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Fuldaer Zeitung

Druck der Fuldaer Aetieudruckerei i« Fulda

Den

nach.

Säitd»

Tie Bauern können sich nur höchlichst tiertmin«

war.

dern, wenn man ihnen erzählt, daß zu manchen Zeiten in den Städten Schinken, Wurst und andere Lebens­

innerdeutscher Verhältnisse darf uns nicht genommer werden. Die Gefahr, die der Einheit des Reiches erwachsen könne, infolge der Schaffung einer neuen Mainlinie durch die Franzosen, sei ernsthaft zu be­zeichnen. Einige grössere Kundgebungen werden in nächster Zeit dazu dienen, erneut eine stärkere Werbung für die in der christlichen Arbeitnehmerbcwegung lebendigen Gedanken einziUeiten.

zwölf, di« mutig und entschlossen, die ernst ckrrokterfest genug wären, an di« Spitze zu treten? Ran muß sie suchen und häufig findet man sie nicht.

M 89.

Lamsta», 17. April 1920.

sehr dehnbar und vieldeutig sind — wer garantiert uns denn dafür, daß die Verfassung so bleibt, wie sie ist. Hat man nicht bei Beginn des alten Kulturkampfes der 70er Jahre ohne Bedenken die im Wege stehenden Derfassungsparagraphen kurzer Hand aufgehoben! Nur eine starke Zentrumspartei bietet dem kathol. Volke die Sicherheit, daß derartige Experimente sich nicht wiederholen. Darum wäre es das größte Unglück, wenn durch einseitige Interessen- Politik, Uneinigkeit oder Gleichgültigkeit der Wähler die Stellung des Zentrums erschüttert würde. Mehr als je gilt heute das Wort des auch in Fulda durch eine Reihe von Vorträgen in der Sodalität s. Z- bekannt ge­worden späteren Kölner Weihbischofs Schmitz, das er auf der Katholikenversammlung in Würzburg gesprochen:

„Wir müssen alle auf den Wällen der Kirche zu ihrer Verteidigung erscheinen, alle ohne Ausnahme: Gelehrte und Ungelehrte, Reiche und Arme, Hohe und Niedrige, keiner darf zurückbleiben. Sage niemand: ich bin nicht nötig, oder ich kann nichts nützen; sage nie­mand: die Sache geht andere an, man kann mich n:cht brauchen. Während der Belagerung tritt die allge­meine Wehrpflicht ein; wer sich zurückzieht, ist kein gu­ter Bürger der Kirche, er verdient den Namen eines Katholiken nicht."

Es darf nicht wahr werden, daß man auf den Leichenstein des Zentrums die Inschrift schreiben muß: „Don den Feinden nie besiegt, aber von denFreundenverlassen." Dagegen gilt mehr als je die Mahnung, die aus dem Munde des verstorbe­nen Kardinals Kopp an der Bahre Windthorsts erscholl:

Zwangswirtschaft.

Von Herrn Pfarrer Golbach, Simmershausen, Schriftführer des Kreisbauernveieins Gersfeld, gehen uns zu diewr Frage folgende Zeilen zu:

Nach den Aeußerungen des neuen Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft soll, wie ja voraus, zusehen war, die Zwangswirtschaft für einen großen Teil der landwirtschaftlichen Erzeugnisse beibehalten werden. Die Frage, ob die Zwangswirtschaft hierin wirklich so notwendig ist, wie immer seitens der Kon­sumenten behauptet wird, möchte ich hier nicht berüh­ren, aber auch dahingestellt sein lassen, ob jemals matz, gebende Stellen im Ernste andere Möglichkeit geprüft haben. Verständige Landleute und gerechte Beurteiler der bäuerlichen Verhältnisse haben übrigens nicht ein- fachhin Aufhebung der Zwangswirtschaft verlangt, am allerwenigsten zum Zwecke der Aufhetzung, sondern sie mußten und müssen auch jetzt, falls sie wirklich beiße» halten bleibt, auf eine gerechte Ausführung und Ausdehnung bestehen.

