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Verhaltens nicht zürnen."

Lynden klingelte und fragte bat ner, ob Edelgard zu Hause sei.

»Tas gnädige Fräulein ist mit mark auf dem Rade fortgefahren-" „So melden Sie es mir sofort, zurückgekehrt sind."

„Ich sah vor wenigen Minuten

schicken?"

„Gewiß, Herr Lynden," entgegnete Else scheu zaghaft.

Lynden ging ins HauZ zurück und begab sich

Das Pferd war vor Schreck tiefer in den Wald Vnemgestürmt — und Harald lang hingestreckt an der Erd« — flach auf dem Rücken — ein Blutstrom ertt- ^uoli seinen Lippen — die Augen waren fest geschlos. fett Totenblässe bedeckte sein Gesicht.

Tin Felsstück hatte seine Brust getroffen und ihn «blos niedevgestreckt. •

Mit einem Schreckensschrei wmf sich Edelgard über

Dann kniete sie neben ihm nieder, hob sein Haupt wischte mit ihrem Taschentuche das Blut bo:i Jetten Lippen und flüsterte Zärtlich seinen Namen.

Gr schlug matt die Augen auf und ein freundliches Lächeln verklärte sein blaffes Gesicht. Er murmelte ^ren Namen, dann sank er in die Bewußtlosigkeit zu, rück.

Edelgards Energie erwachte. Hier tat schnelle Hilfe not Sie bettete Haralds Haupt sanft auf das Pimd, das sie von ihrem Rade losschnallte; dann eilte ne an den Rand des Steinbruchs und rief und winkte T®1 Arbeitern,, die mit dem Aufräumen der entzünde­ten Mine beschäftigt waren.

»Waz ist los da oben?" schrie der Aufseher zurück.

-Kommen Sie rasch mit einigen Leuten herauf," ?igegnete Edelgard, „Herr von Fredersdorfs ist von ®nem Stein getroffen und verwundet."

»Wir kommen sofortig tönte es zurück und nach Einigen Minuten erschien der Aufseher und mehrere Arbeiter.

»Haben Sie eine Tragbahre da?" fragte Edelgard, »Gewiß. Für solche Fälle ist alles vorhanden." »Gut — so tragen Sie den Herrn Bcrron vorsich.

*•0 »ach Fredersdorfs zurück. Legen Sie ihn auf einige Decken."

»Unbesorgt, Fräulein, es soll an nichts fehlen. Äber allem müssen wir einen Arzt haben."

»Richtig! Ich werde so rasch wie möglich nach der ^adt fahren und einen Arzt holen."

»Benachrichtigen Sie nur den alten KrcisphysikuS, Fräulein, der k^nnt den Herrn Baron schon lange und «mmt gleich mit."

»In einer halben Stunde bin ich in der Stecht. Dieser Weg führt doch nackt derselben?"

»Ja — nach hundert Schritten kommen Sie auf die Fahrstraße."

gleich vier Uhr —*

„Bekümmern Sie sich nicht um Sachen, die nichts ang«hem" herrschte Lynden den Diener »Tun Sie, was ich befohlen."

Der Diener entfernte sich.

Nach zehn Mnuten fuhr der Wagen vor.

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Sie kam dabei zufällig an einen Steinbruch, wo sie Herrn v. Fredersdorff traf. Als sie miteinander spra. chen, wurde plötzlich eine Mine in dem Steinbruch ab. gebrannt und einer der emporgeschleuderten Steine traf Herrn von Fredersdofff so schwer, daß er bewußt­los zuscrmmenbrach und von den Arbeitern nach dem Schloß getragen wurde. Edelgard fuhr nach der Stadt zurück, um einen Arzt zu benachrichtigen. Auf diesem Wege trafen wir mit ihr wieder zusammen."

»Den Arzt zu benachrichtigen, — das war wohl Menschenpflicht," erutgcgtictte Lynden mit finsterem Ernst. »Wer das hätte auch von hier aus geschehen können. Weshalb kam Edelgard nicht mit Ihnen zu- rück, Fräulein Else? Und wo ist Herr von Beben, roch?"

