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FuldaerZeitung

47. Zahrg

Montag, 12. April 1920

Nr. 84

Bon dort Städten

chen ferner

Deutschland und Amerika

wtb Washington, 10. April. Das Repräsen- tantenhaus nahm die Entschließung, durch, die der Krieg mit Deutschland für beendet erklärt wird, mit 243 gegen 150 Stimmen an. 22 Demokraten stimnnen mit der republikanischen Mehrheit zugunsten der Entschließung. Die Ent­schließung geht jetzt an den Senat.

wtb Washington, 10. April. Der Senat nahm daS Fr ei wi lligen s hstem statt der allge­meinen Militärpflicht an. Der Plan tritt 1922 in Kraft. Es wird vorgesehen, daß alle Männer zwischen 18 und 24 Jahren zu einer vier­monatigen Uebung in einem von ihnen selbst ge­wählten Jahre herangezogen werden.

belgische Truppen werden heute lassen, um sich nach Mainz zu begeben, werden sie nach den neu besetzten geleitet.____

Zum Zusammentritt

der Nationalversammlung.

Die Nationalversammlung tritt, wie gemeldet, heute, Montag, in Berlin zusammen. Im Vorder­grund der Verhandlungen wird der Protest der deutschen

dulden würden.

Die Besprechung über diese Erklärung erfolgt wahrscheinlich erst am Dienstag. Am Montag soll noch das Filmgesetz in zweiter Lesung verabschiedet werden. Am Dienstag soll die erste Lesung der Wahl­gesetze und der Entwürfe über den Äolksentscheid er­folgen. Am Mittwoch soll die große politische Debatte beendet werden. Von Donnerstag ab sollen Reichs­heimstättengesetz, Beamtenbesoldungsreform, Reichs- wehrgefetz und der Entwurf über Aufhebung der Mi­litärgerichtsbarkeit erledigt werden. Am 24. d. M. sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein.

Der RSuberhauptmantt Hölz.

Die Verhältnisse im Vogtland sind noch immer skandalös. Der Räuberhauptmann Hölz treibt sein Unwesen weiter. Das Eingreifen der R e i ch sw e h r scheint nun aber in die Nähe gerückt. In Falken st ein trat auf die Kunde von dem An­marsch von Reichswehrtruppen in der Nacht zum Sonntag das von Hölz gebildete Brandkom-

wtb Paris, 10. April. Der Berichterstatter des Intransigeant^ meldet aus Mainz: 500 Mann Arlon Der«

Ruhrgebiet.

Don militärischer Seite verlautet : An allen Fron­ten haben keine größeren Ereignisse statt­gefunden. Rote Truppen sammeln sich im Abschnitt Gevelsberg - Schwelm - Barmen - Elberfeld-Remscheid. Hier soll Wider st and bis zum äußer st en ge­leistet werden. Die Stärke der aufsässigen roten Armee Elberfelds-Varmons ist 6000 Mann, die sich jedoch bei einem Angriff der Reichswehr sofort auf zirka 16 000 erhöhen würde. Dazu kommen noch die sich jetzt auf Barmen zurückziehenden Rotgardisten aus dem anderen Industriegebiet, sodaß man mit einer Gesamtzahl von 35 000 Mann zu rechnen hat. Die Arbeiter des Bezirks Hagen wollen zurTäuschungderReichswehr- truppen ihre toten Armbinden mit weißen vertau­schen, um so den Anschein zu erwecken, als ob sie auf dem Boden der Verfassung ständen. An Abgabe der Waffen denkt kein Mensch. Man will den versprengten Rotgardisten die Waffen abnehmm und die so erbeuteten Waffen abliefern, den Hagener Ar­beitern aber diese belassen. Falls die Regierungstrup­pen einmarschieren sollten, beabsichtigt man, diese, wie wie die Lichtschlag-Truppe, zu überfallen. Dieser Ueberfall soll der Weckruf für die ganze U. S. P. D. und K. P. D. fein. Infolge der guten Bewaffnung und Or­ganisation rechnet man bestimmt mit dem Gelingen dieses Planes.

Kundgebungen der süddeutschen Regierungen.

Unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten Blos wurde in Stuttgart eine Besprechung der Regierungen Bayerns, Sachsens, Württembergs, Badens und Hessens abgehalten. Die versam­melten Regierungen verlangen von der Reichsregie­rung, daß sie erneut mit dem Obersten Rat der Ge­samtentente in Verhandlungen eintritt, um den For t- bestand der Einwohnerwehren zu sichern. Die Konferenz protestiert ferner gegen die neuer­lich erfolgte feindliche Besetzung Frankfurts und Darm­stadts, die weder durch das Rheinlandabkommen noch durch den Friedensvertrag gerechtfertigt ist. Sie weist jeden Versuch, Süddeutschland vom Reiche zu trennen, mit aller Entschiedenheit zu­rück. Bezüglich der allgemeinen wirtschaft­lichen und politischen Lage verlangen die ver­tretenen Regierungen, daß streng der Reichsverfassung gemäß verfahren wird.

monbo in Tätigkeit und steckte 5 Dillen in Brand. Gegen 3 Uhr ftüh glich die Stadt einem Flammen- meer. Im Hof des Amtsgerichts ließ Hölz die den Einwohnern abgenommenen Waffen verbrennen. Um 4 Uhr früh verließen Hölz und seine Anhänger, nach- dem sie die Geiseln freigelassen hatten, in 10 Autos die Stadt und fuhren nach der sächsisch-böhmischen Grenze davon. Der Sonderberichterstatter der ^Leip­ziger Neuesten Nachrichten", der bereits am Sams­tag früh in Plauen festgenommen worden war, soll mitgeschleppt worden sein.

wtb Plauen i. 11. April. Am Samstag abend kam es hier zu schweren Ausschreitungen der Hölzschen Roten Garde. Plündernde Banden durchzogen die ganze Stadt. Eine Abteilung drang in das Kaffee Trömel und nahm den anwesen­den Gästen das Geld ob. Der Wirt eines Weinrestau­rants, der sich weigerte, 10 000 Mk. auszuliefern, wurde fortgeschleppt, konnte aber später vom Publi­kum auf der Straße wieder befreit werden. Auch in Privathäuser drangen die Plünderer ein. Noch in der Nacht räumten die Rotgardisten die von ihnen be­setzte Kaserne, das Rathaus und den Bahnhof und fuhren sodann unter Mitnahme von Geiseln nach Fal­kenstein ab. Eines ihrer Automobile verunglückte unter­wegs, wobei es mehrere Verwundete gab. In der Stadt Plauen ist nach dem Abzug der Rot­gardisten Ruhe eingetreten. Reichswehrtruppev sind bis heute nachmittag hier noch nicht eingetroffen

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Deutsches Reich.

* Die Neuwahlen in Preußen sollen nach den augenblicklichen Absichien ter preußischen Staatsre­gierung erst nach der Ernte ftatlfinben, damit die Landesversammlung die ihr zugedachten Vorlagen, in der Hauptsache die Verfassungsvorlage erledigen kann. Auf alle Fälle sollen die Arbeiten aber so gefördert werden, daß bei der Notwendigkeit früherer Wahlen feine Schwierigkeiten entstehen.

* Ein neues Ministerium. Im Zusammenhang mil der Neubildung des Kabinetts ist durch Abzweigung von dem Reichswirlschaftsministerium ein neues Ministerium errichtet worden, das den Namen „R e i ch s m i n i st e- riumfürErnährungundLandwirtsch aff" führt. Zu dem Aufgabenkreis des neuen Ministeriums gehören neben den Angelegenheiten der Ernäh­rungswirtschaft die bisher vom Reichsministe­rium bearbeiteten Angelegenheiten der Landwirtschaft, insbesondere alle Maßnahmen, die der S t e i g e r u ng der landwirtschaftlichen Produktion die­nen, sowie die Angelegenheiten der Forstwirtschaft und der Fischerei, sowckt sie zur Zuständigkeit des Reiches gehören.

* Die Aufhebung der Mililärgerichlsbarkeik. Der Nationalversammlung ist der Entwurf eines Gesetzes über die Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit zugegan­gen. Die Militärgerichtsbarkeit soll, abgesehen von den Strafverfahren in Kriegszeiten und gegen die an Bord von Kriegsschiffen eingeschifften Angehörigen der Reichs­marine aufgehoben werben’ Auf die bisher der Mili­tärgerichtsbarkeit unterworfenen Personen finden, soweit bas Gesetz nicht etwas anderes bestimmt, die allge­mein gültigen Vorschriften über die Zu­ständigkeit der Gerichte und das Strafverfahren An­wendung. Die zur Zeit des Inkrafttretens dieses Ge­setzes von Militärgerichten schwebenden Verfahren ge­hen in der Lage, in der sie sich zu dieser Zeit befinden, auf die bürgerlichen Strafverfolgungsbehörden oder Ge­richte Über. Das Gesetz soll am 1. Oktober 1920 in Kraft treten.

