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Daniela . . . was trödelte sie nur so lang Umkleiden herum'; Ah — endlich Schritte Korridor. —
Aber es war mir Fanny, die den Kopf hereinstcckte und frag, ob sie schon servieren .Wo ist meine Frau, Fanny?*
gen wich allmählich. Händereibend schritt er in dem Gemach auf und ab.
Es trat doch so schön, so im eigenen Heim, wo Sau. berkeit, Ordnung und Geschmack tag Zepter führ.en! Das verdankte er Daniela. Nicht jede Frau —- nein, nur wenige verstanden es, ihrem Heim einen so hüb. schyn, behaglichen Anstrich zu geben. Wie oft hatte er sich dies früher auSgemalt, trenn et mit Kollegen in rauchigen Restaurationsräumen saß — bei öder Fach, simpelei — schlechtes Essen hinunter würgen müß e unb nur nicht heimging, weil seine unwirtliche Junggcs.llen. bude so gar nichts Anziehendes hatte: Bis ich nur erst verheiratet bin! Und ihr liebes Köpfchen mir bei Tisch gegenüber sitzt, lachend, plaudernd mit seinem strahlenden Frohsinn die ernsten Eindrücke des Tages verwischend. . . ,
Na, ganz so war's ja nicht geworden — außer in der allerersten Zeit. Tas kleine Köpfchen hatte zuweilen wunderliche Launen . . .
Z. B. heute! Er konnte wieder einmal beim besten Willen nicht begreifen, was Daniela eigentlich so verstimmt hatte? Sie hätte sich doch so sehr für den Vortrag interessiert, den er im Volksbildungsverein hielt. In bester Stimmung waren sie vor zwei Stun. den hinoesahren und während er dann sprach, hing ihr Blick unverwandt an ihm. obwohl sie ja jedes Wort schon vorher auswendig wußte. Ganz plötzlich, wie vom Himmel geschneit, kam dann dieses kalte G.itzern in ihre dunklen Augen, das ihn immer so reizte. Ihre Mundwinkel senkten sich, ein abweisender Zug beherrschte das hübsche Gesicht, kein Wort kam mehr über ihre Lippen.
In solchen Momenten war es immer, als lebten sie beide weltenfern voneinander getrennt . . .
Immerhin. — Dr. Heidlos warf den blonden Siegfriedkopf energisch zurück — vtwas wirklich Ernstes konnte es doch garnicht fein! Man würde sich aus. sprechen und alles war'gut. Wenn sie nur erst käme!
würdigen, nur nicht für mich! Mich sahst Du garnicht an. Ich mußte dastehen, als gehörte ich garnickst zu Dir!*
.Aber Daniela! Du bist doch meine grau../ .Eben darum sollte ich Dir die Erste sein!"
.Tas bist Tu doch auch! Du muht es ja fühlen, Daniela — aus meinem ganzen Wesen, aus jeder Kleinigkeit, die ich tue!"
.Gerade das Gegenteil fühle ich! Immer muß ich hinter anderen zurückstehenI Nie kann ich auf Dich zählen! Ob wir nun irgendwohin gehen oder gemütlich eine Stunde daheim bleiben wollen, ob ich Besuch erwarte ober wir eingeladen sind, immer, wenn es sich um Deine. Person habet bandelt, heißt es: „Zähle nicht ganz sicher auf mich, ich weiß noch nicht, ob es möglich sein wird/ Und dann kommt auch sicher etwas dazwischen. Entweder Tu hast eine Operation, oder man holt Dich an ein Krankenbett, ober Tu mußt zu einer Konsultation/
„Tag hast Du doch gewußt, Taniela! Das ist doch mein Beruf! Für Geselligkeit bleibt unsereinem eben wenig Zeit/
„Wenn auch! Es ist schrecklich, Egon! Und heute beim Vortrag? Da war es doch wohl nicht Tein „Beruf", mich einfach stehen zu lasten wegen xbeliebiger Leute —'
„Tiefe „rbeliebigen" Leute, mein Kind, waren ausnahmslos Patienten, auf die ich Rücksicht n:hm:n m u ß! Ein junger, aufstrebender Arzt wie ich darf Leute, die seinetwegen kamen und ihn vorkommenden Falles zu Rate ziehen, doch nicht vor den Kops stoßen! Je. mehr ich an Sympathie und Vertrauen im persönlichen Umgang gewinne, desto größer wird auch meine Praxis, vergiß das nicht! In der Großstadt gibt es keinen Aerztemangel, jedermann hat Auswahl genug und gehl schließlich zu dem, den er schon kennt. Eine Koryphäe, deren bloßer Name die Patienten scharenwe.se heran, zieht, bin ich noch lange nicht. Also sei vernünftig, Kindl Zitiere nicht Eespenster, wo gar keine sind, sondern hilf mir lieber, wie es einer klugen Arztfrau zu. kommt meine Berufsinterestrn fördern. So und nun gib mir einen schönen Kuß und sei wieder meine süße kleine Taniela . . “
Er war zu ihr getreten und wollte sie lüsten. Wer Daniela stieß ihn zurück.
