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47. Zcchrg

Montag, 10. Mai 1920

Nr. 108

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Im Reichstagsgebäude hat Ende voriger Woche eine Konferenz des Reichsvorstandes der Zen» trumsparlei gemeinsam mit Vertretern der B e - rufs stände getagt, um auf Grund der vorlicgen-

Lezugsprei»: Monatlich 2.00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 2,10 Mk. Anzeigenpreis: DieKieinzeile (Colvnrlmaß) 50 JMg., u. 10°. Zuschlag, die Reklamezeile (Textbreiie) 1.50 Alk., u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol Rabat«.

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an der Spitze der polnischen Gazetta Ludowa verof. entrichte Erklärung, in der die phantosievolle Behaup- ung aufgestellt wird, daß die Deutschen einen Demon- irationsumzug planen, der dazu dienen solle, polnische Druckereien zu zerstören. Die Zeitung fordert die po­len auf, den Deutschen zuvorzukommen und die von hr namentlich angeführten Druckereien von deut- chen Tageszeitungen schleunigst zu i er ft ören.

Lu der Ententekommission herrscht große Beun­ruhigung. Englische Offiziere, die dieser Tage die ober- schlesisch-polnische Grenze befuhren, haben dort große polnische Truppenansammlungen festgestellt.

Allensleiner Verräter? DasAllensteiner Volks- Matt" bestätigt die seit kurzem unter der Allenstemer Arbeiterschaft umlaufenden Gerüchte, daß sechs F ü h- rer der Unabhängigen auf Veranlassung der polnischen Progapandazenirale in Allenstein nach Warschau reisten, um dort Abmachungen mit den Polen über die Stellungnahme der unabhängigen So­zialdemokraten bei der Abstimmung zu treffen. Das Blatt bemerkt jedoch, daß die unabhängigen Führer bei dieser Abmachung mit den Polen allein ständen, da die über den Verrat der Führer erbitterte Arbeiter- schäft ihnen nicht Folge leisten werde.

Wählerlisten einsehen!

Nur wer in der Wählerliste verzeichnet steht kann am 6. 3uni sei« Wahlrecht ausüben, seine Wahlpflicht erfüllen.

Die Lifte« muffen bis Sonntag, den 16. Mai, t« allen Grien ausliegen. Jeder w°h berechte, Mann oder Stau, fetje nach oder taffe nachsehen, ob er ringe ragen ist

Ganz besonders wichtig ist die Linflchlna me in die Liste für diejenigen, die erst nach der Nationalwahl das wahllähige Alter err:icht haben, also für die 20 und 21 jährigen, die jetzt zum etft nmaie wählen, wahlbe­rechtigt ist. wer vor dem 7. Juni UOO g boten ist.

Einsprüche sind bis zum Ablaus der Ausleeungs frist bei der Semeindeb.Hörde anzubringen, die b:e Nach- tragung veraniabt.

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Kurland.

In der Tschecho-Slowakei soll zum Minister für bas öffentliche Gesundheitswesen der Abg. Johanni, em gewesener Schuster, ernannt werden. _

* Die Einnahme Kiews durch die polnischen Trup­pen wird nunmehr von der Moskauer Sowjet-Regie­rung b e ft ä 11 g t.

Mexiko. Carranza ist von Mexikocrty nach Veracruz geflohen. Kurz vor dieser Flucht hatte Carranza noch ein Manifest erlaßen, in dem er er­klärt, daß er den Kamps bis zur völligen Entschei­dung, bis zur Wiederherstellung der Ruhe durchführen werde. Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt, drittens in Amerika.

Kapitän Ehrhardt geflüchtet.