* Der zweite Unterausschuß des parlamentarischen Untersuchungsausschusses der Naiionalversammlung tritt am Mittwoch zu einer öffentlichen Sitzung zu­sammen, in der die Vernehmung des Grafen Beru­ft o r f f und des Generalmajors Paten stattfinden soll.

Volksvertretung gegen d i e frauzö Maßnahmen im Maingau stehen. _ wirb der Reichskanzler voraussichtlich eine E r- klärung über das Verhalten der Reichs- regierung gegenüber dem Vorgehen der Gewerkschaften abgeben und dabei zum Ausdruck bringen, daß er und das gesamte Kabinett auf dem Boden der Demokratie stehen und kei­nerlei Nebenregierung irgendwelcher Art

Ter Notenwechsel zwischen England nnd Frankreich.

Der Wortlaut der Note, in der England den firanzosen die Mitwirkung an der Besetzung des Maingaues versagt hat, ist bisher nicht bekannt aeworden. Die „Basler Nationalzeitung" meldet viel­mehr aus Paris, die englische Note an Frankreich »erbe wahrscheinlich niemals veröffentlicht wer» jen- sie fei in Wirklichkeit viel schärfer gefaßt, alt 'der Londoner Auszug habe vermuten lasten. Auch die „Times" gibt zu, daß die der französischen Regie­rung übermittelte britische Note über den französischen Rormarsch in Deutschland in energischem Tone obgefaßt ist. Die Note erklärt, daß das Verhalten Frankreichs eine emfte Streitfrage im Zusammenhang mit der Durchführung des Friedensvettrages aufwirft, die kaum anders gehandhabt werden kann, als durch Übereinstimmende Aktion aller Alliiertm. Es sei klar, daß das Problem von solcher Größe fei, daß keiner der alliierten in der Lage fei, mit ihm allein gegen ein wiedererstandenes Deutschland fertig zu werden. Die Note instruiert den britischen Dotschafter in Paris, a n keiner Konferenz der Botschafter teilzu- nchmen, in welcher Fragen, die den deutschen Friedens­vertrag berühren, zur «Beratung kommen, wenn Frank­reich nicht die Versicherung gibt, daß es künftig mit den Alliierten gemeinsam handeln wird.

Inzwischen hat Millerand eine Antwort flflif) London geschickt. Er versichert darin die Loyalität Frankreichs gegenüber den Alliier­ten unb betont, daß die Alliierten in der Frage der Wiedergutmachung, der Auslieferung der Kriegsver­brecher, der Kohlenlieferungen und der Entwaffnung Deutschlands nicht zufriedengestellt worden (eien. Die Note erachtet die Aufrechterhaltung der Entente für unentbehrlich zur Lösung der Weltprobleme und schließt mit der Erklärung, Frank­reich sei bereit, sich für ein weiteres Vorgehen der Zustimmung der Alliierten zu versichern.

Lloyd George hat nun seinerseits wieder eine Antwort auf die französische Note fest- gestellt, die am Sonntag überreicht werden sollte. Lloyd George ist nach der Abfassung der Note nach Gan «Remo abgereist, Ydo eine Besprechung der En­tente-Staatsmänner über die Fiume-Frage und ähn­liches stattfinden soll.

Dazu wird weiter gemeldet:

wtb Paris, 11. April. Der britische Botschafter #egab sich heute vormittag nach dem Quai d'Orsay, wo er Millerand die Antwortnote der britischen Re­gierung übergab. Nach dem zutage getretenen Ein­druck ist die Note von einem versöhnlichen Geist getragen, was auch hoffen läßt, daß die Schwierigkeiten beseitigt werden, und daß die Rück­kehr des englischen Vertreters zu den Verhandlungen der Botschafterkonferenz erfolgen wird, von denen er ßch in den letzten Tagen auf Weisung feiner Regie­rung ferngehalten hatte.

wtb Paris, 11. April. Amtliche französische Kreise sind der Ansicht, daß die britische Erklärung bezüglich der Besetzung Frankfurts eine Reihe von Beratungen zwischen Frank reich undGroß- dritannien einleiten wird.

Die Franzosen im Maingau.

