Fuldaer Heilung
Druck der Fuldaer Aetieudrnckcrei itt Fulda»
Samstag, 15. Mal 1920.
Die Kulturschmach.
Nicht laut und häufig genug kann die Kultur- «chanüe in alle Welt hinausgerufen werden, durch die sich Frankreich, die „ritterlichste Nation der Well", ein Mcheuliches Denkmal setzt, daß sie die wilden, schwarzen Bestien des heißen Erdteiles auf die deutsche Bevölkerung in den besetzten Gebieten losläßt. Nachrichten über Vergewaltigungen deutscher Mädchen und grauen, Sittlichkeitsverbrechen jeglicher Art mehren sch von Tag zu Tag. Unmündige Kinder selbst bilden «ür die bestialischen Instinkte dieser schwarzen Ungeheuer Gegenstand der Mißha- iiw' iö der brutalsten Ausnutzung. Was wenige Jahre vor dem Kriege in der französischen Kammer einer jener haßerfüllten Abgeordneten in zynischer Art zum Ausdruck gebracht Hai: „Wir werden die schwarzen und braunen Afrikaner loslassen auf die blondgelockten deutschen Gretchen!", das hat hier Verwirklichung gefunden. Ganze Gruppen junger Mädchen sind auf den Feldern überfallen worden, deutsche grauen, Mädchen und Kinder sind vor Angriffen und Raub-Anfällen nicht mehr sicher, und das Verschwinden junger Mädchen mehrt sich von Tag zu Tag. Die Weh- und Notrufe der Bevölkerung des besetzten Gebietes, die immer und immer wieder über diese schwarze Pest und Schmach sich erhoben, verhallten lange Zeit ungehört. Die dokumentarisch gezeugten Fälle bringen aber doch nach und nach in die außerdeutsche Welt, und rufen bort bei ollen anständig denkenden und kulturfreundlichen Menschen die gleiche Empörung und das Verlangen hervor, diesem Uebelstande ein Ende zu bereiten. Die amerikanischen Blätter rügten die Verwendung farbiger Tmppen für die Besetzung Frankfurts und besonders energisch betonte der „Globe", daß die Smportierung unzivilisierter Senegal-Neger nach Europa in der zivilisierten Welt noch nicht den verdienten Abscheu Hervorrufe. Der englische Publizist M o- rel nennt im „Daily Herold" das brutale Vorgehen Frankreichs ein „scheußliches Verbrechen am ganzen Frauentum, an der weißen Rasse und an der ganzen Zivilisation". Auch aus Schweden kommt die er- sreuliche Nachricht, daß sich dort die Proteste mehren. Unter der Ueberschrift „Das Ungeheuerlichste von Allem" schreibt der Stockholmer „Aftonbladed": „Es muß in neutralen und angelsächsischen Ländern eine Volksbewegung erwachsen, die Frankreich im Namen der Anständigkeit und Zivilisation zwingt, aufzuhören mit dem, was sonst als ewiger Schandfleck auf dem Wort „Euliure" stehen bleibt, auf daß bas französische Volk so stolz ist." Der sozialdemokratische Frauenbund hat sich in einer Entschließung gegen die Verwendung schwarzer Truppen im besetzten Gebiete gewandt. Eben- so betonte Staatsminister Branting, es sei bas Recht und die Pflicht Schwedens, gegen das Auftreten schwarzer Truppen im Rheinland Einspruch zu erheben.
fhis dem Kechyaraevier.
? Aus dem Steife Gersfeld. Im letzten „Gersfelder Kreisblatt" teilen die Ortsbauernvereine des engeren Bezirkes Gersfeld mit, daß sie aus dem Kreisbauernverein austreten und eine neue Vereinigung im Anfchluß an den bekannten Landbund gründen wollen. Zu diesem Zweck laden sie zu einer Versammlung auf Sonntag den 16. Mai nach Gers- seid ein. Mit dem Anschluß haben sie es wohl so eilig, um noch vor den Wahlen deutschnationale, zen- trumsgegnerifche Agitation im Kreise treiben zu fön- nen. Denn mag auch der Landbund und seine Wortführer tausendmal versichern, daß er nur „landwirtschaftliche Interessen vertreten und wahren" wolle, so bleibt es doch dabei, daß er letzten Endes nichts anderes ist als ein beutftfinationaler Wahlverein. Die Väter des Landbundes sind fast ausnahmslos Mitglieder des Bundes der Landwirte, der bekanntlich die landwirtschaftliche Interessenvertretung des ostelbischen Großgrundbesitzes, der sog. preußischen Junker und in politischer Hinsicht der ausgesprochene Schildträger des konservativen Parteigedankens ist. Zum Zentrum hat er fast immer im schärfsten Segen«
Unpolitische Zeitkäufe.