(Sortierung folgt.)
Ungeduldig blickte er nach der Tür. Er war müde und hungrig. Er sehnte sich auch nach Versöhnung
Putschgerüchte.
Die alldeutsche „Deutsche Zeitung" veröffentlicht Geheimberlchte, die dem Staatskommissar der öffentlichen Ordnung zugegangen sind und Nachrichten aus Mitteldeutschland enthaüen von einem neuen drohenden kommunistischen Ausstand und mit ins Einzelne gehenden Kampsplänen. Der Staatskommissar hält die Mitteilungen für maßlos übertrieben; es sind olle Vorkehrungen getroffen, um zu verhindern, daß diese phantastischen Kampfpläne in die Wirklichkeit umgesetzt werden können.
Von zuständiger Seite wird noch mitgeteilt, es sei bekannt, daß bei Halle Bestrebungen gegen die Sich-r- heit des Staates im Gange sind. Die zuständige Stelle sei der festen Ueberzeugung, daß die getroffenen Maßnahmen zur V e r e i t e l u n g dieser Bestrebungen vollständig ausreichen.
Wühlereien im Ruhrgebiet.
Seit einigen Tagen sind lichtscheue Elemente, die von der vernünftigen Arbeiterschaft abgelehnt werden, an der Arbeit, einen neuen Putsch zu inszenieren, um die öffentliche Gewalt an sich zu reißen. Es handel! sich hierbei um einen wohlorganisierten Plan, nach dem Muster des Röuberhauptmannes Hölz, wobei Plünderungen und Erpressungen die Hauptrolle spielen sollen. In Nem > che! d konnte ein angelegter Putsch mit den gleichen Absichten vereitelt werden. Die Bewohner Darrenbecks waren am Montag Zeugen einer großen Versammlung derartiger Elemente, die zur Vorbereitung eines Putsches nach Elberfeld geströmt waren. Die Stadtverwaltung hat Abwehrmaßnahmen bereits getroffen.
Deutsche Nationalversammlung. ]
Die Nationalversammlung setzte am Tiens'ag die allgemeine Aussprache über die Finanz» und Erna h r u n g s f r a g e n vor fast völlig leeren Bänken fort.
Reichsarbeitsminister Sch. icke tielte mit, daß die ReiMMickj ungsordnung fertig gestellt sei. 36* Riester Ternsche Volkspartei beschäftigte sich verwiegens mit Finanzfragen und regte an, eine Aenderung der Steuerorganisaion in der Weise vorzunehmen, daß In- dustrie, Handel und Landwirtschaft zu großen Steuer, konzernen zusammenoeschlosten werden sollten, die in sich die auf sie zu entfallenden Steuern aufeubringen bäHen. Zur Hebung der Arbeitsleistungen schlug er die Einführung von Produktionsprämien vor. Nach dem Abg. Nießer langweilte der Unabhängige Henke mit einer fast zweistündigen Rede das Haus, die nichts anderes war, als eine wüste Agitations. und Hetzrede gegen alles, was nicht auf die unabhängige Ideenwelt eingeschworen ist.
