Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Heilung

Druck der Fuldaer Aetieudruckerei iu Fulda.

Burgorz Zierde,

Feiern

zum

I

£

N

Im

Die

tt

fe­

il-

der Wahlkreis und Wetzlar, aber 1094 626 Stimmen

Dez

Mit

Bei der Nationalwahl brachte Hessen-Nossau (mit Waldeck

"M.I \\ Nt ■* *»

«a del chl je«

0 f

i »

M 16.1 ba I -ck 1 '!>, I Dor I er. I.

* li

tr

v r r

tet üt, h-

ni! eh

Elends vergessen;, lustigem Singen Jammer bezwingen; Tanze sich schwingen, Not überspringen.

jua boi im d« tOj

'st ml

di

tel

S. -1 er

<

Ü

den überschüssigen Stimmen aus dem Wahlkreis Freistaat Hessen, der mit unserem Wahlkreis zusammen den 9. Der- bandswahlkreis bildet, zusammengezählt werden. 3m Freistaat Hessen brachte das Zentrum 110853 Stimmen auf, dort würde es mit der gleichen Stimmenzahl statt wie bisher 2 nur 1 Abgeordneten erhalten; er blieben aber 50 853 Reststimmen übrig. Mit den 7579 Reststimmen aus Hessen-Nassau ständen dem Zentrum im ganzen Der» bandswahlkreise demnach rund 58 000 Stimmen zur Der» sügung; an den für ein weiteres Mandat erforderlichen 60 000 Stimmen fehlen also rund 2000 Sum­men. Diese müssen noch aufgebracht werden. Für jeden Zentrumswähler ergibt sich daraus die drin­gende Verpflichtung, nicht nur selbst zu wählen, sondern auch dafür zu sorgen, baß aus seinem Bekanntenkreise noch olle Saumseligen zur Wahl hervorgeholt werden. Der letzte Mann muß heran!

d«k ttüe L pt»

M 101.

Samstag. 1. Mar 1920.

Unpolitische Zeitkäufe.

Don Fritz Nienkemper.

Berlin, 29. April 1920.

Mißmutige Maigedanken.

' Von .Maifeier" reden die Leute. Sie wollen am 1, Mai die Arbeit einstellen, um gründlich darüber nachzüdercken, wie schlecht es unS geht, und um den Notstand festlich zu begehen.

Wer durchaus feiern will, amüsiert sich auch bei einer Trauerfeier.

Was kann man nicht alles .feiern"? Auch seine, Entlobung, seinen Beinbruch, seinen Bankrott. Wer seinen Tod feiern will, mutz freilich etwas früh auf. stehen und ihn im voraus festlich begehen; denn sonst könnte er selbst an dem Leichenschmaus nicht mehr teil' nehmen.

♦

Mancher möchte heulen und klagen, statt zu feiern und zu prahlen.

Das ist ein rückständiger Mensch, ein Reaktionär, der nicht in die Zeit patzt.

Man muh doch wenigstens über das jubilieren, was zerstört worden ist.

Wenn eS mit dem Neubau hapert, das ist Neben, fache.

6

Lern' es ermeßen: Bei Trinken und Esten

Dom wunderschönen Monat Mai läßt sich herrlich singen. Wenn es nur nicht paßt, wie die Faust aufs Auge. Den Vorschußjubel am Ersten sollte man sich lieber sparen. Wir wollen den .Wonnemonat" nicht vor dem Abend des 31. loben.

