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Zrettag, 23. April 1920

47. Zahrg

Nr. 94

Vorsitz sührt.

Danzig.

besprechen.

San Remo.

Der Arbeit Lohn.

berictgen.

S»

36]

(Forts. f.)_

Edelgard senkte ba? Haupt.

Der Kampf itm O bersch testen.

Ein von der „Schlesischen Dolksztg." veröffentlich­ter streng vertraulicher Geheim befehl des polnischen Komitees zum Schutze Schle­siens beginnt mit den Worten: Das Hauptkommando hat mit der Ausstellung der neuen Militärorgamsaiion sofort zu beginnen bezw. die jetzigen Formationen nach besonderen Richtlinien neu zu organisieren. Dann heißt es: Cs nah: die Zeit, in der die Organisation von unserer Arbeit Zeugnis ablegen wird, wenn wir die aufdringlichen Deutschen aus unseren polnischen Landen heraustreiben wer­den und die Sicherheitswehr durch die polnische Dolks- wchr ersetzt wird.

Die oben erwähnten Richtlinien beziehen sich auf die militärische Organisation der Sokolvereine, die Mo­bilisationslisten, die Errichtung politischer militärischer Nachrichtenabteilungen, die Bildung der Gendarmerie, die Sammlung von Waffen, Munition und militäri­schen Ausrüstungsgegenständen usw. sowie auf die Er­richtung von Waffenniederlagen. Der von Kostanecki gezeichnete Befehl ist an das Abstimmungskommissa- riat in Beuthen gerichtet, in dem Korsanty den

wünschenswert erklärt, erfährt die „Voss. Ztg." aus der Reichskanzlei, daß die deutsche Regierung von einem solchen Vorschlag amtlich keine Kenntnis

Laut Bekanntmachung des Oberkommissars hat sich aufgrund der mit der polnischen Regierung ge* Pflogenen Verhandlungen die polnische Regierung bereiterklärt, daß sämtliche Eisenbahnwaggons mit Lebensrnitteln, Saatgut und sonstigen Waren, welche für die Landwirtschaft im Frei- staatgebiet gebraucht werden, trotz der Verkehrssperre im polnischen Gebiet abgefertigt und nach Danzig umgehend weiter geleitet werden.

Bezugspreis: Monatlich 2,00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fri da bei uns abgeholt 2,10 Mk. Anzeigenpreis: DieKieinzeile (Coloneimaß) 50 pfg., u 10"° Zu'chlag, die Reklamezeile (Textbreite) 1.50 Nk., u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol Rabatt.

fassungswerk.

Wie wollen diejenigen etwas besseres erreichen, die störend in diese Arbeit des Zentrums eingreifen und die Partei schwächen wollen?

Wir sind dem Zentrum dankbar und bleiben ihm treu!

Neuer Aufruhr?

Wie der „Derl. Lokalanz." aus dem bergisch­märkischen Lande meldet, wird dort eine neue spartakistische Bewegung vorbereitet. Der Hauptsitz der Agitatoren ist gegenwärtig anscheinend Rem­scheid, außerdem werden auch in Barmen und Solingen umfangreiche Vorbereitungen für diese« Zweck getroffen.

erhalten hat.

Der Sonderberichterstatter der „Journal des De­büts" in San Remo meldet, daß die deutsche An­gelegenheit schon den Gegenstand besonderer ar­beitsreicher Verhandlungen zwischen den Ministerprä­sidenten gebildet halte. Die Meinungsverschie­denheiten seien e r n st.

Die Verkeilung der deutschen Schiffe.

