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Der Arbeit Lohn.

26]

»Ia> ich entsinne mich. Es war ja schon lange Redc davon."

-Sefct sind die Plane genehmigt und im Frühjahr •*fftnnt der Dau. Nun toar ich in diesem Orte.bei Obreren Steinbrucks. und Ziegeleibesitzern, um Stein» 'tterungen abzuschließen —"

* Harald horchte airf.

Deshalb decken Sie den Bedarf isicht tn unserem fragte er.

-Deil wir dort keine leisttmssfähigen Steinbrüchc Herr Baron."

Herr Baumeister! Ich selbst besitze einen p05en Steinbruch!"

aber seit Fabren still liegt."

»Ich gehe mit der ?Dsicht um, ihn wieder in Betrieb setzen . "

»Wahrhaftig?"

»Ja, gewiß. Und ich wollte Sie bitten mix dabei *** Hand zu gehen."

»Bon Herzen gern, Herr Baron."

, »Meine Pferde haben jetzt und im ersten Frühjahr toenig zu tun, da könnte ich mit dem Anfahren ®teinc sehr ba'd beginnen und sie brauchten nicht

* * ^ure Eisenbahnfracht zu bezahlen."

»Da stimme ich Ihnen volllommeu bei, Herr Da- Gestatten Sie, daß ich in diesen Tagen bei Ihnen ^spreche, um alles Nähere zu erörtern?"

»Gewiß, Ich bitte Sie darum."

. »Es wird da ein gutes Geschäft für Sie heraus- ^"ngen, Herr Baron. Die Anstalt umfaßt einen we°- Gebäudekompler und die Häuser sollen fast alle aufgeführt werden."

«. »8alls Sie Abnehmer sind, würde ich auch die alte ^®8elei wieder in Gang bringen. Sie kennen sie ja W UE liegt an dem Vorwerk."

^^^alürlich bin ich Abnehmer! Das liegt uns ja in Erster Nähe und sehr bequem. Ich wollte Ihnen schon dahingehenden Vorschlag unterbreiten. _ Ich ji r ®err Baron, wir machen da ein gutes Geschäft ^anunen und ich kasin meine Kostenanschläge herab- ^U- ohne Sie im Preise drücken zu muffen, da der der Steine sich ja biet billiger gestaltet. Ich "n,*e aar nicht, Herr Baron," setzte der Baumeister

47. Zahrg

Mittwoch, 7. fiprll 1920

sir. 8°

Baren »as bMeW Soaial»ero!talen? <S»rt. tod!) [*«,W«>ns»ra*l t«6m, in d°r nicht» mehr ubn«

Seine Mutter würde sich allerdings schwor von den

edlen Tieren trennen 1 Aber er war fest

dem

Wie töricht

ibn.

Menschen zu ver-

entschlossen, Grafen die

sie zu verkaufen; morgen wollte er Rappen anbieten.

Eine freudige Zuversicht erfüllte war er doch gewesen, sich auf andere

bleibt als Verzweiflung, Empörung, Revotution und Zertrümmerung der ganzen Welt.

Der heidnische Weltweise Plato hat bereits 400 Jahre vor Christus erklärt, daß diejenigen, welche die Religion, den Glauben an die Gottheit, im Volke zer­störten, diegrößtenStaatsverbrecher seien.

Wenn Plato heute käme, wen würde er also wohl als die Staatsverbrecher bezeichnen müssen?

Waren die Edgar und Bruno Dauer, die Feuer­bach, die David Strauß, die Ernst Renan, waren das Sozialdemokraten? (Sebr gut!)

Das sind Männer der Wisjenfchaft, d,e mit ihren sonstigen Anschauungen im bürgerlichen

lassen, ohne die Hilfe in der eigenen Arbeit, in dem eigenen Streben zu suchen!

Daß der glückliche Zufall ihm zu Hilfe kam, erfannte er dankbar an. Aber boten sich dem rührigen und tä­tigen Manne nicht stets solche glückliche Zufälle, die man nur auszunutzen brauchte? Mit offenen Augen durchs Leben gehen — tätig vorwärts streben — nicht verzagen im Unglück, sondern auf Gott und seine eigene Kraft vertrauen — das waren alltägliche Wahrheiten, in denen doch des Lebens Weisheit enthalten war.

