegten Lokale waren von der blauen Sicherheitswehr besetzt, die in voller Stärke Aufgeboten war.

wtb. zranksurt a. M, 17. Mai. 11 Uhr. (Tel.) Die Räumung der Stadt Frankfurt durch die Franzosen und Leloier war kurz nach 9 Uhr been bet. Zu Zwischenfällen ist eS nirgends gekommen. Nachdem die geforderten Geiseln um S Uhr entlasten worden waren, verließ auch der fianzösische Stab die Stadt.

(st) Hanau, 17. Mai. Heute früh ist die Besatzung aus der Stadt Hanau abgerückt. Der Oberbürger­meister der Stadt und der Landrat des Kreises Hanau hatten die Aufforderung erhalten, die Truppen bis zur Stadt bezw. Kreisgrenze zu begleiten. Doch ist darauf schließlich verzichtet worden. Der Direktion der ehe­maligen Pulverfabrik war eine Strafe von 5000 Mark auferlegt worden wegen nicht rechtzeitiger Anmeldung der noch vorhandenen Pulvervorräte. Diese Geldstrafe, die bis gestern erledigt sein mutzte, hat die Stadt Hanau • vorschußweise bezahlt. Die Sicherheitspolizei hat den Dienst wieder in der Stadt übernommen.

Die Vertagung der Konferenz in Spaa.

Die Ministerpräsidenten von England und Frank­reich sind am Samstag zu der von Millerand gewünsch­ten Vorkonferenz in Hythe, unweit dem englischen Seebad Folkestone, zusammengekommen. Sie be- schloffen, den anderen Alliierten vorzuschlagen, die Kon­ferenz von Spaa bis zum 21. Juni, also nach den deut­schen Wahlen, zu vertagen. Eine amtliche enMchr Mitteilung über die Konferenz besagt: Lloyd George und Millerand habelt sich dahin geemigt, daß die Kon- ferena in Spaa aufgeschoben wird, bis die Reichstagswahlen stattgefunden haben. Vor­läufig ist oorgeschlagen worden, daß der V e r s a i l l er Vertrag und besonders die Bestimmungen über die Entwaffnung, die in Spaa erörtert werden, weiter in Kraft bleiben sollen. Bezüglich der Mvergüt- rnachungen erklärte Millerand sein vorläufiges Ein­verständnis zur Festsetzung einer endgültigen Summe. Die Festsetzung ist gewissen Bedingungen unterworfen, von denen eine ist, daß Frankreich eine Abschlagszahlung von Deutschland erhält.

Laut einer Meldung der „Daily Mail" wird vor der Konferenz in Spaa noch einmal eine Vorkonferenz in Paris stattfinden.

Die Konferenz in Spaa ist oerlagt, wenigstens auf »ter Wochen. Dagegen ist die Räumung von Frank- furt und dem Maingau nunmehr erfolgt.

Das erstere werden die Franzosen als einen Erfolg ihrer Taktik betrachten, das zweite aber als ein Gna­dengeschenk für Deutschland hinstellen wollen. Wir sagen zu Punkt 1: „Aufgeschoben ist noch nicht auf-

fordernde Liebe.

Roman von Erich Ebenstein.

12] ----------

.Ich mutz Dich ernstlich bitten, solch «Derne De- tzauprungen künftig wenigstens für Dich zu behalten!" sagte er kalt. .Die Fürstin war meine Patientin und fördert mich au» Dankbarkeit, wo sie kann, wofür ich ihr natürlich gewiffe Rücksichten schulde. , Fm übrigen ist sie immer noch sehr leidend und ■ mir als SBeib 'völlig gleichgültig."

Sein bestimmter Ton beruhigte Daniela Halbweg». Dennoch sagte sie:

„Kannst Du mir die» schwören?"

„Gewiß, — wenn ein Schwur in dieser Angelegen­heit nicht lächerlich wäre!"

Daniela warf sich an feine Brust.

„Vergib — ich habe Dich so lieb! Ich bin auf die Luft eifersüchtig, du Du atmest!"