Nach dem in London unterzeichneten Abkommen über die deutsche Handelstonnage tritt, wie der „Temps" meldet, England die gesamte Han- delstonnage, die Frankreich verwaltet, ab. Die Han­delstonnage, die über 250 000 Tonnen hinausgeht, wird von Frankreich durch Verrechnung auf das,,Wie­dergutmachungskonto bezahlt. Das Abkommen ist für Frankreich sehr befriedigend.

schieden und ist bis zu anderweitiger Verwendung in der Reichswehr beurlaubt worden. Auch an­dere Offiziere des Stabes im Reichswehrministerium sind beurlaubt. Weitere umfangreiche Perso­nalveränderungen in der Heeresleitung und in den Personalämtern sollen folgen.

Kapp.

Der in Stockholm verhaftete Kapp hat an die schwedische Regierung eine Bittschrift genchiet, worin er bittet, sich mit Frau und Tochter in Schweden niederlassen zu dürfen. Er will wissenschaftliche Stu­dien treiben. Geld habe er, um wirtschaftlich existieren zu können. Wenn ihn Schweden nicht behalten will, bittet er um einen Paß nach der Schweiz.

Keine General-Amnestie für die Rotgardisten.

Das Reichskabinett hat sich endgiltig gegen die allgemeine Amnestierung der Rotgardisten im Ruhrgebiet und im Vogtlande ausgesprochen. Doch werde der Reichspräsident in allen Fällen, in denen es sich nicht um gemeine Verbrechen handelt, von der Einzelamnestierung weitestgehend Gebrauch machen/ — Der Reichspräsident ordnete an, daß die bei der Militäraktion im Ruhrgebiet wegen Raubs, Plünde­rung und anderer Gewalttaten verhafteten Angehö­rigen der Roten Armee — insgesamt 360 --- den ordentlichen Gerichten zur Aburteilung zu» gesührt werden.

Die Vorgänge bei Bad Thal.

Zu den Vorgängen bei Bad Thal, wo Zivilisten von Zeitfreiwilligen aus Marburg erschossen worden sein sollen, teilt die Reichswehrbrigade 11 mit: Um irreführenden Gerüchten, die in der Bevölkerung um­laufen, entgegenzutreten, wird nochmals bekanntc«- geben: Die gerichtliche Untersuchung über die Vorgänge bei Bad Thal ist unmittelbar nach der Tat eingeleitet worden. Die Beteiligten sind festge­stellt. Die Zeugenvernehmungen sind so umfang­reich, daß die Untersuchung noch nicht zum Abschluß gelangen konnte, demnächst aber beendet sein wird. Unter allen Umständen soll der traurige Fall durch Richterspruch geklärt werden.

Die Konferenz setzte am Donnerstag die Ausarbei­tung des Friedensvertrages mit der Türkei fort.

Zu der Meldung des „Matin", Ritti und Lloyd George hätten die Anwesenheit des beut'

„Da bist Du ja." sagte er laut und hart. „Nun mach rasch, daß wir aus diesem verwunschenen Schloß fortkommen. Alles andere können wir im Wagen be. sprechen."

„Ich freue mich, daß Du gekommen bist, Vater,," versetzte Edelgard ruhig, „so kann ich Dir meinen Entschluß gleich mündlich miiteilen."

„Welchen Entschluß?"

, „Hier zu bleiben, und die Pflege Haralds zu übev> nehmen." , <

Lynden fuhr zornig auf.

„Welche Verrücktheit! Wie kommst Du denn dazu, hier Krankenpflegerinnendienste zu tun? Fredersdorfs ha! sich wahrhaftig nicht danach benommen, daß Du ihm diesen Dienst erweisen dürftest! Ich will es verzeihen, daß Du heimlich mit ihm im Walde zusammentriffst, ich kann es auch verstehen, daß Du den Verwundeten nach hier begleitet hast — aber damit ist es auch miS, alles andere ist Torheit und durchaus unpassend! Mach doch endlich ein Ende mit diesen Sentimentalitälenl Wenn Fredersdorfs sich noch etwas auS Dir machte, würde er lcr.gst eine Annäherung gesucht haben."