Hier seien einige Forderungen angegeben, welche- nicht nur die Bauersleute, sondern m. E. auch die Konsumenten stellen müssen, um die Zwangswirtschaft als gerecht erscheinen zu lassen.

11 Zwangswirtschaft in dem Sinne, daß der deut­sche Bauer die Ernte des deutschen Bodens auch dem gesamten deutschen Volke zuwenden mutz, ist jedem Bauer einleuchtend. Deshalb hat sich die Landwirtschaft auch nickt geweigert, alle Kraft anzuspcmnen, um wäh. rend des Krieges dem Boden möglichst viel Nahrung für das deutsche Volk abzuringen, und mancher Greis und manches Schullind würde sicherlich mit demselben Recht das Verdienftkreuz tragen wie mancher der damit Aus­gezeichneten. Eine gesetzliche Regslung. wonach das deutsche Volk auch teilnimmt an dem Ergebnisse seiner bLuerlichen Arbeit, also einer Zwangsbewirtschaftung, würde der Bauer sich auch nicht entziehen; das lehrt ihn besser als naturrechtlcke Erklärungen schon das gött. liche Verbot des Wuchers mit Lebensmitteln. Allein er kann nicht verstehen, wie die Behörden so manchmal sich zufrieden geben mit der Erfassung allein, und nicht | auch die Verwendung berücksichtigten. Wie ärgerten sich doch mit Recht die Erzeuger, wenn sie im Kriege zusehen mußten, wie landwirtschaftliche Produkte zur unrechten Zeit (Winterszeit oder Keimzeit) abgeliefert werden mußten, dem Bauer zum Schaden, für die Kon­sumenten zwecklos. Tie gerechte Fürsorge für das hun­gernde Volk hätte toeiterßin verlangen müssen, daß die Lebensmittel auch von sachverständigen Leuten verwahrt und behandelt wurden: Dem Dauer wurden Viertel, und Halbzentner genommen, auf den Lagern gingen I dagegen Tausende zugrunde. Warum -riff man da I nicht mit Strafen ein gegen solche, welche ohne Vcr- I siändnis und vielfach sogar teilweise ohne guten Willen I Lebensmittel in Verwaltung nahmen zum schaden der Konsumenten? Und auch dann mutzten wiederum die I Bauersleute büßen, wenn hier und da in Stadien bei dem Mangel gehöriger Aufsicht Schiebereien und Schwindeleien in größerer oder kleinerer Höhe ftottge. I funden. Ebenso verhält es sich mit der Auslandsware, die wohl auch großenteils in Deutschland gewachsen

t Wort an die katholische Männerwelt aöer Stände.

gn Lachen, der alten Kaiserstadt, war es, wo auf , ersten dort stattfindenden Katholikenoersammlung , Jahre 1862 einer der „drei großen Mainzer", Re» gf Dr. Moufang (die andern zwei waren Heinrich * Haffner) seine berühmte Männerrede hielt.

„der gewaltigste und glänzendste Redner aller Generalversammlungen", wie ihn die Augsburger «cfheitung damals nannte, vor fast 60 Jahren den Männern zugerufen, gilt auch wieder der kath. Männerwelt unserer Tage — auch in Fulda. Er Ohrte u. a. aus:

Gedeon auszog zum Kampfe gegen die Amale- fitet, da rief er die Männer auf, die ihm helfen soll- rit. und es kamen 30 000 Männer aus ganz Israel, die Schrift sagt: „Es waren der Männer zu tnel.' Und Gedeon entließ neun Zehntel feiner Märt- jgt und behielt nur ein Zehntel; und es waren immer Männer zu viel; und er entließ nochmals neun Lehnte!, und mit 300 schlug er den Kampf des Herrn! Luch wir leben jetzt in einer Zeit des Kampfes, auch #jt sollen schlagen die Schlachten GotteS, aber ich kann sagen: „Wir haben der Männer zu viel", ich föchte vielmehr sagen:

„ES fehlt n«s an Männern!"

