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47. Zatzig

Dienstag, 6. April 1920

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denen auch Artillerie di

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Der Arbeit Lohn,

ein Herr in das Kupee

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das alte Steinloch Ich muß mich

ich mit leistungsfähigen Bauunternehmern könnte," murmelte Harald vor sich bin.

noch ganz nutzbringend doch einmal darum be-

Wenn es im Nachbarhaufe brennt, dann fordert Menschenpflicht, daß man bei den Löscharbeiten nach

„Wenn anknüpfen „ließe sich verwenden, mühen . .

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heraus, welche man sparen konnte.

Freilich, feine Mutter und seine den sehr inyirf rieben sein, wenn er schränkungen tatsächlich Ernst machte.

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Schwestern wür- mit diesen Ein- Aber das scha-

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In diesem Augenblick stieg und grüßte Harald höflich.

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Den Inspektor, für den er auch noch ein Reirpserd halten mußte, brauchte er mich nidrt. Dessen Geschäfte konnte er selbst besorgen; ein einfacher Hofverwalter würde genügen.

Auch die großen Jagden, Jagddiners und Abendge. sellschaften konnte» fortsallen.

Auf diese Weise kamen schon mehrere tausend Mack

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da doch zu schweren Kämpfen gekommen, bei

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Der Einmarsch vcr Reichswehr 1

in das Ruhrgebiet.

Die Polizeiaktion gegen die Plündererbonden im Ruhrgebiet hat am Samstag begonnen, da von den be­waffneten Aufständischen die getroffenen Vereinbarun­gen in keiner Weise beachtet wurden und auch die An­forderungen der Arbeiterführer, sich an die Abmachun­gen zu halten, keine Beachtung fanden. Nach den Vereinbarungen, die der Reichskommissar Severing und General Watter mit den Arbeiterführern getroffen hassen, sollten am Samstag mit'ag die Vereinbarungen erfüllt sein. Da das nicht geschehen war, hat Reichs­kommissar Severing freie Hand erhol en. Der Vor­marsch der Truppen im Ruhrrevier ging gleichzeilig in zwei Richtungen vor sich, von Norden her in der Rich­tung auf Duisburg, von Osten her gegen Unna. Der größte Teil der unruhigen Städte ist b e- reits besetzt worden. Die Reichswehrtruppen sind einoerückt und haben die Entwaffnung vorgenom­men. Die Truppen des Generals Watter führen übri­gens, um Irrtümer zu vermeiden, schwarzrotgoldene Fahnen und Abzeichen mit sich. Die roten Banden fliehen und plündern das flache Land. Trotz allen Be­mühens, Kämpfe möglichst zu vermeiden und dlirch den Druck der aufaebotenen Truppen die wilden Banden zur Nie-erlegung der Waffen zu zwingen, ist es hier und

Kräften hilft. Wer das nicht will, muß anstandshal­ber wenigstens seine Hände in den eigenen Taschen halten. Wie urteilt man über einen Mann, der die Löscharbeiten erschwert und das Schadenfeuer als Ge­legenheit zum Raub benutzt?

Die französische Politik bewegt sich in den Bahnen dieses unbarmherzigen und habgierigen Mannes. Man erschwert uns die Unterdrückung des schrecklichen Auf­ruhrs im Nordwesten Deutschlands, man nutzt das Unglück des Nachbarn aus zur Ausdehnung der Okkupation, wenigstens zur „Eroberung" von Frank­furt, Hanau und Darmstadt.

Die Gesinnung, die sich hier im Großen zeigt, tritt auch in kleineren Einzelheiten zu Tage. Die Belgier gleichen dem Affen, der auf dem Rücken des Tigers fitzt. Die Kommission zur Feststellung der deutsch­belgischen Grenze hat auf Antrag der Belgier unter Einfluß der Franzosen beschlossen, die durch den Kreis Monschau gehende Eisenbahnlinie Belgien zu über­weisen, obschon sie damit die Vollmachten aus dem Friedensvertrag überschreitet und deutsche Landstriche von ihrem natürlichen und notwendigen Verkehr ver­gewaltigt.

