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fir. H2.

Berantwortlich für den redattionellen Teil: Carl Schütte, für die Anzeigen: I. Par zell er-Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerri in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

Samstag# 15* HTai 1920»

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47. Zahrg,

Tagung des Bölferbundsrats.

NaÄ der Völkerbundssatzung des Ver'ailler Frie» deusvertrags übt der Bund seine Tätigkeit ans durch eine Bundesversammlung und durch einen Rat. Ter Volkerbundsrat versammelt sich jetzt bereits zum fünften Male; Tagungsort ist diesmal Rom, die Beratungen sollen etwa zebn Tage dauern. Zum Vorsitzenden wurde Tittoni gewählt. Aul der Tages­ordnung steht unter andern, die erste Einberufung der Bundesversammlung. Die erste Tagung soll durch den Präsidenten Wilion einberufen wer­den, der auch — obgleich Amerika den Vertrag bis» her nicht bestätigt hat — die erste Tagung des Rais im vergangenen Januar einberufen hat. In Rom mird man, tote verlautet, dem Präsidenten W lfon Vorschlägen, die Bundesversammlung zum nächsten Herbst eirzuberufen. Ferner wiid der Rat zum ersten Mate über die internationale Frage der Rüstungen verhandeln.

Verschiebung der Konferenz in Spaa.

Mit der Verschiebung der Konferenz in gpaa auf Ende Juni muß ernstlich gerechnet werden. Diese Verschiebung erfolgt aber nicht auf Wunsch Deutschlands, sondern weil die Alliierten sich über ihr Vorgehen in Spaa nicht einig werden konnten. Es ist der dringende Wunsch Millerands, Lloyd George und Lord Curzon zunächst einmal da­von zu überzeugen, welche angeblichen Verletzungen des Friedensoertrages Deutschland sich hat zuschulden kommen lassen, lieber die Form, in der die Ordnung der Finanzfragen in Spaa erfolgen soll, herrscht zwischen den Alliierten so große Uneinigkeit, daß es den Interessen der Franzosen zu entsprechen scheint, nicht früher mit den Vertretern Deutschlands znsam- menzutreten, bis England dazu bereit ist, den Vor- schlagen Frankreichs zuzustimmen. Drei Möglichkei­ten werden erwogen, wie die Finanzfragen erledigt werden sollen: 1. Festsetzung einer bestimmten Ge» samtsumme. 2. Eine Reihe bestimmter gleich hoher Jahreszahlungen. 3. Jahreszahlungen, die alljährlich erhöht werden sollen. Für die letzt­genannte Art der Zahlungen tritt Frankreich ein, und Millerand hofft Englands Zustimmung dazu zu er­langen. In einem bemerkenswerten Artikel weisen aber die Londoner „Dailn News" auf die U n d u r ch- führbarkeit dieses Planes hin. Sie schreibt:

Sollte der Plan verwirklicht werden, dann könnte dies nur geschehen, wenn Deutschland ihm zustimmte. Wäre aber Deutschland nur mit Gewalt dazu zu bringen, jedes Jahr höhere Zahlungen zu leisten, so würden die gewaltsamen Eintreibungen mehr kosten, als die Jahreszahlunqen betragen würden. Auch der Wunsch Frankreichs, daß Deutschland zuerst die Ent­schädigung für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete bezahlen solle, findet ernste Gegner. Eine Lösung der Finanzkrise wäre nur durch eine Weltfinanzonleihe mög- lich, und vor allem müsse der wirtschaftliche Wieder­aufbau Deutschlands als notwendig betrachtet werden.

Sin Erfolg der deutschen Schiffahrts-Unterhändler.

