rrldaerZeitung
Nr. 106.
Berantworllich für den redaUionellen Teil: C. Schütte, “ für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. z Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung
Zrettag, 7. Mai 1920. <
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47. Zahrg.
Gegen die schwarze Schmach.
Einen entschiedenen Protest gegen die schwarze Schmach hat der w ü r t t e m b. Landtag in seiner gestrigen Sitzung beschlossen. Die Abg. grau Blanck richtete an die Regierung angesichts der Enthüllungen über die Zustände im besetzten Gebiet, die der englische Publizist Morel in der Londoner Preffe veröffentlicht hat, das Ersuchen, bei der Reichsregierung unverzüglich anzufragen, ob es wahr sei, daß in Mainz, Ems, Wies, baden, Ludwigshafen, Saarbrücken und in anderen be. setzten deutschen Städten von der französischen Besatzungsarmee für die schwarzen Truppen die Beschaffung öffentlicher Häuser durch die deutschen Stadtverwaltungen verlangt worden sei, da „deutsche Frauen, Mädchen und Knaben die Weigerung zu büßen hätten." Zugleich wurde gebeten, auf Grund der aus englischer Ouelle stammenden Mitteilungen einen erneuten Pro. test gegen die durch Verwendung von afrikanischen Truppen in deutschen Gebieten der Zivilisation ange. taue Schmach zu erheben Präsident Blos erklärte, es gäbe kerne Worte, mit denen diese Schmach verdientermaßen gcbrandmarkt werden könne. In Berlin we-rde demnächst eine Zusammenkunft mit der deut, schcn Regierung stattfinden. Die württembergische Regierung würde Sorge trogen, daß diese Angelegenheit zur Sprache gebracht werde und daß sie auch bei den Besprechungen in Span auf die Tagesordnung komme. Er hoffe, daß durch energische Vor. stellungen eine Aenderung dieses entsetzlichen Zustandes herbeigeführt werde. Die Württemberg, sche Regierung werde tun, was in ihren Kräf. len stehe. Der Antrag wurde vom Haus einmütig angenommen.
Der württembergische Landtag hat sich durch seinen Einspruch gegen die schwarze Schmach verdient gemacht. Obschon Frankreich weiße Truppen genug hat, schickt es in die deutschen Gaue eine Masie von schwarzen Söldnern, die dort mit afrikanischer Wildheit hausen und ihren bestialischen Trieben keinen Zwang antun. Frauen und Mädchen sind im vollsten Sinne des Wortes ihres Lebens nicht sicher. Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung und immer zahlreicher werden die Fälle, daß Mädchen spurlos verschwinden.
Der Protest gegen dieses entsetzliche Treiben soll auch auf der Konferenz in Spaa vorgebracht werden. Darf man von der Anrufung des Mitleids und des elementarsten Anstandsgefühls sich Erfolg versprechen? Bei den Engländern macht es vielleicht Eindruck. Sie und die Amerikaner haben ja zur Okkupation zivilisierte Truppen geschickt, die freilich auch nicht durchweg Engel waren, aber doch im großen und ganzen mit der heimgesuchten Bevölkerung auskommen konnten. Die Engländer werden freilich schwerlich einen Druck auf die rücksichtslosen Franzosen aus- üben; denn wir haben ja soeben in San Remo gesehen, daß sie auf die Heldentat der Franzosen im Maingau nur eine kraftlose Verwahrung eingelegt, dann aber geduldet und sogar in gewundener Form sanktioniert haben. Infolgessen können die schwarzen Bestien unter der französischen Flagge ihre Menschenjagden weiter betreiben, nicht bloß links am Rhein, sondern sogar in einem Teil der sog. neutralen Zone. Ob die Rachgier der Franzosen vor der Entrüstung in der neutralen Welt sich beugen wird, ist doch sehr zweifelhaft.
lieber Greuel, die angeblich von den Deutschen T begangen sein sollen, hat man eine wirksame und nachhaltige Entrüstung in der ganzen Welt in Gang gebracht, lieber die Greuel, die tatsächlich an den Deutschen verübt werden, bleibt leider die Entrüstung matt und kraftlos. Diele sagen achselzuckend: das bringt der Krieg so mit sich!