„Vater", entgegnete Edelgard ernst und bestimmt, „ich würde Dir und mir diese Auseinandersetzung gern erspart haben. Da Tu aber in dieser Weise zu mir sprichst, will ich nicht schweigen. Nicht Harald trägt die Schuld an unserer Entfremdung, sondern Du —“

„Ich? Ta bin ich neugierig!"

„Ja, Tu — indem Tu, ohne daß ich davon stußte, einen Agenten beauftragtest, Fredersdorfs für Dich zu kaufen und Harald aus seinem Besitz zu vertreiben!"

Lynden lachte kurz auf.

„Tas also ist des Pudels Kern? Nun ja, ich wollte Fredersdorfs kaufen, um es Tir als Hochzeitsgabe mit­zugeben. War das nicht das Klügste, was ich tun konnte? Tann war Fredersdorfs mit einem Schlage aller Sorgen ledig . .

„Laß uns nicht weiter darüber sprechen, Vater. Wir werden uns in dieser, Hinsicht doch nie mehr verstehen. Aber das eine mutz ich Dir sagen, daß Tu durch jenes heimlicke Angebot fast sein und mein Lebensglück zer. stört hättest!"

„Tein Lebensglück? Komm mir doch nicht mit sol- chen Redensarten! Tein Lebensglück liegt ganz wo an­der?! Ich habe Dir die Mitteilung zu macken, daß der Minister abermals um Deine Hand anaebalten hat, und daß ich sie ihm zugesagt habe!'

»Vater!"

• Der Generalstreik in Elsass-Lothringen. Nm» einer Havasmeldung auS Mülhausen ist der Be- fehl zum Generalstreik um Mitternacht gegeben worden. Die Eisenbahner haben die Arbeit verlas, s e n In der Stadt ist der Verkehr unterbunden. Di« Textilfabriken, die Metallwarenfabriken, die elektrischen Unternehmungen und die großen Geschäfte sind ge. schlossen. Keine Zeitung erscheint. Telephon und Tele. graph funktionieren noch. Die Stadt ist sehr lebhaft. Die Ordnung wurde nicht gestört In Straßburg funktioniert die Elektrizität seit Mitternacht nicht. Der Ausstand ist allgemein, nur die Poft hält einen be- schränkten Dienst aufrecht. Einige Züge sind angekom­men und abgegangen. In Lothringen scheint der Generalstreik nicht allgemein durchgeführt zu sein.

* Die deutsche Rechtschreibung. Zur Frage der Neuordnung der deutschen Rechtschreibung erklärt der Gesamt vor stand des deutschen Sprach- Vereins in einer besonderen Entschließung, daß er die gegenwärtige Zeit nicht für geeignet halte, die an sich wünschenswerte Vereinfachung der deutschen Rechtschreibung dmchzusühren. Er empfahl, den Plan auf einen späteren günstigeren Zeitpunkt

An die Kritiker im Zentrumslager!

lln$ufriebene Leute haben kürzlich, wie hier schon gemeldet wurde, von Köln aus einen Aufruf erlassen, der über die Zentrumspolitik scharf aburteilt. Darin findet sich der Satz:

„ES t|t irreführend, wenn man von ZentrumSieite jntmet wieder darauf hinweist, was alles „erreicht" Dorüen fei. — Klarheit schafft in diesen Dingen nur die graoe: WaS ist alle? verloren gegangen?« Zu dieser Fragestellung wollen wir an einem ein­fachen Beispiel Stellung nehmen.

Es ist ein schlimmes Schadenfeuer ausgebrochen. Die F e u e r w e h r rückt an, so schnell sie kann; sie sucht aus Leibeskrätfen zu löschen, und wenn ihre Wasserstrahlen versagen, so sucht sie wenigstens zu ver­hüten, daß der Brand noch weiter greift. 3ir Schweiße jhxes Angesichts und mit eigener Gefahr holen die Feuerwehrleute aus dem brennenden Haufe heraus, was noch zu retten ist.