Die Franzosen sagen, sie seien Gegner des Bolsche­wismus; aber sie können ihre Schadenfreude nicht verhehlen, wenn hier oder dort in Deutschland ein bolschewistisches Unwesen ausbricht. Sie berufen sich auf den Wortlaut der verzwickten Paragraphen des Diktatfriedens, ohne sich daran ,u kehren, daß diese Bestimmungen, die vor einem Jahr raffiniert ausge­klügelt sind, unter den gegenwärtigen Verhältnissen es der deutschen Regierung geradezu unmöglich ma­chen, die Ordnung und die Arbeit aufrecht zu erhalten in einem Gebiet, das für die Erfüllung der deutschen Leistungen insbesondere auch für die Kohlenlieferungen an Frankreich, ausschlaggebend ist.

Frankreich schädigt schließlich sich selbst, wenn es weiter auf die Zerrüttung und Lähmung Deutschlands hinarbeitet. Aber diese Zukunftsgefahr schieben die Staatskünstler von Paris bei Seite, um den lockenden Augenblicksvorteil einer erweiterten^ Okkupation ein- heimsen unf zugleich ihren Rachegefühlen Genugtuung zu verschaffen. In der gegenwärtigen Krisis muhte für die Franzosen gerade das wirtschaftspolitsche Inte­resse bestimmend sein. Es handelt sich um die Erhal- I tung der deutschen Gütererzeugung in dem wichtigsten Snbuftrwgebiet, und ixm der dortigen Produktion hängt auch das ab, was die Franzosen auf das Dring­lichste von uns verlangen.

Was die kurzsichtige Gehässigkeit anrichtet, will man durch das Vorschieben der „Sicherheit Frankreichs" bemänteln. In diesem Augenbsick ist die angebliche Angst vor einem neuen Angriff auf Frankreich wirklich lächerlich. Mit dem kärglichen Rest unserer Truppen und sonstigen Ordnungswehren reichen wir kaum aus, um die Ruhestörer im eigenen Lande im Zaume zu halten. Die Minister und die Koalitionsparteien müs­sen heilfroh fein, wenn sie aus der Hand in den Mund ihr Regiment fristen können. Außerhalb des Irren­hauses kann kein Mensch in Deutschland, nicht einmal ein Kappist, an einen Revanchekrieg denken. Aber das „siegreiche" Frankreich behauptet, es müsse zittern, wenn ein paar tausend Tmppen zeitweilig in der neutralen Zone auf räumen!

Aus England meldet man vernünftige Presse- äußerungen, wonach der deutschen Regierung gestattet werden müsie, die notwendigen Maßregeln gegen die Aufrührer zu ergreifen. Aber wo bleibt der Einfluß der Engländer auf die heimtückischen Pariser?

Wir kommen nicht zur Ruhe, bis das sranzösische Volk sich eine Regierung der Menschlichkeit und Ver­nunft gibt.

bete nichts; er hatte es sich selbst ter genommen, sich ans eigener Kraft emparznarbeiten — da durften die Lärmen feiner Angehörigen nicht nritsprechen.

MS der Zug an einer Station hielt, erblickte Harald in einiger Entfernung ein hatbfertiges großes Gebäude; irgend eine Anstalt oder eine Fabrik. Mehrere mit Steinen schwer beladene Wagen standen auf einem Ne. bengleise und Arbeiter waren beschäftigt, diese Steine auf Fuhrwerke zu verladen.

Unwillkürlich lenkte dieser Vorgang Harald? Ge­danken auf feinen alten Steinbruch im Frcdersdorffer Wald, in dem nur noch gelegentlich Steine gebrochen wurden, da in der Umgegend kein Absatz für dieselben zu erzielen war.

der Befreiung des gefährdeten Gebiets ist in Kürze die Wiederkehr von Ruhe und Ordnung zu erhoffen.

Die Politik der Geduld.

Die Befreiung des Ruhrgebietes ist jetzt endlich im Gange. Es hat lange gedauert, die Reichsregie­rung ist gegen die aufrührerifchen Roten mit sehr viel Langmut vorgegangen. Mit mehr Vorsicht und Ge­duld, als den gequälten Einwohnern der vergewal­tigten Ortschaften lieb ist. In der Tat ist es sehr traurig und hat etwas Beschämendes an sich, daß den dringenden Hilferufen um Schutz gegen Plünde­rer und Mörder flicht sofort durch scharfes Vorgehen der Ordnungstruppen entsprochen werden konnte.