Gestern wurde in Fulda erzählt, die Franzosen feien mit einer Besatzungstruppe auch in Geln­hausen cingerückt, wie schon vorher die Besetzung Aschaffenburgs als vollendete Tatsache bezeichnet wor­den ist. Diese Gerüchte haben sich nicht bestätigt. Geln­hausen ist unbesetzt. Nur eine französische Patrouille hat sich in der Nähe von Langenselbold gezeigt.

Sein weiterer Dormarsch!

Die deutsche «Regierung hat die französische Regierung darauf aufmerksam gemacht, daß sich nach

Verantwortlich für den rebaltioneCen Teil L V.: Dr. Kramer, r. sür die Anzeigen: I. Parze!Ier-Fulda. :• Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Rr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

vorliegenden Nachrichten französische Truppen imSBor« rücken in der Richtung auf Aschaffenburg be­fänden. Für den Fall, daß sich diese Rachrichten be­wahrheiteten, halte sich die deutsche «Regierung für Der» pfichtet, mit allem Ernst auf die Gefahren be­waffneter Zusammenstöße der verrückenden französischen Truppenteile mit deutschen Truppen hin­zuweisen. Auf Grund dieser Note hat Paleologue am 10. April den deutschen Geschäftsträger in Paris davon verständigt, daß Frankreich nicht daran denke, Aschaffenburg zu besehen. Auch Stockstadt sei nicht be­setzt worden. Die Vorposten hätten lediglich „aus militärischen Gründen" bis in die Nähe dieser Stadt vorgeschoben werden müssen.

Frankfurt und die Besetzung.

Da die bei den Mittwoch-Unruhen geraubten klei­neren französischen Ausrüstungsgegenstände nicht wie­der beschafft werden konnten, hatte der kommandie­rende General Demetz der Stadt eine Kontribu­tion von 50 neuen Revolvern mit je 50 Schuß Mu­nition, 10 neuen Fahrrädern und eine Geldentschä­digung von 10 000 Mk. in Goldwährung auferlegt, die bis Samstag abend bezahlt sein sollte. Im Hin­blick auf das ruhige Verhalten der Bevölkerung hat Demetz die Zahlung von 10 000 Mk. Goldmark später wieder erlassen.

Sämtliche Eii e ndah nerverbönde des Direktionsbezirks Frankfurt haben feier­liche Verwahrung gegen die Requierirung der Bahnen unb ihres Personals durch die Franzosen eingelegt. Sie erklären die Arbeit nur unter dem Zwange zu erfüllen und fordern von der Regierung, daß sie der Bevölkerung des besetzten Maingebietes auf schnellstem Wege zu ibtem guten Recht verhilft.

Französische Infanterie in Hanau.

0 Hanau. Die französische Besatzungsbehörde hat die Vorzensur der hiesigen Zeitungen aufgehoben. Am Samstag ist als weitere Besatzung ein Regi­ment französische Infanterie in Hanau eingerückt.

Die Belgier kommen.

Der Arbeit Lohn.

29] __________

Prunkender Reichtum umgab sie hier und verurteilte

zu entnervendem Müßiggang. Ihr Vater zürnte, toenn sie sich nach irgend einer Tätigkeit, nach einer Arbeit sehnte.

»Dazu hast Du die schwarzen Kerle und Weiber," »Regte er zu sagen. „Hier arbeitet die weiße Dame nicht!"

Box ihrem geistigen Auge tauchte ein Leben auf, erfüllt war von harter Arbeit, erfüllt von ernsten Wichten. Harald hatte ihr zuweilen von seiner emsi- &n Tätigkeit geschrieben — von seinem mühseligen streben, sich emporzuringen und die Scholle seiner Vä- *er- die er ererbt, durch eigene Arbeit wirklich zu er- ^ben, zu besitzen — von den kleinen Erfolgen und vielen, vielen Enttäuschungen, die dieses mühselige direben mit sich brachte.

Aber aus seinen Briefen ging auch der Stolz, die ?^ere Befriedigung hervor, die jedes ernsthafte Sire- k” zum Lohne hat. Er besaß kaum mehr als zum ^wseligen Leben notwendig war, aber er fühlte sich "’S glücklich und zufrieden in diesem eifrigen Schaffen ^Ur eine leise, wehmütige Sehnsucht zog sich durch seine ■Briefe — die Sehnsucht nach der Genossin seiner Ar. beit- seines Ringens, seiner Mühen und Sorgcnl . »Wärest Du bei mir, wie viel leichter wäre mix die Srbeit!"

Das waren die Schlußworte seines letzten Schrei­bens, das nun auch schon einige Monate alt war.

