47. Zahrgi
Dienstag, 13. April 1920
Nr. 85
Q Hanau. Der Laydrat deS Landkreises Hana» t bekannt, daß nach einer Mitteilung deS fron»
der Erklärung der
der Kafional-
in
mehrere Personen schwer verletzt.
und
Der Arbeit Loh«
kaum
Fre.
Sie
umgebenen
Aus dem neubesehterr Gebiet.
Borschieben der BesatzungSgrenze.
den und hatten schmucken, mit kleinen Gärten denen, massiven Häuschen Platz gemacht, zu die Ziegelei Haralds die Steine lieferte.
Man erkannte Gut und Torf FrederSdorff
der Tagesordnung abzusetzen.
Dienstag: Anfragen, Besprechung Regierung u. a.
Der Fockgang der Verhandlungen
Versammlung.
»Keine Minute."
»So sind Sie entschlossen, zu verkaufen?"
»Rein — diesem Herrn Ltmden verkaufe ich "«rsdorff unter keinen Umständen I"
gibt bekannt, daß nach einer Mitteilung deS fron* zölUchen Kontrollosfiziers bis Montag abend der gesamte Landkreis Hanau westlich der Bahnlinie Hanau-Friedberg und außerdem die Pulverfabrik und ihre Umgebung von de» französischen Truppen besetzt werden wird. Die Pulverfabrik liegt dekaunilich östlich von Hanau.
In der heutigen Dienstag-Sitzung der Nationalversammlung erwartet man besonders von den beiden Rechtsparteien längere Darlegungen über die auswärtige Lage, wie sie durch das Vorgehen der Franzosen sich entwickelt hat. Die drei Mehrheitsparteien werden voraussichtlich in einer gemein- samenErklärungder Reichsregierung das Vertrauen aussprechen und von besonders langen Ausführungen absehem
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Aufstand und roter Schrecken.
Die Lage im Ruhrrevier.
Wie amtlich mitgeteilt wird, ist die Waffenabgabe sowohl im nördlichen wie im südlichen Ruhrrevier durchaus noch nicht auf der Höhe. Es finden deshalb eingehende Besprechungen mit den Zi- vilstellen statt. Die Stadt Dinslaken hat schon Ersatz von 7 Millionen, die Stadt Essen einen solchen von 10 und Duisburg einen solchen von 4 Millionen Mark angen eldet.
Eine'zu Beginn der Unruhen im Ruhrgebiet 6* Remscheid abgedrängte Reichswehrabteilunst von Gillhausen, die in einer Stärke von 1000 Manw ins besetzte Gebiet übertrat, wurde von den Engländer» interniert und befindet sich nun wieder auf dem Abtransport nach dem unbesetzten Gebiet.
wtb Mülheim a. Ruhr, 12. April. Einem Privattelegramm zufolge soll der vom Kriegsgericht m Wesel zum Tode verurteilte D e m o t t, der angeblich amerikanischer Staatsangehöriger sein soll, im Gefängnis, in dem er untergebracht war, bei einem Fluchtversuch von einem Wachtposten erschossen worden sein.
Reichswehr gegen ven
SchinderhanneS HSlz.
Wie aus Leipzig gemeldet wird, hat der k o n z e n - irische Einmarsch von Reichswehrtruppen in das Vogtland begonnen. Während starke bayerische Kräfte mit Artillerie an der Südwestecke Sachsen» von Hof her zusammengezogen sind und andere Truppen üb« die Gegend von Chemnitz vorgehen, sind auch von Leipzig aus mehrere Abteilungen in Marsch gesetzt worden.
sei, daß er sich erst durch sie zur wahren, echten Männlichkeit durchgerungen.
Mit vereinten Kräften wollten sie dann zusammen weiter arbeiten, und weiter streben, bis sie ihren Kindern das Erbe ihrer Väter frei und wohlgefügt über, liefern konnten.