Don rechts her wird vielfach behauptet, die Nach­sicht und Geduld würde nur gegen die bolschewistischen Aufrührer geübt, während gegen Kapp und seine Ge­folgschaft mit voller Schärfe vorgegangen werde. Das stimmt nicht ganz; denn als die meuternden Truppen von Döberitz gegen Berlin vorrückten, ist die Reichs­regierung dem Straßenkampf ausgewichen und hat sich zur Flucht entschlossen, die nicht gerade imposant, aber doch das kleinere liebel war. Sie hat auch nicht sofort die treugebliebenen Truppen aus dem Reiche zur Wiedereroberung von Berlin zusammengezogen, sondern geduldig gewartet, bis die Berliner Revolte am Widerstand der Bevölkerung in sich zusammen- brach.

Es galt nicht allein, die Macht Kapps zu bre­chen, sondern auch die Fortsetzung des Generalstreiks und die damit verbundene Erhebung der frevelh'aften Elemente aus der äußersten Linken nach Möglichkeit zu verhüten. Es waren Verhandlungen notwendig, weil ein rücksichtsloses Vorgehen, rein praktisch be­trachtet, zu den schwersten Folgen führen konnte. Es ist die Drohung gefallen, bei militärischem Eingreifen würden die Indu'striewerke in die Luft fliegen, wür­den die Gruben ersäuft werden. Mit solchen entsetz- sichen Taten mußte man sicherlich rechnen, und es ist nicht Schwache, wenn man in der Stunde der höch- ften Gefahr das Wohl des Ganzen anderer Rücksich-

„Nein, sie dentt gar nicht daran, HanSI Und ba» ist mir auch ganz recht. Ich hatte sie ja eigentlich auch nicht lieb. Ja, mein Junge, ich atme ordentlich er. leichtert auf, daß ich dem lieben Geschöpf nichts mehr vorzuflunkern brauche."

„Der Grundstein alles Glücke? ist und bleibt ja doch nun einmal die Liebe", sagte Harald nach einer kurzen Pauset, „aber die erste, tiefe Liebe, die durch nichts l»e- fiegt’toirb —1 und noch eins. Hans; treue Pflichterfül. lung, zielbewußte Arbeit . . . bas hat mich die kleine Else gelehrt, und dafür Bin ich ihr von Herzen dankbar."

„Was willst Du denn nun beginnen?"

„Nach jenem Rezept leben imb versuchen, ob ich die verfahrene Karre meines Lebens wieder flott machen kann."

„Tu willst auf Fredersdorfs bleiben?"

„Ja, fo lange tote es irgend geht?"

„Und toervn eS nicht mehr geht?"

„Tann fahre ich in die weite Welt — nach Süd­afrika —"

„Aha, nach Johannesburgl"

„Warum nicht? Ich glaube, Ebelgcrrd und ich wür­den uns jetzt schon durch bas Leben fragen."

„Harald, Du liebst sie noch immer?"

„Mehr denn je, .Hans! Doch laß uns nicht davon sprechen. Der Zugführer pfeift . . . Adieu, mein Junge. Zur Jagd kann ich Dich nicht mehr einladen, aber will­kommen^ bist Du mir jederzeit. Das weißt Du."

Die beiden Freunde drückten sich noch einmal die Hand.

Dann gellte der Pfiff der Lokomotive, der Zug fetzte sich in Bewegung und Harald lehnte sich bequem in eine Ecke des Kupees, zündete sich eine Zigarre an und schaute sinnend den blamn Dampfwölkchen nach.

Sein Gesicht nahm jetzt einen recht ernsten Aus­druck an. Er dachte darüber nach, wie et sich fein Leben fernerhin einzurichten habe. Arbeit, schwere harte Ar­beit muhte seine Losung fein, wenn er alle Schwierig­keiten überwinden wollte.. Er überlegte, welche Ver- befferungen er vornehmen, welche Ersparnisse er ma­chen könne — und da mit einemmal fielen ihm ein« Menge Tinge ein, die entbehrlich waren.

