Einzelbild herunterladen
 

31]

Der Arbeit Lohn.

18. Kapitel.

»Nein, HanS, das kannst Du wirklich nicht verlan- Nn, daß ich mit Dir einen Besuch in der Villa Lyn- ®Cn mache. Was würden die Leute tont sagen? Wür- ”en sie mich nicht mit Recht verachten?"

»Ah bah, Harald," entgegnete Hans v. Bebenroth, »Du hast Dich doch sonst nicht viel um das Gerede der »cute bekümmert. Dein Leden in diesen letzten Iah. IRn beweist das zur Genüge."

, »Tas stimmt I Aber die Leute hatten unrecht, wenn ne über mein eingezogene? Leben svotteten — das Le.

eines Sonderlings, wie sie es nannten. Aber sie ^Stben mit ihrer Verachtung recht haben, wenn ich die *ulla Lynden wieder betraten wollte."

»Hm, — sie würden es doch wohl nur ganz richtig Nnden, wenn Tu die frühere Verb ndung wieder an. müpfcn wolltest. Außerdem we^tz ich durch Fräulein Hallersmark, daß man Dich in der Villa Lynden ^wartet".

»Latz das, Hans. Ich finde eS ganz natürlich, daß dort verkehrst, zumal Dich ein starker Magnet — E^äulein Else — dorthin zieht. Aber mich laß aus >Qn Spiele — ich habe meine trift-gen Gründe."

»Tie ich ja leider gelten lassen muß, wenn ich sie °Uc£) nicht kenne", entgegnete Hans von Bebenro h. 7^ir tut es nur leib, daß Edelgard Lynden — ja, ■?*< unterbrach er sich, als Harald eine ungeduld-ge ^wegung machte, »ich bin schon still. Ich bin nicht Kether gekommen, um Dir Vorlesungen über Tein ^lln und Treiben zu machen, sondern um Deinen «lldstand etwas zu vermindern »den Tu in den letz­en Jahren Wohl allzusehr hast anwachsen lasten. Tp lalltest einmal eine große Feldjagd veransta ten; ich ^aube, wir würden mindestens zweihundert Hasen zur drecke bringen."

. »Ich habe auch schon daran gedacht; aber in die- >kw Falle verlangt,man auch ein großes Jagdd ner

dazu kann ich mich nicht entschließen. Ich denke, ”,l.t Mei. im Verein mit meinem Förster und meinen eiben Verwaltern, werden der Hasen schon Herr tver- ®en- Im letzten Herbst habe ich deren dreihundert nach «erlin geschich, für den Hasen zwei Mark — macht vchJhurrdert Mark, .— ein nettes Sümmchen, was?"

Hans Bebenroth lachte

»Und zu dieser MassentÄerei hast Du mich dieses Jahr eingeladen . . . besten Tank!"

,£ffen gestanden, Haus, dachte ich erst daran, als Du' mir schriebst, daß Fräulein Else zum Besuch in Villa Lynden weile. Es schien mir das ein kleiner Wink zu sein . . ."

»Harald!"

»Na, nichts für ungut, mein Junge. Ich wünsche Dir von Herzen alles Glück! Nur begreife ich noch nicht recht, warum das so lange dauert. Tu bist jetzt Rittmeister und hast das Alter, einen eigenen Haus, stand zu gründen."

»Ich würde es schon wagen, Harald; aber Else ist so zurückhalend, daß ich nicht weiß, ob ich sprechen soll oder nicht. Cft war es mir schon, als ob ich einen warmen Strahl der Zuneigung in ihren Augen auf­blitzen sähe, dann aber ist sie manchmal wieder von einer Kälte, die mich zur Ver-weiflung bringt. Und in solchen Momenten denke ich dann, sie hat Dich, Ha' rald, noch immer nicht vergessen."

»Unsinn, Hans! Sie hat mich eigentlich niemals so recht lieb gehabt! Tas damals war nur eine leichte Verirrung ihrer jugendlichen Mädchenphan'asie. Junge Ddädchen sehen zuweilen in weit älteren Männern ihr Ideal, bis sie dann plötzlich ihren Irrtum erkennen. Jung'gehört zu jung und alt zu alt."