Und nun sollte er FrederSdorff gleichsam als Get- schenk entgegennehmen aus der Hand ihre» Vater», der in fernen Landen sich Gold und Reichtum in mühelosem Börsenspiel erworben?
Er sollte nicht als eigener Herr auf der Scholls ferner Väter sitzen, sondern gewissermaßen als Platzhalter, als Geschäftsführer des reichen Herrn Lhnden?
Nein und tausendmal nein!
Diesen Lohn seiner Arbeit verachtete er setzt. ®t geizte nicht mehr nach Geld und Gut; er wollte ein* Mann bleiben, der auf seine eigene Kraft, auf feine eigene Arbeit gestellt ist.
Er fürchtete He Zukunft nicht mehr. Mochte sie ihm auch den äußeren Lohn seiner Arbeit versagen, den inneren Lohn trug er in seinem Herzen, in seinen» Gewissen.
Daß ihm Edlgard daS hatte antun können, schmerzte ihn aufs tiefste. Sie hätte ihren Vater davon abhctt-' len müssen, ihm dieses Ansinnen zu stellen. Ober sie hatte doch nicht daS rechte Vertrauen zu ihm — und all seine Arbeit war vergebens gewesen.
Eine Weile saß er da, die Arme auf den Tisch gestützt, das Gesicht in die Hände verborgen. Es war ihm, als habe er heute eine schöne Hoffnung zu Grabe getragen, als sei er ärmer denn zuvor, als sei er jetzt ganz verlassen und einsam.
Er seufzte schwer auf und erhob sich.
Sein Biick fiel auf den von der Sonn« beschiene» nen Hof — ein Wagen, voll von der goldenen Frucht deS Feldes, schwankte durch das Tor — ein Kranz befand sich oben darauf, die Knechte und Mägde jauch-, ten, es war der letzte Wagen der diesjährigen reiche» Ernte.
Al» die Knechte und Mägde den Herrn am Fenfi« stehen sahen, jubelten sie ihm zu und Glück und Freuds leuchtete aus aller Augen.
Und da wußte ei, daß er nicht vergeblich gelebt, j gearbeitet, gestrebt hatte — wenn er auch in dieser Stunde ein einsamer, freudloser Mann geworden war.
Fortsetzung folgt.)
Vorwürfen schützen.
Solange es noch -eine Möglichkeit bet friedlichen Verständigung gab, mußten wir zuwarten. Aber als alle den Einmarsch verlangten, mußten wir vorgehen oder ab» danken. Wir mußten einmatschieren, ohne die Einwilligung Frankreichs erlangt zu haben, das die Aktion für unnötig und gefährlich erklärte. Die Notwendigkeit zu beurteilen war Sache der deutschen Regierung. (Beifall.) Frankreich hatte den Mut, sich durch unser Vorgehen in seiner geographischen Lage bedroht zu erklären, trotzdem die 19 000 Mann in der neutralen Zone gegenüber der waffenstarrenden Besatzungsarmee fast verschwinden. Wir haben eine formale Unterlassung begangen. Den Weltfrieden haben wir nicht bedroht. Wirerheben gegen die französische Regierung Anklage, den Versailler Vertrag verletzt und den Völkerbund, noch ehe er in Kraft trat, um jeden Kredit gebracht zu haben.
Die ftanzösische Note wurde uns in Paris übergeben, drei Stunden nach dem Ein rücken in Frankfurt. Die militärische Dergewalttgung Deutschlands ist eine Versündigung gegen Europa wie gegen das französische und das deutsche Volk. Krieg oder Frieden! Ein drittes gibt es nicht, 'wenn nicht Anarchie alle» verschlingen soll. England und Italien scheinen das einzuseheit. Allerdings würde es naiv sein, daraus zu schließen, daß der Bestand der Entente gefährdet sei. Wir wollen die Waffen im Privatbesitz im Ruhrgebiet ein- sammeln. Frankreich hindert uns daran.