Als die Mannschaften sich die Stirn abirocknen enb die Wunden verbinden, sagt ihr Führer: „Wir ha­ben doch nicht umsonst gearbeitet; wir haben doch wertvolles gerettet."

Da erhebt sich eine schrille Stimme aus dem Pub- ükum: „Nein, es ist irreführend, wenn ihr von dem sprecht, was gesichert worden ist; Klarheit schafft nur die Antwort auf die Frage: Was ist alles verloren gegangen? Seht euch doch die rauchende Ruine an! £as Haus ist zerstört; das kostbarste Familiengut ist verbrannt!"

„Aber wir haben doch das Feuer nicht angelegt," sagt der Setter der Feuerwehr.

„Faule Ausrede!" tönt es zurück. „Ihr nennt euch doch Feuerwehr und müßt also doch den Brand lö­schen. Das habt chr nicht getan. Mit den paar Sachen, die ihr herausgeschleppt habt, könnt ihr keinen Staat machen. Das Beste ist darin geblieben und verbrannt. Und nun seht euch mal die Schränke und die Decken an, die ihr herausgeholt habt: abgestoßen, angesengt, beschmutzt. Und für all den Wasserschaden seid ihr verantwortlich. Eine schöne Wehr! Wir lassen uns nicht täuschen durch den Plunder, den ihr gesichert ha­ben wollt; wir sehen ja den Schaben vor uns. Nieber mit ber unbrauchbaren Feuerwehr!"

Was sollen bie gescholtenen Männer machen? Ge­gen solche „Logik" hilft kein Wortgefecht. Sie rücken ab in dem Gefühl, baß Unbank ber Welt Lohn ist, unb stellen alles bereit, bamit sie beim nächsten Alarm ihr Rettungswerk von neuem unternehmen können. Man darf boch aus Verbruß über die Nörgler unb Besser­wisser bie ganze Stabt nicht abbrennen lassen.

Nein, es ist gnmbfalfch, wenn man nach einem Schicksalsschlag nur auf bas Verlorene sieh», aber nicht bas Gerettete einschätzt. Unb es ist himmelschreienb ungerecht, wenn man für ben Schaben diejenigen ver­antwortlich macht, bie ihr Möglichstes getan haben, um bas Unheil einzuschränken.

„Was ist alles verloren gegangen?" Diese Frage muß man noch etwas erweitern. Was wäre noch weiter verloren gegangen, wenn nach dem Ausbruche ber Revolution bas Zentrum nicht als Feuerwehr eingesprungen wäre?

Dann hätten wir nicht bie gemischte Regierung unter Beteiligung ber Sozialbemokraten, sondern die reine sozialistische Regierung mit allen radi­kalen Wirkungen:

Den richtigen gottlosen Staat mit Enterbung der Kirche, Einschnürung der Religionsfreiheit, antichrist- liche Zwangsschulen usw.

In dem erwähnten Aufruf werben schließlich die schönsten Forderungen aufgestellt: Berfassungs- mäßige Feststellung von Garantien für bie religiöse Freiheit, für Unterrichtsfreiheit unb religiöse Erzie­hung, für wirtschaftlichen Neuaufbau usw.

Verantworllich für den reballioneUen Teil i. V.: Dr. Kramer, n für die Anzeigen: I. Parze II er »Fulda. :• Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

Deutschland und die Entente.

Die Verminderung ber Truppen im Ruhrgebiet.

Sn einer von bem Vorsitzenben ber beutschen Frie- bensbelegation in Berlin bem Präsidenten der Frie­denskommission übergebenen Note ist darauf hinge- wiefen-worden, daß infolge der bis zum 21. April burchgeführten Verminberung bie Kopf stärke ber Truppen in ber 50 Km. Zone bie zu­lässige Zahl nicht mehr übersteigt, baß nur noch bie Zahl ber Verbände um 10 Infanterie-Bataillone unb 10 Batterien überschritten ist.