„Man sollte meinen. Tu seiest ein fünfzigjähriger Mann und doch hast Tu die Vierzig noch nicht er. reicht."

„Aber graue Haare und eine mürrische Laune, die Zeichen des Alters, habe ich dennoch schon. Also schlage Dir solche»dummen Gedanken aus dem Kopf und wage den Sturm auf die Festung, die Tu schon ha b erobert hast. Und nun vertreibe Dir den Tag, so gut Tu kannst Ich muß jetzt ^ur Ziegelei. Es ist nur gut, daß Tu Dein Rad mitgebracht hast, da ich Dir ein Reitpferd nicht mehr zue Verfügung stellen kann. Hät. test eines von Deinen Pierden rnitkuingen sollen, HanS. Eine Ration Hafer und Heu wäre schon noch übrig ge­wesen."

»Mir genügt mein Rad. Tie Pferde hecken nach dem großen Manöver auch Erholung nötig."

»Ja, ja, im Rdanöver werden die Knochen der Ka>- : valleriepferde nicht geschont. Na, Ndwu, HanS. Viel | Vergnügen. Zum Abendessen bin id> wieder da."

Mittwoch, 14. April 1920

fir. 86

den

sich in den

Dem Luxus schon längst

gehen und schwere Lasten ziehen mußte, edler Kutsch, und Reitpferde hatte Harald entsagt.

Hans sah seinem Vetter nach, wie er

Die Vernichtung Deutschlands!

Bon unserem Berliner Vertreter.

Auf dem Hofe führte der alte Friedrich das Reit. Pferd Haralds auf und ab, einen großer?, starkknochi. gen Gaul, dem man ansah, daß er auch im Gespann

Der Spuk im Vogtland.

Der Befehlshaber des Wehrkreises Leipzig, Gene­ralleutnant von Stoszmann, teilt durch einen Aufruf an die Bevölkerung des Bogtlandes mit, daß auf Er­suchen der sächsischen Regierung die Reichswehr beauftragt ' wurde, d i e Mißwirtschaft des Verbrechers Hölz zu beseitigen und die ver­fassungsmäßigen Zustände im Vogtlande wieder her­zustellen. Mit dieser Aufgabe sei die Reichswehr­brigade 29 unter Führung von Generalmajor Sensft beauftragt worden. Die militärischen Maßnahmen richteten sich also nicht gegen die friedliebende Bevöl­kerung, die vielmehr von dem Terror und Räuber­unwesen befreit werden solle. Auf Anordnung der Regierung seien Truppen in Westsachsen e i n g e r ü ck t, um die Banden zur Niederlegung der

Waffen zu zwingen. Nur dort werde von der Waffe Gebrauch gemacht werden, wo dem Unternehmen mit Waffengewalt entgegen getreten würde. Hebet die Kreishauptmannschaft Zwickau wurde der Ausnahmezustände verhängt. In Glochau, wo der Kommunist Nadler einen neuen Dollzugsrat gebildet hat, dem auch ein Zuchthäusler angeyvrt, wurden Brandkommissionen gebildet. 3n Plauen ist die Lage ruhig.

Aus den Ausstandsbezirken.

Rachweheu im Ruhrgebiet.

Der „Berliner Lokalanzeiger" berichtet, daß Gene­ral Walter, der Dienetag vormittag in Berlin ein­traf, am Nachmittag eine längere Unterredung beim Reichspräsidenten hatte, an der sich auch S e v e r i n g beteiligte. Es ist unbedingt damit zu rechnen, daß die militärischen Operationen im Westen in den nächsten Tagen ihr Ende finden werden.

Wie aus Barmen gemeldet wird, haben wilde Rotgardisten versucht, den Bahnhof und die Hauptpost zu besetzen und zu plündern . Sie wurden jedoch durch die Sicherheitswehr vertrieben.

Nach einer Meldung von militärischer Seite in Ham­born sind 17 völlig entkleid et e Leichen nach einem meuchlerischen Uebersall auf eine Gruppe Reichs­wehr eingeliefert worden. Es find zum größten Teil Reichswehrangehörige, die lebend in Gefangenschaft ge­rieten.