Die Einwohnerwehren, die keine militärische Organisation sind, richten sich gegen die Plünderung, gegen die Anarchie. Die Regierung hatte mit den Ländern über die Auflösung der Einwohnerwehren nur verhandelt auf Grund der Entente, nicht auf Grund der Gewerkschaften. Eine Nebenregierung der Gewerkschaften lehne ich ab. (Beifall.) Mitregieren kann nur der, der die Derantwortung mit übernimmt. Die Gewerkschaften hatten keinerlei Forderung ulttmativen Charakters gestellt. Allerdings leg« ich größten Wert darauf, die Wünsche der organifierten Arbeiterschaft zu hören. Nach dem Swrz der Machtpolitiker wird das deutsche Volk eine Demokratie fein oder wird es nicht fein.
Das Duell Frankreich-Deutschland muß aufhören. Frankfurt, das Herz Europas, ist getroffen. Ehe Frankfurt nicht frei ist, werden alle schönen Worte der Derständigung verhallen. .Frankfurt" hat a l le nationalistischen Instinkte wieder erweckt. Dis Nationalisten aller Länder leisten sich die besten Dienste.
gebiet geht ihrem Ende entgegen, damit wird hoffentlich auch di« Besetzung des Maingaues ihr Ende erreichen. Wir wollen abkehren von allen Kriegsanschammgen und allen Striegsmitteln. (Beis.)
Präsident Fehlen buch schlägt vor, in die Erörterung erst Dienstag einzutreten und die übrigen Gegenstände von
Neues aus Frankfurt.
h. Frankfurt a. M. Die Franzo'en haben Tanks und Panzerauto;, die seit der Besetzung devi Stadt auf dem Bahnhofsplatz, int Borgarten bet Frankfurter Hofes u. f. w. ausgestellt waren, zurückgezogen. Im Lause des Nahmittags durchzoze« große Trupps französischer So'daten die Straße«^ um die Stadt zu besichtigen. — Dir Polizeistunde ist jetzt von 9 Uhr auf 10 Uhr abends festgesetzt worden. — Der größte Teil der Bevölkerung sieht und „staunt" die französischen Soldaten an, wo sich diese auch blicken lassen. Die militärischen Umzüge, Aufzüge und Paraden werden von unDurd)bring« ichen Menschenmauern begleitet. Mehr Würde? möchte man die'en oberflächlichen Leuten zurusey-
Die schwarzen Truppen werden abgelöst.
Der Sonderberichterstatter te8 „Marin" tw Mainz bestätigt, daß die 11. Dwision von Nancy die schwarzen Truppen in Frankfurt ablöen werde. — Bei der Explosion eines französischen Munitionslagers in Rüdesherm wurden ein Soldat und zwei deutsche Kinder getötet
wieder, so hatte es sich in den wenigen Jahren verändert.
Haralds unermüdlicher Arbett war diese Verände. rung zu verdanken I
Und wenn er auch darüber ein einsamer, rastloser und freudearmer Mann geworden, dessen Haar an den SMäscn anfing zu ergrauen, so war er doch von berechtigtem Stolz über den Erfolg feiner Arbeit erfüllt. Und wenn er auch unter seinen Standesgenossen wenig Freunde mehr fand, da er keinerlei Geselligkeit pflegte, keine großen Jagden mehr gab und wie der einfachste Lauer lebte, der mit eigener Hand fein Land beackert, so fand er doch dafür in feinen Arbeitern, in feinen Angestellten, in den kleinen Bauern seines Dorfes ehr. liche Freunde, die bewundernd zu ihm aufsahen; er fand fein Genüge in der Anerkennung seines eigenen Herzens, seines eigenen Gewissens.
