Einzelbild herunterladen
 

47. Zahrg

Dienstag, 27. flpru 1920

Nr. 97

naget

I

r

s

4

7

g

i

i

4 i

n r

d 8 ii

n

11

Frauen und deren Organisation sind besondere Richt­linien vorgesehen. Daß Korfanty selbst mit diesen Ge­heimbefehlen irgendwie in Verbindung steht, geht schon daraus hervor, daß der am 16. April erlassene Mfehl zmn Teil mit dem oben erwähnten Hetzaufruf über­einstimmt. Gerade aus diesem Befehl geht auch her­vor, daß sowohl die polnische Regierung, wie die. Oppelner Kommission der alliierten Mächte von diesen Geheimorganisationen Kenntnis gehabt haben, da es heißt: „Unsere Sache gelingt ganz be­stimmt, da der Vizeminister des polnischen Reiches, Pablowski, welcher die Abstimmungsangelegenheiten in Oberschlesien an sich genommen hat, mit der Kom­mission der alliierten Mächte die Vereinbarung getrof­fen hat, daß sie uns y jeder Zeit im Kampfe gegen die deutsche Verschwörung mit den Kocrlitions^ss^ten helfen wird."

Es ist zu hoffen, daß es jetzt endlich gelingen wird,, dem Treiben des sogen. Plebiszitkomitees ein Ende zu machen. Korfanty und seine Anhänger haben sich ent­hüllt, cm der Ententekommission ist es jetzt, di» von ihr verbürgte Ruhe in Oberschlesien wirderherzustellrn und ein unbeeinflußtes Abstimmen über das Schicksal dieses Landes zn ermöglichen.

Bezugspreis: Monatlich 2,00 M. ohne Zustellgebühr. In Fuda bei uns abgeholt 2,10 2RL Anzeigenpreis: DieKteinzeile (Colonelmatz) 50 Psg„ u 10" » Zuschlag, die Reklamezeile (Textbreite) 1.50 Mk, u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

Wühlereien -er Polen in Oberschlesien.

Daß die Polen in Oberschlesien eine ausgedehnte und wohlorganisierte Propaganda eingerichtet haben, ist aus vielen Aeußerungen der polnischen und deut­schen Presie dieses Landes bekannt gewesen. Der Führer der polnischen Propaganda, der bekannte frü­here Abg. Korfanty, hat in Beuthen ein« Art Haupt­quartier aufgefchlagen und dirigiert von dort die ganze Aktion. Daß er nicht immer mit den vornehmsten Mitteln operiert, war vor ganz kurzer $eit aus dem Aufruf ersichtlich, in welchem er allerlei Dinge behaup­tete, die vollkommen aus der Luft gegriffen waren, z. B. stand darin, daß die Deutschen durch Judenpro- grome, Verschwörungen und Anzettelung von blutigen Unruhen Oberschlesien „unter dem deutschen Joch" er» halten wollen. In diesem von Fanatismus zeugenden Hetzaufruf steht auch noch folgender Satz: „Wir ken­nen Eure Geheimbünde und Verschwörungen, wir wissen, daß Ihr Waffen verbergt und aufkauft, wir kennen Eure verborgenen Anführer und ihre Pläne." Diese und noch andere leere Beschuldigungen wurden von polnischen Agitatoren in der gewiffenlosesten Weise verbreitet.

Run ist die deutsche Presie Oberschlesiens in der Lage, eine Anzahl p o l n i s ch e r G e h e i m b e f« h l c zu veröffentlichen, die außerordentlich belastend für die großpolnischen Umtriebe sind. Aus diesen streng ver­traulichen Befehlen geht auf das klarste hervor, wer in Oberschlesien Geheimbünde gründet, Waffendepots ein- richiet und Verschwörungen anzettelt. Die Polen haben eine ganz umfassende militärische Organisation einge­richtet, zu der sie besonders die Sokol- bezw. Sport­vereine benutzen. Von diesen ausgehend, soll das pol­nische Heer reorganisiert werden, Mobilisationslisten werden ausgestellt, politische und militärsiche Nachrich­tenabteilungen werden gegründet, militärische Uebun- gen sollen geheim abgehalten werden, ja sogar für die

ik !e> le L, ?!

