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fir. 104.

Verantwortlich für den rebaUtoncßrn Teil: C Schütte, :: für die Anzeigen: I. Parze ff er »Fulda. "

Rotaiionsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei In Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

Mittwoch, 5. Mai 1920.

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Bezugspreis: Monatlich 2,02 Bit. ohne Zustellgebühr. In Fu da bei unsabgehoft 2,10 Mk. Anzeigenpreis: DieKf einzeile (Colonetmaß) 50 JJjg., u 10° <> Zu'chlag, die Reklamezeile (Textbrelte) 1.50 IUI, u. 10° ° Zuschlag. Bei Wiederhol Rabatt.

47. Zcchrg,

Die polnische Verschwörung inOberschlesien.

(Eint deutsche 3tote.

Die deutsche Negierung hat dem Vorsitzenden der interalliierten S!ommi!fion in Oppeln, General Le Rand, eine Note übergeben lassen, in der durch mehrere in Deutschland bereits bekannte polnische Dokumente die p o l n i s ch e n U m st u r z x l ä n e in Oberschlesien ein» wand frei nachgewicsen werden. In der Note heißt es dann:

Die deutsche Negierung glaubt nicht fehlzugehen in bet Voraussetzung, daß nach den Bestimmungen und dem Geiste cs Friedensvertrages es eine der wesent­lichsten Aufgaben der Interalliierten Kommission dar. stellt, eine gerechte, in Ordnung und Ruhe sich voll­ziehende Absrimmung unparteiisch vorzubereiten, und daher vor allem jeden Versuch einer gewaltsamen Aen. derung der politischen Verhältnisse in Oberschlesicn zu verhindern. Es bedarf wohl keiner Betonung, daß eine Kampforganisation, wie cs die durch die Dokumente aufgedecktc Organisation ist, mit diesen Grundsätzen nicht im Einklang steht und demzufolge ihr Wirken und ihre Ziele nicht die Billigung der interallner. ten Kommission finden können

Die deutsche Regierung hält es für ihr Recht und ihre Pflicht, darum zu ersuchen, daß die interalliierte Kommission in Oppeln mit allen ihr zu Geböte stehen, den Mitteln die aufrührerischen polnischen Organisatio. neu in Oberschlesicn, auch wenn diese nicht von der polnischen offiziellen Regierung, sondern von privaten patriotischen polnischen Verbänden geschaffen tvorden sind, a u f h e b t und sämtliche damit in Verbindung ge. tretenen Leute des Landes verweist. Es unter­liegt keinem Zweifel, daß alle diese Personen gegen die Bestimmungen des Artikels 88. Anl. § 3, Abs. 5 des Friedensvertrages verstoßen haben und demzufolge der Ausweisung unterliegen müssen.

Den Polen wird der Toden zu heiß.

Die überaus erregte Haltung der deutschen Bevölke­rung in Oppeln, die auch Montag anhielt, hat die polnischen Vertreter der Abstimmungskommission, sowie des polnischen Konsulats veranlaßt, aus Oppeln abzu­rr i s e n. Nur unter dem Schutz französischer Truppen gelang es ihnen, das Hotel auf emem Seitenwege zu verlassen, da sich bereits eine zahlreiche Menschenmenge angesammelt hatte, welche e'*ne überaus drohende Haltung gegen die polnischen Agitatoren einnahm. In Oppeln waren Montag die Geschäfte und Zeitungen der Großpolen geschlossen. Das polnische Konsulat wurde unter den Schutz französischer Truppen gestellt. Die Räume desselben waren Sonntag, als sie von der Menge gestürmt wurden, mit Gas angefüllt. In ollen Stadtteilen kam es am Montag wieder zu blutigen Zwischenfällen. In der Rosenberger Straße wurde ein Pole, der bei den Unruhen am Sonntag auf die deutsche Bevölkerung geschossen hatte, erschossen.

Revolte im Dculhener Gefängnis.

