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Samstag, 24« April (920

Nr. 95.

Deutschland und der Vatikan.

Wie die »Voss. Ztg." meldet, ist der bisherige preu­ßische Geschäftsträger, beim Vatikan Dr. von Ber­gen zum Botschafter der Reichsregierung beim Heiligen Stuhl ernannt worden. Wahrscheinlich wird die Kurie Msgr. Pacelli zum Berliner Nuntius ernennen.

Das Abkommen, das den neuen Lieferungen zu Grunde liegt, dürste sehr bald ratifiziert werden. Das Kreditabkommen mit Holland in Hohe von 25 Millionen Gulden ist am Donnerstag rati­fiziert worden. • Auch hier sind die Lieferungs­verträge von den Reichsemfuhrstsllen unmittelbar mit einzelnen holländischen Lieferanten abgeschlossen wor­den. Die holländische Regierung hat eine entsprechende Gesetzesvorlage eingebracht, derzufolge vorläufig ein Vorschuß von 25 Millionen Gulden an Deutschland gegeben werden soll. Me 25 Millionen Gulden sind zu 6 Prozent verzinst. Dom 1. April 1921 ab muß die Summe in fünf gleich großen Jahres­raten zurückgezahll werden.

Der besetzte Malngau.

Dag beulet nicht auf Abzug!

Die Zeitungen im Maingau muffen auf französi- wen Befehl folgendes veröffentlichen:

Das Abstecken der Grenze der neubesehten Zone W begonnen. An den Stellen, wo die Straßen von neuen Grenze geschnitten werden, werden Grenz-

Das „Loch im Desteu" geschlossen.

Zur Frage der Schließung des „Loches im Westen" erfährt die „Deutsche Allgem. Ztg." von zuständiger Stelle, die Westgrenze sei jetzt vollkommen in der Hand der Reichsregierung. Es be­stehe die Aussicht, das gleiche Ergebnis auch für die Südgrenze zu erzielen.

tag in der Wirtschaft zusammen zu sitzen, mit ihnen zu trinken und ihnen allerlei Reden zu halten!"

„Ich glaube, Sie übertreiben, Herr Lynden!"

„Einerlei! Einem Manne, der sich außerhalb der Ge­sellschaft gestellt hat, gebe ich meine Tochter nicht. Für eine solche Verbindung ist mir mein Geld zu schade!"

„Ich kann dazu gar nichts sagen und muß di« Ent­scheidung Ihnen überlassen, Herr Lynden. Ich möchte nur bitten, mir zu gestatten, mit meinen Töchtern morgen nach Berlin zurückzukehren."

„Sie wollen fort, Exzellenz? Gerade jetzt?"

„Sie werden begreifen, daß es mir peinlich ist, Ihre Gastfreundschaft noch länger in Anspruch zu nehmen —* „Mit anderen Worten: Sie kündigen mir die Freund- schäft auf?"

„Sie übertreiben wieder einmal."

„Ich werde Ihrer Abreise nicht im Wege stehen, Ex­zellenz," entgegnet« Lynden, der nur mit Müh« seinen Zorn meistern konnte. „Ich denke, auch ohne ministerielle Hilf« meinen Weg zu finden."

„Herr Lynden, wollen Sie mir gefälligst erklären, was diese Worte zu bedeuten haben?" fragte der Minister in scharfem Tone. Lynden lachte bitter auf.

„Ich ziehe nur dir Konsequenzen aus dem Verhalten Euer Exzellenz," entgegnete er spitz.

„Ich kann Sie daran nicht hindern," antwortete der Minister kalt, erhob sich, machte Lynden eine steife, förm­liche Verbeugung und verließ das Zimmer.

Er bereute jetzt, seiner Neigung zu Edelgard gefolgt zu sein und sich mit Lynden so tief eingelassen zu haben. Er ahnte, daß Lynden sein« hohe, amtliche Stellung geschäft­lich hakte ausbeuten loollen, was feiner ChrenhafiMt zu. wider war, und empfand eine wirklich schmerzliche Ent­täuschung, daß Edelgard seine ehrliche Neigung abermals zurückgewiesen hatte.

Am anderen Morgen reiste er ab. Wichtige Geschäfte, so sagte er seinen Töchtern, riesen ihn nach der Residenz zurück.

Else und ihre Schwestern ahnten zwar den wahren Zu­sammenhang, waren aber zu wohlerzogen, als daß sie ihrem Vater irgend welchen Widerspruch entgegengesetzt hätten.

