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M 78.

eamäUfl, 3. April 1920.

Fuldaer Heilung

Druck der Fuldaer Aetiend rackeret ia S«lda

Kleines Milleton.

t ■

Günstigere Aussichten

für die deutschen Missionen.

Verschiedene Anzeichen lasten erkennen, daß in den Merten Ländern die Strömung für die Erhaltung der vielen noch bestehenden und die Wiederherstellung der ausgeroiesenen deutschen Missionen an Stärke sicht­lich zunimmt. Sogar in Frankreich können die von dm Jesuiten herausgegebenen „Etudes" jetzt wagen,

ein ernstes Wort für die deutschen Missionen zu spre­chen. Entschiedenere Schritte stehen laut brieflichen Nachrichten seitens einflußreicher Kreise in den Ver­einigten Staaten bevor, nachdem schon die letzte Jah­resversammlung der deutschamerikanischen Kacholiken in Ehikago einen nachdrücklichen Protest gegen die Ver­gewaltigung der deutschen Missionare ausgesprochen hatte. Auch protestantische Missionskreise in England und Nordamerika machen ihren nicht geringen Einfluß geltend, um den deutschen Missionaren wieder freie Bahn zu verschaffen. In einer Kundgebung des Bri­tischen Missionsaueschusses heißt es u. a.: „Der Aus­schuß ist einig in dem Glauben, daß die Freiheit, das Evangelium Christi zu allen Völkern zu tragen, we­sentlich sei für das Leben der christlichen Kirche. Diese Freiheit sollten die Glieder aller religiösen Gemein­schaften und die Bürger aller Länder genießen unter der bestimmten Voraussetzung, daß sich die Missionare fremder Nationalität der Beteiligung an politischen Angelegnhesien sorafältig enthalten. Der Ausschuß hält es für seine Pflicht, auf die Anerkennung oiescr Grundsätze durch alle Regierungen zu dringen." Unter ausdrücklicher Berufung auf diese britische Kundgebung erklärte die Mitte Januar tagende Jahresversammlung der amerikanischen Missionsleiter Verhandlungen mit den zuständigen Regierungen als das beste Mittel, zum gewünschten Ziele zu gelangen. Desgleichen fand der britische Vorschlag, in Bälde eine kleinere Konfe- renz von Vertretern der nationalen Missionsausfcbüue zur Besprechung der aktuellen missionspoütischen Fra­gen abzuhalten, lebhafte Zustimmung. Mag es v-el- leicht auch noch eine Je.tiang dauern, bis öiete Be­strebungen sich durchgc'ctzt haben, so bestärk.>n sie je- delstalls die Zuversicht auf eine erfolgre'che Zukunft des deutschen Mhsionsuoesens.

Bismarck als Steuerzahler.

Unter dem Titel „Meine Erlebniste in der preu­ßischen Verwaltung" hat S). v. Gerlach, der Heraus- gebet der „Welt am Montag" ein Büchlein herausge­geben, das Erinnerungen an Bismarck enthält, die heute einen pikanten Reiz haben, v. Gerlach war zu Bismarcks Zeit Regierunasastestor in Ratzeburg und hatte als Vertreter des Landrats den Vorsitz in der Einkommensteuer-Vcranlagungskommistion. Bismarcks Steuererklärungen waren stets so erschreckend niedrig, daß viele Verehrung und guter Wille dazu gehörte, sie nicht zu beanstanden. Der Landrat bereitete v. Gerlach auf Bismarcks schwächste Seite, das Steuer- zahlen, mit folgenden Worten vor: „Sie werden sich vielleicht über die Kürze seiner Steuererklärung, vor allem über die Niedrigkeit seiner Selbsteinschätzung wundern. Trotzdem bitte ich dringend, ihn nicht mit Wckfragen zu belästigen oder gar seine Steuererklä­rung zu beanstanden. Das würde ihn entsetzlich auf- regen. Sie wissen, wie er über Steuerzahlen denkt. Warum soll man auf einen Mann wie ihn, nicht diese Rücksicht nehmen? Natürlich glaubt jeder, daß sein Einkommen höher ist." In der Kommistion wurde die Steuererklärung dann mit vielseitigem Lächeln zu den Akten gelegt.