Von Fritz Nienkemper.
Berlin, 11. Mai 1920.
Wie dst Apostel gewählt haben.
Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten wurde vor 1900 Jahren eine Wahlhandlung vollzogen, die in mehr als einer Hinsicht die höchste Beachtung verdient. Es galt, den Ersatzmann zu erküren für den abgefallenen und elend verstorbenen Judas Ischkariot, also eine Ergänzungswohl zu treffen für das Kollegium der Apostel, das von zwölf auf 11 Mitglieder gesunken war.
Bekanntlich wurde Matthias auserwählt. Vielfach wird kurz gesagt, der hl. Matthias fei durch das Sos berufen worden. Dos ist nicht ganz richtig. Es wurde frellich dos Los geworfen, aber erst am Schluffe, nachdem die Wählerschaft zwei Kandidaten aufgestellt und in die Stichwahl gebracht hatte.
Es war eine richtige Wahlhandlung, über die uns bie Apostelgeschichte eingehend berichtet. Wahlleiter war ber hl. Petrus als Vorsitzender im apostolischen Kollegium und Oberhaupt der ganzen Kirche. Nach der Himmelfahrt des Herrn trat er sofort fein hohes Amt an. Die Predigt, die Petrus am Pfingstfeste hielt, war feine erste Amtshandlung im Außendienst. Mit der Inneren Ausgestaltung des kirchlichen Organismus wartete er nicht bis zu dem Pfingftwunder, sondern sorgte sofort für die Ergänzung des Obersten Rotes der Zwölf.
Er wollte auch nicht den neuen Mitarbeiter durch ein- ^ache Ernennung berufen, sondern versammelte dis -Brüder" zur Mitw-rkung. „Es war eine große Zahl oon Personen beisammen, gegen 120." Nach den da- woligen Derhöltnisi-n in der aufkeimenden Gemeinde eine breite Wahlversammlung. Petrus eröffnete sie mit einer richtigen Wahlrede. Er schilderte das Verbrechen und den Untergang des Judas, die zur Erledigung des Mandats geführt hatten, und legte dar. welche Eigenschaften der ?u wählende Ersatzmann haben muffe: „Deshalb muß einer der Männer, die mit uns zusammen in der ganzen Zeit, da der Herr Jesus unter uns wandelte, von der Taufe des Johannes argefangen bis zu dem Tage, da er von uns hinweggenommen wurde, mit uns Zeuge fei- r*er Auferstehung werden. In der Sprache von heule könnte man sagen: Petrus legte die Bedingungen des Po ff i d e n Wahlrechts dar. \
Dann heißt es weiter: „Da stellten sie zwei vor: Joseph genannt Barsabas und Matthias." Also die Per- fammlung hat das aktive Wahlrecht wirklich betätigt, in- bem sie zwei Kandidaten zur engeren Wahl stellte. Offen« bar hallen sie sich vorher überzeugt, daß diese beiden die ganze Zeit mit den Aposteln zusammengewesen waren Und mit ihnen Zeugen der-Auferstehung fein konnten.