Die weitere Verminberung ber Derbänbr ist im gegenwärtigen Augenblick nicht angängig, ba bie Durchführung ber polizeilichen Maßnahmen in ben stark bevölkerten dicht beieinander liegenden Ort­schaften es besonders vorteilhaft erscheinen lassen, kleine Verbände zu verwenden. Unter diesen Umftänben hat die deutsche Regierung gebeten, daß die zulässige Trup­penzahl «entsprechend früherer Anträge lediglich nach Köpfen bemessen werbe. Sie müsse aber mit besonderem Ernst und im Bewußtsein ihrer Verant­wortung immer wieder darauf Hinweisen, wie wichtig es ist, immer wieder für die Ruhe Sicherheit und Ordnung in dem Gebiet einstehen zu können, das den Kern des deutschen industriellen Lebens bildet.

Dem Vorsitzenden des interalliierten Ueberwack»- ungsausfchusses für das Landheer, General Rollet, ist außerdem eine genaue Uebersichi der Trup- penverbände in ber 50 Sm. Zone übermittelt worben.

Das Echo der beutschen Vorschläge.

Wie aus San Remo gemelbet wirb, hat bie deutsche Note, welche die Forderung nach einer Armee von 200 000 Mann stellt, in Konferenzkreisen leb­haften Eindruck hervorgerufen. Es scheint, baß sie ohne Ueberraschung unb auf englischer unb italienischer Seite sogar mit einem gewis­sen Wohlwollen ausgenommen wurde. Auf französischer Seite behält man sich die Bildung einer Meinung vor bis zur Prüfung dieser Frage durch die Konferenz. Es möge fein, baß bie bolschewistische Ge­fahr eine Vermehrung bes deutschen Heeres nötig mache, welches allerdings schon zahlreicher sei, als es sein solle. Nach bem militaristischen Staatsstreich Kapps könne aber Frankreich gegen eine Verstärkung ber beutschen Armee Bebenken hegen. Wenn der Bolschewismus zu fürchten sei, so sei es der Militarismus nicht weniger. Wenn ber Friebensvertrag baher die von Deutschland gewünschte Aenderung erfahre, erscheine es gerechtfertigt, baß Frankreich genügenb Garantien erhalte gegenüber jebem Versuch einer militärischen Revanche. Die beutsche Note werbe den Regierungschefs Anlaß geben, bas ganze Problem der Entwaffnung Drutjchlanbs zu

Edelgard trat einen Schritt von ihm zurück. Ihre Wangen bedeckten sich mit fahler Blässe.

„Das konntest Tu nicht tun, Vater I" sprach sie mit bebender Stimme.

„Gelviß konnte ich», denn ich wollte nur Dem Muck!"

„Tu hattest kein Recht dazu —*

„Komm mix nicht stets mit Deinen Phrasen!" fuhr Lynden zornig auf. „Diese Torheit mit Harald v. Fre. dersdorff muß endlich ein Ende haben! Du wirst die Werbung des Ministers annehmen!"

„Ich werde es nicht tun, Vater!*

„Ich fordere eS, ich befehle eS Dir!"

„Ich bedauere. Deinem Befehle diesmal nicht nach- kommen zu können."

„Du — Du weigerst mir den Gehorsam?"

„In diesem Falle — ja!"

„Und wenn ich Dich enterbe — wenn ich Dich ver­stoße?" : V A.i !

„Auch dann Vater!" >

Lynden zitterte vor Wut. Seine Augen blitzten, er erhob seine Hand — ruhig und ernst blickte ihm Edel, gard in die Augen.

Ta ließ er den Arm sinken und sagte mit zorn­bebender Stimme:

„Noch einmal, Mädchen, bedenke, was Du tust! Ent- weder folgst Du meinem Befehle — oder Du gehst als Bettlerin von der Schwelle meines Hauses!"

„Ich fordere nichts von Tir."

„Als Betilerin — bedenke das! Und dann sieh zu, ob dieser bankerotte Gutsbesitzer Dich aufnimmt."

