M SZ.
Samstag, 10. April 1920.
• Fuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer Aetieudruckerri in Fulda.
Arbeiten und nicht verzweifeln so muß jetzt die Losung für olle diejenigen Männer und Frauen lauten, die sich in innerer Ueberzeugung 1Ur deutsche n Zentrumspartei bekennen. ° Die Wochen bis zur Wahl am 6. Juni fordern rastlose Arbeit für die Partei. In Stadt flnb Land muß es heißen: alle Mann an Bord! Überall müssen dieOrtsgruppen gebildet werden. §ie Areisausschüsse sind zu wählen. Wer soll ,um Landesausschuß geschickt werden, wo die wichtige Frage der Kandidatenbenennung ihre Lösung Stben muß? Man Warle nirgends auf besondere ufforderungen oder Anweisungen von auswärts.
Das bringt Zeitverlust. Selbst ist der Mann!
Der Wahlkampf wird fchwer werden. Allen Anzeichen nach wird das Zentrum allein im heftigen Kampfe gegen zähe und erbitterte Feinde von rechts und links stehen. Was uns bevorsteht ist schwerer als olles bisherige.
Aber dürfen wir verzweifeln? Zu großes steht auf dem Spiel. Wenn wir geschlagen werden, dann ist die christliche Schule verloren. Wenn wir geschlagen werden, dann gibt es keine zuverlässige Mittelpartei mehr, die dem Klaffen- tgoismus von rechts und links erfolgreich die Spitze bieten kann. Wenn wir geschlagen werden, dann ist die Möglichkeit verloren, in parlamentarischer z§eise die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Gegensätze auszugleichen, die in verhängnisvoller Weise sich überall in Deutschland zeigen. Ein blutiger Krieg aller gegen alle wird entbrennen. Wir kämpfen mit den Waffen des Geistes für Ruhe und Ordnung, für die Einheit Deutschlands, für eine christliche, d. h. glückliche Zukunft unseres Volkes.
DaS gibt uns den Mut zum Kamps! Das gibt uns die Stärke ! Christliche Männer und Frauen der Zentrumspartei, scheut nicht die kleine Mühe, die von Euch verlangt wird. Helft dre Lauen auf- rütteln. Verbreitet auf Grund der Informationen her Parteipresse politische Aufklärung in Euerem Bekanntenkreise. Regt an, beteiligt Euch an der Organisat'onsarbeik. Es trägt für Euch selbst reiche Frucht. Es trägt dazu btt, in unvergleichlich stürmischer Zeit un,er Vaterland und unser Volk^zu reiten unier das allein vor dem Untergang schützende Zeichen des Kreuzes. Dr. Kr.
Bischöfliche Worte für die katholische Prefle.
Zeitgemäße Hirtenworte richtet Bischof Dr. Franz L ö h m a n n, Aposwlischer Vikar von Sachsen, in einer Kmchgebung an seine Diözesanen! Immer seid Ihr bereit gewesen, große Opfer zu bringen, wenn es galt, eine gute Sache zu fördern. Die Not der Gegenwart bringt unser katholisches Zeitungs wesen in h ö ch st e Ge f a h r. Da die Unkosten für Papier, Erhaltung und Bedienung der Maschinen eine beinahe wierschwingliche Höhe erlangt hoben, so werden auch die Bezugsgebühren in ganz außerordentllcher Weise emporschnellen, so daß es für viele nicht leicht sein wird, ihre ihnen liebgewordene Zeitung wester zu halten. Es ist zu besorgen, daß nur noch Blätter erscheinen, die unserer katholischen Wellanschauung schnurstracks entgegen sind. Angesichts dieser nicht geringen Gefahr richte ich an Euch, gÄiebte Diözesanen, die drin- gende Sitte, trotz hoher Bezugspreise beim Vierteljahrswechsel Eure kacholische Zeitung nicht aufzugeben. Ihr könntet sonst dazu beitragen, daßderkatholischen Presse unheilbare Wunden geschlagen werden. Wie der Leib ohne hinreichende Nahrung leicht dauerndem Siechtum entgegengeht, so wird auch dem katholischen Volke geistige Unterernährung drohen, wenn imser blühendes Zeitungswesen verfiele oder unter« ginge.-
tlas Uirche und Schule.