„Eines Tages nach dem Kreistagsesten m Ratzeburg erzählte mir der Reichs- und Landtagsabg. D-rling fol- genden charakteristischen Vorgang: Bismarck hatte als Dotation für den 70er Krieg den Sachsenwald erhalten. Daraus bekam er 1872 von der Negierung in Schleswig die Aufforderung jährlich 1500 M Grundsteuer zu zahlen. Er beantwortet« weder das Schreiben, noch zahlt« er «inen Pfennig Steuer. Aber die Regierung beruhigte sich dabei. Sie traute sich einfach nicht, gegen den Mach- tigen vorzuaehen. Als im Jahre 1876 Lauenburg, das bis dahin mit Preußen nur durch Personalunion verbun- den war, dem preußischen Staatsgebiet einverleibt wurde, wurde eine allgemeine Regulierung der Grundsteuer vor- genommen. Don da an mußte auch Bismarck Grund­steuer zahlen. Er erhielt jedoch als Entschädigung, daß er zu Unrecht seit 1872 keine Grundsteuer gezahlt hatte, die Summe von 18 000 M ausgezahlt."

Soweit Derlings Bericht. Der Landrat des Krei- fes, Erbmarschall 'n. Bülow-Gudow, und Bismarcks Oberförster Lange faßen dabei und hörten, die Erzäh­lung mit an. Niemand widersprach.

Zu Bismarcks Lebzeiten schon. war es bekannt, daß der große Mann kleine Schwächen hatte. Nie- I mand dachte indes daran, sie politisch gegen ihn aus- mnutzen. Heute sind die Zeiten anders geworden. Erzberger hat man heute von jener Seite, die damals

Los von Berlin?

Lus dem Parlament wird uns geschrieben:

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Bismarck politisch am nächsten stand, auf Grund von unzulässigen und strafwürdigen Schnüffeleien aber zu Unrecht Vorwürfe gemacht, wie sie Bismarck mit Recht gemacht werden konnten. Kein Wunder, wenn jetzt an Bismarcks Schwächen in diesem Punkt erinnert wird. Im übrigen gilt Erzberger bei allen, die ihn kennen, als sehr freigebig, soweit gute Zwecke in Be­tracht kommen.__________

Zenlrumsskudenken gegen den Putsch.

Die Studentische Ortsgruppe Berlin der Deu'.schen Zentrumspartei versendet einen Aufruf an die S.u- dievcnden der Groß-Berliner Hochschulen, der gründ, sätzlich zu den Erciemssen der vorigen Woche Stelwng nimmt und sich gegen die nationalistnchen Bestrebun. gen innerhalb der Studentenschaft erklärt. ES heißt in dem Flugblatt u. a.: ..Die Anhänger der Zentrums, Partei in der Universit.k swott halten es für ihr« Pflicht, den DolkSmasten, die draußen stehen, deutlich zu sagen, daß nicht alle UniversiiLsstud,erenden srch auf die Seite derer geschlagen haben, dr« in der letzten Woche die Derfastuna brachen und die Entwicklung des Landes störten Die Arbeiterschaft des Land:?, dre marxistisch ebenso wie die christliche, muß w,ffe-ii daß ein erheblicher Teil der deutichen Studentenschaft rn den Tagen, in denen die Miliiärgewaltrgen m.t äuße­ren Druck die Werbearbeit für die gegenrevolui io. nären Truppen unter unZ betrieb:«, der Vcrfastrrng und dem Volke die Treue gehalten bat. Der Aufruf fordert weiter zur WbeitSgiemeinschaßt der Handarber, ter und Kopfarbeiter auf.

Beethoven. Seine Persönlichkeit in Aufzeichnungen, Driesen und Tagebüchern. Mit einem Titelb.ld (Bw. liothek wertvoller Denkwürdigkeiten Ausgewählt und herauSgegeben von Professor Dr' Otto Helling, h a u S, Geh. Studienrat, Gymnasialdirektor a. D. 4. Band.) Freiburg i. Dr., 1920, Herder. Geb. 9,20 Mark' und Zuschläge. .