Das Auftreten des Abg. Henke würden wir an sich mit Stillschweigen übergangen haben, wenn er n cht mit der Begründung der von den Unabhängigen gestellten Anträge bett, die Aufhebung des Ausnahmezustandes, die Vorlegung eines allgemeinen Amnestiegesetzes und betr. die Einsetzung des 1. M a i als gesetzli. chen Feiertag die allgemeine Aussprache zu ihrem zweiten Teile übergeleitet hätte, der sich im wesenfli- chen auf eine Besprechung der erwähnten Anträge, zu denen noch ein Antrag der Mehrheitssozialdernokra en, der ebenfalls den 1. Mai als gesetzlichen Feierag fordert, beschränkte. Auch ein Antrag der Unabhängigen betr. Zahlung von Lohn an Arbeiter für die Tage des Generalstreiks wurde in den Nahmen deS zweiten Teils der allgemeinen Aussprache hineingezogen.
DaS Mitglied ter Bayerischen ÄolkSpartel Schirmer, der neben anderen Fragen auch den Ausbau deS Do. naii-Main-Nhein-Kanals dringend befürwortete, nahm eine entschieden ablehnende Haltung gegen den Mai. feiertag ein Befürworter sanden in der Aussprache diese Anträge nur in den Antragstellern se.bst, alle anderen Parteien lehnten die Anträge ab. Was die Frage der A m n e st i e für die an der bolschewistischen Putschbewegung im Ruhrgebiet Beteiligten an. langt, so erklärte der Justistzmi nistet Tr. B unck mit erfreulicher Entschiedenheit, daß gegen die Rädels ührer der Bewegung im Ruhrgebiet mit der vollen Schärfe
Ausland
♦ Die dänischen Wahlen. Die Neuwahlen zum dänischen Folkethmg wurden mit großer Spannung erwartet. Sie sind die Folge des Staatsstreiches der dänischen Chauvinisten, die Ende März den König veranlaßt hatten, das Ministerium Zahle plötzlich zu verabschieden. Die sozialdemokratische Partei proklamierte seinc.zeit alsbald den Generalstreik. Die Empörung. die weite Kreise des Volkes ergriff und den König an den Abrrund brachte, fegte das zunächst berufene Kabinett Liebe hinweg. An feine Stelle trat dann das reme G:schäftskabinett Friis, das sich zurückziehen wird, nachdem feine Aufgabe, die Neuwahlen,
Die Truppenverminderung im Ruhrgebiek.
Der Chef der deutschen Friedensdelegation in Paris, G ö p p e r t, hat der Friedenskonferenz eine Note überreicht, in welcher die deutsche Regierung mitteilt, daß sie jetzt die Effektivbestände der neutralen Zone auf 17 000 Munn herabgesetzt habe. Der „Temps" schreibt dazu: Die Note sollte ohne Zweifel die sofor- !ige Entscheidung des Obersten Rats zur Folge haben, die Rheinstädte zu räumen, jedoch genügen Versicherungen der deutschen Regierung nicht. Die Kontrollkommission der Alliierten müsse erst bestätigen, daß die deutschen Truppen vermindert wurden, und auch über die Zahl und Natur der Truppeneinheiten in der neutralen Zone Bericht erstatten. Es findet sich bereits wieder ein anderer Vorwand, die Räumung des Maingaues zu verweigern. Es wird gemeldet:
tclb Paris, 28.. April. (Tel.) Die „Daily Mail" meldet aus San Remo: Die Konferenz entschied, daß die französischen Truppen Frankfurt besetzt halten würden, nicht mir bis die deutschen Streitkräfte bas Ruhrgebiet geräumt hätten, sondern auch bis Demschland die Entwaffnungsbestimmungen ausgcsührt und die 12000 Geschütze abgeliefert haben werde, die es entgegen dem Friedensoertrag noch besitze.
freubigteit ftattfänbe. In diesem Zusammenhang besprach der Abg. Granowski mit besonderem Nachdruck die Der- Ordnung des Kultusministers Haenisch bezüglich des S ch u l un t e r r i ch t s am 1. Mai, wonach es den Gemeinden freigestellt wird, schulfrei zu geben und wonach es Kindern und Lehrern onyeimgestellt wird, ob sie zur Schule gehen wollen ober nicht. Gegen diesen Geist, der jede Autorität schon bei den Kindern untergrabe, ging der Redner scharf an. Ist dieser Erlaß schon innerlich unhaltbar, so ist die Art seines Zustanbekommens im höchsten Grade verwunderlich. Denn weder das Parlament noch bie parlamentarischen Unterstaatssekretäre haben von dieser Verordnung Kenntnis erhalten. Dieses autofrafHdje Vorgehen des Herrn Ministers Haenisch erregt doch einige Verwunderung und nicht geringes Befremden. Es wäre künftig doch wohl empfehlenswerter, bei solchen Entschlüssen die eintägigen Instanzen nicht außer acht zu lassen.