Im Beuthener Gerichtsgefängnis forderten ein» jelne Strafgefangene, die wegen des Richterstreiks nicht abgeurteilt werden konnten, daß sie sich an die interalli­ierte Kommission wenden könnten mit dem Ersuchen, daß die deutsche Justiz wieder eingesetzt werde. Da dem Verlangen nicht sofort stattgegeben wurde, zer­störten die Gefangenen die Einrichtungen der Zellen und schossen (!) aus den Fenstern. Sicherheitspolizei, die sofort Eingriff, machte von den Schußwaffen Ge­brauch und stellte im Gefängnis die Ruhe wieder her. Vor dem Gefängnis sammelte sich eine große Menschen­menge an, darunter befindliche Polen nahmen eine drohende Haltung gegen die Sicherheitspolizei an und sympathisierten mit den Gefangenen, die aus den Fen­stern riefen. Nachmittags zog eine französische Wache im Gefängnis auf.

(Das Verlangen der Gefangenen, baldigst abgeurteilt zu werden und durch den Richterstreik ihre Haft nicht unabsehbar verlängert zu sehen, ist menschlich begreiflich und juristisch durchaus gerechtfertigt. Die deutschen Rich­ter sind auch bereit, ihre Tätigkeit sofort aufzunehmen, wenn die Alliierten weitere Angriffe gegen ihre Unab­hängigkeit Unterlasten und die Anwendung der deutschen

SorÄsrnde Liebe.

Roman von Erich Ebcnstein.

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Und da wollten sie ihr Tbalwcmn geben! Tiefen ivöhldrcstierten Gentleman und Muttersohn mit der leisen Stimme, dem bescheidenen Lächeln und den tadel, losen Krawatten!

Es war zum Lachen!

Sie lachte auch wirklich, worauf sie ein vorübergehen, der junger Herr unverschämt anstarrte, was ihm einen wütenden Blick eintrug.

Natürlich war alles Mamas Idee, dachte Wer« weiterschreitend. Gewiß — Mama meinte es ja gut. Si6er ihre Ansichten waren so ganz verschieden von denen WcraS! Sie sah auf kocrekic Formen, eine an. gesehene Stellung in der Gesellschaft und möglichst glänzendes Einkommen. Das Recht der Frau, sich ihr Leben ganz nach Wunsch einzurichten, und die Fügsam­keit de) Mannes waren ilir unantastbare Dogmen. Die Männer eine Art Nutztierc, die Frauen angebeicte Göttinnen, die souverän herrschen konnten — ihr Ideal von Glück . . .

Wera hätte den Gedanken noch weiter auSgespon. neu. wenn nicht ein merkwürdiger Anblick eben jetzt ihre Aufmerksamkeit erregt hätte.

Sie war am Gürtel angetangt, wo zwischen ver. oegneten entlaubten Bäumen einzelne Bänke standen. Es dämmerte schon. Feuchter Nebel erfüllte die Luft. Nur ivenig Menschen hasteten eilig vorüber. Aber da — gerade vor ihr — auf der nassen Dank saß ein a'ter, ärmlicher Mann, gang' erschöpft zusammenge. funken, und vor ihm stand ein junger, feingekleidcter H-'rr, der eben ave Taschen seines An-uges umkehrte und das darin befindliche Geld in seinen Schoß schüt­telte.

.Komisch", dachte Wera, unwillkürlich stehen blei, bend und au? einer Entfernung von wenigen Schritten zuschend, „der hat wohl gar kein Portemonnaie^ weil er das Geld sc lose verstreut in allen Taschen trägt?"

Aber er hatte doch eines und zog es nun au? der linken Beinkieidiasche. Es enthielt nur wenige Kronen, die er dem Alten nun auch cinhändigte.

Dabei entschuldigte er sich noch!

Gesetze gewährleisten. Seit wann aber haben Gefangene Waffen, mit denen sie für ein vermeintliches Recht käm­pfen können? Die Verantwortung für die Zustände trifft einzig und allein die Entente, deren willkürliches ungesetzliches und vertragswidriges Vorgehen zu solchen beklagenswerten Ausschreitungen führen muß.)

Dänemark besetzt Nordschleswig.

