47. Zahrg
Donnerstag, 8. April 1920
Nr. 81
Ein n uer Borstotz Frankreichs.
Verbal der Einwohnerwehren.
General N o l l e t hat in seiner Eigenschaft als Präsident der interalliierten militärischen Kontrollkommission der deu'schen Regierung eine Note überreicht, in der es heißt: Es ist Vermerk genommen worden von dem Datum des 10. April 1920 für die Auflösung der Reichswehrfre.iwilligen. Die Einwohnerwehren könnten, trotzdem ste sich in den Charakter als reine zivile Organisation zu kleiden versuchen, nicht mehr gestattet werden, welches auch immer ihre Rolle für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Snnern fern möge, da ihre Bewaffnung, ihre Eingliederung und Stärke unbestreitbar eine Mobilisation begünstigten, die durch den Friedensvertrag verboten sei, und da die Einwohnerwehren im Widerspruch zu den Bestimmungen der Artikel 156, 166, 175, 177 imb 178 des Friedensvertrages stehen. Die Note sagt dann weiter, daß der 10. 51 pri 1'1920 als äußerste Grenze für die Ausführung der Entscheidung des 1. Dezember 1919 bestimmt ist.
ist das ganz ausgeschloffen. Unsere Regierung ist auch wahrlich nicht „p l ö tz l i ch" vorgegangen, hat sich vielmehr scharfe Sorroürfe zugezogen wegen ihres langen Zögerns und ewigen Verhandelns. Drittens richtet sich ihr Vorgehen durchaus nicht gegen die Arbeiterschaft, ist vielmehr auf dringendes, wiederholtes Verlangen der Arbeiterschaft, sogar der Anhänger der unabhängigen Partei erfolgt, um das arbeitende Volk aus den Klauen der Plünderer und Mordbrenner zu erretten. Wie schlecht bestellt ist es mit einer Aktion, die sich nur bemänteln läßt durch solche grobe Unwahrheiten.
Auch Millerand selbst hatte ja vom .Druck der (deutschen) Militärpartei" gesprochen. Daraus können Kapo und Genossen wiederum ersehen, daß sie für die bittersten Feinde Deutschlands gearbeitet haben. 2m übrigen können wir diesen Spieß umkehren: Gerade die französische Politik steht heute sichtlich unter dem Druck der dortigen Militärpartei, die jetzt das längst erstrebte weitere .Vordringen in Deutschland durchsetzt.
Die Haltung der Alliierten.
Amsterdam, 7. April. „Telegraas" meldet aus Poris, daß die Haltung der Bundesgenossen Frankreichs gegenüber dem Dorrücken der französischen Truppen noch n i ch! g e k l ä r t ist. Die Berichte aus Italien sind nicht sehr günstig. Die italienische Regierung soll die französische bereits haben wisien lassen, daß sie Dersöh- nungsoerfuche lieber gesehen als militärische Maßnahmen. Die Berichte aus Washington sind ebenfalls wenig befriedigend für Frankreich. Aus die direkte Unterstützung Amerikas Hot Frankreich aus keinen Fall zu rechnen. Sogar von der belgischen Regierung erwartet man nicht, daß sie vorbehaltlos den Deschlüsien Frankreichs zustim- men wird. Der diplomatische Berichterstatter der Lon- doner Eoening Standard schreibt, die Besetzung Frank- surts und Darmstadts durch die Franzosen habe eine ernst« Lage geschaffen, die in diplomatischen Kreisen viel ! Sorge weckt. _____
* Die Weser-Werft in Bremen ist infolge der tumultuarischen Vorgänge, die sich in bet vergangenen Woche doit abgespielt haben und die die Forlsührung eines geregelten Betriebes unmöglich machen, voll- ständig sttllgelegt.
• Tie erste« Gefangene« ans Sibirien sind auf dem Heimwege. 1014 deutsche Kriegsgefangene haben auf dem Dampfer „Scotland Maru" am 31. März 1920 Wladiwostok verlassen. Die Kriegsgefangenen stammen aus den Lagern Perwaja Rjetschka, Nikolsk, Krasnaja Rjetschka und KiaSnojarsk. Das Schiff fährt über Schanghai, Sakang, Port Said und Homburg.