„Herr v. Bebenroch ging sofort nach Schloß Fre- dorsdorsf zurück, um seinen Vetter zu pflegen. Edel­gard wollte ebenfalls erst Nack;richt über das Befinden des Verletzten einziehen, ehe sie hcimkehrte."

Lynden stampfte leicht mit dem Fuße auf.

„Welche Torheit," murmelte er zwischen den Zäh.

„Nach Schloß Fredersdorff," befahl Lynden Kutscher. »Fahren Sie so rasch wie möglich . . dem Diner kann eine halbe Stunde gewartet werden/

»Gut, gut! Gehen Sie nur ja vorsichtig mit dem Verwundeten um!"

»Unbesorgt, Fräulein. Ter Herr Baron ist uns allen lieb und wert. Er hat ein Herz für seine Leute und wir für ihn!"

Eilig schwang Edelgard sich in den Sattel und fuhr davon, so rasch sie konnte.

2 0. Kapitel,

„Ihr Antrag, Exzellenz, ist für meine Tochter und mich im höchsten Grade ehrenvoll, um so mehr, als Sie das Vergangene freundlichst der Vergessenheit an­heimgeben und meiner Tochter wegen ihres damaligen

seinen Börsengeschäften verwerten können! Und all dies sollte durch die sentimentalen Träumereien eine» Mädchenherzens vereitelt werden?

Nein, nimmermehr!

Er hatte eS in der Welt da draußen verlernt, auf solche Narrheiten Rücksicht zu nehmen.

Aergerlich schellte er dem Diener und fragt«, 06 seine Tochter noch nicht zurückgekehrt sei.

»Nein, das gnädige Fräulein ist noch nicht da."

„So lassen Sie meinen Wagen anspannen l"

»Darf ich Herrn Lynden darauf aufmerksmn machen, daß das Diner um fünf Uhr bestellt ist? Es ist jetzt

sein Zimmer.

Dieser Ztuischenfall kam seinen Plänen im höchsten Grade ungelegen. Edelgard würde durch ihre alberne Sentimentalität noch alles verderben. Er wußte ja, daß sie noch immer an diesem armseligen Fredersdorff hing und er hätte ja auch gegen eine Verbindung mit ihm nichts einzutvenden gehabt, wenn sich ihm und sei­ner Tochter nicht ganz andere Aussichten eröffnet hät­ten Er war nicht mehr der weichherzige Mann, sich dm'ch törichte senimentaie Rücksichten leiten zu lassen; als Schwiegervater der Ministers — der hoch in der Gunst dcS Monarchen stand und von diesem den «rbli- chen Adel erhalten hatte — würde er in der Residenz eine Stellung einnehmen, wie er sie in seinen kühnsten Erwartungen nicht erträumt hatte.

Und welche wertvollen Informationen würde er durch den Minister erholten! Wie würde er diese i«

Sie, an/

nen. »Ich werde Edelgard verbieten, sich um Dinge zu bekümmern, die sie nichts angehen. Wenn mein« Tochter zurückkommt, wollen Sie sie dann sofort zu

wandte er sich an den Diener.

Dann stieg er ein; der Diener schloß die Tür und der Wagen rollte rasch davon.

Um Harald, der matt und angegriffen auf seinem Lager ruhte, war der alte, weißhaarige KreisphysikuS Dr. Mertens beschäftigt, während Hans und Edelgard ihm die nötigen Handreichungen leisteten.

»ES wird schwer fallen," sagte der Arzt im Vor­zimmer zu Hans und Edelgard, »eine geeignete Pfleg, für unseren Kranken zu finden. Ich denke, hrir for­dern telegraphisch von Berlin einen geeigneten Kran­kenpfleger und eine Diakonissin."

„Die Diakonissin werde ich ersetzen können. Her Doktor," entgegnete sie kurz.