Bayern.

Blätter aller Schattierungen verbreiten die Nach­richt, der bayerische Ministerpräsident v. Kahr habe im Zusammenhang mit einem Protest gegen die von Berlin aus angeordnete Auflösung der Ein­wohnerwehren u. a. geäußert: Bayern werde seinen Weg weitergehen, selbst auf Kosten einer vorübergehenden Trennung Bayerns vom Reich. Falls die Reichsregierung auf die bayerischen Vorstellungen nicht eingehe, würden sich Bayerns Wege von denen des Reiches trennen und werde mit einem vorübergehenden Ausscheiden Bayerns aus dem Reichs- cerbanb gerechnet werden müssen. #

Amtlich wird dazu aus München folgende Er­klärung veröffentlicht: „Gegenüber anderslautenden Blättermeldungen über Aeußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten beim Empfang einer Abordnung von Einwohnerwehren, wird von maßgebender Stelle mitgeteilt, daß in der Erklärung des Ministerpräsiden, ten von der Gefahr eines Risses zwischen Bayern und der Reichsleitung nicht die Rede war. Der Mi­nisterpräsident äußerte gelegentlich: man könne aus die Vermutung kommen, daß die Entente einen Keil zwischen Nord und Süd treiben und dadurch einen Riß in Deutschland herbeiführen wolle. Der bayerische Mi­nisterpräsident steht fest auf dem Boden der Reichseinheit, und der verfassungsmäßige Weg wurde auch in der Frage der Einwohnerwehren nie­mals verlassen."

Gegenüber dem Münchener Vertreter der „Frkst. Ztg." berief sich Ministerpräsident v. Kahr ferner dar­auf, daß er, wie aus verschiedenen anderen Anläsien, so gerade auch in der Stuttgarter Konferenz der süd­deutschen Staaten, die unbeirrbare Reichstreue Bayerns wiederholt nachdrücklich st be­tont habe. —

Schließlich hat Ministerpräsident o^Kahr in einer Sitzung des Wahlgesetzausschusies in München in Ver­wahrung gegen die oben gekennzeichneten Gerüchte noch erklärt, er fei der festen Heberzeugung, daß eine Loslösung Bayerns vom Reiche eine für Bayern verderbliche Isolierung wäre, und werde daher niemals die Hand zu einer Maßnahme bieten, die auf eine solche Lostrennung abzielen könnte.

Kommunisten, entglitten die Masten zuerst den Händen der Führer. Es ist das Verhängnis der lln- abhängigen, daß sie die Zusammensetzung jener Ar- beiierschaft nicht beachtet hat. Die Nachrichten über die Neubildung einer Roten Armee sind mit größter Vorsicht aufzunehmen. Die westdeutschen Arbeiter sind reichs­treu. Nebenregierungen haben wir vor dem ®ri19 B6* habt, sie standen der Schwerindustrie nahe. Die Reichs­regierung muß einschreiten gegen die Verschleuderung un­serer Bodenschätze an ausländische Kapitalisten. Wann kommt das Reichsbergwerkgesetz? Die Republikanisierung der Reichswehr muß durchgeführt werden.

Der Standpunkt des Zentrums.

Abg. Trimborn (Ztr.): Der scharfen Verurtel- lung des franzöfifchen Gewalt st reiches durch den Reichskanzler schließen wir uns _an. Geist und Sinn des Friedensvertrages sind durch unseren Einmarsch in das Ruhrgebiet in keiner Weise verletzt worden. Jeder wußte, daß es sich nur um Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung, um Schutz gegen Raub und Plünderungen handelte. Die gegen Deutschland betriebene Politik ist eine Verhöhnung des Völkerbundsgedan- k e n s. Demgegenüber müssen sich alle Deutschen zusam­menschließen und deshalb begrüßen wir auch die Erklä­rung des bayerischen Ministerpräsidenten, daß Bayern fest zum Reiche steht. Weite Kreise des Rheinlandes er- streben eine andere Stellung des Rheinlandes im Reiche. Aber die Abtrennung vom Reich wird von allen maß­gebenden Parteien entschieden abgetehnt. Die Re­volte im Ruhrgebiet war von langer Hand vorbereitet, aber der Kapp-Putsch hat das Signal zum Los- fchlagen gegeben. Er war ein Verbrechen. Man kann es auch verstehen, wenn demgegenüber das versastungs- treue Volk zum Generalstreik gegriffen hat.