Ehrhardt, der Führer der zweiten Marinebrigade, an deren Spitze seinerzeit bei dem Kapp-Putsch Gene­ral o. Lüttwitz die Ueberrumpelung Berlins durch­führte, hat am Samstag den Befehl über diese Vri- gäbe niedergelegt und sich ebenso wie seine frü­heren Vorgesetzten, General Lüttwitz, Oberst Bauer, Major Pabst u. a. aus dem Staube gemacht. Er hat das Munsterlager unbekannt wohin, verlassen. Sein Abschied, in dem er mitteilte, er habe sich ent» schloßen,sich in Sicherheit zu begeben", d. h. zu flüchten, wurde den Truppen durch den Chef des Sta­bes, Major v. Falkenhaufen, mitgeteilt

Gegen Ehrhardt, der sich seit Wochen unter seinen nach dem Munsterlager übergeführten Truppen befand, war schon vor längerer Zeit wegen Hochverrats ein Haftbefehl erlaßen worden, deßen Ausführung jedoch angesichts der drohenden Haltung der Truppen ohne schweres Blutvergießen kaum möglich schien. Ehr- Hardt scheint nun befürchtet zu haben,, daß die Regie- rung nicht länger zögern würde, auch zu stärkeren Mit- (ein zu greifen, da der von ihm geschaffene Zustand dauernder Meuterei unmöglich geduldet werden konnte. Er suchte sich der Verfolgung durch die Flucht zu ent­ziehen, nachdem er die letzten Wochen vom Munster- lager aus noch die rechtsstehenden Blätter mit hoch­tönenden Worten antelegraphiert und einer englischen Korrespondentin seine Erfahrungen während des Kapp-Pulsches zum Besten gegeben hatte, die anschei­nend dem Faß den Boden ausgeschlagen Haden. Eine Vertreterin derDaily News" war nämlich kürzlich in der Lage, Aeußerungen Ehrhardts an ihr Blatt zu übermitteln, die den Anschein erwecken müssen, als herrschten bei uns mexikanische Zustände und als seien beliebige Truppenführer in der Lage, ganz nach Laune zu schalten und zu walten. Ehrhardt soll danach u. a. folgendes gesagt haben:

Nicht dem Generalstreik, sondern den Intrigen jü­discher Unterstaatssekretäre, denen e3 gelungen war, einen Streik der RegierrmgSbeamiten herbe!rzuful>ren und so die StaatSrnaschine lahmzulcgen. Wir haben es unterlaßen, diese Unter st aatssekretare zu erschießen, ein bedauerliches Versehen! Die Feigheit des Bürgertums ist ebenso verantwortlich für unseren Mißerfolg. Tie Bürgerlichen waren Zwar über unseren Putsch entzückt, blieben aber zu Haus« und wuschen ihre Hände in Unschuld, anstatt offen her. beizueilen und uns zu helfen. Das Militär muß die Ordnung aufrecht erhalten und Plünderungen vorhin, dern, und die Negierung muß soviel Nerven herben, einmal 10000 Menschen im nördlichen Berlin Hnng ers sterben zu lassen, dann wird das Volk für eine Weile wohl keinen zweiten Generalstreik unternehmen."

Ehrhardt hatte dem Chef der Heeresleitung, Gene­ral o. Scekt, das Versprechen gegeben, sich zur Verfügung der Regierung zu halten und die Marine­brigade bis Ende Mai aufzulösen. Seine jetzige Flucht oder wie Ehrhardt es zart ausdrückt, fein Entschluß, in Sicherheit zu gehen", bedeutet nichts anderes als einen Bruch des gegebenen Versprechens. Es wird sich nun zu zeigen haben, ob seine Spur ebenso leicht zu verwischen fein wird, wie die der übrigen Führer des Putsches. Zur Festigung der Staatsautorität trägt es jedenfalls nicht bei, wenn Meuterer und Eidbrecher vom Schlage Ehrhardt trotz Haftbefehls sich inmitten schwer bewaffneter Truppen frei bewegen dürfen und unter Hinterlassung einer trauernden Staatsanwalt­schaft verschwinden können.

