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47. Zcchrg.

Zreitag. 16. April J920

Nr. 88

den Kommunisten die Verbindung mit Rußland oufzu- I Maßnahmen ergriffen, die geeignet sind, die Feststellung nehmen und dann vereint den Krieg gegen Frankreich I des Urhebers der Mystifikation zu ermöglichen.

die

sticken.

Me's gemacht wird!

Der Arbeit Lohn

und

Sortfetzung «IqD

verlegen an.

Ihr Rad nicht mitge-

Else sah Hans ein wenig »Warum haben Sie auch bracht?" sagte sie schmollend.

„W plaudert sich so weit „Kommen Sie, Fräulein Else,

»Wenn Sie Else begleiten wollen," sagte sie freund, lich, „werde ich allein ein wenig in den Wald hinein, radeln. In einer halben Stunde können wir uns dann wieder hier treffen.

„Nein, Edelgard, ich fahre mit Dir!"

„Vleib nur", rief diese zurück, wobei sie sich schon wieder auf das Md geschwungen hatte und in raschem Tempo bald im Walde verschwand.

Die Deutschnationalen warne« vor einem Putsch.

Die Parteileitung der Deutschnatio- nalen Volkspartei verweist gegenüber den ge­äußerten Putschbesorgnissen erneut auf den der- sassunnsmäßigen Standpunkt der Partei, bte jebe veifassungswibriae Handlung unbebingt verurteilt. Neue Umsturzversuche mürben unabsehbares Unheil über Teutschland bringen. Die Parteileitung erwartet von ihren Parteifrermben im Lande, batz sie, wo immer sie von solchen Plänen Kenntnis er­halten sollten, ihnen mit aller Entschieden­heit entgegenwirken. Wer sich an verfassungs- wibrigen Unternehmungen beteiligt, für den ist m der Deutschnationalen Volkspariei kein Platz.

durchzuführen. _

Diese Dinge könnten phantastisch und märchenhaft 1 klingen, besitzen aber leider doch einen starken realen Untergrund. Es geht auch nicht gut an, sie als Wahn­witz abyitun, dem keine weitere ernstere Bedeutung beizulegen wäre. Gerade der Kapp-Putsch hat gezeigt, was ein paar Taufend entschlossene, bewaffnete Leute cmrichten können. Man darf sicher fein, daß sowohl die äußersten Rechts- wie auch die äußersten Linkskreise, so­weit sie parteipolitisch organisiert sind, mit all diesen oben erwähnten Dingen nichts zu tun haben.

Man darf sich jedenfalls nicht darüber täuschen, daß heute eine Handvoll Bewaffneter unter Umständen das Schicksal des ganzen Volkes bestimmen kann. Die Aktion der Franzosen in Frankfurt a. M. hat ja derar­tigen zu Putschen geneigten Elementen einen gewaltigen Ansporn gegeben. In Wahrheit läuft das französische Verhalten daraus hinaus, uns in immer weitere Zer­rüttungen hineinzudrängen, um dann unter dem Bor­wand, wir seien zur Herstellung der Ruhe und Ordnung unfähig, immer weitere deutsche Gebiete besetzen zu lassen.

Wie aber sollen wir Ordnung schaffen, wenn wir bar jeder Widerstandskraft sind und wenn wir an der Benutzung der wenigen Kräfte, über die wir noch ver­fügen, gehindert werden! Man darf auch eine andere sehr große Gefahr nicht verkennen: infolge der Notwen­digkeit, das Heer auf den Hundertlaufend Mann-Stand zurückzuführen, sowie bestimmte Formationen gänzlich aufiutöfen, sehen sich plötzlich Tausende von Offizieren und Mannschaften vor dem Nichts. Die Verzweiflungs­stimmung, die da erwächst, ist der beste Nährboden für unüberlegte Streiche.