„Daz mußt Du Dir aber abgewöhnen, Dana, es ist töricht," antwortete er, mechanisch ihr Haar strei. chelnd.

„Und an wen hast Du also vorhin gedacht?" flü­sterte sie, unruhig zu ihm aufsehend.

„Ach, laß da», Kind, Du willst ja sonst nie etwas bon meinem Beruf hören!"

„Doch! Diesmal ja! Wer ist sie?"

„Sine arme Lehrerin, die schwer leidend ist und 8«iz allein im Leben steht. Mr Schicksal erweckt mein Mitleid, ihre Krankheit mein Interesse als Arzt, denn es ist ein sehr seltener Fall. Wenn ich sie nicht wieder arbeitsfähig machen kann, ist sie der furchtbarsten Rot preikigegeben. Heilen aber! könnte sie vielleicht nur eine Operation . . .' ,. .

Er starrte in Gedanken versunken vor sich hm und fuhr dann mehr zu sich, al- 3U Daniela sprechend fort; .Die Verantwortung ist ungeheuer . . . niemand hat biSber diesen Eingriff zu machen gewagt . . „ und doch: e» müßte gehen! . . ." Wieder schwieg er Der Widerschein intensiver Gedankenarbeit lag verklarend «rf seinen Zügen. „

Er sah das blaffe, schmerzverzozene G-ucht der fungen Lehrerin wieder vor sich und hörte ihre ~et« denSgeschichte. Keine Eltern. Immer die Sorge ums tägliche Brot. Die Todesangst, entlassen zu werden.

TU. 113

Verantwortlich für den redattionellen Teil: Earl Schütte, n für die Anzeigen: 3- Parzeller-Fulda. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Tetegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

erZerlun

47. Zahrg.

Montag, 17. Mai 1920

Bezugspreis: Monatlich 2,00 Btt. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei unsabqeholt 2,10 Btt. Anzeigenpreis: DieK'einze e (Colonelmatz) 50 JJfg., u. 10° ° Zu'chlag. d e R ekIame z eie (Tertbreite) 1.50 Btt., u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol Rabatt.

gehoben," und zu Punkt 2: „Der Vorstoß in den Maingau war ein rechtswidriger Gewaltakt, und wenn ihr setzt wieder abrückt, so freut uns das wegen der Erlösung der betreffenden Bevölkerung, aber „zum Danksagen sehen wir ganz und gar keinen Anlaß."

Die Verschiebung der Konferenz von Spaa wird in der halbamtlichen Meldung von Reu­ter mit der Rücksicht auf die deutschen Reichstags­wahlen „begründet". Das wirkt nicht überzeugend, weil es schon bei der Einladung zum 25. Mai bekannt war, daß in Deutschland am 6. Juni gewählt werden soll. Den Ausschlag hat offenbar neben dem Drän­gen der Franzosen di« italienische Mimsterkrisis ge­geben. Die Verzögerung der wichtigen Aussprache ist uns nicht angenehm; doch wer den gegebenen Tat­sachen eine gute Seite abgewinnen will, kann sich sagen: Wenn die deutsche Regierung erfrischt und ge­stärkt aus der Wahlbewegung hervorgeht, kann sie um so wirksamer auf der Konferenz sprechen und handeln! I

Dazu gehören allerdings zwei Voraussetzungen: Erstens, daß die deutschen Wähler sich als kluge Pa­trioten bewähren und sich nicht zu störenden Seiten­sprüngen verleiten laffen. Zweitens, daß in Italien ein friedliebendes Ministerium berufen wird und Lloyd George gegenüber den französischen Quertreibereien an der Politik von San Remo festhält.

