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Zsrdernde Liebe
Roman von Erich Ebenstcin.
Die Dortmunver Kundgebung
der christlichen Arbeiterschaft.
Die Note der Alliierten überreicht.
«rb Sctlin, 58. April.' Heule vormittag bat der ^nlieni'dje Gejchäiisttäqer de Martino dem Reichs- Milet bie berciis delannte Enlentenole über» ^i*t‘mit der die Konferenz von San Remo abschloß.
'^crt stimmt mit dem von Havas v.-röffent- ii<b‘ten überein. Unterreichnet ist die Noie vom italienischen Ministei Präsidenten Nitti als dem Leaui- uagtkn der Konferenz.
Wann wird Frankfurt geräumt?
Die 'gcftern mitgeteilte Meldung der Londoner Daily Mail" aus San Remo, wonach die Konferenz
Beschluß gefaßt haben soll, daß,bie Franzosen unb Belgier aus den neubesetzten Städten des Main- „aus erst dann zurückgezogen werden sollen, wenn Deutschland die im Friedensvertrag festgelegte Auslieferung von 12 000 Kanonen vollzogen haben werde, ltimmt nicht mit den Angaben überein, die von den örntlichen französischen Berichterstattern a® San Skrno telegraphiert worden sind. Danach werden die französischen und belgischen Truppen den Maingau oerlasfen, wenn die deutsche Reichswehr im Ruhr- Met nur noch 20 Bataillone, 6 Schwaden en und 2 Batterien umfassen wird. Bis mm 10. Juni sollen diese Truppen auf die Hälfte derabqesetzt und durch 5000 Mann Polizeitruppen er- fett werden. Der Rest der Truppen soll dann das Ruhrgebiet räumen und ebenfalls durch 5000 Mann Polizeitruppen ersetzt werden.
Statt wie es richtig gewesen wäre, die Franzosen -u sofortiger Räumung des Maingaues zu veranlassen, ist die Konferenz bemüht gewesen, den Franzosen den Genuß ihrer jüngsten Heldentat so lange wie irgend möglich zu erhalten. Offenbar haben Rüst und Lloyd George den Franzosen dieses Zugeständnis machen müssen, um damit die Einwilligung der französischen Regierung zu der Einladung der deutschen Vertreter nach Spaa zu gewinnen. Der Rmgkampf zwischen der vernünftigen und der un- «rsöhnlichen Richtung in der Entente hat durch dieses Kompromiß eine Pause gewonnen, aber noch kein Ende gefunden. 3m Gegenteil: auf der bevorstehenden Konferenz wird er erst wohl entbrennen, und dort wird es wesentlich an der diplomatischen Gewandtheit mb bcr Klugheit der deutschen Vertreter abhängen, ob sie der Vernunft zum Siege verhelfen können, ohne die französische Empfindlichkeit in gefährlicher Weise P reizen.
Wirtschaftspolitische Verhandlungen mit Frankreich.
« Berlin, 28. April. Der deutsche Geschäftsträger in Poris, Dr. Mayer, ist in Berlin zur Besprechung der deutsch-französischen Besprechungen wirtschaftlicher Art nut der Reichsregierung eingetroffen. Gestern batte er eine längere Unterredung mit dem Reichskanzler Muller und dem Außenminister Dr. Köster. Später referierte er im Reichstag mit dem Reichswehrminister Dr. Gehler, dem Minister Bauer und verschiedenen Abgeordneten. Am Abend war er Gast der Zentrumsfraktwn, hie im Reichstaasgebäude anläßlich der bevorstehenden Beendigung der ^Rationalversammlungssißungen ein Ab- fchiedseffen veranstaltete. Heute wird sich Dr. Mayer mit dem Vertreter des Wiederaufbauministers und hierauf erneut mit dem Reichskanzler und schließlich mit dem Reichssinonzminister Wirth besprechen. Die Abreise nach Paris erfolgt übermorgen.