Hier trifft aber der Hinweis auf die „Kriegsnotwendigkeiten" durchaus nicht zu. Abgesehen davon, daß auf dem Papier in aller Form und Feierlichkeit der Friede geschloffen worden ist, lasten sich die berechtigten Interesten der Sieger durchaus erreichen »hne solche Menschenguälerei. Wenn die Franzosen glauben, recht große Stücke des deutschen Bodens be-
Zordernde Liebe.
Roman von Erich Ebenstein.
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Son hatte dabei Wera geschickt neben sich auf Has Sopha niedergezogen und ihren Mann durch einen Blick to ihre andere Seite dirigiert.
„So, jetzt bin ich gut verschanzt gegen den Wauwau", flüsterte sie Wera zu und meinte offenbar den General, da sie verstohlen nach ihm hinblickte.
Später, als er aufftanb und für einen Augenblick zu keiner Frau ans Büffet trat, die dort Löffel und Tischzeug zum Abendbrot herausgab, flüsterte Lau wieder: „Man muß sich nicht fürchten vor ihm? Sehen seine Augen hinter den buschigen Brauen nicht genau aus wie zwei bissige Kettenhunde» die in ihrer Hütte auf der Lauer liegen, bereit, jeden Augenblick auf einen loszuspringen?"
Wera mußte über den Vergleich lächeln. Dann sagte sie ernst: „Er ist sehr, sehr gut, trotz feiner zur Schau getragenen Strenge. Sie werden ihn schon lieb gewinnen."
Ein dankbarer Blick des Sohnes traf sie. Immerhin, es herrschte eine gewitterschwüle Stimmung in dem sonst fo friedlichen Heim der alten Leute, und Wera begriff von Minute zu Minute deutlicher, daß sie als eine Art Gis- Becher zwischen feindlichen Gewalten stand. Diese Rolle l»ar ihr neu und unbehaglich.
Der General und seine Schwiegertochter gerieten hart aneinander. Lou hatte morgens bis zehn geschlafen und dann das Mädchen zur Toilette beansprucht, weshalb die Qeneralin selbst kochen mußte. Nach Tisch hatte die alte Frau bann noch mit ihr auf Wohnungssuche gehen mästen, obwohl ihr der Arzt einer kürzlichen überstandenen Venenentzündung wegen Gehen und Stehen untersagt hatte.
Als nun Roland berichtete, daß er von morgen an fast den ganzen Tag werde im Büro sein mästen, um sich 'm feine Redaktionsgeschäfte einzuarbeiten, man also auf ihn mit dem Wohnungssuchen nicht rechnen dürste, machte Sou ein langes Gesicht.
„Dann muß aber doch wieder Mama mit mir gehen", sagte sie, „ich verstehe. ja nichts davon mü> fände mich auch nicht zurecht."
Dagegen protestierte indes der General energisch. -Mama darf ihres Fußes wegen keine Treppen steigen. Sie ist schon heute viel zu viel auf den Seinen gewesen. 3$ werde mit Dir gehen.", - « -
seht halten zu müssen, so können sie doch dazu Truppen wählen, die aus dem Boden der europäischen Gesittung stehen.
Man kann ja die Frage auswersm, ob überhaupt die andauernde Okkupation zur Sicherung des Friedensvertrages notwendig und zweckmäßig ist. Die Okkupation bis zur gänzlichen Erfüllung aller Leistungen ist ein Erbstück aus jener Zeit, als man kein anderes Mittel kannte, um einen besiegten Staat zur Vertragstreue zu zwingen. Man suchte in dem Faustpfand und in der rohen Gewalt die „Sicherung" vor bösem Willen und vor Vorbereitung eines Rachekrieges. Wer den Deutschen Böswilligkeit zutrauen will, muß doch wenigstens erkennen, daß unser armes Reich auf absehbare Zeit vollständig ohnmächtig ist. Zum Ueberfluß ist ja auch in den sog. Friedensverträgen ein anderes Zwangsmittel für den schlimmsten Fall vorgesehen. Wollten wir uns empören gegen die Friedensbedingungen, so würde man uns nach allen Regeln des sog. Völkerbundes mit einer B l o k- k a b e heimsuchen, die nach wie vor ihre fürchterliche Wirkung ausüben würde.