Die sich ins Endlose anschließende Aussprache war bis zu ihrem Ende ziemlich erregt. Die Abstimmung sand durch Auszähluna statt. Bon den 304 abgegebenen Stirn« men stimmten 136 für die sozialistischen Anträge, 168 dagegen. Damit ist der 1. Mai als gesetzlicher Feiertagabgelehnt.
Für dielen Fall hatte der mehrheitssozialiltische Red- ncr den Generalstreik für den 1. Mai angekündet. Die sozialistische Erziehung der Mosien geht glso dahin, die Demokratie und ihre Mehrheitsbeschlüsie zwar im Munde zu führen, in bet Tat aber sie zu sabotieren. I D„s demokratische Empfinden der Herren Sozialisten geht mir so weit, als sie selbst an Mehrheitsbeschlüssen beteiligt sind. Der 1. Mai wird zeigen, ob die Mehrheits» sozialisten sich wirklich dieser Inkonsequenz schuldig machen wollen.
Dle Entscheidung von San Remo.
Die E r k l ä r u n g, die von den Alliierten am Schluß der Konserenz von San Remo angenommen ^urde. ist zwar immer noch in ziemlich scharfem Ton -chasten, und um dem französischen Rachegeist ein stuaeständnis zu machen, mit einigen Drohungen „ver- üett". aber der Schluß läßt darauf schließen, daß die Politik Nittis gesiegt hat und die Mehrzahl der Verbündeten zu der Ansicht gelangt ist, daß man mit der bisherigen Art und Weise, Deutschland zu behandeln, nicht sortsahren kann. Arn besten wird der Gerst der Erk'ärung durch das Urteil Betroffen, das ein Entente- jiplomat über sie gefällt hat: In der Form hat Millerand, in der Cache Nitti gesiegt.
Der deutschen Regierung ist die Erklärung noch nicht zupeaangen. Entgegen den Behauptungen der ßrüente bestreitet die deutsche Regierung, daß Dinge oorgekommen feien, die nickt in Einklang mit dem Fried'""'vertrag zu bringen sind. Der Vorwurf, daß wir die Heeresstärke nicht in dem ersord'licken Um» fange herabgesetzt hätten, trifft nicht zu. Die Stärke der Reichswehr betrug am 5. Februar 252534 Kann. Seitdem ist die Kopfzahl weiter zurückgegangen. sodaß sie anfangs April auf etwa 200 000 Mann «schätzt wurde. Diese Zahl soll aber nach dem Frie- bensDertrofl erst am 15. Mai erreicht sein. In der genannten Zahl sind die Freikorps einbegriffen. Unverständlich ist der Dorwurf, Deutschland habe sich wegen der Anschläge gegen Mitglieder der Entente- kommissionen nicht entschuldigt. Wir haben immer jede oernünftioe Genugtuung gewährt und werden auch weiter so bemüht sein. Wenn uns als böser Wille ange- ncknet wird, daß wir die Summe noch nicht fest gestellt hätten, *u deren Zahlung wir uns verpflichten wollen, so ist zu bemerken, daß uns eine Frist bis zum 10. Mai eingeräumt ist, innerhalb beten wir uns erklären können. Bis zum Ablauf dieser Frist werden wir unsere Vorschläge wachen und eingehend begründen. Die Alliierten erklären zum Säiluß, daß sie einen Bruch des Friedensvertraoes nicht dulden werden und falls es notwendig fein sollte, die Durchsührmig des Vertrages zu erzwingen und auch zur weiteren Besetzung deutscher Gebiete schreiten würden. Diese Drohung weist die Regierung mit aller Entschiedenheit zurück, denn sie ist nichts weiter als eine Drohung mit dem Bruch des Friedensverfrages. Im Friedensvertrag gibt es keine Stelle, bie unsere Gegner ermächtigen würde, nit kriegerischen Mitteln, und als solche ist eine Brechung anzufehen, gegen uns vorzugehen.