Nicht Jubel und Tanz bilden die richtige Devise für den Maimonat von 1920, sondern Bete und arbeite!

fo M H ger -r„ w r idr P «- 01 Ult itet M st­ill ein nie «

» 6t a. :« ke­tt 3« 't, b-

fr !t«

*

Bei den großen Wahlkreisen leidet die persönliche Der» I bindung des Wahlkreises mit seinem Abgeordneten und I die unmittelbare Wählerschaft Hot nicht den wünschens» I werten Einfluß auf die Aufstellung der Kandidaten. I Darum plante man Wahlkreise zu schaffen, auf die etwa I vier Abgeordnete entfallen sollten. Leider hat er die Kürze I der Zeit nicht erlaubt, diesen Plan Wahrheü werden zu I lassen. Denn einmal wäre es für die behördlichen Organe I einfach unmöglich gewesen, ine dadurch entstehende Arbeit I bis zu den Neuwalsten zu erledigen, außerdem aber wären I die Parteien nicht imstande gewesen, so schnell eine Um» I gestaltung ihrer Organisationen vorzunehman, die doch bei einer Zerschlagung der jetzigen Wohlkreiseinteilung unbedingt hätte erfolgen müssen. Die Umbildung der Wahlkreis? bleibt also dem neuen Reichstag überlasten. Für uns verbleibt es bei dem Wahlkreise, der Kurhesten, Nastau mit Wetzlar und Waldeck umfaßt. 3m ganzen ist das Reich in 35 Wahlkreise eingeteilt, die in 17 Wahlkreisverbände zusammengeschlosten sind. Diese 17 Wahlkreisverbände sind Ostpreußen, Dran» denburg I, Brandenburg II, Pommern-Mecklenburg, Nie- ! derfchlesien, Oberjchlesien, Sachsen-Thüringen, Schleswig- Holstein-Hamburg, Niedersachsen, Westfalen, Hesten (mit Hessen-Nassau), Rheinland-Süd, Rheinland-Nord, Bayern» Südost, Bayern-Nordwest, Sachsm und Württemberg- Baden.

Die einschneidendste Neuerung liegt darin, daß die Zahl der Abgeordneten nicht von vornherein fest» steht. Wie viel Abgeordnete es künftig gibt, das hängt ab von der Zahl der abgegebenen Stimmen mti> nicht mehr wie früher von der Zahl der Wahlberechtigten. Auf je 60 000 abgegebene Stimmen soll ein Abgeordneter ent­laden. Je stärker die Wahlbeteiligung, desto mehr Ab» geordnete weiden also gewählt und am besten werden die Parteien abschneiden, die alle ihre Anhänger an die Urne bringen. Da niemand in der Lage ist, die Wahi» beteiligung auch nur schätzungsweise im voraus zu be- I rechnen, so kann auch niemand übersehen, wieviel Abge» ordnete der neue Reichstag aufweisen wird. Weniger als 500 Abgeordnete werden es auf jeden Fall sein, und da» mit bleibt der deutsche Reichstag zahlenmäßig das kleinste Parlament aller europäischen Großstaaten.

Abgelehnt von der Nationalversammlung ist das von der Regierung geplante Wahlrecht der Soldaten. Auf dos Wahlrecht der Ausländsdeutschen, gegen das manche Bedenken bestehen und das auf alle Fälle praktisch schwer durchführbar gewesen wäre, hat man verzichtet. Die Ab­lehnung des Wahlrechts der Soldaten entspricht vollstän­dig unfern Wünschen. Ein politisierendes Heer bedeutet

I stets eine Gefahr. Ein Heer, in das die Leidenschaft I parteipolitischer Gegensätze hineingetragen wird, kann kein I einheitliches seinem Zweck entsprechendes Gebilde fern, I nicht in normalen Zeiten, niemals aber in den Zeiten I innerer Wirren und innerer Erregung. Wir begrüßen I es daher, daß man das Heer von dem zersetzenden Ein- stutz verhetzender politischer Agitation freihalten will.

1 Denn das Heer ist eine neutrale Einrichtung zum Schutze des Staates und der staatlichen Ordnung.

Schlleßlich fei erwähnt, daß in den Abstimmungsge- I biet an in Ostpreußen, Westpreußen, Schleswig-Holstein und Oberschlesien, ferner im Saargebiet und in Eupen-

I Malmedy die Wahl durch die fremd«, Machthaber ver. hindert wird. 3n den Abstimmungsgebieten wird die Wahl erst später stattfinden, bis dahin werd« di« von

I -ort kn die Nationalversammlung entsandten Abgeord- I neten ihre Mandate so lange behalten, bis die freie Wohl I wird abgehalten werden können.

fr »et. M "i$:

i»

ins. H

Wie wird gewählt? .