Die Okkupation ist nicht nur überflüsiig, sondern auch schädlich für beide Teile. Die Sieger müssen Truppen in Tätigkeit halten, die sie lieber nach Hause schicken sollten zu ihren Familien und ihrer Arbeit. Die Besiegten haben für die Besatzungstruppen täglich Millionen zu zahlen, die geradezu vergeudet werden. Um diese Kosten wird die Zahlungsfähigkeit des Schuldstaates geschmälert. Und in noch höherem Maße durch die mittelbare Schädigung der Volkswirtschaft. Dutzende von Milliarden könnten wir schneller abzahlen, wenn nicht die Okkupation am Rhein uns so lange das „Loch im Westen" beschert hätte, durch das unsere Finanzen schwer zerrüttet und die wirtschaftliche Genesung auf Jahre hinaus verzögert worden ist.
Demgemäß müflen alle vernünftigen Politiker, auch wenn sie noch die Okkupation für ein notwendiges Nebel halten, doch für die B e s ch r ä n k u n g derselben nach Umfang und Zeit eintreten. Zum mindesten aber dürfte man erwarten, daß mit der Okkupation nichts anderes erstrebt werde, als der angeblich notwendige Zwang zur Vertragserfüllung. Die Ausnutzung der Okkupation zur Befriedigung des Haffes oder der Protzerei mit ungefährlichen Heldentaten ist häßlich und unsittlich.
Doch wo findet man parlamentarische Ausdrücke, um es gebührend zu kennzeichnen, wenn die Franzosen ausgerechnet ihre schwarzen Truppen nach Deutschland schicken, damit diese ihre bestialischen Triebe an der unterlegenen Bevölkerung sich aus-. toben lasten!
Die vorbedachte Menschenquälerei muffen wir leider zu den übrigen Anzeichen rechnen, die uns die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben mit dem westlichen Nachbarn untergraben.
Wir wüsten aber auch feststellen, daß die Engländer, Italiener und Amerikaner sich mitschuldig machen an den schwarzen Greueln, wenn sie nicht energisch Einspruch erheben gegen die Verwendung dieser Bestien.
Die 823. Protestnote.
Gegen die von der französischen Besatzung angeordnete Entwaffnung der Frankfurter Polizei hat die deutsche Regierung gestern eine Protestnote nach Paris gesandt. Es ist dies seit dem Waffenstillstand die 823. Protestnote, die Deutschland an die Entente gerichtet hgt.
Alliierkenkonferenz vor der Konferenz in Spaa.
Der Londoner „Evening Standard" schreibt: Vor der Konferenz in Spaa, die am 25. Mai stattfinüen soll, werden sich die Verbandsmächte in London über Eie Ausführung des Friedensvertrages
„Oh!" Lou sah ihn ganz erschrocken an. „Wir müssen aber doch auch ein Mädchen zur Bedienung suchen, Einkäufe und Besuche machen", setzte sie kleinlaut hinzu.
„Das wirst Du eben allein besorgen mästen!"
„Ich kann doch nicht allein Besuche machen! Und ich habe mich so sehr auf die Wiener Geselligkeit gefreut, von der ich so viel Schönes hörte."
Noland Meister streichelte beruhigend ihr KiiÄerhänd- chen mit den vielen kostbaren, funkelnden Ringen.
„Habe nur Geduld, Kleines. Es wird sich alles finden. Noch haben wir ja nicht einmal eine Wohnung."