Es muß allseitig darauf verzichtet werden, mst Gewaltmitteln, welcher Art auch immer sie fein mögen, Wünsche und Pläne zu verfolgen. Unser Volk und Land bedürfen der Ruhe und der ruhigen und geordne­ten Fortentwicklung, sonst sind wir allesamt rettungs­los verloren. Es muß darum alles getan werden, um die neuen drohenden Gefahren schon im Keime zu er»

Das Wvlffbüro hat wegen des Vorfalls eine ge­richtliche Untersuchung beantragt und alle

Bewqsprel»: Monatlich 2,00 Ulf. ohne Zustellgebühr. In Futea bei unsabgeholl 2,10 Ult Anzeigenpreis: DieKieinzeile (Colonelmah) 50 Pfg., u. 10° « Zujchlag, dir Reklaine,eile (Textbreite) 1.50 Ult, u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol Rabatt.

Streitkräfte die Erlaubnis erhalten, weitere drei Monate (vom 10. April ab gerechnet) in dem in Frage stehenden Gebiet zu verbleiben, soll Gegenstand einer Ent­scheidung der Alliierten auf der Konferenz von San Remo fein.

Das Programm für San Remo.

Millerand, der am Freitag abend Paris verläßt, wird von Sonar Law, Lord Curzon, sowie Veniselos auf feiner Reise begleitet werden. Das „Echo de Paris" bestätigt, daß die erste Fra g e, die der Oberste Rat in San Remo behandeln wird, die Er­eignisse in Deutschland betrifft, namentlich aber die Besetzung von Frankfurt a. M. Danach werden die Führer der alliierten Staaten an die Adriafrage herantreten. Nach der „Chicago Tri­büne" soll der amerikanische Botschafter in Rom, Underwood Johnson, von Präsident Wilson den Auftrag erhalten haben, der Konferenz in San Remo beizuwohnen, jedoch als einfacher Beobachter. Nach einer Meldung des „Daily Expreß" sollen auch die Delegierten der russischen Genos­senschaften, die sich augenblicklich in Kopenhagen aufhalten, Schritte unternommen haben, um zu den Verhandlungen in San Remo zugelassen zu werden.

Französische Pafchawlrtfckast in Frankfurt.

Ter Verein Frankfurter Presse bat wegen der Bestrafung zweier feiner Mitglieder wegen Verbrei­tung angeblich falscher Nachrichten beim kommandieren­den französischen General schiiftlichen Protest ein­gelegt. Beibe Unterzeichner des Protestes sind nunmehr vom General mit je 1 000 Mark Butze

Sie drohte ihm schelmisch mit dem Finger.

Inzwischen war auch Edelgard herangekoimnev k°m Rade gesprungen.

be reichte Hans ebenfalls die Hand

kens und Empfinden- und so mochten wohl ihre^Worts ein wenig kühl geklungen haben.

Aber sie hoffte ja, Harald in Berlin zu sehen. Auge in Auge, Hand in Hand, Herz an Herz wollte sie ihm dann sagen, wie sehr sie ihn lieble, wie sehr sie nur ihn geliebt ihr ganzes Leben lang.

Sie bebte vor diesem Augenblick des Glückes — sie fürchtete, sich nicht beherrschen zu können — und dann, dann kam die schreckliche Stunde — die qualvollst- Stunde ihres Lebens.

Nicht er selbst war dagewefen, sondern et hatte ihr nur einen kurzen Brief gesandt, in welchem er ihr irr förmlicher Weise mitteilte, daß er leider nicht komme» könne, sie zu begrüßen.

Er gab darin keinen Grund an, — er schrieb nicht, daß er später kommen werde — nichts als die Mittel- lung, daß et nicht kommen könne und am Schluß ein ftvstigeS: „Leben Sie wohl und bergeff en Sie Ihren Die stets hock)schätzenden Harald b. Fredersdorfs."

Vergebens zermalmte Edelgard ihr Gehirn mit der Gfrgrünbintg dieser seltsamen Veränderung in seinem Wesen. In seinen früheren Briefen hatte er sie stets mit dem traulichen Tu angeredet; auch sie hatte sich dieser Anrede bedient — und jetzt dieser förmliche, eiL- kalte Ton?