Und jetzt sollte sic in die deutsche .Heimat zurück- schreni Ne sollte in seiner Nähe leben — vielleicht ' " leibst Wiedersehen!

Unwillkürlich füllten sich ihre Augen mit Tränen.

Sie gedachte der Abschiedsstunde im winterlichen Ärgerten Berlins — er war sich treu geblieben, er ®Qt den rechten Weg gewandelt — und sie? x

Sw führte, umgeben von Reichtum und Uwp gkeit, , n Leben der Untätigkeit, des mühclo'en' Hindäm-

in einer Umgebung, die sich erschlaffend auf ihre- /^tt>en, sogar auf ihren Willen leote. Sie sehnte sich

dem frischen E;dgeruch der Heimat — nach dem "ben, eisigen Atem des winterlichen Heimatwaldes

"kWh dem Sonnenglanz dxr heimal.chen Fluren! .^or ihren Augen, stieg das alte Gemäuer des Fre. ^rSdorsfer Schlosses auf — der finstere Tannenwald

— die weiten Felder — und sie erhob sich und sagte leise:

„Ich begleite dich, Vater — ich möchte die Heimat Wiedersehen I"

Lynden lächelte und strich in einem Anfluge von Zärtlichkeit leise über Edelgards Haupt.

, 17. Kapitel.

Harald saß in seinem Arbeitszimmer über seinen Büchern und Rechnungen, als der alte Kutscher, den er als einzigen Diener beibehalten hatte, mit der Meldung eintrat, daß ein Herr ihn zu sprechen wünsche.

In geschäftlicher Angelegenheit?"

„Ich glaube, Herr Baron. Denn der Mann sieht mir gerade so aus, als ob er ein Viehhändler wäre." . „«Ra, dann laß ihn eintreten."

Harald schob die Bücher und Papiere beiseite und erhob sich, um dem Fremden einige Schritte entgegen* zugehen.

Eine feiste, unförmliche Gestalt mit einem sehr ver­schmitzten Gesicht schiB sich durch die Tür herein. Der Mann machte nicht gerade einen angenehmen Eindruck, obgleich er mit äußerster Sorgfalt gekleidet war.

„Verzeihen Sie die Störung, Herr Baron," begann er mit pfeifender, quietschender Simme. „Mein Name ist Müh.berg, ich Bin Bauunternehmer und Immobilien- Makler . . . aus Berr.n."

Harald war überzeugt, daß der Bauunternehmer Mühlberg vor noch nichr langer Zeit einfacher Mau. rergeselle gewesen war.

„Womit kann ich Ihnen dienen?" fragte er indes, fett höflich, während er dem Besuch einen Stuhl anbot und sich selbst in seinen Sesiel am Schreibtisch nieder- lietz. Die Praxis hatte ihn belehrt, daß man auch mit solchen Leuten höflich sein mußte, denn oftmals brach, ten diese die besten Geschäfte.

„Wie ich schon sagte," antwortete Herr Mühlberg, „bin ich Immobilienmakler, das heißt, ich vermittle Hypotheken und den Verkauf von Häusern, Billen, Landgütern bis zu den grossen Objekten . . ."

. „Sehr . angenehm, Ihre Bekanntschaft zu machen, Herr Mühlberg. Aber ich habe für Ihre Tätigkeit durchaus keine Verwendung. Ich will weder ein Haus noch ein Landgut kaufen."

„Aber viel e cht verkaufen, Herr Baron?" meint- Herr Mühlberg mit verschmitztem Läcb-'ln.

„Auch das nicht.*

„Wer weiß, Herr Baron I Darf ich offen zu Ihnen sprechen?"

„Uh wüßte wirklich nicht, Herr Mühlberg, was wir nach meiner Erklärung noch miteinander zu besprechen batten.“

„Herr Baron, seien Sie nicht voreilig; es springt für Sie ein gutes Geschäft heraus. Ich bin nämlich von einem sehr reichen Herrn beauftragt, ein Ritter­gut für ihn zu laufen und zwar möchte der Betteffende gerade Schloß FrederSdorff kaufen, da er aus dieser Gegend stammt."

„Bedauere," entgegnete Harald kalt, „Fredersdorfs ist nicht zu verkaufen."