In seinen hübschen, weichen Zügen spiegelte sich die ganze Pein dieser Kontroverse. Lous Gedanken waren schon wieder bei der Wohnung. Sie erklärte 6—8 Zimmer für unerläßlich und zählte an den kleinen weißen Fingern, von denen bei jeder Bewegung ein Gefunkel ausging, deren Bestimmung auf: Schlafzimmer, Boudoir, Eß- und Badezimmer, zwei Salons . . .
„Und wer soll das bezahlen?" unterbrach sie der General, auf dessen Stirn es schon wieder wetterleuchtete, schroff.
„Nun, Roland! Er wird doch sehr viel verdienen mit seiner Schreiberei! Weniger können wir an Zimmern nicht haben, da wir doch Gesellschaften geben wollen!"
„Haben Sie denn so sehr viel Bekannte hier?" fragte Wera ablenkend.
„Keinen Menschen, leider! Ich habe auch da auf Mama gerechnet. Ich dachte, da Papa General ist, müßte er eine Menge Bekannte haben . . ."
„Nein, wir leben ganz zurückgezogen", fiel ihr Schwiegervater ein. „Zu uns kommt die ganze Zeit niemand als Fräulein Wera. Wir wollen's auch gar nicht anders. Unsere Verhältniste sind nicht so, daß wir aus purem Plaisier fremde Leute mit Hummermayonnaisen und Ka- Diät abfüttern können. Gesellschaften kosten Geld und wenn man keines hat, soll man auch nicht so albernes Zeug wie eine Wohnung von acht Zimmern und so weiter verlangen. Diel dringender wäre, daß Du Deinem Mann ein gemütliches Heim schaffst und trachtest, eine tüchtige Hausfrau zu werden."
Lous Gesichtchen wurde immer länger bei dieser derben Abfertigung und um ihren Mund zuckte es, als wolle sie m Tränen ausbrechen. Ihr Mann sah den General stehend an.
Da raffte sich Wera zu einem Entschluß auf. Sie hatte so viel Bekannte. Und ihre Schwestern — beson- ders Isolde — tobten lehr gesellig. Auch hatte sie ja Seit
verständigen, soweit sie die Wiedergutmachung und die Rüstungsfrage betrifft. Der endgültige Betrag der von Deutschland zu zahlenden Entschädigung wird am 25. Mai festgesetzt werden. ...
Eine französische Drohung.
Der Pariser „Matin" fordert von der Konferenz zu Spaa, daß sie das Verlangen Frankreichs nach Bezahlung jener Summen erfülle, die zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiete notwendig sind. Dieser Forderung Frankreichs zu ihrem Rechte zu verhelfen, werde auch England sich nicht weigern, andernfalls würden sich die Franzosen veranlaßt sehen, keiner Vereinbarung zuzustimmen, sondern sich an ihre eigenen Mitteln zu halten, um von Deutschland alles zu erlangen. — Mit anderen Worten: Frankreich würde, wenn es in Spaa nicht alle seine Forderungen durchsetzt, wieder auf eigene Faust die Besetzung weiteren deutschen Gebietes vornehmen.
Ablehnung des Friedensverkrages in Amerika.
Bei der Abstimmung im amerikanischen Senat über den Antrag des Senators Knox, ohne vorherige Friedensoerhandlungen den Friedenszustand zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland und Oesterreich wiederhergestellt zu erklären, wurden 45 Stimmen für den Antrag und 47 dagegen abgegeben. Der Antrag ist also abgelehnt.
Zum Schicksal der deutschen Kriegsflotte. ,
Im englischen Unterhause teilte ein Vertreter des Marineministeriums mit, daß die deutschen Kriegsschiffe abgewrackt werden sollen mit Ausnahme von 5 leichten Kreuzern und 32 Torpedobooten, die an Frankreich, Italien, Polen und Brasilien verteilt werden sollen.
Eine MMorverschwörung im Januar 1918?