Die zurzeit in London weilende deutsche Schiff- fabrtsabordnung, die über die Abgabe der nach dem Fijedensverirag noch auszuliefernden deutschen Han­delsschiffe und Fischereifahrzeuge unterhandelt, bat hinsichtlich der Fischereifahrzeuge mit der in» terallierten Schiffahrtskommission ein Abkommen ge­schloffen, nach dem die Abgabe dieser Fahrzeuge auf eine Anzahl reichseigener Fischdampfer beschränkt wird. Anstelle der übrigen nach dem Friedenever- trag ablieferungspflichtigen Fischerfahrzeuge sind Neubauten sowie Material für den Fischerei- betrieb zu liefern. Die Fischversorgung Deutsch» lands kann infolge dieses Abkommens im bisherigen Umfang aufrechterhalten werden.

Fordernde Liebe.

Roman von Erich Ebenstein.

U] -------

.Tas Ganze sieht ja fast wie eine Verschwörung aus! Tu hast wohl Wera absichtlich mit Dir herüber genommen?"

»Nimm immerhin an, es sei so," antwortete Hal- ntenschlog ruhig, »Diese Jüngste wenigstens soll mir «richt auch noch verdorben werden, durch Deine ver­drehten Ansichten über Glück und Recht der Frau.

.Wilhelm!"

»Nun ja. Die anderen beiden hast Du ja doch so 8anz in Deinem Geist erzogen, daß sie nun sich selbst unb ihren Männern das Leben sauer genug machen!" Die Hofrätin war ganz konsterniert.

»I ch hätte ...ich schuld daran . . ? Aber mein Kott, Wilhelm — ich kann doch nicht dafür, daß sie sich unverstanden fühlen 1"

»So! Konntest Du sie denn nicht neben all dem unnützen Kram auch da? lehren, was jedes Weib aus dem Volk ihre Tochter lehrt: gut und bescheiden SU sein? Unverstanden I HahahaI Wenn ich das al. berne Wort bloß höre! Weißt Du, was eine .unver­standene" Frau bedeutet? Eine, die nicht mitcrbettet an den großen Aufgaben des Lebens Tie unfähig ist, sich in den Beruf ihres Mannes einzuleben, deren gan- 8er Horizont aus Tand und Eitelkeit besteht, in dem das liebe „Ich" sich breit macht, sonst nichts —1 Eine einfach«, warmherzige Frau, die ihrem Mann siebende Gefährtin ist, wird nie „unverstanden" sein!"

»Wilhelm, ich begreife nickt . . . Diese Sprache • • . was ist nur heute in Dich gefahrene Sonst redest Du kaum zehn Worte daheim . . ."

»Ja, vielleicht war dies ein Schaden für die armen Finger drüben, die sich nun so schlecht zurechtfinden itn Leben!" unterbrach sic der Gatte grollend, indem rr große Rauchschwaden von sich blies. »Aber die dritte, die Wera, die sollst Du nur nicht auch verwirrt macken! Die soll einmal mit offenen Augen in die Ehe treten Und eine richtige Frau werden! Darum werde ick mir fortan erlauben, den Mund zuweilen auck aufzutun!

Tie Hofrätin xichiete sich würdevoll auf. Die Worte ihres Mannes irritierten sie ebenso wie der berenbe Zigarrenrauch, den er so rücksichtslos um sick blteS.

»Du wirst entschuldigen", sagte sie spitz, »wenn ich r»ach diesen Auseinandersetzmizen, tiie Du herausbe-

Berzte und Krankcnkaffen.

Die Verhandlungen zwischen den Aerzieorpanisationen und den Krankenkaffenverbänden sind, wie schon kurz gemeldet wurde, ergebnislos verlaufen und zwar in» olge beS Verhaltens der Krankenkaffenvertreter. Anlaß zu den Verhandiun en gab die von den Aerzten bc» chloffene Neuregelung der kaffenärztlichen Beziehungen, die durch die Erhöhung der Versicherungsgrenze auf 15^00 M. veranlaßt worden ist. Die von den Aerzten erhobene Forderung auf freie Aerztewrhl wurde von den Krankenkaffenvertretern glatt abgelefont. Zu der Beratung über eine Erhöhung der Bezüge der Aerzte kam es gar nicht, da die Krankenkaffenveitreter die Verhandlungen kurzer Hand abbrachen.

gut Sonntag ist der Betrat des AerzteverbandeS einberufen, um sich über weitere Maßnahmen schlüssig zu werden. Nachdem auf der letzten Tagung der Aerzte beschlossen worden ist, beim Scheitern der Verhandlungen mit den Krankenkaffen die Mittel der Selbsthilfe vor- zudereiten und den vertragelosen Zustand für das ganze Reich zu verkünden, hat sich die Lage kritisch zu- gespitzt, wenn nicht in letzter Stunde dre firantentaffen einlenken sollten.