satz gestanden. Ein Blick in bk Presse des ßanb« bundes, besonders auch in die Hessische Dauernzeitung beweist, baß biese neue Grünbung ganz von biesern zentrumsseinblichen Geiste erfüllt ist; offen unb versteckt wirb fast in jeher Nummer gegen bas Zentrum gehetzt, werben seine Derbienste für bie Landwirtschaft geschmälert ober ganz ignoriert, während alle Erfolge für bie Lanbwirtschaft, bie boch nur mit Hilfe bes Zentrums durchgebracht würben, bem Landbund und den Deutfchnationalen zugefchrieben werden. Der Landbund hat übrigens auch fast nur in rein protestantischen Bezirken Boden gefunden; wer das nicht glaubt, braucht nur den Osterartikel, der Hessischen Dauernzeitung zu lesen, der sich ganz im Stile protestantischer Sonntagsblätter bewegt. Wer die B erholt- nisse im Kreise Gersfeld kennt, der zu zwei Drittel katholisch ist, und der über 7000 Zentrumsstimmen bei der letzten Wahl aufgebracht hat, wirb mit bem Schreiber biefer Zeilen überzeugt sein, baß eine ber« artige Gründung, wie ber Canbbunb, seinem ganzen Wesen nach nicht in ben Kreis paßt. Hoffentlich teilen auch alle Bauernvereine, die nicht jum „engeren Bezirk Gersfeld" gehören, besonders diejenigen, deren Mitglieder religiös und politisch auf einem andern Boden stehen, diese Ansicht und lasten sich nicht auf den Leim locken. Seid gewarnt! .
)( Hünfeld. Das Hünfelder Heimatmuseum zählt jetzt 1183 Nummern. Es soll versucht werben, bas in ben Städten Hessens aus gegebene N o t» gelb möglichst zu sammeln. Bis jetzt sinb 9 Anteilscheine für bas Heimatmuseum in Höhe von je 100 M gezeichnet. In ber Jahresversammlung bes GeMchts- unb Heimatmufeumsverems hielt Herr Rechtsanwalt Wankel über „die kirchen- unb staatsrechtliche Stellung ber ehemaligen Abtei Fulda" einen interessanten Vortrag.
(mc) Höchst a. 21L Auch hier haben die verschie- denen politischen Parteien ähnsich wie in Fulda einen Beschluß gefaßt, ihre Anhänger von Störungen gegnerischer Wahlversammlungen abzuhalten.
Eingesandt.
Dem Einsender des in der Dienstag-Nummer dieser Zeitung gebrachten Artikels betreffs Brieftauben zur Er- widerung, daß auch er einer von denjenigen zu sein scheint, die sich den Spruch dienen lasten: „Mohr, du hast deine Schuldigkeit getan, nun kannst du gehen." Um nun in der Oefsentlichkeit keine falsche Meinung entstehen zu lassen, möchte ich als Brieftaubenliebhaber bk Sache von einer anderen Seit« beleuchten. Man vergißt leider zu oft und allzuschnell im Leben das von irgend einem Wesen, sei es Mensch ober Tier, geleistete Nützliche unb Gute. Ich will bavon absehen, die Leistungen, bie die Brieftauben in dem vergangenen Weltkriege vollbracht haben, hier befonbets hervorzuheben. Der Krieg ist vorüber und soll auch bie Brieftaube heute als einstiges Hilfsmittel hierfür ausgespielt haben. Daburch ist jeboch nicht im Geringsten der Geist der Brieftaubensportes im Verband der Deutschen Brieftaubenzüchtervereine erfchüt- tert worden. Leiber fehlt es gerabe in ber hiesigen Gegend an dem nötigen Verständnis für biesen eblen Sport. Wir züchten heute nicht mehr Brieftauben, da- mit solche im Kriegsfall« als Hilfsmittel zur Beifügung gestellt werden können, sondern der Briestaubensport ist und soll wieder das werden, was er vor dem Kriege gewesen ist unb was er heute noch im Rheinlanb, in Westfalen und ganz befonbers in Belgien ist: «in Nationalsport, ein« Liebhaberei für jebermenn, also für arm un- reich. Wir Brieftaubenzüchter werden uns nicht beirren lasten, daß auch in unserer Gegend ber Sport weiter entfaltet wirb und jeden, der unseren Lieblingen Schaden zufügt, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegenzutreten, versichern wir hierdurch nachdrücklichst. Es kann nur als eine Rohheit und ein großes Unverständnis an- gesehen werden, wenn durch das sinnlose Abschießen von Brieftauben dem Züchter durch den erwachsenen Schaden die Liebe zum Taubensport verekelt werden soll. Cs ist festgestellt, daß eine seldernde Taube dem Landwirt eher nützlich als wie schädlich ist. Sie nimmt die aus dem Saatfeld liegende, ungenügend bedeckte Frucht wohl auf — denn solche ist ja wertlos, da dieselbe doch zu Grunde geht. Wieviel Schnecken und Unkrautsämereien aber die Taube bei einem Flug aufs Feld mit aufnimmt, häll sich manch' einer nicht vor Augen unb biefes Vertilgen von Unkraut ist bem Dauer boch wohl mehr wert, als wie bie paar Körner, die schließlich boch zu Grunde gehen. Man
Noch unserer weltlichen Sitte Hölle nun eine Stichwahl stattfinden müssen. Die apostolische Wahlversammlung überließ aber diese letzte Entscheidung dem Finger Gottes. „Und sie beteten also: O Herr, der du die Herzen aller kennst, gib uns zu erkennen, welchen von diesen beiden du erwählt host, die Stelle dieses Dienstes und Apostelamtes zu erhalten! Dann warfen sie das Los über sie, und das Los fiel auf Matthias, und er ward den elf Aposteln beigezählt."
