47. Zahrg
Samstag, 3. April 1920
Nr. 78
Bemaspreis: Monatlich 2.00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fu da bei unsabgeho't 2,10 AU. Anzeigenpre s: DieKleinzeile (Colonelmafj) 50 pjg., u. 10° » Zu'chloa, die Reklame,eile (Textbreiie) 1.50 AU., u. 10% Zuschlag. Lei Wi-derhck Rabatt.
erzwungen worden sei, indem die roten Truppen morgens die Schächte und die Eingänge zu den Fabriken besetzten und in den Straßen aus die zur Arbeit gehenden Arbeiter schossen. In Duisburg haben auch die Unabhängigen dringend das Einrücken der Reichswehr rlangt. In Essen haben Leute die Herrschaft in oer Hand, die dort kein Mensch kennt. Die Hoffnung auf Ablieferung der Waffen hat sich nur in geringem Maße erfüllt. In Mülheim hat die Leitung der Roten Armee sogar zu neuem Eintritt in diese Armee aufgefordert, und an vielen Orten wird geplündert. In diesem gefährdeten Bezirk verlangen olle Parteien, auch die Unabhängigen, den Einmarsch der Truppen. Rach alledem ist wohl damit zu rechnen, daß im Verlaufe des Samstags der Einmarsch der Truppen erfolgen wird. In Recklinghaus-n sind Reichswehrtruppen bereits em- marschiert. Rach Ansicht der Regierung kann es sich bei dem Einmarsch nur um eine reine Polizei- aktion bandeln, die vom Militär geaen den bewaffneten Ianhaoel ausgefübrt wird. Die Aktion der Truppen wird nur im Einvernehmen und unter der Kontrolle des Reichskommissars Severino erfolgen, der auch den einzelnen Truppenverbänden Zivilkommissare aus den betreffenden (»egenden zur Kontrolle beigeben wird, sodaß alles geschieht, um militärischen Aufrei- ,nnnen vor-ubeugen. Die Reichswehrsoldaten sind übrraens mit schwarzrotgoldenen Abzeichen und Fahnen versehen, die sie der Bevölkerung gegenüber auch äußerlich als verfassungstreu kennzeichnen. Heber die Zulassung von größeren Truppenverbänden, als sie bas vorjährioe Aumistabkommen Vorsicht, in die neu- träte Zone wird mit der Entente noch verhandelt.
in seinem Herzen eine Ruhe, die aller Wirrwarr auf Erden nicht erschüttern kann.
Wird die Prüfung sehr scharf, so schöpft er reichen Trost aus dem Geheimnis, der Auferstehung. Wer dem Erlöser Nachfolge leisten will, hat freilich den Kreuzweg mitzumachen und auch dem Tode fristen Tribut zu zahlen; aber er ist auch zum Nachfolger berufen in der Auferstthung und der Himmelfahrt. Heber ein Kleines — dann wandeln wir auf jenen Höhen, wo die Erde winzig erscheint, und in jenen seligen Gefilden, wo cs keinen Kampf und keine Frevel mehr gibt.
So bleibt auch das Osterfest in der schwersten Not ein Born der Erfrischung und Stärkung.
Verantworillch für den redaliionellen Teil: Karl Schütte, :: für dir Anzeigen: I. ParzeI>er-Fulda. “
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung
Essen, 1. April Nur ganz toenix Läden sind ne. ösfn-t, bor denen fick die Hausfrauen um de letzten nech vorbandenen Lebensmittel drängen, auf . den Ctra'-en herrsch' äusserst l-bha'tcr Verkehr S-au’-rpe von Arbeitern, die nickst wissen, wie sie b;e Zeit to.scksta. gen sell-rn, spazieren hin und her.