Für die zahlreichen Freunde der befreienden und er­hebenden Schöpfungen des gewaltigen Tonku.'.stlerS dürfte es ein Bedürfnis sein, auch über ihn als Men- sch en Näheres zu erfahren Durch den vorliegenden Band wird dasselbe auf daS ausgiebigste erfüllt, wie mit größter Umsicht und Sorgfalt aus den wichtigsten und anziehendsten Ouellen entnommenen Auszuge ge­ben uns von seiner Persönlichkeit ein so vollständige-. Bild, daß auch nicht ein Zug fehlt. Belgegeben ist eine Uebersicht über sein Leben und seine wichtigen Schö­pfungen.

HSHenblicke. FesttagSgedanken von Dr. Karl Al­bert Vögele. Buchschmuck von Karl Koster 5. Auflage Freiburg i. Br. 1919, Herder. Mk. 4 60 geb. Mk. 6,50 und Zuschläge. Dre feine, schwungvoll^ Sprache bestimmt dieses Geist und Herz , erfriicheude Buch wohl hauptsächlich für gebildetere Äreiie,_ nachdem aber in der neuen Ueberarbeikung die fremdsprachigen Ausdrücke ausgemerzt erscheinen, werden auch ein- fächere Leute Genuß darin finden und zumal lugend- liche Seelen sollten nach diesen klaren Betrach.ungen greifen, daraus Aufmunterung und Starkmut zu schöpfen.

Manresa. Gedanken über die höchsten W°br. h-iten. Von Dr. I m l e. Brosch. 1,80, geb. 4 Mk. Verlag Ohlinger, Mergentheim. ,

Ewigkeitsgedanken stellt uns die Verfasterrn nach den Ererzitien de? hl. Ignatius mtt wtvgem Verstand- -ns, warm empfindenden Herzen und edeister poes evol ler Sprache vor tie Seele -Irgend ein Zeitpunkt un. fere? Daseins gebiert unsere Ewigkeit. Ta- ist dre geheimnisvolle hl. Bedeutung unterer Zeit, °-s'st etwa der Grundgedanke dieses Buches von erhchend^ Jn'rstt, mit dem die Verfasserin von den Stunden der Geistessammlung scheidet. -

Literarisches.

auf den Trümmer» Messi-eas. Sizilianische Er­zählung von Mario Barbera. Deutsche Bearbei­tung con Eoloman Schlesinger. Mit zwölf Bildern. ] Zweite Aufla, e. 006 ©.) F.eibura i. Br. 1920, Herder. 6 Mark; geb 8 Mark und Zuschläge. . .

„'JV.umen des Trümmerfeldes" lautet der Orr.nnal- Titel" dieser echt sizilianischen Erzählung, deren Per- kaffer selbst ein Sizilianer, den eigenen Bruder in den Trümmern der durch das Erdbeben des Jahres 1918 verschütteten Stadt Messina verloren hat. Konnten denn auS diesen Trümmern noch Blumen erblühen? Die bejahende Antwort gibt diese fesielnde Voikserzav^ luna, indem sie uns Bilder echter Tuaend, zumal he- ioischer Gatten- und Nächstenliebe, und in der -schön>ren der Blumen" eine Mädchen,-estalt von lichter Reinheit entrollt und daS auffallende Walten der liebevollen > öttnchen Voisehung auf dieser Stätte deS Giauens und der Verwüstung erkennen läßt. Die Erzählung bietet eine reich bewegte, teilweise romantische Hand­lung, deren feinpeswlun.iene Fäden in der Hand des originellen Paters Giu;eppe ruhen, der in sich selbst ver,.eßender Nächstenliebe dre Vorsehung Gottes predigt und vei körpert.

Neue Märchen zur Bs.'ehruna und Unterhaltung für Kinder mittleren Alters von Fr. Fände l Far- benbild und Duchsckmluck von Albert Seewalc->Harz. Regensburg 1920. VerlagSanstalt vorm. G. I. Dtanz. Broschiert 4 Mk.