Was die Räumung des Maingaues an- gcht, so ist gewiß die endliche Befreiung der Bevölke­rung von der Besatzung zu begrüßen, aber daran fest- zuhalten, daß sie rechtswidrig ützr ihre unschuldigen Häupter gekommen ist. Bestehen bleibt noch in dem linksrheinischen Besetzungsgebiet die schwarze Schmach, das bestialische Treiben der farbigen Franzosen, das eine entsetzliche Plage für unfere dortigen Dolksgenos- sen und eine himmelschreiende Schande für die fran­zösische Ration bildet. Bestehen bleibt auch noch das rigorose und vielfach geradezu aufreizende Verhalten der Führer der französischen Besatzungstruppcn, die sich in der Verhängung von überspannten Geldstrafen bei jeder Kleinigkeit und in fonstigen Schikanen sehr unvorteilhaft von dem Militär der anderen Nationen „auszeichnen". Bestehen bleibt auch unsere berechtigte Klage über die riesigen Kosten, die durch die ausge­dehnte und ausdauernde Okkuvation dem armen Deutschland auferlegt werden, obschon für eine der- artige „Sicherung" keine Notwendigkeit vorliegt.

Wenn es zu einer Aussprache in Spaa kommt, dann wäre auch die Frage am Platze, ob dieses Zwangsmittel einer langjährigen Okkupation nach Friedensschluß überhaupt noch in d e moderne Kultur paßt. Die Gegner haben ja, um Deutschland zur Er- füllung seiner Verpflichtungen anzuhalten, ein sehr starkes Zwangsmittel in Referve, nämlich die Blockade. Die würde jeden Versuch des Friedensbruches sofort ersticken. Und wenn Marschall Fach sich aus die eigenl- liche „militärische Sicherheit" verbeißt, so hat er doch in der Entwaffnung Deutschlands und dem erdrücken- den Uebergewicht seiner Truppen die volle Gewähr, auch wenn das linksrheinische Land nicht mit mobilen Armeekorps vollgepfropft ist. Die Arbeitskraft der dort festgelegten Mannschaften könnte Frankreich bes­ser verwerten, und die dort verschwendeten Gelder ebenfalls. Die Okkupation in dieser Ausdehnung und Dauer ist im Gmnde nur Menschenquälerei und Kräftevergeudung auf beiden Seiten.

Das gehört zu einer gründlichen Lösung der Frage, wie man aus diesem Scheinfrieden von Versailles zu einem wirklichen Frieden, zu einer Versöhnung und Arbfltsoemeinschaft der Völker gelangt.

Vorläufig muffen wir uns begnügen mit kleinen Schritten zu diesem Ziele hin, und dürfen schon froh sein über jede Milderung und jede Gelegenheit zur Verständigung.

Hoffentlich wird es dazu in Spaa doch noch kommen.

kenn ihre Stelle war nur provisorisch. Dazu nun die Krankheit, die so viel Schmerzen verursachte und be. ständige Selbstbeherrschung forderte.

Mit greifbarer Deutlichkeit sah Hadlof das arme, junge Geschöpf int Lehrzimmer stehen, gequält und drangsaliert von 60 ausgelassenen Rangen — den körperlichen Schmerz verbeißend, sich nur mühsam auf 'ben Beinen haltend. Dabei war sie noch nicht einmal zwmtzig Jähre alt!

Schrecklich, welch traurige Äugend manche» Mäd­chen hatte! Heidlos war immer ein Gefühlsmensch ge- Wesen, Sein Berus hatte ihn noch nicht abgestumpft. Schwer empfand und litt er zuweilen die Not der Kreatur mit, um sich dann wieder auszurichten an dem idealen Streben, zu helfen, zu retten . . .

Wo e» gelang, erlebte et die tiefsten, reinsten Freu, den, die das Leben ihm überhaupt bieten konnte.

Ach, wenn e» auch hier bei Lore Sand gelänge —I Mußte er nicht den Mut in sich auf bringen, zu wagen, was vor ihm noch keiner gewagt hatte? Da e» seiner Ueberzeugung nach nur diese eine Diöglichkeit gab? . . .

Mitten in diese Gedanken hinein Hang plötzlich Da­nielas Stimme halb schmeichelnd, halb vorwutssvoll: „Ist sie denn jung und schön, weil Du gar so viel an sie denkst und mich darüber ganz vergißt?"