Neue Gewerkschastsforderungen.
Die am Generalstreik beteiligten Arbeitnehmer- organisaticmen und die Vertreter der Parteileitungen der Sozialdemokratie und der Unabhängigen haben gestern in Berlin „nach Prüfung der politischen Lage" eine Reihe von Forderungen formuliert, die sie der Reichsregierung oorlegten. Diese Forderungen lauten:
1. Rückzug der Reichswehr aus bet neutralen Zone. Die Äufrechterholtun z der Ordnung obliegt den nach dem Bielefelder Uebereinkommen zu bildenden Ortswehren.
2 Kein Einmarsch der Reichswehr südlich der Ruhr.
3. In dem von der Reichswehr außerhalb der neutralen Zone besetzten Gebiet sind die OrtSwehren sofort zu bilden, worauf der Rückzug der Reichswehr erfol t. •
4. Die Dor länge in Wilhelmshaven, Altenburg ufto. vertan ten soiortr ie Abhilfe. Die verfassun iStreuen Unteroffiziere und Mannschaften sind zu schützen: die abgesetzten unzuverlässigen Offiziere sind nicht wieder zu verwenden, sondern der Bestrafung zuzufuhren. Das Kabinett wird vom ReichSwehrminiiter sachliche und persönliche G'rnntien gegen die Wiederverwendung, unzuverlässiger Führer fordern. Die Lieferun t von Munition an konterrevolutlonäre Formationen (Brigade Ehrbardi usw.i ist sofort ernzuitellen.
5. Auf die preußische Regieruni wir» eingewiikt, damit die Reorganisation der SicherbertSwehren bimy
Etnsiellung organisierter Arbeitnehmer schnellstens zur Durchführung gelangt. Die Arbeitnehmerorgantsattone« sehen in der schleunigen Durchführung dieser Maßnahmen eine unbedingte Voraussetzung, um der starren Erregung in dec Arbeitnehmerschaft entgegenwirken z« können. ,
Die Organisationen unterbreiten ihre Stellungnahme sofort der ReichSregierung und behalten sich weitere Schritte nach Entgegennahme der Regie- rungS.rklärung vor.
Sind die sozialdemokratischen Gewerkfchaften wirtschaftliche oder politische Organisationen? Zur Durchsetzung politischer Forderungen sind doch die politischen Parteien da, der Ort, wo sie erhoben und erkämpft werden, ist in der Demokratie das Parlament. Wohin soll es führen, wenn sich die Gewerkschaften zu Trägern politischer Forderungen machen und sie mit ihren Mitteln, d. h. letzten Endes durch den Streik, durchzusetzen suchen? Es ist an der Zeit, daß einmal wieder deuts ch betont wird, daß die Gewerkschaften einzig und allein wirtschaftliche Forderungen zu vertreten haben. Fangen doch schon andere einflußreiche und wichtige WiriscyaslsorganifaLioneu an, gleichfalls mit dem Gedanken zu spielen, mit dem ganzen Gewicht ihrer Machtmittel ihre Forderungen vertreten zu wollen. Das mühte schließlich zur Ausschaltung des Parlaments sühren und damit das Ende der Demokratie und den Beginn einer politischen und wirtschaftlichen Anarchie bringen, in der schließlich die Organisation, des Standes, der sich als der stärkste erweist, die Diktatur aufrichtet.
Es ist unglaublich, daß die Arbeiterführer in Berlin selbst den Einmarsch der deutschen Reichs- wehr in die neutrale Zone für unnötig und unzulässig erklären, nachdem die Sozialdemokraten und Unabhängigen im Ruhrgebiet selbst die Regierung angefleht haben, zur Vertreibung des Plünderergesindels Reichswehrtruppen zu schicken. Wie werden Mille- rand und Fach und die gesamten französischen Rache- politiker schmunzeln, wenn sie das erfahren?! Eine bessere Unterstützung konnten sie sich ja kaum denken. Die eigene Regierung steht in schwerem Ringkampf mit den unerbittlichen Feinden, und in diesem Augenblick fallen ihr einflußreiche Mitbürger in den Rücken!