Else wünschte freilich, noch von Edelgard Abschied zu nehmen; aber sie erkannte dies als eine Unmöglichkeit und io lckrieb sie einen herrlichen AbiLiedsbriek an Edelgard

pfähle aufgestellt. Die beteiligten Gemeinden wer. den haftbar gemacht, falls diese beschädigt oder um- gestotzen werden.

Das deutet nicht auf baldigen Abmarsch!

Die Kulturschmach.

Ter Vollzugsausschuß der englischen Arbeiterpartei hat einen Antrag angenommen, daß gegen die Verwendung farbiger Trup­pen im besetzten Gebiet Deutschlands bei den alli­ierten Regierungen und beim Völkerbund Protest erhoben und die Zurückziehung der Truppen ver­langt werden soll.

Harald aber sank beglückt in die Kisten zurück.

Leise entfernte sich Hans v. Bcbenroth, er wußte Harald in guter Pflege.

21. Kapitel.

Am Abend nach seiner Rückkehr von Fredersdorfs setzte Lynden den Minister von feinem Wortwechsel mit Edelgard in Kenntnis.

Der Minister war viel zu feinfühlend, als daß er das schroffe Vorgehen Lyndens billigte.

„Ich habe schon gebeten, bester Lynden, daß Sie kei- nerlei Zwang auf Edelgard ausüben möchten.. Es schmerzt mich, daß Ihre Tochter meine aufrichtige Neigung nicht zu schätzen weiß, aber ich wünsche nicht, daß sie mir ge­zwungen die Hand reichte. Ich rate Ihnen, sich mit den obwaltenden Verhältnissen abzufinden, und sich mit Ihrem Fräulein Tochter zu versöhnen."

„Unter keinen Umständen, wenn sie sich meinem Wil­len nicht beugt!" stieß Lynden> heftig hervor.

„Was nennen Sie das — sich Ihrem Willen beugen, Herr Lynden? Sie werden doch begreifen, daß ich unter den obwaltenden Verhältnissen meine Werbung nicht aus­recht erhalte? Weshalb wollen Sie da nicht Ihre Einwil- llgung zu einer Verbindung mit Herrn v. Fredersdorfs geben? Zumal ja diese Verbindung schon vor Jahren ge­plant war —*

„Sie nehmen Ihre Werbung zurück, Exzellenz? Nun ja, ich kann Ihnen dos nicht verdenken! Aber mir wer­den Sie es nicht verargen, wenn ich meine Zustimmung zu jener anderen Verbindung nicht gebe. Fredersdorfs ist in der ganzen Gegend als halb verrückter Sonderling be­kannt, dem vertraue ich meine Tochter und — mein Geld nicht an!"

Der Minister zuckte die Achseln.

„Meiner Ansicht nach wird Herr n. Fredersdorfs ver- lärmt. Er ist ein sehr tüchtiger Landwirt und Geschäfts- mann, der sich durch eigene Kraft hochgeorbeitet hat. Ich habe seine Tätigkeit mit Erstaunen im Stillen verfolg!."

„Vielleicht haben Exzellenz auch bemerkt, daß Frr- dersdorff mit den Arbeitern fraternisiert?"

„Man sollte sich nur freuen, wenn das Verhältnis zwi­schen Arbeitgeber und Arbeitnehmern ein gutes ist.

„Fredersdorfs huldigt ganz verrückten Anschauungen!"

„Davon ist mir nichts bekannt."

„Aber mir! Die ganze Gegend spricht davon. Der Seron scheut sich nicht, mit feinen Arb«»--« «m Kann.

Lebensmittel von Amerika

für 27* Milliarden Mark.

Rach sehr langen Verhandlungen zwischen den Reichseinfuhrstellen und arnerikani- sch en Packer firm en ist ein zweites Abkommen über die Lieferung von Fleisch, Speck, Schmalz und Milch in Gesamthöhe von 45 Millionen Dollar oder 2% Milliarden Mark abgeschlossen worden. Der Tilgungsplan sieht vor, daß von Ansang des Jahres 1921 an bis Mitte 1922 dieser Betrag durch die De­visenbeschaffungsstelle den Amerikanern zurückerstattet wird. Die letzten Schulden wären danach in zwei Jahren fällig, lieber die Mengen der einzelnen Wa­ren, die sofort geliefert werden sollen, unterrichtet fol­gendes Wolff-Telegramm:

wtb Berlin. 23. Aprll (Tel.) Zwischen der Reichs­einfuhrstelle und den amerikanischen Puckersirmen ist ein neues Abkommen über die Lieferung von Brotgetreide, Fleisch, Speck, Schmalz, Milch und anderen Fetten in der Gesamt­höhe von 2% Milliarden Mark zustande gekommen. Lieferung beginnt sofort. Geliefert werden 250 Millionen Kilo Brotgetreide, 45 Millionen Kilo Fleisch, 50 000 lebende Schweine, 20 000 lebende Rinder, 25 Millionen Kilo Speck, 25 Millionen Kilo Schmalz, 22 Millionen Kilo Käse, 400 000 Kisten Milch von je 48 Dosen, Oelfrüchte zur Herstellung von 50 Millio­nen Kilo Margarine, 10 Millionen Kilo Re s, 1,2Mill. Kilo Kartoffeln. Ferner ist die Einfuhr größerer Men- gen Heringe gesichert. Für weitere 150 Millionen Kilo Brotgetreide schweben die Kaufverhandlungcn.

Getzler verlangt eine Kerntruppe.

Wie aus München gemeldet wird, hat sich der Reichswehrminister Dr. Gehler über die Bildung einer republikanischen Kerntruppe folgendermaßen ge­äußert: Die Berliner Garnison ist nicht stark genug. Die Regierung muß jedoch im Stande sein, nach besonders bedrohten Stellen eine starke und zuverläsiige Truppenmacht zu werfen. Es besteht daher die Absicht, in der Nahe von Berlin eine Brigade aufzustellen, die bedingungslos be­reit ist, den Befehl der Regierung zu befolgen, wenn die Verfassung in Gefahr ist. Gesinnungsschnüffelei wird im Heere nicht getrieben. Auch monarchistisch gesinnte Offiziere haben im Heere Platz, ebenso wie republikanisch gesinnte, wenn sie sich unter allen Um­ständen bereit erklären, sürdenSchutzderVer- fassung einzutreten. Wer sich nicht zur Versüssung bekennen will, der muß eben gehen. Wer ein öffent­liches Amt ausübt, muß sich klar fein, daß er feiner Unzufriedenheit nur auf verfasiungsmäßigem Weg Ausdruck geben darf. •

Kein Umsturz an der Ruhr?

Das ,Achtuhr-Abendblatt' teilt m>t, daß am Don- vermag in der Reichskanzlei ein Telegramm des Oberpräsidenlen von Düsseldorf eingegangen sei betr. «inen von linksradikaler Seite bevorstehenden Um­sturz im Gebiet südlich der Ruhr. Dem- geaenüber wird von offiziöser Seit« sestgestelft. daß in der Reichskanzlei ein solches Telegramm des Ober­präsidenlen von Düsieldorf nicht eingegangen ist.,

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Der Arbeit Lohn.

37! ------------

.Dähle!" drängte er.

$a richtete sie sich empor und blickte ihn groß und

’n tiefstem Ernst an.

-Verzeih mir, Vater — ich bleib« hier!"

Mit einem wilden Fluch ließ Lynden di« geballte mnyr schwer auf den Tisch fallen. Edelgard wollt« auf zutreten, sie streckte ihm die Hände entgegen, er stieß ne ledoch so schroff zurück, daß sie in die Knie sank — v'r' schritt er mit großen Schritten au5 dem Zimmer, nach der Niedergesunkenen umz»sehen.

~ ,n ne verharrte Edelgard in ihrer knieenden Fz~un0- das Haupt gegen den Rand des Tisches ge-

■ Sie hört das Rollen des sich rasch entferenben ®<teTen§ — da richtete sie sich auf. Ihr Antlitz war ^sch, in ihren Augen aber leuchtete es stolz und mutig . zitternder Hand strich fie das wirre Haar aus Jv,rn’ ’br war fetzt frei und leicht, sie wuß'e. daß folt sn ^wählt bette nach dem Spruch: „Das Weib ' v<$!er und Mutter verlassen und dem Manne an- Zangen, den sie lieb hat."

Haralds^ f’e hinüber in das Krankenzimmer

.. Arzt kam ihr entgegen.

»Slun, erlaubt Ihr Herr Vater, daß Sie hier blei, fragte er gespannt.

"^ch bleibe hier, Herr Doktor."