Daß die junge Gemeinde sich auf das Gottesurteil verließ, war gewiß begreiflich und gerechtfertigt. Di« Versammlung stand noch unter dem frischen Eindruck der Wunder und der Befehle des Herrn, der unmittelbaren sinnfälligen Bekundung des göttlichen Willens. Die Apostel unb bie Brüder mußten sich erst noch gewöhnen in die künftige Ordnung der Dinge, wonach die Übernatürliche Leitung der Kirche mittelbar erfolgt durch die menschlichen Bevollmächtigten, die nach bestem Misten und Sonnen ihres Amtes walten sollen. Es ist auch nicht ausge- fchlosten, daß in jener Versammlung außer dem starken Gottvertrauen auch eine gewiste Klugheit das Werfen des Loses anriet. Die beiden Kandidaten scheinen in ihrer Würdigkeit und Begabung ziemlich gleich geschätzt worden zu sein. Eine Abzählung der Stimmen für den einen und für den anderen hätte vielleicht eine vollständige oder annähernde Stimmgleichheit ergeben. So eine kleinliche Zifferrechnung würde der hohen Würde des Amtes wenig entsprochen haben. Bei der Papstwahl im Konklave genügt ja heutzutage auch nicht die einsoche Stimmenmehrheit, sondern es wüsten sich wenigstens zwei Drittel der Stimmen auf den neuen Papst vereinigt ha. ben. Ein so kunftgerechtes Wahlverfahren konnte natur« lich erst im Laufe der Zeit aus Grund von Erfahrungen ausgestaltet werden. In jener ersten Wahlversammlung von Jerusalem Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten mußte kurz und einfach verfahren werden. Der Appell an das Los hat offenbar damals eine gute Lösung herbeigeführt. Das Apostolat des hl. Matthias fand allgemeine Anerkennung und volle Bewährung.
Auch in den weltlichen Wahlhandlungen der Neuzeit spielt das Los noch eine Rolle als Wahlhelfer. Es hilft über ben toten Punkt hinweg, d. ^h.: wenn sich ein, Stimmengleichheit ergibt, die nur durch eine umständliche Wiederholung der Wahlhandlung sich beseitigen ließe, so zieht man eine Entscheidung durch das Los vor. Die Urheber des modernen Wahlrechts sind frellich keine Schwärmer für Gottesurteile, sondern wollen im Lose nur das Spiel des Zufalls sehen. Aber sie beruhigen sich mit der praktischen Erwägung, daß bei Stimmengleich, heit die beiden Kandidaten wohl ziemlich gleichwertig sind, so daß es wenig ausmache, ob der eine oder der andere durchkomme. Ucbrigens ist das Wahlrecht, noch dem wir Deutsch« jetzt wählen sollen, mit einem so kunstvollen Apparar der Aufrechnung in verschiedenen Stock-
sollt« sein Augenmerk mal mehr auf das Abschüßen von Krähen und Sperlingen richten, bie sich in der Natur eines ungenierten Rauberdaseins erfreuen, aber derartige Abschüsse find den Herren Zaubenjägem nicht schmackhaft genug. Gerade in den beiden Fällen, wo ine Tauben abgefchosten wurden, ist einwandfrei erwiesen, daß Schaden durch die Tauben nicht angerichtet wurde. Di« Tauben seiberten vielmehr auf Aeckern, die noch gar nicht bestellt waren. Also bas Abschießen muß lediglich als eine Tat bes Uebermutes bezeichnet werben.