Diese allerliebsten Erzählungen für Kino-r nun. leien Alters sind dem kindlichen Jdeenkreise durchau- angepaßt Sie bereichern die Phantasie des Kindes und macken es vertraut mit der Schöpfung der Natur, wobei ihm große für das svätere Leben wicht geKennt. niste auS der Pflanzen und Tierwelt beurebracht tner- । den.

Amtliche Anzeigen.

Ausruf!

«" al« «-d-u-- «■"

Nachdem der Generalstreik erledigt ist, richtet die Reichsarbeilsgemeinschaft land- und orstwirljchasilichec Arbeiiaeber- und Arbeilnehmcrvereinigungen d'e drin­gende Mahnung an die landwirtschaftliche Arbeiter- sihoft, die Arbeit unverzüglich wieder aufzunehmen.Drr der Arbeiterschast aufgezwungene Generalstreik Mw eine Zeit der dringendsten Bestellungsarbeiten. Wenn das Rutsche Volk bestehen will, muß alles geschehen, um die versäumte Arbeit nachzuholen. Dies ist not­wendig zur Sicherung der Volksernahrung.

Daher ersuchen wir die' landwirtschaftlich; A^ester- schaft soweit nur irgend möglich in den nächsten Wochen Üeberstunden zu leisten. Es handelt sich nicht um eine Verlängerung der üblichen Arbeitszeü, sondern darum, daß über die vertraglich festgelegten Arbeitsstunden hinaus soviel Üeberstunden geleistet werden, als erfor- derlich sind, um die rückständigen Bestellarbnten nach­zuholen. Daß diese über die vertraglich sestgelegie Ar- oeitszeit hinaus geleisteten Stunden als Üeberstunden bezahlt werden, steht außer allem Zweifel.

Wie berichtet wird, sind im Anschluß an tue wfitt. sche Bewegung auch Tellstreiks wegen larlsllcher Strei- t tiakeilen ausgebrochen. Wir ersuchen, wegen tarif­lichen Streitigkeiten nicht in wilde Streiks emzutreten. Diese tarifl. Sreitgigkeiten müssen auf dem Verhäng lungswege erledigt werden. Wo die Verhandlungen durch die ooütiichen Ereignisse eine Unterbrechung erfahren ha­bens ersuchen wir dieselben im gegenseitigen Vertrauen unverzüglich wieder aufzunehmen.. Ehe zu lieben Kämpfen geschritten wird, die auch nur lkn Ein­verständnis mit der Leitung der Arbeitnehmerverbande erfolgen dürfen, müssen erst alle Verhandlungsmoglich- teiten erschöpft sein.

An die Arbeitgeber richten wir dre Mahnung, in Anbetracht der gespannten Lage Verhandlungen mit der Arbeiterschaft und bereit Organisationen nicht abzu- lehnen. Ferner ersuchen wir die Arbeitgeber, keine Kündigungen und Entlassungen wegen politischer oder gewerkschaftlicher Betätiaurm norzunehmen. Die m einzelnen Bezirken Deutschlands aus vorgenannten I Gründen, auch bann, wenn diese nicht offen ausgespro- I chen wurde, vollzogenen Kündigungen sollten rückgän- I gjg gemacht werden, weil dies dazu beiträgt, in jenen I Bezirken eine Beruhigung unter der Arbeiterschaft her» I beizuführen.

Reichsarbeilsgemeinschafl land- und forsl- wirlschasllicher Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-

Vereinigungen.

Reichsoerband der deutschen land- und sorslwirt- schaslUchen Arbeilgebervereinigungeu

Deutscher Landarbeiterverband.

Zentralverband der Iorsl-, Land- und BJein- betgsar beitet.

Reichsverband land- und forslwirlschasMcher Zach und körperschaftsbeamten.