. Ein Mann ist nicht jeder, der einen Frack ober atdf den Waffenrock trägt, ein Mann, das ist einer, Gesin nun g, der Charakter hat, der zarbe bekennt. Emen Manm nenne ich nicht KU, der zu Hause weint und heult Über die hechten Zeiten, sondern der eingreift um die schlech­ten Zeiten zu bessern; einen Mann heiße ich nicht den, der bloß an sich denkt, nur an feinen Vorteil, fein Ge- jj^ft, oder an feine Bequemlichkeit, sondern der kämpft ringt, und der hineintritt ins öffentliche Leben, um fit seine Ueberzeugung zu kämpfen, und der auch Opfer zu bringen bereit ist. DaS ist ein Mann mb in diesem Sinne sage ich: „Es fehlt unserer Zeit en Männern! Auch unsere Gegner haben keinen Ilederfluß an Männern. Wenn es gilt, da haben sie «hl eine Masse von Schreiern, von Krcckehlern,, die fern Volke allerlei Fortschritte vorschwindeln; aber es jcngelt auch ihnen an Männern.

Ez fehlt überall an Männern! Wenn

^"geleckten Sveichel des Klebers bekommen ine folgenden Empfänger umsonst.

In Berlin hoben sie jetzt den Tarif für die ßenbahn glücklich auf 50 Pfennig hinauf gestreikt. Seit» dem wird man mit den schmutzigen Fünfzrgpfennrgscheb-

Die Geldschein« lassen sich brechen. Zum großen Teile sind sie auch zum Erbrechen geeignet. Je kleö- *r, desto schmutziger. So ehr Fünfzigpfennigzeütel, der alle Tage durch ein Dutzend Hände und Taschen ivondelt, ist ein Düngerhaufen in Miniatur. Wer weiß, toitinel Keime an Krankheiten durch den verschmutzten Satiren gerbreitst werden! Wenn der Geldschein das Sitzen kriegt, wird er geklebt; meistens mit den Rän- torn von den gummiertem Mresmarkenbogen.

Deutsches Reich.

* 197 Milliarden Schulden. Rach einer Mitteilung des Reichsfinanzministers Dr. Wirth betrugen am 31. Mürz die fundierten Schulden des deutschen Reiches 92 Milliarden, die schwebenden Schulden 105 Milliarden Mark, zusammen 197 Milliarden Mk.

* Sine Ergänzung des Uok-Haushalkungsplanes ist der Nationalversammlung zugegangen. Im Haushalt des Reichsministeriums des Innern werden oie Mitte! ange- fordert für die diplomatischen Vertretungen in Belgrad, Brüssel, London, Paris,, Rom und Tokio so­wie für die Botschaft beim Vatikan. Im Haus­halt des Reichsministeriums des Innern werden u. a. ge­fordert 3 Millionen für Unterhaltung und Durchführung der Technischen Nothilse und 120 Millionen zur Unterhaltung der Sicherheitspolizei. Del den ein« maligen Ausgaben dieses Ressorts finden sich 5 Millio­nen zur Durchführung der Reichstagswahlen, der Wahl des Reichspräsidenten und von Volksabstimmungen. In den außerordentlichen Haushalt des Reichswirtschafts­ministeriums sind 30 Millionen Mark Vergütung an die Presse zur Papierholzverbilligung ein­gesetzt. Im außerordentlichen Haushalt des Reichsarbeits­ministeriums werden die Mittel für das Reichsamt für Arbeitsvermittlung angesordert. Im außer­ordentlichen Haushalt stehen 200 Millionen für Wieder­belebung der Bautätigkeit, zur Schaffung neuer Wohnungen durch Gewährung von Reichsdarlehen.. Bei den einmaligen Ausgaben des Reichswehrministeriums ist eine Summe von 8,3 Millionen zur Beseitigung von Kriegs- und Revolutionsschäden an Gebäuden und Geräten eingesetzt.