, "^h- das ist gut. Der Kranke wurde schon unruhig

7. Srr-cmgte nach Ihnen." geh» gU ihm "

x. . Mertens sah ihr mit bewunderndem Blick nach, btt 1DcS zwischen Vater und Tochter vorgegangen "n er Zannte Lynden und seine ehrgeizigen

Als Edelgard in das Krankenzimmer kam, streckte Harald die Hand entgegen.

fcit’t Raubte, Du hättest mich verlassen", flüstert« er ""Metferer Simme.

di- "vpen*^ f*6 'e”I€ und preßte sie sanft an iei bIeiBe bei Dir, Harald, jetzt und ave Zeit — dv eS wird uns nichts mehr trennen, wenn

""es nicht willst ..."

kniete an seinem Lager nieder und legte die ltn auf feine Lantz _

Deutsche Nationalversammlung.

Die F r e i t a.g s fitzung der deutschen Nationaloersamm. hing gehört zu den parlamentarisch denkwürdigen Sitzun­gen. Ihr erster Teil wurde, abgesehen von einem guten Dutzend kleiner Anfragen, völlig ausgefüllt durch eine Anzahl von Abstimmungen, die insofern von beson- derer Bedeutung waren, als ihnen Verfassungs­änderungen zugrunde lagen. Zur Erledigung stand di- britte Beratung der Befriedung der V a r l a» mentsgebäude, die des Wahlgesetzeutwurfs und die erste und zweite Beratung der Gesetzentwürfe der Vereinigung Koburgs mit Bayern und der Bereinigung der Thüringischen Staaten zu Groß-Th ü- tingen.

Alle drei Vorlagen enthalten eine Verfassungsänderung und mußten daher mit Zweidrittel Mehrheit angenommen werden. Die Befriedung der Parlamentsgebäude bedeutet eine Einschränkung der in der Verfassung garantierten Versammlungsfreiheit. Die Vorlage wurde in namentlicher Abstimmung mit 290 gegen 15 Stimmen angenommen.

Dos Reichswahlgcsetz enthält in seinen Bestimmungen über die Wahlen in den Abstimmungsgebieten eine Aen- berung der Verfassung. Auch hier erfolgte die Abstimmung namentlich und sie ergab ihre einstimmige Annahme mit 301 Stimmen.

Bei den Vorlagen bezüglich der staatlichen Veränderun­gen in Thüringen bestanden Zweifel, ,ob hier eine Ver­fassungsänderung gegeben ist ober nicht. Um jeden Zwei­fel von vornherein zu begegnen, würbe auch über. diese Vorlagen und zwar ohne Aussprache in allen drei Le­sungen namentlich abgestimmt unb auch hier ergab sich bie einst! m m i g e Annahme ber Vorlage. , Das Ergebnis bet Abstimmung würbe mit lebhaftem Beifall bes ganzen Hauses begrüßt unb ber Präsident Fehrenbach sprach dem Lande Thüringen die Glückwünsche der deutschen Nationalversammlung aus.

Verantwortlich für den rebatitonellen Teil i. 33.: Dr. Kramer» r. für die Anzeigen: I. Parzelier-Futda. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Attlendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

Die Schicksalstage von San Remo.

Der Oberste Rat, der in San Remo tagt, hat für sireitag unb Samstag die Beantwortung der zrei Noten der deutschen Regierung betrefsend die Erhöhung der Heeresbestände auf 200 000 Mann, gjffjug der Truppen aus dem Ruhrrevier und Auf- Nung der Einwohnerwehren, auf die Tagesordnung „E. Von der Entscheidung, die er treffen wird, Eflgt viel ab. Zurzeit liegen nur Nachrichten vor, & sich erheblich widersprechen. Es ist ein allgemeines Riten. Zeitweilig scheint in San Remo Stimmung dafür gewesen zu sein, einen deutschen Delegierten pi den Verhandlungen zuzuziehen. Millerand soll diese direkte Verhandlung Hintertrieben haben. Dagegen w»tnt es, daß die deutsche Note, die die Forderung iiner Armee von 200 000 Mann stellt, auf eng» jifcher und italienischer Seite nicht über» mschie.