D

* Rücktritt Generals Watten. General v. Watter, Befehlshaber des Wehrkreises 6 in Münster, ist auf seinen Antrag von seiner Dienstleistung ent­hoben worden.

* Kapitän Ehrhardt und seine Brigade. Im Munsterlager ist gestern eine Kommission des Reichs- wehrministeriums eingelroffen, um den Haftbefehl gegen Kapirän Ehrhaidt zu vollstrecken. Sie mußte aber unverrichteter Dinge abziehen, da die Brigade den Zugang zum Lager verweigerte.

• Die fertigen Franzosen. Nach englischen Blälter- meldungen halten in Lonvon die Proteste gegen die Verwendung farbiger Truppen im besetzten Gebiet weiter an. Im englischen Oberhaus erklärte die Regie- rung, datz England auf-die Verwendung schwarzer Be­satzungstruppen in Deutschland keinen Einfluß habe.

Frage, ob di« eingeleitete Steuerreform unter den ob­waltenden Verhältnissen notwendig und nützlich war, wenn sie auch vielfach unliebsam empfunden wurde. Es kommt auf die Sache an, und nicht auf die Person.

Herr Dr. W i r t h ist ein bewährter und anerkann­ter Sachverständiger, dem man weder den üblichen Vorwurf des „Dilettantismus" machen, noch sonst einen Verdachtsknüppel zwischen die Beine werfen kann. So­mit muß das ganze Volk, wohl oder übel, sich mit seiner Ankündigung absurden, daß zur Deckung des großen Fehlbetrags noch weitere Steuern notwen­dig sind, namentlich auch die noch ausstehend« Besitz- steuer.

Beruhigend für weite Kreise wirkt die bestimmte Ankündigung, daß die kleinen und mittleren Vermögen nach Möglichkeit geschont werden sollen. Den Schutz des schwer ringenden Mitte I st a n d e s halten wir für eine Hauptaufgabe, wenn die Finanz- und Wirtschaftspolitik überhaupt wirklich sozial, auf­bauend und nicht ruinierend wirken soll.

Sehr zeitgemäß ist die Mahnung, daß jeder Bür­ger sich klar werden soll über die schlimme Finanzlage. Danach muß er sein Urteil einrichten, nicht nur über die Steuern selbst, sondern auch über den Aufwand, den er sich in seiner Lebensführung vernünftiger Weise gestatten darf. .

Sparsamkeit und Fleiß! Das ist immer das Ende von allen Reden der Minister und Erwä- gungen der Bürger. .

Die Wähler werden erkennen, daß wir sowohl gegenüber den feindlichen Machthabern wie im eigenen Wirtschaftsleben am besten fahren, wenn wir nicht auf Abenteuer ausgehen, vielmehr die Parteien un­terstützen, die eine ruhige Weiterentwicke- l u n g an streben. ■

Don unserer Finanzlage

hat die gestrige Rede des neuen Reichsfinanzministers Wirth in der Nationalversammlung dn schrecken­des Bild vorgeführt.

Es ist offenbar kein Zufall, daß der Finanzminister das tat in dem Augenblick, wo die Gewalthaber der Entente wieder beraten über den Umfang und die Form des Tributs, den sie von Deutschland for­dern. Die Gegner müssen mit der Leistungs- f ä h i g k e i t Deutschlands rechnen; sonst ist ihr Hof­fen und Fordern vergebens. Denn wenn man Deutsch­land durch maßlose Ansprüche in den Bankerott treibt, so gilt der alte Spruch, wonach auch der Mächtigste dort sein Recht verloren hat, wo nichts ist. Nichts ist jetzt zeitgemäßer, als daß wir be» Rechenkünstlern der Entente einen Haren Einblick geßen über die Gren­zen unserer finanziellen Kraft.