Em Brieftaubenliebhaber.
Börsenwochenbericht
bes Hessischen Bankvereins, Akllengefekstchaf!, Zweigniederlassung Fulda.
Auch bie neue Woche brachte keine Wendung in der angemeinen schwachen Börsentendenz. Zu Beginn der Woche taa wieder weiteres Angebot vor, das nur zu sehr gedrückten Kursen Aufnahme fand, sodaß die Börse als sehr flau zu bezeichnen war. Am Dienstag setz!« sich diese schwache Haltung weiter fort, wobei die KurS. rückaänge einen recht erheblichen Charakter annahmen. Besonders am Montan- unb Kalimarkt. waren große Kurseinbußen zu verzeichnen. So z. B. fielen in diesen beiden Tagen Phönix 25 Proz., Gelsenkirchen 35 Proz., Deutsch-Luxemb. ca. 40 Proz.. Westeregeln SO Proz., Aschersleben Kali ca. 45 Proz. Auch auf dem Kolonial- markt sah es trübe aus infolge des stetigen, allerdings langsamen Steigens unserer Mark. Am Mittwoch trat sodann ein Stillstand in der Rückwärtsbewegung, ern in. folge der Vornahme von Rückkäufen, welche eine Er. Munn der meisten Industrie Papiere um z. T 10—15 Prozent zur Folge hatten. Auch, am Freitag setzte die Börse ihre feste Haltung fort, mit z. T. recht erheblichen Kurkbesierungen.
Märkte.
— Fulda, 15. Mai. Der Austrieb znm heutigen Schweinemarkt betrug 272 Ferkel und 26 Läufer. Die Preise sind oegen den vorigen Markt etwas ae- funken unb stellten sich für Ferkel auf 180 240 und 280 Mark, für Läufer auf 350, 400 und 4o0 Mark. Kauflust gering.
Kurzug aus dem Standesamts-Register
des Standesamtes Fulda.
Sterbefälle in der Zeit vom 7.—14. Mai 1920.
6. Mai. Aufseher Gustav Kreß ouS Neuhos-EllerS, 36 I 8 M 22 T. 6. Lehrling Albert Karl Henning aus Gießen, 15 I 6 M. 23 T. 6. Kellner Peter Jahn, 40 I 6 M 11 T. 7. Kontoristin F-ida Barbara Mebler 21 I. 4 M. 1 T. 8 Maurer Anton Sauer aus Müs, 51 I. 4 M. 7 T. 10. LanvwirtSgehilfe Karl Göbel aus WetzloS, 16 I. 9 M. 4 T. 11. Ver- waltungS-Anwärter Wilhelm Großkurth au? Siegburg, 18 'X 4 M 10 T. 11. Hausierer Otto BauchhenS, 39 & 4 M 12 T. 12. Witwer Karl Hillenbrand, 69 I. 9 M. 5 T.________
Gottesdienftor)nnng.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntaa, 16. Mai. Dom. */«6, 6, V«7 u. 7 M.> V,7 M. i. d Marienk. m. Rom. f. b. Jünil -Sod. u. f. d. christenlehrpfl. Jüngl., 8 Pfarramt m. AuSs., Umg. u Pr., */«10 Kathedratamt m. Pr., 11 Chr., ‘/»IS M. m Pr.,2Ehr., 4 Bittprozession auf d. Frauenberg, daselbst SL m.Se.en, 7 Mai,A. (Montag abends' ,8Mai-A. iDome, sonsti.b.Marienk.) Stadtpfarrkirwe 5'/»Kom.,5'/«M., 6»/« M. u Kom. d. Jüngst, 8 M. u. Pr. fl. Schulgd.h 9'/, Pfarramt u. Pr., 11 M. u. Pr. (2. Sclmlgd.i, 9'/- A. f. d. Jungl.-Sao. i. b. Ceverikirche, IV, Bittwallfahn nach bem Frauenberg, 71/» Mai-A. Pfarrkirche zum heiligen Weifte. »/«7$ronr,7 Frühm., 8 Pr m. Amt,' ,5Cbt., 5 3. Täglich5Mai»Ä. — Sodalität. ‘/,IO. — Severikirche. Sanntans *'i7, wetltcwS 6" M. — Herz-Jefu-Heim. 6 Frübm., 8 Amt m. Pr., 2 A. (Mittw. abends 8 A.) — Frauenberg. M. v. 5 (m. Mai»A.) bis 7, 8 Rosen» tranzm. m. Pr., 9 Hochamt m. Pr., nachm SA. f. D. Biitwallfahrt auS d. Ltadtpsariei, V,5 A. f 6. Bittwall- fcihrt auS ber Tompfarrei. Montau (Ablahtag f. alle G äudigen.) Um 6V« Leviteuamt, nachmitt. V,5 feiert. Vesper m. fakram. Segen.)