Wozu brauchte er denn vier KutsclPferde und zwei Reitpferde zu halten? Mit einem Pferde konnte er recht gut auskommen. Freilich, seine Schwestern wa. ren dann gezwungen, das Reiten auszuaeben, und seine . Mutter konnte auch nicht jederzeit einen Wagen zur 1 Verfügung habe»

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Noch ein warmer Druck ihrer Hand, ein leiden, schastlicher Blick ihrer Augen, ein wehmutsvolles Lä- ckeln ihres Mundes und sie eilte davon der breiten Straße zu, auf welcher ihr Wagen langsam auf und Ä> fuhr.

» Rasch ftieg sie ein — ein letzter Wink ihrer Hand •** dann rollte der Wagen davon. ,

Harald ftöstelte. Er zog den Pelz fester um die Schultern und schritt bann langsam dem Brandenbur­ger Dor zu.

Sein Hetz war unendlich weich gestimmt und durch feine Seele zog schmerzliche Wehmut. Und dennoch Nchlte er lief' innerlich gehoben, innerlich gesestigt — des Glück und der Schmerz dieser Stunde hatten sein Besen von der letzten Schlacke geläutert, daß reines Gold echter, edler Mcmnhasigkeit fein ganzes Sein durchglühte.

15. Kapitel

„Lebewohl, .Hans, mein lieber alter Junge, ich muß mm sehen, wie ich allein mit mit fertig werde. Du aber habe' herzlichen Dank für Deine Teilnahme und Freundschaft, die Du mir in dieser Zeit erwiesen hast."

„Harald reichte seinem Freunde und Vetter HanS Beben roth aus dem Kupeesenster heraus die Hand zum testen Abschiede.

Hans hielt die Hand fest.

.Harald, Du weißt, daß ich Dir gern helfen niöchte."

.Ja, ich weiß es, Hans. Aber Du kannst es ebenso foenig, wie irgend ein anderer Mensch wich selbst ausgenommen. Der Dries der kleimn Else, den Du ja auch gelesen hast, hat mich gelehrt, daß derjenige bricht ist, welcher sich auf andere Menschen verlaßt.

dieser kleinen Dame steckt ein ganzer Manin Han->. Sic hat mir ordentlich die Leviten gelesen ^vic ;non k zu sagen pflegt. Sie kann mich nicht eb haben/ keil ich ein Schwächling bin —'

„Harald!"

„Ja, das ist der langen Rede ftwjer nn. Ich soll mich auf mich selbst besinnen imb em ^ann lein, dann könne ich auch stoch glücklich werden, ^s.ehst Du, das ist seht schön gesagt von dem kleinen Fräulein und ich möchte Dir raten, -doch einmal nachzufragen, <6 Du vielleicht der richtige Mann bist!" - Abv- L>-rrald — sie bat Dich doch lieb1

„Wieder zurück aus Berlin, Herr Baron?" fragte der Ankömmling.

Harald erkannte den Regietungsbaumeistet .Har. tung des Regierungsbezirkes, in welchem FrederSdorff lag.

„Ja, Herr Baumeister. Man muß doch auf seinem Gute mal nach dem Rechten sehen."

„Gewiß. Wo das Auge des Herrn sohlt, geht mef. stens alles drunter und drüber."

„Sie kommen auch aus Berlin, Herr Baumeister?"

„Nein und ja — ich war freilich mehrere Tage in Berlin beim Minister. Sie wissen doch, daß in un* ferem Bezirk die große Provin^-^rrenanstalt gebaut lverde» koll?"