Deutscher Reich.

** Berlin, 14. Mai. Das Preußische Staatskom- miffariat für die öffentliche Sicherheit ist zu einem Reichskommiffariat für die öffentliche Ordnung er­weitert worden. Zum Reichskommiffar ist der ba­dische Oberst Künzer ausersehen. — Es verlautet, das Reichskabinett habe bei der Beratung der der Spaaer Konferenz zu unterbreitenden Vorschläge beschloßen, eine einmalige, hundert Milliarden Mark nicht über« chreitende Entschädigung anzubieten. (?)

* Tas Kommunalisierungsgesetz. Dem Neichsrat ist der Entwurf eines Gesetzes auf Kommunalisierung von Mrtschaftsbetrieben zugegangen, der die Gemeinden ermächtigt» aus Gründen des öffentlichen Wohls pr.tiab «wirtschaftliche gewerbsmäßig: Unternefr.iungen, die vorwiegend Zwecken des Gemeindebezirks denen, mit Zustimmung der Reichsregierung gegen angeme,sene Entschädigung aus der Privatwirtschart in die Gemein- Wirtschaft iiberzuführen (Kommunalisierungi.

* Deutscher Dank an die Schweiz. Der deutsche Gesandte in Bern, Ad. Müller, überreichte dieser Tage dem schweizerischen Bundespräsidenten Motta ein Schreiben des deutschen Reichspräsidenten, in dem die­ser der Schweiz den herzlichsten Donk für den Schutz der deutschen Interessen in England und Frankreich während des Krieges abstattete. Das Schreiben ist in außerordentlich freundschaftlichem und warmherzigem Tone gehalten. Bundespräsident Motta gab dem deutschen Gesandten seiner Freude darüber Ausdruck, sowie auch dem Dank dafür, daß der Schweiz in einer diplomatischen Mission ein so wertvolles Zeugnis des Vertrauens ausgestellt worden sei.

* Das würktcmbergische Schulgesetz, das sogen, „kleine", ist vom Landtag in dritter Lesung mit 87 gegen 9 Stimmen angenommen worden, naihdem Mi­nister Dr. v. Hieber auf Befragen erklärt hatte, die württembergische Regierung werde den maßgebenden Einfluß der Erziehungsberechtigten sichern. Dagegen wurde ein Antrag, wonach durch Verfügung Bestimmungen ersoffen werden sollen, durch die den R e l i g i o n s g e s e l l s ch a s t e n der in der Verfassung zugestandene Einfluß auf die Erteilung des Religionsunterrichts gesichert wird, gegen die Stimmen des Zentrums und eines Teiles der De­mokraten abgelehnt. Der Sprecher des Zentrums gab die Erklärung ab, daß, falls die Regierung sich für Ein» führung der Simultanschule in Württemberg nach hes­sischem Muster einsetzen werde, ein Verbleiben des Zentrums in der württembergischen R e g i e r u ng unmöglich sei.

* Darmfiadi, 14. Mai. Die Tagung des hessischen Landtages wird nach Pfingsten stattfinden, und zwar, wenn bis dahin die Besetzung der Franzosen noch nicht aufgehoben ist, wahrscheinlich in Gießen. Man ist

schworst, vorziehe, mich zu entfernen. Du magst ein großer Gelehrter fein, aber an Feinfühligkeit gegen Sieine Frau hat e5 Dir immer gemangelt. Gute Nacht!"

Sie rauschte mit tief gekränkter Miene hinaus.

7.