Sie bezwang ihren Stolz, sie schrieb nochmals a» ihn und bat um Aufklärung.

Darauf kam die kurze Antwort:

„Verzeihen Sie mir — ich bin nicht der Sklave Ihres Goldes. Leben Sie wohl."

Sie stand vor einem Rätsel. Dann fragte sie ihren Vater. Dieser lachte spöttisch.

„Laß doch den Sonderling! Man hat es gut mit ihm gemeint, aber er weist jede Annäherung, jede Hilfe zurück — er wird zugrunde gehen."

Sie konnte es nicht fasten, daß alles vorüber sein, daß sie sich so furchtbar in diesem Mann getäuscht ha. ben sollte — und doch konnte es nicht anders sein, er liebte sie nicht mehr, er liebte vielleicht eine andere und wollte sich der Festcl entledigen.

Ach, wäre sie doch draußen in der weiten Welt ge- blicbenl Unter den rauhen, ungebildeten Menschen, I die aber wenigstens natürlich fühlten, die Treue zu Hil­ten wußten Da draußen unter den Wilden und Hei- den, die wenigstens ihre Liebe und ihren Haß offen

Deutschland und Polen-

Don zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Eine neue unerhörte Vergewaltigung des klaren Anspruchs Ostpreußens auf einen freien Durch­gangsverkehr mit bem übrigen Deutfch- l a n b versucht die polnische Regierung. Anläßlich der Danknotenabstempelung sperrte Polen zehn Tage jeden Verkehr mit item Auslande. Bei dieser Ge­legenheit will es den deutschen Durchgangsverkehr mit Ostpreußen noch weiter einschränken. Lediglich auf der ganz unzureichenden eingleisigen Nebenbahnlinie über Czors-Mariemorrder, und auch hier nur bei Tage, will Polen das Durchlaufen einiger deutscher Wagen durch polnisches Gebiet zulasien, offenbar nur, um nach außen hin den Schein zu wahren, daß es den Friebensvertrag innehalte. Die preußische Eifen­bahnverwaltung hat sofort die nötigen Schritte zur Abwehr der neuen Verletzung des Friedensvertrages unternommen.

Kundgebungen in Oberschlesien.

Der „Oberfchlesische Wanderer" meldet: Unter dem Druck ihrer Anhängerschaft sahen sich die Organi­sationsleitungen der Arbeiter und An-

Die Besetzung des Maingaues.

Die Grundlage der englisch-sranzösifchen Verständigung

„Tann heiraten wir uns doch trotz aller Exzellenzen in der Welt!"

Da fiel sie ihm wieder um den Hais und küßte ihn nun selbst, ungeachtet besten, daß soeben ein D:uer mit seinem Fuhrwerk kaum hundert Schritt entfernt auftauchte.

Dann sagte sie:

„Nun komm — wir wollen Edelgard aufsuchen. Sie soll die erste sein, die unser Glück erfährt."

"Sie faßte seine Hand und zag ihn fort in den Wald.

Edelgard war nicht weit gefahren. Unter einer hohen Buche, die ihr gelbes Laub ringsum verstreute, streckte sie sich in das Moos nieder, legte die Hände um. ter den Kopf und blickte, in ernstes Sinnen versunken, zu dem gelb und roten Blätterdach empor, durch wel­ches hier und da der lichtblaue Himmel schaute.

Wie anders hatte sie sich die Heimkehr borgestellt! Wie anders das Wiedersehen mit den alten Freunden und bor allem mit Harald, besten sie all die Jahre hin­durch mit Sehnsucht gedacht.

Alle ihre Träume waren in nichts zerftosten. Den Vater in seinem Goldhunger, in seinem Ehrgeiz, bor der Welt zu glänzen, berstand sie nicht mehr; bor dem Minister wich sie scheu zurück, denn sie las in seinen aufflammenden Augen, daß die alten Wünsche wieder in ihm erwacht waren; und Else und ihre Schwestern waren verflacht in der großen, glänzenden Geselligkeit der bornehmen Gesellschaft.