Schwamm briitcr!" Frankfurts wurde der Opereileniängcr 9! e ? n i, Mitglied bc$ Lp rnhauseö, auf Beseht de? französischen Generals Vidalon verhaftet und ihm eröffnet, daß er wegen einer gegen d>e fran­zösischen BesakuneSIrnvt'en gerichteten Temonsteation - - , - - - - - - ,,,

währeich hex Lmrnerstag-Vorshellung deS ^Be^telstu. j -en Kandidatenlisten aus den einzelnen Wahlbezirken

darüber zu beraten, wie eine allen berechtigten An­sprüchen möglichst entgegenkommende Berücksich­tigung der einzelnen Berufsstände bei den bevorstehenden Reichstagswahlen, _ soweit das Zentrum in Betracht kommt, zu gewährleisten sei. Gleichzeitig beriet die Konferenz über die Besetzung bet, Reichsliste. Die Besprechungen sind zurzest soweit ge­diehen, daß ein Ausgleich der Wünsche der einzelnen Stände, der gewiß auch draußen im Lande, befriedigen wird, als gefunden gelten kann. Die Frage, welche Persönlichkeiten auf die Reichs 1 iste gesetzt, werden sollen, ist noch nicht entschieden. Sie wird erst, am 18. Mai durch den Parteivorstand gelöst wer­den. Die Konferenz einigte sich ferner dahin, daß ab­gesehen von den Wahlkreisen Berlin und Teltow- Beeskow keine Wahlkreisverbände gefdjaf- fen werden sollen. Alle bei den Wahlen sich ergeben« den Reststimmen sollen vielmehr der R e i d) s 11 ft < zusließen. v j - w <

genfrumstanttibafureti. Die Zenkrumspartet im 13. Wahlkreis Thüringen nahm am Freitag auf einer Delegiertenkonferenz in Erfurt Stellung zu denj Reichs- und Landtagswahlen. Als Kandidat für denj Reichstag wurden Probst Poppe (Heiligenstadt), Mit- glieb des früheren Reichstages, und Landwirt W a n- ) e t e ausgestellt, für den Thüringer Landtag Dr. K i e I (Geisa). Die endgültige Feststellung geschieht am Frei­tag in Nordhausen.

Die5enkumsreformer Der Vorstand der. Kölner Zentrumspartei hat in einer Entschließung fest- gestellt, daß sich unter denReformern" sehr wenigs Leute befinden, die sich bisher durch praktische Arbest in der Partei hervorgetan haben. Andere feien nichts einmal eingeschriebene Mitglieder. Inzwischen sind! die Unterzeichner des bekannten Ausrufes, bereit; Name etwas bedeutet, schon wieder aus der neuen; Partei" ausgetreten und haben den Weg zum Zen­trum zurückgefunden. Mit diesen Tatsachen ist bis Bedeutung" der Kölner Aktion genügend gekennzeich-, net. Nach allem, was bisher über dieBewegung"- bekannt geworden ist, muß man annehmen, daß bei den Leuten, die heute noch zu ihr stehen, andere. Wunsche maßgebend sind als die, das Zentrum zu reformieren. Erwägt man, daß die KölnerRefor­mer" in Verbindung stehen mit den Kreisen in Süd^ deutschland, die auf eine Lösung vom Reich« hin« arbeiten und bedenkt man ferner, daß Dr. Heim als Helfer und Redner der Kölner angekündigt worden ist, so wird es Immer deutlicher, daß die angebliche Unzu- sriedenheit mit dem Zentrum und die Gründung der. christlichen Bolkspartei- nur Aushängeschilder sind, für Bestrebungen, die mit guten Gründen bas Licht der Oessentlichkeit scheuen.

Dr. heksferich soll außer in Heßen-Raßau, Han­nover auch in Hamburg als Zugkraft der Deutsch- nationalen Bolkspartei an die Spitze der Liste gestellt werden. j