* Das Rezept des Bauern-Doktors. Dr. Heim hielt auf der Kreisversammlung der Bayerischen Volks­partei für die Oberpfalz eine längere Rede, in der er die Regierung in Berlin scharf angriff wegen ihrer lahmen und schwankenden Haltung in der äußeren, inneren und Wirtschaftspolitik. Dabei erklärte er u. a.: Wir müßten vor allem, um einen Preisabbau herbei­zuführen, in jedem Industriezweig zwei bis drei große Fabriken in Reichsverwaltung nehmen mitsamt ihrem Personal, kaufmännischen und technischen, und aus den dort gemachten Erfahrungen die Preise festlegen. Diese müßten maßgebend werden für alle Fabriken derselben Branche, wozu dann noch der Zuschlag für den Zwischenhandel käme. Nur Arbeit und Fleiß sichern uns ein Fortkommen. Alle Gleichmacherei ist ein Unglück. Wir müssen vor allem drei Dinge bei uns einführen, den Zehnstundentag, die Auf­hebung des Zeitlohnes und ein Streik- verbot, dann ist uns in wenigen Wochen geholfen. Wir haben dann den Preisabbau und eine Hebung der Valuta. Aber unsere Regierung hat nicht die Macht dazu gegenüber den verhetzten Arbeitermaflen, diese vaterländische Forderung durchzusetzen.

♦ Der Reichstagsabgeordneke v. Payer wird für die kommenden Rächstags- und Landtagswahlen nicht mehr kandidieren.

* (Sitte Berichtigung. Der Direktor des Deut­schen Landbundes, v. Woed tke, sollte während der KoPP-Tage mit Bezug auf die Tätigkeit des „Deut­schen Landbundes" erklärt haben, daß dieser in seiner agitawri chen und in seiner praktischen Arbeit ver­schiedene Wege gehe. Woedtke erklärt diese Nachricht für erlogen und erstunken.

k auch nur eine Handvoll Männer wo

kz fehlt eben an Männern! Und wenn ez Alt, zu den Wahlen zu gehen, o. wie sieht es da ast so traurig aus, wie rar sind die, denen man wirk­lich als charakterfesten Männern das Wohl des Volkes «wertrauen kann, wie schwankt bei vielen daA was sie ihre Ueberzeugung nennen, hin nub her. . .Es fehlt eben an Männern, ja, das ist der eigentlichste Mangel, den wir haben. Was könnte nicht alles ge, fchchen für unser« hl. kathol. Sache, aber eS fehlt an Männern! . . .

Männer müssen wir werden, im offe­nen Bekenntnis dessen, was wir im Her­zen tragen Soll es un§ nicht an Mannern feh­len, an Männern, die eS wahrhaft sind, so mutz alles Msammenwirken, Vater und Mutter beim Kinde, Kamil ienerziehung und Schulbildung kirn Jüngling, Betätigung der kirchlichen vnd staatsbürgerlichen Pflichten beim Manne — dann werden wir mehr feste Charaktere, mehr entschiedene Männer haben. Für jetzt, meine Herren, fehlt es noch an Männern."

Wortwörtlich fast könnte man, wie gesagt, diese .Männerrede" auch heute wieder halten, beson­ders jetzt, wo die Dorberellungen jur Reichstagswahl be­ginnen. Ein gewaltiger Wahlkampf steht uns diesmal bevor, wehe, wenn das katholische Äolk den E r n st d e r Etunde nicht begreift. Die endgiliige Regelung des Verhältnisses zwischen Kirche u. Staat, u. Kirche u. Schule wird durch den neuen Reichstag erfolgen. Wohl hat die Verfassung gewisse Richtlinien dafür aufge- ftettt, die der Kirche die Freiheit garantieren. Aber ganz ebgefefjen davtzn, daß die Bestimmungen über die Schule

recht viele hochgemute, von gleichem Streben getragene Männer aufrufen, in seiner untadeligen Weise zu kämpfen für Wahrheit, Freiheit und Recht. Pfr. A.

a gilt irgend einen notwendigen Verein zu gründen, irgend etwas zu schaffen und dafür mit Zeit, Geld und Namen einzustehen, wo ist