' Die Nationalversammlung hat das Wahlgesetz ein. I Jgntmtg verabschiedet. Diese Einstimmigkeit ist nich: I Etwa darauf zurückzuführen, daß mit dem Wahlgesetz I mm etwas geschaffen sei, das den Anspruch auf Doll- I ^mmenheit erheben könnte. Es muß vielmehr betont I werden, daß dieser Entwurf nur ein Provisortum I darstellen kann, daß er also nur solange Geltung haben I fatt, bis etwaz besseres und vollständigeres an seine I gtette gesetzt wird. Denn bei der Kürze der Zeit, die I piS zu den Wahlen am 6. Juni nur zur Verfügung I jtenb, war es naturgemäß nicht möglich, ein seinpolier. I teS bis in alle Einzelheiten durch gearbeitetes und un- I antastbares Wahlgesetz dem Volke vorzulegen. Es Han. I beit sich also sozusagen um eine UebergangSform, die I wenigstens die schwersten Mängel beseitigt wissen will, | und die in einer reinen und sauberen Durchbildung erst I burch den neuen Reichstag umgestaltct werden wird Dennoch weist dieser Entwurf, der in seinem Grundge- I danken auf dem Wahlgesetz vom 19. November 1918 I haftet, diesem gegenüber bedeutende nicht zu unter- I schätzende Besserungen auf.

An dem Grundsatz der Verhältniswahl wird festge. halten. Ihr Vorzug ist, daß jeder abgegebenen Stimme ein Einfluß auf die Zusammensetzung des Parlaments eingeräumt wird. Im Gegensatz zur Mehrheitswahl gilt bei der Verhältniswahl als gewählt nicht, wer die meisten Stimmen erhalten hat, sondern es findet eine Verteilung der Mandate nach Maßgabe der Zahl der für jede Partei abgegebenen Stimmen statt. Da­durch wird vermieden, daß infolge zufälliger, oft ge­ringer Mehrheiten starke Mnderheiten ganz unver- treten bleiben.

Im Wahlgesetz für die Nationalversammlung war ober noch der Mißstand vorhanden, daß die abgege. denen Stimmen nicht völlig aufgeteilt werden, sondern daß Reste übrig blieben, die nicht bewertet werden konnten und darum von vornherein ausfallen mußten. Diesem Uebelstand ist nunmehr durch dos neue Gesetz Ab- Mfe geschaffen worden. Man hat bekanntlich festgesetzt, ine Auszählung der Stimmen habe so zu erfolgen, daß, wenn in einem Wahlkreise der Kreiswahlvorschlag, d. h. die Liste einer Partei 60000 Stimmen auf sich ver. rängt, ihr ein Abgeordnetensitz, auf 120 000 Stimmen 2 Sitze und für jede weiteren 60 000 abgegebener gütiger Stimmen ein weiterer Sitz zugesprochen wird. Es ist selbstverständlich, daß diese runden Zahlen fast in keinem Falle praktisch sich ergeben werden. Vielmehr werden noch Stimmen vorhanden sein, die entweder über diese Zahlen hinaus gehen oder aber diese Zahlen nicht er- reichen. Hier setzt nun das Gesetz ein und versucht auch diese Stimmen zu erfassen und zur Geltung zu bringen. Es sollen nämlich Listen derselben Parteirichtung die De- eechtigung haben, ihre überzähligen Stimmen über den Wahlkreis hinaus in einem größeren Verbände, nämlich dem Wahlkreisverbande, zu verbinden. 60 000 solcher auf diese Weise zusammengesaßter Reststimmen ergeben für die Parteien wiederum einen Kandidaten, und zwar werden die überzähligen Stimmen der Liste zuge­teilt, die die meisten Reststimmen aufgebracht hat. Luch dann werden noch Reste verbleiben. Aus diesen über- schießenden Stimmen der Wahlkreisverbände wird dann eine Reichsliste gebildet. Es ist ersichtlich, daß auf diese Weise die Erfassung der Reststimmen, soweit es nur irgend möglich ist, durchgeführt wird. Durch die Reichs- flfte ist für die Parteien die Möglichkeit gegeben, Person- lichtesten in den Reichstag zu bringen, die für sie wert- voll sind, ober aus irgendwelchen Gründen sich am Wahl­kampf nächt beteiligen können.