Und so etwas ist unterzeichnet nicht allein von den sozialistischen Gewerkschaftsführern, sondern sogar von S). Molkenbuhr im Namen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, also derselben Part«, die in der Reichsregierung die Mehrzahl der Minister stellt und in der Koalition die erste Stelle einnimmt. Wie soll diese Regierung die nötige Autorität im In- lande und das erforderliche Vertrauen im Auslände finden, wenn sie in der kritischen Stunde sogar von der mehrheitssozialistischen Partei verlaffen und verraten wird?
Heber die weiteren Forderungen wegen Ablösung der Reichswehr durch Ortswehren, Säuberung des Heeres von verfaffmigsfeindlichen Elementen, Reorganisation der Sicherheitswehren ließe sich ja reden, wenn nur erst die Gefahr für Leib und Gut der Einwohner gebrochen ist. In diesem Augenblick aber ist die agitatorische und drohende Einmischung der betreffenden Wortführer gememfchäduch nach innen und nach außen.
In der gegenwärtigen Bedrängnis des Vaterlandes können wir eine Nebenregierung wirklich nicht gebrauchen, und ste muß mit aller Entschiedenheit verurteilt werden, wenn sie sich sogar zu einer 11 e b e r= regierung auewachsen will. Die Gewerkschaftsführer sind zu Rate gezogen worden bei der Bildung des neuen Ministeriums; damit muß der Uebergriff von dem gewerkschaftlichen auf das politische Gebiet seinen Abschluß finden. Sollten die Herren schon wieder unzufrieden sein, mit den neuen Volksbeauftragten, dann mußten sie wenigstens selbst bereit und befähigt fein, die verantwortliche Führung der Geschäfte zu übernehmen. Diese Arbeit wollen und können sie aber nicht leisten. Was sie jetzt tun, ist politische Sabotage.
Es wird sich bald zeigen muffen, ob die sozialistischen Fraktionen der Nationalversammlung diesen Streich billigen und mitmachen wollen. Wäre das der Fall, dann würde die ganze Koalition, das letzte Fundament der deutschen Lebens- und Will-ns kraft, i n Trümmer gehen.
Kurland.
* 1. Oesterreich hat nach dem vorlä iffi^- Ccgebnis t im Januar vorqenommenen Volkszählung eine Bevölkerung? fiffer von 6 071078 Bewohnern gegenüber 6295189 im Jahre 1910 aus der gleichen Fläche, war eine Abnahme von 223 211 ober 3,55 Prozent bedeutet.
♦ Eine englische Kavitalistengruppr steht in Unterhandlungen wegen Beteiligung an d>n öfter* reichischen und umaiifdjen DonaudrmpfichlffahrtS- gesellschoften, wodurch England die füh ende Rolle in der Donau'cknffahrt erhalten würde.
* Sibirien. Japanische Trupp n sind nach schwerem Kampfe mit den Bolschewisten in W l a d i w o st o k eingerüdt-
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Die Säuberung des Ruhrgebiets.
Esse«, 6. April. Heute abend hat' eine weitere Abteilung Reichswehr das Rathaus in Essen besetzt und dort die schwarz-rot-goldene Flagge gehißt. Die aus dem Esten er und Düsseldorfer Bezirk abgezogenen roten Gardisten hoben sich in der Hauptsache noch dem Wuppertal« und dem bergischen Lande gewendet. Durch Elberfeld sind im Lause des Tages lange Kolonnen von Rotgardisten auf Lastwagen und zu Fuß gezogen, die dort zum großen Teil ihre Waffen abgegeben haben. Andere Teile der Roten Armee find in bas besetzte Gebiet, und zwar zumeist nach Solingen gezogen, wo sie sich von den Engländern entwaffnen lasten, während ein Teil sich bewaffnet noch in den Bergen umhertreibt. Heute nachmittag hat die englische Behörde einstweilen 500 Rotgardisten in ein Lager bei Köln abgefchoben, da die Stadt Solingen von den Re ten der Roten Armee förmlich überflutet wird. Der sogen. Essener Zentra l r a t, der seinen Sitz von Esten nach Barmen verlegt hat, erläßt einen Aufruf, in welchem er den Einmarsch der Reichswehr in das Ruhrgebiet als einen Bruch der Regierungsversprechungen bezeichnet. Er beruft eine Vollversammlung der Dollzugsräte nach Bar- ' men ein. In dem Aufruf wird unter anderem gesagt, daß aus der jetzigen Bewegung unbedingt die Grundlage für eine schnelle Zusammenfassung bei kommenden neuen Kämpfen gerettet werden müsse.