Die Reise des deutschen Geschäftsträgers in Paris Dr. Mayer nach Berlin hängt zusammen mit den wirtschaftspolitischen Verhandlun- gen, die jetzt zwischen Frankreich und Deutschland ernstlich in Gong kommen sollen. Dabei mufc sich zeigen, ob die Franzosen, nachdem sie sich im Maingau eine gewiße militärische und politische Befriedigung verschafft haben, auf dem geschäftlichen Gebiete eine vernünftige Politik auf Gegenseitigkeit betreiben wollen.
„Rein — laß michl Nie werde ich mich daran fvöhnen, einen Mann zu haben, der für alle Welt da ist, nur nicht für mich! Wenn ich bcS früher gewußt hätte! O, ein Mann wie Du, dürfte überhaupt nicht heiraten!
Eine Denkschrift an den Völkerbund.
lieber die Besetzung Frankfurts hat die Deutsche Liga für den Völkerbund an das Sekretariat des Völkerbundes in London eine Denkschrift gerichtet. Darin wird nachgewiesen, daß und warum Frankreich seinen Gewaltakt nicht vornehmen durfte, ohne sich vorher an den Völkerbund zu wenden, daß aber nach und gerade wegen dieser Versäumnis der ganze Vorfall Sache des Völkerbundes ist. F r o n k r e i ch habe zweifellos die Dölkerbundfotzung gebrochen. Deshalb wi^, mit allem Nachdruck daraus hingewiesen, daß "er Volker- bi'nd als politische Wirklichkeit in der Welt nur dmrn Achtung finden kann, wemi er, unabhängig von der Zurücknahme der französischen Truppen und auch von der diplomatischen Erledigung durch den Obersten Ra» grundsätzlich zu dem französischen Rechtsbvuch Stellung nimmt.
O weh — des Herrn Hut und Rock fehlten am Kleiderständer I Da hatte cs Wohl wieder etwas gegeben . . .
Als sie sich umwandte, stand Daniela im Rahmen der Schafzimmertür, „Mer ging soeben hinaus, Fanny?"
, „Der gnädige Herr . , . ich glaube wenigsten- . ." sie öffnete die Speisezimmcrtür und sah hinein »Ja, er ist fort!"
„Ohne gegessen zu haben?"
„Doch nicht, Kaviarbrötchen und Sardinen ..."
Daniela lvar bereits wieder im Schlafzimmer verschwunden, dessen Tür sie hinter sich abschloß. Auf. schluchzend warf sie sich auf ihr Bett.
Er konnte essen! Und fortgehen ohne Abschied! Nach dem, was sie ihm gesagt!
Und von diesem Manne Halle sie ihren Eltern und Freundinnen gegenüber einmal stolz behauptet: Er liebt mich!
2.
Am anderen Morgen, alz ihr Mann anfstand, stell'e Daniela sich sch afcnb. Alles in ihr wartete darauf, daß er sie wie sonst wachküsicn und dann Abbitte lei. sten würde.
Vielleicht war sie selbst ja gestern ein wenig zu weit gegangen. Aber Mama hatte ihr oft ans Herz gelegt; Nur nie ein Unrecht eingestehen ihm gegenüber! Jeder Mann muß in der Ehe erst erzogen werden, d. h. einsehen lernen, daß seine Frau für ihn nur die erste Person der Welt ist.
Daniela wartete also. Aber Heidlof küßte sie heute nicht wach. Ganz leise schlich er auf den Zehenspitzen hinaus als fürchtete er sie zu w.cken. Dabei stand eine Falte, die Daniela bisher noch nicht bemerkt hatte, auf seiner Stirn.
Mittags kam er nicht nach Haus. Er entichu'digte fein Fernbleiben telephonisch au? dem Sanatorium Lilv, wo er eine Cperatioir an der Fürstin Ladan vornehmen müsie, Ter Zustand der Fürstin, die seit kurzem seine Patientin Ivar, habe sich unerwartet verschl mmert.
-Gott, es kann ja wahr sein," dachte Daniela, I „mit dieser Fürstin macht er ja solche Geschickten! i Aber wenn er mich noch liebte wie früher, würde et die Operation doch auf den Nachmittag haben verschl- l den können?'"