Am Mittwoch besetzen die Dänen die ganze erste Zone Nordschleswigs, noch bevor die Grenzen des Gebiets, das an Dänemark kommen soll, durch den Obersten Rat bestimmt ist. Die deutsche Regierung hat dagegen sofort Einspruch erhoben. Bis zur Erledigung dieses Protestes werden alle deut­schen Beamten in der ersten Zone ihre Tätigkeit ein­stellen, sodaß Post- und Eisenbahnverkehr gänzlich ruhen wird.

Amtlich werden hierzu noch folgende Einzelheiten mitgetcilt:

Am 27. April hatte der Sekretär der Interalliierten Kommission in Flensburg, Bruce, dem deutschen Ge­schäftsträger Metzger schriftlich Mitteilung gemacht von der bevorstehenden Besetzung der ersten Zone durch die Dänen und hatte gleichzeitig das Einverständnis der In­teralliierten Kommissionen damit ausgedrückt. Nach Artikel 109 hat Dänemark aber nur das Recht einer militärischen Besetzung und der Verwaltung des Gebietes, es übt noch keine Hoheitsrechte aus. Die Souveränität geht vielmehr auf Dänemark erst über nach der endgültigen Grenzfestsetzung.

Das Verlangen der dänischen Regierung war aber ge­rade umgekehrt: sie wollte schon jetzt Souveränitäts­rechte durch dänische Richter ausüben lassen, während die deutschen Beamten die reine Berwaltungstätigkeit weiter ausüben sollten. Damit aber kann und will sich Deutsch­land nicht einverstanden erklären, da es nach wie vor an der sog. Tiedje-Linie als der einzig gerechten Grenze festhält und das Ergebnis der Abstimmung in der ersten Zone, die starke deutsche Minderheiten in deren südlichem Teil ergeben hat, als für die Grenzfestsetzung bindend nicht anerkennen kann.

Da deutsche Vorstellungen unberücksichtigt geblieben sind, hat die deutsche Regierung angeordnet, daß die deutschen Richter nach wie vor ihr Amt ausüben sollen, während die Verwaltungsbeamten ihre Tätigkeit mit dem Augenblick der dänischen Besetzung einzu st eilen ha­ben. Nur die Zollbeamten und die Beamten in den Reichsbanknebenstellen arbeiten im Allgemeininteresse weiter.

Die deutsche Regierung hat ihren Standpunkt in einer Note niedergelegt, die der Interalliierten Kom­mission überreicht worden ist. Auch wenn Dänemark nach Artikel 109 das Recht der militärischen Besetzung und der Ausübung der Verwaltung schon jetzt hat, wäre es im Interesse der Gesamtbevölkerung besser ge­wesen, wenn Dänemark von diesem Recht nicht ein­seitig, sondernchach Verständigung mit Deutschland Ge­brauch gemacht hätte. Diesen Standpunkt wird Deutsch­land auch in Kopenhagen zum Ausdruck bringen.

Die Einladung nach Spaa.

Die Einladung der Entente an Deutschland, Ver­treter nach Spaa zu entsenden, ist am 1. Mai ein» gegangen. Die Einladung lautet ausdrücklich auf „Teilnahme an den Besprechungen der alliierten Staatsmänner über die deutsche Frage" in Spaa.

Die Verteilung der deutschen Flotte.

Im englischen Unterhaus wurde mitgeteilt, daß die ausgelieferten deutschen Kriegsschiffe folgender­maßen verteilt werden: England erkält 5 Kriegs­schiffe und 124 Uboote, Frankreichs Kriegsschiffe und 38 Uboote, Japan und Amerika je 2 Kriegs^ schiffe und Italien 7 Uboote.

Frankreich verlangt Wiederaufbauarbeiter.

Der französische Geschäftsträger in Berlin bat am 30. April Paris wieder verlassen. Er bringt nach Berlin die Forderung Frankreichs, die deutschen Arbeitertraneporte in das SBieberaufbauoeb et, mit

„Cz ist leider nicht viel. Aber wenn Sic morgen früh zu mir kommen, will ich Ihnen mehr geben. Auch Kleider. Für jetzt kann ich Ihnen nur meinen Wintcr- rock zur Verfügung stellen —*

Der Alte wollte protestieren, aber er wurde sofort unterbrochen.