* ^kirchlicher Jurisdiktion in Gberfchlefie«. Gegenüber den Bestrebungen, dem Fürstbischöfe von BreSlau die iuchiiche Jurisdiktion in Oberschlesien, bis nach ge- Wiener Abstimmung zu entziehen, har der Heilige Stuhl die vom Fürstbischöfe vorgeschlagene Stellung eingenommen, welche beiden beteiligten Staaten gerecht tottl). Indem der Heilige Stuhl anerkennt, daß zur Entziehung der Jurisdiktion kein genügender Grund
Unpolitische Zeitläuse.
Bon Fritz Nienkemper.
Berlin, 8. April 1920.
. Wir Berliner haben es eigentlich zu gut. Draußen Reich gibt es Leute, die viel schlimmeres durchma. chen müssen.
Worüber klagen heute die Berliner Zeitungen? Daß am Ostermontag Strippen geregnet hat, während sm? 001 Ostersonntag so schön die Sonne geschienen, «ch, was hat denn ein verregneter Feiertag zu be= T^ien gegenüber den Schreckenstagen und den Blut- womit unsere Brüder im Nordwesten heimgesucht
Berlin, der Wasserkopf von Deutschland, war fünf KaSe lang bedeckt von der Kappe des Kapp. Unge- wohw, aber nicht drückend. Etwas Militär und gele- ^Eich Schießerei in bet einen oder anderen Straße;
konnte man immer noch schlechte Witze machen. D°ch wo zügellose Banden mit schweren Waffen in ^"«n Ort dringen, nicht bloß die Rathäuser, sondern ^ch die Bürgerhäuser überfallen und brandschatzen, Endern, zerstören, was sie fassen können, — da hört Spaß auf, und man spürte die Hölle auf Erden-
Die «große Revolution" vom Novencher 1918 der- ssEfbekanntlich in Berlin wunderbar ruhig; man könnte gemütlich. Zu Weihnachten und im Frühjahr »19 gab es in Berlin auch Straßenkämpfe, sogar Ka- 'wnenschüsie; doch der Schrecken beschränkte sich auf Straßen in der Riesenstadt und ging schnell Solche Heimsuchungen wie im Ruhrgebiet, . die Leute tagelang im Keller schon müssen, um sich ? Todesangst vor den Kanonenschüssen zu schützen, ha- wir hier auch noch glimpflich hinweggenommen. . ne Woche, und alles lief, fuhr und arbeitete wieder alten Gleise. Glück muß der Berliner haben. Bei dem Vergleich wollen wir auch die Brüder von ""Hern nicht vergessen. WaS haben die Münchener ^gehalten, als Ostern vor einem Jahr die bolfche. wiirische Garde mit ihren »Räten" die Stadt überwäl- hatte! Unter dieser Mordgesellen-Herrschaft er- es ihnen ähnlich, wie jetzt unseren Mitbürgern ^Ruhrgebiet. Bayern müße damals stückweise durch ^Wfengewalt wiedererobert werden, wie jetzt der Preu.
Nordwesten durch die langsam vorrückende Reichswehr
Wer Ostern ruhig zu Hause sitzen konnte ohne . vor Mördern und Räubern, der soll trotz aller Ästigen Lasten und Sorgen dankbar sein und sich be« lassen. Es ist schon viel in der jetzigen schweren *tTtr Wenn man eine Weile aufatmen kann.
vorliegt, ist neben dem Fürstbischof von BreSlau, dessen Sitz auf deutscher Seite liegt, der apostolische Nun- tiuS in Warschau, dessen Sitz auf polnischer Seite liegt, am 22. März 1920 zu einem Kommissarius für Oberschlesien einzig zu dem Zwecke bestellt, daß er gemeinsam mit dem Fürstbischöfe die Freiheit des Volkes im Abstimmen schütze.
Bus dem Nachbargebiet.
Hilders. Als der 20jährige Zimmermannssohn Günter in Brand beim Bloßlegen von Baumwurzeln nach einem Spreng schuß sehen wollte, ging dieser Plötzlich los und die Sprengstücke bet- mundeten ihn sehr schwer am ganzen Körper. Der Verunglückte mußte dem Krankenhaus übergeben werden.