Er trat zurück und ging einige Male schweigend im Zimmer auf und nieder. Zorn, Bitterkeit und Ent- iäuscknmg stritten in ihm um die Herrschaft.
W«r sie so albern oder wollte sie ihn nur einfach nicht verstehen? Ihre Tränen flöß'cn ihm kein Mitleid mehr ein. Zu oft hatte er sie schon um N ch. figkeiten willen fließen sehen. Und wenn es so fori wng — was sollte werden aus ihnen beiden? Man rieb sich fluf hm diesem ewigen K'emkrieg ... er spürte es schon manchmal, wie seine Nerven, die früher dl>n Stasl schienen, p ötzlich nachließen.
. -Willst Tu nicht wenigstens die ®üle haben, seht enblicfj z„m Esten zu kommen?" fragte er schließlich *W- -Ich bin totmüde und hungrig!"
-Dann iß doch allein! Ich habe keine Lust dazu." Ohne ein Wort zu sagen, ertfern’e er sich.
Jetzt essen? Eigentlich war auch ihm die Lust ^nzu vergangen. Aber man mußte doch sch ießl ch . . .
borgen brauchte man doch schließlich seine Kraft.
Er stocherte ein bißchen in den kalten Platten her- würgte ein paar Bisten hinunter und warf Eßzeug und Serwette dann hin
Cs war doch zu ärgerlich! Da dackste man. sich ein Paradiez ru erringen und oewann — H lle! In einem ^.tte sie vielleicht" recht: Männer tote er sollten nicht heiraten.
Und was nun? Arbeiten? Schlafengehen? Zu beiden waren seine Nerven zu erregt.
lieber fort. Gleichviel wohin. Und obwohl drau- ßen daz abscheulichste Novemberwetter mit Schnee und "egen durch die Gasten stürmte . . .
Fanny, die irj der Küche neben dem warmgestellten traten auf da; Zeichen zum Aufträgen wartete wirte plötzlich die Flurtür zusallen und eilte bestürzt »maus.
durchweg ungenügend ist. Auch die Durchsuchung der Ortschaften durch besondere Patrouillen hat nur ein sehr geringes Ergebnis gezeitigt. Bei den Behörden und bei den Mehrheitsparteien ist die Austastung vorhanden, daß die heutigen Zustände im Ruhrgebiet immernochunbefriedigend sind und daß un- bedingt eine AÄnderung werde stattgreisen müssen. Nur die beschleunigte Einrichtung einer starken staai 'chen Sicherheitspolizei werde die Sicherung des Industiteae- biets gewährleisten Es seien alle Maßnahmen getroffen, um etwaige neue Unruhen niederzuhalten.
Die pulschgerüchie in Mitteldeutschland.
Zu den Gerüchten über neue radikale Puischabsichteu in Mitteldeutschland meldet die Presiestelle des Oberpräsi- denten und Regierungskommistors der Provinz Sachsen: Die Nach. chten, daß in der Provinz Sachsen sich _ein neuer kommunistischer Putsch vorbereite, der in den nächsten Tagen losbrechen solle, ist eine blanke Erfindung. Die Arbeiterschaft will Ruhe haben und lehnt einmütig jeden Putsch ab. ____________________
Blutige Ereignisse in Posen.
Aus Posen in Berlin eingetroffene Reisende berichten von schweren Zusammenstößen in Posen zwischen streikenden Eisenbahnern und polnischem Militär. Bei dieser Gelegenhest soll es eine Reihe Toter und eine Anzahl Schwerverwun- deter gegeben haben. Der gesamte Zugverkehr von und nach Posen ist infolge der Zusammenstöße e i n- g e st e l l t worden.
Der Reichsrat gegen den Posttarif.
Da» Postgebührengesetz tritt am 1. TRai nicht in Kraft.
