Nr. 96.
Verantwortlich für den redattionellen Teil: <E. Schütte, ~ für die Anzeigen: 5. Parzellrr-Fulda. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung.
Montag, 26. SprN 1920.
Bezugspreis: Monatlich 2,00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 2,10 Mk. Anzeigenpreis: DieK lcinzeile (Colonelmah) 50 pfg„ u. 10°/e Zuschlag, die Reklamezeile (Textbreite) 1.50 Mk., u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.
47. Zahrg.
Unser tägliches Brot.
Die Botschaft von dem Abkommen mit den amerikanischen Packern, das uns Brotgetreide, Fleisch, Speck, «chmalz, Milch und sogar lebende Schweine und Rin- jcr' in Aussicht stellt, klingt schön in allen hungrigen Ohren. Um so mehr, da gleichzeitig berichtet wurde, auch ein Abkommen mit Holland über Lebens- oiiltel für 25 Millionen Gulden ratifiziert worden sei, and daß obendrein die Rrichseinfuhrstelle die jüngste Erl^lung unserer Valuta ausgenutzt habe, um für ntff-,' als drei Milliarden Mark Abschlüsse in Lebens- mii4dn gegen Kassazahlung zu tätigen. (Holland und Amerika sollen nämlich auf Kredit liefern.)
Wenn man alles zusammenrechnet, kommt die «ehr stattliche Ziffer von 6% Milliarden Mark heraus. Da könnte man denken, jetzt sei das fette Lahr angebrochen, und wir könnten setzt die Unterernährung durch üppige Mahlzeiten ausgleichen. Aber schon im Evangelium heißt es: „Was ist das unter so vielen." Wenn wirklich alles geliefert wird, was uns für 6 X Milliarden verheißen ist, so entfallen auf dm Kops der deutschen Bevölkerung neue Lebensmittel im Werte von 100 Mark, auf eine Familie von Safer, Mutter und drei hungrigen Kindern also eine Lieferung für 500 Mark. Bei den jetzigen Preism ist davon (eine Prassern zu befürchten.
Was uns das Ausland liefern will, wird gerade ausreichen, um den F e h l b e t r a g zu decken, der uns für die letzten drei Monate des Erntejahres bedrohte. Wir können jetzt aufatmen, wollen aber ja nicht übermütig werden. Es ist alles nur ein Notbehelf. Wir leben nach wie vor von der Hand in den Mund, so lange nicht die einheimische Landwirtschaft wieder auf die alte Höhe ihrer Leistungsfähigkeit gelangt und die Zufuhr aus dem Auslande in regelmäßigen andauernden Fluß kommt.
Ob wir den Notbehelf wirklich ausnutzm können hängt noch ab davon, daß die Ruhe im Innern gewahrt wird. Die Kapp-Revolte hatte schon das Abkommen verzögert; neue Revolten, mögen sie von rechts oder von links kommen, würden die Zufuhren wieder ins Stocken bringen. Um halbwegs satt zu werden, müssen wir politisch vernünftig sein, und das auch bei den nächsten Wahlen betätigen.
Ferner brauchen wir Arbeitsfleiß, damit unsere Ausfuhr steigt und der Wert des deutschen Geldes wenigstens nicht noch weiter sinkt. Dmn das Ausland schenkt uns nichts, sondern will bezahlt werden, und wir können auf die Dauer die fremden Lebensmittel nicht bezahlen, wenn wenn wir nicht Waren ins Ausland ausführen.
Endlich ist noch erforderlich, daß die ausländischen Lebensmittel nicht in die Hände der Schieber gelangen und auf dem nicht ungewöhnlichen Wege des Schleich- handcls denjenigen entzogen werdm, die sie am dringendsten nötig haben.