»Ich glaube wahrhaftig. Du horst mit schon wieder nickt zu, Egon," sagte Daniela schmollend zu ihrem Mann. Woran denkst Du denn eigentlich immer?" Er fuhr aus seinen Gedanken auf.

„Verzeih — an nichts Besonderes. Bitte, sichre nur fort. Du sprachst, glaube ich, von Uolde und dem Maler Dallariva?"

Sie saßen beide in der gemütlich arrangierten Ka. minecke vor dem künstlichen, kleinen Scheiterhaufen, der fn Heller Glut strahlte. ES war nach dem Abendeffen. Daniela hatte sich den ganzen Tag auf diese Stunden gefreut, ihr hübschestes Hauskleid angezagen, ihren Fauteuil ganz dicht an den EM herangerückt und die Lickter deS Lustre abgrdeht. daß nur die rott Glut einen mystischen Schimmer um sie warf. Ez war wirklich äußerst traulich so . . .

Dennoch fühlte sie nun immer deutlicher eine leise Enttäuschung in sich aufsteigen. Egon war so schweig­sam. Kaum, daß er hier und da kurze Antworten auf ihre Frage gab. Und wie immer war er natürlich schon mit den Worten heimgekommen: »Kind, ich bin tobmübe!"

Dieser Beruf! Wie sie ihn haßkel Immer war er ihm die Hauptsache! Es war ihr eine wahre Wonne gewesen, ibm vorhin, als er seine Wortkargheit damit entschuldigen wollte, zu sagen: „Ich wollt-, du wärest lieber Schneider oder Buchbinder geworden anstatt Arzt. Tann hätte ich Dich doch nach Feierabend und Sonntag? ganz für michl Während Du so immer nur an Deine unappetitlichen Kranken denkst, wenn Tu neben mir sitzest!"

Er aber sah sie groß an, unterdrückte einen Seufzer und — wurde noch schweigsamer

„Nun, willst Tu nicht weiterreden?" sagte er nun. „Wer hat Dir denn erzählt, daß Dallariva Deiner Schwester so auffallend den Hof macht?"

„Mama. Sie ist ganz bekümmert darüber. Erstens, weil Isolde deswegen mit ihrem Mann oft Streit hat, und zweitens, weil sie fürchtet, es könnte darüber gc- sprachen werden."

im Vorstand des Landtages der Ansicht, daß im be- setzten Gebiet keine Gewähr für die Achtung der Un­verletzlichkeit der Abgeordneten durch die Franzosen ge­geben ist, und daher die nötige Meinungsfreiheit nicht gewährleistet werde.______

Ausland.

• Deukschllrcl will Selbstverwaltung. In Meran ist eine Kundgebung für die Selbständigkeit für das durch den Friedensoertrag an Italien übergegangene Deutschsüdtirol und gegen sede Verbindung mit dem Trentino unter zahlreicher Beteiligung abgrhalten worden. Der gefaßte Beschluß weist jede Einmischung des Tentinos in die Angelegenheiten Deutjchsüdtirols zurück, protestiert gegen jede willkürliche Verwendung ireuischer Steuergelder für den Trentino und verlangt von der italienischen Regierung die Genehmigung der Selbstverwaltung. _

* Der irische Aufruhr. Reuter meldet: Telegramme aus allen Teilen Irlands enthalten Berichte über Ein- äfcherung von Po!i^eistatio»en, Uebersälle auf Zoll- und Steuerämter und Zerstörungen von Dokumenten. D>e lieberfäll" wurden sämtlich von tpt-a;-ae!n und maskierten Männern ausgeführt. Alles spricht für das Vorhandensein eines sorgfältig ausgearbeiteten Gesamtplanes. Diese Creigniffe haben in London die größte Bestürzung und Beunruhigung hervorgerufen. Es wurden die schärfsten Maßnahmen zur Wiederher» beiführung von Ordnung und Sicherheit onaeordnet. Die englischen Truppen sollen bedeutend verstärkt wer­den.