Das Bielefelder Abkommen geht bis an die äußerste Grenze des Entgegenkommens, wenn sie nicht schon überschritten ist. Aber jedensalls haben seine Ur- beber die besten Absichten gehabt. Warum hat man die auf Grund des Abkommens gestellte Frist zur Abliefe­rung der Waffen dann um 48 Stunden verlängert, das haben weite Kreis« der Beriilkerung nicht ^verstanden. Das hat demoralisierend gewirkt. Zivilbehörde und Militärbehörde haben nicht mehr fianä_ in Hand gearbeitet. In einem Falle hatte das Militär Sperr­feuer angeordnet, um rote Truppen abzufangen. Die Zi- vilbehörde hat das verhindert. Wenn einmal eine mili­tärische Aktion im Gange ist, darf die Zivi'.behörde nicht in dieser Weise sich hineinmischen. (Hört! hört! rechts.) Weite Kreise meiner westsälischen Parteifreunde sind mit den Maßnahmen Seoerings nicht einverstanden. Er hat sich zu sehr von sozialdemokratischen Gesichtspunkten leiten lasten. Seine Zioilkommissare sind alle Sozialdemokraten gewesen. (Hört! hört! rechts.) Die Einrichtung dieser Staatskommistare, die den geord­neten Behörden mit einem Male vorgesetzt waren, ist überhaupt bedenklich. Man denke sich in die Gemüts­verfassung der Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten hinein, wenn ihnen plötzlich ein Mann aus Berlin ge­schickt wird. (Hört! hört! rechts.) Derartige Dinge ver- tragen sich nicht mit dem Geiste der Koalition. Für den Optimismus gegenüber der linksrevolutionären Bewegung haben wir kein Verständnis. (Sehr richtig! rechts.) Ich unterschätze die Gefahren von rechts nicht. Aber für die­sen Augenblick erscheint mir die Gefahr von links aktueller. (Sehr richtig!) Unser Ziel muß sein, die staatliche Auto­rität nach allen Seiten und in vollem Umfange wieder herzustellen. (Sehr richtig!) Das verlangt das Volk, und das ist ein Zeichen der Gesundheit. Das Volk verlangt eine starke Regierung. Mit Militarismus hat das nichts zu tun. Schon sammeln sich südlich der Ruhr die Elemente, die nördlich der Ruhr vertrieben worden sind. Dem muß begegnet werden. Die W a f f e n a b - liefet: ung muß energisch betrieben werden. Wer sie verweigert, für den ist keine Strafe zu schwer. Hier hilft nur die Androhung der Todesstrafe. Außer­ordentliche Kriegsgerichte, zu denen auch Zivilisten zuge­zogen werden können, müssen eingerichtet werden. Man muß nur die Dinge sehen wollen, wie sie wirklich sind. Es sind dort entmenschte Horden, wahre Be­stien am Werke gewesen. Da soll man alles hin­gehen lasten? Gewiß,'gegen rechts soll scharf oorgegangen werden, aber ebenso gegen links. Der größte Fehler wäre es, schrankenlos das Begnadigungsrecht walten zu lasten. Nur durch Gerechtigkeit nach allen Seiten retten wir die Autorität des Staates und unser Volk. Ebenso wüsten Ausschreitungen der Reichswehr streng geahndet werden. Aber wenn sie auch vorgekom­men sind, so ändern sie nichts an dem Gesamturteil, daß sich die Reichswehr in der vergangenen Woche große Verdienste um das Ruhrrevier erworben hat. Ihr ge­bührt unser Dank. Es ist unsere Pflicht, die Reichswehr hochzuhalten; denn sie ist die wichtigste Säule des Staa­tes, vorausgesetzt, daß sie aus dem Boden der Ver­fassung steht. Wer das nicht vermag, muß austreten. Wer aber treu zur Verfassung steht, verdient unsere Hoch­achtung und unseren Schutz.

