47. Zahrtz
Samstag, VL April 1920
Nr. 89
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Der Arbeit Lohn.
Der militärische Abbau im Ruhrgebiet.
Die von der französischen Presse verbreitete Nachricht, daß 8000 Mann neuer Reichswehriruppen tn die neutrale Zone des Ruhrgebiets eingeruckt seien, ist falsch. Es ist im Gegenteil Tatsache, daß die Truppenzahl der neutralen Zone andauernd herabgemindert wird. Mehrere Batterien sind bereits zurückgezogen worden und weitere Truppen sind zum Abtransport bereitgestellt.
Stockholms in einem Hotel ausfindig gemacht. Da er keinen Paß befaß und sich unter dem falschen Namen Dr. Wilhelm Kanitz ins Fremdenbuch eingetragen hatte, wurde er verhaftet und nach Stockholm ein- geliefert. Kapp gestand den Beamten ohne weiteres, wer er fei. Es ist r ch nicht festgestellt, wie Kapp nach Schweden gekommen ist. Man vermutet, daß er entweder von einem Flugzeug abgesetzt wurde oder aber mit einem falschen Paß ins Laub gekommen ist, den er sofort nach der Einreise vernichtet hat. Kapp dürfte wohl bald wieder aus der Haft entlassen werden, da er als politischer Flüchtling hier nach den Grundsätzen des Asylrechts behandelt wird. _____
nes von den Zielen, die bei den kommenden Wahlen zu erstreben feien. Dabei sollen die tiefgreifenden Unterschiede nicht vergessen und verwischt werden, die die Demokraten von den beiden anderen Koalitionsparteien trennen.
Besonders ist der Abschnitt, in dem zum Zenrr» w» Stellung genommen wird, interessant für uns. Es heißt dort wörtlich: „Dem Zentrum gegenüber werden wir zugunsten der kirchlichen und aller religiösen Gemeinschaften auch unsererseits die Freiheit der Religion und die Selbstverwaltung der religiösen Gemeinschaften anerkennen. Aber wir müssen auf dem Gebiet der Schul- und Bildungspolitik die geistige Einheit unseres Volkes nach Möglichkeit behaupten, die nicht durch re.i- giöfe Machtkämpfe noch mehr gefährdet werden darf. Wir wollen daher eine Auseinandersetzung mit dem moralisch und religiös so wertvollen kirchlichen Gemeinschaften auf dem Wege des Friedens und der Verständigung, nicht des Machtkampfes und der geistigen Entzweiung. Wir wollen insbesondere auch den ewigen, unzerstörten und unzerstörbaren Besitz unserer geistigen und wissenschaftlichen Bildung über konfessioneller Art allen erhallen und zugänglich wissen, die davon leben und danach begehren. W ir betrachten die schule als eine Angelegenheit des Staates, der auf dem Gebiete des Religionsunterrichts die religiösen Bedürfnisse des Volkes erfüllen soll."
Den Sozialdemokraten gegenüber betont der Aufruf, daß die Republik nicht als Hoffnung auf die Vorherrschaft einer Klaffe verstanden werden dürfe. KDffenfroie Vertretung des ganzen Volkes unter gleicher Teilnahme aller Berufe mache die Republik aus. Die Arbeitnehmer müßten ihr volles soziales, politisches und wirt- schaktliches Recht erhalten, nicht weniner, aber auch nicht mehr. Kapitalistische Ausbeutung solle nicht geduldet werden, ebenso aber auch keine Diktatur oder Nebenregierung einer Berufsschicht. Der Aufruf schließt mit der Zusammenstellung der Punkte, die die Demokraten do» den Koalitionsparteien unterscheiden.
* Die „Gedanke« und Erinnerungen". In der Reckis ache Wichelms II. gegen die Coiia'sche Buchhandlung in Stuiteart wegen Herausgabe des drit» ten Bandes von Bismarcks Gedanken und Erinnerungen har der Zivilsenat des Ober- landesgerichls in Siutigart ein Urteil gefällt, das die B eruf u n g zurückweist und die einstweilige Verfügung aufrecht erhält mit der Aenderung, daß die beiden sogenannten Handbillette des Kaisers iv Wegfall kommen.