* Italien. Der konservative Führer der itasieni- chen Katholiken Meda lehnte die Uebernahme der K a b i n e t t s b i l d u n g und den Eintritt in ein Mi» nistcrium ab.

* Die ukrainische« Ralionallruppen unter General Petljura haben, laut russischen Nachrichten, die Stadt O d e s s a besetzt.____________

Macht das Zentrum stark!

Wir brauchen ein st a r k e s Zentrum.

Wer die Z e n t r u m s p a r t e i schwächt, der stärkt die Gegner, stehen sie links oder rechts.

Wer wirtschaftliche, soziale oder gar persönliche Sonderwünsche über die Zentrumsintereffen stellt, schwächt das Zentrum und stärkt die Gegner.

Wer mit unfruchtbarer Kritik die ungeheure Ar» beit unserer Zentrumsfraktion in der Nationalver­sammlung heruntersetzt, der schwächt das Zentrum und stärkt die Gegner.

Wer über Linkskurs Im Zentrum klagt, helfe Reber zur Vermehrung der Zentrumsmandate; denn je weniger Zentrumestimmen im Reichstag, umso rück­sichtsloser ist die Linke und umso linkser der Linkskurs der Regierung.

Nicht kritisieren, sondern bester machen, das gilt auch für die polsiische Arbeit. Das gilt heute mehr denn je.

Nicht kritisieren und nörgeln an den unter unsäg­lichen Mühen der Zenttumsfraktion zustandegekom- menen Bestimmungen der Verfassung über die Konfes­sionsschule, sondern positiv mittun und dafür sorgen, daß ein starkes Zentrum in den neuen Re i ch s t a g kommt und in der ausführenden Ge­setzgebung die ch r i st l i ch e n Elternrechte auf die Konfessionsschule im ganzen Reiche durchgesetzt werden.

Wir brauchen ein starkes Zentrum. Deine Sache und deine Pflicht ist es, das Zentrum stark zu machen.

Gin bürgerlicher WahlbloS

wird jetzt öfters in rechtsgerichteten Blättern empfoh­len, ein Wahlbündnis der bürgerlichen Parteien gegen

„Und warum setzt Deine Schwester den dreisten Pa­tron nicht einfach vor die Tür?"

„Ach, sie denkt sich gar nichts Böses dabeiI Sie sagt, sie amüsiere sich bei Tallarivag närrischen Einfäl­len viel zu gut, um ihm den Laufpaß zu geben. Auch ist er sehr in der Mode jetzt und e? schmeichelt ihr, daß er ihr Bild malen und im Künstlerhaus ausstellen will. Freilich, wenn er jetzt auch Lou Meister — Tu, Egon, diese kleine Meister macht überall Furore» wohin sie kommt, ich sage Dir, man reißt sich förmlich um sie! Sie ist aber auch zu niedlich und schick in ihren Pariser Toiletten! Ihr Geplauder ist von hinreißender Charme und die Lebenslust prickelt ihr förmlich in allen Glie­dern! findest Du sie nicht auch reizend?"

„Hm — nickt sehr. $cfi halte sie, unter rmS ge. sagt, für eine Todeskandidatin."

„Was fällt Dir ein 1 Sie ist ein zartes Dingel­chen, aber kerngesund! Wie hielte sie sonst dies Le. ben auch aus? Keinen Abend daheim, den halben Tag auf DesuckStouren, Konzerten, ant Eisplatz und Gott weiß, wo sonst noch. Wera, die robuste Wera. die eS sich zur Aufgabe gemacht hat. sie mit wahrer Gouver. nanteugowiffenbaftigkelt immerfort zu begleiten — übrigens komisch,, nicht? — da LouiS Mann meifa durch Arbeit verhindert iff, die kleine Frau zu beglei­ten, sagte mir heute, daß sie schon halbto sei von dieser Hetzjagd!"

„Um so rascher wird sich Frau Lou zu Tode leben! Di: gehörte von Rechts wegen aufs Land bei Milch- und Liegkuren. Tann wäre sie vielleicht noch zu ret. ten. J,hr ganzer Habitus beutet auf Tuberkulosever­anlagung hin." !