(gortleäuufl folat)

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Reichswehr hat bei den Kämpfen nicht unerhebliche Verluste gehabt. Es wird damit gerechnet, daß binnen wenigen Tagen die Polizeiaktion abgeschlossen sein wird. An ihr haben neben norddeutschen Kontingenten auch bayerische und württembergische Verbände teilge- nommen.

wtb Berlin, 3. April. Bon zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Duisburg, Karnap, Reckling. Hausen imb Oberhaus en sinb bereits am Sams, tag von der Reichswehr entsetzt worden. Die einrücken­den Truppenverbände her Reichswehr sind von der Be­völkerung mit höchster Befriedigung b e- grüßt worden Nach Tagen schwerer Not, Angst und Bedrängung sieht das Industriegebiet in den im Auf­trag der ReichSregierung Hilfe bringenden Truppen seine Befreier, rmd die Dankbarkeit ist allgemein. Die Erbittern ng gegen die roten Banden, ber-n Aus. schreitunqen Saab unb Städte tagelang in Schrecken und Angst versetzt haben, ist außerordentlich groß, zumal diese Banden noch im Zurückgehen unb in bet Auflösung sieb neue Gewalttaten zuschulden kommen lassen. Die Terroristen, die einsehen, daß ifire Herrschaft sich dem Ende zuneigt, suchen bnrcfi Räube­reien unb Erpressungen noch möglichst viel Geld unb Gut zusammenzuraffen. Aus den noch nickt befreiten Gebieten kommen immer wieder Hilferufe von Orgam» saflonen und einzelnen Vertretern aller Berufe und Parteien. Die maßvolle Haltung der mit her Reini­gungsaktion betrauten Truppen wird allgemein aner­kannt.

wtb Berlin, 3. April. Nach emgelaufenen Nachrich­ten werden in Bochum, Lauenberg, Heiligenhaus unb anberen bergischen Orten die Waffen abgege­ben. Dortmunb verweigert immer noch bie Waf. fenabfabe. Recklingbausen linrb von ber Reichswehr mrck Waffen abgefticht. Von der Bevölkerung Reckling" hausens, die 62 000 Seelen zählt, waren nur 200 den roten Garden ungegliedert. Bei Essen und in der Umgebung wird durch die flüchtenden Banden großer Terror ausgeübt. Das Arbeitsamt und die öffem- lichen Kassen wurden gestürmt, doch hielten die Tresors den Angriffen stand In den Sckuhwarengeickäften er­scheinen Leute mit Ausweisen, entnehmen Schuhe und behmwten, die Stadtvertvaltimg löse die Ausweise ein. Ein ähnlicker Terror wird in den KonfektionA-, Schuh­waren- unb Lebensnriftelgefchäften ausgeükst. Ser u». gerichtete Schaden beträgt Hunde rtftniiende. Boni Postbirektor würben mit vorgehaltener Pistole 120 000 Mark erpreßt. Jtzi Mülheim sinb 500 000 Mark von ber Stadtkasse erpreßt worden, angeblich,zur Löh­nung ber Reichswehrtruppen. Auf ber Zecke Wiese ist eine größere Menge Dynamit entnommen worden.

Berontwortlich für den rebaltionelltn Teil: Karl Schutte :: für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. ••

Rotationsdruck u. Verlag ber Fuldaer Actiendruckere, in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr -Adreffe: Fuldaer Zeitung

wtb Köln, 3. April. Aus Remscheid wird S& meidet: Nacl-de-n am Gründonnerstag abends S « Remscheider Arbeiterschaft den Abbruch tea ©cneuxU streiks beschlossen hatte, alatmier.e eine Rot.e bewaft. neter Spartakisten, denen ter nicht SU>agt

durch Gewehrschüsse die Arbeiter,icherheft-wehr, um n« für ihre Zwecke zu mißbrauchen. Tre,eS Selang d-n Spartakisten aber nickt, sie vollfuhrten dann mit ihren Getvehren stundenlange Sckietzereien und d«n 'w die Stadlkirche ein. Tort läuteten ,ic mit allen ® Sturnr Gegen Mitternacht gelang es, dem Un ug- durch"ßen die Bürgerschaft rn größte Erregungvmetzt worden war, ein £nbe zu machen. "7.^as BezirDarr tell der christlichen G e w e r! s ch a f t t e N^des München.Gladbacher Bezirks .erklärt di- Stücken Geiverksckafien feien vom Ge,amtverbande angewiejetl un7 verpflichtet worden, gegen den weiteren General, ftreikunsinn zu wirken und mit razu beizmra^en, daß wieder Ruhe und Ordnung Eintritt.