'* Scheidemann als Stöger. Die Strafkammer in I Berlin verurteilte den Journalisten Kurt Rhodin wegen Betrugs und verleumderischer Beleidigung
I des früheren Ministerpräsidenten Scheidemann zu 9 | Monaten Gefängnis. Rhodin hatte in Zeitungsartikeln „Neues zum Fall Sklarz" Scheidemann, Graf Brockdsrff-Rantzau ufw. beschuldigt, große Ter- l rains in Nordschleswig erworben und zwecks besserer l Verwertung die Vereinigung dieses Gebiets mit Däne- i mark betrieben, sowie an Schiebergeschäften teilgenom- ; men zu haben. Der Angeklagte vermochte nicht den i geringsten Beweis zu erbringen.
Die Durchsetzung des Versailler Vertrages.
Ein feierlicher Gesamischritt der Alliierlen.
Aus London wird eine offizielle Mitteilung verbiet, tet wonach England die Initiative zu einem feier, lichen Gesamtschritt der Allierten vor. bereiten wird, die den Zweck verfolgt, von Deutschland die Ausführung des Versailler Vertrages zu erreichen. Lord Derbv soll bereits den Auftrag erhalten haben, den französischen Ministerpräsidenten um Beteiligung an diesem Schritt zu ersuchen. Dem „Temps" zufolge hat die französische Regierung dem von der eng. lischen Regierung vorgeschlagenen Schritt bei der beut, scheu Regierung ihre Zustimmung gegeben. Treier Schritt wird darin bestehen, zu erklären, daß die Miierten die Aufrichtung einer aufrühre. rischen Regierung, deren Politik der Ausfuh. rung des Friedensvertrages entgegengesetzt wäre, nicht dulden würden Wenn eine solche Regierung ans Ruder käme, erklären sich die Alliierten gezwungen, das Programm der Hilfeleistung an Deutschland aufzuga- ben und die Lebensmittellieferungen einzustellen.
Belgien und Dfafien schließen sich an.
Die Botschafter von Belgien und Italien haben am Freitag vormittag Millerand unterrichtet, daß sich ihre Regierungen der Demarche anschließen, die darauf ausgeht, daß die Alliierten beiderBer- liner Regierung gemeinsame Schritte unternehmen, um von ihr die völlige Ausführung des Versailler Vertrages zu erlangen.
Strahlen der Oktober sonne durchbrachen hier und da das Gewirr der Neste und ließen die gelbroten Blätter der Buchen, die sich unter die Tannen mischten, wie flüssiges Gold aufleuchten, so einen prächtigen Kontrast zu den bunten Nadeln der Tannen bildend
Jetzt gelangte Edelgard wieder auf einen Fußpfad, der bergabwärts führte. Diesen verfolgte sie, ohntz zu wissen, wohin er sie bringen würde.
Nach einiger Zeit vernahm sie ein dumpfes ©e. rausch, wie das Aufschlagen gewaltiger Hämmer, und dann ertönte ein Krachen und Poltern, wie das Einstürzen großer Steinmassen.
Begierig zu erfahren, woher diese Töne kamen, folgte sie dem Schall der Geräusche. Der Wald lichtete sich mehr und mehr und plötzlich stand sie auf. dem Rande einer schroff abfallenden Felswand, und scharf und deutlich klangen die Hammerschläge zu ihr empor.
Vorsichtig beugte sie sich über den Rand und sah einen mächtigen Steinbruch vor sich liegen, in dem wohl fünfzig Arbeiter beschäftigt waren, gewaltigeSleinblöcke abzubrechen und zu zerkleinern. Mehrere mit Steinen schwer beladene Wagen hielten unten auf dem tiefaus. ! gefahrenen Wege; ein Mann auf einem starken, gro» I ßen, braunen Pferde gab, wie es schien, den Arbeitern und Fuhrleuten die letzten Anweisungen.