„Ich würde Ihren Vorschlag mit Freuden anneh­men," fuhr der Arzt fort, »denn wie ich schon bcmerv habe, üben Sie einen sehr footy tätigen Einfluß au, den Verwundeten aus. Dennoch kann ich Ihr Aner­bieten nicht annehmen, bevor nicht Ihr Vater seine Zu, stimmung erteilt hat."

„^b werde an meinen Vater schreiben . . ."

^Wollen Sie nicht meinen Wagen benutzen, nm nack der Stadt zu fahren?"

^Fortsetzung folgt.)!

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mark allein zurückkehren. Das gnädige Fräulein ist noch im Garten."

„Es ist gut. Ich werde selbst hingehen."

Im Garten stand Eise bei ihren Schwestern und er. zählte in lebhaster Erregung irgend einen Vorfall.

„Was gibt's denn, Fräulein Else?" fragte Lynden, näher tretend. »Es ist doch kein Unglück geschehen?"

„Allerdings," entgegnete Else, erhitzt von der ra­schen Fahrt. »Herr v. Fredersdorff ist verunglücktl"

„Was geht das uns an?" sagte Lynden achselzuckend.

»Wo ist Edelgard?"

„Sie holt einen Arzt und ist, wie ich vermute, nach Schloß Fredersdorff gefahren."

LyndenZ Gesicht verfinsterte sich.

„Wie kommt meine Tochter dazu?"

„Wir trafen Edelgard in voller Fahre auf der Straße *

„Wer — wir?" fragte Lynden. „Waren Sie nicht allein mit Edelgard?"

Else errötete.

„Wir hatten Herrn v. DeSenroth getroffen," fuhr sie fort, indem sie vor Lyndens forschendem B.ick d,e Augen verwirrt niederschlug. »Ta Herr v. Bebenroth kein Rad mitgebracht, gingen wir — er und ich zu Fuß weiter, während Edelgartz in den Wald radelte.

Donnerstag, 22. April 1920

Verantwortlich für den redaktionellen Teil i. 83.: Dr. Kramer.

:: für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda.

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda.

Fernsprecher Rr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

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* DaS größte Wasserstraßenprojekt der Welt. Die Vorlage über die Grotzschiffahrtsstraße Rhein—Main—Donau, das größte Wasser­straßenprojekt der Welt, dos eine fünfzigjährige Ge­schichte hat, ist (tote schon kurz gemeldet) im bayerischen Verkehrsministerium fertiggestellt und in Form eines Antrages dem Reichskanzler für die Nationalversammlung zugegangen. Es handelt sich um die Rhein—Mainkanalisierung bis Nürn­berg und um den Ausbau der Donau von Kelheim bis Reichsgrenze unterhalb Passau. Nürnberg soll deutscher Rheinhafen, Regensburg deutscher Donau­hafen werden. Die Kosten betragen, nach Frie­denspreis berechnet, 411 Millionen Mark. Dazu kommt, daß die Wasserkräfte dieser beiden großen Schiffahnsstraßen auf der bayerischen Strecke durch 37 elektrische Kraftwerke ausgenutzt werden sollen, Kostenpunkt rund hundert Millionen Start. Dafür werden annähernd 620 Millionen Kolowatt­stunden oder 164 000 Pferdekräfle geleistet.^ Der Ertrag der Schiffahrt und Wasserkräfte soll jährlich

Ein DemonsiraNonszug der kriegsblinden.

Die Kriegsblinden Berlins versammelten sich am Mittwoch im Kasino des Arbeitsministeriums, um gegen das Militärversorgungsgesetz Stellung zu nehmen. Sie behaupteten th dieser Ser- sammlung, in der neuen Vorlage nicht genügend be­rücksichtigt worden zu sein, namentlich bei der Klassi­fizierung der Kriegsbeschädigten schlecht abgeschnitten zu haben.