* Weil ihnen ReligionPrivatsache" ist! Di« freien" Gewerkschaften legen sich wieder mächtig für die Wahl sozialistischer Abgeordneter ins Zeug. Auch die in den freigewerkschaftlichen Pferch gera­tenen Arbeiter-und Arbeiterinnen wirb 'man in diesem Sinne beeinflussen. Um ihnen die Sach« leichter zu machen, wird man wiederNachweisen", daß bei den Sozialisten Religion Privatsache Jet woS bann den Eindruck erwecken muß, als wäre da­mit dem Christentum die gebührende Achtung er­wiesen. Wie dieReligion als Privatsache" bei den seitherigen sozialistischen Abgeordneten aussah, zeigen folgende amtliche Angaben: Von 421 Abgeordneten der Nationalversammlung sind 80konfessionslos"; davon 69 Merrheitssozialisten und 10 Unabhängige, 13freireligiös", davon 12 Mehrheilssozialisten und 1 Unabhängige, 45 Abgeordnete, meist konfessionslos, davon 32 Mehrheitsjozialisten und 6 Unabhängige machen keine Angabe über ihr Bekenntnis. Welcher christliche Arbeiter und welche christliche Arbeiierin mit fünf gesunden Sinnen weiß nun noch nicht, wie die Sozialisten zur Religion stehen?

Evangelische Kirche und Zentrum.

Immer mehr wird man sich auch in evangelischen Kreisen bewußt, welche Bedeutung die Zentrumspartei hat. 3mNeuen Sächsischen Kirchcnblatt" (Nr. 171 heißt es folgendermaßen:

SB e n n am 9. November 1913 und am 11. Angus? 1919 keine Zentrumspartei dagewesen wäre, und die kirchlichen Interessen hätte vertreten können, so hätte die evangelische Kirche ohne jeden Zweifel Konkurs anmelden müssen." In derselben Nummer heißt es dann weiter:ES mutz noch einmal hervorgehoben werden, nicht die freund^ liebe Stellung der drei bürgerlichen Parteien, bet Teutschnationalen der Deutschen und der Teutsch-demo^ kraiischen VotkSpartei, gegenüber der christlickien Kultur oder dem Christentum hat die Lage vorläufig Qerette» __ denn sie alle stützen sich nicht auf die Massen, die m bet -Demokratie den Ausschlag geben. E s w a r a l l e i n das Zentrum, das der erdrückenden Macht einer politisch znsarnmÄngefaßten Masse in religiösen und kirchlichen Fragen Achtung und Zurückhaltung gebot.* Zentrumsanhänger, merkt euch diese starke Aner­kennung der Leistungen der Zentrumspartei aus evan­gelischem Munde. Die Wahlen stehen vor der Tür. Nur unermüdliche Arbeit kann uns zum Erfolge helfen.

Deu!schnakiona!e und die Frauen.

Die Deutschnationale Volkspartei veröffentlicht Richt­linien für Qrauenfragen. Sie sind ausgestellt vom Reichsfrauenausschuß der Deulschnal'onc'»i Dolkspartet und beschlossenim Einvernehmen mit der Parteileitung. Wie Deutfchnationale aber wirklich über bie Frauen im öffentlichen Leben denken, hat der Schrifllciier derDeut­schen Zeitung", Abel, in Berlin nach demVorwärts jüngst in einer deutschnationalen Versammlung in Halle ausgesprochen, wo er jagte:die politischen grauen sind, wenn sie vereinzelt stehen, die Blumen aus dem Kornfeld, in größerer Anzahl wirken sie aber als ein l ä ft i g e s. Unkraut". ______ _

Die Wahlauöflchten int Wahlkreis Hessen-Nassau.

Sei der letzten Neichstagswahl am 19. Sanuat 1919 (Nationalversammlung) waren in unserem Wahl­kreis Hessen-Nassau 15 Abgeordnete zu wählen, ba- ,, von fielen auf Zentrum 3, Demokraten 3, LeuMllgüq-

Deutsches Reich.

»* Berkin 9. Mai. Oberstaatsanwalt Kraufe teilt mit, baß die Nachricht, es fchwebe bei der Staats- anwaltfchaft I in Berlin ein Ermittlungsverfahren in der Angelegenheit der Erzbergerschen Steuer- erklärungen, irrig sei. Eine dazu er orderl che Er- klärung des zuständigen Finanzamts sei bisher nicht erfolgt. Das im Friebensvertrag von Versailles ins Leben gerufene deutsch-sranzosische Schrebs- aericht für private Streitigkeiten zwischen Deuten und Kranroien ist desiniiiv gebildet worden. In Amerika wird geplant, Deutschland für 250 Millionen Dollars Rohstosfe »nb LebensmUteI gegen deutsche Wertpapiere zu leihen. Mit dem 8. Mar wurde gemäß den Bestimmungen .es Friedens- verirages die deutsche Fliegertruppe aufgelost.