Da es nicht Zweck der Reichsliste ist, auch ganz kleinen Gruppen, die in den Einzelwahlkreisen nur wenig« Stim­men aufzubringen vermögten, durch Zusammenrechming dieser Stimmen im ganzen Reich zu einem Mandat zu verhelfen, so sind Bestimmungen geschossen worden, daß keine Gruppe auf die Reichsliste mehr Mandate erhalten kann, als sie in den Wahlkreisen selbst erlangt hat, und daß auch keiner Gruppe ein örtliches Mandat zufällt, die es nicht wenigstens in einem zu der zu einem Derband zufammengefchlossenen Kreise auf 30 000 Stimmen ge­kracht hat.

Es war beabsichtigt, kleinere Wahlkreise zu schassen, als sie bei der Nationalwahl eingeführt waren.

felbe Stimmenzahl angenommen würde der Wahlkreis diesmal 18 Kandidaten in den Reichstag entsenden, das Zentrum würde wie das vorige ÜRal 3 Abgeordnete er­halten (187 579 : 60 000 = 3, Rest 7579). Die 7579 Überschießenden Stimmen würden mit

ohne Schaumburg und Schmalkalden)

auf, die sich wie folgt verteilten: Zentrum 187 579 Stim­men, Deutschnationale Dolkspartei 106 078 Stimmen, Deutsche Dolkspartei 64 465 Stimmen, Deutsche demokra­tische Partei 230132 Stimmen, Sozialdemokraten 463113 Stimmen, Unabh. Sozialdemokraten 42980 Stimmen. Die-

Was ist dagegen zu nrachen? Nichts anderes, als daß die halbwegs vernünftig gebliebenen Leute ihr Mundwerk auch nach ihren besten Kräften gebrauchen, um die gute Sache zu verteidigen.

Wag an hinreißendem Schwung fehlen sollte, muß durch Fleiß und Beharrlichkeit ersetzt werden.

Der Hetzer wühlt die Leidenschaften auf und läßt sozusagen einen Wolkenbruch niederprasseln. Der Be­sonnene muß sich daran halten, daß ein steter Tropfen den Stein höhlt.

Sei innerlich bescheiden, denn du bist auch ein schwacher und fehlsamer Mensch. Aber, sei n cht schüch­tern und scheu tm Gebrauch deines Mundwerks. Du bist vollberechtigt, und deine Ansicht ist mindestens gleich­berechtigt. Also laß dich nicht verblüffen l Nament­lich in der jetzigen Wahlbewegung nicht.

Tritt dreist auf, Mach'S Maul auf. Hör bald auf.

Dreist, aber nicht frech. Mit offenem Munde und kräftigem Luststrom, aber immer mit Würde, wie es sich für einen deutschen Christenmenschen gehört. Und Kürze ist des WitzeS Würze. Wer fid)_ kurz faßt, regt zum Nachdenken an; wer sich in der Länge und Breite verliert, weckt Zweifel und Widerspruch.

Und immer recht freundlich. Mit einem Tropfen Honig fängt man mehr Fliegen, alz mit einem Faß Essig.

Habe Nachsicht und Geduld mit deinen Volksgenos. fen. Kranke müssen schonend behandelt werden.

ten läßt sich die Herzensfreude nicht mehr, nicht ein. mal von einem Zauberkünstler

Die angequälte Lustigkeit ist Tünche und Blend­werk, wie der Ueberzug an Zucker um eine Bittere Pille.