Nach einer Entschließung bildete sich ein Zug von ungefähr 400 Kriegsblinden mit ihren Frauen, Krankenschwestern und Führerhunden, der zum Reichstag zog. Hier entsandten sie eine Abordnung zur Nationalversammlung, die die Beschwerden der Kriegsblinden vortrug. Es wurde ihnen eine wohlwollende Erwägung zugesprochen. Dar­auf zerstreute sich der Zug, der einen Mitleid er­weckenden Eindruck machte, in aller Ordnung.

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wie der Friedensvertrag vorsieht, auf 300000 Mann zu erhöhen. Das Memorandum macht Angaben über die Anzahl der Infanterie- und Kaval­leriedivisionen sowie über die Zahl der schweren Bat­terien und Fliegergeschwader, die das Kriegsministe­rium beizubehalten wünscht. Die dritte Note über­mittelt den Text der deutschen Antwort an die inter­alliierte Kontrollkommission bezüglich der Auf­lösung der Einwohnerwehren. Hier ist eine Abschrift des Schreibens beigefügt, in welchem die deutschen Bundesstaaten aufgefordert wurden, dem Begehren der Entente um Auflösung der Einwohner­wehren zu entsprechen.

Erleichterungen für das neubesetzte Hessen.

Nach einer Meldung aus Darmstadt hat der französische Oberbefehlshaber unter Hinweis auf die korrekte Haltung der Bevölkerung auf das mili­tärische Visum für den Verkehr zwilchen besetztem und unbesetztem Gebiet verzichtet. Der bisherige Ertrag der Visum-Gebühr wurde von den Franzosen örtlichen Wohlfahrtseinrichtungen überwiesen.

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Der neue Netchshaushaltsplan.

Unter welchen geradezu grauenerregenden Finanz- «rhältnissen die Reichsoerwaltung heute stehl, zeigt ein »(irf in den neuen Reichs-Etat. Schcmdeind möchte man sich sofort wieder abwenden, aber als Politiker sind wir gezwungen, auch dieses Dokument einer Würdi- gung zu unterziehen.

*Nur einige Zahlen: Der Reichshaushaltsplan für ja« Jahr 1920 führt in den laufenden Einnahmen 25 Milliarden und in den fortdauernden und einmaligen Ausgaben 27,95 Milliarden auf, sodaß sich rech­nungsmäßig ein Defizit von 3 Milliarden ergibt. Dazu kommen nun aber im außerordentlichen Haushalt noch weitere Ausgaben in Höhr von nicht memger als 12 Milliarden Mark. Es ergib: sich somit eine Gesamtausgabe für 1920 von rund 40 Milliarden SRatf. Aber auch damit noch nicht genug: Aus dem Haushaltsplan für Post und Eisenbahn ergibt sich schon nach dem heuttgen Stande ein Fehlbetrag von iZMilliardenMark. Dieses Defizit steigt täg­lich, ja stündlich, und der Reichspostministcr Hut soeben in der Nationalversammlung die Erklärung abgegeben, -aß das Defizit bei der Reichspost, welches auch nach Eingang der mit Wirkung vom 1. Mai ab in Kraft tretenden ganz ungeheuerlichen Tariferhöhungen auf etwa 1 Milliarde veranschlagt war, infolge der inzwi­schen weiter aufgetretenen Lohn- und Gehaltssorderun- gen auf etwa 1 Milliarde 400 Millionen Mark anwach- fen wird!