Bochum, 3. April. ' Auf ihrer Flucht' verüb len bie Rotgardisten vielfach PlunderunMn. In Gelsen­kirchen wurden die großen Ge,ckafte an der Bazn- hosstrciße schlver heimgesucht. Für viele Tausende Mark Waren (hauptsächlich Bekleidungsstücke und <Shuhe> wurden weggeschleppt. Auch ichwere Lkalle von Erpre, fimgen werden gemeldet. In ernennen ö«Jen trurben Privatpersonen unter Drohungen Betrage frU 30 000 Mark abgepreßt. In Buer Erlangten bte Krt. gardisten außer ber Löhnung die Au-zahlung einer Besckaffunasbeihilfe von.1000 Mark Pro Mann Der SSÄ ****** y'suspft hnrrbe iytreuf tnit betn ^obe frebiof)!. $ CI

ben sich die Siotgardisten mit je 100 Mark zufrieden d:-. ans freiwilligen Beiträgen der gecmgmgtcH Burger. '^wtb^Der»n?5^ April. (Amtlich.) Dir,Polizeiaktion im Ruhrgebiet nimmt einen planmäßigen -»et- lau f/Um Städte und Ortschaften und im besonderen die friedliche Bevölkerung zu schonen, euch alten ftch die Tmppen aller nicht unbedingt erforderlichen Kampf­handlungen, was an die Leistungsfähigkeit und den Opfersinn der Truppen, unter denen sich mehrere süd­deutsche Formaftonen befinden, eine garz besondere Ausgabe stellt. Zur Zeit steht die Reichswehr nörd­lich v o » B o t t r o p, das noch nicht besetzi ist. Oest- sich von Dortmund, in das die ersten Abteilungen soeben eingebrungen sind, gehen die Truppin m der Linie Lünen-Kamen gegen erhebliche stmkere Ab­teilungen der Roten Banden vor. Auch un Landkreise Hörde schreitet die Reinigungsaktion vorwärts. Der Bahnhof Wickede wurde von den Rotm Truppen gestürmt, ebenso die Zechen „Admiral" und „Glue auf . 3n Dortmunb selbst haben erhebliche Plünderungen stattgefunden. In Essen nehmen die Plünderungen ihren Fortgang. Die Konsumanstalt von Krupp ist gestern abeiid beraubt worden. Auch die ländliche Bevölkerung zwischen Essen, Delbert und Mülheim leidet erheblich unter Plünderungen. Sehr ernst ist auch immer noch die Lage in der Stadt M ü l h e l m, wenn sich auch das Gros der Roten Banden, das bis- I her dort gelegen hat, zu verlaufen beginnt. Der Abg.

Hue hat ausdrücklich erklärt, daß eine Beruhigung von Essen und Mülheim ohne Einsetzung des Militärs un­durchführbar fei. Es ist zu erwarten, daß am Diens­tag oder Mittwoch Essen entsetzt werden kann. Dat.- Zentralrat soll aus Essen geflohen sein, an­geblich hat er sich nach B a r m e n begeben. Hier, wie überhaupt im bergischen Lanbe, so in Düsseldorf, herr­schen im großen und ganzen Ruhe und Ordnung.

wtb Berlin, 5. April. Anstatt sich für die Durch­führung des Bielefelder Abkommens einzufetzen, sucht die sogenannte Kampfleitung der Roten Truppen deren Wider st and noch zu steigern, indem sie behauptet, daß die Reichswehr durch Sperr­feuer hinter den Roten Linien deren Auflösung ver­hindere, und daß Abteilungen der Reichswehr felb- ftänbig vorgehen. Demgegenüber wird auf das nach­drücklichste festgeftellt, daß alle militärischen Operatio­nen nur im Einvernehmen mit dem Reichskommissar Severing erfolgen, der sich dabei von dem Gesichtspunkt I leiten läßt, baldmöglichst Ruhe und Ordnung wieder- I herzustellen. Alle noch notwendigen Kampfhandlungen I sind allein dem sinnlosen Widerstand der No- I ten Kampfleitung oder der verbrecherischen Ge-. I smnung der ihrer Führung entglittenen Banden zuzu- I schreiben. Noch immer werden Plünderungen und Gewalttaten gemeldet. Infolge des raschen Fortgangs

Fpankfurt von den Franzosen besetzt.