Es wird oft klug geredet von der Valuta und kräftig gezetert über die Teuerung. Ja. freilich, es ist schlimm, daß die Leute im Auslande all die Massen von Papier, gelb, das wir mit tausend Schnellpressen drucken las- sen, nicht für voll an nehmen wollen; aber wir Deut­sch en selbst brauchen deshalb nicht einen Fünfmarkschein so leichtfertig aus^ugeben, als ob es ein Fünfzigpfew- nigzettel wäre. Die Teuerung drückt schwer; doch sie wäre nicht so arg, wenn nicht bei den Käufen das Pa­piergeld so ungeheuer locker säße. Was der Mensch wirtlich braucht, das mutz er freilich laufen, wenn es auch teuer ist; aber wie vieles wird gekauft, was nicht notwendig ist und nicht einmal nützlich ist! Für Gaumenkitzel für überflüssigen Flitterkram, für zwei­felhafte ober gar schlechte „Veognügungien" weiDen Summen ausgegeben, die in Friedenszeiten genügt hät­ten, eine Klage auf Kuratell wegen Verschwendung zu begründen.

Ueberall wird vom Streiken gesprochen, mit Strei. len gedroht und leider wird auch vielfach verwegen drauflos gestreikt. Aber zu einem Streik der Käufer kommt es nicht. Sonst würden die Schieber und Schleich­händler nicht so fett werden. Deren Geschäft blüht trotz der hohen „Spesen" und der noch höheren Preise. Alles, was sie heranschaffen können, wird ihnen abge­kauft und manchmal t;'tauf'*r e noch mehr gegen bar, als nn sie haben. Die Hausfrauen, die doch eige>.tl:ch di« Priesteriitnen der Sparsan-eit ic-r. sc-', ten, sind großenteils auch von dem flau Hiebet bcfcl. len' Sie lassen ihr Papiergeld fliegen, um entbehrliche Sachen anzuschassen, und beschwichtigen ihr Gewissen sotvie den geduldigen Ehemann mit der Erwägung, nächstens werde e5 noch teurer. Daraufhin raucht der Hausvater den teuren Tabak flott weiter, ehe er noch teurer geworden ist.

Um so mehr Ehre gebührt den vielen wackeren Haus- stauen, Die auch in dieser Zell der Verschwendung sich zu behelsen wissen. Kochen können sie freilich nicht billig, I ober sie bringen es doch fertig, die preiswertesten unter den Nahrungsmitteln auszusuchen und mit verhältnismäßig geringem Aufwande einen schmackhaften und nahrhaften Tisch für M-nn, Kinder und Gesinde zu bestellen. Hut ah vor dieser Arbeit und' dieser Kunst. Ebenso vor der Sparsamkeit in der Kleidewersorgung! Wys läßt sich da nicht erreichen durch sorgsames Flicken, durch geschicktes Umarbeiten aller Sachen, die jetzt für den Trödler noch viel zu gut sind. Das ist Kleinarbeit, wie man jagt; sie bringt jedoch große Früchte. Ein tüchtiges Weib galt I schon früher als gokdeswert; in dieser Zeit der Not ist I sie platinwert.

Für die hauswirtschaflliche Sparsmnkell fft es von ent- | scheidender Bedeutung, daß wir entschlossen verzichten auf

erst recht gequält. Gibt man zur Bezahlung einen ^arffchein hin, der noch hattwegs anständig aussah, 1° bekommt man ein Lumpending wieder, das man wohl "der übel für 50 Pfg. einstecken muß.

Bei diesem Schmutzgeld geht der Sinn für Sauber- tot zu schänden. Auch der Sinn für Schönheit. Das Ee silbern« Fünfmarkstück war freilich kein vollends- te8 Kunstwerk; aber das Auge ruhte doch gern auf die- 'er soliden Metallscheibe und ihrer plastischen Prägung d°n Bild und Schrift Sein Stellvertreter ist und blecht ftotz allem Aufdruck ein Fetzen Papier, das kein Ehetisch»z Wohlgefallen erregt. .