X Hünfeid. Die Motorpostlinie durch das Rhöngebirge von Schmalkalden über Wernshausen (Werrabahn) - Kaltennordheim nach Hünfeld soll am 1. Juni d. I. von der 'Reichs« Poiverwaltu"g wieder in Betrieb genommen werden.
mc Frankfurt a. M. Die Braunkohlengtabu n g e n an den alten Stollen vor den Toren Frankfurts bei Obereschbach und Dortelweil sollen wieder ausgenommen werden, da sich die Ausbeute voraussichtlich bei den heutigen hohen Kohlenpreisen rentiert. Weiter beabsichtigt die Stadt noch außer der Grube „Friedrich" in Hungen ein großes Bergwerk im Westerwald anzukaufen, um den Kohlenbedarf Frankfurts im kommenden Winter unbedingt sicher zu stellen.
Aus Oberheflen unv den Hess. Aemtern.
(m) Marburg (Oberh.) Im Wintersemester konnte die student. Ortsgruppe der Zentrumspartei neben anderen Veranstaltungen zwei Vortragsabende abhalten. Ende Jan. sprach Parteisekretär Müller über „Reichsparteitag und Jungakademiker", indem er über die eindrucksvollen Verhandlungen berichtete und zeigte, wie das Zentrum sich bemüht hat, die Loge der studentischen Kriegsteilnehmer w heben und durch seine Paritätsforderung manche Schwierigkeit fortzuräumen, welche dem kathol. Akademiker besonders bei einer Bewerbung um eine Beamtenstellung entgegentrat. Er wies aber auch darauf hin, daß der vielfach geschwundene Einfluß des Akademikers in der Partei nicht durch Kritik, sondern durch opferfreudige Mitarbeit wiedergewonnen werden kann. Anfang März behandelte Univ.-Prof, Dr. Strieder-Leipzig in einem feinsinnigen Vortrage „die geistigen Grundlagen der Wirtschaftspolitik des Zentrums Hierbei legte er dar, wie der wirtschaftliche Liberalismus sich ausgelebt Hst und es gilt, beim Neuausbau des Wirtschaftslebens die Initiative und den Erfindergeist des Unternehmers und den Einfluß des Arbeiters auf den Produktionsprozeß sicher zu stellen. Christliche Wirtschaftsethik und sozialpolitische Ueberlieferung sollen dem Zen. trum Wegweiser sein für einen christlichen So'idaris. mus. — Auch int nächsten Semester gedenkt die studentische Ortsgruppe ähnliche Vortragsabende zu veranstalten, ___
vermischtes.
* Neues vom Luftverkehr. Das amerikanische Luftfahrsyndikat hat beschlossen, eine neue billige Form des Reisens zu ermöglichen. Es sollen Kontinentslüge unternommen werden, die so zahlreich und auf so ökonomisch gebauten Fahrzeugen stattfinden sollen, daß der Luftkilometer nur noch 5 Cents (?!) für den Passagier kosten soll. Es sind bereits Konstruktionspläne für 35 Flugzeugs fertig, von denen fünf je 200 Personen tragen sollen. Durchschnittlich sollen zwischen sechs und fünfzig Personen in einem Fahrzeug befördert werden. Als Halteplätze sind bisher Newyork, Kansas City, Denver, Tulsa, Oklahoma, New-Orleans, Jackson, Memphis unb Springfield vorgesehen.
* (Ein „verständnisvolles" Bezirksamt. Eine unglaubliche Verfügung, die man in diesen ernsten Schicksalstagen unseres Vaterlandes für einen Aprilscherz halten könnte, erläßt das Heidelberger Bezirksamt. Sie lautet wie folgt: „Nachdem der Fastnachtssonntag als öffentlicher Tanztag ausgefallen ist, wird für den Stadt- und Landbezirk Heidelberg der Ostermontag für das Jahr 1920 zum öffentlichen Tanztag bestimmt." Das Heidelberger Tageblatt bemerkt dazu: Oeffentliche Tanztage
Wohl dem, bet weitab von bet fogen. neutralen Zone wohnt. Die guten Leute von Frankfurt unb Darmstadt können wirflich nichts dafür, daß da oben an bet Ruhr und am Unterrhein sich eine Rote Armee von Tollhäuslern unb Verbrechern gebildet hat. Aber sie müssen doch dafür leiben; denn die Franzosen benutzen den Vorwand, um ihre Besatzungstruppen von Mainz aus vorzuschieben. Hoffentlich kommt es dabei nickt zu Widerstand ober Unruhen. Dieses Unrecht wird am leichtesten ertragen und am schnellsten überwunden, wenn man sich zunäckst geduldig in die Gewalttat fügt. Der billige „Erfolg" wird dem Marschall Fach, wenig Freude und gar keinen Ruhm einbringen.