ftn den Kreisen der Arbeiterschaft ist d'e V-rurtei. Tung des unnötig vom Zaun gebrochenen (S-ne- ral st r e i k s allgemein. Wäre es zu einer Ab st m, mung in den Betrieben gekommen, noch nicht zehn Prozent b-r organinerten Arbeiter wären für den Streik zn haben gewesen. Die Erbitterung gegen die r te Soldateska, die test einigen 5Ea-en die Stadt kukerr'cht, gebt bi? in die Reihen der Uiiabr’öngirfen und Kommu. nssten. Der Zmtralrat. ist machtlos gegen ihre Ans. schreitungen. Er sielst unter der Herrschtet d<r Be.- wasfneten. Auch die Sicherheitswehr, die die Ordnung in der Stadt aufrecht erkalten soll, besteht heute nur -«och aus tstr Hefe des Proletariats. Nachdem sie ton der Swdt bereits über 200 0^0 Mark erpresst ha] und die Vor-ate von Kseidern. Wäsche und Schuhen, die die Stadt für die zurücktchrenden Krieasgefangegen gemm. melt batte, unt-r sich verteilte, sse-innt sie je*-t sv'te. mechich in der Form von Reguisitionen b!e Stadt auszuvlündern. Kn den privaten Hausssa^ un gen erscheinen immer wieder Trnvrs von fE"tra ne- ien mit vofehaltener P stzole. d'- die Abgabe von Vor. täf-n erzwingen In den Geschäften wv-don Schube, Kleider. Mäntel, D-ckm, Zmarrm unh Ziag-e ten Tur. zerhand „b-schlaanahrnt". Hotels und Re'tgimguts bekommen die Aufsgoe, für <o und so b'el Ma-n das Esirn bereit »n stellen. E'n Gutes bcrben bie'e inrr. träglichen Ruüänbe immerhin, sie hoben dm Gebauten der „Herrschaft de? Proleta-fatS" fo imt-e ll-ar d ?fre« ditiert. doß die Arbeiterschaft des Industrieachie'es ans Jahr und Tag hinaus kuriert sein dürfte.
Essen, 1 Avril. Der Eisenbahnverkehr, der in Essen und Umgegend immer noch ruht, hat eine für den Vermehr im ganzen I.ndustriebezirk sehr e» bebIiche Störuno erlitten durch die Svrenaung einer B-iicke in der Geaend von Hamm, wodurch d'e .<öaup»e'smibahnstrecke nach .Hagen gesperrt ist. — In Elberfeld Baren Abteilungen der Rot-n Truppen
Der Aufruhr im Nuhrgebi^t.
Entwirrung der Lage. — Ilnerlrägllche Zustände.
2n Münster ist es am Donnerstag auf der Konferenz der Regierungsvertreter mit den Arbeiteroertretern zu einer Einigung auf Grund der Bielefelder Beschlüsse gekommen. Die Straffreiheit wurde bis auf den 3. April verlängert. Wenn dem Bielefelder Abkommen bis dahin nachgekommen wird und die Regierung die Gewißheit hat, daß ihm überall Folge geleistet wird, schreitet kein Militär ein. Die Vollversammlung der Vollzugsräte für das Industriegebiet hat beschlossen, diese Vereinbarung anzuerkennen und die Kampfleiter der Roten Armee erklärten, daß auch sie sich diesem Beschlüsse der Vollzugsräte unterwerfen und für sofortige Durchführung des Beschlusses sorgen würden.
Während so eine Einigung gefunden wurde, die es ermöglichen soll, ohne Blutvergießen die Lage im Ruhrgebiet zu ordnen, kommen aus den von den roten Banden beherrschten Gegenden eine Fülle von Nachrichten, die die dortigen Zustände fo schlimm malen, daß die Hoffnung aus eine Wiedereinführung von Ruhe und Ordnung ohne Eingreifen des Militärs kaum mehr ausrechterhalten werden kann.
Der Regierungspräsident in Münster hat ein Telegramm nach Berlin gerichtet, das geradezu ein Notschrei ist. Er spricht von plündernden Banden, die im ganzen Lande herumziehen. Wieder sind zwei oder drei Gefangenenan st alten und Zuchthäuser gestü r-m t, und die Verbrecher auf die Welt losgelösten wurden. Die Bauernhöfe werden ausgeraubt und durch Erpressungen bedrückt. Die Banken werden geplündert. Der Regierungspräsident fürchtet, daß eine Katastrophe von unabsehbaren Folgen über das Land kommt, wenn nicht schnellstens militärische Hilfe geleistet wird. Das Telegramm betont, daß auch die Arbeiterschaft nach dieser Hilfe geradezu schreie, und daß an der Wiederherstellung der Ordnung die Arbeiterschaft ebenso interessiert sei, wie alle übrigen Teile der Bevölkerung.