Das Schlimmste ist aber, daß die Papierwirt'chmt Verschwendung reizt. Früher sagte man, das Geld to rund und rolle fort Jetzt ist das Geld von Schier toth fliegt fort. Die Schwalbe kommt werter, als y.s

Wir stopfen unser Paviergeld in_bie Tatche toch fühlen es nicht. Wir geb'« einen Schein nach tow andern'aus uni spüren kein Abnehmen des Achtes. ■ Erst beim vorletzten Schein« merken wir, laß torzeitig Ebbe eingetreten ist. In alten Märchenzeiten JJ® es Dukaöenmännchen oder Eselein-streck.dich 5C0C* "en haben, die auf sehr einfache Manier wieder Hart, herbeischafften. Heutzutage passieren eher Wnn- tordinge 'n bet gegenteiligen Richtung, nämlich tnt verschwinden des Papiergeldes.

Unpolitische Zettlaufe.

Von Fritz Nienkemper.

Berlin, 15. April 1920.

Wir müssen Hartgeld wieder haben. Es braucht ton Gold oder Silber oder Nickel oder Kupfer zu fein; “ter etwas festes, was sich nicht biegt und nicht bricht, torz man zwischen Daumen und Zeigefinger wirtlich idürt. was schwer in der Geldtasche liegt

Warum? Erstens der Reinlichleit wegen. Zwei, tos der Sparsamleit halber.

Seid einig, einig, einig.

Möchten diese ernsten Worte toter Führer gerade jetzt lieber lebendig werden und Beherzigung finden, besonders auch in den Kreisen der kath. Aka­demiker und überhaupt der gebildeten Stände. Keine vornehme Zurückhaltung, nicht zweck­loses Kritisieren, sondern freudige, tätige Mitarbeit muß die Parole sein. Was wir brauchen ist die Ein­heitsfront aller Katholiken und chre rest- lofe Betätigung im öffentlichen Leben. Der Katholik muß, was die „Frankfurter Zeitung" von dem ver­storbenen Abg. Gröber rühmte, „feinem Gott auch in der Politik dienen", der Dienst an Volk und Vater­land muß für ihn Gottesdienst fein. Im Märzheft der „Stimmen der Zeit" weift der Iefuitenpater Noppel auf diese für jeden kath. Mann, besonders den Akade­miker, vorbildliche Lebensauffassung des großen Zen- find I trumsführers hin. „Für fein persönliches Leben kannte und I er keine Trennung von Religion und Weltgefchäften. Darum war er auch ein Mann ohne jeden Zwiespalt, aus einem Guß. Darum war er vorbildlich selbstlos. Er suchte nicht sich, weder Geld und Gut, iwch Titel und Ebre. . . . Gröber hat nicht nur gezeigt, daß man auch als Politiker ein selbstloser, tadelloser, tief frommer Mann fein kann, er zeigte auch, daß die Politik selbst nichts Schlechtes und Gottesläster­liches ist. Angefangen von feinen Gymnasiasten­jahren, wo er bereits eine öffentliche Rede zur Ver­teidigung der Gesellschaft Jesu hielt, hat er durch sein ganzes Leben hindurch erwiesen, wie der Dienst in der Politik im wahr st en Sinn eine edle, hohe, frommeMannesarbeitist, so nur der rechte Sinn ans Werk geht.

Er hat so manchem biedern Christen die faule A u s- rede: „Politisch Lied, ein garstig Lied" oder „Politik verdirbt den Charakter" entwunden. Er, der in tiefster Hingabe an den öffentlichen Volksdienst so weit ging, selbst auf Familienfreuden zu verzichten, hat tagtäglich gezeigt, daß die Politik selbst »sicht etwa nur eine Art notwendigen Hebels zum Schutz und Nutzen alles Gu­ten, von Wahrheit, Freiheit und Recht von Kirche und Vaterland ist, nein, mehr als das, er zeigte, daß sie ebenfo auch ein Weg ber Seibstheiligung unb bes Got- tesbienftes fein kann und für ben glaubensvollen Ka­tholiken aus innerstem Drang heraus fein muß.

So ist er ein leuchtenbes Vorbild des katholischen Mannes im öffentlichen Leben. Möge sein Beispiel

Um deutsches Land im Westen.

Die Regierung ließ Anfang April in Paris eine I ( Note übergeben, in der sie nachdrücklichst Beschwerde führt gegen die unerhörten Gewaltmaßnahmen, die die , belgischen Behörden im Hinblick auf die V o l k s a b- I ' stimmung in den Kreisen Eupen und I Malmedy zur Anwendung bringen.