Die Vorlage auf Verdoppelung des Post- ta r i s s und Erhebung einer Zwangscmleihe von allen Fernsprechteilnehmern hat nach ihrer Annahme in der Nationalversammlung — mit 40 gegen 36 Stimmen — im Reichsrat ein merkwürdiges Schicksal gehabt. Schon am Montag bei der ersten Beratung hatte sich im R e i ch s r a t eine heftige Gegnerschaft bei den Ländern, vor allem bei Preußen, Bayern und Sachsen, gegen den Beschluß gezeigt, daß die sogenannten portopflichtigen Dienstsachen der Behörden, bei denen der Empfänger das Porto entrichtet, in Zukunft fortsallen sollen. Bei der Weiterberatung am Dienstag blieb der Reichsrat allen Bemühungen des Postmimsters Gies- bert zum Trotz fest und lehnte diese Bestimmung ab. Nach der Berfasiung muß nunmehr das ganze Gesetz nochmals zurück an die Nationalversammlung und diese muß entweder nachgeben oder ihren Beschluß mit Dreiviertelmehrheit wiederholen. Minister Giesbert selbst hat nur wenig Hoffnung, daß sich eine solche Dreiviertelmehrheit finden wird, glaubt vielmehr, daß die Nationalversammlung die willkommene Gelegenheit benutzen wird, um das ganze Gesetz abzulehnen.
Nach der Abstimmung im Reichsrat betonte Mini- sterialdirekior Range, daß nunmehr die Vorlage nicht am 1. Mai in Kraft treten könne. Jeder Tag der Verzögerung bringe für die Reichskasse einen Verlust von vier Millionen, wodurch der Nutzen für die Einzelländer um ein Mehrfaches wieder verloren geht.
15000 Mark Dersicherungsgrenze.
Die neue Krankenkaflenverordnung wurde vom Volkswirtschaftsausschuß der Nationalversammlung mit der Aenderung angenommen, daß die Grenze der Dersicherungspflicht von 12000 auf 15000 Mark erhöht wurde. Der erste Beschluß des Ausschußes, der die Grenze auf 20 000 Mk. festgesetzt hatte, war vom Plenum der Nationalversammlung abgelehnt worden und die Vorlage an den Slueschuß zurückverwiesen. Die Regierung hatte bekanntlich 12 000 Mk. vorgeschlagen.
Wenn noch eine Spur von BersöhnungSberettschaft in ihr gewesen wäre, mm war es vorbei damit. Sie unterließ es sogar, seinen Gruß zu erwidern, rief ein. fach -Schluß" und ließ den Schalltrichter sinken.
Nach Tisch ging sie zu ihrer Mutter, der Hofrätin Halmenschlag, um dieser ihr Leid zu klagen. Gottlob, Mama verstand sie auch und fand ihr Benehmen ganz gerechtferttgt.
Daniela weinte viel, die Hofrätin tröstete und gab Belehrungen. Mitten in diese Unterhaltung hinein kam Isolde, Danielas älteste Schwester, die <rn einen reichen Großindustriellen verheiratet war.
Auch Isolde kam, um zu klagen. Georg Diez, ihr Mann, habe gar kein Verständnis für sie. Weil er bett Kopf mit Geschäften angefüllt habe und kein Freund von Geselligkeit fei, begreife er immer weniger, daß sie sich doch amüsieren wolle Wozu lebe man denn sonst, sei jung und hübsch? Seit er die Villa dravß n in Toblowitz bei seinen Fabriken baue, sei es ärger denn je.
Mama wisse doch genau, daß eS anfangs hieß, die Villa werde nur zu kurzem, vorübergehendem Av'ent- halt im Sommer gebaut und damit Diez, wenn er nach Toblowitz müsse, ein bequemeres Absteigequartier dort habe «'S bisher. Nun verlange er plötzlich, daß man von Mai bis Oktober dort wohne und nur den Winter in Wien verbringe! Seit Wochen gäbe es Streit deswegen. Aber sie — Z'olde — gäbe keinesfalls nach. Grad im Mai wollte der Maler Dallariva ihr Bild be. ginnen und für Juli hätten sie alle zusammen eine Reise nach München vor unter Tallaribas künstlerischer Führung. Erst hätte Diez zirgesagt, nun aber erkläre er, aus geschäftlichen Gründen keine Zeit zu hoben, und verlange, auch sie solle nicht mittun. -Es ist pure Bosheit!" schloß Isolde ärgerlich, den schönen Kopf ju’ rückwerfend.