Verband der taud- und sorstwirlschastlicheu 21» ’ gestellte»

Infolge der jüngsten Ereignisie in Berlin wird er« i im Parlament und in durchaus ernst zu nehmen- ' polit. Kreisen der Gedanke erörtert, den Sitz der stichsrcgierung von Berlin zu verles * n ' Die vcrschitdenen Revotutiorien holten gezeigt, s die poli ischen Leidenschaften in Bersin sich derart «toben, daß durch den Widerstreit der Interessen die .friebinung der politischen und wirtschaftlichen Be- -smsse des ganzen Landes in Mi leidenschast gezo« ’ ©erben könnten. Der alte Gedanke, Weimar Kp Sitze der Regierung, wenigstens der sür die 2Khspoülik ausschlaggebenden Reichsämter zu ma= Jen, hat wieder Boden gewonnen. Dam kommt, daß

Unwille über das, was jetzt unter Führung einiger Miiger Militärs in Bersin vor sich ging, ganz befon« "yl5 den Widerstand der Bevölkerung West- und iMdeu schlands hervorries. Am sinnfälligsten fand ^ssntschlosjenheit, Berlin um solcher Vorgänge wil­len ZU bekämpfen, seinen Ausdruck in der von dem industriellen Westen in die Wege geleiteten völligen Sperrung Berlins. Es ist durchaus richtig, was im Kesten bei dieser Gelegenheit gesagt wurde, „daß man -gl,} ohne Berlin, Berlin aber nicht ohne den Westen jeftehen kömre". Wie das für die Industriebedürf- M Berlins gilt, so auch bezüglich der landwirtschast- ßchen hinsichtlich Süddeu'schlands. Man soll diele jfoge nicht zu leicht nehmen, wie das immer noch Mach, namentlich seitens einer gewissen Berliner Kresse geschieht. Berlin hat gerade jetzt unsägliche den durchmachen müssen. Geradezu erschütternd «| der Aufruf der Eroß-Bersiner Aerzte, in dem es Jnter Bezugnahme auf die Lahmlegung der lebens­wichtigen Betriebe unter anbetm heißt:

„W-ißt Ihr, toi« es jetzt in Berlin -russieht. Eure pten können vielfack nicht mehr beerdigt werden, fr« Reiben sogar teilweise in den Wohnungen liegen. Eure jkruglingc verkümmern, ■ Eure Kinder verelenden, Eu- im grauen kann in Kindrsnöten nicht geholfen werden, !i droht die schreckliche Geißel des Kmdbettfiebers. gute Verletzten können nicht versorgt werden. Eure »ranken mösten aus den Krankenhäusern entlassen wen­den. weil es an dem Notwendigsten fehlt. Tod. linier» png. ansteckende Krankheiten, Seuchen durch Schmutz, «ichs- und Wassermangel bedrohen alle!"t

Solchen Nöten eine Millionenstadt auszufetzen, kann nicht mehr ertragen werden. Dos deutsche Volk hat es aber auch satt, sich durch eine Handvoll Macht­haber, mögen sie nun stehen wo sie wollen, terrori» Heren und in seinen wichtigen Lebensinteressen gefähr­den zu lassen. Die Stimmung, die sich gegen Berlin «endet, kann durch solche Dinge wieder ins Wachsen kommen und zu Entschlüssen führen, welche Berlin aus den politischen Sterbeetat setzen würde. Gewiß ist nicht zu verkennen, daß eine Ausschaltung Berlins jfe Regierungssitz recht unangenehme Nebenwirkun- pen haben würde, oder entscheidend ist das Wohl der

— Dl« Aussichten der gehobenen Berufe spielen bei der Berufswahl dieses Jahres eine große Rolle. Sie sind zur Zeit die denkbar schlechtesten und es wird be­reits allgemein in den höheren Schulen von einsichtigen Lehrern darauf hingewiesen, daß sich auch sehr begabte Tchüler dem Handwerk, der Industrie, dem Handel, kurzum den praktischen Berufen, zuwenden sollen, weil diese eine weit aussichtsreichere Aistenzmöglich- kest bieten als die Beamten- und Lehrerlaufbahn. Die Zahl der Anwärter für diese geistigen Berufe ist eine Legion: ihre Anstellung auch in Jahren noch nicht tnögsich. Weitschauende Eltern sollten deshalb diese ! Zestverhältnisie nicht außer acht laffen und ihre Kinder rechtzeittg praktischen Berufen zusühren. Auch da gibt es hochbezahlte Stellen, wenn mich die heutige lieber« Schätzung der körperlichen Arbeit nicht von Dauer sein wird. Gerade tüchtige Kräfte werden im gewerblichen Leben dringend gebraucht: denn unsere Zukunft hängt nicht von der Wissenschaft, sondern von der Wirt­schaft ab. a.