„Ach was, machen Sie doch keine Geschichten. Sie sind alt und können sich in dem dünnen Sakko ja noch den Tod holen. Ich wohne ja gar nicht weit von hier und habe auch noch einen zweiten Ueberrock daheim. Hier ist auch die Adrcsie."

Er reichte dem alten Mann einen Zettel, auf den er rasch mit Bleistift ein paar Worte gekritzelt hatte, zog feinen Ueberrock aus und nötigte den Bettler hin­ein.

Dann knöpfte er sich den Salonrock, der seine schlanke, sehnige Gestalt eng umschloß, fester zu, und sagte: „Auf Wiedersehen morgen" und wandte sich rasch ab, um allen Tantesbezeugungen zu entgehen

Ties geschah so hastig, daß Wera nicht Zeit gehabt hatte, sich zu entfernen, und beinahe von ihm umgc. rannt worden icäre.

Beide erröteten heftig. Er, weil er belauscht, Wera, weil sie dabei ertappt worden war.

Sie blickte in ein junges, bartloses Gesicht mit wei­chen Zügen und verträumten Augen, die ihr irgendwie bekannt schienen, obwohl sie bestimmt wußte, daß sie deren Träger bisher noch nie gesehen hatte.

Ehe sie recht zur Besinnung tarn, war er mit einem leisen „Pardon" auch schon im Nebel verschwunden, während sic mechanisch ihren Weg fortsetzte.

Das kleine Erlebnis beschäftigte sie stark. Wie nn. praktisch! sagte ihre Vernunft, die sich auflehnte gegen eine so blinde Wohltätigkeit. „Aber doch auch wie rüh­rend . . setzte ihr Herz hinzu. „So recht passend zu den Träumeraugen . . “

Wenige Schritte danach begegnete sie ihrem Schwa­ger Hcidlof, der auz dem Sanatorium kam, nach Haufe wollte und sorgsam in Watte und Seidenpapier gehüllt .einen Strauß Rosen in der Hand trug.

„Tu willst doch nicht pater peccavi sagen damit?" fragte Wera, nachdem sie einander begrüßt halten, auf den Strauß deutend. Das wäre schmählich, Egon!"

Er lächelte müde und verlegen zugleich.

„Was bleibt mir denn anderes Übrig, wenn ich Frieden haben will daheim? Man hat doch geheiratet.

denen Deutschland sich seit einigen Monaten ver­zögert habe, zu beschleunigen und bis Mai zur end­gültigen Ausführung zu bringen.

Neue päpstliche Spende von 1246114 Mk. für die notleidenden deutschen Kinder.

Erzbischof Dr. Karl Joseph Schulte von Köln erhielt aus dem Vatikan folgendes Schreiben, das von dem Mitgefühl und der Freigebigkeit des Hei­ligen Vaters für unsere armen Kinder in Deutsch­land einen ebenso rührenden wie denkwürdigen Be­weis gibt. Im katholischen Deutschland wird Dank­barkeit und treueste Anhänglichkeit dem geliebten Heiligen Vater die neue Wohltat lohnen.

Vatikan, 21. April 1920.

Ew. Erzbischöflichen Gnaden habe ich die Ehre, er« geben)! mitzuteilen, daß Se. Heiligkeit in tiefem Mit. gcfühl für die beweinenslvertc Lage, in der sovicle arme deutsche Kinder sich noch immer befinden, gnä» digst geruht haben, wiederum die beträchtliche Summe von 500 060 Lire (— 1 246 114 Mk.) für diese bereit zu stellen. Nach dem Wunsche des Heiligen Vaters soll diese Svende gleich den früher an So. Eminenz dm Herrn Kardinal von Breslau und den Herrn Erzbischof von München.Freising überwiesenen im Einvernehmen mit dem deutschen Episkopate zur Verteilung kommen nd zwar in der Weise, wie es zugunsten.b-r ärmsten unter den armen deutschen Kindern am meisten zweck­mäßig und trostbringend ist. Se. Heiligkeit haben diese reiche päpstliche Spende an Ew. Erzbischöflichen Gria. den senden lassen, um I,hnen damit ein direktes Zeichen des besonderen Wohlwollens des Heiligen Vaters zu geben, der sich freut, mit besonderer Liebe Ihnen, Ibren Mitbrüdern im Episkopate und allen armen deutschen Kindern tröstend und väterlich den Apostolischen Segen zu erteilen