Dann setzten sich die Wagen in Bewegung. Plötzlich geriet der letzte derselben mit einem Hinterrad in ein Loch des Weges und vergebens bemühten sich die Pferde, die schwere Last herauszuziehen.
Die Kutscher schrien und peitschten auf die Pferde ein Mehrere Arbeiter stemmten sich in die Speichen der' Räder, es half aber alles nichts, der Wagen rückte und rührte sich nicht.
Da sprang der Mann, der vorhin die Anweisungen gegeben, von seinem Pferde und rief die Arbeiter nochmals heran Zusammen mit ihnen legte er selbst Hand mit an; unter das festsitzende Rad wurde ein Hebcbaurn geschoben, der Reiiersmann selbst und mehrere kräftige I Männer legten sich auf hen Baum, der Kutscher schwang ine Peitsche und trieb die Pferde mit lautem Hallo an — noch ein letzter Ruck — der Wagen war frei 1 und konnte von den Pferden fortgezogen toerben.
I Der Reiter wischte sich den Sch-weiß von der Stirn ' und trat zu seinem Gaule zurück, der an dem Laube eines Busches nagte.
1 Edelgards Herz erbebte.
Aus Oberschlefien.
Der durch die internationale Kommission über Oppeln verhängte verschärfte Belagerungs z u- stand, der das Betreten der Straßen nach 9* l/2 Uhr abends verbietet, führte am Donnerstag abend zu zahlreichen Verhaftungen von Einwohnern durch die Besatzungstruppen. Unter den Verhafteten befinden sich auch Arbeiter der städtischen Betriebswerke, die von der Arbeit kamen und mit Reitpeitschen und Kolben nach ihrer Verhaftung mißhandelt wurden. Demzufolge traten die Arbeiter des Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerks in den Streik. Zuverlässigen Nachrichten zufolge wendet sich die polnische Berufsvereinigung der Arbeiterschaft in Oberschlesien von der Korfanty'schen ab und geht mit den deutschen Gewerkschaften. Sie mißbilligt das Vorgehen der französischen Truppen. Der Ausbruch des Streiks im ganzen oberschlesischen Industrierevier ist nur noch eine Frage der Seit.
Eine Trauerkundgebnng.
wth Oppeln, 16. April. Etwa 10 000 Personen nahmen an der Trauerkundgebung bei der Neber- führung des durch einen französischen Soldaien getöteten Vorstehers Platek zum Bahnhof, von wo die Leiche nach Breslau gebracht wird. Dem Trauerzug schlossen sich je ein Vertreter der englischen, franzo- sftchrn und italienischen Mission an.
Deutsche Nationalversarrrmlurrg.
Sitzung vom 16. April,
Zu Beginn der Sitzung am Freitag gab der Präsident der Nationalversammlung bekannt, daß ein Gesuch des Oberreichsanwalls eingelaufen fei, in dem die Genehmigung zu einem Untersuchungsv erfahren gegen den unabhängigen Abg. Braß wegen Landesverrats nachgesucht werde. Das Telegramm wird dem Geschäftsordnungsausschuß überwiesen
Vor Eintritt in die eigentliche Tagesordnung wer. den einige Keine Anfragen erledigt. Von den 13 kleinen Anfragen können 3 nicht beantwortet werden, weil die Fragesteller, die alle der Deutschen Volkspartei angehören, nicht anwesend sind. Man muß sich mit Recht fragen, was für einen Wert die kleinen Anfragen überhaupt haben, wenn es die Fragesteller nicht einmal für notwendig erachten, ihre eigenen Anfragen zur Verlesung zu bringen, sodaß sie auch beantwortet werden können.
Darauf wird ein Gesetz über ein Enteignungs- recht von Gemeinden bei Aufhebung oder Er- mäfjigung tvn Rahonbeschränkungen in zweiter und dritter Lesung ohne bemerkenswerte Aussprache angenommen.