Nebenbei zeigt sich wieder, für wen die Ruhestörer in Deutschland eigentlich arbeiten. Für unsere unerbittlichsten Feinde. Es ist wahnsinnige Selbftzerslei. schung. was sie da treiben. Das sollten doch wenig>- stens alle die einsehen, die mit politischen Gründen ihr Treiben rechtfertigen wollen. Etwas anderes ist es mit dem Gesindel von alten unb neuen Verbre. chem, das sich in die Rote Armee gedrängt hat, um erstens den Sold von 60 Mark täglich einzustreichen und zweitens die Gelegenheit zum Brandschatzen und Plündern zu erhalten. Es ist schrecklich, aber nicht zu verwundern, daß sich die Rote Armee vor ihrem Un. teyang in wilde Räuberbanden aufgelöst hat.
Ein besiegtes Heer steht auch vor dem sittlichen Zusammenbruch. Das haben wir sogar erleben müssen bei einem Teil unseres alten herrlichen VolksheeteS. Als der Rückzug aus Frankreich und Belgien begann, fetzte eine schändliche Püderei ein. Am ärgsten bei den Leuten von bet Etappe, die wenig Pulver gerochen hatten, aber vor Toresschluß sich noch ohne Gefahr austoben wollten. Wenn Hindenburg nicht das Kommando aufrecht erhalten hätte, wäre die Masse der rückfluten - ben Truppe verlottert und verdorben worden. Für jeden braven Deutschen ist eS beschämend zu sehen, daß so viel rohe und gemeine, verbrecherische Triebe in dem „Volk der Dichter und Denker" stecken. Was früher gebändigt war, bricht in den Tagen des Unheils und bet Verwirrung frech ans Tageslicht. Früher waren die Zuchthäusler vom Heere ausgeschlossen; jetzt gibt es verblendete Leute, die selbst es ehrlich meinen, aber doch in ihrer blinden Parteiwut Schulter an Schulter, Hand in Hand mit erklärten Verbrechern zusammen, arbeiten.
Einige meinen, die neuesten Erfahrungen im Ruhr, gebiet, wo der Abschaum bet Menschheit sich teuflisch auSwbt, werben aufklärenb und reinigend wirken. Die verblendeten Radikalen soweit sie noch Ehrgefühl haben, müßten doch nun zutückschaudetn vor der Gemeinschaft mit dem Lumpenpack, das aus dem Zuchthause gelernt« men ist ober den Befähigungsnachweis für das Zucht-
in Heidelberg, während unser Freiwilligenbataillon im Ruhrgebiet blutet, unsere Einwohnerwehr sich in dauern, dem Alarmzustand befindet und auch über Baden das Gespenst des Bruderkrieges droht!
* Deutsche Theologen in Rom. Während der Ostertage traten in Rom zum erstenmale nach dem Kriege wieder deutsche Theologen des Collegium Germanicum in ihren charakteristischen roten Talaren in Erscheinung und begaben sich durch die Straßen Roms zum Petersdom. Auf den Straßen wurden sie vom Volke herzlich begrüßt. Viele drückten ihnen die Hände und wünschten ihnen glückliche Festtage.
Märkte.
= Fulda, 10. April. Auf dem heutigen Schweine- markt wurden 280 Ferkel zu 200, 280 und 360 Mark, sowie 12 Säufer zu 500, 550 und 600 Mark angeboten. Ta die Nachfrage gering war, blieb ein großer Ueberstand. Gegen Marktschluß gingen die Preife etwas zurück.
△ Kassel. Der Auftrieb zum letzten Kasseler Zuchtschweinemarkt wies mit 735 Stück einen weit größeren Auftrieb als beim vorigen Male auf. Die Preise stellten sich wie folgt: Ferkel bis 6 Wochen all 170-250 M., Ferkel von 6-8 Wochen 220—270 M., Ferkel von 8—13 Mocken 300—450 M., Läufer von 3—4 Monaten 500-600 Mark.
Börsenwochenbertcht
des Hessischen Bantoereine, Aktiengesellschaft, Zweigniederlassung Fulda.
Nach den Feterta en war die Börse am Dienstag unb auch noch am Mittwoch recht fest. In der zweiten Hälfte der Woche trat infolge des ziemlich erheblichen Steinens unserer Mark und der inneren politischen Verhältnisse eine alliemeine Abschwächung ein, was sich besonders in einem starken Kurs, Ückgang der Valuta- Papiere und Kolonialwerte bemetfbar machte.