Else hatte allerdings bald die alten, herzlichen Töne wiedergefunden: aber die Jugend machte bei ihr doch ihr Recht geltend und ihr fröhliches Lachen wollte sich gar nicht mit dem ernsten Sinnen Edelgards bet tragen.

Diese machte der jungen Freundin keinen Vorwurf daraus — gewiß nicht! Und dennoch stand etwas Fremdes zwischen ihnen; der Ernst des Lebens, den Ecelgard so tief — fast allzu tief empfand, während

netter,“ entgegnete er. setzen wir uns auf die

ist nach den „Daily News" die folgende:

1. Frankreich wird Frankfurt, Darmstadt und übrigen Städte räumen, sobald die von Deutschland ohne Ermächtigung in das Ruhrbecken entsandte« er­gänzenden Streitkräfte zurückgezogen worben sind.

2. Deutschlands Forderung, daß die ihm durch die Konvention vom August 1919 zugestanbeneri

Englands Stellung zn einem neuen Militärputsch.

Der britische Geschäftsträger in Berlin Laib Kilmaru ock hat einem Pressevertreter gegen- über folgendes erklärt:

Ich bin überzeugt, daß ein neuer Militärputsch Die größte Entrü st unginEngiandhervorrufen, und daß die britische Re-.ierung ihn auf das ent- schiedensie zurückioeisen würde. Jede Möglichkeit, die dafür bestehen kann, daß Deutschland Hilfe durch Lieferung von Lebensmitteln und Rohstoffen oder durch Kredite erhalten könnte, würde durch iraend- welche Gewattaktionen, von woher sie kommen, zerstört sein. Die Erklärungen, die ich in diesem Sinne am 19. Marz herausge -äen habe, sind von meiner Regie­rung genehmigt worden.

Bank. Sie sind mir noch immer die Antwort auf meine letzte Frage schuldig."

„Ich entsinne mich nicht . .

Ein leises Erröten ihrer Wangen verriet jedoch, daß sie sich sehr wohl noch dieser Frage entsann, die sich auf den Zustand ihres eigenen Herzens bezog.

, „Soll ich die Frage wiederholen?"

^Nein, nein," wehrte sie mit erhobener Hand ab.

Doch da erfaßte Hans diese kleine, weiße Hand rmd druckte sie zärtlich an die Lippen. Und E se saß da wie ein gefangenes Vögelchen, mit gesenktem Kopf und nisdergesckflagenen Augen, mit geheimem Entzücken seinen Worten lauschend, die von Sehnsucht und Liebe und Treue und der Hoffnung auf eine glückliche Zu. kunft sprachen.

Dann sah sie zu ihm empor, bang und scheu, und in ihren Augen schimmerten Tränen.

„Soll ich jetzt die Frage wiederholen?" flüsterte er, sie näher an sich ziehend.

Sie nickte ihm zu und er flüsterte ihr ins Ohr:

„Hast Tu mich lieb?"

Und Else nickte unter Tränen lächelnd Antwort.

Da zog er sie innig in seine Arme und küßte sie, bis sie sich lachend seiner Umarmung entwand.

„Wenn das die Leute gesehen haben, Hansl" flü­sterte sie.

„Dann gehen sie zu Exzellenz," lachte er über­mütig, „und sagen: Exzellenz, bero Toclter haben mit einem Rittmeister von den Garde-Dragonern ein S ell- dickein und haben sich von besagtem Rittmeister küsten lasten — nnd wenn Exzellenz dero Tochter nicht tont, promit!-'» l-in sollt, so muffen Exzellenz bero Tochler besagtem Rittmeister zur Frau geben!"

„Und wenn Exzellenz nein fagt?"

Die neuen Gefahren.

Don einem besonderen politischen Mitarbeiter.