Eine eingehende Behandlung erfuhr das Gesetz betreffend die
Grundschulen und Aufhebung der Vorschulen.
Dieser Entwurf verdient besondere Beachtung. Denn zweifellos ist der Ausbau der neuen Schule, wie er nach dem Gesetzentwurf vorbereitet wird, von größtem Allgerneininteixsse. Wir vom Zentrum aber haben noch ein besonderes Interesse daran, zu erfahren, inwieweit gerade dieser Gesetzentwurf unseren berechtigten Wünschen gerecht wird. Der Redner beS I Zentrums, bet Abg. Rheinländer, trug die;em Bedürfnis in dankenswerter Weise Rechnung indem er die für uns wichtigen Punkte besonders scharf hervor, hob Unter ihnen verdienen besonders zwei unsere Beachtung. In erster Linie muß festgestellt werden, daß die Grundsckiule nicht identisch fei mit Simultan-schule. Wäre, dieses der Fall, so hatte das Zentrum den Entwurf, wie der Redner hervorhob, bereits in erster Lesung glatt abgelehnt. Tie Grundschule kann also ebenso gut eine Bekenntnisschule fein. An eine generelle Einführung der Simultan;chule 'st I also nicht zu denken. Um dieses auch im Gesetzeniwurf positiv zum Ausdruck zu bringen, hat es das Zentrum im Ausschuß durchgefetzt, daß in den Entwurf der Satz ausgenommen wurde, daß die Bestimmungen des § 146, 2 der Reichsverfassung auch für die Grundschule Gel. tung haben, das würde also bedeuten, daß nach an gezogenem Verfaffungsparagraphen innerhalb der Gc- mieindM auf Antrag von Erziehungsberechtigten Volksschulen ihres Bekenntnisses ober ihrer Weltanschauung einzurichten sind, soweit _ hierdurch ein geordneter Schulbetrieb nicht beeinträchtigt wird. Der Wille der Erziehungsberechtigten ist möglichst' zu berücksichtigen.
Man kann wohl sagen, daß mit diesem Z 'satz ein erfreuliche Klarheit geschaffen worden ist. Denn für uns steht es fest, daß wir den Eltern das Recht Vorbehalten, ihre Kinder so erziehen zu lassen, wie fte es wünschen. Eine zweite Schwierigkeit des ersten Gesetzentwurfes ergab sich bei der
Behandlung der Privatschulen.
Es war selbstverständlich, daß bei Errichtung einer Grundschule die Unterstufen der Privatschulen von selbst in Fortfall kommen. Hieraus aber mußte für die Mädchenschulen eine besonders fühlbare Härte entstehen. Denn bie unter ft en Ä I a f f e n in den von den Ur- I fulinerinnen (in Fulda von den Englischen Fräulein Red) mit großer Mühe und auch wirtschaftlichen Opfern zur Blüte gebrachten Mädchenschulen kamen da- mit in Fortfall. Dies würde für die betroffenen An- I ffalten eine schwere wirtschaftliche Schädigung bedeuten. Es kann nicht Aufgabe eines sozialen Gesetzgebers sein, derartige Schädigungen herbeiführen zu wollen. Dem Zentrum ist es gelungen, hierin eine Milderung zu erzielen Nach dem Entwurf müssen die privaten I Borschulen'''aufgehoben werden, aber der Abbau braucht I erst nach einer Schonz eit von 10 Jahren zu I erfolgen Ebenfo ist »ine Entschädigung s- I pflicht an bie durch den Abbau Schwergeschädigten I vorgesehen Es ist also dem Zentrum gelungen, dem Gesetz eine solche Wendung zu geben, daß mm ihm, I wenn auch nicht so freudig, fo doch mit einiger Befriedigung zustimmen kann.