Man muß leider damit rechnen, daß die Männer, die das Münsterische Abkommen abgeschlossen haben, an vielen Orten die Gewalt nicht mehr in Händen haben. An maßgebender Stelle in Berlin vertritt man folgende Auffassung der Lage: Gegenüber den aus dem Ruhrrevier kommenden Notschreien hat die Reichsregierung bisher eine gewisse Reserve beobachtet, weil sie von bürgerlichen Parteien und den Vertretern der christlichen Gewerkschaften herrührten. Am Freitag sind nun auch' Vertreter der Essener Mehrheitssozialdemokratie bei der Regierung erschienen und haben bestätigt, was von anderen Seiten über die bedrohliche Lage gemeldet worden ist. Sie «haben auch auf das schärfste betont, daß jetzt von einem Willen zum General st reik bei der Essener Bevölkerung gar keine Rede sein könne und daß dort der Generalstreik einfach mit Gewalt
Osterhoffnung — trotz alledem.
M ob die Ruhestörer sich verschworen hätten, »reit Mitbürgern gerade zu den heiligsten Feiertagen jie Festesstimmung zu verderben!
Voriges Jahr mußte München in der Kar- und Lsterwoche die Räte-Revolution durchmachen, die ganz xeu sckland mit Schrecken vor der anbranbenbui Woge tu? Bolschewismus erfüllte. Dieses Jahr Harken wir in'ber Fastenzeit die Empörung in Berlin glimpflich überwunden und wollten aufatmen; da begann das AgenM des Generalstreiks verhängnisvoll zu wir- fgn. Aus der verhältnismäßig unblusigen Militärre- [lolie in Berlin entwickelte sich ein schrecklicher Bürger« *iefl in der hochwichtigen Nordwestecke des armen Vaterlandes.
Voriges Jahr schöpften wir neue Hoffnung nach let Niederwerfung der Tollhäusler von München; aber s tarn hinterher „im schönen Monat Mai" die futch- Imre Enttäuschung durch die grausamen Bedingungen De? sog. Friedens von Versailles. Jetzt waren wir Mm Anschein nach auf gutem Wege, um allmählich eine mildere Behandlung seitens der Sieger zu erlan- gnt. Und nun haben Putsch, Streik und Frevel das vertrauen auf Deutschland wieder erschüttert, unsere Weltgeltung wieder herabgedrückt, den unversöhnlichen Verfolgern Deutschlands wieder die Vorhand gegeben.
Wir schöpfen immer neue Hoffnung und werden immer wieder getäuscht und geknickt durch neue Stö- nttcen, neue Rö"e und neue Gefahren. Die deutsche Wion gleicht einem Flüchtling, der bei dem Rettungs- lauf alle Augenblicke stolpert und hinfällt.
Soll er verzweifeln und in stumpfem Fatalismus (fegen bleiben? Das wäre der Tod, und nicht einmal ein Tod in Ehren. Aufftchm und weiter streben, — nicht verzagen, sondern immer von neuem das Ret- vngswerk wagen. — das «ist die Pflicht eines braven Deutschen und erst recht eines echten Christen.
. Zu solcher Zähigkeit im Dulden und Streben gestört eine unerschütterliche Hoffnung, und diese Kraftquelle sprudelt an den hohen Festtagen reichlicher wie sonst. Vor allem am Osterfeste, das den Triumph des Himmels über die Hölle, des Guten über das Böse, des Lebens über den Tod, des Heiles über das Verderben gewährleistet.
„Friede sei mit euch!" war der Gruß des Aufer- stmdeuen. Was war das für ein Friede, den er feinen Aposteln und Jüngern verhieß? Nicht die sofortige Befreiung von Leiden und Nöten; vielmehr wurde ihnen Mühsal und Leiden „um meines Namens willen" angekündigt. Aber was der Herr versprach, war seine Gnade, seine Stärkung, sein Segen für ihre Arbeit. Auf Erden sahen sie wenigstens keimen, was sie in Schweiß und Tränen säten, und hatten dabei die beseligende Zuversicht, daß im Weltenplan des Ewigen für die Vollendung ihres Werkes gesorgt sei. Zu der Hoffnung gesellte sich der innere Frieden, den das Bewußtsein auf den ewigen Frieden im Jenseits krönt.