Duisburg, 6. April. Sn einer Wirtschaft in her Feld- strafte ist die bolschewistische Zentrale ber Roten Armee aufgefunden worben, die auch über eine Funkenstatton verfügte. Außerdem soll dort auch eine Münzpresse aufgestellt gewesen fein. Ferner wurden in der Wirtschaft große Mengen von Lebensmitteln, allein t-undert Zentner Mehl, vorgefunden. Die Befreiung Duisburgs von dem Gesindel der Roten Armee kostete heftige Kämpfe. Auch verschiedene Zivilpersonen wurden getötet. Die Reichswehr hatte nur geringe Verluste. Rach der Säuberung der Stadt wurden Haussuchungen vorgenommen, die große Mengen Waffen und Munition zutage förderten. Die Stadtverwaltung verlegte ähren Sitz wieder von Ruhrort nach Duisburg und erklärte, daß sie für eine gleichmäßige Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln wieder die Gewähr übernehme, während vorher nur die kommunistischen Arbeiter Lebensmittel bekommen hatten. Die Requisitionen, die bei den Kaufleuten im Laufe den vierzehntägigc», kommunistischen Herrschaft vorgenommen worben sind, gehen in die Millionen. Manche Geschäftshäuser sind noch kurz vor dem Eintreffen der Reichswehr gänzlich aus geraubt worben, und mancher Geschäftsmann ist vollständig ruiniert. Nachdem der Kampf vorüber mar, würben bie Truppen von der Bevölkerung aufs lebhafteste begrüßt und reich be- schenkt. Ganz Duisburg atmet auf, daß der Rote Terror vorüber ist. Das Standgericht trat sofort zusam- men unb urteilte über die zahlreich Verhafteten. Es wurde bis jetzt von den vprgeführten 104 Personen etwa die Hälfte zur weitern Aburteilung gesandt, während nur ein Todesurteil ausgesprochen wurde. Am Sonnenwall lind auf der Ostseite alle Häuser sehr stark beschädigt. Auch bie Hauptverkehrsstraße, bie Königstraße, hat schwer gelitten. Schrecklich waren die Plünderungen, auch in den Vororten, wie in Weiderich. Schon an den Tagen vorher war aus den Ladengeschäften fast alles durch Requisitionen herausgeholt worden. Auch auf bie Eisenbahnen dehnten die Horden bie Beschlagnahmungen aus. Ganze Züge wurden ausgeraubt unb burchsahrende Züge würben durch Beschießen »um Hatten gebracht
Noch fein Rückmarsch der Franzosen.
Nach Gerüchten, die gestern verbreitet waren, soll- fen die in Frankfurt eingezogenen Franzosen bereits wieder die Stadt bis auf ein Regiment ge - räumt haben. Ebenso sollte die Besetzung von Dar m- stadt bereits wieder aufgegeben fein. Diese Gerüchte bestätigten sich indessen nicht
Außer in Frankfurt, Hanau, Darmstadt sind die Franzosen in Dieburg, Homburg, Offenbach und Königstein eingerückt. Die Besatzungstruppen setzen sich zum großen Teil, in Darmstadt sogar überwiegend, aus Farbigen, Senegalesen und Spahis, zusammen. Einzelne Zeitungen erscheinen weiter unter Dorzensur. Das Erscheinen u. a. der „Frankfurter Zeitung" ist noch untersagt. Die Behörden arbeiten, jedoch unter der Kontrolle der französischen Besatzung.
Blutiger Zusammenstotz ,in Frankfurt.