Die Machthaber und ihre begierige Gefolgschaft können die Darlegungen des deutschen Finanzministers um so weniger beanstanden, je klarer er den Willen erkennen läßt, ehrlich und opferwillig alles zu leisten, was in den Kräften des deutschen Volkes liegt. Das bezeugen feine Mahnungen zur Sparsamkeit, zur vollen Durchführung der begonnenen Steuer­reform und zur Steigerung des deutschen Ar­beitsfleißes.

Herr Dr. Wirth fetzt mit frischen und freien Kräf­ten fort, was Erzberger begonnen hat. Er zollt« fei­nem Vorgänger eine sehr warme Anerkennung für seine Aktion, was Verständnis finden wird überall dort, wo man die anstößigen persönlichen Streitpunkte gebührend zurücktreten läßt hinter der entscheidenden

der Konferenz vom Samstag und über die Unterredung zwischen Lloyd George und Millerand vom SamAag vormittag beißt e5: Die Unterredung, drehte sich in der Haupsache um folgendes: „Tie Konferenz von San Steno wird auf die beiden ungemein wichtigen deutschen Noten über die Ermächtigung zur Unterhaltung deut­scher Truppen in der neutralen Zone und über die Vermehrung des stehenden Heeres auf 2 0 0 0 0 0 Mann antworten. Aber bevor der Rat sich über die Frage der Heerosvermehrumg schlüssig wird, wird er von der deutschen Regierung einen Be. weis des guten Willens verlangen, datz sie bestrebt ist, die militärischen Bedingungen des Vertrages bezüglich der Herabsetzung der Hceresstärke und der Waffe nab. lieferung auszuführen. Wenn durch eine gründliche Untersuchung die Notwendigkeit einer Heeresverme»- rung durchaus erwiesen wird, werden die Alliierten darüber entscheiden, auf welche Weise der deutschen For­derung ftattzugeben ist. lieber die von Deutschland zu verlangende Wiedergutmachung wird in San Remo keine Ziffer festgesetzt werden. Es scheint, daß sich der Oberste Rat auch nicht mit der russischen Frage be. fchäftigen, wird." — Lloyd George erklärte einem Ver­treter der Agentur Havas, daß eine völlige Einigung zwischen den Alliierten erzielt sei.

Die deutsch-velgische Grenze.

Wegen des bekannten Bejchlusies der Kommission zur Festsetzung der deutsch-belgischen Grenze, wonach im Widerspruch zu den Bestimmungen des Friedens­vertrages und zu dem einmütigen Willen der Be­völkerung die Eisenbahnlinie Raeren-Kalten« herberg, die einzige Bahn in dem rein deuischen Kreise Monschau und damit ein Gebiet von 7500 Hektar mit 2000 deutschen Einwohnern dem belgi­schen Staate zugesprochen werden soll, übermittelte die deutsche Regierung der Friedenskonferenz, dem Völkerbünde und den Regierungen der Feindstaaten eine ausführliche Protestnote.

Verantwortlich für den redaktionellen Teil: <£. Schutte, r. für die Anzeigen: I. Parze!ler-Fulda. Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei In Fulda. Ferniprecher Rr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung.

Deutsche Nationalversammrung.

Finanz» und ErnährungJsorgen waren am Montag Gegenstand der Verhandlungen der Naüonalversmnm- lang. Der Rote tat gab zwei Ministern Gelegen­heit, gleich zu Beginn der Sitzung zu einer Programm, rebe das Wort zu ergreifen. Der neue Reichsfinanz- minister Dr. Wirth schte in Überaus eindrucksvoller Rede die trotz ihrer langen Dauer vom Anfang bis zum Ende das Ohr des Hauses hatte, dem Hause die