In diesem Sinne ergeht auch an alle, die guten Willens sind, heute noch die Osterverheißung: der Friede sei njit euch! Wenn auch unser Erdenwallen sümpfe und Ringen bleibt, wir sind doch auf dem Lege zum Frieden. Wo wir noch nicht ernten können, i>a werden unsere Nachkommen reiche Frucht finden und werden ihre Vorfahren segnen, die in unerhört schwerer Seit durchgehalten und fortgewirkt haben. Wir wissen, daß unser Dulden und Mühen sich lohnen wird, denn der Christ strebt nicht ins Blaue hinein, sondern steht unter der Fahne „Gott will es!" Seine einfache Pflichterfüllung wird geweiht und verherrlicht durch den sicheren Einklang mit den Plänen der Vorsehung, »r fühlt sich als sehr bescheidenen, aber doch wirksamen "il der Kraft, die den Ostersieg allmählich in der pan«
Welt zum Durchbruch bringen soll. Das gibt ihm
in der vergangenen Nacht das Rathaus beseht und die Gewalt cm sich gerissen.
Aus Duisburg ist folgendes Telegramm an den Reichskanzler Müller eingetroffen: „Bürgerschaft und chnst- siche Arbeiterschaft sind in größter Sorge, daß Regierung Reichswehr am Einmarsch und Ordnunafchassen hindert Schnelles und entschlossenes Handeln ist dringend not1 wendig, sonst Vertrauen zur Regierung erschüttert und da« Ende nicht.abzusehen. Bielefelder Abkommen darf mch durchlöchert werden. Christlicher Metall ar bei > ieroerband, Herzog." — Daraus hat die Reichs regierurg am 1. April mit nachstehendem Telegramm ge antwortet: „Reichsregierung hat mit Rücksicht auf vorangegangenes Kappunternehmen äußerste Geduld angewendet, um friedliche Riederlegvng der Waffen zu erreichen. Sie läßt sichabernichtzuinRarrenhal. ten und wird, wenn die Vernunft nicht noch im legte« Augenblick siegt, so vorgehen, wie es ihre verfassungsmäßige demokratische Pflicht ist."
Berlin, 1. April. In einigen Bezirken des Ruhrgebiet; ist die Lebensmittelnot auf das höchste gestiegen. 2n Gelsenkirchen konnten in dieser Woche nur zwei Pfund B>ot verteilt werfen, für die -kommende Woche ist kein Mehl und keine Kartoffel mehr vorhanden. Wie schlimm die Lage ist, z-'ch tue Nachricht d-, in dieser Hinsicht doch sicherlich gut orientierten „Vorwärts", daß auch weite Kreise der sozialistischen Arbeiterschaft, die der Reichswehr sehr mißtrauisch, ja feindlich gegenübersteht, immer mehr der Ansicht zuzuneigen beginnen, daß das Einrücken bet Reichswehr das kleinere liebel sei. Die Herrschaft der roten Horixn, die sich nicht einmal mehr der Führung der Korn- munisten unterwerfen, müsse unbedingt gebrochen werden.
Münster, 2. April. Das Schloß des Grafen We- swrholt in Sythen bei Wesel wurde von den roten Truppen vollständig ausgeplündert. Richt nut die gen- icn Möbel wurden geraubt, sogar die Fensterflügel wurden misgchängt und die Rahmen entfernt, so daß von dem gan- zcn Dau nur noch die Umfassungsmauern stehen, lieber 20 Lastautos sind angesahren worden, um den Raub fort- zuschaffen. Auf dem nördlichen Lippeufer haben sich seht Diele dewassnete Banden Herumgetrieben, deren Haupt« tätigfeit im Plündern bestand. In der Gegend von Wul- {en und Rhoden haben sie d e n B a u e r n a l l e s we g - genommen: Pferde, Bieh, ßebensunittel und eaat- geireide, sodaß die Heimgesuchten vollkommen ruiniert sind.