Schiffahrtswcrte hatten z. T. sehr erhebliche Kurssteigerungen zu verzeichnen, so z. B. Hapag am Dienstag um 45 Proz., letzter Kurs ca 215. Montanwerte unb ElcktrizAStspapiere gingen Sch'! ß der Doch: schwach.
Die Besetzung von Frankfurt hatte auf bie Börsen wenig Einfluß.
Deutsche Anleihen verhältnismäßig ■ fest. Sproz. Kriegsanleihe 79%.
Gottesdienstordnung.
Katbolifcher Gottesdienst.
Sonntag, 11. April. (Weitzer Sonntag.) Dom. (Vollk. Ablaß f. b. Erstkommunikanten unb deren An- ciehörige.) */«6, 6, l/«7 u. 7 M, t. b. Vi7 M. Kom. b. christenlebrpfl. Jungfrauen, */48 Einzug b. Erst! i. b. Dom, 8 Pr., Pfarramt u. Erstkom. b. Kinder, 10 Käthe» dralmesse, */il2 M. u Pr., nachm. Erneuerung d. Tauflelübde f. d. Erstk., Umgang, Te Dcurn u. Se en, abends 7 A. m. Segen i. d. Marienkapelle. (Montag nachm. 5 Rosenkranz.) — Stadtpf arrkirme. 5*/* Kom., 58/< M., 63/« M. u. Kom. d. Jungfr.-Lod. u. b. übrigen christenlehrpfl. Jungfr, 8 feierliche Erstkommunion ber Kinder, Pr. u. Hochamt, 10 M., 11 M. u. Pr. (2. Schulgb.), 2Vi Erneuerung b. Taufgelübbe, A., Te Deurn u. Segen. - Pfarrkirche zum heiligen Gerste. Kommunion, 7 Frühm., 8 Amt u. Erstkommunion, 5 Andacht. — Severikirche. Sonntags unb werktags */»7 Messe. — Herr-Jesu-Heim. 8 Frühm., 8 Amt m. Pr., 2 A. (Mitt abends 8 A.) — Frauenberg. 5—7 M., 8 Bruber- schaftSm. m. Pr., 9 Levitenamt m. Pr.,. nachm. 2 Pr., A. u. Umg. f. d. Fünf-Wunden-Bruderschaft.
Evangelischer GottsSdieaft.
""" Sonntag, 11. April. Vormittags 8 unb 9'/, Pfarrer Weber.
Mitteilungen der städtischen NahrungsmittelsteLe
10. April 1920.
In der nächsten Woche entfallen auf jede Fettkarte karte 100 Gramm Margarine zum neuen Preise von Haus erbringen will. In der Tat wirkt es ja sehr ev- nüchternd, wenn sogar ein knallroter Vollzugsrat Hals über Kopf flüchten muß, um nicht in die Gewalt ber Räuberbanden zu fallen, bie sich aus ber Roten Armee gebildet haben. Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich wieder eine reinliche Scheidung zwischen anständi. gen Menschen und ehrlosem Gesindel anbahm; nach den vielen Enttäuschungen vor anderthalb Jahren muß man im Hoffen vorsichtig sein. Wer weiß, ob es nicht erst noch schlimmer eichen muß, ehe es besser wird.
Solange noch vom G e n e r a l st r e i k so viel ge. redet und geschwärmt wird, traue ich dem Frieden nicht. Bei solchem Streik muß das Gesindel immer hoch kommen. Da sprießen die verbrecherischen Triebe auf, tote die Giftpilze nach dem Regen. Wo Aas ist, da sammeln sich die Raben. Der Himmel bewahre uns vor dieser „Waffe", die hinten schärfer ist, als vorn.