Frankfurt a. 2IL, 7. April. Am Mittwoch nach- mittag kam es an der Hauptwache zu einem Zusam- men stoß zwischen den Besatzungstruppen und der Bevölkerung. Zahlreiche Männer, Frauen und Kinder umdrängten die Marokkaner, die auf dem Schillerplatz Posten gefaßt hatten, und schließlich fingen die Marokkaner an, auf die Menge zu feuern. Mehrere Personen stürzten tot zu Boden, eine Anzahl wurde verletzt. Auch vor dem Hauptbahnhof spielten sich erregte Szenen zwischen dem Publikum und den Truppen ab. Doch konnte hier Blutvergießen verhindert werden. Einige Zivilisten wurden verhaftet. Nach Mitteilungen der Rettungswache sind bei den Zusammenstößen 6 Personen getötet und 35 verwundet worden. Starke französische Patrouillen mit Tanks, Malchineugewrhren und aufgepflanzten “ajonrtten durchzogen die Straßen. Tie Bevölkerung, die in dichten Mafien auf der Straße iit, ist äußerst erregt.
Die Lage in Hanau.
O Hanau. (Tel.) In Hanau sind b;v heute, Donnerstag früh, nur Vortrupprnder französischen Besatzung eingeh offen. Es sind eine Schwad, on Kavallerie und Klafifahrerabteilungen. ToS Er- cheinen der Zeitungen ist noch nicht wieder Mattet. Der bisher unterbrochene Telegramm- und Telephonverketzr ist dagegen wieder aufgenommen ivorden. Gestern erhielt sich in der Stadt hart- »ackig das Gerücht, die Truppe« häiten Anweisung Phallen, bis zum Abend das Gebiet wieder zu turnen. Infolgedessen war abends der Neuuödter- ^arkt von einer zahlreichen Menge Neugierige* um« Et, die dem Abmarsch zusehen wollten. Dieser Effolgte jedoch n.cht. Zu Zwischenfällen ist es "rchl gekommen. Die französischen Soldaten sind ,a den Kasernen untergebracht.
Der „Siegesbericht".
r. * Varis, 6. Ap.il. Ein hier veröffentlichter amt- Bericht über bie »militärischen Operationen" lautet ®le folgt: Die gegen Fran kfurt uns Darmstadt "^geleiteten militätifrfjen Operationen find durch führt.
daran beteiligten Truppen des 30. Armeekorps 'Wgneten keinem Widernand. Um 11 Uhr bot- £'“298 war die Einkreisung der beiden Stäote und ^Besetzung des wichtigsten Punkte an deren Peripherie .°llzoZrn. Am nachmittag besetzte unsere Kavallerie $°nau, daS vorher von den deutschen Truppen geräumt ^tben wir. Ein Bataillon der deutschen Sicherheits. 1 wurde in Frankfurt in der Kaserne überrascht ?n° entwaffnet. — Auch in Darmstadt haben sich die beabsichtigten Operationen glatt abgewickelt
Neue Kriegsmärchea.
Der französische General Degoutte hat nad J.ir.em ^hmvollen Einmarsch in Darmstadt einen Ausruf an p Bewohner der besetzten Gebiete veröffentlichen las- 'en' in dem er erklärt, die Berliner Regierung habe ^ftter fcem Druck der Militärpartei" die ^eichswehr zu einer „plötzlichen Offensive gegen >,e Arbeiterschaft des Ruhrgebietes" vorge- 'chickt. $8ar es wirklich nötig, daß der oberkomman- «ierenüe^ General der „glorreichen" Angriffrarmee !!me glänzende „ÜBaffenlat" mit solchen faustdicken ^Wahrheiten zu begründen suchte? Don einem Druck ** Militärpartei war doch wahrhaftig nichts * werken; nach dem Scheitern des Kapp-Pufiches
Duisburg, 6. Avril. Die sozialistische Niederrheinische Volksstimm« begrüßt in ihrer Osternummer bie Befreiung Duisburgs vom roten Terror in einem Leitartikel „Erlöst". Don den Unabhängigen unb den Mehrheits- fojialiften Duisburg mar einige Tage vor der Befreiung Duisburgs ein Flugblatt an die Gesamtbevölkerung ausgegeben morden, in dem man sich in schärfster Weise gegen bie Kommunisten wandte unb den Terrorismus für bas Tinmarschieren verantwortlich mochte. Augenblicklich finden noch schwere Kämpfe statt den Kanal entlang von nördlich Gelsenkirchen bis Bottrop. Bottrop selbst ist durch die Kämpfe arg mitgenommen. Die hartnäckigsten Kämpfe finden zurzeit in Karnap statt. Bei den Kämpfen sind im nördlichen Teil von AUenesien wie auch jenseits des Kanals in Karnap an verschiedenen Gebäulichkeiten schwere Beschädigungen verursacht worden. Ein Teil der Altenesiener Bevölkerung ist geflüchtet.