Deutsches Reich.
**Berlin, 27. April. Ter Rücktritt Dr.Bellt- toirb jetzt halbamtlich bestätigt. Gemäß der bei bei, Bildung des gegenwärtigen. Kabinetts getroffenen Ai beiten übe, nimmt der fuTere Reickskanzler, der jetz'ge Reichssckatz ekretäe Bauer, das Re'cksver- kehisministerium. DaS Reichsschatzministerium wird vor den Wahlen nickt mein: neu besitz!. Minister Bauer wird bis dahin das Amt kommissariich verwalten. — Pio'esior Dr. Ernst Fra n ke, der stellvertretende Borsitzende der Coziaiisierungskomnnssion, hat seinen Austritt erklärt. — Der deuisck fianzö» siicke Fernsprechverkehr wird am 1. Mai auf» genommen werden. — W e von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, haben in Ostpreußen Beurlaubungen und Surpendierangen fast a 11 er L a n dr ä t e (infolge des K PP-Pm ches) slattgefunden. — Der ehemalige König Ludwig von Boyern ist auf Cckioß Wildenwarth unweit des Chiemsee eingetrosfen, wo er von nun an fiänbii wohnen wird.
* Die sächsische Mnisterkrise. Die sächsischen Mehr- heitesoztaltsten beschlossen in ihrer Konferenz, den früheren sächsischen Kultusminister Buck für den Posten des erledigten sächsischen Ministerpräsidenten vorzuschlagen. Buck hat die Kandidatur angenommen. Die radikale Strömung unter den Mehrheit-sozialdemo- kraten, die sog. Chemnitzer Richtung, ist unterlegen.
* Tie Wahlen zum Thüringer Landtag werden am fclben Tage stat finden wir die Wahlen zum Reichstag, also am 6. Juni.
Verantwortlich iür den redaktionellen Teil: L. Schütte, I — — — -
n für die Anzeigen: I. Parze,ler-Fulda u I IHtttWOdlt 28. Rütli >920 Rotationsdruck n. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei m Fulda. I ♦ y v ww
Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung s_________
Fordernde Liebe.
< - Roman von Erich Ebenstein.
1.
■ Stumm stiegen sie die Treppe hinauf Daniela bleich, ihr Mann mit sichtlicher Ermüdung in den Zü- ära, eine nervöse Röte auf den Backen.
Ihre Wohnung lag im ersten Stockwerke eines mo» ®€tnen Neubaues, War groß, behaglich und elegant, Wie itch für einen jungen strebsamen. Arzt, bet bereits 7"iehnliche Praxis und zudem eigenes Vermögen be. i°B, ziemte.
»Dr. Egon .Heidlos, Univ.-Dozent, Frauenarzt/ ^raielas Blick ruhte nachdenklich auf dem b.'anken tckelschiitz, während iljr Mann die Wohnungstür auf* schloß.
Wie hatte fie sich vor einem Jahre gefreut, a's er »E hsir zum ersten Male als junge Frau über die Abteile führte und ihr das Schild zeigte,
Du jetzt, mein Süßes: Frau Dozent
Wie toci sie stolz darauf gewesen und glückselig! s uang fu hübsch I Aber das Beste war doch, daß sie -wandet rasend liebten!
e nun — ach Gott! Daniela unterdrückte einen tt^er. Mit finsterer Miene betrat sie den Flur, wo , en das Mädchen in weißer Latzschürze und Häub. ■cn mit freund.ichcm Graß enigegenkam.