Finanzlage des Reiches auseinander. Diese ist erschreckend ernst, ~ Statt 17% Milliarden Ausgaben, die man noch im Vorjahre als Normalbedarf angefeüen hatte, sind in ordentlichen und außerordentlichen Ausgaben mehr a!s das Doppelte, nämlich 3 9,6 Milliarden erforderlich. Das sind gewaltige Ziffern und für sie gilt es Deckung zu schaffen. Die netten Steuern, deren sozialen Cha rat. ter der Minister Wirth mit besonderem Nachdruck her- vorhob und für deren einheitliche Gestaltung er seinem Vorgänger Erzberger Dank abstattete, reichen bei wei­tem' nicht audiese gewaltigen Summen zu decken. Die jetzigen Zustände sind nicht länger zu ertragen. Auch nach der ungeheuerlichen Erhöhung derPosttarife wird die Reichspost mehr al? 1 Milliarde Defizit halten. Bei den Eisenbahnen wird der Fehlbetrag allein für 1920 auf zwölf Milliarden Marl, geschätzt. Wie soll das enden? Der Reichsfinanzminister wies ganz zu. treffend darauf hin, daß von einem gewissen Zeitpunkte an die Einnahmen eben nicht mehr wachsen, sondern sinken. Dann frißt der Verkehr sich selber aufl Die Konseguenzen dieser Fehlbeträge können dem Volke nicht scharf genug vor Augen geführt werden. Wie entsetzlich die Situation ist, mag aus der nicht mistzu­verstehenden Deußerung Dr. Dörths hervorgehen, , datz der schrecklichste der Schrecken die Verpfändung dieser wichtigen Vetriebsorganisasionen des Reiches an frem­des Kapital wäre! Man braucht an diese Aussicht nur zu erinnern, um im Innersten zu erschauern. Man möchte sich auch dem Wunsche des Reichsfinanzministers anschließen, daß die furchtbaren Zahlen, die er anfüh. ren mußte, an den Türen und Pforten aller Versamm­lungslokale, in denen neue Gehastsforderungen erhoben werden. Nur noch ein kurzer Blick in Einzelheiten:

DaS Ergebnis von San Remo.

Ne Konferenz sollte gestern den endgültigen Wort- stut der Antwort auf die letzten deutschen Noten fest- ietzen" und sich dann bis Mitte Mai vertagen.

I Mhrschcinlich wird, wie gemeldet, Brüssel als «chster Versammlungsort bestimmt werden für den cLfl' daß die Teilnahme des deutschen Reichskanzlers sine' Ortsverönderung ratsam erscheinen lassen sollte.

s Die Nachrichtest über die Abmachungen in San Remo ; aJ) 'noch recht widerspruchsvoll, jedoch lassen sie der Hoffnung Rcnmi, daß unter Führung von Nitti und l ^2) George eine Politik mäßigeren Charakters ein- -kseßt habe. Die von den Franzosen vertretene unter

Gesichtspunkt des Rachegefühls diktierte Stellung­nahme Deutschland gegenüber scheint nunmehr in ein ruhigeres Fahrwasser vernünftiger, die wirklichen Lerhältmste berücksichtigender Erwägungen ringe« jiiinfcet. Jeder -leidenschaftslose, ruhige Beurteiler maßte sich ja schon längst sagen, daß der Ruin Deuisch- hMds als des wirtschaftlichen Herzens Europas, zu- aleim auch dm Ruin Europas überhaupt nach sich riehen wird. Diese Erkenntnis, die sich nunmehr auch ja England und Italien spät durchzusetzen beginnt, und die Erkenntnis, daß die Entente eine völlige Durch- «hnmg aller ihrer Ansprüche niemals, und erst recht nicht von einem wirtschaftlich ohnmächtigen Deutsch­land hätte erreichm können, diese Einsicht hat wohl in erster Linie zu einer Eindämmung der Rachepolitik geführt. Ohne Meinungsverschiedenheiten und Ver­stimmungen besonders zwischen Frankreich einerseits und England und Italien anderseits ist es naturgemäß nicht abgegangen. Das haben auch die Vorgänge ge­zeigt, die sich gelegentlich des Einmarsches der Fran­zosen in den Maingau unter den Ententemitgliedern ereignet haben. Es wurde da offenbar, daß England und Italien nicht gewillt waren, durch Dick und Düim mit der Haß- und Gewaltpolitik der Franzosen mitzu- xehen. ,