Prinz Joachim Albrecht irnd Genoffen stunden gestern wegen derVorgängeim Spei s e- saaldesHotelsAdlonin Berlin, wo bekanntlich französische Offiziere mißhandelt worden sind, vor der Strafkammer. Prinz Joachim Albrecht gab an, er habe nicht gewußt, daß die Personen, die er beim Spielen des „Deutschland, Deutschland über alles", zum Aufstehen nötigen wollte, Franzosen gewesen seien. Zwar habe er in seinem Unmute zwei Leute auf den Boden geworfen, doch habe er von der ganzen Geschichte, die nachher postiert ist, nichts gesehen. Der Prinz erflän auf das Bestimmteste, nicht mit Kerzen geworfen zu haben Am schlimmsten scheint sich der Erbprinz v. Hoh en- lohe-Langenburg benommen zu haben, der sich mit dem einen französischen Hauptmann baigte, bis beide eng umschlungen unter einen Tisch fielen Dabei fall der Erbprinz nach der Behauptung der Anklage fernen Gegner mit dem Schuh bearbeitet .haben. Der Angeklagte bestreitet das. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Prinzen Joachim Albrecht wegen gemeinschaftlicher Nötigung 500 M Geldstrafe, gegen den Rittmeister von Platen wegen des gleichen Delikts 300 JC Geldstrafe, gegen den Erbprinzen Gottfried v. Hohenlohe Langenburg wegen Körperverletzung eine Gefängnisstrafe von vier Monaten. Das Urteil gegen den Prinzen Joachim lautete auf 500 Geldstrafe, gegen Rittmeister von Platen auf 300 M Geldstrafe. Gegen den Prinzen Gottfried zu Hohenlohe-Langenburg wurde auf 1000 M Geldstrafe wegen Körperverletzung erkannt.
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Der Aufenthalt in der alten Heimat war ihr schrecklich. Die glänzende Geselligkeit widerte sie an. Sie 1 Jaat nahe daran, die Menschen zu hassen — selbst ihren eigenen Vater mit feiner aufdringlichen Art und Weise, leinen Reichtum zu zeigen — selbst Else, die in ihrer I aufblühenden Liebe fo froh und glücklich war.
Von Harald hörte sie mtr selten. In der Gesellschaft I fbrach man mit einem gewissen Bedauern von ihm, c£S I b°n einem weltscbenen Sonderling, der zwar durch I seine rastlose Tätigkeit sein Besitztum empor gebracht, aber sonst wie ein Bauer lebte und jeder Geselligkeit I fcheu auswich.
„Er ist ein Geizhals geworden, sagten die einen.
„Er ist verrückt," urteilten bie anderen.
Man kannte ihn nicht mehr, er war in der Gesell- I lch-tz vergeßen, I
Wenn sie ihn doch nur einmal sprechen könnte! Wer I wich jeder Begegnung geflissentlich aus. Er kam fast "ic in die Stadt, felbst jetzt nicht, wo sein Vetter Hans v. Bebenroth bei ihm zu Besuch weilte.
Wie sie so dalag und grübelte, tönte das fröhliche Lachen Elses durch den Wald. •
»Edelgard, wo bist Du?" rief diese.
Und dann sah Edelgard die beiden Hand in Hand Mer kommen und nach einer Weile still stehen und sich küssen. •
Sie wollte jetzt nicht Zeugin dieses jungen Glückes kein. —
Nock, verbargen die Büsche sie den Blicken der Nahenden; mit schnellem Entschluß schwang sie sich auf $r Rad und flüchtete auf dem schmalen Fußwege in bi« Tiefe des Waldes, wie ein verwundetes aufgq- bheuchtes Reh.
19. Kapitel.
Immer weiter flog Edelgard in den Wald hinein. I
T« Weg wurde steiler und unebener, sie konnte ®<$t mehr fahren und mußte das Rad führen ^te Mte nicht mehr, wo sie sich befand, weg- und steglos bkang sie tiefer und tiefer in den dunklen Tannen- I forst. ' ,
Eine lautlose Stille umfing fte.