Nach anderen Meldungen hat es aber den An- tfjein, als ob die unversöhnliche Rachepolitik der Fran­ken wieder einmal über den englischen Standpunkt gesiegt habe. Vielleicht, ja sogar wahrscheinlich, hat England wieder einmal mit doppelten Kar­len gespielt, indem es sich zuerst den französischen Wünschen gegenüber hartnäckig zeigte, um schließlich gegen Konzessionen im Orient doch nachzugeben. Der pariser „Temps" und das „Echo de Paris" bringen gleichlautende Meldungen aus San Remo, die von Einem Sieg der französischen Auffas- jung in der Auslegung des Friedensvertrages mit Deutschland sprechen. Der „Temps" schreibt: Mit ge­ringen Abschwächungen hat sich die Stellungnahme Werands durchgesetzt, wofür Frankreich wichtige Zu» geständnisie in der Drlentfrage an England machte. Havas-Agenlur berichtet aus San Remo: Die Alliier- ierkonferenz wird den Termin der Entwaffnung Deutschlands auf Anfang Juni feftfetzen. Ren­ier bringt Depeschen, wonach die deutsche Wehrmacht aus hunderttausend Mann herabzu­setzen ist. In einer Erwiderungsnote an Deutsch­land werden die Alliierten weitere Verhand- (ungen mit Deutschland darüber ablehnen.

Die infetnalkmafe Ainanzkonsecenz.

„Nieuwe Courant" sagt anläßüch der Meldung ton der durch den Völkerbund beschlossenen inter­nationalen Finanzkonferenz in Brüflel, daß deren Erfolg größtenteils davon abhangen muffe, was man jetzt in San Remo über Deutschland beschließen werde. Brüssel werde nichts ausrichten können, wenn San Remo Deutschland ch i k r <. d i tf ä h i g mache.

Die Saaf der Zwietracht.

Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" fürchtet, Saß die in Sem Remo b-triebrne türkische Poli- t"k aus der asiatischen Türkei durch ihre Zersplitte­rung in kleine Pufferstaa'en und Mandatsgebiete mit Eeststbcstimmungsrecht einen neuen Balkan machen wird. j „

Sswjek-Rußland In San Remo?

Die ein besonderer Berichterstatter der Daily News meldet, befindet sich ein Delegierter der ruf« sischen Sowjetregierung in San Remo. Er habe bereits mit den leitenden Staatsmännern der Alliierten eine lange Besprechung gehabt.

Deutsches Reich.

♦ Die ScfoTmngsrefortn wird, wie verlaute!, auf Bcschluß des Aeltestenrates der p r e u ß i sch e n Landesversammlung am Dienstag nächster Woche im Parlament beraten werden. Unter allen Umständen sdll die Besoldungsreform, noch in diesem Tagungsabschnitt, der bis zum 8. Mai dauert, erle­digt werdem Am Montag kommt die Berfassung auf die Tagesordnung. Die erste Lesung hierüber soll nur kurz sein. Denn man will die große politische Debatte mit der Interpellation über die Einwohnerwehren rerbinben. Auch der Not­etat soll am Montag zur Erledigung kommen. Es ist nicht ausgeschloffen, daß die Landesversainmlun, Abendsitzungen einrichtet, um dieses umfang­reiche Programm erledigen zu können.

trug ihr Grüß« an Harald auf und sprach die Hoffnung aus -in baldiges glückliches Wiedersehen aus. Edelgard sollt« wenigstens wissen, daß sie — Els« — ihr Verhalten ver» stände und durchaus billige.

Durch Hans von Bebemoth, der ihr geschrieben, er werde in den nächsten Tagen nach Berlin zurückkehren_ und hoff« dann, sie wiederzusehen, würde sie ja das Nähere erfahren.

So lag denn die Villa Lynden, in ber noch vor wen!- gen Tagen ein fa reges, glänzendes Leben und Treibe» geherrscht, wieder einsam und verlaffen da.

Mit stillem Ingrimm sah Lynden, daß die Gesellschaft die ihn vor kurzem umschmeichelt, sich oon ihm zurückzog Man mißtraut« ihm — das merkte Lynden an mancherlei Anzeichen. Man erzählte sich jetzt plötzlich über die Her- fünft seines Reichtums allerhand seltsame Geschichten. Auf ehrliche Weise könne man doch nicht in wenigen Jah­ren zu einem so großen Vermögen gelangen. Wer könne wiffen, was da unten in Südafrika geschehen sei? Wes- halb hatte Lynden Transvaal verlaffen? Er war doch Be­amter des Freistaates gewesen? Sollt« er etwa im Solde Englands gestanden haben?

Solche Gerüchte liefen in der Stadt um und bewirkten» baß man sich noch mehr von Lynden zurückzog.

Auch über das Verhältnis Edelgards zu Harald wußte man sich allerhand Seltsamkeiten zu erzählen. Kurz, die Gesellschaft ließ Herrn Lynden fallen, da sein Rus nicht mehr durch die Autorität des Ministers gedeckt wurde.

Eines Tages durchschwirrte das Gerücht di« Stobt: Lynden ist abgereift! Niemand weiß wohin.