Gin militärischer Bericht.
trtb Münster, 2. April. Dem unlitärisch-n Lag» bericht ist folgendes zu entnehmen: Bei Wesel griff der Gegner vorgestern abend in Stärke von etwa loö Mann an der Straße Tienslaken—Friedrichsfelde an Er wurde unter schweren Verlusten abgewiesen Der Brückenkopf bei Hmnze wurde erweitert Do r ft - , wurde vorgestern abend von der bosichewisiiichen Ar.il- letie heftig beschossen. An der Lippe wurde wahren, ber Nacht und im Morgengrauen eine Sprengung ter. eitelt D-e Ltpvebrücke südlich von Hal er« wurde nach Bef tigern Kampfe genommen. Der Gegner verlöt etwa 80 Toto. Die Strcchmbrück: südlich Hal ern wurde durch Spr^naimg leicht be-chadiot. De Eisern Bahnbrücke ist rmb.schad'gt In 91 e dl i ngh a u | e n Ftiben die Aufrühream Nachmittag das Pouamt gestürmt und mit Handegcm-aten furchtbare Zerstarnn. »en anr-erid-tet. Alle Postbeamten wurden mobil gs- macht, um das dort lagernde Geld zu bewachen, da mit einem zweiten Angriff gerechnet wird. Tas Laridr-ts- amt wurde ebenfalls angegriffen Es w.rd verteidigt von Beamten und Mitalied-rn der früheren E Hw oh» rertrefir Bei Pelcum gab der Gegner dauernd tief, tltz-s Mafch nengewchrf-uer ab und sp-eng'e die Drucke beim Bahnhof. Darmiihi i wurde der Ort gestern nach- mittag von Reickswelwtrupven cencmmen. Tie E fn. Bahnlinie 11 n n a—H amm soll am ftren«utigfl6unit Dortmund—We'ver gesprengt fein. In Iser 1 oyn wird die T'ktatm: d-s Vrcü-ter-ia's von ern-w M nd-r- bett oiisgeüb', die Geif ln f'sis tzt- Aessnl cke Zustä T> ; sind in SB e ft i g, Hemer, Voßwinkel und Froendenberg Ein Beisp^l für die Art der bou schewistisch-n Propaganda ist, daß sie die Leichen ihfr eigenen Gefallenenen in d-r gemeinsten Weile felofi verstümmeln, sie in diesem Zustand phowgranh'e- ren und die Photoaravlnen als ^Iurb,ätf,"r oder Post, farten durch ihre „Krankenlchwesiern" verbreiten Irf’en vntet ber Anaabe, daß die Verstümmelungen durch Reichswebrfvldai'en erfolgten.
Der Arbeit Lohn.
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»Nein, nein — wir wollen nicht von der Vergangen, sprechen. Nur von der Zukunft, dir geheimnis- verborgen noch vor uns liegt, die wir aber trotzdem Awfend und arbeitend besiegen wollen. Oder haben den Mut verloren, Harald?"
£®r richtete sich straff empor, und in seinen Augen eine Entschlossenheit auf, die sie früher nicht an gekannt hatte.
»Kein, Edelgard," sagte er mit fester Stimme. „Ich im Gegenteil neuen Mut gewonnen — den Mut pr Arbeit, zum Kampfe! Ich habe eingesehen, wie Eärmlich der Mensch ist, der sich nicht auf seine eigene ■pft. auf feine eigene Arbeit verläßt! Ich werde lamofen. ich werde arbeiten — ob ich siegen werde, steht
einet höheren Hand. Aber wenn mir der Sieg nicht "^liehen wird, dann will ich wenigstens mit Ehren versehen I"
»Und wer gab Ihnen - den Mut?" fragte sie mit •wntrenbcn Augen.
»Der Priel eines jungen Mädchens, welches Sie, '^clgttrb, herangebildet haben!"
-Hat Elle Ihnen geschrieben!"
. -Ja — und ich erkannte in ihren Zeilen den Geist A's GoisteS, Edelgard, und stand tief beschämt da.
sollen mich nicht verachten — Sie und Elfe nicht k und wenn Sie dereinst von der Höhe des Lebens, Reichtums und des hohen Ranges einen Blick auf
Dasein werfen, so fallen Sie wenigstens gestehen, ich ein ehrlicher, rechter Kämpfer gewesen bin, ich auch unterlag."
»Sie sprechen von mir als aus ber Höhe des Lebens ,Knd — ach, Harald, ich gehe einem sehr ungewissen ®">id'al entgegen . . ."
»An der Seite Ihres Gatten? An der Seite des W.onär? — des Ministers?"