. Ich will die K o a l i t i o n stärken dadurch, daß ich auch auf Fehler aufmerksam mache. Ohne die Koattion gleitet das Vaterland in den Abgrund. Augenblicklich droht aber der Koalition die Hauptgefahr von links. Es besteht die Gefahr, daß der Sozialdemokratie eine privilegierte Stellung im Staate ein« geräumt wird. In dieser Richtung bewegt sich der Vor­stoß der Gewerkschaften. Der Reichskanzler hält ihn für harmlos. Wir erblicken in dem Vorgehen das Bestreben auf Einsetzen einer Nebenregierung. Mit aller Deutlichkeit hat zwar der Reichskanzler die Sieben- regierung abgelehnt. Aber wir mästen auch verlangen, daß alle Parteien der Koalition an dem Grundgedanken der Koalition festhalten: Verfassung und Demo­kratie. Damit ist die Grenzlinie nach links streng ge-

Deutsche Nationalversammlung.

Sitzung vom 13. April.

Nach Erledigung einer großen Zahl kleiner Anfragen beginnt die

Besprechung Der gestrigen Negierurigs- ertlärung:

Abg. n. Payer (Dem.) erklärt, feine Partei fei im allgemeinen mit der Regierungserklärung einverstan­den. Sie begrüßen die Zurückweisung jeder Art von Nebenregierung.

Abg. hue (Soz.): Bergarbeiter und Eisenbahner waren gewillt, Ueberstunden zu machen. Die Blutschuld der offenen und geheimen Rappt ft en muß immer wieder betont werden. Der Kapp-Putfch hätte ohne Waffengewalt erstickt werden können, wenn die Führer der Reichswehr der Mentalität der Bevölkerung bester Rechnung getragen hätten. In weiten Gebieten wurde das Bielefelder Abkommen von der Arbeiter­schaft anerkannt, aber irreführende Nachrichten erregten die Masten immer von neuem. 3m sogenannten Wild­west, wo keine genossenschaftliche Disziplin herrscht, im Gebiet der Gelben, der Streikbrecher, der sogenannten

Ein günstiger Wind hat der Reichsregierung Pion der französischen Militärs hinsichtlich der cm Mein zu befolgenden P o l i t i k F r a n k r e i chs in die Hönd" getp-elt. In welchem Sinne und in welchem Ausmaße diese Politik betrieben werden soll, wissen wir ta natürlich nicht erst seit heute. Aber es ist doch gut, Etliche Dokumente dafür zu besitzen, die uns just in die- scm Augenblick um so wertvoller sein müsien, als sie uns den Schlüssel gerade für die jüngsten Vorkommnisse

Die Frage ver Räumung des Maingaues.

Der englische Botschafter Lord Derby hat M i I- lerand die Antwort seiner Regierung überreicht. Millerand gab ihm sofort mündlichen Bescheid und versicherte, daß die deutschen Städte auf dem rech­ten Rheinufer, die kürzlich besetzt wurden, wie­der vollständig geräumt würden. Er prä­zisierte sodann genau die Bedingungen, unter denen Frankreich eingegriffen habe, indem er erklärte, daß die deutschen Truppen im Ruhrgebiet die Zahl, wie sie am 8. August 1919 bestimmt wurde, weit überschritten. Die deutsche Delegation habe am 8- April die Verlängerung des Abkommens verlangt.

dessen Frist am 10. April abtief, zu welcher Zeit die Deutschen die neutrale Zone hätten räumen müssen. Das Verlang-» werde vom technischen Standpunkte aus durch die militärische Kontrollkommission geprüft werden und Gegenstand eines Beschlusses der Chefs der Regierungen auf der Konferenz von S a n R e m o fein. *

Die Blätter stellen fest, der englische Botschafter Lord Derby habe nochmals versichert, daß die Städte Darmstadt und Frankfurt zugleich mit den Städten Hanau, Dieburg und Homburg ge­räumt würden und nicht etwa ftaffelroeife. Des ferneren habe sich Lord Derby bestätigen lasten, daß die Räumung erfolge, sobald die über das August abkommen hinaus in das Ruhr­gebiet einmarschierten Truppen die neutrale Zone verlassen hätten.