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, 16. Mai. Vormittags 8 und 9*/, Pfarrer Reich, 11 KindergottcSdienst.
werken ausgerüstet, baß für das Los bei Stimmengleich- heft kein Spielraum bleibt.
An jene Versammlung, die unter der Leitung des hl. Petrus in Jerusalem stattsanb, erscheint uns als wesentliches Kennzeichen nicht bie Losziehung zur Vermeidung der Stichwahl, sondern die umsichtige Prüfung ber Bewerber unb bie förmliche Aufstellung ber Kandidatenliste. Vielfach betrachtet man ein solches Wahlverfahren als eine „demokraftsche" Einrichtung von neuzeitlichem Cha- ratter. Das stimmt nach beiden Richtungen nicht. Ee- wählt wird schon von ber ältesten Zeit her, sowohl auf dem politischen, wie auf bem kirchlichen Gebiet. Papstwahlen, Kaiserwahlen, Bischosswahlen, Aeblewohlen, Bürgermeisterwahlen usw. sind keine modernen Erfindungen. Und wenn man die Wahl als „demokratisch" abstempeln will, so muß hervorgchoben werden, daß es eine gesunde, christliche Demokratie von altersher gegeben hat unb noch gibt, auch in ber Kirche Christi, bie doch bas Prinzip ber Autorität am reinsten verkörperst
Die weltlichen Ehren» unb Machtstellen ließen sich ja vielfach burch Erbgang besetzen, was keineswegs immer vorteilhaft gewirkt hat. Die kirchlichen Aemter waren niemals erblich; sie mußten neu besetzt werden entweder durch Ernennung von einer bevollmächtigten höheren Stelle ober durch Wahl. Bei dem Wahlverfahren, das nach ber Lage ber Dinge zur Regel würbe, konnte die Bestätigung durch die höhere Stelle als Kontrolle in Wirksamkeit bleiben. So konnte zugleich bie Demokratie unb die Autorität gewahrt werben.
Der Rückblick auf bie apostolische Wahlversammlung, bie zwischen Himmelfahrt und Pfingsten in Jerusalem statifand, ist für uns besonders beachtenswert, weil wir jetzt in der Ausübung unseres bürgerlichen Wahlrechts begriffen sind. Nehmen wir uns ein Beispiel an ben ersten Christen in ber regen Beteiligung an den Wahlversammlungen, in ber gewissenhaften Prüfung ber Ran» bibaten unb auch in bem Gebet vor ber Wahl. Wir können auch heute ebenso flehen, wie Petrus unb seine Brüder: „0 Herr, ber bu bie »herzen aller kennst, gib uns zu erkennen, wen bu erwählt haben willst."
Wer sich bemüht, ben Willen Gottes zu erkennen, ber wirb bei der Wahl nicht von Eigensinn unb Sonberinter- effe sich leiten kaffen, sondern nichts anderem Folge geben als seinen heiligen Grunbsötzen und seiner gewiffenhaften Sorge für bas allgemeine Wohl von Reich unb Kirche, von Volk und Ruliur.
Petrus sagte, ber Erwählte müffe „mit uns Zeuge ber Auferstehung werben". Betrachten wir bie bürgerliche Wahl auch vorn Standpunkt des Zeugnisses. Als Wähler wollen wir alle mit bem Stimmzettel Zeugnis geben von unserer Glaubenstreue, unb der Erwählte soll im Parlament burch Wort unb Tat eintreten für bie tfirtltl'-Se Weltanschauung. A»-b eine Art oon Apostolat!