— Ein Sachverständiger. Ter £>»rr Ortskom­mandant läßt sich den diensttuenden Offizier stellve" tretet kommen und haucht ihn an, weit das Müll 'n der Nähe der Lazareftdaracke nicht abgefa ren ist. »Dir haben keine Gejpmne frei. Herr Hauptmann", entschuldigt sich der Offisierstellv.'rtreter. ,Zum Donnerwetter, dann machen Sie ein Lo h und b >d- dein den Dreck ein!", erklärt der Herr Hauptmann. »Tann schimpft wieder der Herr Oberstabsarzt wegen der bleibenden Erdhaufen!" an toortete ber^grünb« "che Offizierstellvertreter. „Herr Gott, seien Lte doch nicht jo unpraktisch. Lasten Sie das Loch eben so Wofj machen, daß alles hmeingeht. Und nun reden die nicht mehr!"

Der Schrecken von Paris. Es waren any'ig-:« beinigte Srunden, die Paris, die Weltstadt, erlebte, ^«rn plötzlich in dunkler Nacht die Sirenen aufheulten, dumpfe Klang der Nebelhörner ertönte und der Himmel im grellen Llcht bon Hunderten von Dchftn. ■aerfetn taghell erstrahlte, die ihn nach der -deutüben absuchten. 'Tas krachende Geschützfeuer der ^berrforts und das unheimliche Surren der Zeppelline erfüllte das leichllebig« Geschlecht an der Se.ne mir iöher Todesfurcht. ‘ Furchtbarer aber war noch kt Schrecken der Pariser, al? vor nun mebr

Der Christ im betrachtenden Gebet. Anleitung zur täglichen Betrachtung besonders für Priester und Ordens- leute Don 21 u g u ft t n Lehmkuhl, S. 3. Dritte und 'eierte, durch Arbeitete und ^mehrte Auflage von Konrad Kirch S. 3. Zweiter Band: Fa ste n- und Ost er zeit. (668 6.) Freiburg t Br. 1920, n^r- jt 12.60; geb. M 16.60 und Zuschläge So schlicht die Punkte des Pater Lehmkuhl find, so recht tannen sie den ju einer stommen und fruchtbaren Betrachtung tuhren, der sich ihrer nach der am Anfang gegebenen Anleitung bedienen will. Er wird wie von selbst zu -wer herzlichen, -persönlichen Zwiesprache mit seiner eigenen Seele, mit der lieben Gottesmutter und mit seinem göttlichen Er- loser kommen, die die köstlichste Blüte des inneren Ge- betes ist. __________

Don Gr. Freytags Karten der neuen Nationalstaaten sind zwei neue sehr hübsch in vier Farben gearbeitete Dläller erschienen: Die Tschecho-Slmvakifche Republik 1 : 1-4 Mill., 35 : 65 Zeniim. groß, Preis emschl. Porto und des Buchhdl.-Teuerungszuschlages M 2.30, und der Südslawische Staat SHS (der Serben, Kroaten und Slo- . wenen) 1 : VA Mill., 55 : 60 Zentim. groß, Preir M. 3.10. Verlag von G. Freytag u. Berndt, Wien VII, Schottenfeldgasse 62.