„Herr Baron, lasten Sie mich offen reden. Ich weiß, daß Ihre Lage nicht gerade eine rosige ist. Sie haben freilich in den letzten Jahren fleißig gearbeitet und ein tüchtiges Stück vor sich gebracht. Der Steinbruch, die Ziegelei, der Wald — alle Achtung, Herr Baron, das ist alles in vortrefflichem Gange. Sie können auf Ihre Erfolge stolz fein. Aber, Herr Baron, lange werden S-i« es doch nicht mehr aushalten, die Hypothe­ken, die Auszahlung an Ihre Frau Mutter und Ihre Schwestern, die hohen Zinsen I Herr Baron leben ja jetzt schon wie ein einfacher Landwirt . . ."

„Was geht denn das Sie an, Herr Mühlberg? Ich lebe, wie ich Willi Meine Verhältnisse scheinen Ihnen allerdings recht genau bekannt zu fein — und den­noch wiederhole ich: Schlog FrederSdorff ist nicht veu- käuflich!"

„lieberlegen Sie es sich, Herr Baron. Bedenken Sie, mein Auftraggeber zahlt jeden Preis — und zwar bar, Herr v. Fredersdorsfl Ich biete JKnen achlhun. derttausend Mark . Sie wissen ja selbst am besten, daß Ihre Besitzung damit mehr als bezahlt ist."

„Geben Sie sich weiter keine Mühe, Herr Mühl, berg."

„Neunhundevttausend — ja, sogar eine Million, Herr Baron!"

Harald erhob sich in heftiger Erregung.

Eine Million! Damit war FrederSdorff fast dop­pelt bezahlt! Er wurde dadurch aller Verpflichtungen ledig, konnte seine Mutter unb Schwestern auszahlen und außerdem noch als wohlhabender Mann davon­gehen. Tie Arbeit, die Mühe, die Sorgen, welche er I in den letzten Jahren aufgewandt, um sein Besitztum | zu heben, waren dann wenigstens nicht umsonst gewe- Jen Als freier Mann konnte er leben — und mit i

einemmal. tauchte die Gestalt Edelgards vor seinem Geiste auf! Er konnte zu ihr eilen, er durfte ihr sei. ner Arbeit Lohn zu Füßen legen und offen um ihre Hand werben, während er ihr nichts als Not und Sorge Mühe und Arbeit bieten konnte.

Er ging einigemale rasch im Zimmer auf und ab.

Mit schlauem Lächeln beobachtete ihn Herr Mühl­berg. Je höher er den Preis hinaustrieb, desto größer wurde auch seine Maklergebühr; ihm war es daher ganz recht, wenn Harald möglichst zähe war. An einen endlichen Erfolg seiner Bemühungen glaubte er ganz sicher, denn er kannte die Macht des Geldes nur zu gut. [

„Nun, Herr Baron ,was sagen Sie zu meinem An­gebot?"

„Ich muß offen gestehen, daß mir dasselbe sehr überraschend kommt. Es ist so vorteilhaft, daß man es nicht so ohne weiteres von der Hand weisen kann, andererseits werden Sie einsehen, daß ich mich von dem Stammgut meiner Familie nicht gerne trenne, fort, dem mit ganzem Herzen an FrederSdorff hänge, dar eben anfänc^ wieder auszubj! ülhen uit> ertragsfähig zu werden."

„Ja, dank Ihrer unablästigen Täligkeit, Herr Da» von. Ein jeder bewundert Sie auch deshach. Aber feit Verpflichtungen, die auf dem Gute lasten, werden Sie dennoch allmählich erdrücken. Ein schlechtes Jahr, ein großes Viehsterben — und Sie brechen zusammen. Ver. zeihen Sie meine offene Sprache . . ."

„So schlimm wie Sie meinen, Herr Mühlberg, steht es denn doch nicht," entgegnete Harald kühl. „Den­noch möchte ich mir eine Bedenkzest ausbitten."

„Hm, mein Auftraggeber wünscht eine rasche Ent. scheidung."

„Darf man vielleicht den Namen dieses Auftrag­gebers, der so erpicht auf Fredersdorfs ist, erfahren?"

„Im Vertrauen gesagt, Herr Baron, ist es ein rei­cher Deutsch-Engländer, der sich m Transvaal großen Reichtum erworben hat. Er hat in Goldminen-Aktien spekuliert und durch rechtzeitigen An- und Verkauf in kurzer Zeit ein bedeutendes Vermögen gewonnen. Er stammt übrigens auch ans hiesiger Gegend und besaß in der Kreisstadt eine Maschinenfabrik, die vor mehre­ren Jahren bankerott machte."

Ueberrascht, erstaunt blickte Harald den Sprecher an.

„Und den Namen dieses Herrn?*

^Fortsetzung folgt)