Wir sollten uns lieber die Dänen zum Muster nehmen. Dort scheint neben der guten Butter auch die Besonnenheit zu gedeihen. Kappisten gibts auch da, nämlich Heißsporne, die von Schleswig mehr erobern wollen, als ihnen nach der Volksabstimmung gebührt- Sie hatten den König zur Entlassung des friedlichen Ministeriums verfuhrt. Die Antwort darauf war die Androhung des Generalstreiks für Osterdienstag. Also nicht f»fertigen Streik von heute auf morgen, sondern eine Wartefrfft zur Schonung der Festtage unb zum Spielraum für Verhandlungen. Diese vorsichtige Me. thobe hat sich bewährt. Man hat sich bie Sache über, legt unb einen Ausweg auf ber mittleren Linie gefunden: Der König hat ein parteiloses Ministerium berufen, das alsbald die Neuwahlen durchführen soll, und der Generalstreik ist vor seinem Ausbruche abgesagt worden. So ist's gescheidt. Am besten sind die Streiks» die nicht ausbrechen. Wenn sie erst angefangen haben, ist es fehr - schwer und oft unmöglich, die schlimmen Nachwirkungen zu verhindern.
Fn zwei Monaten soll auch das deutsche Volk an den Wahlurnen feinen Willen bekunden, sein eignes Glück selbst zu schmieden versuchen. Können wir nicht bis dahin wenigstens Ruhe halten? Sollen nicht alle braven Bürger sich entschlosien aufraffen zur Wahl, arbeit, namentlich die Wahlarbeit im kleinen, an ber jeder sich verdienstlich betätigen kann?
Was auf dem Spiele steht, wissen wir ja alle. Früher galt eS, bie „Diktatur des Proletariats" abzuwehren. Oietzt ist die Gefahr noch weiter nach links gerückt: es droht uns die Diktatur des Pöbe l s, der ber« brecherischen Lumpen und Schufte, wenn nicht die ehr. lichen und vernünftigen Deutschen sich aufraffen.
Wollen wir zmn Spielball von Jrrenbäuslc-rn und Zuchthäuslern werden?
19,50 «Al das Pfund. Die Krankenkarten werden mit hiesiger Butter zu 9,20 Jl bezw. 9,60 JA. das Pfund bedient. Abgabe an die Verbraucher: Freitag und Samstag. Margarine-Ausgabe an die Geschäfte: Donnerstag Bormsttag 9 bis 12 Uhr bei der Nahrungs- Mittelstelle. Butterausgabe: Donnerstag Nachmittag in der Molkerei.
Die Margarine dieser Woche stammt noch aus alter Lieferung und ist zum alten Preis von 8,60 «Al an dir Verbraucher abzugeben.
Die Waren aus der Verkettung Nr. 15 können Mitte nächster Woche in den Geschäften in Empfang genommen werden. Gegeben werden 75 Gr. Graupengrütze zu 73 Pfg-, 60 Gr. Haferflocken oder Haftr- grütze zu 2,20 Jl, 75 Gr. Dörrobst zu 5,75 «Al und 500 Gr. Rübensaft zu 1,46 «Al das Pfund.
Die an die Stadt Fulda zu liefernden Drotgetreide- bestände des Streifes sind erschöpft; die Mehllieferungen müssen von jetzt ab durch das Reich (Reichsgetreidestelle) erfolgen. Da dieses von auswärts kommende Mehl sich infolge der darauf ruhenden höheren Unkosten (Frachten, Rollgelder, Spesen usw.) teurer stellt, wie das hiesige, mußte eine Brotpreiserhöhung eintreten. Von Montag ab kostet daher das Brot (3%. Pfund schwer) 2,25 «Al. Von einer Herabsetzung des Gewichts konnte einstweilen abgesehen werden.
Der Zucker für die eingereichten Aprilkarten kann Mitte nächster Woche in den Geschäften abgeholt werden. Da die Zuckerabrechnung für die Zeit nach dem 1. April von Berlin noch nicht vorliegt und uns vorläufig nur eine den Bedarf nicht deckende abschlägliche Lieferung gemacht wurde, kann einstweilen nur 1 Pfund auf den Kopf ausgegeben werden. Zur Verfügung steht Kristallzucker zum Ladenpreise von 1,50 Jl das Pfund. Sobald die schwebenden Verhandlungen mit Berlin wegen Anerkennung unserer wirklichen Kopfzahl und Fertigstellung der fälligen Bedarfsabrechnung zum Abschluß und wir in den Besitz der rückständigen Zuckermenge gekommen sind, wird die Nachlieferung der gekürzten Mengen erfolgen.
Es Ist jedem Gelegenheit gegeben, sich gegebenenfalls mit Süßstoff auszuhelfen; Süßstoffkarten sind auf Antrag gegen Vorlage des Lebensmittelausweises in der Kartenausgabestelle jederzeit erhältlich. Preis für 1 H- Packung (entspricht einer Zuckermenge von 550 Gr.) 50 Pfg.
