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vlenstas, 30. Märi 1920

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Die Lage iw Industriegebiet.

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Deutsche Nationalversammlung

Das Programm der neuen Regierung.

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herausgeredet.

Abg. Legten, der Sprecher der Mehrheitsfo.zlsllsten. Man sah seinen Ausführungen mit besonderem Interesse entgegen, da Legten der Führer der Gewerkschostsver. bände ist, die die bekannten Forderungen der Regierung oorlegtsn und die Anerkennung dieser, Forderungen zur Voraussetzung für die -Genehmigung" der neuen Mi­nister machten. Legiens Rede trug einen ausgesprochenen Kampfcharakter. Die Gewerkschaftsforderungen erfahren in seinem Munde eine Auslegung, die nicht geeignet ist, die chnen ohnehin schon anhaftende Schärfe zu mildern. Segien unterläßt es auch nicht, starke Drohungen aus* Lvjsrechqr jur den FM, daß nicht dte mD

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schwere Mißstimmung geltend, da ihnm der Sold in den letzten Tagen nur zur Hälfte ausgezahlt wurde.

Essen, 29. März. Sn einer von 59 Städten und Kreisen des rheinisch-westfälischen Industriebezir-s be- chickten Vollversammlung der V o l l z u g s r a t e kam es gestern zu einer außerordentlich erregten Auseinan­dersetzung zwischen der politischen Leitung der revo­lutionären Arbeiterschaft und ihren militärischen Füh­rern. Während die politische Leitung auf dem sosortl- gen Abbruch der Kämpfe besteht und die llnterord- lmng der Roten Armee unter die politifche Führung fordert, zeigen die militärischen Führer nach wie vor wenig Neigung, sich den Anordnungen der politischen Führer zu unterwerfen. Es kam schließlich ein K o m- p r o m i ß zustande, in dem gesagt wird, daß x.:e Ar­beiterschaft die Waffen nicht mehr aus der Hand gebe und die bisherigen Erfolge nicht preisgcben werde. Ein­zig und allein auf der Grundlage der gegenwärtigen Gefechtslage werde verhandelt werden. Die äugen-, blickliche Stellung soll gehalten werden bis die Ver­handlungen mit Berlin zu einem Ergebnis geführt ha­ben Sollten die Rcichswehrtruppen versuchen, ins Industriegebiet einzurücken, so soll unverzüglich der Generalstreik für ganz Deutschland proklamiert werden.

Münster, 27. März. Infolge des von den Reicks* Kehrtruppen ausgeübten Drucks cm der Front bei Wo. sel und nördlich der Lippe haben bedeutende Teile der Anhänger der U. S. P und kr M-ehrheitssozialisten die' rote Front verlassen. Die Verpflegung soll man­gelhaft und das Verhältnis zwischen Truppen und, Führern ein von Tag zu Tag gespannteres sein. Hamm und Unna sollen bereits von den roten Truppen f?e-' räumt sein. Zwischen Haltern und Dorsten sind dis Roten hinter die Lippe zurückgegangen. Mit der Säube. rung van Coesfeld und Borken ist die Gefahr der völli­gen Inbesitznahme der Eisenbahn nach Holland besei- tigt. An militärischer Stelle sieht man die Loge imbe. dingt zuversichtlich an.

iotb Münster, 28. Marz. Ter Befehlshaber des Wehrkreises 6, Freiherr v. Watter, hat gestern sich persönlich von dem Zustand der dort bisher in schwerem Kampf stehenden Truppen überzeugt. Die Twiiwn .Kubisch hatte gestern das Lager Friedrichs leibe gesäubert. Auf der Geaxnsslte große Verluste. Erbeutet wmde eine schwere Feldhaubitze, eine Feldlanons, eine Revolverkanone und mehrere leichte Minenwsrfer, ferner zahlreiche Maschinenyx- wehre und große Munitionsbestände. Das Ein>schreite.r der Truppen südlich Wesel wurde notwendig, um Sie Zivileinivobner vor einer weiteren Beschießung durch rote Artillerie zu schützen. Die gegnerische, Artillerie wurde teils genommen und mit den Resten soweit zu- rückpVdränvt, daß eine Beschießung W eseilö nicht mehr zu befürchten ist.