Daniela hatte wenig Interesse für diese Schmerzen bet Schwester. Die Hofrätin aber sah recht bekümmert aus.
trat doch ein Kreitz, wenn man bloß Toch.er hatte! Söhne hätten unbedingt weniger Sorgen gemacht ...
Dann suchte sie auch Isolde zu trösten und zu be. ruhigen. ..(Fortsetzung solgtt^
Frankreich entdeckt deutsche „Krkegsplcine".
Der Pariser „Temps" bringt offensichtlich erfundene Nachrichten über die Aufdeckung eines gegen Fran.retch gerichteten deutschen Kriegsplanes. Danach hatte die tn Hanau einrückende französische Kavallerie Waffen und Munition in beträchtlichen Mengen vorgefunden, so- wie 200 000 Scheffel Hafer und eint Menge von Kisten mit der Aufschrift: „Armee des Westens. Außer- dem hätten die Franzofen in Hanau umfangreiche G e - Heimakten gefunden von Manöverexerzitien, die auf ter Korte von Offizieren der Reichswehr und der Sicherheitspolizei ausgcführt worden feien. Diese Manöver hat- ten gegen Frankreich gerichtete Operationen ins Auge
' Von zuständiger Seite wird dazu mitgeteilt, daß die Sensationen des „Temps" auf einer böswilligen Austeu- tung gänzlich harmloser Funde beruhen. Als die Fran- zosen m Hanau einrückten, war dort lediglich Sicherhelts- polizei anwesend. Die Franzosen behandelten die Polizei» mannschasten jedoch als Militär. In Frankfurt, Homburg und Hanau lagen insgesamt etwa 1100 Mann Sicherheitspolizei, und daß sich Frankreich durch diese Arme« bedroht gefühlt habe, ist wohl kaum anzunehmen. Die Lagerung von 200 000 Scheffeln Hafer in Hanau lassen allein schon imsere traurigen wirtschaftlichen Derhälinisie nicht zu. Daß Kisten mit Bezeichnungen von Truppen- körpern gesunden wurden, erklärt sich wohl aus ter Verwendung alter Kisten mit entsprechenden militärischen Aufschriften, die noch aus Kriegszeiten stammten. Was die angeblichen Operationspläne anbetrifft, fo handelt es sich, wenn überhaupt etwas derartiges gefunden worden ist, jedenfalls um eine Manöoeraufgabe aus der Zeit vor dem Kriege, die im Koffer eines ehemaligen Offiziers gelegen haben mag.______________________
Das Schicksal der Türkei. -
Die Alliierten haben sich in San Remo darüber geeinigt, daß Frankreich, En land und Italien in der ganzen Türkei in wirtschaftlicher Hinsicht einander gleich st eh en. Aber Italien wird daS Recht zuerkannt, daS große Gebiet zwischen dem Golf von Edremid und Konia ausschließlich für sich wirtschaftlich auszubeuten.
Der Golf von Ediemit liegt südlich von den Dardanellen bei der Insel Mytilene. Nach der obigen Mel- I dunq würde die italienische Zone also daS ganze süd- westliche Kleinasien umfaffen. Ueberdies wird Italien in der als „internationale Sphäre" geltenden übrigen Türkei sie gleichen Rechte genießen wie Frankreich und England.
Die Lage im Ruhrgebiet.