»

Ich möchte die Maifeier zur Volksabstimmung brin. gen. Mer nicht vorher, sondern nachher; denn Ersah- I rung macht klug. Am 2. Mai (aber dieses Jahr am 3 Mai, um die Sonntagsruhe nicht zu stören), sollte jeder einen Zettel abgeben, ob sich die Sache gelohnt hat oder nicht.

Die Neinstimmen werden sicher die große Mehrheit haben. Aber wird das nachwirken bis zum nächsten Jahre? Schwerlich. Die Maifexen werden auch näch­stes Jahr ihrer alten Liebhaberei nachlaufen.

Nichts vergißt der Mensch so leicht, als die Lehren, die ihm seine eigene Dummheit gegeben hat._

Die geistigen Krankheiten sind noch rückfälliger al§ die leiblichen

•

Krankheit? Ja, das Volk ist von einer Seelenseuche heimgesucht. Das ist schlimm vom nationalen Gesichts- punkt, aber es ist ein mildernder Umstand vor dem sittlichen Gericht. Bei all dem Unfug und Unsinn' den Torheiten und Freveln, die bald hier, bald da in verschiedenen Formen an gestiftet werden, gilt hoffent­lich das gnädige Wort: Sie wissen nicht, was sie tun.

Schlechtes Blut, überspannte Nerven, unterernähr­tes Gehirn — die machen Ueberlegung und Vorsatz vielfach unmöglich. Ter freie Delle steckt in der Zwangsjacke der traurigen Einzellage und der schauer, lichen Zeltverhältnisse.

Im Fieber gibt es wirre Reden und wilde Hand- hingen. Im Jrrenhause sind Tollheiten heimisch. Da ist mehr Mitleid wie Entrüstung am Platze.

Mederaufblühen.

Feiern. J,a, zur rechten Zeit. Heute ist's noch nicht so weit, Ta die Not zum Himmel schreit. Wrket, ringet! Seid gescheit.

Gültig bis 6 Monate nach Friedensschlutz.

So steht auf gar manchem Stück des unleidlichen Kriegsnotgeldes, das man so zwischen Tag und Dunkel in die Hand gedrückt bekommt und dessen unrentablen Besitz man am andern Morgen entdeckt. Erst denkt man daran, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit seinen lieben Mitmenschen damit zu beglücken — das mißlingt dann meistens und so findet man bei jedem Oeffnen des Geldbeutels das ärgerliche Geldstück. End­lich ein rettender Gedanke! Sn den Klingelbeutel mit dem Racker! Mag der Herr Pfarrer sehen, wie er mit dem Belgier, dem Polen oder dem unbekannten Deutschen fertig wird. Und so findet sich auf jedem Pfarrerschreibtisch ein Düchschen oder ein Kästchen, wo die Ausreißer aus aller Herren Länder sich zusammen finden und ein gar beschauliches Dasein fristen.