Und als Lohn all feiner Arbeit, all feiner Mühen und Sorgen hatte er sich stets die Stunde auSgernalt, in welcher er Edelgard als feine Gattin heimführen würde und sein wieder erstandenes Besitztum. Nicht Reichtum und Glanz vermochte er ihr zu bieten, nut den Erfolg seiner Arbeit wollte er ihr zu Füßen legen und ihr sagen, daß daS alles ihr Werk, ihr Geschöpf
Wildnis, in beten Schatten die alten Statuen aus Stein gleich Geistern einer längst entschwundenen Vergangenheit standen, überwuchert von Moos und Efeu.
Dagegen herrschte auf dem Mrtschastshvfe reges Leben und Treiben. Die Stallungen und Scheunen waren in bester Ordnung. Die landwirtschaftlichen Geräte erneuert und ergänzt, die alte Brücke durch eine neue ersetzt und da? holperige Pflaster, in dessen Ver. tiefung sich das Schmutzwasser sammelte, ausgebessert worben.
Im Steinbruch draußen unb in der Ziegelei regten sich zahlreiche Hänbe unb auf dem Vorwerk ließ eine Spiritusbrennerei ihre hohen Schornsteine. in bie Luft ragen.
Und tote der Hof, so hatte sich auch ba3 Dörfchen neben dem Gute zu feinem Vorteil verändert. Ein neues Schulgebäude war an die Stelle der alten, stroh- bedeckten, baufälligen Schule getreten. Die dürftigen Lehmhütten der Arbeiter waren nach und nach geschtoun.
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_ »Ich sollte ihn eigentlich nicht nennen, aber Sie Jrinbci ibn ja doch bald erfahren: der Herr heißt Fre.
Lhnden und lebt jetzt in London. In einigen 'Podien kommt er nach Berlin. Er hat mir Vollmacht AVeben, bcn Kauf für ihn abzufchließen . . . aber waS Ihnen, Herr Baron?"
Die Frage war allerdings sehr berechtigt, denn eine löbliche fahle Blässe bedeckte das Gesicht Haralds, der «Ech schwer mit der Hand auf den Schreibtisch stützte, 015 könne er sich kaum mehr aufrecht erhalten.
»Lhnden — fugten Sie, ift fein Name?
t »Ja, Theodor Friedrich Ltmyden, jetzt Mister Fro- Lhnden Er will das Gut für feine Tochter er.
•»erben, die mit einem atmen Teufel verlobt ift. Wif- ,en ®te, Herr Baron, ich traute diesem Herrn Lhnden MfangZ nicht recht, aber er hat eine Million Mark auf 7^ ReichZbank deponiert, da konnte man sich schon auf Geschäft einlassen. Also — wie lange Bedenkzeit
kordern Sic, Herr Baron?"
»Wie, Hen Baron? Bedenken Sie doch!" »Nicht um zwei Millionen!"
-Aber ich bitte Sie! Weshalb denn nicht? lchtenen doch vorhin nicht abgeneigt zu sein."
»Ich bin nicht verpflichtet. Ihnen Gründe für meine Tigerung anzugeben, Herr Mühlberg. Mein (Ent- RQifj steht fest — ich verkaufe- FrederSdorff nicht!"
»Wenn (Sie es nicht später müssen, Herr Baron!" »Keine Dreistigkeiten, Herr! Ich glaube, wir ha» ®8R nichts mehr miteinander zu reden."
. -Herr Baron, ich bleibe bis übermorgen hier; ich auch die frühere Villa des Herrn Lhnden zurüch.
^tfen. Wenn Sie sich also anders besinnen —" » »Ich werde meinen Entschluß nicht ändern! Adieu, Mühlberg."
Dieser erhob sich achselzuckend. Er wollte noch etwas Leibern, aber Harald hatte sich bereits wieder vor den Schreibtisch gesetzt und beschäftigte sich mit seinen Pa. Wen, ohne von Mühlberg weiter Notiz zu nehmen. ^Eine kleine Weile zög-irie dieser. Da drückte der auf den Knopf ber elektrischKl ngel und gleich ”ltouf trat der alte Kutscher ein.