Indem ich die genannte Summe von 500 000 Lire (= 1 240 114 Mark) anliegend beifüge, habe ich die Ehre mich zu nennen

Ew. Erzbischöflichen Gnaden ergebenster P. Eard. Gasparri, Staatssekretär Sr. Heiligkeit.

Zur Loge im Industriegebiet.

Das Reichswehrminifterimn hat den ihm unter­stellten Wehrgrnppenkommandos im Westen einen Befehl zngehen lassen, worin festgelegt wird, daß zur Herstellung verfassungsmäßiger Zustände in dem Gebiet südlich der Ruhr lediglich die Sicher­heit swehr unter Leitung ziviler Behörden ein­greifen soll, daß also dabei die Reichswehr nicht Verwendung finden soll. Gleichzeitig ist bestimmt worden, daß die Herabsetzung der innerhalb der 50 Kilometerzone stehenden Reichswehr auf 20 Bataillone, 10 Eskadrons und 2 Batterien mit größter Beschleunigung weitergeführt wird.

Beim Reichswehrministerium laufen tä lich Ge- suche aus allen B evö l k er u ngs kr eis en des Riihrsohlengebietes ein, die ein weiteres Verbleiben von Reichswehr und Sicherheitspolizei fordern und die der Besorgnis vor einem neuen Aufstand Aus­druck geben. Demgegenüber weist die Regierung darauf hin, daß sie dauern» bemüht sei, die Ordnung im Ruhrkohlengebiet sicherzusiellen und daher auch, wie bekannt, Verhandlungen mit der Entente einaeleftek habe und damit ein hinreichender Schutz in den bedrohten Gebieten belasten werden kann.

Aus den preußischen EisenbahnwerkstAken.

Das preußische Eisenbahnministerium hat im ver­flossenen Monat Erhebungen über den Stand der Re­paraturen und über die Wirkungen des Gedingever­fahrens in allen preußischen Eisenbahnwerkstätten an­gestellt. Die Kommissionen haben dem Minister für öffentliche Arbeiten Bericht erstattet. Soweit sich bis­her übersehen läßt, hat sich das A k k o r d v e r f a h - r e n trotz des heftigen Widerstandes der Gewerkschaf­ten und eines Teiles der Arbeiter ausgezeichnet bewährt. Während noch vor sechs Monaten der

um glücklich zu sein. Ich kann das ewige Schmollen und Weinen Danielas nicht länger ertragen. Ich dürste nach Rrche!"

„Aber begreifst Du denn nicht, daß Tu damit ein Unrecht zugibst, das Du gar nicht begangen hast? Sei doch lieber ein bißchen hart und erziehe DanielaI"

„Taz sagt sich leicht. Wenn Du wüßtest, wie tob» müde ich abends stets bin! Man wird nicht im Schlaf ein gesuchter Arzt, und Ruhe daheim ist in unserem Beruf geradezu eine Notwendigkeit. Es wird einem am Ende gleichgültig — tote man sie erreicht."

„Aber so toird es ja nur immer schlimmer toerben zwischen euch! Daniela wird immer mehr verlangen!"

Er schwieg. Ein resignierter Zug lag auf seinem Gesicht.

Wera war innerlich ganz wütend. „Daß Du so bist! Gerade Tu. Ich habe doch geglaubt. Du wärest ein Mann, der sich sein Recht verschaffen kann daheim! Nicht so waschlappig tote Georg, nickst so unvernünftig gut und friedfertig wie Papa! Aber es ist leider überall so: Der Mat n ist nur der Herr in seiner De- rufswclt. TahZm ist er eine Null . . “

„Vielleicht muß es so sein!"