„Aber sie hat ja keinen Husten k"

„Tas beweist gar nichts! Viele Menschen sehen blühend aus, husten nie und tragen doch den Todes­keim in der Brust, ehe sie eine Ahnung davon haben. Dann geht es dafür desto rascher. Frau Lous große, glänzende Angen und die Rosen auf ihren Wangen kamen mir gleich verdächtig vor."

„Aber das wäre ja schrecklich! Du. tmfc nun denke bloß: Isolde, die sich anfangs mit förmlicher Begeisie. tung um Lou annahm, ist ihr nun heimlich ürnnefeinb und möchte fit gern los werden, wenn sie nur könnte. Denn Dallariva will Lou Meister ebenfalls malen — der hat immer eine Nase für das. was gerade Mode ist. Vorigen Winter, als Isolde bei dem großen Wohltä-

tigkeilsfest in den lebenden Bildern milwirkte und den

die Sozialdemokratie. In Zentrumskreisen würde es gewiß begrüßt werden, wenn sieh dos Zentrum zu ei­nem Wahlkampf gegen die Sozialdemokratie mit allen bürgerlichen Parteien verbinden könnte, mit denen es ein paar große Richtlinien der Weltanschauung und Staatsauffassung gemeinsam hätte. Zurzeit muß man sich aber fragen, ob ein solcher Wahlkampf t)5e erhofften Dauererfolge brächte und deshalb verständig wäre.

Alois Fürst zu Löwenstein, der sich in der „Allg. Rundschau" mit die'er Angelegenheit b? ßoftigt, Ijcit es für wahrschcinftch. daß die bürgerlichen Parteen durch ein Wahlbündnis mehr Sitze erobern würden, als wenn sie getrennt marschieren, er zweifelt aber, daß man heute mit Sicherheit sagen könne, die Wahlen wur­den, wenn sie eine bürgerliche Mehrheit ergeben werden, stark genug, um allein regierungsfähig zu sein? Dabei dürfe nicht übersehen werden, daß eine Koalition aller bürgerlichen Parteien mit Einschluß der Deutschnationalen und der Demokraten — ohne eine die­ser Parteien kann die Zahl der bürgerlichen Abgeord­neten nicht für eine Mehrheit reichen — ein so wenig in ich Gebilde wäre, daß sie sich nur bei großem Zahjcu» ibergewicht gegen die geschloffene Opposition aller So­zialisten durchsetzen könnte.

Wenn es aber zweifelhaft ist, so fährt er fort, daß die Wahlen eine so große oder überhaupt eine bürgerliche Mehrheit schaffen werden, dann ljarf der Wahlkampf nicht taktisch so geführt werden, daß er den Linksparteien die Mehrheit und die Regierung in die Hände spielt. Da­rübe" dürfte aber kaum ein Zweifel bestehen: ein non den bürgerlichen Parteien geschloffen geführter Wahl­kampf vereinigt die sozial!stijchen Par­teien zu einem festen Block. Siegt er, so regiert er autokratisch über Deutschland. Erreicht er annähernd die Hälfte der Mandate, so wird er alles daran setzen — und ich fürchte, nicht ohne Erfolg — die demokrati» che Volksportei auf seine Seite zu ziehen. Wohin wir n Deutschland kämen, wenn wir von einer rein sozia- istischen Mehrheit regiert würden, das braucht nicht gesagt zu werden. Da ein Wahlkampf, der gegen den Sozialismus mit der größten Wahrscheinlichkeit den Zusammenschluß der Mehrheitssozialisten und Kommunisten und die Bildung eines geschlossenen Linksblocks fördern wurde, so könnte er in diesem Augenblicke nach meiner Meinung trotz innerer Be­rechtigung eine Gefahr für Deutschlands Zu­kunft werden.