Millerand in der Kammer.

In der französischen Kammer sagte Millerand, er freue sich, der Kammer mittetlen zu können, daß nach einem loyalen Meinungsaustausch zwischen den Kabinetten in London und Paris diese sich geeinigt haben, zu erklären, daß die Auseinander- setzungen zwischen Paris und London dahin geführt haben, festzustellen, daß, wenn sich zwischen ihnen eine Meinungsverschiedenheit über die Mute!, die Ausführung des Friedensvertrages von Versailles sicherzuftellen, herausgebildet habe, sie mehr denn je die Notwendigkeit erkennen, ihre intime und herz­liche Zusam menarbeit für die Regelung aller schwierigen Fragen aufrecht ru erhalten.

Amsterdam, 13. April. Einer Reutermeldung zu­folge erklärte Sonar Law im Unterlaufe ferner, die britische Regierung habe die Mitteilung erhalten, daß die deutschen Reichswehrtruppen bald aus dem Ruhrgebiet zurückgezo­gen würden.____

Sattel schwang und langsam in den herrlichen Herbst­morgen hinaustrabte. Tie Bewegungen des großen, hochbeinigen Gaules waren nicht gerade sanft, er warf beim Traben den Reiter hoch empor und schüttelte ihn tüchtig zusammen.

„Spat ha« der Gaul auch schon auf den Hinterher, nen", murmelte Haris mit ärgerlichem Ausdruck vor sich hin, »Wie Harald dieses Leben aushält, ist mir wahr­haftig unbegreiflich."

Tann zündete er sich eine Zigarre an und schien, bette in den Park hinaus, an den sich die Wiesen und Felder anschlosten, um allmählich zu dem von einem schönen Hochwald bedeckten Höhenzug anzuste gen.

Jenseits des Höhenzuges lag die Kreisstadt, in welcher Lynden jetzt wieder seine frühere Villa bs-

bieten.

Das Motto, nach welchem die im Rheingebiet be- schlenden höheren französischen Offiziere handeln, ist dieses: „Jede Verlegenheit Deutschlands ist zu benutzen, um Vorteile für Frank­reich zu erringen!" Das geschieht dgdurch, daß die Alliierten vor vollendete Tatsachen ge­stellt werden. Das sind gewiß laribare Grundsätze! Man sieht, daß die ftanzösischen Militärs bei der Be­setzung des Frankfurter Gebietes auch prompt danach ^handelt haben. Man hat aus diesem Plan aber auch fiteres noch erfahren, was allerdings im Grunde (eit­ler schon nicht ganz unbekannt war: Den Franzosen genügt noch nicht einmal das linke Rheinufer. Nur Köln findet bei ihnen als Wirtschaftszentrum einiger­maßen Beachtung. Aber sie wollen an den „Reich­tum Preußens", daher sollen einem zu bildenden rheinischen Pufferstaate die gegenüber liegenden wert­vollen Wirtschaftsgebiete von Frankfurt a. M., das Ruhrkohlengcbiet und der Düsseldorfer Industrie ange- glicöert werden. Wäre das vollbracht, dann wäre Deutschland wie es in jener militärischen Instruktion naiv heißt. ,am besten" in fünf bis sechs grö­ßere Bundes-Republiken zu zerlegen. Der Süden des Reiches würde vorn Norden getrennt, eine eigene Bundesrepublik zu bilden haben, dazu käme die rheinische R publik mit beiden Ufern und der Norden soll so zerstückelt werden, daß Preußen ohnmächtig und Berlin eine kleine Republik, etwa nach Art von Wien und Budapest, bilden würde.

Hier haben wir also die Pläne des ftanzösischen Militarismus klar und deutlich vor uns. Ihr letztes Ziel ist die Vernichtung Deutschlands auf dem Wege der Zerstückelung bezw. der Auflösung der Reichseinheit. Man darf sicher sein, daß es mit diesen Absichten Frankreich durchaus ernst ist. Man muß einmal ad- warten, wie die Veröffentlichung dieses Dokumentes in Frankreich und bei Frankreichs Verbündeten wirkt. Aber darüber darf man sich auch nicht im Geringsten im Zweitel sein, daß, wenn auch jetzt die P o l i t i t e c von den französischen militaristischen Plänen abrücken wer­den, sie keinen Augenblick zögern würden, „vollen­dete Tatsachen" anzuerkennen.