Erst als das graue Gemäuer des alten Schlosses Fredersdorfs aus dem regnerischen Winternachmittage auftauchte, überkam ihn eine gewisse Mutlosigkeit. Die­ses graue Gebäude erschien ihm wie ein Bollwerk alter Anschauungen und Vorurteile; als eine Burg, in die sich die Gespenster der Vergangenheit eingenistet hat­ten, die nur ein Sturmwind, ein heißer Kampf ver­treiben konnte.

Aus all den tiefen Fensternischen, au5 den Erkern und Türmchen grinsten ihm diese Gespenster höhnisch entgegen. „Wir sind hier die Herren," schien der Wirte zu fingen, der sich heulend in den Ecken und Winkeln fing, der in den Schornsteinen pfiff und in den alten Plantanen des Gartens rauschte und fauste.

Noch niemals war ihm der Verfall der Wirtschafts­gebäude und des Schlosses selbst ins Auge gefallen, w.e an diesem winter'ichen, regnerischen Spätnachmittage. Auf dem Stallgebäude kreischte die schief fitzende 98tt. tersahne; eine Tür des Di ehstalle 8 schlug heftig hin uni) her und dort riß auch der Wind einige Ziegel von der Scheune los, die prasselnd auf das holperige Pfla­ster niederstürzten.

Auf dem Hofe standen fchmutzige Wasserlachen; dre eine Hälfte de? Geländes der Brücke, welche über den früher mit Wasser gefüllten Schloßgraben führte, war zerbrochen und dumpf dröhnten die morschen Dohlen un­ter den Husen der Pferde.

Hairaid seufzte auf.

Es würde harte Arbeit kosten, tret wieder Ordnung zu schaffen. Aber gleich morgen wollte er an diese Ar­beit Herangehen.-

Ansinnen wurde von der deutschen Regierung abgelehtch dagegen der Gegenvorschlag gemacht, die ft<ugo= fische Regierug solle e r st d a n n einmarschteren dürfen, wenn die deutschen Truppen nicht innerhalb einer ge­wissen Frist z u rü ck g e z o g e n würden. Der fran­zösische Unterhändler antwortete darauf am 29. Marz, Millerand wäre bereit, diesem Gegenvorschlag zuzu­stimmen, wenn die Zurückziehung der deutschen Trup­pen nach zwei bis drei Wochen stattsinden wurde, und die alliierten Truppen, falls diese Voraussetzung nicht erfüllt werde, dann das Recht haben, die deutschen Städte zu be- setzen. Aus diesem Standpunkt blieb die französische Regierung auch am 30. März stehen und machte nur aus die Gefahr aufmerksam, daß _ ein Einmarsch der Reichswehr die Zerstörung der Schächte seitens der Ar­beiter zur Folge haben könne. Am 31. März forderte sie als Voraussetzung für die Einmarschgenehmigung nur den Nachweis der Notwendigkeit. Inzwischen hatten sich aber die Verhältnisse im Ruhrgebiet so zu- gespitzt, daß em Einmarsch nicht langer verzögert wer­den konnte, und die deutsche Regierung ließ am 2. April eine Note überreichen, die die Lage der Dinge schilderte und daran erinnerte, daß bereits seit Tagen Verhandlungen über den Einmarsch geführt würden, und daß dieser nicht länger verzögert werden könnte. Sie schloß mit der Versicherung, daß ein Bruch des Friedensvertrages nicht beabsichtigt sei. Die französische Regierung erneuerte darauf sofort ihr Ver­langen nach Besetzung der deutschen Städte und wies am 3. April darauf hin, daß der Einmarsch eine Ver­letzung des Friedensvertrages bedeute. Am 4. April überreichte Deutschland eine Note, die den Nachweis führte, daß die im neutralen Gebiet stehenden deutschen Truppen nicht die vom Friedensvertrag festgesetzte Höch st zahl erreichen.