Wenn man den neuesten Meldungen trauer, darf, st> steht es fest, daß Frankreich auf militärische Zwangs­maßnahmen gegenüber Deutschland verzichten und dm wäerrechtüch besetzten Maingau räumen fett. Damit wäre Frankreich verdienterweise in seine TchrMken zurückverwiesen. Ferner erfahren wir aus den Verhandlungen in San Remo, was für f i n a n - zielle Forderungen die Alliierten an uns zu stellen beabsichtigen. Der Zustand der Ungewißheit über die Ententeforderung war eine dauernde Beun­ruhigung für unsere ohnehin nichts beneidenswerte Fjnanzlage. Solange wir nicht wußten, was man ton uns forderte, war all unser Hm- und Herrechnen gleichsam, so bitter es auch ist, dies auszuspreckzen, eine Rechnung ohrm den Wirt: jetzt liegen bestimmte Vor­schläge oer. England will eine Entschädigung von 5 0 Milliarden anfetzen, Frankreich dagegen für den Zeitraum von 30 Jahren jährlich mindestens 3 Milliarden. Die Entscheidung hierüber steht noch aus. Wie weit man in der Entente geneigt ist, der Rote der deutschen Regierung vom 21. April über die bauernbe Beibehaltung des Zweihunderttau- send-Maun-Heeres Gehör zu schenken, darüber läßt sich zur Zeit noch fein abschließendes Urteil fällen. Rach französischen Blättermeldungen wird das deutsche Ersuchen ab gelehnt und die Durchführung der Übrigen Bestimmungen des Friedensvertrages ver­langt, die sich auf die Auslieferung und Zerstörung des Kriegsmaterials beziehen. Sollte sich jedoch Her­ausstellen, daß eine Friäwnsarmee von 100 000 Mann nicht genügt, um die innere Ruhe zu sichern, so würden ibie Regierungen der Entente es nicht ablehiren, später die entsprechenden deutschen Vorschläge für eine Ver­stärkung der Polizeitruppen ernstlich zu

| _ fo£6 San Reim«, 26. April. In einer amtlichen Hadasmeldirng über die Ergebnisse der Verhandlungen

Ter Arbeit Lohn.

39 ___

^(Schluß.)'

... einkanc, alte Mann am Eingang erbebte wie vom

bieberftoft geschüttelt. Sein Haupt sank tiefet auf die . '“ruft heral>, krampfhaft falteten sich die knochigen Hände über der Krücke seines Stockes.

Sa lauschte er dem frommen Gesänge, welcher die gliche Handlung der laufe beendete. Dann schlich er #<1t>er an das Haus heran: die Düren zu der Halle standen offen, fröhliches Stimmengewirr, Lichterglanz und 2uft der Tannengirlanden drangen heraus und um» schmeichelten den Einsamen mit sanften Grüßen.

Langsam, scheu sich umblickend, erstieg er die Stufen ' Treppe, die zum Schloß hineinführte: am Eingang der buch er stehen und starrte mit geisterhaften Augen j ?en festlich geschmückten Raum hinein, während ihm die tQTOn über die Wangen herabliefen.

Dor mit brennenden Lichtern geschmückten Miar I 5?® ®belßarb, auf dem Arm ein Knäblein, das die r rmch schimmernden Lichtern ausstreckte, und : jj* lubelnde Kinderschar umdrängte 'die junge Frau, je. :. mc®e ihr die Geschenke zeigen, die es empfangen, ,. wEe ihr die Hand küssen, jedes wollte dem Knäl>- etwas schenken oder sein Händchen fassen.

* 3*rn(d)en den Männern und Frauen ging, von i w Pfarrer und dem Lehner begleitet, Harald einher - tel freundlich mit jedem und drückte einem jeden * Hand.

pe; ^htlich, hier wurde ein wahrhaftes Fest der Liebe , Der einsame Mann draußen an der Tür mußte

^anHammem an den Pfosten, daß er nicht m bie Kniee L . ousschluchMd das Gesicht in die Hände verbarg.