Wollen wir diese Scheintoten, diese unrentablen Dinger in Papier und Metall nichts zu neuem segen­bringenden Leben erwecken? Wir können es so leicht. Noch einmal besehen und belesen wir das unappetit­liche Zeug, hie und da finden wir ein Stück, das ein guter Freund uns umtauscht und das dann doch der eignen Kirche zu Gute kommt . Aber alles, was für die eignen Zwecke wertlos ist, was verfallen wird „6 Monate nach Friedensschluß", das packen wir eilig zu­sammen und senden es als Wertpaket an das kath. Pfarramt in Frankfurt a. M. Süd. Dieses unterzieht sich mit Freuden der Mühe des Sortierens und mit Hilfe alter und neuer Freunde befördert es die Heimat­losen zurück und gibt die solange Scheintoten dem leben- bißen und lebenspendenden Geschäftsbetriebe wieder. Aber was macht das Pfarramt Frankfurt a. M.-Süd mit dem Erlös? Es will doch das wertlose Geld ge­schenkt haben und bekommt es nachher an Ort und Stelle vergütet? Wer die traurigen Diaiporaverhält- niffe der kleinen Deutschordenskirche, der einzigen Kirche für den 55 Quadratkilometer großen Seelsorgebezirk von Sachsenhausen mit einer Seelenzahl von fast 18 000 kennt, der freut sich, aus solch' leichte Art bei­steuern zu können zum Dau einer zweiten Kirche. Alle, auch die kleinen Pfennigstücke, die z. 2. Fulda und Hersfeld herausgegeben, alle zerriflenen Scheine, alles wird nutzbar gemacht, dem erhabenen Zwecke, oem ne­ben Gott ein neues würdiges Haus und den armen, abgehetzten Großstadtmenschen einen erreichbaren wür­digen Zufluchtsort zu bieten, wo sie ihres Lebens Nöte unserm Herrgott klagen können. Welch' ein schönes

Milchkühe für Deutschland.

In einem Artikel eines C ncagoer Blatte? werden olgende Mitteilungen nein ach::

„Unter den Amerikanern deutscher Abstammung und besonders unter der deutschamerikanischen De Volke, rung hat der Gedanke, dem deutschen Volke in ferner größten Not und Gefahr amerikanisches, H«16 5 Milchvieh in großen Massen z u schen­ken, um die geraubten Kühe zu ersetzen, begeisterte Aufnahme gefunden. Aus allen Staaten der Union bringt jede Post erneut die Mitteilung, daß unter: Farmer mit dem treuen, deutschen Herzen des Landes und Volkes ihrer Väter und Brüder in seiner grtß.Crt Not und Gefahr nicht vergessen haben, sondern freudig ihren Anteil an der Errettung aus schwerer Not und dem raschen Wiederaufbau beitragen. In allen deut­schen Gemeinden auf dem Lande ist man heute der Fraoe näher etretn, tote die Bestrebungen der timen» ran Dairy-Cattte Company wirk.am unterstützt und ge- fördert werden können. Ueberall hat man mit der Sammlung von Geldern zur Deckung der Kosten des Viehtronspor:eS und mit der systematischen Scheu- kung von guten, leistunc-L-fähigen Kühen begonnen aus verichiedenen Gemeinden sind uns bereits bis zr je vier und fünf CarroadS Milchvieh in Aussicht gesielt worden. , .

Es folgt bann die Zuschrift eines Benedtk tinerpaters aus Miisour!» der die Lieferung von 500000 Stück vorzüglichem Milchvieh bei guter Organisation des Versandes für durchaus aus­führbar hält. Der Artikel ist unterzeichnet van der „American Tairy-Catlle u. Co.", 123 West Madi» fonstret, Chicago, Illinois.

Solche Beispiele opferwilliger Liebe sind warme Sonnenblicke in einer Welt voll Selbstsucht und Haß.

Kleines Feuilleton-

— Arbeiten und nicht verzweifeln. Eine Jllm stration zu diesem jetzt viel gebrauchen Mort bietet der Bericht über die Katbolikcnversammluna in Aachen im Jahre 1862. Es h.ißt da: „Im Jahre 134 8 batten noch d'.e Aachener A,bester die Häuser ihrer Fabrikherrn gestürmt. Im Jahre 1852 waren 1500 verheiratete Arbeiter, 700 untiettjriratete Ar­beiter und 300 Heranwachsende Jünglinge Mitglie­der der Ma'tiarrischen Kongregation, lieber 4000 Männer hasten im Vorjahre ihre Generglloin- munion für den hl. Vater aufgeopsert. Viele Kaufleute und Industrielle, sowie die Mehrzahl der Studenten hatten ihre eigene Kongregation". Und als die deutschen Katholiken zur Generalver ammlung nach Aachen kamen, wurden sie „w e Könige em­pfangen'. Alle Häuser und DäuSchen prangten tm Festlckmucke . . Ein bunter Wald von Fahnen wogte majestätisch au? der Höhe der Straßen hernteder .. TaS Volk sah die Versammlung tote ein herltges F°st an. Am Freitag und SamSIag vor dem Beginn waren die Beichtstühle umlagert; die zahlreichen Beichtväter konnten kaum den Andrang bewältigen. Der Sakramentenempfang har wie an den höchsten Festtagen." Etwa? mehr als ein Ja' rzchnt hatte ge­nügt, das Bild der Stadt in relig äsen Beziehungen von Grund auf zu verändern. Unverdrossener, zicl- b»ro. ßttr Arbeit bleibt der Erfolg nie versagt.