Es wird angekündigt, daß bei der Verteilung der Lebensrnittel die minderbemittelte Bevölkerung nach Möglichkeit berücksichtigt werden soll, ürdem die Lebensmittel nicht in den sogn. freien Handel kommen, sondern von den Einsuhrorganisationen verteilt werden. Hoffentlich gelingt das. Die Herren von der Zwangswirtschaft müßten doch eigentlich allmählich etwas zugelernt haben. Wenn die eßbaren Sachen wenigstens in der Hauptsache zu erttäglichen Preisen an die wirklich Hungrigen gelangen wollten, so würden wir den Zuschuß aus der Reichskasse nicht be- saucrn.
Einlgmrg in San Remo.
Die offizielle französische Telegraphen-Agenkur chcvas meldet aus San Remo, daß Lloyd George und M i ll e r a n d am Samstag eine Unterredung Men, in der ein Abkommen ausgearbeitet wurde, das dem Obersten Rat vorgelegt werden soll. Ueber die
Der Arbeit Loh«,
Eluch iw Schloß Fredersdorfs herrsch!? tiefe ®fTTe.
es fncr die Stille des GlückrS, des Friedens l warmen, goldigen Gruß sandte die Leidende Tonne des Herbstes auf Schloß und Park. Erglühend in gelben und roten Farben standen die "mrme des Parkes, die die Stürme deS Herbstes noch chres Laubschmuckes beraubt hatten.
Auf der Veranda standen Arm in Arm .Harald und . ^6md — welche seit der Genesung d«J Geliebten m^ der Familie des alten Arztes, Dr. Mertens, wohnte, hatten die Micke sinnend auf die fallenden, wel.
" blätter gerichtet, die langsam aus den Rasen nie- «rflaiterten.
Helgard hielt einen Brief m der Hand, der ihr /* lubelnden Worten das junge Glück Elses und Hans On ^ebenroths verkündete, deren Verlobung vor eint« ß^n Tagen veröffentlicht worden war.
-Auch Du wirst glücklich werden, meine teure Edel- schrieb Else. „Denn Deine Treue, Dein 'pfernmt. Deine Liebe haben den Sieg über all da? vohlsckt» unb Gemeine aus dieser Erde davongetragen.
selbst treu geblieben und diese Treue trägt n^.r5n in sich. An Deiner Treue, an Deinem Mut, Deiner Liebe haben wir uns alle aufgerichtet, sind r alle gewachsen in unserer Treue, in unserer Liebe, unserem Mut. Die Menschen mögen Dich um das erurteilen, was Du getan, — wir aber lieben und Dich um so mehr, und selbst mein Vater, dem /U doch so großen Sckimerz zucxsügt hast, zusügen °^Stest, achtet Dich deshalb um so höher.
Lei glücklich meine Edelgard, wie Deine Else eS je, ^n*5 ■löenn dar Sommer wieder ins Land zurück.
dann kommen zwei glückliche Menschen zu euch, die Schatten der Vergangenheit im alten Schloß eoetslotff, von denen Harald mir einst sprach, sollen gemeinsamen sonnigen Glücke davon.
^n5 läßt tausendmal grüßen, ebenso Papa und Friede und Grete."
kleine Eist hat das rechte Wort gesunden," r? , Harald ernst. .Wir find alle Dir, Edelgard, zu verpflichtet."
Sie legte scherend die Hand auf seine Lippen.
zwei Hauptpunkte, die Entwaffnung Deutschlands und Wiedergutmachung hätten Millerand und Lloyd George die Grundlage einer Erklärung gefunden. Es werde ein Dokument ausgearbeitet, das von Deutschland die Ausführung des Friedensvertrages verlange. Die deutsche Regierung sollte jedoch aufgefordert werden, Vorschläge zu unterbreiten. Der deutsche Kanzler werde infolgedessen eingeladen werden, mit den alliierten Staatschefs zu verhandeln. Es fei möglich, daß diese Zusammenkunft in Brüssel, womöglich noch vor der interalliierten Finanzkonferenz, die dort im Mai zusammentrete, stattfinde. Die Alliierten seien geneigt, so schnell wie möglich die Summe festzusetzen, die Deutschland mit Rücksicht auf feine Zahlungsfähigkeit zu entrichten habe.