„Guten Abend, Fanny," sagte Taniela matt und <« i b-mn gleich ins Schlafzimmer, ohne sich um den *en weiter zu bekümmern. •
Egon Heidlos trat in das Speisezimmer. Ah, hier / behaglich warm! Sie imitierten Holzb öcke im ims atn*n strahlten in roter Glut, lieber dem sauber appetitlich gedeckten Abcndtisch leuchteten die durch Unräte Seidenschirmchen abgeblendeten elek.r sch^n Ian et-c Perserteppiche dämpften den Schritt, ren über Polstermöbel und hingen in schwerem Fal- J-nirarr an den Türen.
T'sche — zwischen einer geöffneten Sar- , -vchie, Kaviarbrötchen und anderen kleinen Le.
—f ’lan^n *n -'nem schlanken Glaskelch duf- iunge Arzt nahm all dies mit mechanischem tu sich auf und die nervöse Röte auf seinen Wan-
Preutzische Landesversammlung.
Am Dienstag würbe zunächst bet Gesetzentwurf Groß-Berlin in namentlicher Schlußabstimmung mit 164 gegen 148 Stimmen angenommen. Ehe nun das Haus zu der am Montag begonnenen Aussprache über bie preußische Verfassung schritt, ftonben Anträge der Sozialdemokraten und Unabhängigen zur Beratung. Die Aussprache hierüber würbe jeboch so in bie Breite gesogen, baß als die Debatte beendet war, bie Zeit nicht mehr ausreichte, um bie drei jur preußischen Verfassung noch gemeldeten Redner der Demokraten, der deutschen Dolkspartei und des Zentrums ju Worte kommen zu lassen. Die Beratung über die preußische Verfassung wird also erst am Mittwoch zu Ende geführt werden. Aber es war ja zu erwarten, daß der Kampsum bie Maifeier bie Köpfe aus allen Seiten stark erhitzen würde unb es war deshalb mir zu natürlich, wenn bie Reden der einzelnen Abgeordneten von beifälligen unb mißfälligen Zwischenrufen unb von lärmenden Unterbrechungen begleitet waren. Sowohl die Mehrheitssozialbemo- traten als auch bie Unabhängigen forderten bie Einführung des 1. Mai als eines gesetzlichen Feiertages. Dies taten sie in einem Augenblick, wo das deutsche Volk alles andere eher nötig hätte, als die Hände in den Schoß zu legen unb nutzlose Feste zu feiern. Dies taten sie in einem Augenblick, wo jebe vollausgenutzte Arbeitsstunde uns vorwärts bringen könnte, wo unser Wirtschaftsleben geradezu nach angestrengtester Arbeit schreit, wenn wir überhaupt vorwärts kommen wollen. Hier zeigt es sich deutlich, daß eine in bie Maffeiz, der Kopse eingehämmerte Parteischablone bie Führer zwingt, vielleicht selbst gegen die eigene bessere Erkenntnis, ihr nachznlaufen. Es entspräche doch wirklich bem Ernst der Zeit und dem Interesse bes gesamten Volkes und der gesamten Wirtschaft, ran Experimenten dieser Art abzusehen unb nicht danach zu streben, durch einen Ruhetag, an dem bas gesamte Wirtschaftsleben stillstehen soll, nur jur weiteren Erschütterung dieses Wirtschaftslebens beijutragen.
Diesen Gebankengängen gab der Redner des Zentrums, der Abg. Granowski, lebhaften Ausdruck, indem er noch besonders hervorhob, daß wir in den letzten Wochen und Monaten genug Zwangsfeiertage gehabt hätten und daß die beste Maifeier diejenige wäre, wenn eine gewaltige Kundgebung für Pflichterfüllung unb Arbeits-
des Gesetzes vorgegangen Würde. Tas ist eigentlich । eine Selbstverständlichkeit, denn was die Unabhängigen mit ihrem Antrag verlangen, ist nichts anderer, als eine Rechtsbeugung, und auch die Unabhängigen können nicht für sich in Anspruch nehmen, baß ihre Freunde mit einem anderen Maße gemessen Werden, als die Rädelsführer des Kapp.PutscheS, deren Bestrafung auch die Unabhängizen verlangt haben. Eine allgemeine Amnestie für die Vorgänge im Ruhrgebiet Wäre letzten Endes nichts anderes als ein Anreiz zu neuen Putschversuchen, und es Wird gewiß zur Beruhigung der Bevölkerung des Richrgebietes beitragen, daß die Reichs, regierung durch den Mund bes Justizministers die un. nachsichiliche Strafverfolgung der Rädelsführer ang> kündigt hat. Von der Regierung darf erwartet werden, daß sie sich nicht durch das Geschrei der Unabhängigen von diesem Wege ebbrängen lassen wird Sie hat eine feste Stütze in der überwiegenden Mehrheit des Hauses. Vom Zentrum sprach der Abg. Gilsing, der sich mit aller Entschiedenheit gegen jede Amnestie, gegen den Mai. feiertag und gegen die Auszahlung von Lohn und Gehalt für bie Tage bes Generalstreiks aussprach, Tie Einführung bes 1. M a i als gesetzlichen Feiertag wurde schließlich gegen die beiden sozialistischen Par- teien abgelehnt, desgleichen der Amnestieantrag der Unabhängigen.