Schon in technischer Beziehung kann von einer I sachgemäßen Abstimmung keine Rede fein; denn es I liegen nur zwei Stimmlisten aus, und die einzelne 1 Eintragung dauert so lange, daß innerhalb der sechs­monatigen Abstimmungszeit bei ununterbrochener I Reihenfolge der Eintragungen nur eine Minderheit der I Stimmberechtigten das Stimmrecht ausLben könnte. I B« der Eintragung werden die Stimmberechtigten I durch die belgischen Kreiskommisfare in kaum glaub- I sicher Weise beeinflußt.

Vor allem aber gehen die Belgier gegen Perfo- I neu, die sich für Deutschland eintragen, mit Zwangs- I maßnahmen vor, die nichts weniger als eine I Vernichtung ihrer wirtschaftlichen Existenz bedeuten. Von Maßregeln dieser Art sind die unerträglichsten die Entziehung der Erlaubnis zum freien Verkehr im besetzten Gebiet, die Einbehaltung der Lebensmittel­karten und der Ausschluß vom Geldumtausch.

Die deutsche Regierung sieht in diesem Vorgehen nicht nur einen Bruch des wiederholten feierlichen Ver- fprechens der Vorsorge für eine freie, unbeeinflußte I Stimmabgabe, sondern auch eine Verletzung des I Friedensvertrages, da es die Ausübung I eines vertraglich verbrieften Rechtes verhindert. Sie I legt gegen dieses Verhalten der belgischen Behörden nachträglich Verwahrung ein und verlangt, daß Vorkehrungen für die technische Durchführbarkeit der I Abstimmung getroffen werden, derart, daß jede De- I einftuffung des Abstimmenden aufhört, die Eintra- I gungen geheim gehalten und dagegen verstoßende Be- I amte entfernt werden.

Die Note wendet sich endlich an den Volker- I b u nd mit dem Ersuchen, eine Kommission zur Heber- wachung zu entsenden, und spricht die Erwartung aus, I daß Maßnahmen getroffen werden, um die Verge­waltigung einer Bevölkerung von mehr als 80 000 I Seelen zu verhindern.

Von -en christlichen Gewerkschaften.

Der Ausschuß des Gc samtverbands der I christlichen Gewerkschaften war in Köln ver- sammelt. Der erstattete Bericht über den Stand der christlichen Gewerkschaften läßt ein erhebliches An- I wachsen der Mrtgliederzahl erkennen. In den christlichen Gewerkschaften sind eineinviertel I Million Arbeiter und Arbeiterinnen, tm Deutschen Gewerlschastsbund (der Kartellorganrsatwn der auf christli^-nationalem Boden stehenden Arbeiter-, Angestellten- und Beamtengewerkschaften) rund zwei I Millionen Arbeitnehmer vereinigt. Den vor- handenen Bedürfnissen entsprechend, toeröen nach den I Beschlüssen deS Ausschusses ein Frauenblatt der chrrst. I lichen Gewerkschaften und eine Zeitschrift Gewerlschasts- I jupenb vom Gemmtverband herauSgegeben werden. I i Damit der Gesamtverband den wachsenden Anforderungen 1 besser genügen kann, wurde die Erhöhung deS Beitrages I um 25 Pfg. für männliche und 20 Pfg. für werbliche I Mitglieder beschlossen. Der Vorstand des (Sefamtver- I bandes wurde erweitert und ein besonderer geschaftS- I führender Vorstand gebildet. Als erster Vorsitzender I wurde gewählt Staatsminister Stezerwald. Stell- I vertretende Vorsitzende sind: Reichstagsabgeordneter I BehrenS und Verbandsvorsitzender Kurtscheio.