Hartgeld aus Porzellan. In der siaatltchen Por- zellanmonufak ur in Meißen werden gegenwärtig tm Auftrage deS ReichSschatzamtes Versuche unter­nommen, Geldstücke auS Porzellan herzustellen. Zu­nächst sind Porzellanstricke von 5 und 2 Mark her- gestellt worden, die die Gröre der entsprechenden frü­heren Eilberstücke haben. Wie die „Tresd. Nachr/ mitteilen, wird versichert, daß das Porzellangeld leicht und fest ist und and) hygienisch eittroanbfrer, da die Geldstücke abwaschbar sind. Auch etne Fäl­schung dürfte ausgeschlossen sein, da zu ihrer Her­stellung besondere technische Einrichtungen notwendig sind und vor allem ein großer Hitzgrad erforderlich tst. Die Anfertigung verlangt die Mitwirkung sc vtkler Personen, daß Falschmünzer, nicht lange un- enttedt blc.bett könnten. Die Stücke besitzen keinen Klang und bestehen au5 togenannten Bisqu tporzcllan.

— Die Farben und die Nr den. Die Fachge- lehrten haben sich lange Zeit mit der Frage beschäf­tig', welchen Emfluß dte verschiedenen Farben auf bie Nerven ausüben. Uebereinstimmeno ist man durch zablreiche physiologische Untersuchungen jetzt zu dem Ergebnis gelangt, das; die rote Farbe den günstigsten Elitfluß auf schwermütige Gemüter au5- u6t, also aufhetiernb wirst, während bei nervösen

Aufruf an die Landwirtschaft.

Der Reichsernährungsminister Dr. Hermes hat einen Aufruf an die Landwirtschaft erlassen, in dem er sagt, daß der Wiederaufbau Deutschlands nur mit Hilfe der Landwirtschaft durchgeführt wer­den könne. Die Reichsregierung weiß, so heißt es roet- ter, daß die Landwirtschaft unter den Kriegswirkungen schwer geüten hat und unter den gegenwärtigen wirt­schaftlichen Verhältnissen noch schwer leidet. Sie wird daher alles daran setzen, diese Verhältnisse für dte Landwirtschaft zu bessern ... So wird die Einfuhr von Rohphosphaten und Futtermitteln mit Nachdruck gefördert werden. Die Einfuhr von 1 Mill. Tonnen Mais zur Schweinemast ist gesichert. Größere Einfuhren von Oelkuchen und anderen Futter- Mitteln sind für die nächste Zukunft in Aussicht genom- men. Die S t i ck st o f f d ü n g e r - Erzeugung soll auf die irgend erreichbare Höhe gebrad)t werden. Die Re­gelung des Arbeitsvrrhältni":s und die Erhattung des Ärbeiterfriedens auf dem Lande betrachtet die Reichs- regierung als eine ihrer bedeutungsvollsten Aufgaben im Jntereffe der Landwirtschaft. Weiter wird mitgeteilt, daß zwecks humaner Festsetzung der Preise beim Reichsernährungsministerium eine Jndexkommis- sion, besehend aus hervorragenden Vertretern der Land­wirtschaft und der Derbraucherschaft gebildet wird, die die Steigerung der Produktionsunkosten, die seit dem Monat Januar eingetreten ist, feftstcllen und die Zu­schläge vorschlagen wird, die bei der Feststellung der endgültigen Höchstpreise ten bekannt gegebenen Min­destpreisen hinzugesügt werden sollen.