* Moderne Kindererzrehung! Zu diesem K^puel schreibt der .Typograph" in Nr. 20 sehr zutreffend: In einem von unabhängigen Sozialisten tieraniial« teten Mai-Demoniirationszug konnte man em acht- jähriges Mädchen erblicken, las em Schild hug, auf dem folgende bezeichnende Inschrift zu le en war: Wer so denkt wie ich, der laßt sich vom Religionsunterricht dispensieren!" Die Sozia- listen scheinen achtjährigen Mädchen fchon eine große Portion von Tenlvei mögen zuzutrauen, wenn dieie darüber urteilen sollen, ob sie am Religionsunter­richt teilnehmen oder nicht. Wir bedauein die Iu- gend, die schon im zartesten Alter gegen Christenmm und christliche Einrichtungen gehetzt.wird..Die Fol- gen einer solchen Erziehung ohne Moral und Snien- gesetze sieht man täglich in erschreckender Weise wachsen: Raubmord, Einbruch, Unterschlagung, Sittenlosigkeit, Vergnügungssucht bis zur Raierei, Unzufriedenheit und am Ende Verzweiflung. Tas sind Kulturbilder, die nicht nur den ehrlichen deutschen Namen schänden, sondern auch zum Ruin unseres Wirtschaftslebens beitragen.

Die Verhängung des krankenversicherungs- zwanaes über Personen mit einem Einkommen bis zu 15000 J*. erweckt vielfach starkes Schütteln des Kopfes. In Berlin beträgt der Jahresbeitrag dafür 1050 Mk. Wer gibt wohl 1050 Mk. jährlich für ben Arzt aus? Das finb dach nur Ausnahmen.

Der Kamps um Schleswig.

Das neue dänifche Kabinett bedeutet eine Verstär­kung der anncktionistischen Ansprüche Dänemarks, die aus bie Internationalisierung ber 2. Zone abzielen. Demgegenüber hat der Deutsche Ausschuß sur Schles­wig tem beutschen Vertreter bei ber Internationalen Kommission eine Erklärung gegen die International!, sierung mit 36 000 Unterschriften aus ber zweiten Zone übersandt. , , . ... ...

Die deutsche Reichsregierung hatte ber bamschen Regierung einen Vorschlag unterbreitet, einen Gegen- feitigkeitsvertrag über ben Schutz ber Minber- heilen in Schleswig abzuschließen. Dieser beutsche Vorschlag ist von ber neuen dänischen Regierung chrosf abgelehnt worben. Damit wirb be­tätigt, baß bie jetzt in ber dänischen Regierung vor- zerrschenbe Stimmung einen friedlichen Ausgleich, wie er von Deutschland angtftrebt wird, nicht geneigt ist.

bent zu einer Haftstrafe von 8 Tagen verurteilt wäre, die sofort anzutreieu sei. Außerdem wurde das Oper». Haus für zwei Tage geschlossen. Rezni hatte dem CoupletSchwamm drüber" im zweiten Akt zwei (Sou- vletirrophen angesügt, in denen er das internationale Schiebertum und das würdelose Verhalten eines Teils der Frankfurter Bevölkerung bei der täglichen Ablösung der französischen bezw. belgischen Wache am.Opern. Haus glossiert und natürlich demonstrativen Verfall ge- funken. Ter Kommandierende General der Rhein. atmet Degou te, der die Vorstellung mit vielen Söe- satzringsosfizierert besucht hatte, empfand das a s eine bewußte Demonstration gegen die BesatzungStruppe^

Theateraffären auch in Darmstadt und Hana«. Der Kommandierende General der französischen Beietzung-- division hat die Schließung d-S H a n a u e r S t ad t - t h e a t e r S für brei Tage verfügt. Als Grund wer» den Ereignisse angegeben, die am 5 Ma, im Stadt- therrier durch den Schauspieler SckMthauer aus Mainz, an diesem Tage einen Vortragsabend «ab, hervor.