Es läßt sich nicht mehr länger verhehlen, daß wir „«mittelbar vor neuen Gefahren stehen. Sie werde« f0 brennender und um so drohender, weil die neue «Mncflung nach allen Anzeichen, die vorliegen, in en* 7^G emeinschaft der extremen Elemente ron rechts und von links zugleich in bte Wege ^Schon'währenb des Kapp-Putfches hat man die De- «taditung machen können, baß Lültwitz-Offiziere eine Annäherung mit ben Unabhängigen suchten. Es würbe in der Tat auch schon mit unabhängigen Perfönlichkei- L die aber in ihren Reihen keine führenbe Stellung Annahmen, verhanbelt. Don selten ber Unabhängigen -g, gefordert worden, daß das Militär die von ben Un- rf-hänqiqen auszurichtende wirtschaftliche Diktatur durch eine zu gleicher Zeit daneben Herlausende Militärdiktatur Mützen sollte. Von selten unverantwortticher Offizieres- kreise hat man damals mit derartigen Gedankengängen «liebäugelt. Die Unabhängigen, soweit sie an verant- »orilichen Posten innerhalb ihrer Partei standen,, gin­gen aber nicht näher auf di« Sache ein, weil sie Hinter­gedanken bei den Militärs befürchteten. Sie machten aus ihrer Sorge kein Hehl, daß die mit Hilfe der Un­abhängigen und ihres Anhangs hochgekommenen Mili­tärs, bi/ auf diese Weise gewonnene Macht schließlich zur NiÄerwerfung der Unabhängigen selbst wieder benutzen würden.

Es muß aber auch gesagt werden, daß die damalige« PLne, die in verschiedenen militärischen Kreisen gehegt wmden, noch viel weiter gingen, als der eben gezeich­nete Rahmen vermuten lassen könnte. Es war nichts geringeres geplant, als eine Verbindung der deutschen militärischen Macht mit der militärischen Kraft der russischen Bolschewisten. Die Brücke zu Rußland ollten die deutschen Unabhängigen und die deutschen Kommunisten bilden. In den erwähnten Offizterskrei- jen mochte man wohl davon geträumt haben, im Bunde mit beim russischen Bolschewismus unter Zuhilfenahme der radikalen Masten in Deutschland ben Revanchekrieg gegen Frankreich und die imperialistische Entente über­haupt aufzunehmen. Es hätte wirklich auch nicht viel gefehlt, daß ber Plan geglückt wäre, wenn nicht van kommunistischer Seite in Deutschlanb auch jetzt wieder befürchtet worben wäre, daß letzten Enbes mit Hilfe Englands die ganze bolschewistische Bewegung nieder- gezwungen werden würde, noch ehe sie in die Lage ge­kommen wäre, ihre polnischen und wirtschaftlichen Pläne dvrchzuführen und ihre Jmiehaltung zu sichern. Ma« war ja auch mißtrauisch geworden durch die mehr als eigenartige Haltung Englands gegenüber dem Kapp- Putfch und durch die Verbindungen, welche Kapp- und Lüttwitz-Offiziere mit dem englischen Geschäftsträger m Berlin cmzuknupfen suchten.

Der Kapp-Putsch ist ja nun mißlungen, die Weiter- oerfolgung ber bezeichneten weitgehenden Pläne unter­blieb, es ist aber Tatsache, daß auch nach dem Abzug aus Berlin in gewissen Offiziers kreisen der Gedanke ei­ner Verbindung mit ben Kommunisten weiter vertreten und auch praktisch zu verwirklichen versucht würbe. Es dürste nach ben Mitteilungen, bte von ben verschiedenen unverdächtigen Quellen vorliegen, in der Tat zutressen, daß eine Anzahl solcher Offiziere eine enge Verbindung mit Kommunisten gesucht und bei dieser letzteren tat- sächlich auch Gegenliebe gefunden haben. Man will auch wisien, daß Offiziere im Bunde mit ben roten Banden im Ruhrrevier standen und sich bart als Führer betätigt haben. Nach ben Mitteilungen des Abg. Braß in der Nationalversammlung sollen Offiziere als Agenten m den kommunistischen Versammlungen tätig gewesen fein, ihr Ziel sei gewesen, die Verwirrung ins maßlose M steigern, um sich bann ber einmal militärisch auf ge­botenen Kräfte für ihre Sonderzwecke zu bedienen. Die­ses Sondcrziel sei nichts anderes als gemeinsam mit

Gegen die Auslieferung der Handelsflotte.