Mitteilungen
15. Mai 1920.
In der nächsten Woche entfallen auf j-dc 5etttirte 100 Gramm Auslandsfchmalz zu M 21,— bas■ Bfb. xre Krankenkarten werben mit hiesiger Butter bebient. Abgabe an die Verbraucher: Sreftag und Samstag. sZtahausgabe an bie Geschäfte: Donnerstag vormittag 9 bis 12 Uhr im Schlachthof. Bnlleransgabe: Donnerstag nachmittag in bet Molkerei.
Die Fleifchkarten bei nächsten Woche werden mit frischem Fleisch bedient.
Die Waren aus ber Verkeilung Rr. I^stehen nächster Woche in ben Geschäften zum ^bh^en bereit. Folgende Kopfmengen werben ausgegeben: 500 Gramm Haferflocken zu 1,40, 250 Gr. Reismehl zu M 7,50 125 Gr. Nudeln zu M 2,—, 45 Gr. Sago zu M l,oO bas Pfund.
Sonberverlellung für fflOenbe und werbende Mütter: Kartenausgabe hierfür gegen Nachweis der Bezugsberech- tigung am nächsten Mittwoch von 8—12 unb 2—4 Uhr. Da bie auszugebenben Mengen sich nach ber Zahl der angeforberten Karten richten, können die Karten nur am Mittwoch ausgegeben werben; Nachzügler werden alw nicht berücksichtigt. Gegeben werben ;e nach Kartenansar- beruna 175 bis 250 Gr. Kakao zu M 12,— b. $fb, sowie 400 bis 500 Gr. Reis zu M 8,— tms Bfunb.
Die Ware ist am Donnerstag und Freitag in uar städtischen Verkaufsstelle abzuholen.
Für die minderbemittelte Bevölkerung steht Spiritus zur Verfügung, der in hiesigen Geschäften vorrätig ist, aber nur gegen Spiritusmarken abgegeben werden darf. Die Marken sind gegen Vorlage bes Le» bensmittelausweises auf ber Kartenausgabestelle sofort an- xuforbem. 'Die Geschäfte, bie Spiritus erhalten haben, werben gebeten, bies durch Aushang bekannt zu geben.
Ein beschränkter Vestanb an blauleinenen Arbeilsan- xflaen (in bet Art wie Drellanzüge) in den Großen 48, 50 52, 54, soll, soweit ber Vorrat reicht, zum Preise vcn M 80,— bas Stück an jebermann abgegeben werben. Die Anzüge eignen sich auch zur Umarbeitung in Kinderkleidung unb Schürzen. Besichtigung unb Verkauf rs ber Kartenkontrollstelle.
Die Verkaufsstunden für Milch an Sonn- unb Sektionen sind VON her Regierung neu bestimmt worben; ba- nach ist die Milchverkaufszeit an Sonn- unb Feiertagen auf bie Stunden von 7 bis 9 unb 11 bis 12 Uhr festgelegt. Die Verbraucher werben gebeten, sich hiernach zu richten; die Milchverkaufsstellen werben ersucht, die für Jte m Betracht kommenbe Verkaufszeit, bie sich nach Anlieferung der Milch richten muß, burch Aushang bekanntzugeben. Zu einer anberen Stunde brauchen bie Verkaufsstellen at» Sonn- und Feiertagen keine Milch abzugeben.
Es ist Süßstoff für Haushalte vorrätig. Süßstoff- karten sind auf Antrag gegen Vorlage des ßebensnuttel. ausweises für 3 Monate im voraus bei der Kartenaus- gabestelle erhältlich. Die Ware kann von ben Süßstoff» verkaufsstellen dann sofort bezogen werden. Ladenpreis 50 Pfg. für eine »-Packung (entspricht einer Zuckermenge von 550 Gramm).
Ls wird dringend empfohlen, mif bem Zucker haushälterisch nmzugehen, denselben für Linkochzwecke zurück- zustellen und nach Möglichkeit Süßstoff zum Süßen von Speisen unb Getränken zu verwenden. Cs ist damit zu rechnen, daß In der zweiten Jahreshälfte eine noch größer» Zuckerknapptzelk elnkrttk.