Karl von Wiegand, der Korrespondent des „New Park American", hatte eine Unterredung mit dem Obersten Bauer. Er hat den steckbrieflich verfolgten Obersten „im Leben und Treiben einer Stadt" getroffen. Bauer hatte ihm dabei u. a. gesagt:
„Es ist eine irrige Auffassung, daß die Oberste Heeresleitung inbezug auf Deutschlands politische und militärische Maßnahmen absolute diktatorische Macht besesien habe, während sie in Wirklichkeit nicht einmal auf militärischem Gebiete die Entscheidung hatte. Die Oberste Heeresleitung war ja nur eine von den acht Instanzen, die den Kaiser umgaben. Der Generalstab mußte oft um das Notwendigste betteln, und auf die wichtigsten Entschließungen mußten wir mitunter wochenlang warten. Man konnte den Kaiser nicht zu einer Entschlußfassung bringen. 3m Januar 1918 erklärte ich Ludendorff, daß der Kaiser abgesetzt werden müsse, denn der Ausgang des Krieges gefährdet, und drang darauf, daß diesbezügliche Schritte getan würden."
Wiegand fügt hinzu, daß der Plan an Hindenburgs unerschütterlicher Haltung gescheitert sei. Diese und andere Schilderungen sollen in einem Buche, an dem Oberst Bauer zur Zeit arbeitet, enthalten sein.
Preußische Landesversammlung.
In der ßanbesDerfammlung herrschte am Donnerstag bereits sichtlich Ferienstimmung. Das sonst so redselige Haus erledigte ohne Aussprache eine ganze Reihe kleinerer Vorlagen in 2. und 3. Lesung. Gleich zu Beginn der Sitzung gab es einen Hammelsprung über die Man- datsgültigkeit des sozialdemokratischen Abg. Hacks. Es fehlte nicht viel und das Haus hätte wegen Beschlußunfähigkeit auseinandergehen müffen. Dann wurden einige Abstimmungen zur Frage der Einwohnerwehren vorgenommen, wobei die Anträge der beiden sozialdemokratischen Parteien - abgelehnt, dagegen der Antrag der Demokraten auf Verstärkung der staatlichen Sicherheitspolizei und Einrichtung eines Orts- und Flur» fchutzes angenommen wurde. Ohne Aussprache wurden
alsdann in rascher Folge angenommen der Entwurf zur Abänderung des Gemeindeabgabenrechis, der Antrag des Bevölkerungsausschusies betreffend Neuordnung der Schweigepflicht der Aerzte, der Gesetzentwurf über die Dauer des Vorbereitungsdienstes der Gerichtsreferendare Auch der Notetat wurde ohne bemerkenswerte Aussprache angenommen. Ebenfalls ohne Aussprache angenommen wurde ein Antrag des Zentrums in Verbindung mit einem Antrag des Besoldungsausschusses auf Gewährung von Teuerungsund Besatzungszulagen für die Beamten ufro. in den besetzten Gebieten.
Nur die Vorlage betreffend die öffentliche Krüppel- fürforge rief eine kurze Aussprache hervor, in der der Zentumsabg. Dr. Schmittmann die Vorlage als einen markanten Schritt vorwärts auf dem Gebiete der Sozialhygiene begrüßte, der es zugleich ermögliche, den Pionieren^ der Krüppelfürsorge, den privaten Krüppelanstalten unt>' charitativen Vereinen gerade jetzt die unentbehrliche finanzielle Grundlage für eine weitere bahnbrechende Tätigkeit zu geben. s
Am Freitag wird die Besoldungsreform endgültig verabschiedet. Man hofft, bann in die Wahlferien gehen zu können. Das Haus will nach den Wahlen am 23. 3uni, wieder zusammentreten, der Versasiungsausschuß und andere Kommissionen jedoch bereits acht Tage vorher.
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Deutsches Reich.