Auf die aestern mitgetcilte Entscheidung v«s alliieiten Wkebergutmachungskommisfion hat bte beutsche Regierung nut einer Note geant­wortet in der es u. a. heißt:

Nach dem Friedensvertrag und der im Memorandum angezogenen Note der Alliierten ist es der Reparations­kommission zur Pflicht gemacht, auf die wirtschaft­liche Lage Deutschlands bei ihren Entschei­dungen Rücksicht zu nehmen. Tas von der Deutschen Regierung überreichte Memorandum hat in, kurzen Linien die wirtschaftliche Lage Deutschlands, geschildert und gezeigt, wie Deutschland ohne eines

bestimmten Schiffsraums wirtschaftlich zusam­menbrechen mutz. Das Schreiben der Wiedergut- machungskommisswn lehnt jedoch nunmehr den deut­schen Antrag ab mit dem Bemerken, daß „keine genüi- genden Gründe" vorgebracht seien. Tie deutsche Re­gierung kann diese Entscheidung nicht stillschweigend hinnehmen. Obwohl nach ihrer Ansicht die, bereits vorgelegte Denkschrift fd>on eine mehr als eindring­liche Sprache führt, wird die deutsche Regi.rung gleich­wohl weiteres zahlenmäßiges Mate­rial der Reparationskommission unterbreiten^ Sie wird zu gleicher Zeit nunmehr einen bestimmt formulierten Antrag dahinstellen, wi.viel Schiffsraum, welche Art Schiffe und für welche Zeit die Reparationskommission Deutschland überlassen möge. Der Vorsitzende der deutschen Schiffahrtsde!e- gation ist wegen der Fortsetzung der bisber in Londgn ! geführten Verhandlungen über die Ablieferung der Schiffe inzwischen unmittelbar mit dem Von-, sitzenden des Maritime Service in London in Verbin­dung getreten._______________

belegt worden, weil sie ihrem Schreiben e5 an Ehrerbietung hätten fehlen lassen. — Offenbar ertoaren die Franzosen Fuzfalle und Speichellecken von den Frankfurtern.

Das Palroulllengefechl bei Nieberwöllstadk.

Der Abg. v. Gräfe hat in ber Nationalver­sammlung eine Anfrage gestellt, in der er um Auskunft über ben Vorfall in Nieberwöllstabt bei üftieb» berg ersticht, wo Leutnant Graf K a l n e t n durch französische Soldaten tödlich verletzt wurde. Er nimmt auf die ber französischen Berichtigung widersprechenden deutschen offiziösen Darstellungen Bezug und fragt, was die Reichsregiemng zu tun gedenkt, um von der fran­zösischen Regierung rolle Genugtuung für bas Gesche­hene zu Strlangen. Die Leiche bes Grafen Kalnein ist inzwischen von Friedberg in feine Heimat überführt wor­den. Die Beteiligung ber Bevölkerung bei ber lieber« führung war gewaltig.

Nse kaum von ihm berührt worden war.

Aber das alles würde tote Spreu im Winde derflo. gen fein, wenn die eine große Enttäuschung ihre Seele nicht in $ rauer gehüllt hätte I .

Sie hatte Harald mitgeteilt, wann sie in Berlin eintreffen und wo sie wohnen würden: freilich nur in kurzen Worten, t:nn toenn sie mehr geschrieben, würde de/ ganze Jubel ihres HerzenS, die ganze frohe Hoff, nuug ihrer Seele hervorgcbrochen fein — würde sich die volle, tiefe Leidenschaftlichkeit ihres Wesens offenbart SMteu. haben. Dagegen sttäubte sich die Lauterkeit ihres De»>