Dortmund, 6. April. Nach Meldungen aus zuverlässiger Quelle haben die russischen Bolschewisten Radek und Levien am Montag in Dortmund an einer Sitzung der Dampfleitung des Roten Zentralrates teilgenommen. Radek soll hierbei die Kampsleitung zur Fortsetzung des Kampfes ermuntert haben, worauf denn auch die Fortsetzung des Kampfes beschlosien wurde. Die eingerückten Reichswehrttuppen wurden durch die Mehr- hettsparteien und den Oberbürgermeister als Befreier be« grüßt. Dor dem Abzug haben die Roten im Stadthause furchtbar gewütet. Mit Handgranaten haben sie bie Möbel zerstört; auch haben sie mit Blausäure gefüllte Gasgranaten verwandt. Schwere Plünderungen sind innerhalb der Stadt vorgekommen. In einer Deamtenoer- sammlung ist der Stadtrat Schubert von den Roten erschossen worden. Tage furchtbarsten Terrors liegen hinter uns. Der Abzug der Roten ist auf bie schwere Niederlage ihrer Armee bei Kamen zurückzuführen, wo ihnen die Reichswehr schalere Derluste beibrachte. Bei Hörde stellten sich Arbeiter den Roten entgegen, welche die Anlagen des Phönix und der Zechen zerstören wollten. Auf beiden Seiten gab es Tote.
Münster, 5. April. Jetzt, nach der zum größten Teile bereits erfolgten Befreiung der heimgesuaten Gebiete, werben schauderhafte Einzelheiten über bie schreckenvolleHerrschaftber Spartakisten bekannt. Im Landkreise Esten finv zahlreiche Zivilpersonen durch plündernde Rotrchidisten ecschosten worden. Wie die Hunnen haben die Spartakisten auf dem Schlosse des Grasen Westerholt gehaust, worüber schon dieser Tage kurz berichtet worben ist. Nachdem sie schon vorher die Bauernhöfe in der ganzen Umzegend auSqeplundert, daS Vieh abgeschlachtet, die Besitzer gebrandschatzt und zu Dienstleistungen geprefct hatten, drangen sie mit einem Trupp verkommener Frauenzimmer in daS Schloß ein. Dort zwan en sie bie allein anwesende Gräfin, ihnen das Esten zu kochen, ihnen peisönitch aufzutoarten und Zengin der gemeinsten Ausschreitungen zu sein. Sämtlrche Möbel und Kunstge enstände wurden von den Horden bis auf daS letzte Stück zerstört, Kruzifixe von ten Weibern zerschlagen und verunstaltet. Unter den aüfgejrtffenen Spartakisten befand sich auch ein 15 jähriger Bursche, der mit der Waffe in der Hand ergriffen würbe. Man fand bei ihm 15 000 Mark in Papiergeld, die zweifellos irgendwo geraubt worden waren.
Die Tmppenzahl im Ruhrgebiet.
Die Kopfstärke der insgesamt im_ neutralen Gebiet verwendeten deutschen Formationen läßt sich, wie von zuständiger Stelle erklärt wird, auch heute noch nicht genau feststellen, und zwar deshalb nicht, weil bie Akttonen sich nicht nur auf bie neutrale Zone erstrecken, vielmehr bald über bie Grenze dieser Zone hinüber — bald herüber wechseln. In dem ganzen Aufstandsgebiet, also diesseits und jenseits der neutralen Grenze waren wohl 48 000 Mann in Bewegung gesetzt, eine durchaus nicht übermäßig große Truppenmacht gegenüber einer „Roten Armee", deren Stärke auf 100 000 Mann und mehr geschätzt werden durste. 3n der neutralen Zone selbst waren vorgestern jedenfalls die nach dem Abkommen vom 6. August v. 3. erlaubten Kopf stärken noch nicht erreicht. Ein gewißer Widerspruch auch in den amtlichen Zahlenangaben erklärt sich daraus, daß die Infanterie tatsächlich hinter der tatsächlichen Kopf» stärke zurückbleibt, bk Artillerie die zulässige Stärke aber überschreitet.