Wie nun aber soll man dieses Riesendefizit decken? Der frühere Reichsfinanzminister Erzber- ger hatte die jährliche Deckungssumme, die also durch Steuern und dergleichen aufzubringen ist, auf nicht weniger als jährlich 24 Milliarden Mark beziffert. Um diese fabelhafte Summe zu decken, hat Erzberger ein Steuergebäude konstruiert und durch die Nattonal- oersammlung aufbauen lassen, welches zwar, soweit die papierne Errechnung in Frage kommt, die Deckung des gewaltigen Bedarfs ermöglichen würde, aber man darf sich darüber nicht täuschen, daß die Erzbergersche ßstianzreform schon aus technischen Gründen gar nicht so zeitig und zweckmäßig durchgeführt werden konnte und kann, daß auch nur ein stärkerer Bruchteil der oben bezifferten Deckungssumme beschafft zu werden vermöchte. Nun aber liegen die Dinge heute schon so, daß selbst der von Erzberger berechnete Deckungs- betrag nicht mehr ausreicht. Es müssen neue Einnahmequellen geschaffen werden. Aber mtch darüber gibt es nun keinen Zweifel mehr, daß neue Steuerquellen nicht mehr in Frage kommen können. Das hat übrigens auch schon Erzberger wiisderholt in der Nationalver­sammlung ausgesprochen, indem er erklärte, daß mit seiner Finanzreform die höchstmögliche steuerliche An­spannung der Staatsbürger erreicht sei. Der neue Finanzmimster Wirth muß sich daher um neu» Fi­nanzquellen bemühen. Was das laufende Defizit von etwa drei Milliarden cmgeht, so wird zu dessen Deckung wahrscheinlich die Erhöhung der Koh­lensteuer in Frage kommen. Für die Abtragung der großen Schulden aber müssen ganz andere Maß­nahmen ergriffen werden. Finanzminister Wirth denkt vorwiegend an die Einführung von Monopolen. Darüber hinaus will er aber auch noch neue For­men der Besteuerung suchen. Es wird dabei anschei­nend an eine Zuweisung des Besitzes und der Erträgnisse gewisser produktiver Wirtschafts-Unternehmungen gedacht. Man plant, wie Dr. Wirth sich ausdrückte, „neue or­ganisatorische Zusammenfassungen, die große Produk­tionszweige der Wirtschaft zu umfassen haben". Man darf sich darunter wohl eine gewissermaßen trust- artige Verbindung bezw. Zusammenfassung bcstimm- hr Produktionszweige und ihre steuerliche Ausnutzung m Interesse des Reiches denken. Das ganze käme Äfo auf eine Produktiv ns ft euer größten Stils hinaus. Aber auch ein derartiges steuerliches

finanzmimster Wirth erklärte, daß durch die Dor- weynahme dieser Zuschläge die Finanzgebahrung des Reiches auf lange Zeit auf das Empfindlichste bcem. trächiigt würde, aber dem arbeitenden Manne die Le' bensnÄwendigkeiten garantiert iverden müß!en.

Nächste Sitzung Donnerstag. Wahlgesetz, Reichs, präsidentenwahlges etz.

Preußische Landesversammlung.

Die Mittwochsitzung der Landesversamnttung war der Trauerfeier für die ans Reich übergehende preußische Eise., bahn geweiht. Von an eit Seiten des Hauses klang aus den Erörterungen Über den vorliegenden Gesetzentwurf betreffend den Staats, vertrag zwischen Preußen und dem deutschen Reich über die Uebertiagung der preußischen Staatsbahnen auf das Reich die Stimmung heraus, 5aß man nur ungern diesem Staatsvertrag zustimme. Aber da das Wohl des Vaterlandes und des Reiches diese Zustimmung vcr> lange, so könne man sich dem nicht widersetzen.

Ob die Trauer um die liebe gute preußische Eisen­bahn auch wirklich so ehrlich war? Ma, Haiti doch die Ueberzeugimg, daß hier und da der Eisenbahn nur eine Krokodilsträne nachgeweint wurde, denn schließlich wälzte man ja das Defizit von 1 2 Milliar­den, das die preußische Eisenbahn aufzuweisen hat. auf d i e Schultern des Reichs über während man als Uebernahmepreis 30 Milliarden dafür bu. chen konnte. Die Debatte verlief in ruhigen Dahnen und erregte mittelmäßiges Interesse. Denn da die Uebernahme auf das Reich nicht mehr verhindert weru den kann, bedurfte es keiner großen AuSeinanderfetzun. gen. Dieser Schritt ist zur Vereinheitlichung unseres I Staatswesens, nach der wir ja streben, von zwingender Notwendigkeit. Dies betonte auch der Minister Oeser, der mit dieser Rede wohl seinen Schwanengesang an- stimmte, und er wünschte nur, daß auch die Reichseisen, bahn ihren guten Ruf und ihre Vorbildlichkeit wahren ntögf. Der Staatsve rtrag wurde in zweiter und dritter Lesung mit großer Mehrheit angenommen,

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Deutsche Nationalversammlung.