Die «roße Harmonie. Erzählt von Marie von H«-. tcn Freiburg, Herdersche VerlagSbuchhdl. Geb. 7 Mk-

^rauenherz und eine Künstlerseele haben ver- eint dieses schöne Erzählerbuch geichafsen. L.en ^>>h. seligen und Beladenen, den Rmgenden und allen Mit­fühlenden ist «S gewidmet In grauer Not hebt e- an, in erlöstem Frieden endigt cS. o

zwei Jahren, am 23. März 1918, die erste putsche Ferngranate in Paris am Seine-Kai einschlug und ihre Opfer forderte. Paris stöhnte aufl Keiner wußte, woher da? vernichtende Geschoß gekommen war. Die irrsinnigsten Gerüchte durcheilten die Straßen, und schon rüsteten sich die Äengstl'.chsten zur Abtahrt nach dem ungefährdeten Süden. Der sachliche deutsche Hee­resbericht aber sprach am folgenden Tage van einer Beschießung von Paris durch Ferngeschütze. Auch in Deutschland munkelte man von ungeheuren Riesenka­nonen. Eingeweihfen Kreisen indcffen war bekannt, daß die gewaltige Waffe nur 10 Kilom. hinter der Sieg­friedstellung am Nordabhange des Mont du Joie ein. g>-k>aut war. Ebenso war eS kein Geheimnis, daß e-n Zufall zu dieser beispiellosen Erfindung geführt hatte. Auf einem Schießplatz war nämlich ein neues Geschütz versehentlich, nicht wie üblich, in einen Abgangswinkel bon 45 Grad, sondern von mehr als 50 Grad ringe« stellt worden. Diese Feststellung wurde erst gemacht, nachdem der Schuß bereits abgefeuert worden war. Zunächst konnte sein Einschlag nicht festgestrllt werden, bis Meldungen von der fernen holländischen Grenze, bie von dem Einschlag eines Geschoßtes berichteten, un­zweifelhaft battaten, daß es sich um die fragliche Gra­nate bandelte Dieser Fmgerzeig wurde beach et und in emsiger Arbeit Riesenferngeschütze geschaffen, deren Rohre etwa 20 Meter lang waren. Die ^"^Ge­schwindigkeit des nun in einem Winkel von 50 G ad bte xu »inet Höhe von etwa 40 Kilometer auftte-.genden Geschosses betrug 1500 Meter in der Sekunde Ta in dieser bis heute mit keinem andern Hilfsmittel erreich- ten Erdenferne die Lufthülle derartig dünn ist, daß sie j vraktisch nahezu als luftleer gelten kann, ist der sich bietende Widerstand so gering, daß die Granate zenes weitabliegende Paris erreichen konnte. Vom Av,chutz bte zum Ziel brauchte daS Geschoß etwa 3 Minuten. Bei dieser Entfernung war es nun selcht notig d e Trebuna der Erde in Berechnung ju geDen, ebenta, wie beim Richten berücksichtigt werden mußte d'ß das Ziel 1% Kilometer unterhalb der tm Ge,chu.)irande -gezogenen Wagercchten tag. kurzer Seif

I drei jener Riesen in Stell'ng. Und trotz aller Me:-. I düngen von feindlicher Seite gelang cS nM, ve ju vernichten. Durch alle nur erdenkbaren Schutzmittel deckte man sie. Künstliche Nebel, gietchzeit,-«s Ab-

I feuern ganzer in der Nähe hftindltcher Batterien, D^i- I gab« von Feuer unterdrückenden salzen und manche I aridere Vorsichtsmaßregeln taten ihre Pflicht.

Gesamtheit des Volkes.^,

Der „Derl. Lokakanz" meldet aus München: Sic Regierungen der süddeutschen Staaten sind bereits zur Fühlungnahme untereinander über« gegangen, um gemeinsam gegen die Nachgiebigkeit Berlins Stellung zu nehmen. Die bayerische Staats» regierung hat am Mittwoch noch in Berlin energischen iViderspruch gegen die Art und Weise der Ka- bmettsbildung erhoben. Das Verlangen nach einem Zusarnm enschlu ß von Süddeutschland und desien Zusammengehen mit den Rheinlanden unter der Parole „Los von Preußen!" ist in Bayern mächtig gewachsen. Die geeimate bayerisch« Bauernschaft hat durch ihren Aktionsausschuß in einem Telegramm an den Reichskanzler die Bildung einer reinen Arbeiter» regierung abgelehnt, unter der Androhung aller Fol- gerungen, so auch des schärfsten Lieferungsstrelks. In derselben Richtung bewegten sich schon in den letzten Tagen die audi von uns wiedergegebenen Ausfüh­rungen bto württembergischen „Staatsanzeigers".