gerufen worden seien und für die der -r.rrektor dcS Stadttheaters auch verantwortlich sei. sen den Schauspieler Schiotthauer werde, so lautet ber franzö-

Befehl, noch eine besondere Strafe festgeietzt wer-' den Auch in Da r m st ad t tvurde auf Befehl des französischen Divisionskommandos ein ÖCT

einem Kabarett das Lied vorn deutzchen Michel, der sich nicht die Zipfelmütze über ben Kopf ziehen lassen soll , vorgetragen hatte, zu acht Tagen Gefangms verurtm t <$Vr Besitzer des Lokals würbe zu einer Geldstrafe von 5000 Mark und Schließung seines Lokals auf zwei Tane verurteilt. Französische Offiziere, bie der Vor. stellung beiwohnten, nahmen Anstoß an dem Vortrag und machten Meldung bei der Division^ worauf d.e Verurteilung erfolgte.

Wieder ein Platz am Katzentifch?

Französische Blätter verbreiten die Nachricht, daß ftfe deutsche Regierung mit Rücksicht auf die Wahlen Ijitm Reichstage eine Verschiebung der Kon­ferenz in Spaa über den 6. Juni beantragt habe. Diese Nachricht ist, wie in Berlin versichert wirb, aber wohl barauf zurückzuführen, baß bei ber Uebcrmittelung der Einladung von deutscher Seite bemerkt worden ist, baß bas enge Zusammenlegen ber beiden Termine etwas unbequem sei. Die Einladung wurde jedoch angenommen. Ein Wunsch oder gar ein Antrag auf Verschiebung wurde nicht ge- äußert.

Es liegt ja gerade im deutschen Intereffe, daß Über die Entschädigungsfrage re ch t bald eine Ver­ständigung herbeigeführt werde. Die Unbequemlich­keiten wegen der gleichzeitigen Arbeit in ber hohen Politik unb in ber Wahlpolitik muffen in Kauf ge­nommen werben. Wir hätten es für bester gehalten, wenn überhaupt bie Wahlfrage gar nicht zur Sprache gebracht worben wäre. Aus einem hoppelten Grunbe: Erstens, um ben lauetnben Gegnern keinerlei Dor- wanb zu liefern für Gerüchte über Deutschlcmbs Ver­schleppungsgelüste. Zweitens, um nicht ben Anschein zu erwecken, als ob bie beutsche Regierung in Zwei­fel unb Sorge sei über ben Ausgang ber Wahl.

Es liegt burchaus im beutschen Interesse, auch hin­sichtlich ber Valuta unb ber Wirtschaftspolitik, baß bie ganze Welt Vertrauen hat auf bie Festigkeit ber deutschen Negierung unb bie Stetigkeit unserer Entwicklung. Dieser Einbruck wirb gesörbert, wenn die beutsche Regierung auch Selb st vertrauen zeigt. Die gegenwärtige Regierung muß ben Mut haben, auch währenb ber zwei Wochen, bie zwischen ber Eröffnung ber Konferenz unb bem Wahltag lie­gen, Entschlüsse zu fasten, bie burch bie Umstänbe ge­boten werben. Die sog. hohe Politik muß auch wäh­renb ber Konferenz mit voller Frische unb Kraft ge­führt werben, ohne baß sich auch nur ber Verbacht regt, als ob kleinliche Rücksichten auf bie augenblick­liche Stimmung bieser ober jener Wählergruppe bie Enischeibung ber großen Schicksalsfragen bestimmen ober auch nur verzögern könnten.

Deutschlanb wirb unb barf barum die Konferenz ksicht verschleppen, man muß vielmehr ben Verdacht haben, daß bie Neigung, bie Derhanblungen hinaus- zuziehen, auf Seite ber feindlichen Regierungen be­steht, um Zeit zu vorheriger Einigung ber Serbünbe» ien unter sich zu gewinnen. Die Franzosen sinb un- ermüb(id) tätig, Stimmung bafür zu machen, baß bie Alliierten vor ber Konferenz feststellen, was sie ver­langen wollen, bamit eine münbliche Aussprache über- flüssig werbe, unb bie Deutschen sich nur über bie Annahme ober bie (unmögliche) Ablehnung sich zu äußern hätten.