„Er wird es tun, Vater. Wir verlangen nich!S von Deinem Reichtum — unsere Arbeit, unsere Liebe ist unser Reichtum und Glück."

Er starre sie mit großen, wilden Augen an, wie eine überirdische Erscheinung.

Dann lachte er schrill und höhnisch auf und machte eine spöttische Verbeugung:

„Tamnedl" stieß er hervor. „Ich wünsche Euch viel Gluck zu diesem Bunde. Aber ich schwöre es Dir zu: nicht einen Pfennig bekommt Ihr von mir — nicht,einen Pfennig! Du bist meine Tochter nicht mehr —

„Barer, ich bitte Dich —'

„Laß mich! Entweder Du verläßt jetzt, in dieser Minute noch, mit mir dieses HauS und Tu betrachtest Dich al? die Verlobte de? Ministers — ober Tu exi­stierst für mich nicht mehr —"

Deutsche Nationalversammlung.

Die deutsche Nationalversammlung erledigte am Don­nerstag einige kleinere Vorlagen, darunter den Bericht, des Ausschusses für Wohnungspolitik betr. die Errich­tung von Bergmannswohnungen Für diesen Zweck sind bekannllich Reichsmittel zur Verfügung gestellt. Einer Anregung von sozialdemokratischer Seite Folge leistend — wurde beschlossen, daß auch für die Errichtung von Wohnungen der Erz-Industriearbeiter öffentliche Mit- tel zur Verfügung gestellt werden sollen und zwar aus, den Erträgnissen der AuslanLsüberpreise für die Erz-, und Kaliindustrie.

Im Mittelpunkt der Verhandlungen am Donnerstag stand bie zweite Beratung des

Entwurf eines Reichswahlgesetze*.

Dieser Entwurf ist ein Provisorium, das nur für dN nächsten Reichstagswahlen, die, wie jetzt endgiltig fest» steht, am 6. Juni stattfinden werden, Geltung haben soll. Bei ber Kürze ber Zeit, die bis zu den Wahlen noch zur Dersügung steht, ist es nicht möglich, das enbgilfige Wahl­gesetz noch zu verabschieden und vor allem bie auf Gründ ber neuen Gesetze notwendig werdende Neuorganisation der Wahlen selbst durchzuführen. Man hat sich deshalb damit begnügen müssen, ein vorläufiges Reichs- fagswahlrecht zu schassen. Der vorliegende Entwurf läßt im wesentlichen die Grundlagen des geltenden Wahlrechts unverändert. Er beseitigt nur diejenigen Mißstände, dir sich in der Praxis bei den letzten Nationalwahlen her- ausgestellt haben. Die wichtigsten Neuerungen sind, daß nicht mehr, wie im geltenden Wahlrecht eine s e st um­schriebene Mandatszahl festgelegt wird, fordern doh auf je 60 000 abgegebene Stimmen ein Mandat ent­fällt. Die zweite wesentliche Neuerung ist die Schaf­fung der Reichslisten. Diese hat ben Vorteil, daß auch die Reststimmen, bie nach ben jetzigen und den früheren Wahlrechten nicht zur Geltung kamen, insofern bei ben nächsten Reichstagswahlen zur Geltung kommen, daß auf 60 000 Reststimmen ein weiterer Abgeordneter kommt, vorausgesetzt, daß dieselbe Partei in demselben Wahlkreis mindestens ein Mandat erlangt hat. Die dritte Neuerung ist bie Zusammenlegung von 2—3 Wahlkreisen zu einem Wahlkre-isverband, eine Maßnahme!, die gleichfalls dem Ausgleich der Stimmen dienen soll.

Die Aussprache über den grundlegenden Paragravhen 1 ergab, daß alle.Parteien darin einig sind, daß der Vor­lage, so wie, sie 'der Ausschuß gestaltet hat, jugeftimmt; werden kann', aber sie alle taten dos mit bem Vorbehalt,! daß bas enbgiltige Wahlgesetz noch durchgreifenden Aen-> berungen unterzogen werden muß. Für bas Zentrum'

Nachspiel der Putschtage.