-Sie täuschen sich! Ach habe meine Verlobung rück- "^ig gemacht."
-Edelgard!" f
»3* reise im nächsten Monat nach Südafrika, wo /c*r! Vater eine Stellung als Minen.Direktor ange- ^Mmen hat." :
^rrald vermochte lange kein Wort zu erwidern.
'.Seine Blicke wanderten wie traumverloren in den x-.^ßen Dunst des Waldes — ,wie ein flücht aer «on- ^"Frahl kommenden .Glückes huschte die .Ho'ir.mu
durch seine Seele, gl-ichsam wie das FrühlingZahnen durch die winterliche Natur.
Tann sagte er tief ar.faimcnb:
„llno er — Ihr Verlobter -- gab er Sie so leicht frei?"
„Er kämpfte mit sich selbst — er bekämpfe alle meine Gründe — und fast hätte er mich nochmals besiegt, aber dem letzten meiner Gründe mußte er sich beu» Cen."
„Welches trat dieser Grund?" fragte er in atem. loser Spannung.
„Daß die alte Siebe noch nicht erstorben war , . ." „Edelgard?!"
Er ergriff ihre Hände und schien ihre erbebende Gestalt in seine Arme ziehen zu wollen. Doch dann gab er ihre Hände frei und legte seine Rechte über die Augen, als blende ihn die Sonne, welche flimmernd auf der Schneedecke ruhte.
„Ich darf nicht daran denken", flüsterte er, wie 8u sich selber sprechend. „Ta? Glück würde mich über, wältigen, würde mich schwach machen — und ich muß doch stark bleiben —"
■ Da legte sie die Hand leicht auf. seinen Arm.
„Wir können und wollen in dieser Stunde des Abschieds von unserer Lieb sprechen, Harald," sag'c sie mit Weicker Stimme. „Wir hoben uns beide getäuscht, in. dem wir meinten, unsere Lieb vergessen zu können und in der Vereinigung mit einem anderen Ruhe, Frieden und Glück zu finden. Oder täusche ich mich auch jetzt noch, Harald? — lebt die Liebe in meinem Herzen allein?"
Ta fuhr er jäh empor und lachte bitter.
„In Ihrem Herzen allein, Edelgard? Ach. alle diese Jahre hindurch habe ich die Liebe zu Ihnen -- nein, laß mich wieder Tu zu Dir sagen — in meinem Herzen getragen; die Liebe und den Schmerz der Den. zweislung und den Zorn übet Dich und übet m ch — über Dich, weil Tu Dich damals so leicht, so rasch von mir trenntest, weil Du ohne weitere Prüfung annahmst, Ich sei ein erbärmlicher Schwächling und Feigling — und ten Zorn über mich, weil ich Dich gehen ließ, well ich nicht den Mut fand. Dir zu folgen und mit Dir gern einiom den Kampf um das Drsein mrfzunehmen. Dos war es ja, Edelgard, was mir das Herz zerriß, | was mit die bitteren, harten Worte auf die Lippen ! zwang, daß ich glaubte, Du habest diese Liebe imGlanze 8es Reichtums vergessen. Du seiest wie die anderen ] alle» hir Reichtum und Rana für. die Ziehe eintauschen!
TaS war eS, Edelgard! Und jetzt erkenne ich, wie sehr ich mich getänickt habe. J"tzt, wo eS zu spä? ist — doch nein, es soll n'cht zu spät fein! Was ich damals versäumt, ich will es jetzt nachholen! Ich w'll mit Tit hinanszieheu — will mit Dir kämpfen und arbeiten!"
Sie sah ihm lächelnd in daS err-gte Gesicht.
So hätte sie ihn zu sehen gewünscht, als ihres Va. ters Reichtum zusammenbrach I Damals hü te sie sich Lusjauchzend an sein Herz geworfen, damals wäre sie mit ihm hinauSzezogen in Kampf und Arbeit, in Armut und Elend, in Not und Tod!
Und jetzt?
Ihre Liebe war noch ebenso stark wie damals; ja, sie war tiefer, und uneigennütziger, selbstloser geworden. Sie wollte nicht nur ihr Glück, das sie allein in der Vereinigung mit ihm gefunden habest würde, sie wollte vor allem fein Glück, daS er da draußen in.der Welt, losgelöst von ber heimatlichen Scholle und von ollen Verhältnissen seines bisherigen Lebens, nicht fin- den konnte.