Also nach wie vor ein Diktat statt Der­hanblungen unb für Deutschlanb ein Platz am Katzentisch stall am Konferenztisch!

Werben Lloyb George unb 51 i 111 auf biese Verschanbelung ihres vernünftigen Gebankens sich ein­lasten? Man sollte es nicht glauben. Doch in Eng- land liegen bedenkliche Anzeichen vor. Lloyb George hatte offen anerkannt, baß Deutschlanb zur Zeit nicht zahlungsfähig fei unb baß bei ber Regelung ber Ent- ichäbigung seiner Notlage Rechnung getragen werben müsse. Aber jetzt werben in Lonboner Blättern, bie ber Regierung nahe stehen, Artikel veröffentlicht über bie große Entlastung ber englischen unb französischen Steuerzahler burch bie beutschen Zahlungen, bie ber Schatzsekretär Chamberlain sicherstellen werbe. Dabei wirb ausbrücklich betont, baß bei ben Erörterungen in Spaa Deutschlanb nicht mitzureben habe, wenn bort bk Höhe ber Summen, bie Fälligkeitstermine unb bie Form ber Zahlung festgesetzt werben.

Wenn so nicht bloß bie französischen Derbunbeten, fonbern sogar bie englischen Freunbe unb Kollegen gegen bie bisherigen Erklärungen Lloyb Georges auf­treten, bann schrumpfen unsere Hoffnungen auf Spaa vollstänbig zusammen, unb es erhebt sich bie Frage, ob es sich überhauptlohnen wirb, baß ber Reichs- ' kanzler selbst ober ein vollwertiger Minister borthin reist. Will man uns wieber etwas biktieren, bann genügt ber einfachste Geschäftsträger zur passiven Assistenz. "

Unterzeichnung des deutsch-holländischen Kreditabkommens.

Me aus bem Haag gemelbet wirb, finb bie nieber« ländische unb bie beutsche Regierung nunmehr in ber Angelegenheit bes Kohlen- unb Kreditabkommens einig geworden. Der Vertrag über den Kredit Hollands an Deutschland in Höhe von 200 Millionen Gulden ist am Samstag unterzeich­net worden. Es besteht gute Aussicht, daß er bald cor die Kammer gebracht und von ihr gebilligt wer- de» wird. Damit ist der erste Staatskredit einer {rem» den Macht an die deutsche Republik zustande getom« nun. In bie Gegenlieferungen Deutschlands für den gewährten Kredit, die hauptsächlich in Kohle bestehen, spielte der Versailler Vertrag hinein. Es ist jetzt Eine Regelung gesunden, bie beide Seiten befriedigen kann Unb sicherstellt. Eine Zeitlang sah es so aus, als ob an bieser Frage ber Vertrag scheitern müsse. Das Zustandekommen bes Kredits trotz großer Nteinungs- Verschiedenheit ist ber großzügigen Betrachtungsweise zu bauten, bie bei ben Verhanblungen zuletzt immer wieber ausschlaggebenb gewesen ist. Sicherlich Hai Hollanb nun nicht nur sich unb Deutschlanb, sondern auch Europa einen großen Dien st er« wiesen.

Verschärfung der Lage in Lbcrschlesien.

Die Spannung in Oberschlesien ist immer noch im Dachsen begriffen. Korsanty hat zum General­streik der Polen gegen die Sicherheitswehr für den heutigen Montag aufgerufen. Dagegen erlassen das deutsche Plebiszitkommissariat in Kattowitz, die Ge­werkschaften unb bie Beamtenorganisationen eine Er­klärung, In ber vor jebem Generalstreik gewarnt wirb. LrrMrjt wirb bie Lage durch eine in großen Lettern

Deraniworillch für den reballionellen Teil: C. Schutte, z für die Anzeigen: I. Parzeller-Futda. - Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Acllendruckerei In Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreste: FuidaerZeltung