Getrennt marschieren und vereint schlagen durfte dämm die richtige taktische Lehre für die bürgerlichen Parteien in diesem Mahlkampf sein. Also: Wahlkampf für bas Zentrum und nicht gegen eine arMe liche Parteirichtung. Im Sinne einer solchen Wahl­taktik siegt es aber durchaus, daß das Zentrum nur für fein eigenes Programm ficht, nur seine eigene Politik verteidigt, nicht die seiner bisherigen Bundesgenoffen. Wester muß das Zentrum einen scharfen Schnitt zwischen sich und die Sozialdemokratie ziehen. Das ist ein Erfordernis der Freiheit des Han­delns, die der Reichsausfchuß verkündet hat, das ist eine Notwendigkeit für alle, in deren Augen die un­überbrückbare Trennungslinie zwischen Zentrum und Sozialismus durch die Tatsachenpolitik der letzten zwei Jahr: verwischt wurde und ist die berechtigte Forderung aller alten, treuen Zentrumsmchänger, die mit Ver­stand und Herz die alte christliche Partei der Mitte er­halten wollen.

•

* Erzberger Reick stagskandidat. Der Parteitag der württembergischen Zenrrumspartei wählte Erz­berger mit 367 gegen 27 Stimmen bei 3 Enthaftungen wieder zum Kandidaten für die Reichstagswahl.

* Graf Posabowsky wird jetzt boch in dem Wahl­kreise valle-Merseburg für die Tenlsch - Nationalen zum Reichstag kandidieren.

ersten Schönheitsvreis bekam, machte er sick gleich an sie heran. Jetzt, wo die Gesellschaft in Bewunderung für die kleine Polin fast erstirbt, macht er natüil ch auch mit. Ich halte gar nichts von Dallarivaz Charakter, mußt Tu wiffen! Mer Lou fühlt sich sehr geschmei- chelt — sie ist überhaupt riesig eitel. Ihre Schönheit und das alte AdelSgescklecht, dem sie entstammt, machen sie furchtbar eingebildet. Sie läßt sich auch Überall „Gräfin" nennen, obwohl sie es doch gar nicht mehr ist, feil fie Roland Meister heiratete . . . aber, ich glaube, Du hörst schon wieder nicht zu, Egon?"

Er hörte in der Tat nicht mehr zu. Eine schläfrige Müdigkeit war über ihn gekommen bei diesem uner» müdlich und ihn so gar nicht interessierenden Geklatsch, womit Daniela ihn zu unterhalten suchte.

WaS ging ihn tag alles an? Es lag ihm so fern! Er wäre am liebsten schlafen gegangen, wagte aber nicht, sie zu unterbrechen.

Daniela stand aus und drehte ärgerlich die Lichte- auf. 1

„9hm will ich aber doch endlich wiffen, woran Tu denkst?" sagte sie mißtrauisch. „Wer weiß, wo Deine Gedanken sind, während ich mir vergeblich Mühe gebe. Deine Aufmerksamkeit zu feffeln!"

Ihr spähender Mick bohrte sich förmlich in sein mitt scharf beleuchtetes Gesicht. Heidlos machte eine unge. duldige Bewegung.

„Woran soll ich denken als an meine Patienten?

„An alle oder nur an — eine?" fragte Daniela rasch.

„Im Augenblick mir an eine."

»Tann ist es gewiß die Fürstin Laban!"

Er sah sie befremdet an, Ton und Blick tocreit ihm aufgefallen.

„Was soll daS. Daniela? Wie kommst Du gerade auf die Fürstin?"

„Ach, verstell' Dich boch nicht sol Als ob ich nicht wüßte, daß sie Deine Gedanken unaufhörlich bejckxiftizt, laß sie Dir mehr gilt als alle anderen zusammen!" rief sie in aufftammenber Eifersucht.

„Daniela!?"

„Ich bin überzeugt, sie ist in Dich verliebt!" stieß Daniela trotzig heraus.

Er erhob sick. Auf seinem Gesicht lag eine finstere Wolke Eifersüchtig! Also auch damit fing sie nun noch an. Sollte er denn nie Riihe haben daheim?

(Forljetzung