In eingehender Weife wurden die jüngsten! @rgebniffe besprochen. Die einmütige Haltung dir | Bewegung in den kritischen Wochen fand bei diesen I Besprechungen ihren Widerhall. Die christlichen Gewerk- | schalten werden auch fernerhin zürn Schutze der I I Verfassung und der Demokratie dereitstehen, I I gleich, von welcher Seite Angriffe erfolgten Die I I widerrechtliche Besetzung mitteldeutscher I I Städ te durch französisches Militär, angeblich wegen I I des Einmarsches von Reichswehrtruppen in die neutrale I Zone, fand entschiedene Verurteilung. Wenn der Re- I gieiung, die sich ohnehin gegen die Aufrührer I I schwach gezeigt habe, auch noch durch die fremde I Besatzung Schwierigkeiten gemacht würden, dann I erscheine die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung I geradezu als eine Unmöglichkeit. Die Erfüllung des 1 Friedensvertrages erfahre eine noch stärkere Gerähr- I düng. Der Rest verbliebener Rechte für die Regelung I den äußeren Schein, auf alles Prunken und Prahlen. I „Was sollen denn die Leute von uns denken?" war früher I die ängstliche Frage, wenn mal auf einen neuen Hut, einen I neuen Mantel, eine kostspielige Gesellschaft oder derglei- I chen verzichtet werden sollte. Man machte sich zu Sklaven I ber „Leute", benen man angeblich imponieren mußte. Diese I Abhängigkeit 00m äußeren Schein kann jetzt leichter durch- I Krochen werben wie früher. Deine Kollegen unb deine Freunde wissen allzumal, daß in ber heutigen Zeit sich fämtliche anftänbigen Menschen einschränken müssen unb nur faule Schieber ober närrische Verschwender Luxus treiben. Jetzt tarn’, sich jeder kühn gestatten, seine Gebens» I führung nach feinem eigenen Willen einzurichten, ohne sich I um den Effekt bei anderen Leuten zu kümmern. _ Wenn I er sich so befreit von den Fesseln und Unkosten des äußeren I Scheins, fo wird er es nicht mir billiger, sondern auch I bequemer haben. Denn beim Aufrechnen unserer Bergan- I genheit werden mir erstaunlich viel Mühen und Sorgen I finden, die wir uns deshalb aufgelaben haben, weil wir I anderen Menschen importieren wollten, was uns nebenbei I meistens nicht recht gelungen ist.

I Don Jugend auf haben mir gehört, Armut fei keine Schande. Doch lange Zeit wollten wir nicht recht daran

I glauben. Wir sahen ja, daß überall der reiche Mann als I fein und vornehm galt, während der Minderbemittelte von oben herab behandelt wurde. Wer vom Ertrage feiner I Arbeit recht und schlecht leben mußte, ohne aus dem er« I erbten ober angeheirateten Vermögen bicke Brocken m die I Suppe plumpsen zu lassen, der war ein „armer Teufel". I Mancher hat sich in Schulden gestürzt, um dem Verdacht I zu entgehen, daß er nichts weiter hinter sich habe, als I feit Arbeitseinkommen. Jetzt sollte von rechtswegen ein I ganz anderer Maßstab angelegt werden. Das KHütal- I vermögen ist durch die Geldentwertung beschnitten und ofirb I noch weiter beschnitten. Gebsieben und meistens beträcht- I (ich gestiegen ist das Arbeitseinkommen. Nun sollte jeder mit Stolz sagen: Ich lebe nicht von der Rente, sondern I von meiner Arbeit. Ich lebe auch nicht im Ueberfluß, I well ich kein Kriegsgewinnler, kein Schieber, kein Schleich- I Händler unb kein roter Söldner bin; ich betreibe ein so- tibes Geschäft, ich leiste eine ehrliche, gemeinnützige Ar-

I beit, unb wenn ich dabei auch fparfam leben muß, fo lasse j ich mich von ben Protzern unb Verschwendern doch nicht verblüffen ober neidisch machen.

I Das Papiergeld werden wir wohl noch eine lange Weile ertragen müssen. Sorge dafür, daß es nicht zu wild baoonffiegt. Spare mit Verstaub, b. h. am Ent- | behrlichsten. Spare mit Stolz, d. h. in bem Bewußt- fein, daß heutzutage bie Verschwendung nur ben Gaunern * unb öen Irrsinnigen zusteht.