Wie die übrigen Alliierten sich zu dem französischen Einmarsch stellen, ist zurzett noch unbe­kannt. Vor der Besetzung hatte das französische Kabi­nett zwar nach London und Rom die Mitteilung ge­langen lassen, daß es die Absicht habe, die genannten Städte zu besetzen und hatte um schleunige Antwort gebeten. Die Antworten der beiden alliierten Regierun­gen waren aber in Paris bis Dienstag morgen noch nicht eingetroffen. — Nach neueren Meldungen ist die Zustimmung Englands utib Italiens erfolgt, wenn auch diese Mächte Frankreich allein die Verantwortung für seinen Einmarsch zugeschoben habe»«.

lächelnd hinzu, „daß Sie ein fo guter Geschäftsmann find!"

»Ich hoffe es zu werden» mein bester Herr."

In anregendem Gespräch verfloß die Fahrt. Der Baumeister setzte Harald die Pläne des großen Baues auseinander ujte rechnete ihm vor, welcher Nuh-n dabei für ihn herausspringe., würde, wenn er die Lieferungen übernähme.

Harald härte lebhaft interessiert zu.

Da wäre er ja gerade zur rechten Zeit heimgekom­men!

Hätte er noch einige Wochen in Berlin verbunnneft, dann würde ihm diese günstige Gelegenheit entschlüpft fein.

Freilich, er mußte einige tausend Mark Anlagekapi­tal haben — aber die hoffte er bei irgend einer Bank aufzutreiben, wenn er ihr die abgeschlossenen Liefe- rungSberträge und Gewinnberechnungen' vorlegte. Es war ein glattes Geschäft» das einen guten Gewinn ver­sprach.

Mit freundschaftlich dankbarem Händedruck verab­schiedete er sich auf der letzten Station von dem Bau­meister, den er gleich für morgen zu einer Besichtigung des Steinbruchcs einlud.

Auf der Station ermattete ihn fein Wagen, eine elegante Holbcka'se mit zwei wertvollen Rappen, Tra­kehner Zucht, bespannt.

„Alles in Ordnung zu Hause, Friedrich?" fragte er den Kutscher.

„Jawohl, Herr Baron. Gestern war übrigens Herr Graf von Pehien wieder da, um nochmals nachnffrcr- gen, ob der Herr Baron die Rappen nicht verkaufen wollte. Der Herr Graf will wertausend Mark dafür zählen Die Frau Baronin aber meinte, daß die Rav. pen nicht verkäuflich seien. Der Herr Graf wollen noch­mals vorfragen."

„Gut, Friedrich — ich werde selbst an den Grafen . schreiben."

.Harald versank in Nachdenken, während der Wagen auf der regennassen Straße dahimollte.

Viertmssend Mark! Mit dieser Summe konnte er den Steinbruch und die Ziegelei sofort wieder in Be­trieb setzen! Und die Rappen waren eigentlich über, flüssig; die beiden alten Füchse, di er noch im Stall stehen hatte, gesägten vollständig für seine Bedürf, niiffe.

Die Besetzung von Frankfurt, Hanau unv Darmstadt.

lieber die Besetzung von Frankfurt erfahren wir: Die Stärke der dort eingerückten franz. Truppen beträgt etwa 20000 Mann. Sämtliche öffentlichen Gebäude sind besetzt, der Belagerungszustand ist verkündet wor­ben. Militärpatrouillen unb Streifen sorgen für Orb- nung aus ben Straßen. Alle Behörden arbeiten unter der Kontrolle der Besatzungstruppen, die aber bisher in bie innere Verwaltung noch nicht wesentlich einge­griffen haben. Die Franzosen haben die Sicherheits­polizei entwaffnet, ber blauen Polizei würben bagegen bie Waffen belassen. Zwischen 9 Uhr abenbs unb 5 Uhr früh ist ber Verkehr geschlossener Gruppen unb Versammlungen verboten. Es bürfen keine Zei­tungen erscheinen, es ist bie Briefzensur eingefährt unb ber Telephon- unb Telegrammverkehr gesperrt.