Platz für Dich," murmelte er zwischen CieS^ Eifeinander gepreßten Zähnen. „Hier maltet die * und in Deinem Herzen wohnt der Haß —\ ’p-, 1Ccrte sich 'n fröhlichem Tmnult die . Halle: ty;.;'6*2 Een an dem einsamen, allen Manne an der vorüber, ohne ihn zu beachten. Manche der Kinder ft,,,?,1 ‘\n m*t scheuem Erstmmen an, andere wieder mit I cht und Crschreckeiz.

tbrr- v? ™ b*e Kniee gesunken und schluchzte in die ha- t sich L- ei2?m Hände hinein. Es war il>n nicht mög- i ' ‘ntT Bewegung Herr zu werden, denn dieses Fest

der Liebe hatte das Eis seines Herzens aufgetaut. Fas- funaskoS lag er da.

Da trat ein kleines, ärmlich gekleidetes Mädchen auf ihn zu, das Püppchen, das es 3um Geschenk erhalten, fest an die Drust gedrückt.

„Warum weinst Du, armer Mann?" fragte das Kind. „Heute. darf man nicht meinen, heute ist Ostern. Oder hast Du noch kein Geschenk erhalten? Komm, ich will Dich zu der Leben, guten, gnädigen Frau führen, sie schenkt Dir gewiß auch etwas.*

„Ich brauche nichts, mein Kind,* flüsterte der <Ce Mann mit bebender Stimme.

Der alte Friedrich stand in der Nähe und beobachtete die Szene.

Dann trat er aus den Fremden gtr.

„Wer seid Ihr? Wollt Ihr cm Almosen, so kommt mit zur gnädigen Fran.*

„Em Almosen ... ja, ein Almosen der Liebe —* schrie la der Alte plötzlich auf streckte die zitternden Hände empor mtb brach dann bewußtlos zusammen.

Scheu wichen die Menschen von ihm zurück. Der Kutscher richtete ihn gerade empor, als Harald näher trat, um zu fragen, was geschehen sei.

Friedrich blickte in das leblose Gesicht des Men und ein heftiger Schreck durchzuckte ihn.

Er kannte diesen Mann — er hatte ihn, ter jetzt als Bettler vor ihm lag — in reichen und glanzenden Verhältnissen gesehen.

„Herr Daran ... nm Gottes willen . . -. sehen Sie doch nur! Ich täusche mich nicht! Lassen Sie die Leute fortrxhen! Sie brauchen es nicht zu wissen, wer hier elend und arm an Ihrer Schwelle liegt.*

Harald beugte sich über den Bewußtlosen und fuhr erschrocken empor.

Auch er hatte den alten Mann, 'en Vater seines Weibes erkannt!

Rasch faßte er sich.

»Geht, Leute,* wandte er sich an die Umstehenden. „Geht und feiert ein recht fröhliches Osterfest. Für diesen armen, alten Mann werde ich sorgen.*

Und die Leute entfernten sich, erstaunt die Köpfe schüttelnd über die ernste Erregung des Barons.

Harald blickte sich nach Edelgard um. Sie hatte bereits die Halle verlassen, ohne von dem Vorfall etwas bemerkt zu haben.

„Laßt uns ihn zu Bett bringen, Friedrich*, sagte der Baron ernst zu dem Kutscher. »Bleibe Du bei

ihm, ich will meine Frau benachrichtigen. Welch ein Schicksal mag den Mann hierhergeführt haben?*

Sie hoben den noch immer Bewußtlosen auf und trugen ihn in ein Nebenzimmer, wo sie ihn auf ein Bett niederlegten.

Unter der Pflege der alten Haushältern itrtb Fried­richs erholte sich LyniXn nach und nach, aber seine Kraft war erschöpft, er blickte erstaunt um sich, sprach wirre Worte von Glück und Unglück, das ihn zum armen Mann gemacht, zum Bettler — um nach einem ParoxiSmuS der 2Biit wieder in Dewußjlosigkeit gu versinken.

Harald ging zu Edelgard, die, ihren Knochen auf dem Schoß haltend, glückselig zu ihm aufblickte.

„Du bleibst so lange, Harald,* sagte sie, doch sie verstummte vor dem ernsten Ausdruck seines Gesichtes

„Ist etwas geschehen?* fragte sie besorgt.