Betrifft Räck-Vergüknng für Kartoffeln. Gemäß Be» schluß ber Stabtoerorbneienrerjammlung soll an alle Bezieher von Kartoffeln aus Bezugschein (nicht Wochenkarten), die ihre Kartoffeln in ber Zeit vom 1. Dez. 1919 bis Mitte März 1920 erhalten und einen höheren Preis, wie den anfänglich vorgesehenen bezahlt haben, eine Rückvergütung von M. 5,— per Zentner aus städtischen Mitteln erfolgen, jedoch nur unter der Bedingung,
1. daß bas Einkommen des betreffenden Kartoffel» beziehers einschließlich aller durch seinen Lebensrnittel» ausweis versorgten Personen im Steuerjahr 1919 Mark 10 000,— nicht überschritten hat und
2. daß dieses Einkommen im Steuerjahr 1919 durch Vorlage einer Lohn- ober bergt. Bescheinigung nachgewiesen wirb.
Dementsprechend werben biejenigen Kartosselbeziehsr, bie gemäß vorstehenber Bedingungen Anspruch auf bie Rückvergütung erheben, aufgefoibert, sich im Laufe der nächsten Woche in bie zu biefetn Zwecke am Kartoffel» schalt« (Kartenausgabe) aufgelegten Liste eintragen zu kaffen unb ben geforderten Lohnnachweis burch Borlage eines von bem Arbeitgeber ausgestellten unb unterschriebe» nen Ausweises zu führen. Dieser Lohnnachweis wirb einstweilen eingezogen unb kann später zurückgefordert werden. Die Richtigkeit ber Angaben ist in bei Liste durch eigenhändige Unterschrift zu bestätigen; bie Anmeldung auf bie Rückzahlung kann also nut persönlich unb unter Borlage bes Lebensmittelausweises unb aller fönst etwa vorhanbenen barauf bezughabenden Unterlagen vorgenommen werden. Die Liste wird vor der Auszahlung der Beträge dem Steueramt zur Nachprüfung vorgelegt. Di» Zeit der Auszahlung wird später noch bekannt gemacht.
3n bet slädiifchen Verkaufsstelle erhältlich:
Gelt. Zwiebel (schöne Ware) das Pfd. M 3,—, Cier- fparpnlocr (seht empfehlenswert unb ergiebig) M 1,25 bas Paket.
An bie Lebensmittelgeschäfte:
Es ist ein Rest Petroleum zum freien Verkauf vorhanden. Reflektanten wollen sich sofort bei der Nohrungs- mittelftelle melden. Weitet ist vorrätig: Sanerkraul in Fässern von etwa 2 Zentner Inhalt, Ladenpreis 40 -S das Pfund, Marmelade in Kübeln von 1 Zentner Inhalt, Ladenpreis M 3,70 bas Pfund. Bestellungen direkt oder durch die Großhändler.
Amtliche Anzeigen.
It. Br. I. 3192.
Auf Grund des § 14 des Reichswahlgefetzes vom 27 April b Is. (R.-G.-Bl. 6. 627) unb ber §§ 14, 15 der Reichs- Wahlordnung vom 1. Mai 1920 (R.-G.-Bl S. 713) habe ich Im Einvernehmen mit ber ßanbesregierung von Waldeck den Dberregierungsrat v. Lentze in Kassel (Regierung) zum Wahlkreisleiter für ben bie Provinz Hessen-Nassau ohne die Kreise Schaumburg unb Schmalkalben, den Kreis Wetzlar unb ben Freistaat Walbeck ohne ben Kreis Pyrmonr umfassenden 21. Wahlkreis ernannt. Zu seinem Stellvertreter in Behmbetungssällen ist der Beqierungsrat Dr. Schultz m Rafft! (Regierung) ernannt worben.
Rassel, ben 5. Mai 1920.
(Siegel) Der ObervrSfldeok.
gez. Dr. Schwander.
Wird veröffentlicht.
Fulba, ben 11. Mai 1920.
Der Landrat: Fchr. v. Doernberg.