Der E.nmarsch in Darmstadt erfolgte um 4 Uhr morgens. Der hessische Staatspräsident hat gegen bas Einrücken der Truppen sofort Protest, erhaben. «Regierung unb Oberbürgermeister erließen einen Aus­ruf an bie Bevölkerung, in dem sie zu ruhigem Ver­halten ermahnen. Die Stärke ber Besatzungstruppen wirb mit 5—6000 Mann angegeben. In Darmstadt haben bie Franzosen auch bie Hauptpost besetzt, sie stnb aber im Gegensatz zu ihrem Vorgehen in Frank­furt nicht zur Absperrung bes Fernverkehrs geschritten.

Auch mit Hanau ist ber Drahtverkehr gesperrt. Auf bem Main ist vor Hanau bie französische Rhein­flottille eingetroffen. ,

Die Verhandlungen mit Frankreich.

Der französische Ministerpräsident Mille raub hat Dienstag vormittag ben beutschen Eeschasts.rager Mayer zu sich gebeten unb ihm von ber erfolgten Besetzung Frankfurts, Darmstabts und Hanaus Kennt­nis gegeben, sowie eine Note überreicht, in ber es heißt, daß die Besetzung ber drei Städte wieder aufge­hoben werben mürbe, (obalb bie beutschen Truppen aus ber neutralen Zone zurückgezogen seien. Mayer hat die Mitteilung zur Kenntnis genommen unb erklärt, sie fei­ner Regierung mltteilen zu wollen.

I Die deutsche Regierung wirb, wie von zuständiger Seite mitgeteilt wirb, sich mit aller Entschieben- heit gegen ein Verfahren wenben, bas ge­eignet ist, bie sich anbahnenden Beziehungen zwischen Deutschland) unb Frankreich auf bas ernsteste zu stören. Es kann nicht an eine ©efunbung ber p-litischen Ver­hältnisse gebucht werben, wenn solche, bas deutsche Em­pfinden auf bas tiefste beleidigenden Maßnahmen vor­genommen werden. Deutschland hatte alles getan, um dies unerhörte, weder mit dem Sinne bes Friebens- vertraaes noch mit dem geringfügigen Umfang unserer Ruhr-Aktion in Einklang stehenden Verfahren zu ver­hindern. Das geht aus ben geführten Verhandlungen I deutlich hervor.

Die Verhandlungen begonnen am 28. März mit einer Mitteilung der französischen Regierung, sie würbe bem Einmarsch ber beutschen Truppen in bie neutrale Zone zustimmen, wenn sie bie fünf Stöbt Frank­furt, Homburg, Hanau, Darmstadt unb Dieburg be­setzen könne. Dabei würbe hinzugefügt, baß bie lokalen Behörden weiter arbeiten unb in ben Bereich ber hessi­schen Regierung nicht eingegriffen werden sollte. Dieses

Leben und meift5 in der liberalen Parter genan- i den haben. Meine Herren, die vier Auflagen, die Da» I letzte Werk von David Strauß „Der alle und Der neue i Glaube", erlebt hat, die haben doch nicht Die SDjxal- I Demokraten oder die Arbeiter gekauft, dazu m Das 1 Buch zu teuer, dieses haben nur vereinzelte MUgueDer I der Sozialdemokratie sich anfcbaffen können. Den wert- I ans größten Teil der vier Auflagen hat das liberale i Bürgertum gekauft. (Sehr richtig!) I

Nun, wir haben diese atheistischen Ln- i sichten auf Grund unterer wissenschaftlichen lieber- l zeugung angenommen und wir halten uns für vor- l pflichtet, sie weiter zu verbreiten und >n ine I Dia ff en zu tragen. Warum soll nun das, was auf I der einen Seite erlaubt ist, auf der anderen verboten I fein. Bei uns macht man diese Anschauungen und ihre I Verbreitung zu staatsgefähnlichen Bestrebungen und I sucht uns durch ein Ausnahmegesetz, wie das vorliegende, I politisch tot zu machen." I