Wie ein brutaler, kalter Guß überrieselten ihn die Worte. So weltenfern lag ihr Empfinden von dem seinen! W-eil sie selbst ganz in Aeußerlichkeiten auf- ging, traute sie auch ihm mit dann Teilnahme zu, wenn es sich um Jugend und Schönheit handelte!

„Ich weiß cS nicht," sagte er, sich fast barsch von ihr loSmachend. „Ein Atzt sieht seine Patienttnnen nicht daraufhin an, so weit wenigstens könntest Du mich doch bereits kennen!"

Seine Antwort steigerte indes nur Daniela» Arg. wohn. Weit entfernt, zu ahnen, wa» in ihm tiotglng, bildete sie sich ein, er sei nur darum so barsch, weil ihr Verdacht da, Richtige getroffen habe.

.Al» ob ihr Aerzte nicht auch Männer wäret! Und al» ob Männer Frauen nicht immer nut nach der Scl)önhcit beurteilen!" sagte sie bitter. „Wenn Deine Lehrerin ein alte» Weib wäre, würdest Du Dir sicher nicht so viele Gedanken Über ße machen! Di, heißt tztz denn übrigen»?* *^.

Ein päpstlicher Nuntius in Berlin.

Der Daükan gedenkt bekanntlich in Bersin eine Nuntiatur zu errichten, die mit dem bisherigen Nun­tius in München, Monsignore Pacelli, besetzt wer­den soll. Der Kardinalstaatssekretär beim Heiligen Stuhl hat am 9. Mai in einer Note, die durch ihren Ton bemerkenswert ist, den deutschen Botschafter beim Vatikan, Herrn v. Bergen, davon Kenntnis gegeben und um die Genehmigung nachgesucht. Die Note lautet:

In dem Wunsch, den würdigen Akt zu erwidern, mit dem die Regierung Deuffchlands eine Botschaft an Stelle der einstigen preußischen Gesandtschaft beim Heiligen Stuhl eingesetzt hat, und in der Absicht, der Regierung und dem von ihr verwalteten Reich ein Zeichen päpstlicher Hochschätzung zu geben, hat der Heilige Vater be­schlossen, eine eigene Vertretung in Berlin mit dem Titel und dem Rang einer apostolischen Nun­tiatur zu errichten. Die von dem erhabenen Pontifex für diesen hohen und wichtigen Posten ausersehene Per­sönlichkeit würde der gegenwärtige Nuntius in München, Monsignore Pacrll >, sein, wie Seine Helligkeit es Eurer Exzellenz bei llebergabe des Beglaubigungsschrei, bens kundzugkd^n geruhte. Der Heiligt Stuhl trögt kei­nen Zweifel, daß diese Wahl der deutschen Regierung, die den genannten Prälaten bereite kennt und Gelegen­heit gehabt hat, die auszeichnenden Eigenschaften zu er- proben, genehm fein wird. Trotzdem bitte ich Eure Ex­zellenz, da es mir erwünscht märe, die Zustimmung auf amtlichem Wege zu erhalten, gütigst von Ihrer fttgie- rung das Agrement für den ersten apostolischen Nuntius in Berlin in der Person des Monsignore Pacelli einzu- holen. .... _____________________

Die Ernährungspolttik für 1920.

Beschlüsse der Landwirlschaslsminisler.

Im Reichstag traten am Samstag unter dem Vorsitz des Reichsernöhrungsministers D. Hermes die Einzel- staatlichen Landwirtschaftsminister mit Vertretern des Reichsernähruugsminifteriums zu einer Besprechung zusammen. Diese gipfelte in der Frage, ob es ratsam ist, schon in diesem Jahre die Zwangswirtschaft ganz ober wenigstens teilweise auszuheben.

Die vorgelegle Reichsgetreideordnung für 1920 hält für Brotgetreide an dem bisher. Bewirtschaftsungssystem fest, weil mit Rücksicht auf die Sicherung der Volkser­nährung eine Lockerung des Zwangssystems in diesein Jahre noch nicht möglich erscheint. Ferrier wird der Hafer wieder in die Zwangsbewirtschaftung einbe­zogen, da die Freigabe des Hafers zu großen Unzu- träglichkeiten geführt hat. Dagegen sollen Hülsen­früchte vollständig freigelassen werden. Die Ver­sammlung stimmte diesem Entwurf im wesentlichen zu.