Die deutsche Reichsregierung glaubt auf bei anderen Seite auch von der deutschen Lanvwtrtschast erwan ten zu lönnen, daß sie die Ernährung des deutschen Volkes, insbesondere in den kommenden schweren Monaten nach-bestem Können sichern wird. Es wird i darauf hingewiescn, daß die Ausliefe runn von ! Getreide und Kartoffeln noch vielfach sehr stockend fei, die Milchlieferungen müßten gleich­falls steigen.

Der Ausruf schließt: Die ReichSregierung tst da- von überzeugt, daß die Landwirtschaft sich diesen Forde­rungen nicht verschließen wird, daß vielmehr als Volks» teil das ihrige dazu beitragen wird, die Dolksge­samt h e i t zu erhalten, wie auch die Reichsre- gienmg ihrerseits alles aufbieten wird, der Landwirt­schaft ihre Lage zu erleichtern.

Eine Kundgebung der deulschrn Landwrrlfchofk.

I Der Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft be­schloß, einstimmig eine Kundgebung, in der die Schaf- I fung eines Reichsernährungsministeriums begrüßt wird.

Die Kundgebung wendet sich dann gegen den politi­schen General st reik, fordert Beibehaltung der Einwohnerwehren und Gleichberechtigung der Land­wirtschaft gegenüber den übrigen Berufsständen und er­hebt Einspruch gegen die einseitige Bevorzugung der Gewerkschaften. Zuletzt wird die Aufhebung der Zwangswirtschaft und Einführung der Iahresarbeits» zeit, dagegen Aufhebung des Achtstundentages in der I Landwirtschaft gefordert.

tu eis nt s

Tas ist der richtige Gesundheitsschutz. Beten schützt gegen die seelische Seuche, und Arbeit sichert den kör. p-rllchen Bestand Früker fa;te man: Arbeit mach! das Leben süß;'jetzt heißt eS: Arbest macht überhaupt daS Leben erst möglich. Jeder faule Tag ist ein Nagel ?um VsikSsarg^ Jeder fleißige Arbei.Liag bringt die Nation einen Schritt weiter zur Genesung,

Arbeiten kann jeder Dummkopf, geiern zeugt von ^oberer Kultur".

Ueberbenipt wollen wir nicht zu Pharisäern werden. Nicht etwa damit prahien. daß wir selbst trotz alledem tadeiles vernünftig geblieben seien. Wissen wir denn, ob wir nicht auch einen Stich abbekommen haben?

Lande der Blinden ist der Tinäugioe König. In Lande der Verrückten tzat der Halbweg? Vernünftige noch lange nicht das erste «ort.

J,in Gegenteil. Je «ehr Vernunft einer noch be­sitzt, desto schwieriger wird e§ 'hm, gegen die üppige Phantasie und den fl-tten Zungenschlag der «errück.en aufzukonnnen. I

Greß ist die Macht des Mundwerks. Je dem»- - kraiischer der S!aat ist, desto bess.'r für die Schreier. Je schlechter die Verhältnisse, desto besser für die Hetzer- >

Sind die Zeiten recht faul, j|

So regiert baS Lästermaul.

Nichtstun ist lei Mühe teert. Streiten ist mit Gold be'Lw.ri.

Als ich noch auf der Schute war, hatten wir einen tvohlmeinenden. aber pedantischen Lehrer, der uns dor einem Ausflüge erst feine Sift-npredig! hielt und dann *m Kommandoton sagte: Jetzt wollen wir tt&V iroh- kich fein! ,

Kunststück -! Dir Jungen waren immer fröhlich ^uch schon vor dem. Kommando und gegen d.rz Kom­mando.

Vei den älteren Jahrgängen ist leider die Fröhlich» krtt nicht mehr der Normalzustand. Und kommandie-