„Edelgard*, versetzte er bewegt, „es ist uns heute eine große Gnade zuteil geworden — ein Geschenk des Himmels, an dem wir die Stärke und den Mut un- serer Herzen prüfen können.* 1

„Was ist «S, Harald? Du wirft mich stark finden.* „Dein Vater ist zurückgekehrt!*

„Mein Vater?* 7 " ■*- - 7Jr.

„Beunruhige Dich nicht, — gib das Kind der Wär­terin und dann höre mir zu.*

Edelgard brachte das Kind fort, dann kehrte sie in zitternder Erregung zu ihrem Gatten zurück.

„Du hast Nachricht von meinem Vater?*

„Fa . . . doch, Edelgard, Du mußt Dich auf eine Ueberraschnng — ja, auf einen großen Schmerz ge­faßt machen. — Dein Vater ist krank, elend und arm zurückgekommen. Wie ich aus seinen wirren Reden vernahm, hat er sein ganzes Vermögen in einer ver. unglückten Spekulation verloren —*

„Du hast ihn gesprochen?* ;

„Ich komme von ihm — er weilt unter nnseten Dache.* •• .-*>

Ta blickte sie ihn mit großen, starren Augen an.

„Er ist zu Dir gekommen?*

„Ja.* 4 '

„Und Du — Du hast ihn ausgenommen?*

„Er ist Dein Vater — und dann — er ist elend und arm!* ' 1

Da stürzte sie auf ihn zu, ergriff seine Hände und ehe er? verhindern konnte, küßte sie diese und benetzte sie. mit ihren Tränen. „C Du — Du —*

Weiter vermochte sie nichts hervorzubringen, schliß zend hing sie an seinem Halse.

„Willst Du mm Deinen Vater sehen?* fragte er sanft und tief bewegt nach einer kleinen Weile.

„$a Harald — aber nicht ohne Dich. Führe Drr mich zu ihm — Du Guter, Tu Edler!*

„Ich bitte Dich, sprich nicht so. Am heuttgen Tage soll alles vergessen fein, was die Vergangenheit an Haß und Neid, an Qual und Leid barg. Komme, Dein Vater erwartet uns.*

Hand in Hand traten sie an das Lager des alten, gebrochenen Mannes, der in unruhigem Schlummer ruhte.

„Ich will die Nacht bei ihm wachen, .Harald.*

„Tue das, mefr. Sieb. Und wenn er erwacht, so sage ihm, daß er eine Heimat gefunden hat.*

Er strich zärtlich und weich über das braune Haar seines Weibes, das sich noch einmal innig an ihn schmiegte. . ,

Dann entfernte er sich still.

War Vater und Tochter in dieser Nächst zusammen gesprochen, das hat niemand erfahren.

Noch einmal bäumte sich der alte Stolz und Trotz in dem gebrochenen Manne auf, et wollte wieder fort, er stieß die Hand zurück, die ihm den Labetrunk reichte, er verfluchte sich und sein ganzes Leben.

Aber vor der Macht der Liebe erloschen die Flam, men seines Trotzes allmählich; wie ein kleines Kind weinte er in den Armen feiner Tochter, um dann in den tiefer. Schlaf der seelischen körperlichen Erschöpftmy zu sinken.

Strahlend siüeg die Sonne über Ser in Blüten ftebcr'>cn Erde empor und im feierlichen Chor erklan­gen di» Mocken der Kirchen.

In d': Arme des Vaters legte Edelgard ihr Knäb- Ice» und der Alte küßte ihn und weinte heiße Tränen übet ibn.

!!.•*> drrus.e» vor d.m Fenster sang eine Amsel von der Cfterfnnne, elche die ll acht besiegt, von dem Früh­ling, der die Herzen der Menschen mtt neuem G'ück er. füllt, »a? dem i nie n, knospenden Leben, ba,. über den Tod trnnnphtet, von d.r Auferstehung der Natur und der ewi^» .Itebe, die m H in dem erhärteten Her- gen des alten Mannes ihre Auferstehung feierte.