äuslanö.

• Satholikenlag in Men. Der in Wien am 2-», März abgehaltene Katholikentag gestaltete sich zu einG emdrucksvollen Massenkundgebung des Katholtzismus in Ltesterreich. Besuch, Begeisterung und Zusammen- arbeit auf diesem ersten Katholikentag des neuen Deutschöfterreichs zeiaten das innige Zusammenwirken aller für die christliche Volksbewegung maßgebenden Faktoren. Vorausgegangen waren dem Kathosiken- tag der christlichsoziale Parteitag. Die dort festgeleg­ten politischen Richtlinien fanden auf dem Katholiken­tag ihre kulturelle Unterstreichung. Man hatte die Empfindung, daß ein katholisches Oesterreich nte aus- einanberfaöen würde, daß hier der Zusammenhall I zwischen Wien und den Ländern ein naturgegebener wäre wie auch oft von den Provinzrednern betont wurde, daß sich ihre Abneigung nur gegen die rote Regierung und das sozialdemokratische Wien kehre.

* Der Generalstreik m Dänemark hat sur einige i Berufe bereit? begonnen. Seit Mittwoch streiken die Bäckergesellen, auch die Hafenarbeiter, Seeleute und Heizer haben die 2hbeit niedergelegt, sodaß olle regelmäßigen Dampfer Verbindungen unterbrochen sind Seit Donnersiag streiken die Straßenbahn-, Telephon- und Ei enbahnbediensteten. Dre Lage ist sehr ge pannt, der Königs sucht die Schwierigkeiten durch Verhandlungen zu löten.

Aus item Rachbargebiet.

0 Hanau. Etwa 112 Pfund Schweinefleisch wurden an einem Ianuartage in Hochstadt bei Hanau dem Rentner Fritz Lehr aus Frankfurt a M. beschlag­nahmt. Dazu erhielt er noch 200 <M. Geldstrafe. Hier­gegen erhob er Einspruch und begründete diesen Ein­spruch vor dem Schöffengericht mit der Angabe, das Fleisch habe ihn 1200 M gekostet, durch tue Beschlag­nahme sei er bestraft genug. Das Gericht ließ die Strafe von 200 M beftefjen.

,q. Voikmarscn Tie Wahl für die Eltern­beiräte sind zu Ende. In der protestantischen Gemeinde ging mit einem Wahlvorschlag die Sache cita't von statten. Für die katholischen Schulen lagen i zwei Wählbar chläge und zwar Saitlermeister Heinrich Nitzge und Arbeiter Heinrich Zahn vor. Die Zen­trumsliste Ritzge batte von den abgegebenen 261 Stimmen 234, auf die Liste Zahn emfielen 27, ging also leer aus. Von ihrem Wahlrecht haben über 90 Prozent Gebrauch gemacht. Bravo!

AuS Oderheffen ttrrv Den Hess. Aemtern.

)( Momberg (Kr. Kirchhain). In großen Scharen I waren am Sonntag, 28. März Frauen und Manner von Momberg zu den beiden Zentrumsveriamin. lungen geeilt. Nach einer herzlichen Begrüßung I der Wähler durch Herrn ÄuratuS Lauer, zeigte Parieistkretär M üller-Marburg in der Frauen- I Versammlung, wie das Zenkium a's wahre christ- liche Bolkspartei für seine wirtschaftlichen Grund­tatze des Ausgleichs der Siände und der Parität I im Staatsleben erfolgreich eingetreten ist. In der Männerversammlung sprach er über den Reichs- I Parteitag und über die letzten wichngen Gesetze der Sozial- und der S'euerpolrtik. In der Aus prache wurden von Frau Ra mb die Frage der Hausagt- I tation iWd von Herrn Lehrer Kathrein die Ge» I meindeMer gestreift und hierauf die Versamm- lungen mit einem erhebenden Schlußwort des Vor- sitzenden, allezeit für die Ideale des Zentrums em- I zutreten, geschlossen.