Man erkundigte sich, man ging an der Di'm vorüber. Die Läden derselben waren fest verschlossen; nahe an der Eingangspforte stand ein Pfahl mit einer Tafel und auf dieser die Bekanntmachung, daß das Grundstück mit allem Inventar zu verkaufen fei. Nähere Auskunft erteilt« das Kommissionsgeschäft von A. Mühlberg in Berlin.

Einige lagt lang bildete dieser Dorsall das Stadt- gespräch.

Dann traten andere Ereignisse in den Vordergrund, man dachte kaum noch an Lynden und seine Villa, bie öde und verlassen in dem großen Park lag, beaufsichtigt nur durch einen Gärtner, der selbst nicht wußte, wo sich Herr Lynden befand. — — —

■ XSortjehunq folgt.)

Der letzte Gegenstand der Tagesordnung betraf die Ausdehnung der Krankenkassen­versicherung.

Bekanntlich hat der Wirtschaftsausschuß ber National- Versammlung als einziger Ausschuß das Recht, Verord­nungen mit Gesetzeskraft zu erlassen. Er hat von diesem Recht auch im vorliegenden Falle Gebrauch gemacht und eine Verordnung erlaßen, nach der die Dersicherungs- pslicht bei der Krankenversicherung ausgedehnt wird bis zur Einkommenhöchstgrenze oon 2 0 000 -K. Gegen diese 33erordnung ist von vielen Seiten ernstlicher Widerstand erhoben worden. Die Demokraten hak:n einen Antrag eingebracht, der die Au f h e b u n g der Verordnung verlangt und di« Grenz« für die Dersichetungspflicht aus 12 000 M. herabgesetzt wissen will. In der Aussprache fand der Anttag bei allen büurgerlichen Par­teien rückhaltlose Zustimmung, nur die Sozialdemokra- ten mit den Unabhängigen zusammen traten für die Auf- rechterhaltung der Verordnung ein. Nach diesem Verlauf der Aussprache konnte das Ergebnis nicht zweifelhaft fein. Die Mehrheit des Haufes stimmte für die Auf» Hebung der Verordnung und die beiden sozial­demokratischen Parteien blieben in der Minderheit.

Samstag: Derreichlichung der Eisenbahnen. Postg» bühren u. a. _ _____________

Preußische Lan-esversarnmluug.

Die preußische Landesversammft'.ng bekräftigte fick am Freitag in erster Linie mit dem Gesetzentwurf Groß-Berlin, der nach monatetangen DeratunSen im Ausschuß nunmehr dem Plenum zur zweiten Lesung vorlag Trotz nicht unerheblicher Aenderungen ist va3 Grundprinzip der Bildung, eine E i n h c i t S g em e in. d e, erhalten geblieben und für die Gestaltung der ern. gelnen Paragraphen maßgebend gewesen. Mit Recht weist der Redner des Zentrums, der Abg. Gott wa i d, darauf hin, daß die Abueigung gegen ein übermächtiges Berlin im Laude draiißeu durch die Annahme dieieS Gesetzentwurfs nur neue Nahrung erhalte und die Um zusriedenheit verstärke. Wenn nach den neuen Verhalt- Nissen, die durch den Gesetzentwurf geschaffen würden, Berlin das sozialdemokratische Herz Deutschlands würde, dann bliebe eS nicht aus, daß der »anze Staat davon infiziert werde. Das Z n. trum hat diesem Gesetzentwurf stets ablehnend gegen­über gestanden. Es bat sich niemals für den Gedanken einer Einheitsgemeinde mit allzu starker Zentralisation erwärmen können, da damit feine eigensten Julerefserv, besonders nach der Seite der Erhaltung der k o nj e f. ft o n e 11 e n Schule, gefährdet find. Es bar stch darum unter Würdigung der wirtfchaftl'chen Gesichtspunk e. die eine gewisse aber begrenzte Vereinheitlichung begun. stigen, für die Schaffung einer Gesamtgemeinde einge. setzj, in der allerdings den Untergemeinden eine w-ite,t- * gehende Selbstverwaltung zngestanden werden soll.

Die Aussprache über den Gesetzentwurf wird Sams, tag fortgesetzt. ______________________________

Der Generalstreik In Elfaß-Lolhrfngen.

Haras meldet un'er dem 23. aus Metz: Die Eisen­bahner des Moselgebiets haben sich in der vergangenen Nacht der Streikbewegung angefchloffen. Der ganze Verkehr stockt.