Mit welchem Eifer unb welchem Erfolg die Sozial- bemokrakie bie Ergebnisse ber sogenannten „Aufklärung aufgriff unb für bie breite Volksmasse verarbeitete, bas schillert in unübertrefflicher Weise Genosse Göhre, ehebem protestantischer Pfarrer, in seinem Buch: „Drei Monate als Fabrikarbeiter." Er kam bort in seinem persönlichen Verkehr mit ben Mit-Genossen zu ber An­sicht, baß bie Hauptagitation ber Partei, weit mehr noch ate aus politischem unb wirtschaftlichem, sich aus reli­giös e m Gebiete betätige. Die Sozialdemokratie habe mit einem kühnen Griff die „moderne Wissenschaft" (ber Aufklärung) popularisiert. Wörtlich schreibt er:

„Man verarbeitete bie Werke eines Darwin, eines Häckel, eines Büchner; man schlachtete Spinoza und Feuerbach, Schopenhauer und Hartmann aus; die neuen Forschungen ber Astronomie und Theologie wurden verwertet, und endlich fälschte man — im Zeitalter der Blüte der Geschicktsfo>schung — die ganze Weltgeschichte und verkündete sie dem armen Volk ausschließlich unter dem Gesichtspunkte dermateria11stischen Philosophie der ökonomischen Entwicklung. So entstand die jüngste Volksliteratur, ein einziger in seiner Art kühner und großartiger Versuch, in Verbindung mit der Verbreitung der neuen radikalen ökonomischen und politischen Lehre der Partei die ganze alte Bildung und Kultur, Christentum und Bibel aus Herz und Köpfen der Massen und auS der ganzen Welt hinaus- zufeaen."

Erschütternb ist, was derselbe Göhre über bie W i r- kung bieser Ausklärung berichtet:

„Und so fällt, mögen sie wollen ober nickt, Mann für Mann rettungslos Der neuen Gesinnung, der neuen sozialdemokratischen Weltanschauung anheim, wirft mit dem alten Gewissen den alten Glauben weg, ohne in dem neuen den Ersatz zu finden, dem man ihm versprochen hat. — DaS ist der Ton der vol­lendeten Hoffnungslosigkeit, der Verzweiflung an einem Zweck des Daseins. Einen Schritt weiter, und er kann in den Schrei der Wut, der Empörung um. schlagen, die alles zerstört, die an allem ver­zweifelt, weil sie an sich selbst verzweifeln mußte. Dann ist die Entfesselung aller Leidenscha ten, die Revolution des Volkes da — und sie wird in dem Augenblicke da sein, wo zu der religiösen Ver­wahrlosung der Industriearbeitermassen, die heute im ganzen vollendet ist, die sittliche tritt Hier a>so und nicht in Der politischen unDwirtschaftlichen Organisierung der Massen liegt der verhänmisvolle Einfluß bet sozialdemokratischen Agitation. Und hier in der Vernichtung des überlieferten Christen­tums hat sie ihren bisher größten Erfolg gehabt."

Das schrieb Genosse Göhre im Jahre 1911. Und heute? Haben wir nicht Wort für Wort bie Erfüllung einer Profchezeiung von Seiten eines Mannes, ber bie sozialdemokratische Volksseele sehr genau kannte? Wo sitzen also die eigentlichen Verbrecher, die bas „Volk von oben" unb bas „Volk von unten" in eine geistige Der-

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Der große Verbrecher.

H*;, haben bie Tat ber Kapp-Leute unb den durch . ^anlaßten roilben Aufruhr bes revolutionären Ge- jm Ruhrgebiet so oft verurtellt, baß wir nicht Derbacht kommen können, wir wollten bie Lnfcftreidiler von rechts ober von Finte von ihrer reinwaschen. Aber es ist bie Frage: Sind Z; und Konsorten oder die Rotgardisten wirklich ^einzig Schuldigen, sind sie überhaupt die ts chu lb i g en?