Nach einer ergänzenden Meldung des englischen Büros Reuter sind Lloyd George und Millerand über- eingekommen, daß die Bestimmungen des Friedens- Vertrages über die Entwaffnung Deutschlands durchgeführt werden sollen, daß aber der Gedanke einer Besetzung des rechten Rheinufers und des Ruhrgebiets durch Frankreich verworfen wird.
Die Aufteilung der Türkei
ist bekanntsich eine der Aufgaben der Konferenz in San Remo. Man gedenkt mit der Türkei noch viel schlimmer zu verfahren, als mit Deutschland und Oesterreich, man will das Reich restlos aufteilen. Das „Mandat", wie es so schön heißt, über Konstaittinopel, wie überhaupt über die wichtigsten Handelsplätze be» ansprucht natürlich England, Frankreich will Syrien, Griechenland soll die europäische Türkei bekommen. Die Schwierigkeit liegt nur in Kleinasien. Da sitzen nämlich die türkischen Nationalisten unter Führung Mustafa Kernel Paschas und zahlreicher jumstürkischer Führer mit ziemlich großen Truppenmassen, die unterstützt von der gesamten mohammedanischen Welt, im Bunde mit Afghanistan und indischen Aufständischen, nicht zu vergessen auch mit Sowjet-Rußland, den Kampf gegen England aufgenommen haben, und dem Engländer noch manche harte Nuß zu knacken geben können. Am grünen Tisch in San Remo läßt sich das Land schön aufteilen, aber wer will es durchführen? Foch hat auseinandergefetzt, daß dazu mindestens eine Armee von 300 000 Mann gehört; wo aber die hernehmen, ohne zu stehlen? Die Entente hat es dort mit Gegnern zu tun, mit denen sie nicht so leicht, wenn überhaupt, fertig wird.
Die gufunff Palästinas.
Die Konferenz von San Remo beschloß, in den türkischen Friedensvertrag die Erklärung Balfours einzufügen, die bestimmt, daß Palästina eine natio- , na le Heimstätte für die Juden werden soll.
Die Räumung der neutralen Zone.
Die Zahl der deutschen Truppen in der neutralen Zone beträgt gegenwärtig nicht mehr als 17 700 Köpfe, überschreitet also nicht die Kopfstärke, die unter Zugrundelegung der Entscheidung des Obersten Rates vorn August 1919 für die neutrale Zone festgesetzt ist.
Man darf nun wohl erwarten, daß die französischen Truppen den Maingau so schnell wie möglich verlasien werden, da jetzt für die weitere Besetzung dieses Gebietes absolut kein Dor wand mehr besteht. ___
V, Keine deutsche Kohle an Holland.
Laut „Alg. Handelblad" liegt bei den holländischen Stellen ein Bericht vor, der darauf schließen läßt, daß Ke alarmier enden Mitteilungen über den Anspruch Frankreichs gegen die Kohlenlieferungen von Deutsch, land an Holland ten Tatsachen entsprechen.
»So darfst Du nicht sprechen, Harald," entgegnete sie, „der mich erst gelehrt hat, was wahr« Liebe und Treu« vermag."
Er küßte ihr die Hand.
»Laß uns nickst streiten," sckgkn er lächelnd. „Wer hast Du Dich auch recht geprüft, ob Dich da? Leben der ernsten Arbeit, der Sorgen und Mühen an meiner Seite befriedigen wird? Schätze habe ich nicht gesam. meft und kann ich Dir nicht bieten — nur ein Leben voller Arbeit und Liebe."
„Ich bin als Bettlerin zu Dir gekommen, Harald/ entgegnete sie tief bewegt. „Du hast mich in Deine Arm« genonnnen. Du hast mich mit Deiner Liebe, Dei. ner Treue beschenkt — ich bin dadurch reicher geworden, als durch das Gold meines Vaters. So frage nicht länger, sondern laß mich 'als der Arbeit Lohn dar Glück Deiner Liebe hstnüehmen. Ich fordere nichts weiter vom Schicksal."