Entlassung von Landräien.

Amtlich wirb mitgeteilt: Beim preußische« Minister bes Innern finben jetzt Besprechungen für bie ein­zelnen Provinzen statt, bie ber Erörterung ber Frage bienen, ob unb inwieweit Personaloer­änderungen erforderlich sinb, um in einzelnen Verwaltungsbezirken bas bisherige Vertrauensverhält­nis zwischen Behorbe unb ben verfassungstreuen Schichten ber Bevölkerung wiederherzustellen. Das Refultat einer solchen Sitzung für Pommern ist bereits bekanntgegeben worben. Eine weitere Besprechung befaßte sich mit S ch l e s i e n. Es ist beschlossen wor­ben, 7 Lonbräte zu beurlauben, von benen 3 beur­laubt waren.

Die Reichswehr.

Major v. Gilsa, ber vertraute Berater Noskes, ist aus bem Stabe bes Reichswehrministers ausge-

«Nein, Herr Doktor, ich bleibe hier!"

„Wie Sie wollen, gnädiges Fräulein. Mer ich k«ru Ihrem Herrn Vater gegenüber bie Verantwortung nicht übernehmen."

„Ich werde sie ganz allein tragen."

„Nun gut, — dann bin ich's zufrieden I"

In diesem Augenblick ertönte auf dem Pflasder des Hofes das dumpfe Rollen eines Wagens.

Hans eilte hinaus, um nachzufehen, wer ba noch gekommen sei.

In bem bämmerigen Hausflur trat ihm eine hohe Gestalt entgegen.

„Herr Lynden — Sie hieö?"

-Ja, ich bin es, Herr Rittmeister! Wie geht eS Herrn v. FrederSborsf?"

„Er bedarf ber äußersten Ruhe . . .'

-Ich will seine Ruhe nicht stören! Ist meine Toch- 'er noch hier?"

»Ja, Herr Lynden."

„Wollen Sie die Güte haben, ihr zu sagen, daß ich lle hier erwarte. Mein Wagen hält vor der Tür, um nach ber Stabt zu bringen."

■ »Wollen Sie nicht eintreten, Herr Lynben? Ich toetbü Ihr Fräulein Tochter sofort von Ihrer Ankunft benack>ri<btigen."

Mit diesen Worten öffnete Hans bie Tür eines ; immer?, welches, mit altväterlichem Hausrat ausge- i'aitet, in dem Zwielicht des Abends einen düsteren Cmbrmf machte.

. -Ich kann auch hier draußen warten," versetzte "■‘^ben abweisend.

-Ich bitte Sie, dennoch emzufreten, Herr Lynden," c:-i.>e;nci' Hans. „Ich glaube. Sie werden eine Weile ,f<iricn müssen."

»®:rt — ich werde warten."

Er trat in das Zimmer unb Hans entfernte sich mit e.;t Gefühl, daß jener nicht in friedfertigem Sinne fetou.jr.en war.

Noch einer Weile trat bet alte Friedrich mit einet •'■t -inenben Lampe ein, stellte sie schweigend cuf ben C-e'6;v_ schweren Eichentisch unb entfernte sich wieder. . »Wie in eifern Trödlerlaben," brummte Ltmben ^>t ingrimmigem Lächeln in ben Bart. „Hier riecht es nach Staub unbu Moder vergangener Jahrhunderte, ^eine solche Welt passen wir freilich nicht mehr hin-

Das ist es ja gerade, was das Zentrum aus allen schen Reichskanzlers in San Remo für Kräften angestrebt hat. Es hat in dieser Hinsicht s:- m"rt * """

manches erreicht unb viel Uebles verhütet, — aber nur badurch, baß es mitarbeitete an bem Ver-