„Führe den Herrn hinaus," befahl FrederSdorff. Mühlberg Lächelte verlegen, machte eine linkische Verbeugung und ging hinaus.
Als sich die Tür hinter den beiden geschlossen, sprang Harald empor und schritt in tiefer Erregung einigemal im Zimmer auf und ab.
,Dieses Angebot Lhndeus traf ihn wie ein Schlag, ins Gesicht. Er fühlte sich beschämt und gedemütigt, erniedrigt und verachtet. Er glaubte den wahren Zusammenhang zu erraten. Lhnden wollte sich rächen, er wollte Genugtuung haben für Haralds Rücktritt von feiner Verlobung mit Edelgard. Da, wo Edelgard einst als seine Gattin einziehen sollte, gedachte ihr Vater jetzt als unumschränkter Gebieter zu herrschen, da sollte sie Herrin sein und er — wenn überhaupt eine Versöhnung möglich war — nur als der Gatte Edelgards geduldet werden.
Sein Stolz empörte sich gegen eine solche Wendung der Verhältnisse und er zürnte Edelgard, daß sie auf diesen Plan ihres Vater- hatte eingehen können.
Seit langer Zeit schon war er ohne Nachricht von ihr. Er wußte nicht, wo sie weilte. Zuletzt hatte er eine nur kurze Nachricht aus Kapstadt von ihr erhalten- daß ihr Vater und sie n-ach Europa, nach Deutschland zurückkehren würden. — „Wir werden uns wieder, sehen, Harald!" schrieb sie zum Schluß — und damals hatten ihm diese Wort« wie ein Jubclruf geklungen.
Diese Mitteilung spornte ihn zu erneuter Tätigkeit an. Er wollte Edelgard beweisen, daß er seinem Vorsatz treu geblieben, daß er ihrer in harter Arbeit und gewissenhafter Pflichterfüllung wert geworden war.
Und sein« unermüdliche Tätigkeit begann ti)re Früchte zu tragen. In dem düsteren Schlosse selbst sah es freilich sehr einsam und öde aus. Die Einrich.ung der Prunkgemächer war verschwunden, die alte Baro. nin hatte sie mit nach Berlin genommen, und ihr Sohn besaß nicht die Mittel, sic zu ergänzen. Eine ganze Flucht von Zimmern sind leer. Harald bewohnte nur den em«, ältesten Flügel deS Schlosses, der mit lern altmodischen Hau-rat feiner Voreltern auSgejtnttet war.
In den Salons und Gesellschaftszimmern woben die Spinnen ihre Netze und die hohen Spiegelschelben । der Fenster waren durch Bretter ersetzt.
Und auch der Park verwilderte mehr und mehr. Ein Teil desselben war in einen nutzbringenden Küchengar- j ten umgewandelt, der andere Teil glich einet grünen
halten der Entente. Aehnsiche Meldungen liegen aus Kapp oder Fach! Wir erlauben dem Militarismus kein
Masuren cor. Die Regierung wird energisch dagegen vor- Zurückkehren. Die militärische Aktion im Ruhr-
gehen. Dem übermäßigen französischen Militarismus } können wir nichts entgegensetzen, als unser gutes Recht. Senegalneger liegen in der Frankfurter Universität. Di« Trikolore flattert über dem Maingau. Der Kapp-Putsch war eine Offiziersreoolte. Die Reichswehr hatte das Vertrauen bei der Arbeiterschaft verloren. Die Arbeiterschaft des Ruhrreviers konnte nicht mehr erkennen, ob sie verfassungstreue oder reaktionäre Truppen sich gegenüber hatte. Das ist die Schuld der Kapptage. (Widerspruch und Lachen rechts.) Ohne Kapp kein Generalstreik; ohne diesen keine rote Armee im Ruhrrevier. Die Arbeiter sind zu ihrer Arbeit zurückgekehrt, aber der Janhagel des ganzen Ruhrreviers macht sich di« Situation zu Nutze. Dagegen mußte bie Regierung einschreiten und so marschierte die Reichswehr ein. Selbst bie Unabhängigen forderten den Einmarsch. Wir wollen bie Reichswehr nur da einsetzen, wo es unbedingt notwendig ist. Die Opfer ber Reichswehr betragen rund 600 Köpfe. Dies sollte sie vor
Frankreich und die Entente.