Wir sind von der Enthüllung dieser Pläne nicht überrascht, wir haben schon seit langem mit ihnen ge­rechnet und unsere Politik auf die Verhinderung der Verwirklichung dieser Absichten eingestellt. Es wird sich jetzt aber zeigen müssen, ob die All erten ,Frank­reichs und ob die Welt derartige wahnsinnige Experi­mente unterstützen würde.

Bezugspreis: Monatlich 2,00 M. ohne Zustellgebühr. In Fucka

bei unsabqeholt 2,10 Mk. Anzeigenpreis: Die Klein zelle A7 Irthrn (Colonelmaß) 50 Pg„ u. 10% Zuschlag, die Reklame zelle T*» (Textbreite) 1.50 Mk., u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol Rabatt.

Berantwortlich für den redaltionellen Teil L 53.: Dr. Kramer, - - für die Anzeigen: I. Par zell er-Fulda. >

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Attlendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

wohnte, während die Fabrik allerdings in andere Hände übergegangen war.

Lynden besaß auch gar nicht die Absicht, sich gewerb­lich wieder zu betätigen.

In Südafrika und England, wo er das letzte Jahr geweilt, hatte er durch Vörsenspekulationen ganz bedeu­tende Summen gewonnen, sich dann rechtzeitig von allen Geschäften zurückgezogen und wollte nun sein Le- ben in aller Ruhe und Behaglichkeit genießen. Sein Ehrgeiz trieb ihn jedoch an, denjenigen Leu.en, welche ihn einst als armen, bankrotten Mann halten fort. ziehen sehen, seinen Reichtum zu zeigen. Aus diesem Grunde kaufte er in seiner früheren Heimat die Villa zurück und versuchte, auch Schloß Fredersdorfs in sei­nen Besitz zu bringen.

Tas erste gelang ihm leicht, das zweite scheiterte an „dem unbegreiflichen Eigensinn" Haralds, wie er dessen Weigerung, sein Gut zu verkaufen, nannte.

In seiner Villa entfaltete Lynden einen Luxus, der alle Welt in Grftcuncn setzte. Und wie die Welt nun einmal ist: sie umschmeichelt den reichen Mann und de. griff den Baron von FrederSdorsf nicht, der sich der Villa Lynden vollständig fern hielt.

Sortteßung folgt.

zogen, und diese Grenzlinie muß innegehalten werden. Eine einseitige Arbeiterregierung, eine Klassenregierung, leynen wir einmütig ab. (Hört! hört!) Ich habe auch den Eindruck, daß aus der Erklärung des Abgeordneten Payer, der stets den demokratischen Gedanken hochgebal- t:n bat, derselbe Standpunkt hervorgeht. lSehr richtig!) Um die Zukunft unseres Volkes brauchen wir nicht bejurgt zu {ein, wenn wir daran festhalten. (Lebhafter Beifall.)

Nochmals bet Reichskanzler.

Reichskanzler Müller: Wir haben andauernd daran gearbeitet, das Programm, das ich vor 14 Tagen aus- fübrte, in die Tat umzusehen. Binnen kurzem hoffen wir. Ihnen die Vorlage vorzulegen, die ich angekündigt habe. Aber in 14 Tagen können diese im Reichsrat und hier im Hause nicht erledigt werden. Wir herben mit der Gesamtheit der Alliierten verhandelt, daneben aber auch direkt mit der französischen Regierung, eben, so mit London und Rom. Ich habe keinen Zweifel, daß die Kommunisten seit langem auch im Ruhrgebiet etwas vorgehabt haben. Wenn der Kapp.Putfch nicht gekommen wäre, wäre es ein Kinderspiel gewesen, mit ihnen fertig zu werden. Die bolschewistische Bewegung verfolge ich aufmerksam. Ten Räuberhauvtmann Hölz kann man keiner Partei anhängen. Tie Regierung hat eingegriffen, sobald die sächsische Regierung militärische Hilfe anforderte.