Die Antwort kann unsererseits nur ein Netn L- D»r Hauptschuldige, der bie Revolutionäre balb EfRoletarierfittel, balb im eleganten Frack, balb in ordensstrotzenben Generalsuniform vorschickt, sich M» ub.r unbeachtet im Hintergründe hält, ist die ffei h e i sti g e Aufklärung, die jeglichen Gottes-

Cwigkeitsgiauben und damit auch jegliches ernst- iZ Miche Bewußtsein unb jette burchschlagenbe Au- Stät vernichtet hat. Der alte griechische Heide March hatte doch recht, wenn er sagte, daß eher eine tztadt ohne Mauern als ein Staat ahne Religion be- »chen könne.

Und Washington, ber große amerikanische Staatsmann ebenfalls, wenn er erklärte: „Religion ist die unerläßliche Stütze ber Gesellschaft unb bas einzige Fundament bes Staates".

Und Napoleon, wahrhaftig ein großer Geist uid Staatsmann, stanb nicht an zu behaupten: „Ich veiß aus ber Geschichte ber Völker, baß man kein Volk groß machen unb erziehen kann ohne Religion."

Wie hat man in unseren Tagen Über diesen Köh­lerglauben ber guten alten Zeit gelächelt. Zur Zeit ber Fadrikschornsteine, ber Funkentelegraphie, ber Dampf­est unb Elektrizität glaubte man auf solche „Miktel- chen" aus einer Zeit ber „Unbilbung" verzichten zu kön­nen. Der Liberalismus glaubte bie Religion durch Mmig entbehrlich machen zu können; bie Sozialbemo­kratie glaubte sie burch Sozialismus unb wirtschaftliche Maßnahmen entbehrlich zu machen. Wenn je, fo sehen wir in unseren unglücklichen Tagen, baß man mit ber llnterhöhlung bes Glaubens unb ber Religion bas ganze Funbament bei Gesellschaft unb des Staates unterwühlt hat. Es trägt ein­fach nicht mehr unb bricht balb hier, balb bort bei jeder schwereren Belastung ein.

Die Hauptträger dieser seichten Aufklärung waren Liberalismus (den ja bekanntlich Bismarck bie Larfrucht bes Sozialismus nannte) unb Sozialis­mus. Der Liberalismus hat es leibet verstanden, sich einen beherrschenden Einfluß auf unsere S t a a t s u v i- perfitäten zu sichern unb hat mit ihrer Hilfe bie fugen. „Aufklärung", b. h. den krassesten Unglauben in weite Reihen der Gebildeten hineingebracht. Von hier Werfe bas Gift burch bie jübisch-heibnischen Kanäle ei­nes Marx, Lassalle unb Engels in bie breiten Massen des Proletariats, bas burch fein wirtschaftliches unb «htllches Elend für foldje zerstörenden Tendenzen nur W empfänglich geworben war. Es klingt heute, wo vir die ganzen furch'baren Zerstörungen unb Auswir­kungen dieser freigeistigen Aufklärung überblicken kan­ten. wie eine furchtbare Anklage, wenn wir lesen, was "edel am 16. September 1878 im Reichstage sprach: l .Sie greifen ferner meine Herren, unsere An- tchauungen tn Bezug auf die Reltgion an, die atT-ci» Nische und materialistische seien. Ich erkenne Ms jür richtig an, obgleich ich hier ausdrücklich er- 'uren muß, daß die Sozialdemokratie nicht verlangt, ”b ihre Anhänger in religiösen Dingen eine bestimmte "emung haben müssen.--

Zu sagen: die sozialistische Partei iff atheistisch MtloS) ist verkehrt und unrichtig, ob leid) ich fest xNube, daß der Sozialismus schließlich zum Atheismus führen wird. (Sehr richtig!)

Wer hat denn aber diese atheistischen Lehren, die Men jo viel Sorge und Verdruß machen, wissen- tttaftüch und philosophisch begründet?

Verantwortlich für den redattlonellen Teil: Karl Schütte» r. für die Anzeigen: I. Parze Iler-Fulda. •- Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Rr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

In einem Schreiben, bas ber französische Minister- präsibent Milleranb an ben beutschen Geschäfts­träger Mayer in Paris gerichtet hat, verweist er auf bie Artikel 42 unb 43 bes Versailler Friedensvertrages, bie burch bie Besetzung des Ruhrgebietes burch bie Reichs­wehrtruppen verletzt seien, was „einen feinblichen Akt bedeute, der ben Frieden der Welt störe» müsse".