Hüffeufruchwerlettung auf Sonderkarte Nr. 11:
1 Pfund weiße oder bunte Dohnen zu 3,40 Jl. An- meldeschluß bei den Geschäften: Dienstag, den 13. April. Abgabeschlutz für die Geschäfte bei der fierten- {entrolle: Mittwoch, den 14. April.
Aus den städtischen Beständen an Auslandsschmalz soll eine Sonderausgabe gegen Voranmeldung erfolgen. Die Lieferung des bestellten Schmalzes erfolgt zum Preise von 20.— Jl per Pfund unmittelbar durch die Stadt. Zeit und Ort der Ausgabe wird am nächsten Samstag bekanntgemacht. Die Anmeldungen sind, wie folgt schriftlich an die Nahrungsmittelstelle zu richten:
Anmeldung für Auslandsschmalz:
Gewünschte Menge in Pfund . . .. ., .Kopfzahl im Haushalt: . . . ., Nummer des Lebensmsttelausweifes: . . . ., Unterschrift: (Name, Stand und Wohnung):..
Anmeldeschluh: Mittwoch, den 14. April.
Es ist eine beschränkte Menge von Saalkarloffeln (anerkanntes Saatgut) vorhanden, die zum Preise von 30.— Jl per Ztr. an städtische Anbauer abgegeben werden. In der Hauptsache sollen Anbauer von kleineren Flächen (Garten- oder Pachtland) berücksichtigt werden. Der Verkauf an diese findet gegen Vorlage des Lebensmittelausweises am Montag und Dienstag am Kartof- felschalter statt; am Mittwoch wird über die nicht abgerufene Menge anderweitig verfügt.
Den Bestellern von polnischen Saatkartoffeln, die sich s. ZI. in die Liste eingetragen haben, diene zur Nach- Nachricht, daß die Kartoffeln noch nicht eingetroffen sind, jedoch kann mit der Lieferung der bestellten Mengen Saatkartoffeln, wenn auch nicht mit polnischen, bestimmt gerechnet werden. Nähere Mitteilung erfolgt am nächsten Samstag.
An die Lebensmttlelgeschäfle:
Es ist vorhanden: Sauerkraut in Fässern von etwa 200 Pfund Inhalt, Ladenpreis 50 Pfg. das Pfund, Marmelade in Kübeln von 100 Pfd. Inhalt, Ladenpr. 3,70 «Al das Pfund, fi. A.-Seife verschiedener Packung, Ladenpreis 2.— «Al das Pfund.
Bestellungen an die Nahrunasmittelstelle.
Amtliche Anzeigen.
Auf Grund des § 2 der Palizei-Berordnung vom 31. März 1915, betreffend Einsperrung ber Tauben während ber Zeit der Aussaat, bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß im Kreise Fulda nmbrenb der Frühjahrsbestellung in der Zeit vom 10. April bis 10. Ifiai 1920 bie Tauben einqefpercf $n hatten stab.
Auf Militär-Briestauben (Tauben der Militärverwaltung unb der Briestauben-Liebhaber-Vereine) findet diese Sperre nur während der Zeit vom 10. bis 20. April d.J. Anwendung.
Die Herren Bürgermeister unb Gutsoorsteher bes Kreises haben diese Anordnung auf ortsübliche Weise bekannt machen zu taffen. •
Fulda, den 1. April 1920.
Der Sanbrat: Frhr. v. Doernberg.
Der Kreis ausschuß hat nach Anhörung ber Preisprü- fungsstelle für ben Kreis Fulda, mit Ausnahme ber Stabt Fulda, folgende Höchstpreise festgesetzt:
Grotzhandelspreis.
für farbigen Kandis „ weißen „
Kleinhandelspreis.
für farbigen Kandis „ weißen „
132 M pro 50 kg.
134 M „ 50 „
165 JA pro 50 kg.
168 X „ 50 „
Fulda, den 30. März 1920.
Der Canbrat: Frhr. o. Doernberg.
Kunst und Wissen
müssen Gemeingut des ganzen Volkes werden. Den besten Weg dazu bleiet der Besuch der
Volkshochschule Fulda. ...................................................................................................
Beginn des 2. Dritteljahrs am 15. April 1920
Vorlesungsverzeichnis 30 Pfennig.
Einschreibungen In den durch Plakate kenntlicher Nebenstellen, oder Sladtschloss, Zimmer 2.