Sie lehnte das Haupt an ferne Schulter und er küßte tief ergriffen ihre Stirn. —
Nach wenigen Wochen feierten sie in aller Still« ihre Hochzeit. Nur der alte KreiSphysikuS, Hans Be. benroth und der Pfarrer des Dörfchens, der di« Ehe einsegnete, waren zuyegen; während Else, Elfriede und Grete die Braut zum Altar geleiteten.
Am Abend d«S Tages aber bewegte sich ein langer Zug von Männern rmb Frauen, Knaben und Mädchen, die alle Windlichter und Fackeln trugen zum alten Schloß. ES waren die Angestellten, die Knechte und Mägde, die Arbeiter und Arbeiterinnen, die Männer und Frauen aus dem Dörfchen, di« dem Herrn und der neuen Herrin ihre Liebe und Achtung beweisen wollten.
Edelgard schüttelte einem jeden von ihnen die Rechte und mancher arbeitsgebeugte Nacken neigte sich tiefer, um die Hand der neuen Herrin von Fredersdorfs in Lieb« und Verehrung, Dankbarkeit und Treue zu küssen.
Sie wußten alle, diese Hand konnte ihrem Leben, ihrer Arbeit mir Glück und Segen bringen.
Kein prunkender Festmahl beschloß die stille Feier, Im leisen traulichen Gespräch saß man um den alten Kamin, in welchem ein Holzfeuer lohte und knisterte. Ernst blickten die Ahnenbitder auf sie herab und in dem altmodischen Hausrat knackte er leise, als wollten auch die alten Möbel, aus denen schon die Urgroß, eltern Haralds gesessen, ihr Teil zu der Behaglichkeit und dem stillen Glück dieser Stunde beitragen.
Die Schatten der Vergangenheit lebt« noch in dem Mm
Deutschen-Ausweisrma aus Polen.
Die polnische Regierung hat für das früher preußische Gebiet die Ausweisung der deutschen Beamten und ihrer Angehörigen, die mit dem 31. März 1920 mit ihrem Dienst ausgehört haben, zum 10. Lunt bezw. 1. August verfügt, und zwar nicht nur Beamten, die nach dem 1. Januar 1908, sondern auch denen, die vor diesem Zeitpunkt in das Gebiet zugezogen sind. Da nach Artikel 91 des Friedensvertrages alle ehemaligen deutschen ReichsangehSrigen, die vor dem 1. Januar 1908 in preußischen Teilgebieten wohnten, polnische Staatsangehörige geworden sind, handelt es sich um einen glatten Vertragsbruch.
Aus -em besetzten Gebiet.
Eie sind die Herren. Von den Franzosen würbe Sie Stadt Bonn beauftragt, für die Unterbringung einer Generals zu sorgen. Seine Gattin begab sich einfach in die größten Geschäfte in Köln, Düsseldorf und Bonn und teufte dort eine ganze Einrichtung zu- s a m m e n, alles zu Lasten der Stadt Bonn, die ihrer- feite natürlich aus das Reich zurückgreift. Interessant ist ein Bestellzettel, der dem Desatzungsamt in Bonn zuging. Er lautet: „Eilt sehr! Herr Vollmer soll folgendes besorgen: Für die Töchter des Herrn Gene, täte eine schwarze und eine weiße Katze, schönes Fell und propper; die beiden Katzen müssen unbedingt herbeigeschafft werden. Ferner: eine K ö- ch i n und ein Dienstmädchen. Die Möbel sind , in Köln zu reklamieren, ebenso Wäsche: Handtücher, ' Servietten, Tischtücher."
Neue Forderungen der Eisenbahnbeamlen.