Der „Motin" berichtet: „Die beiden Regierungen beeilen sich, au« einer Lage herauszukommen, welche die schlimmsten Verwickelungen jenseits des Rheines haben kann, und verlieren keine Zeit dabei. Gestern morgen hat Lord Derby Herrn Mllercmd die Note seiner Regierung übergeben, und abends um 614 Uhr hatte er bereits die ftanzösische Antwort in der Hand. Man erwartet, dyh Lord Curzon, der Lloyd George während dessen Abwesenheit vertritt, im Laufe des heutigen Tages noch antworten wird. Wenn dem so ist ugJ) seine Antwort die Aussicht auf eine Beilegung des Mißverständnisses zwischen Frankreich und England eröffnet, so tonnte der Ministerpräsident Millerand heute in der Kammer davon Mitteilung machen. Jedenfalls aber läßt die Note, die die Reutersche Agentur gestern veröffentlichte, keine so schnelle Lösung voraussehen. England hat Erklärung über zwei Punkte ver- langt. Einmal wollte es wissen, ob die frcmzöfische Initiative, die mit der Besetzung Frankfurts endete, nicht wirklich eine Tatsache war, die einen Präzedenzfall geschaffen hat. Ferner wollte England wisien, ob die französische Regierung, als sie die Verbündeten zwei Tage vor dem Vormarsch um Rat fragte, sich nicht gleichzeftig verpflichtete, keine Entscheidung zu treffen, ehe sie nicht die Meimmg der Alliierten erfahren hättet
Die Stellungnahme Amerikas.
Die Note der amerikanischen Regierung an, die französische Regierung stimmt, rote das „Echo de Paris" aus zuständiger Quelle erfährt, im wesentlichen mit der bereits am 29. März von der amerikanischen Regierung über die Vorgänge im Ruhrgebiet und die ftanzösische Besetzung abgegebenen Erklärungen überein. Sie umfaßt folgende zwei Hauptpunkte: 1. Deutschland kann gestattet werdert, in der neutralen Zone unter der Bedingung zu intervenieren, daß die Intervention unbedingt notwendig ist, 2. es darf keinerlei Beziehung zwischen der Entsendung deutscher Truppen in das Ruhrgebiet und der Besetzung Frankfurts und anderer Städte durch die Alliierten bestehen.
Wilson ist handlungsunfähig.
roib Haag. 12. April. Der „Nieuwe Courant" meldet aus Newyort: Es geht das Gerücht, daß der Präsident Wilson gesundheitlich zusammen- g e b r o ch e n sei. Die unsicheren Mittelungen seitens des Weißen Hauses scheinen dies zu bestätigen. Der Präsi-
Derantworillch für den tedatttonellen Teil L D.: Dr. Kramer, r. für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. :. Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: FuIdaer Zeitung
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Der Protest gegen die Besetzung des Mainganes.
An demselben Tage, als die Nationalversammlung wieder zusammentrat, gab es an der Berlin« Börse einen unerhörten Tumult, der zur Einstellung des ganzen Verkehrs führte.
Als ob wir nicht an Demonstrationen »Unruhen und Putschen schon über- und übergenug hätten, werden auch die Börsenbesucher jetzt noch wild, obschon sie doch ihrer Natur nach nicht militaristisch oder kommunistisch veranlagt sind.