Die in das rheinisch-westfälische Gebiet entsandte Kommission von Parlamentariern hat in Düsseldorf, Elberfeld-Barmen und Remscheid eingehende Besprechungen gepflogen, zu denen die Regierungsverlreter, die Oberbürgermeister, die Führer der Mehrheiispar- trien, die Gewerkschaften, sowie die gemäß des Bielefelder Abkommens gewählten Ordnungsausschüsse zu- gezogen wurden. Es ergibt sich aus der gesamten Luge noch eine gewisse Beunruhigung, die am stärksten in Remscheid ist. Die Nachrichten über eine erneute Bildung der Roten Armee haben »rnsttzafter Prü- fung nicht stond gehalten. Dagegen muß hervorgehobm werden, daß die Waffenabgabe auch heute noch
Die Kundgebung der christlichen Arbeitnehmer- schäft, die am Sonntag in Dortmund stattsand, war ein Ruf nach Rettung aus nationaler, sozialer und seelischer Not. Zu Tausenden waren die christlichen Männer der Arbeit aus dem Industriegebiet, die sich den christlichen Gewerkschaften und den mit ihnen im Deutschen Eewerkschaftsbunde Gereinigten Angestellten-, Staatsarbeiter» und Beamtenorganisationen an- S'chlossen haben, herbeigeeilt, um den Willen zur dnung, Arbeit und Pflicht machtvoll zur Geltung zu bringen. Die Rede des Staatsministers Sieger- w a l d dürfte nicht bloß unter den Arbeitern, sondern In breiten Schichten der Bevölkerung ein lebhaftes Echo finden. Eine scharfe Absage richtete Sie- gerwald gegen links. Den Arbeitern sagte er em- drinosich, daß sie neben den Rechten auch Pflichten hätten. Als man in frühem Jahren an ihn herangetreten sei, in den Dersammlungen den Arbeitern auch Pflichten zu predigen, habe er das abgelchnt und gesagt, daß, solange die Arbeiter nicht als gleichberechtigt in die Stände eingereiht würden, er nicht Lust habe, ihnen von Pflichten zu reden. Heute sei aber die Lage ganz anders. Heute hätten die Arbeiter ine politische Macht; aber ob sie auch die wirtschaftliche Gleichberechtigung errängen, das hänge von ihnen selbst ab. Die Arbeiter selbst müßten den Gedanken des gemeinschaftlichen Verantwortungsgefühls in die breiten Mafien einhämmern. So könnten sie ihre Stellung behaupten. Ein Zweites, was Minister Stegerwald hervorhob, war die Ablehnung der Sozialisierung im Sinne der sozialistischen Parteien und der Vorschlag der Bildung von autonomen Wirtschaftskörpern. Hier sagte Stegerwald:
Sozialistetungsgesehe im Sinne der Verstaatlichung als Erqebnifie einer Augenblickslage aus Augenblicksstim- muna lehnen wir ab; denn bei der heutigen Geistesverfassung eines großen Teils der verhetzten sozialistischen Arbeitermafien wird jede Sozialisierung zu einer gewal- tigen Unterbilanz der sozialisierten Werke fuhren, wie wir das heute bei unfern Eisenbahnen erleben, die für 1920 wieder eine Unterbilanz von 12 Milliarden Mark ergeben werden. Die ganze Entwicklung »rängt auf einen Mittelweg zwischen Sozialisierung und hochkapitalistischer Betriebsweise Wir fordern die Konstitution für die Wirtschaft geradefo wie in der Politik. Dieser Mittelweg wird in ter Gründung von autonomen Wirtschaftskörpern unter Mitbeteiligung der Arbeitnehmer und einer gewissen Einflußnahme des Staates liegen.