Neben den genannten Anträgen bildeten noch eine ganze Reihe anderer Fragen den Gegenstand der allg:. meinen Aussprache, sodaß die sich allmählich in eine Diskussion über alle möglichen Einzelfragen her or. Darunter nahm die Frage der Kriegsgesell» schäften eine größere Rolle ein; fast alle Redner verlangten energisch deren schleunigste Auflösung. Fer. ner wurden berührt die Frage der Kanalisierung des Neckars, die Explosionskatastrophe bei Rothenstein, die Aufdeckung eines Geschützdepots bei Stettin unb vieles andere mehr. Dann wurde endlich die allgemeine Aussprache geschloffen. Ter Noletat wurde angenommen.
Mittwoch: Besoldungsgesetz, Tumultschadengcsetz.
„Im Schlafzimmer, Herr Dozent."
„Ncch nicht fertig mit dem Umkleiden?"
„O doch ... ich glaube schon . . .
Byon Heidlos runzelte die Stirn . . . Aha, sie trotzte! 28artete darauf, daß er sie holen Jam! Wie lästig und ermüdend diese sich immer wiederholenden Szenen waren . . .
„Warten Sie noch mit dem Aufträgen, bis ich klingle," sagte et unwirsch. Tann ging er hinüber ins Schlafzimmer.
Tort war es dunkel. Aber bie Bogenlampe von bet Straße unten beleuchtete Tanielas schlanken Ober, körper ziemlich deutlich. Sie faß am Fenster, hatte den Kopf in bie Hand gestützt und rührte sich nicht, als ihr Mann eintrat.
Er hatte eigentlich in liebevollem Ton reden wollen. Aber er kam nun merklich ungeduldig heraus: „Was soll das, Daniela? Was tust Tn hier? Warum kommst Tu nicht zum Effen hinüber?"
Ein schwerer Seufzet. „Weil mit bet Appetit vergangen ist!'
„Darf man fragen — warum?'
„Tas wirst Du wohl selbst am besten wissen!"
„Nein, ich weiß es nicht!'
„Um so trauriger. Wenn ein Mann nicht einmal bas Gefühl dafür hat, daß er feine Frau vernach. läjjigi —'
„Ich hätte Dich vernachlässigt? Ach? Tu träumst wohl, Daniela! Wann denn? Wodurch?"
„Ach, Tu tust es ja immer in der letzten Zeit! Tu merkst es garnicht mehr. Mer heute nach dem Vortrag war es besonders kratz. Alle Welt muß es bemerkt haben, und ich schämte mich so . . . o Gott, ich bin so unglücklich!' Sie brach in Tränen ans.
Et war einen Augenblick sprachlos. Tann gewann die Ungeduld wieder Oberwasser.
„Willst Tu nicht wenigstens so gütig sein. Dich deut, kicher auszudrücken unb mir sagen, was ich nach Deiner Meinung toieber verbrechen habe?" fragte er m t mühsam uniterbrütfter Gereiztheit.
„Was! Tein ganzes Benehmen wat abscheulich! Ms Mama und ich Dir als erste gratulieren wollten, hast Tu uns garnicht angehört unb bist g'eich zu MarkwartS gelaufen. Unb bann so fort von einem zum andern mit Händeschütteln unb Lächeln und freundlichen Worten! Für alle spieltest Tu den Liebens-