Aber diese Ruhe und Einsamkeit tat ihrer c ®ohl, die sich aus dem lauten, festlichen Treiben ihres ( Lobens nach Ruhe und Frieden sehnte. Die bleichen
Nationaler Bolschewismus. i
2m Freitag abend teilte das Reichswehrministe- rium folgendes mit:
" per Reichsregierung liefen Donnerstag, am spaten I -.A-nitiag Nachrichten ein über eine Zusammen-
die im Reichswehrministerium um 8 Uhr abends Mtfinben sollte, zu der namentlich genannte Offiziere, L möktenieils dem Reichswehrgruppenkommando 1 an« Asien und radikal gerichtete Arbeiterfüh- *7- gehören. Die militärischen Teilnehmer an dieser I tifcuna wurden durch ausführliche Angaben erheblich be= uLet Die Sitzung hat tatsächlich um 8 Uhr abends im Wenitiimmer des Hauptmanns Viehbahn stottgefun- I
Es haben daran teilgenommen bie Hauptleute o. -j'ebbahn und Bohnstädt, der Sapitänleutnant v. «rtoater und Leutnant v. Viehbahn, ferner em Ljiinqenicur Meyer (unbekannt, kürzlich aus englischer W-mg-nschast zurückgekchit), sowie bie Herren B e r - «ram (nach seinen Angaben Gründer des Vereins der I Srontfolbaten) und Kahlert (nach feinen Angaben Uhr- I aus Groß-Lichterfelde). Der Reichswehrmi- «Hter ließ bald nach 8 Uhr bie Sitzung aufheben und bat noch persönlich im Laufe der Nacht die Teilnehmer flnieln vernommen. Er hat alsdann ungeordnet, daß bie, ml Ausnahme des Hauptmanns Bohnstädt, ber mir einem Dienstbefehl zufolge an ber Sitzung teilnahm, an der Riinma Teilnehmenden bis zur weiteren Klärung der An- Jjgenfjeit in dem Polizeipräsidium in Berlin in Schützest zu halten sind. Die Untersuchung, die ber Staats- kommissar' für öffentliche Ordnung leitet, wird durch Beacnüberjtettung der Belastungszeugen mit den Tellneh- mein an der Sitzung schnellstens fortgesetzt. Neben dem , xatkstand und den anderen Absichten der Teilnehmer ®ii6 festzustellen sein, ob noch andere Personen zu dieser Sitzung geladen waren, die aus irgend welchen Gründen siebt erschienen sind.
In den Kreisen der Mehrheitsparteien nimmt man j an, daß das Ziel der Besprechungen bie Schaffung eines Zusammenschlusses zwischen Militär und der radikalen Arbeiterschaft auf einer sogenannten nationalkommunistischen Grundlage gewesen fei. Es handelt sich also, um es kurz auszudrucken, um einen nationalen Bolschewismus. Dieser Gedanke wird seit einiger Zeit und namentlich seit dem Mißlingen des Kapp- Wtsches gerade in Offiziers kreisen und besonders in den Reihen der unmittelbar vor der Entlassung stehenden Offiziere und Mannschaften eifrig gepflegt, er tauchte auch fchon während der kurzen Kapp-Regimes ouf.
lieber die Vorgänge selbst scheint noch keine völlige Klarheit zu herrschen. Von einer Seite wird der ganze Vorfall als Mystifikation des Reichswehr- Ministeriums hingestellt. Jedenfalls wird folgende Meldung ausgegeben:
Freilassung der festgenommenen Offiziere.
wtb Ben in, 16. April. Aus dem Polizeipräsidium ,.^rd uns mitgeteilt: Der Polizeipräsident Richter, dtm in seiner Eigenschaft als Regierungskommissar für den Landespolizeibezirk Berlin bie Entscheidung über Schutzhaftangelegenheiten zusteht, hat es abgelehnt, ine Schutzhaft gegen die vom Reichswehrminister in der Nach zum Freitag früh im Anschluß an eine Besprechung im Wehrministerium fest genommenen Offiziere und Zivilpersonen zu verhängen. In den eingehenden Vernehmungen, die im Polizeipräsidium ftattgefunben haben, ist keinerlei Beweis dafür erbracht, daß die im Reichswehrministerium stat gehabte Zusammenkunft ber feslgenommencn Personen einen Umsturz der Regierung zum' Ziel hatte, oder daß sie smrst in irgend einer Weise geeignet gewesen wäre, die öffentliche Ordnung, Ruhe und Sicherheit zu gefährden. Der Polizeipräsident hat daher die Freilassung der Festgenommenen veranlaßt.