Die Eisenbahnbeamten haben nach der „Deutschen Allg. Ztg." an die Regierung die Forderung gerichtet, auf eine sofortige Auszahlung von 1500 Mark pro Mann und dabei erklärt, daß im Falle der Ablehnung die Konsequenzen nicht übersehbar seien. Die Stellungnahme der Regierung steht noch aus.
Deutsche Nationalversammlung.
Am Samstag gab es zu Beginn der Sitzung eine lebhafte Auseinandersetzung zwischen dem Abg. Dr. Kahl (D. Dp.) und dem Reichsjustizmimster Dr. Blunk. Prof. Kahl protestiert gegen beleidigende Aeußenmgen, die der Minister gegen ihn getan hatte, worauf Dr. Blunk heftig antwortet.
Als erster Punkt der Tagesordnung erscheint heute der Antrag des Geschäftsordnungsausschusses auf Versagung der Strafverfolgung gegen verschiedene Abgeordnete, darunter dem Unabhängigen Braß. Zum Fall Braß liegt mm ein Antrag der Demokraten vor, die Genehmigung zur Untersuchung zu erteilen, zunächst aber die Sache an den Ausschuß zurückzuverweisen. Don den Antragstellern wird darauf hingewiesen, daß die Angelegenheit im Ausschuß nicht ordnungsmäßig zur Debatte gestellt worden sei. Der Ausschuß sei unvollzählig besetzt gewesen, sonst wäre die Genehmigung zur Strasoerfolgung nicht versagt worden. Namens des Zenttums erklärte der Abg. B u r - läge, es sei unzulässig, jede Strafverfolgung von Abgeordneten für unzulässig zu erklären, weil es sich um ein politisches Vergehen handele. Er erinnert an die Fälle Traub und Liebknecht. Wenn der Fall Braß nicht an den Ausschuß zurückverwiesen wird, werde das Zentrum gezwungen sein, di« Strafverfolgung gegen Braß zuzulassen. Das Haus beschloß sodann die Zurückverweisung des Falles Braß cm den Ausschuß.
Für das deutsche Eisenbahnwesen war der Samstag insofern em denkwürdiger Tag, als die Nationalversammlung ihre endgültig« Zustimmung zu dem Gesetz gab, durch welches die
deutschen Eisenbahnen in Relchsbesltz übergeführt werden. Es hat langer und schwieriger Auseinandersetzungen zwischen den Eisenbahnländern bedurft, ehe der Stoalsverttag über die Derreichlichung zustande kam. Insbesondere hat di« Frage, welche Entschädigung
Hause, aber nicht als schreckenerregendr Gespenster, sondern als gute Hausgeister, die dem jungen Paare Glück und Zufriedenheit verhießen.
Am anderen Tage hatten die wenigen Gäste Freders» borff wieder verlasien. v
Die jungen Gatten waren allem mit ihrem Glück und — ihrer Arbeit.
22. Kapitel.
Fast zwei Jahre waren entschwunden. Gluck >m8 Frieden hatten sie Harald und Edelgard gebracht, aber auch ein gerüttelt Maß voll Sorgen, Arbeit und Mühe.
Haralds Mutter, welche sich nur schwer in die 23 en- intng der Dinge hatte fügen können, war gestorben, und di« ältere Schwester bestand darauf, daß der Bruder ihr wü> ihrer Schwester, die sich inzwischen mit einem Offizier verlobt hatte, die Erbschaft der Mutter ouszahl«.
Diese Summe aufzubringen, kostete Harald große Mühe; er verzweifelte fast, daß es ihm gelingen würde, da erbot sich der Minister, Elses Bat er, freiwillig, die Summe oorzusttecken und die Hypothek, welche bislang auf den Namen von Haralds Mutter eingetragen war, zu übernehmen. Hans von Bebenroth hatte seinen Schwiegervater von der Verlegenheit seines Vetters unterrichtet, und der Minister war edeldenkend genug, das Vergangene vergangen fein zu lasten und Fredersdorff zu helfen.
Run konnte dieser wieder aufatmen, ine schwerste Sorge war von ihm genommen.