In der Nationalversammlung gab es in- -wischcn P r o t e st e. Präsident Fehrenbach und nach ihm der Reichskanzler erhoben förmlichen und feierlichen Einspruch gegen die rechtswidrige Verfügung der Ententekoriimifsion, die den oberschlesischen Abgeordneten die Ausübung des Mandates unmöglich machen will. Der Reichskanzler stellt fest, daß auch in Masuren ahn- liche Versuche gemacht sind und anscheinend die Derge- wa'tiguug auf Beschlüsse der Dotschasterkonferenz in Paris zurückzuführen ist. Wenn das zutrifft, so steht die Wirkung unseres Protestes noch in der Ferne.
Ebenso steht e» mit unserem Protest gegen die Okkupation des Maingaues. Wenn auch England von den Franzosen abgerückt ist, so Hausen die schwarzen md weißen Truppen des Marschalls Foch doch immer noch am Main. Die betteffenden Landsleute müssen weiter dulden.
Der größte Teil der Kanzlerrede war der Erklärung und Verteidigung der R u h r p o l i t i k unserer Regie- rung gewidmet. Darin hat er zweifellos recht, daß auf ber französischen Seite der rücksichtslose M i l i t a r i s - m u s sich betätigt, während auf unserer Seite von dem Militarismus, den unsere Gegner uns nachsagen wollen, nicht einmal in dem notwendigsten Schutz für Leib und Gut zu spüren ist. Die Bev8lk«ung, die unter dem roten Terror furchtbar leiden mußte, beklagte sich bitter über die Verzögerung und Schwache der militärischen Ordnungswehr. Der Reichskanzler suchte die vorsichtige und langmütige Haltung zu rechtfertigen. Ob er darin überall Beifall findet, ist noch zweifelhaft, — wenn man auch anerkennen muß, daß hier verschiedene Rücksichten sich dem schnellen und durchschlagenden Eingriff entgeeenstellten. Die hochpolitischen Rücksichten auf die Entente werden schon eher Verständnis firtben. Störend wirft dagegen bei vielen das Gefühl, daß eine ängstlich? Partcipolitik zu sehr hemmend gewirkt haben finnte.
Das Geschehene läßt sich nicht ungeschehen machen; ober wir müssen alle Kraft und Kunst zusammennehmen, um nachzuholen, was versäumt ist, um die Ordmmgs- oktion zum vollen Erfolg zu führen. Dazu gehört, daß alles vermiÄ>sn wird, was neue Aufregung und Unruhe Hervorrufen tarnt.
Die Sitzung der Nationalversammlung. C
Haus unb Tribünen sind gut besucht.
Präsident Fehreubach eröffttet die Sitzung um 3.20 Uhr «nb teilt zunächst mit, daß ein Telegramm dos Abgeordneten Ulitzka eingelaufen sei, daß die Abgeordneten ausOberschlesien von der Entente an der Ausübung ihres Mandats gehindert werden. (Höri, hört! Unerhört!) Ein gleiches Telegramm ist vom Abg. Hartmann eingegangen. Er fährt fort:
Gegen diesen unerhörten Eingriff der Entente in die Rechte des deuffchen Volkes lege ich den allerschärfsten Protest ein und bitte die Regierung, sofott die nötigen Schritte zu tun. (Beifall.)
Der Präsident teilt ferner mit, daß die Ncttiouakver- femmlung voraussichtlich bis nächste Woche tagen werde. Die Ausschüsse möchten daher ihr« Arbeiten beeilen.
Auf der Tagesordnung steht zunächst die
Entgegennahme einer Erklärung der Regterung.
Reichskanzler Tflfiffer: Der Präsident hat soeben mit Recht Protest erhoben gegen dos völkerrechtswstuige Der
bent hat feine täglichen Autofahrten unterbrochen. Desgleichen wirb gemeldet, baß er sich in den letzten zehrt Tagen nicht mit wichtigen Fragen befa(# s e n dürste und das Bett hüten mußte. .