Die Verluste, bie bk Reichswehr in ben Kämpfen erlitten hat. smb leider nicht unbedeutend. In Bottrop beispielsweise, wo die Reichswehr in der Meinung ein» jog, di« Stadt sei von den Roten bereits geräumt, haben die Truppen dadurch schwer gelitten, daß sich die bewaffneten Banden nach Franktireurart in den Häusern festgesetzt hatten unb von da aus die Einziehenden unter Feuer nahmen.
Beranttvörtlich für ben rebatttonellen Teil: Karl Schütte, :: für bie Anzeigen: I. Par zeit er-FuIba. tt
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung
Der Kampf beginnt.
Nach dem Kampf gegen die Kappr Volte und «aen die tote Gewaltherrschaft im Industriegebiet wirb seht gerüstet zu einer neuen, zu einer unblutigen -xtaebt, zu der Reichstagswalstschlaci t. In allen Parteien beginnt ein großes Organisieren: ';Scwaltige ge ftiae und materielle Mittel werden daicin gesetzt werden, um diese wahlpolitische Aus- einandrrsetzung, die von ungeheurer Wichtigkeit ist, ;it bestehen. _ ...
9 In uniexet kürbessischen Zentrumsparlet <vird in oll deu Orlen, wo die Organisation auf Grund der Neuordnung der Partei noch nicht dulchgeführt ist, mit verkoppelten Kräften gearbeitet werben müssen, damit möglichst bald jeder ZentrumS- mann in Torf und <Sadt an feinem Posten in Reih und Glied steh'. Tann kann die Partei dem b vorstehenden Wahlkampfe im Vertrauen auf die Juä|iplin der Wäuler ruhig entzegensehen. Die Tiszip in ergibt sich von selbst, wenn die Wähler sehen, daß ja sie allein es sind, die durch die von thnen selbst bestellten Delegierten die Kandi- baten aufstellen. Nicht irgend ein in deu Wolken schwebendes Komitee besorgt die Nennung der Kandi- baten, sondern die Allgemeinheit der Wähler, die labet durch die Delegierten repräsentiert werden. Delegierte fönneti aber regelrecht nur von den Ortsgruppen bestellt werden, die auf Grund der neuen Satzung gebildet sind. Die Gemeinden, die sich also nicht um ihr Mitbestimmungsrecht bet der Kandidatenaufstellung bringen wollen, müssen sorgen, daß bald eine Ortsgruppe zustande kommt, von der die Delegierten nach Fu da entsandt werden können. Aus' je 100 abgegebene ZenirumSstimmen entfällt ein Delegierter.
Es eilt!
Die Wahl soll bereits am 6. Juni sein!
Deutscher Reich.
* Tie Nationalversammlung wird voraussichtlich die Osterferien, die bis zum 14. April dauern sollten, unterbrechen und wahischeinlich schon SamStaq, den 10 April, zusammentteten, um zu den Ereignissen im Ruhrrevier und dem Einmarsch der Franzosen Siellima zu nehmen.
Die Berliner Kandidaten des Zentrums für die Reichslagswahlen. Eine Vertreterverfammlung des Wahlkreisverbandes Berlin verhandelte über die Aufstellung der Kandidaten für die kommenden Reichstagswahlen. Als erster Kandidat wurde der Abg. Pf eif- fer, als zweiter der Pfarrer Dr. Saltzgeber auf« gestellt. Ferner sollen folgende Namen auf der Liste enthalten sein: Fräulein Anna Schmidt, der evangelische Rechtsanwott von Rehbinder, der Stadtverordnete Riedel und Frau Geheimrat Heßberger.