Ein« große Freude ward dem jungen Ehepaar jedoch zuteil, als Edelgard ihren (Satten mit einem Sohn und Stammhaller beschenkte. Da zog denn erst das rechte Glück in das alte Haus ein und tiefer und tiefer zogen sich die Schallen der Vergangenheit in die dunkelsten Winkel zurück. Dor dem sonnigen, jung aufblühenden Glück der Zukunft wagten sie sich nicht mehr aus ihren Schlupfwinkeln hervor.
Das Osterfest war gekommen. Goldenes Licht durchflutete die Well und oertünbete den jungen Frühling. Goldenes Licht erjüsite auch die Halle des Schlostes mit ihren großen, altmodischen Schränken und Truhen, den buntlen Ahnenbildern und den Jagd- und Kriegsttophäen vergangener Zeiten und Geschlechter.
Festlich geschmückt war die Halle. Am oberen Ende derselben war ein Altar errichtet; auf demselben befanden Ach em «nsachc- Kreuz mit bem mirsnis des Heiland??
den Eismbohnen besitzenden Ländern durch das Reich zu zahlen ist, lebhafte Auseinandersetzungen gezeitigt.. Diese Schwierigkeiten sind nun überwunden, und durch die Derreichlichung der Eisenbahnen ist ein neues Einheitskonti um die deutschm Lande geschlungen worben. Das Reich Hot sich allerdings schwere Lasten aufgebürdet. Zwölf Milliarden beträgt der Fehlbetrag im laufenden (Etats- fahre, und durch Tariferhöhungen kann er unmöglich wett gemacht werden. Strengster Sparsamkeit wird es in der Verwaltung bedürfen, um wieder zur Rentabilität, zu gelangen, aber auch rationellster und modernster Wirtschaft» die wir in den soziallsietten Reichsbetrieben leider noch zu sehr vermissen.
Reichsverkehrsmimster Dr. Bell, der sich in langer» mühsamer Arbeit große Verdienste um das Beneid)« lichungsrverk erworben hat, führte die Vorlage im Plenum mit einer Rede em, in welcher er den Staatsvertrag erläuterte.
Die Vorlage wird bann ohne Debatte durch Gesamk- abstimmung in zweiter und dritter Lesung angenommen. Dagegen erklärte sich nur der Bayerische Bauernbund. Mögen die Hoffnungen, die sich an das neue Gesetz als einen Beitrag zur Festigung der Roichsemheit knüpfest» als berechtigt erweisen.
Nachdem bann das Gesetz über den Uebergang bes, bayerischen und württembergischen Post- wesens an das Reich wirb in zweiter und dritter Lesung angenommen war, folgte der Gesetzentwurf über die neuen
Post- und Telegraphengebühren.
Der neue Portotarif wird unter Ablehnung eines Antrages der deutschen Dolkspartei auf Annahme einer niedrigeren Portoskala angenommen. Angenommen wird eia Antrag Arnstadt (Drott.), der für weniger als einmal täglich erscheinende Blätter eine billigere Tarifierung verlangt. Endlich ein Antrag Trimborn, wonach die erhöhten Zeitungsgebühren erst am 1. Oktober in Kraft treten sollen. Ein deutschnationaler Antrag, die Abgabe von 1000 Mk. für Fernsprechanschluste zu streichen, wird abgelehnt. Das Gesetz wird mit diesen Aenderungen in zweiter und dritter Lesung angenommen. Ebenso auch das Gesetz bett. Aenderung des § 9 des Gesetzes über das Postwesen des deutschen Reiches (Ersatz für verloren gegangene Pakete). Der Gesetzentwurf über die Erhebung einer Abgabe zum Baukostenausgleich wird a» den 24. Ausschuß verwiesen.
Montag: Notetat in Berbindung mit Anträgen.
Preußische Landesversammlung.