** Berlin, 6. Mai. Dänisches Militär hat am Mittwoch die erste fchleswigsche Zone besetzt^ jedoch bleibt das Gebiet vorläufig unter deutscher Verwaltung und Souveräniiät. -* Der „Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivil» gefangenen" teilt mit, daß er seine Arbeit nicht einstellt, sondern dieselbe bis zur Befreiung des letzten sibirischem Kriegsgefangenen fortführen wird. —! Nach der .Deutschen Tageszeitung' hat der jetzige Präsident Ebert auf eine Wiederwahl al& Reichspräsident verzichtet. Die endgültige Entscheidung über die Aufstellung von Präsidentschaftskandidaten erfolgt erst nach den Retchsiagswahlen.
c 38 Abgeordnete der Rattonalversammlung bleiben vorläufig auch Mitglieder des neuen Reichstages. Es sind die Vertreter der Abstimmungsgebiete in Ostpreußen, Westpreußen und Oberschlesien und die Vertreter von Schleswig-Holstein. Von den 38 die sich keines Wahlkampfes zu unterziehet haben, sind 8 Zentrumsmitglieder, 18 Sozialdemokrat teif, 8 Demokraten, 2 Deutschnationale und je eit» Mitglied der Deutschen Volkspartei und des Holsteinischen Bauernbundes. Die Wahlen für diese Gebiets finden bekanntlich erst im Oktober statt.
e Die Deutsche Allgemeine Zeitung, das bekannte, halbamtliche Organ der Regierung, ist durch Kauf in? den Besitz des bekannten Industriellen S t t n n e s übergegangen, der neben anderen Zeitungen im Reich; vor wenigen Tagen auch die „M ü n ch e n-A u g s -i burger Abendzeitung" käuflich erworben hat. Dir „Dost. Ztg.", die diese Meldung bringt, nimmt mit Recht gegen Ne fortschreitende Vertrustung des deutschen Zeitungswesen und die auf diese Weise trotz der Steuergesetzgebung ermöglichte Unterbringung von Kriegsgewinnen Stellung.
Erhöhung der Lohlensteuer? Das „B. T." gibt Gerüchte wieder, daß die Kohlensteuer von 20 auf 60 Proz. erhöht werden solle. Auf jeden Fall stehs fest, daß die Regierung auf eine ganz beträgt« liche Erhöhung der Kohlensteuer hinarbeitet. Das Blatt macht auf die mit einer Erhöhung verbundenen Gefahren aufmerksam, daß mit einem Anschwellen der Kohlenpreise von durchschnittlich 200 auf 256 Mark die Tonne auch die Lebensmittel, dies Industrieprodukte und die Gehälter eine abermalig» Steigerung erfahren müßten.
* „Aluchlkosteu". Man schreibt dem „Berliner Tageblatt": Die lokalen Führer der Unabhängigen in Adlershof (bei Berlin) haben einens Beschluß der Gemeindevertretung von ganz besonde-
genug — sie bot sich also an, Lou bei ihren Einkäufen und sonstigen Geschäften zu Helsen, ihr eine Wohnung zu verschaffen und sie gleichzeitig sowohl bei ihren Angehörigen als In ihrem Freundeskreis einzuführen . . .
Sie konnte gar nicht ausreden. Lou hing plötzlich in überschwänglichem Entzücken am Haffe, nannte sie einen „Engel", bat um ihre Freundschaft und trug ihr das „Du" an.
„Ich war Dir ja gleich vom ersten Moment an so rasend gut!" versicherte sie.
Wera war doch etwas verdutzt über diese Plötzlichkeit. Sie schloß sich sonst gar nicht so leicht an Fremde an. Aber als ihr Blick nun dem Roland Meisters begegnete, der zugleich sichend und dankbar aus ihr ruhte, fühlte sie sich seltsam bewegt.
Was für gute ehrliche Augen das waren! Nein, sie konnte ihn wirttich nicht enttäuschen, diesen unpraktischen Träumer, der sich mit dieser noch viel unpraktischen Prinzesiin aus Traumland ja doch allein nie zurecht gefunden hätte in den nüchternen Anforderungen des Alltags.
Sie nahm also das „Du" an und versprach, sich gleich am nächsten Morgen zur Wohnungssuche zu melden. Gegen Mittag wollte sie Lou dann zu Isolde und Mama bringen.