„Muß? Daß die Weiber das Regiment führen und der Mann sich ihren Launen duckt?" Wera war stehen geblieben und sah ihren Schwager ganz entsetzt an. „Nein, ich als Weib sage Dir, das muß nicht fein! Wie können wir mit ganzer Seele lieben, wo wir nicht mehr emporblicken können zu dem Manne un- Prcr Wahl? Ich wenigstens könnte es nie!"

In Heidlof stieg der Aerger auf über dieser „su­perklugen Mädchenwcisheit", die zu keinerlei Konzesiio- nen bereit war.

„Gib acht," sagte er, „Tu redest wie der Blinde von der Farbe, und weißt noch gar nicht, wie Tu selber in der Ehe wärest? Wenn Du Dich nun gerade mal in solch einen gutmütigen „Waschlappen" verliebtest . ."

«Ausgeschlossen! Mein Mann muß ein Held sein mit eisernem Willen! Viel lieber einen Tyrannen alZ einen Mann, der sich meinen Worten beugt!"

Heidlof zuckie stumm die Achseln. Verstimmt trenn, ten sic sich. Al? Wera die Glocke an der Meisterschen Wohnung zog, war cS bereits halb sieben und ganz dun­kel geworden.

Fortsetzung folgt.)

Personenverkehr selbst auf den wichtigsten Strecken ein­geschränkt und Personenzugslokomotiven zum Güter­verkehr herangezogen werden mußten, da die Zahl der in Reparatur stehenden Maschinen dte Anzahl der aus- gebefferten Lokomotiven gewaltig überstieg, ist jetzt da­mit zu rechnen, daß der Eisenbahnverkesi- den an ihn gestellten Ansprüchen zum größten Teil gerecht werden kann. Trotz der durch den Generalstreik tarieren ge­gangenen Arbeitstage und trotz der Lohndifferenzen in den beiden letzten Monaten hat sich der Stand der betriebsfähigen Lokomotiven um rund 110 0 ver­mehrt. Dadurch ist die Zahl der Lokomotiven, die fast seit Jahresfrist auf den Bahnhöfen und in den Schuppen standen, ohne daß eine Möglichkeit vorhan­den gewesen wäre, das verfallende Material zu retten, erheblich herabgemindert worden. Zur Zeit beläuft sich die Zahl der beschädigten, aber noch nicht in Re­paratur befindlichen Maschinen auf rund 1400. Wäh­rend bisher wöchentlich erheblich mehr Lokomotiven in Reparatur gebracht wurden, als in den Werkstätten fert'waestellt werden konnten, hat sich dieses Verhältnis jetzt erfreulicherweise derart geändert, daß im April wöchentlich etwa dreißig Lokomotiven mehr repariert als beschädigt eingeliefert wurden. Reben den staat­lichen Werkstätten sind auch private Betriebe mit der Wiederinstandsetzung des Eisenbahnmaterials be­schäftigt, die rund vierzig bis fünfzig Lokomotiven in der Woche fertigstellen. Daneben hat sich auch die Ab­lieferung von neuen Maschinen wesentlich ge­hoben, sodaß jetzt durchschnittlich vierzig Lokomotiven wöchentlich geliefert werden. Verhältnismäßig noch günstiger ist der Reparaturstand der Personen- und Güterwagen.

Die Betriebsergebniffe im Verkehr haben sich auch dadurch gebessert, daß der Eisenbahnverwaltung jetzt die während des Krieges und des ersten Revolutions­jahres noch fehlenden Rohmaterialien — namentlich Kupfer und Bronze, sowie Schmieröl — in größeren Menaen zur Verfügung gestellt werden konnten. Man geht jetzt daran, bei sämtlichen während des Krieges gebauten Maschinen die eisernen Feucrbuchsen durch kupferne zu ersetzen. Da auch Lagermaterial vorhan- den ist, dürfte künftig das Auslaufen der Maschinen- lager erheblich seltener als bisher vorkommen.

Deutsches Reich.