Wie am Mittwoch, so mußte sich die deutsche Natio­nalversammlung auch am Tonnerstag mit einer der vielen Unzuträglichkeiten befassen, deren Wurzel der ungerechte Friedensvertrag ist. Den größten Teil der Verhandlungen der Nationalversammlung am Donners, tag nahm die Besprechung einer Interpellation der Rechten ein, die sich gegen die Unterbindung des deutschen Durchgangsverkehrs nach O st Preußen richtet. Die Polen haben schon wie­derholt den deutschen Durchsangsverkehr nach Ostpreu. tzen und auch nach Danzig in der willkürlichsten Art be. hindert und unterbrochen. Die Absicht, die sie doBei leitet, ist ganz augenscheinlich, die Abstimmung in Ost­preußen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Wenn die Wurzeln dieser Uebergriffe von polnischer Sette letzte» Endes auch in der unverständigen Bestimmung des Frie- densvertrages, die den Polen mitten durch deutsches Land den sogenannten Korridor an die Ostsee zugestan. den hat, liegt, so bleibt dennoch genug übrig, um gegen die willkürlichen Maßnahmen der Polen, die rntt dem Friedensvertrag in Widerspruch steht, schärfsten Protest zu erheben . t ,

Der Vertreter der Reichsregierung, der Außenmim- fier Dr. Köster, kündigte energische Maßnahmen bet Reichsregierung gegen die hinterhältige Taktik der pol­nischen Regierung an und versprach, daß die Reich?, regimtng alles tun werde, um die wirtschaftliche und kulturelle Verbindung des Reichs mit Ostpreußen mög­lichst innig zu gestalten. Ihm fchlossen sich alle Redner aus dem Hause an, so u. a. auch der Redner deS Zentrums, der Abg Dr. F l e i s ch e r, der sich in warmherziger Weise der Interessen Ostpreußens und auch Danzigs annahm und zur Verbesserung der Ver» kehrsverhältnisse zwischen dem Reich und Ostpreußen die Schaffung eines ausreichenden Seeverkehrs dringend befürwortete. Er richtete eine ernsthafte Mahnung an die Einsicht des polnischen Volkes, den Bogen nicht zu überspannen und appellierte an den SB öl. kerbund, daß er den unhaltbaren Verkehrszuständen im polnischen-Korridor und den wWürlichen Uebergriffe« der polnischen Regierung so schnell wie möglich ein Ende mache.

Der deutschnationale Abg. Schulz, der in der Sache mit seinen Vorrednern übereinstimmte, suchte die Gelegenheit zu benutzen, parteipolitische Ge » schäfte zu besorgen. Dem trat der Reichskanzler Müller entgegen, der ihm das Konzept sehr gründlich verdarb und auf wiederholte Zwischenrufe der Deutsch, nationalen sie darauf hinwies, daß ihre verblendete Kriegspolitik die Ursache allen Uebels ist, die das deut­sche Volk über sich ergehen lassen muß.