Am Samstag wurde der Nest deS Gesetzentwürfe» über die Bildung einer Stadt Groß-Berlin nach längerer Einzeldebatte in zweiter Lesung angenommen. Auch in dritter Lesung werden die Einzelparagraphen angenommen. Die Schlußabstimmung soll am Dienstag stattfinden. Damit ist die Tagesordnung erschöpft
Deutsches Reich.
• Bersin, 25. April. Der Ausschußder National» versammlung hat die Aufhebung der *M i I i t ä r g e» rl chtsbarkeit schon für den 15. Juli beschlossen. Dir Regierung hatte die Aufhebung erst zum 1. Ott beantragt. — Eine Vorlage an die Landesversammlung sieht Temerungszuschläge zu den ®e- bühren der Notare, Rechtsanwälte und Gerichtsvollzieher vor. — Ein neues Studentenrecht befindet sich in Vorbereitung. Parteipolitische Betätigung wird den Studenten untersagt, die ausländischen werden den inländischen Studenten gleichgestellt (wegen der großen Zahl vom Reiche abgetrennter Deut- scher) und den Studenten wird ein weitgehendes Mit- bestimmungsrrcht in Verwaltungsfragen eingeräumt — Vor einigen Tagen wurde gemeldet, daß die von Dr. Helfferich bewohnte Villa an den holländischen Margarinefabrikanten van den Bergh verkauft sei. Dr. chelfferich stellt jetzt fest, daß das Haus, in dem er wohnt, nicht ihm, sondern einer Frau Schwabach gehört. — Seitens der schwedischen Regierung wurde entschieden, daß Dr. Kapp auf freien Fuß zu eine alte Familienbibel unb silberne Taufgerätschaften, bi«! schon seit Jahrhunderten in der Familie benutzt mürben.- An diesem Altar sollte heute am ersten Ostertoge der jüngste Sproß des alten Geschlechts die heilige Taufe empfangen.
(Ebelgerb ging mit bem allen Friedrich und der Haushälterin ordnend durch den Saat Em einfaches dunkles Gewand umhüllte ihre schlanke, edle Gestalt; ein freund» lichsinnender Ernst ruhte auf ihrem schönen Antlitz, bai von der sausten Röt« innerer freudiger Erregung überhaucht war.
Arm in Arm traten Harald und Edelgard auf Me Terrasse, während sich auf dem Hof schon die Leute aus dem Dorfe versammelten und die Kinder mit neugieriger Schev einen Blick in di« Halle zu werfen suchten.
Der Wagen, welcher den Pfarrer geholl hatte, stche vor. Harald begrüßte den Geistlichen und führte ihn ta das Schloß.
Jetzt wurden die Türm zur Hall« geöffnet urtÖ die Leute strömten hinein, bte Kinder voran unter bet Führung des Lehrers. .
Die heilige Handlung begmmn.
Draußen auf ben Feldern lag heller Frühlmgssormen» schem, Heller Sonnenschein des Glückes ruhte auch auf den Gesichtern der frohen, festlid) gestimmten Menge.
Aber auf der Landstraße, welche von der Stadt nach Fredersdorfs fühtte, schlich ein einsamer Wärmerer daher. Seine hohe Gestalt war tief gebeugt, die Kniee schienen ihm oft den Dienst oerfagen zu wollen, krampfhaft stützte er sich auf den Stock und keuchend hob und fentte sich ferne Brust. Sein langer Bart war silberweiß. Ein langer Mantel schlotterte um seinen Körper; der schwarze Filz- Hut war tief m die Stirn gedrückt.
Jetzt hatte er das Tor des Gutshofes erreicht. Aufatmend Hieb er stehen und lehnte sich matt und erschöpft an einen der Pfeiler.
Da hallte ihm frommer Gesang frischer Kinderstiimnm entgegen, welche das alte Osterlied fangen:
Es ist erstanden Jesus Christ, Der unser Gott und Heiland ist. Er lebt! Nicht meyr des Todes Raub, Trat er, der Sieget, auf ben Staub! Gelobt fei Gott!
tSchluß folgt.'