** Berlin, 4. Mai. Zum Reichswahlleiter ist der Präsident des Statistischen Re-chsamis, Delbrück, bestimmt toorben. — Ter imadh. Abg. Emanuel Wurm ilt nach langer Krankbeit gestorben. — Die Sozialisierii ngs kommt ssion wird, Berliner Blättern infolge, in der nächsten Woche gebildet werden. Es muß als fraglich bezeichnet werden, ob die Kommission noch vor den Reichstagswahlen in Aktion treten wird. — Neicbseruährungsminister Hermes wi d sich morgen nach Köln begeben, um mit den Behörden des besetzten Gebietes dieErnährunqs- fragen zu besprechen und auf der Tagung der rheint chen Bauernschaft über die Ernähru ngsfrage berichten. Von dort wird der Reichsmintster sich nach Süddeutschland begeben. — Eine Abordnung englischer Bankiers hat sich nach Deutschland begeben, um sich über die Geschäftslage zu unterrichten und den Plan der Aus­gabe internationaler Bons zu prüfen, durch die man den Kredit Europas wieder heben will.

* Preußenwaylen im September. Im preußischen Staatsministerium finden Beratungen über die Neu­wahlen zur preußischen Landesversammlung statt. Nach den bisherigen Erörterungen sollen die Neu­wahlen Anfang "September stattfinden.

* Die Strafverfolgung der fiappiffen. Das Unter» suchungsamt über die Märzvorgänge hat dem Reichs« wehrmintster vorgeschlagen u. a.: Die Generale v. Hül­sen, v. Letiow-Borbeck, Oberst Frhr. v. Wan­genheim, Oberstleutnant v. Klewitz und Major Ma­thias unter A n k l a g e z u st e l l e n und vom Dienst zu entheben.

* Die Dahl des sächsischen Ministerpräsidenten ist gestern erfolgt. Wie zu erwarten war, wurde der soz. Ctadtrat Duck gewählt und zwar mit 62 gegen 12 Stimmen, die auf den deutschnationalen Abg. Hofmann fiele n.

* Düffeldorf, 4. Mai. Bei den Kreistags- wählen im Regierungsbezirk Düffeldorf sind ge­wählt worden: 255 Zentrum, 61 Unabhängige, 55 Mehrheitsfozialdemokraten, 42 Deutsche Dolkspartei, 40 Deutschnationale, 28 Demokraten und 31 Parteilose

Kurland.

* Rentner Clcmenceau. Der frühere französische Premierminister Clemenceau ist von seiner Erbol- ungsretse nach Aegypten wieder in Paris eingetroffen und hat allen, die ibn befragten, versichert, daß er nur noch, er wird 79 Jahre, sich selbst leben will. Wer ihn kennt, wird dies nur für den Fall für möglich halten, daß alles so geht, wie er cs will. Wenn sich Millerand eine Extratour als Premier­minister erlaubt, so wird auch Clemencau mit seiner Kritik auf dem Plane fein. Und vom Krittler bis zum aktiven Polittker ist dann nur ein Schritt. Ter ändert ficb nicht!

♦ Rücktritt des französischen Sriegsminiskers. Der französische Kriegsminister L e f e v r e ist zurückgetre­ten. Sein Amt wird vorläufig von Millerand verwal­tet. — Lefevre war stets einer der Männer in der fran­zösischen Negierung, die Frankreichs Raubpläne am schroffsten durchzusetzen bemüht sind. Als Kriegsmini- ster glaubte er in erster Linie dazu verpflichtet zu sein. Besonders hatte er es letztlich aus das Ruhrgebiet ab­gesehen. lieber den Grund des plötzlichen Rücktritts ist noch nichts bekannt. Sollte er mit der Besprechung der Ergebnisse der Konferenz von San Remo zusammhän- gen, so könnten sich interessante Schlüsse daraus er­geben. Wahrscheinlicher jedoch liegen innerpolilische Gründe vor .

* Herstellung zerstörter Schächte in Frankreich Nach einer Meldung des,Petit Journall aus Sitte ist der erste der zerstörten Schächte im Kampfgebiet bei Antche am Freitag wieder in Betrieb genommen A worden.