Außerhalb der Tagesordnung nahm die Versamm­lung einen Antrag betr. Auszahlung der zwischen I der preußischen Eisen bahn Verwaltung und den Eiscn- I bahnerorganisationen vereinbarten

I TeuerungSzufchläge für Eifenbahn. a r b e i t e t

I in Höhe von zunächst 2’4 Milliarden Mark ge- I QfEn die Stimmen der Teulfchen Vollspartei an. Reichs-

Erfassen würde letzten Endes doch wieder die Der- j braucher in irgend einer Form, sehr wahrscheinlich > in weiteren Preissteigerungen für Produkte und Wa- > ren belasten. . ‘

Und immer und immer wieder müssen wir die Frage aufwerfen: wohin soll das fuhren? Kanu man sich wundern, wenn bei solchen erbännlichen Wirt- schastszuständen die Agitation und die Wühlereien der Radikalen immer breiteren Boden finden, derjenigen ApoNel, die da sprechen: Reißt alles nieder und sucht auf den Trümmern etwas neues zu schaffen? Denn die ganze Größe und Wucht des finanziellen Elends, in dem wir mitten drin stehen, sind ja noch nicht einmal durch die obigen Ausführungen umrissen: es fehlt ja immer noch der bis jetzt noch gänzlich unbe- kamate Posten für die Entschädigungsforde­rn n gen der Entente! . ,

Das alles zeigt uns, daß wir aus eigener Kraft, und wenn wir bis zur Ausmergelung unserer ohne­hin schon durch die vieljährigen Leiden _unb Entbeh­rungen kraft- und saftlos gewordenen Körper schaffen würden, niemals imstande wären, uns aus diesem Fiiianzsumpf herauszuretten.

Das Finanzproblem ist aber durchaus nicht nur ein deutsches, sondern ein europäisches, ja ein Waltproblem. Nur auf dem Wege internatio­naler finanzieller Zusammenarbeit könnte Deutsch­land wieder gesunden, und ein wirtschaftlich und fi­nanziell erstarkendes Deutschland wäre auch die beste Stütze und Gewähr für die Gesundung und Erneue­rung Europas. ___ ___

Der Oberste Rat und die deutsche Frage, i

Vertagung der deutschen Frage?

Nach einem römischen Telegramm der.Franks. Ztg/ schreiten die Arbeiten in San Nemo langsam fort unb endigen voraussichtlich am Samstag, sodaß die deutsche Frage erst auf der neuen Pariser Konferenz im Mai behandelt wird.

Immer wieder: Entwaffnung Deukschkands.

Lloyd George und Nitti hatten sich vor der Kon­ferenz schriftlich auf folgendes Programm geeinigt: Die Entwaffnung Deutschlands wird ge­fordert unter Androhung der W irt s ch a ft sbl o k- kade. Zugleich wird eine Politik der An» Näherung eingeleitet, wenn nötig, vermittels einer neuen Konferenz mit Deutsch­land, was einer Revision des Versailler Vertrages und dem Wiederaufbau Deutschlands mit Unterstützung der Alliierten gleichzustellen wäre. Die Frage der Wiedergutmachungen würde bei dieser Gelegenheit oder später behandelt werden. Frankreich ist mit die- en vorgeschlagenen Mitteln nicht einverstanden.

Der Erfolg des Herr« Beniselos.

Der Sonderberichterstatter des .Jntransigeant' in San Remo berichtet, Beniselos habe von England und Italien unterstützt, bei der Aufteilung der Türkei einen großen Teil erhalten. Griechen­land werde die gesamte europäische Türkei mit Aus­nahme der Bannmeile von Konstantinopel zuge- prochen.

Deutsche Vorschläge.

Die deutsche Delegation hat der Friedenskonferenz drei Noten zugehen lassen. Die erste ersucht um die Ermächtigung, den Bestand der in der Ueberein« funft vom 8. 8. 1919 für die neutrale Zone zugestandenen Truppen dahin abzuändern, daß statt einer gewissen festen Anzahl Einheiten ein gewisser Gesamtbestand zugebilligt werde. Weiter wird verlangt, daß in diesen Truppenbestand elf Bat­terien statt zwei inbegriffen werden. Sn der zweiten Note übermittelt die deutsche Delegation der Friedens­konferenz ein Memorandum des Kriegsministeriums, das dahin geht, die Ermächtigung zu erlangen, den Bestand der ständigen deutschen Armee von 100 000,