Die Zeit der Prüfung für sie imt für ihn trat noch nicht zu Ende. Sie mußten beide erst erstarken im Kampf und in der Arbeit — feder auf seinem Platze, wohin ihn das Geschick gestellt.
„Ich danke Dir, Harald, für Deine Worte," en‘. gegnete sie leise, indem sie mit feuchtschimmernden Augen zu ihm emporbliche und ihre Hand warm in der seini-gen ruhen ließ. „Aber laß uns nickt vorschnell handeln, wie unser augenblickliches Gefühl uns vielleicht eingeben möchte. Was vor Jahren möglich war, ist eS jetzt nicht mehr. Wit wollen glücklich sein in der Gewißheit unserer Liebe, wenn auch Tausende von Meilen zwischen uns liegen. Wit dürfen aber auch nicht allein an das denken, sondern müssen uns vor allem an unsere Freunde, an unsere Pflichten erinnern. Wir wollen an Deine Mutier, an Deine Schwestern Sen. ken, — die alle eine solche Wendung bei Dinge schmerz- sich empfinben würben. Wir würben nur neue Sckulb auf uns laden; denn wir find nicht dazu da, unsere eigenen selbstsüchtigen Wünsche zu erfüllen nub unse- ren eigenen Leidenschaften — und seien sie auch noch fo edlen Beweggründen entsprungen — Genüge zu verschaffen, sondern mehr noch sind wir dazu in • die Wetz gestellt, um unseren Mitmenschen gegenüber unsere Pflichten zu erfüllen. Da- durch Verletzung dieser Pflichten gewonnene Glück wird zu einem Fluch für uns selbst und verwandelt sich in Unglück; dem Glücks, , «rmmw bet Leidenschaften folgt ein Erwachen in her
nüchternen Welt der Wirklichkeit, in der eS keine Träume gibt."
„WaS soll ich aber tun?" fragte er tonloS
„Deine Pflicht, Harald, wie ich die meinige Iw- werde."
„Und wenn wir uns niemals wiedersthen, Edelgard?"
„Die Wellt ist klein, Harald. Wollen sich zwei Menschen vor einander verbergen, so können sie das auch, wenn sie in unmittelbarer Nähe beisammen wohnen. Die Welt ist so groß — und dennoch bleiben manch« Menschen zusammen und leben miteinander, wenn auch Meere und Erdteile trennend zwischen ihnen liegen.Lah uns hoffen, Harald, daß der allmächtige Wille, der da- Geschick ber Menschen lenkt, uns auch täumsich wieber zusammen führt, wie er uns innerlich, seelisch zusam- mengefühtt hat -*» jetzt, wo sich Tausende von Meilen zwischen unS legen sollen. Sind wir dieselben geblieben, Harald, haben wir uns selbst und unseren Pflichten Treu« gehalten, dann werden sich unsere Herzen und Hände gewiß noch einmal zusammenfinben zu einem Bunde des Glückes und be-3 Friedens."
Evolgard hielt seine Reche in beiden Händn und schaute mit ernstem und doch unendlich liebevollem Bl d zu ihm auf.
Um seinen Mund zucke eS; er beugt- sich über ihr« Hände und preßte sie in ehrerbietigem Kuß an di' Lippen.
„Ich danke Dir, Edelgard — ich kenne jetzt meinen Weg!"
„So laß uns hier scheiden, Harald — für eine lange Zeit — aber was bedeuten Jahre, wenn wir uns nur selbst treu bleiben . . ."
„Wann reisest Tu?"
„In wenigen Wochen." '
„Und bekomme ich einmal Nachricht von Dir?
„Ja, Harald."
„Ich danke Dir. Und nun — leb wohl!"
Er wollte sich ab wenden, da fühlte er ein befuget Zittern in ihrer Hand und sah die aufsteizendcn Trä. nen in ihren Augen.
Nun hielt er sich nicht länger. Er zog die nicht mehr Widerstrebende in die Arme iuib ihre Lippe» einten sich zu einem langen Abschicdskust
Tann riß sie sich los.
„Lebe wohl, Harald . . -
(Fortsetzung folgt.)