Kapp in Schweden?
Nach einem Telegramm der Frankfurter Zeitung wurde der Führer des Putfches am 13. März, Kapp, von der schwedischen Polizei in einem Nachbarstädtchen
Ein Wahlaufruf
der deatsch-demokratischen Parier.
Die deutsch-demokratische Partei tritt nach den Mehrheitssoziaidemokraten als zweite m der Reihe der Parteien mit einem Wahlaufruf an ihre Wähler. Nach I einer kurzen Rechtfertigung der notwendigen Koall - I tionspolitik bekennt das demokratische Programm, daß die Mehrheitsbildung auf demokratischer Grundlage auch fernerhin allein Deutschland vor dem Bürgerkriege schützen werde und das Werk des Aufbaues fortführen könne. In einer solchen Mehrheit ihren Einfluß zu stärken, erklärt die deutsch-demokratische Partei als ei-
Sie erkannte Harald, den feinen, eleganten Kavalier, der sich nicht scheute, bei ber schwersten Arbeit selbst hilfreiche Hand zu leisten. Seine Gestalt schien männlicher und kräftiger geworden zu fein.
Er trug schwere Reitstiefel und eine graugrüne, | einfache Joppe. Ein schon ziemlich verschossener grü- | ner Jpgdhut beschattete das Gesicht, das von Wind und Wetter, von Sonne und Regen gebräunt war.
Jetzt trat ein Aufseher an Harald heran und sprach einige Worte mit ihm. Dieser ließ feine Blicke rings umher schweifen und zeigte hier- und dorthin. Der Mann nickte. Harald schien ihm einen Befehl erteilt zu haben. Dann ritt er fort, während der Aufseher die Arbeiter zusammenrief und sich mit ihnen entfernte.
Ruhig und still lag der Steinbruch jetzt da. Edelgards Blicken war auch Harald entschwunden; tief auf= atmend wollte sie den Rückweg antreten, als plötzlich Hufschläge ihr entgegenschallten — das konnte nur Harald sein — und ein plötzlicher Entschluß schoß durch ihren Kopf. —
Auf diesem schmalen Wege formte er ihr nicht ausweichen! Hier mußte er ihr Rede und Antwort stehen!
Entschlossen blieb sie stehen. Ihr Herz pochte zum Zerspringen, ihr Antlitz bedeckte sich mit der Bläffe ber. Erregung, sie atmete schwer — aber ihr Entschluß war gefaßt: noch einmal wollte sie die Frage an das Schicksal stellen — das letztemal!
Näher ertönten die Hufschläge. Jetzt bog der Rei- I ter um eine Biegung des Weges und parierte erstaunt sein Pferd, als er die elegant gekleidete Radfahrerin mitten auf dem Wege stehen sah.
„Meine Dame," rief re ihr zu, ohne Edelgard zu erkennen, die in tiefem Schatten stand, „ich bitte Sie, biefe Stelle so rasch wie möglich zu verlassen! In dem Steinbruch werden Sprengungen vorgenommen und es könnten Steine hierher fliegen . . ."
Edelgard trat etwas vor.
„Erkennen Sie mich nicht, Hara'd?"
Er erblaßte und feine Hand krampfte sich zusammen, so daß selbst der sonst so phlegmatische Braune unruhig wurde.
„Edelgard — Du — Sie hier? Verzeihen Sie — Fräulein Lvnden!" .
Ein trübes Lächeln huschte über ihr Gcgcht.
„Nennen Sie mich immerhin bei meinem Vor. I namen Ich glaube, wir brauchen kein Versteckspiel 1 mit einander zu treiben." 'Forts, folgt.)