Für die Kärtoffelbewirtschaftung wurde ein Plan vorgelegt, der die Ersetzung der Zwangswirt, schäft durch ein System von Lieferungsverträgen be­zweckt, und zwar soll auf He Zwangswirtschaft ver zichtet werden, wem» die Landwirtschaft auf diesem Wege bis zum 1. August 1920 120 Millionen Zentner zur Sicherstellung des Bedarfs der versorgungsberech­tigten Bevölkerung zur Verfügung stellt. Dieser Plan fand in der Versammlung geteilte Aufnahme . Doch. steht begründete Hoffnung, daß durch das vorgeschla-» gene System eine Milderung der Zwangswirt» schäft schon in diesem Jahre herbeigeführt werden kann.

Hinsichtlich der F l e i s ch bewirtschaftung erklärte sich die Versammlung mit der vorgeschlagenen Erhö­hung der Viehpteise einverstanden, die dringend not­wendig ist, um bie Preise für bas obgelieferte Vieh mit ben Produktionskosten in Einklang zu bringen. Die Entwürfe über bie (Betreibe«, Kartoffel- und Fleisch­bewirtschaftung werden dem Reichsrat und dem Aus­schuß der deutschen Nationalversammlung zur Ge­nehmigung unterbreitet werben.

Kornmunift fche Putschp!Sns.

Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, hat die preußische Regierung Kenntnis erhalten von einer ge- Heimen kommunistischen Konferenz, die am 26.

„Di, weißt ganz gut, daß e» gegen meine Pflicht als Arzt ginge, Dir ihren Namen zu nennen!"

Danielas Augen öffneten sich weit.

• „Wie — du hast Geheimnisse vor mir — deiner Frau!"

„BerufSgeheimniffe muffen auch der eigenen Frau heilig fein!"

„Du willst e» mir also nicht sagen?"

„Nein!" Er wandte sich schroff ab. „UebrigenS ist e» Zeit, schlafen zu gehen. Gute Nacht!"

Er verließ da» Zimmer. Daniela blickte ihm fin. fier nach. Sie war nun ganz sicher, daß er gewichttge unt persönliche Gründe haben müsse, ihr den Namen jene» Mädchen» zu verschweigen.

Ebenso fest aber stand e» bei ihr, daß sie den Na. men nun erst recht erfahren müsse — sei e» wie im­mer!

Als sie fünf Minuten später dar Schlafzimmer be­trat, lag Heidlof bereits im Bett.

„Ich vergaß vorhin. Dir zu sagen, daß meine Freun­din Martha Renner — die Frau de» Gemeindearztes in St. Kathrein — heute schrieb. Sie hat Geschäfte in Wien. Du hast doch nicht» dagegen, wenn ich sie bei uns beherberge?" sagte Daniela in kühlem, fach, sichern Ton.

„Nicht da» mindeste. Du bist Herrin Deine» Hau. feS!" lautete die ebenso kühle Antwort.

Daniela begann sich langsam auSzukleiden. Ehe sie das Licht auSdrehte, sagte sie noch: „Isolde gibt näch­sten Monat eine größere Gesellschaft und rechnet dabei befrimmt auf unser Kommen. Ich hoffe, daß Du we­nigsten» noch so viel Rücksicht auf mich nehmen wirst, Dir diesen Abend frei zu halten."

„Wenn e» mir möglich ist, gewiß. Andemfall» mußt Du eben mit Deiner Mutter hingehen."