Wer wirklich glaubt, baß bas „siegreiche" Frank­reich, so sehr es auch eine unbegreifliche Nervosität zeigt, bie Handvoll Reichswehrtruppen, bie in bas Ruhrgebiet eingerückt sind, fürchtet unb Sorge hat, baß sie ben „Frieben ber Welt stören" könnten, ber kriegt einen Taler. Nein, Millerand folgt anderen Ideen. Er will bas Ansehen seiner Regierung stärken unb bem Laube beweisen, daß er gegenüber Deutschland nicht schwäch­lich sei. Man hofft auch roeitft durch die Besetzung von Frankfurt, Hanau und Darmstadt bas innere Gefüge Deutschlands zu erschüttern unb hat auch gebucht, daß es vorteilhaft sein könnte, bas Chaos im Ruhrgebiet dauern unb anwachsen zu lassen, weil dann die rhein­ländische Bevölkerung sich bewogen fühlen könnte, su­chend nach dem „reitenden" Frankreich hinüberzusehen. Darum ist Herr Millerand nicht einverstanden mit ber deutschen Maßnahme, die allein bie Anarchie beenden, Leben unb Eigentum sichern unb sowohl bie Kohlenlie­ferungen wie die Aufsammlung ber Waffen ermög-

Jn dem behaglich erwärmten und erleuchteten, eie. ganten Salon empfingen ihn seine Mutter und seine Schwestern.

* Hier merkte man nichts von dem Verfall des Gu­tes, denn die Baronin sorgte vor allem dafür, daß Me vornehme, behaollcke Ausstattung ihrer Wohnräume ev- halten blieb. Daß Wichtigerer darunter litt, kam ihr vielleicht kaum zmn Bewußtsein. Seit ihrer Jugend war sie an diesen Komfort gewöhnt, der ihr ein unbe­dingtes Bedürfnis war.

„Es war eine traurige Zeit," sagte bie Baronin mit kläglicher Stimme, „und nur die Hoffnung, daß Du mit guter Nachricht heimkehren würdest, ließ mich und Deine Schwestern ausharren. Hoffentlich hast Du Dein Ziel erreicht. Eine Veckindung mit ber Tochter des Ministers enthebt uns aller Schwierigkeiten."

„Leider ist diese Hoffnung rncht in Erfüllung ge. ganzen, liebe Mama," entgegnete Harald nicht ohne einige Befangenheit.

„Wie soll ich das verstehen, Harald? Du schriebst mir doch —?"

„Ich schrieb, daß ich in Fräulein Else ein liebens­würdiges, edles Mädchen kennen gelernt hätte — ge­wiß. Aber ich habe mir einen Korb geholt I"

„.Harald! Wie ist das möglich?"

„Laß mich über die Einzelheiten vorläufig schwei­gen, Mama. Vielleicht erzähle ich sie Dir später ein. mal. Jetzt muß es Dir genügen, daß ick nicht bie ge- ring'te Hoffnung habe, durch eine reiche Partie unser« Verhältnisse zu ordnen und daß es auch nicht in mei­ner Absicht liegt, mich nach dieser Richtung hin noch weiter zu bemühen."

„Aber, Harald, was soll denn nun werden?"

„Ich werde arbeiten! Ich habe schon einen Plan gefaßt, von dessen Durchführung ich hoffe, nach und nach der vielen Schwierigkeiten Herr zu werden."

Die Baronin sah ihren Sohn starr und tote er. schrocken äh.

„Tu willst doch nicht etwa Fredersdorfs verkau­fen?"

„Nein, ich denke nicht daran. Denn gerade der eigene Grund und Boden foll mir das Mittel bieten, | um mich emporzuarbeiten. Noch liegen ungehobene I Schätze in diesem eigenen Grund und Boden — toir I haben es nur nicht verstanden, sie zu heben," , , 1 - (Sortierung folgt.)