„Ich weiß, Sie tun es uns zuliebe!" flüsterte ihr die Generalin beim Abschied zu. „Gott lohne es Ihnen, liebes Kind!"
Wera errötete. Tat sie es wirklich ben alten Leuten zuliebe, an die sie während der letzten Stunben kaum gedacht?
„Ich habe ja so viel Zett —", murmelte sie verwirrt.
' ; ; - 5.
Daniela triumphierte.
„Siehst Du, daß ich recht hatte", sagte sie zu ihrer Mutter. „Man darf sich nur nichts gefallen lasten! Als Egon merkte, daß ich nicht nachgeben würde, lenkte er gleich ein. Seit er damals mit dem Rosenstrauß abends heimkam und mich um Verzeihung bat, leben wir wie die Tauben. Natürlich habe ich ihm klar gemacht, daß Liebe auch Pflichten auferlege und daß ich ein Recht habe, Rücksichten von ihm zu fordern."
Die Hofrätin war sehr befriedigt
gottlob, daß es jo kam. Hojjenllich ist etz vW AnW,"
„Bestimmt, Mama. Egon ist wie Wachs jetzt!"
„Ich wollte, Isolde wäre mit ihrem Mann auch d'accord!" , u 7
„Haben sie denn schon wieder Streit?" " ' '
„Ich fürchte es beinahe. Isolde hat sich seit drei Wochen nicht bei uns blicken lasten, bas deutet erfahrungsgemäß immer auf ehelichen Sturm. Oder war sie etrnq, bei Dir?" ,;i
„Nein."
„Na, dann ist sicher wieder etwas los dahelm!"
Daniela war gekommen, um dcn Abend im Eltern^ Haus zu verbringen, da Heidlof in eine Aerzteversmnm- lung hatte gehen müssen. Später wollte er sie banie abholen. ,
Sie hatte ez sich im Schaukelstuhl bequem gemacht, während die Hofrätin cm bereits gedeckten Abendtisch saß und an einer Handarbeit stichelte. Der Haushero war noch ausständig.
„Wahrscheinlich hockt er noch immer im Institut zwischen seinen Reinkulturen", meinte die Hofräiir» wegwerfend. „Tölzer, sein Assistent, verriet mir neu. lich, daß sie an der Herstellung eines neuen Mittels arbeiten, das Geschwülste zur Heilung bringen soll. Au Mäusen und Kaninchen wird es approbiert."
„Um Gotteswillen, Mama, hör' auf I Mir wird di. reit übet, wenn von diesen Dingen gesprochen wird. Ueberhaupt. findest Tu nicht, daß der Beruf eines Arz- tes von allen anderen der schrecklichste ist?"
Die Hofrätin ließ die Handarbeit sinken und sah ihre Tochter halb nachdenklich, halb beifällig lächelnd an.
„Offen gestanden, ja, und ich freue mich, Tana,' daß Tu nun auch schon dahinter gekommen bist! Wenn ich früher mal so etwas auszusprechen hxigte, fiel alle Welt immer gleich über mich her. „Edelster Beruf!" „Retter der Menschheit!" und trrie die Schlagworte alle! beißen . . . .! Na, die Frau solch eines „Retters der Menschheit" sieht die Sache anders, gelt?"
„Gewiß, Mama. Und ich fürchte, wenn Egon erfl mal ein berühmter Mann ist, wird eS noch viel schlimmer werden und ich . . . "
„Das darfst Du eben gar nicht auflajjtrnen lasten ff Trachte nur immer, feine GedankeZr*.yom Berus ab und zu auf Dich zu lenken. Latz Dir keine KHchkheitsge.j schichten erzählen und zeige ihm, das; für--älle dies» unappetitlichen Dinge wie „Bazillen", „Cpeffationcn"^ und .interessanten Fall" kein Jntereste hasii?/ 4$, j..U
" .(Fortsetzung folgt). S.'"4 $