Da» Licht erlosch. Kaum war e» dunkel, al» Da­nielas Tränen zu fließen begannen. Es war daz eine oft geübte Taktik von ihr, nachts so lange in ihr Kiffen zu schluchzen, bi» Egon sie tröstend in die Arme nahm und ihr die Tränen vorn Gesicht küßte. Aber diesmal tastete keine Hand im Dunkel nach ihr. Ruhig und tief Hangen seine Sltemgüge herüber, al» schliefe er be. reit» und <chnx gar nicht, daß sie toeinte . , „

(Fortsetzung folgt.)

und 27. AprU in Berlin-Neukölln ftattgefunben hat. :)tefe Konferenz hat sich einstimmig dafür entschieden, ohne Rücksicht aus die Wahlen den Versuch zu g e - waltsamen Errichtung einer deutschen Rate- republik sobald wie möglich zu unternehmen, um, der im Gange befindlichen Entwaffnungsaktion zuvor- zukommen. Die Leitung des Putfches soll in ben Händen eines Fünferrotes liegen, in den Schnellbacher- !)anau, Hermann, Fröhlich, Dr. Ernst Meyer und Walcher-Stuttgart gewählt wurden. In die neuen Räteregierungen sollen Mehrheitssozialisten unter ker­nen Umständen, Unabhängige möglichst wenig aufge- nommen werden. Gegen die bürgerlichen Parteien und die Sozialdemokratie sollte durch Verhaftungen und Verweigerung der Lebensmittel ein starker Terror ausgeübt werden. Der genaue Termin der Aktion sollt« erst nach weiteren Verhandlungen mit Moskau fest- gesetzt werden. .

Die Regierung, die über die Plane der Kommunt- sten genau unterrichtet ist, glaubte von einem Ein- schreiten vorläufig absehen zu können, wird aber die Bewegung auch weiterhin genau überwachen, und wenn die Putschpläne weiter verfolgt werden rücksichtslos zu- gteifen.

Räuberischer Ueberfall auf Sangershausen.

Eine Geschichte, wie fie früher höchstens aus Wild­west berichtet wurde, ist am Samstag in der gegen Id WO Einwohner zählenden Stadt Sangershaufen in der Pro- oinz Sachsen passiert. Eine Bande mit Handgranaten bewaffneter Räuber hat in den ersten Morgen- stunden die Stadt überfallen, das Gebäude des Reichsbankfiliale und das einer Privatbank erbrochen und insgesamt etwa 600000 Mark geraubt. Außer- dem hatte die Räuberbande das Rathaus und die Post besetzt und auch die Stadtkaffe beraubt. Bis tn bie Mit- tagsstunden waren die Räuber Herren der Stadt; ff« „requirierten" aus zahlreichen Geschäften große Mengen Kleiderstoffe, Schuhwaren, Zigarren und Eßwaren und beluden damit „requirierte" Autos. Di« Zeitungen durf­ten erscheinen, aber nur unter Vorzensur. Em Ausruf an die Bevölkerung, den das Exekutivkomitee erließ, war un­terzeichnet mit Hölz (Der Falkensteiner Räuberhauptman» Hölz, dessen Name hier anscheinend fälschlich als Unter, schnst benutzt worden ist, befindet sich bekanntlich in Boh- men in Hast.) und forderte zur Ruhe und Arbeit auf. Post, Telegraphen, und Fernsprechamt waren von jedem Verkehr abgeschnitten. Schließlich requirierten die Rau- der von neuem eine Anzahl Autos, beluden sie mit Berste und fuhren dann gegen Mittag in verschiedenen Rich- tungen davon. Zwei der Banditen konnten am Bahnhof verhaftet werden. Sie führten eine ziemliche Summe Geldes bei sich. 5m Laufe des Nachmittages wurden noch sieben der räuberischen „Rätehelden" verhaftet. Es gelang, ihnen einen großen Teil des Geldes wieder ab­zunehmen. In der Stadt herrscht jetzt Ruhe.