Bei der Prüfung der Ursachen, die zu dieser augenblicklichen erbärmlichen Lage geführt haben, mußte der Minister auch auf den Versailler Vertrag und verschiedene damit zusammenhängende Verhall- nifie kommen. Er ging dabei von dem Gedanken aus, daß die chaotischen Vorgänge im rheinisch-westfälischen Industriegebiet in den letzten Wochen ein Abbild nicht nur des allgemeinen Zustandes in Deutsch- • land, sondern des gegenwärtigen Weltzustandes über« hauvt seien, und sagte weiter:
Uns Deutsche kann nur retten sittliche Str aft und Gerechtigkeit aus dem Boden des Christentums. Damit haben wir zugleich den Boden gewonnen für ten Kamps gegen den Versailler Vertrag. Unter dieser Losung müfien wir in erster Lime kämpfen für die Durchsicht der Vertrages. Solange dieser Friede nicht wesentlich umgeändert ist, ist ein wirklicher Aufbau Deutschlands nicht gut möglich. (Stürmische Zustimmung ) Wird Deutschland ruiniert, dann wirb ganz Europa mit in dm Abgrund hineingezogen. Diese Einsicht dämmert schon in England und Italien. Diese Einsicht muß aber auch den Arbeitern der ganzen Welt aufdämmern, und unsre Ausgabe ist es, unfern Freunden in der ganzen Welt zu »eigen, daß auch ihre Zukunft auf einer gereift« ten und billigen Aenderung des Versailler Vertrages beruht. Täuscht nicht alles, so sind die Arbeiter berufen, »er Welt die wahre Freiheit, ben wahren Frieden und die wahre Demokratie zu bringen, bie wahre Demokratie, bie sich ausbaut auf ter Straft unb den Lehren be» Christentums, lieber bie Eren- zen unseres Landes hinaus möchte ich dies sagen: In letz- ter Stunde möchte ich warnen vor dem Versuch, unser armes, ausgezogenes, gequältes Vaterland durch Anzettelung von Terrors unb Putschen vollenbs zugrunde zu rich- ten. Hier im Ruhrgebiet werten wir das, verstehen. Och möchte warnen vor der Politik des Ni ch t»L e b e n» und Nicht« Steiben-Lassens, die ein Volk schließlich dem Wahnsinn zutreiben muß. Die Stimmung unserer Brüder in ben besetzten unb abgetrennten Ge- bieten zeigt es uns schon heule: ter einheitliche nationale Gebaute, bas nationale Gemeinschaft», aefLh!, bas wir in Stunden des Glücks immer so leicht qeopsert haben, wirb un» auf ewig eingehämmert werden. Die christliche Arbeiterbewegung ist berufen, ihrerseits mit Nachdruck an bet Herausarbeitung be» einheitlichen Gedankens in Deutschland mitzuwirken.
Nach diesem Elend von außen besprach^Mimster Stegerwald auch eingehend unsre Innern Schwierigkeiten. Er schilderte in ergreifenden Worten, wie heute Millionen von Proletariern armer werden, als sie jemals gewesen seien, und wie zu Ihnen herunterfinke gerade der Teil des Mittelstandes, der wegen feiner moralischen und intellektuellen Eigenschaften der anständigste und wertvollste gewesen sei. Der Kampf aller gegen alle werde täglich schärfer, verbissener, die Zahl der Opfer größer. Verstümmelt, geknebelt, verhöhnt, abgezehrt, mit Gift in den eigenen Adern, wider sich selbst in seinem Fleische wütend, so stelle sich heute der Körper des deutschen Volkes dar. Nur die Idee der sozialen Gerechtigkeit könne uns retten und der Glaube an den Sieg dieser Idee, und hier muffe die christlich-nationale Arbeiterschaft Bannerträger dieses Gedankens fein. Es lebe und werde leben der gesunde «i n n für Ordnung und Arbeit, der in der breiten Masse der Arbeiter und Angestellten sich immer wieder durchsetzen werde. Der deutsche Arbeiter werde nicht eher wieder zufrieden sein, bis die Enenbahnzuge wieder mit alter Pünktlichkeit auf die Minute geiah» ren, bis alle Efien von Oberschlesien bis zur Saar wieder ihre dichten Rauchwolken zum Himmel schickten, bis Deutschland widerhalle vom Stampfen und Hämmern der Maschinen, als ob es eine einzige große Werkstätie fei. Darin dürfte man sich trotz aller Erscheinungen der letzten Wochen nicht Irremachen lofien, daß dies der innigste Wunsch der großen Mehrhell der deutsche» Arbefter sei.