Eine merkwürdige Geschichte ist aH Donnerstag in Berlin passiert: Infolge ber beunruhigenden Gerüchte über neue Putschabsichten war alles in Heller Aufregung. Die Regierung hatte umfaffenbe Vorsichtsmaßregeln treffen und das Regterungsviertel militärisch sichern las­sen. Kurz vor Erscheinen ber „B. Z.", der um die Mit­tagsstunde herauskommenden Berliner Mittagszeitung wurde die Redaktion bes Blattes angeblich vam Aus­wärtigen Amt und unter mißbräuchlicher Benutzung des Namens einer bestimmten Persönlichkeit an leitender Amtsstelle telephonisch angerufen. Es würbe mitgeteilt, das Auswärtige Amt lege Wert darauf, daß in bte im Druck befindliche Nummer noch die Nachricht komme, daß die beiden als Leiter ber neuen Putschbewegung ge­nannten Persönlichkeiten General L ü t t w i tz und Major Bischoff verhaftet und in Sicherheit gebracht worden seien. Die gleiche Nachricht war ebenfalls tele­phonisch von derselben unberufenen Stelle an das Wölfische Telegraphenbüro gegeben un6 alsbald nicht nur in Berlin, sondern auch im ganzen Reiche verbreitet worben. Erst nachdem schon längst die sensationelle Nachricht durch die „B. Z." in ganz Berlin verbreitet worden war, wurde bekannt, daß an amtlicher Stelle keinerlei Mitteilung über derartige Verhaftungen vorlag, daß also das Wvlff- sche Telegrapheubüro wie auch die genannte Zeitung einer ganz ungewöhnlich raffinierten Mystifi­kation zumOpfer gefallen waren.

Verantwortlich für ben redattfonellen Teil i. D.: Dr. Kramer, r. Mr die Anzeigen: I. Parze!ler-Fulda.

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Aciiendtuckerebln Fulda. Fernsprecher Rr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

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Al? nun gar Seine Exzellenz der Minister HallerS. mark mit seinen Töchtern zu längerem Besuch in der Billa Lynden erschien, da kannte die Bewunderung der Stenge für den reichen Mann keine Grenzen mehr. Die vornehme Gesellschaft, die sich anfangs von ihm noch ftrngehalten, der umwohnende Adel, dar OffizierkorpS, .bte Spitzen der Behörden — sie alte erschienen in der Billa, in welcher ein Fest nach deckt anderen gefeiert wurde.

An allez das dachte HanS, als er am jenseitigen ®®tme des Waldes auf einer Dank unter einer Breit- “lügen Buche saß und auf die Stadt niederblickte, die in dem Kranz ihrer Gärten ruhig und ftiedlich dalag. Richt weit vom Walde entfernt lag die Villa Lynden. Bon der Spitze des Turmes flatterte eine Fahne in ben Landesfarben und in den hohen Spiegelscheiben der Inster blitzte die Sonne, die mit warmen goldigen Grüßen auch auf dem herbstlich buntgefärbten Laubdach bes Parkes ruhte.

. Äj^rliche Stille überall — behagliche Ruhe — und boch rouffte Haus, daß in diesem Frieden, in dieser ?uhe ein Herz freudlos und unruhig klopfte und sich te^nte nach einem anderen Glück, nach einem anderen Frieden — das Herz Edelgards, der Tochter und Erbin E dieses Glanzes und Reichtums!

Auf dem Wege, der sich in sanften Windungen zum ®»lbe hinaufzo?, erschienen jetzt zwei Radlerinnen. Hans erkannte in denselben Edelgard Lynden und Else, Er schwenkte grüßend den Hut.

Else erwidette den Gruß, indem sie mit der Hand Winkte.

. .Noch etn kurzer, scharfer Lauf, dann sprang sie gs- schickt vom Rade und reichte Hans mit strahlendem Ge.

die Hand.

■ -Ohne Rad, Herr v. Debcnroth?" fragte sie erstaunt. "Wir wollen dock) ■ Partie in den Wald machen?

-Berzeihimg, , es • Fräulein, unsere Berabre- “Un9 galt erst für .norgem"

»Richtig! Und dennoch sind Sie hier?"

-Ein Zufall —r*