Nach den ersten Meldungen aus Sangerhausen mußte man den Eindruck gewinnen, daß es sich um einen kom» mystischen Putsch handelt. Tatsächlich gehören auch! die Mitglieder der Bande, die Sangerhausen gebrandschatzt haben, der kommunistischen Arbeiterpartei Deutschland» an, und sie haben nach dem Muster von Hölz ihrem Raubzug das „ideale" Mäntelchen einer kommunistischen Erhebung umgehängt. Der ganze Theaterapparat einer kommunistischen Revolution wurde angewandt. Die Ne- gierung wurde für abgesetzt erklärt, die Diktatur be» Poletarials ausgerufen, die Beamten wurden abgesetzt und in einem Aufruf die neue Ordnung der Dinge den 13000 Einwohnern von Sangerhausen verkündet. 5it Wirklichkeit hatten die Räuber, die etwa zehn Stunden lang in Sangerhausen Regierung hielten, weit beschei- benere Ziele, als von dem kleinen Städtchen aus di« kommunistische Weltrevölution zu empfangen. Sie hat- ten es auf die Kaffen der Banken abgefehen.

Wie berichtet wird, waren in den ersten Morgen» stunden mit dem Zuge aus Halle etwa zwanzig Leute eingetroffen, um in Verbindung mit den Gesinnungsgenos­sen in Sangerhausen den Streich auszuführen. Es war alles ganz genau verabredet, die Kommunisten in San­gerhausen, meist Jugendliche, erwarteten die „Genossen auf dem Bahnhöfe. Der ganze Haufen zog durch da, schlafende Städtchen und führte unter den üblichen Schie­ßereien die Räubereien au,. Die Polizei war gegenüber der fünfzig- bis sechzigköpfigen Bande, die mit Gewehren, Revolvern und Handgranaten ausgerüstet war, völlig machtlos. Nach dem Abzug der Räuber verfolgten em paar Bürger, die sich bewaffnet hatten, die Flüchtenden in einem Automobil. Der Wagen erlitt jedoch eine Bann, und die Verfolgung mußte aufgegeben werden. Die Haupt- täter sind also entkommen. Die acht Verhafteten sind San- gerhäuser Jugendliche, bei denen ein unwesentlicher Teil des geraubten Geldes gefunden wurde. Die Beute war geteilt worden, der Löwenanteil hatten die» Gäste ausi Halle für sich behalten. Die Helfershelfer aus Sanger-' hausen hatten lediglich ein Trinkgeld abbekommen.

Deutsches Reich.

** Berlin, 16. Mai. Aus dem Reichsetat für, 1920/1921 ergibt sich, daß die deutschen Gesamtaus-s gaben während der Krieosjahre allein für, Heer es zwecke auf rund 126 Milliarden Mark zu veranschlagen sind. — Das Fieikorps Schulz ist aufgelöst worden. Es wird mit dem 61. Infanterie- Regiment verschmolzen. Gegen seinen Kommandeur schwebt eine Untersuchung.

♦* Die.Kölnische Volkszeitung^. Tie .Frankfurter Zeitung' meldet au8 Köln da» Gerücht, die .Köl­nische Volkszeitung' sei in den Besitz des Thyssen- konzerns übergegangen. Ter Verkauf werde am Mittwoch vollzogen werden. Wie die .Kölnische Volkszeitung^ dazu erklärt, ist diese Meldung irre« führend und entspricht nicht den Tatsachen. Nichtig ist nur, daß nach verschiedenen Seilen Verhandlungen schweben, um das Unternehmen auf eine breitere Giundlage zu stellen.

♦* „Abscheu und Verachtung" für (Ebert In einer Versammlung der Jenaer Betriebsräte wurde eine Ent» schlirßung angenommen, in der es heißt, daß Reichs. Präsident Eberl durch Bestätigung von Todesurteilen der außerordentlichen Kriegsgerichte sein Anrecht auf die Bezeichnung Sozialist verwirkt habe. Es wird ihm der „Abschm und die tiefste Verachtung" der Jenaer Betriebsräte ausgesprochen. — Armer Ebert! Bekamitlich ist Ebert vor kurzem unter dem gleichen Vorwurf von ter Generalversammlung der sozialdem. Sattler und Tapezierer ausgeschlossen worden. Man hat noch nichts davon gehört, daß die Jenaer Betriebs- röte oder die Sattler und Tapezierer auch den Rotgar- disten wegen ihrer Mordtaten Abscheu und Verach­tung ausgesprochen hätten.