□ Hanau, 5. April. (Tel.) Truppenabteilungen

I Franzosen sind heute morgen gegen 4 Uhr i in Frankfurt eingerückt.

□ Hanau, 6. April. (Tel.) Auch Hanau erwartet ; .^dsich den Einmarsch der Franzosen. Bis heute Jörgen 11 Uhr sind sie indessen noch nicht erschienen.

*

Der Einmarsch ist erfolgt, well deutsche Regie- s funqetruppen zur Wiederherstellung der Ordnung in kN» Äusstandgebiet, das in der Hauptsache in der neutralen Zone liegt, eingerückt sind. Die Regierung [ sich bekanntlich zu diesem militärischen Borgehen ^schließen müssen, da die Nachrichten aus dem Ruhr­aebiet jedes weitere Zögern unmöglich machten. Die deutsche Regierung hat durch ihren Geschäftsträger Mayer in Paris dem französischen Ministerpräsi­denten mitteilen lassen, daß der Einmarsch hätte er- iotoen müssen, ohne daß die Zustimmung der Emente hätte abgewartet werden können. Es werde :nhefien nachträglich um die Zustimmung nachgesucht. Der Einmarsch wäre aber notwendig gewesen, weil die friedlichc Bevölkerung der Kohlenbergwerke unb r die Erfüllung des Friedensvertrages aufs äußerste durch die wilden Banden gefährdet worden feien. Alle Parteien einschließlich der Unabhängigen hätten um sosartige und rasche Hilfe nachgesucht, die von der deutschen Regienmg nunmehr gewährt worden sei, nachdem alle anderen Mittel erschöpft gewesen seien. Set diesen Mitteilungen hat der deutsche Geschäfts­träger in Paris auch darmrf hirigewiefen, daß bis jetzt die Dentfchland nach dem Abkommen vom 6. August in der neutralen Zone gestattete Truppen­zahl noch nicht erreicht worden sei. Es seien nur die bis dahin verstreuten Bataillone auf ein be­grenztes Gebiet zusammengezogen worden. Die dring­lichen Bemühungen der Regierung, die Zustimmung Frankreichs zu dem militärischen Vorgehen zu erhal­ten, sind aber vergeblich gewesen. Die franzö- i fische Regierung hat ankündigen lassen, daß außer Frankfurt auch Darmstadt, Hanau und Hornburg besetzt werden würden. Die Besetzung Mw einzig unb allein den Zweck, als Antwort auf die Verletzung des Friedensvertrages Pfänber zu erhalten. Wenn «die Alliierten in Deutschlanb neue Gebiete besetzen, so werde das außerhalb des Ruhrbeckens erfolgen.

I Berlin, 6. April. Die englisch -Presse behauptet, daß England sowohl wie die Vereinigten Staaten den Vormarsch der französischen Truppen fin unbesetzten deutschen Gebiet ablehnen. Nichtsdesto­weniger fst der Ton der ftanzöstschen Presse Deutschland genüber herausfordernd. Die letzte Kammerrebe Milleranbs, in der wieder alle oo iiDeutfchland angeb­lich begangenen Verletzungen des Friedensvertrages aufgezählt waren unb die Worte vorkamen: „Nun ist es genug!" hat in Frankreich die nationalistischen In­stinkte neu aufgepeitscht, sie ist dort als ein Beweis da- für begrüßt unb gefeiert worben, daß die französische Regierung entschlossm fei, sich gewaltsam neue Vorteile zu sichern. Italien soll nach einer Meldung der „Agencia Romana" unter gewissen Bedingungen mit der Entsendung deutscher Regierungsftuppen in das Ruhrgebiet einverstanden fein. Auf die Frage, ob zu den gewissen Bedingungen die Besetzung Frankfurts gehöre, erwiderte Nitsi entschieden nein, nur müßten die deutschen Truppen die Bürgschaft geben, daß die Besetzung eine vorübergehende sei.