Esten, 27 Mürz. Das „Ruhr-Echo" veröffentlicht eine Bekanntmachung des Vollzugsausschusses der Ar- beiteriäte In dieser heißt es, daß bei der Entladung der polnischen Gefangenen und Schutzhäftlinge entgegen der Absicht der maßgebenden Stellen auch viele V e w. brecher entwichen seien. Der Vollzugsausschuß ersucht die Bevölkerrmig, Ziw Wederergreifung der Ver­brecher behülflich zu sein. <

Barmen, 28. März. Zahlreiche rote Kampfe r find von der Wesel-Front nach hier zurückgekehrt. Die entlassene Polizei ist wieder eingestellt. Die, ver­hafteten Reichswehrsoldaten werden aus dem Gelang, nis entlasten.

Bochum, 29. März. Durch den Abzug der Arbeiter, truppen aus den Bezirken, die sich auf dem Boden bet Bielefelde'- Beschlüsse gestellt hatten, war die Front der Arbeiter zeitweise so geschwächt, daß fte an verschiedenen Stellen überhaupt nicht mehr bestand. Die Truppenablösung an einzelnen Teilen der Front führt" zu einer großen Verwirrung. Von Mülherm bis Esten und Duisburg find indeflen neue Arbeiter- truppen nach Wesel unterwegs. Die Reichswehr, soldaten d"r Festung unternahmen in den letzten Tagen verschiedene Ausfälle mit Paiiizerwagen und trieben die Truppen zurück. Dinslaken liegt nun. inehr wieder nn Gefechtsbereich. Während der ver­gangenen Nacht fanden in dieser Gegend heftige @e. fechte statt. Sie Reichswehr hat Verstärkun.

Leihen konnten.

Reichsfustizmimster Dlunck teilt mit, daß gegen Kapp, Lüttwitz, Oagow, Bauer, Schiele, Breberk, Falkenhusen, Levetzow und andere das Verfahren w e g e n H o ch- verrats eingeleitet ist. Soweit sie nicht m Haft sind, ist Steckbrief erlösten und das Vermögen besch-agnaymt worden. Wegen der Verfolgung Traubs i’t bei der J«= tionalverfammlung Antrag eingegangen.

Aba. Heinze von der Deutschen Volkrparw: fiihrte die Verteidigung seiner Partei nicht schlecht. Er lehnte eine Mitverantwortung für die Putsche unbedingt ab. Em Sprecher der Deutschnaiionaleip Volkspatte, kam heute nicht zu Wott. Als letzter Patteiredner führte

Abo Hans (Dem.) aus: Gegenüber den Hochverraten, fei rücksichtsloseste Strenge am Platz. Noskes Ardeü muffe hoch bewertet werden. Die Reichswehr muste gesäubert "'^NeichLkanzler Müller teilt zum Schluß noch mit, daß das Exekutiokmnitee in Duisburg der dortigm Retchs- bankstelle mit bewaffneter Hand 1 Million Mark °^Hieraus"oertagt sich das Hans. Nächste Sitzung Diens­tag. Fortsetzung, ferner Wahlgefetz, Gesetz wegen Hochverrats und anderes.

Ein V-rtran-nsvotum für die Regierung.

Die Führer der drei Mehrheitsparteien, Trimborn, Loebe, und v. Payer haben am Schluffe der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung ein Der trau- ensvotum für das neue Kabinett beantragt, besten Wortlaut folgender ist: _

„Die Nationalverfa'mmlimg billigt (die Erklärun­gen der Reichsregierung. Die Naiionalverfammlung ver­urteilt den gegen die Staatsregierung, das Staatswohl, die Verfassung und Nationalnersammlung gerichteten ver­brecherischen Aufruhr sowie die Anstifter und Helfers­helfer des Staatsstreiches. Die Nationalversammlung bringt alldn Teilen des Volkes, die durch gemeinsamen Widerstand die Verfassung geschützt haben, den Dank des Vaterlandes dar."

Der Antrag trägt die Unterschriften von 315 Ab­geordneten. Die Nationalversammlung wird sich heute voraussichtlich bis zum 14. April vertagen; man hofft, die Arbeiten bis zum 25. April erledigt zu haben, sodaß die Neuwahlen Ende Mar stattftnden können.

Das Ultimatum der Reichsregierung hat eine sehr tiefgehende Erregung ausgelost. Die ge­mäßigten Elemente wollen das Bielefelder Aokom.nen erfüllen und erkennnen auch die Notwendigkeit emer Aktion gegen die dem Abkommen widerstrebenden Ele­mente in den Städten des Niederrheins an. bereits am Sonntag fand in Hagen eine Versammlung von Vertrauensmännern aller drei soz> alist1! Mcn Parteien statt, in der u. a. die Städte Hagen, Schwelm, Altena ,Iserlohn, Lüdenscheid, Witten, Len­nep und Remscheid vertreten waren. In dieser Ver- sanmilung wurde ein einstimmiger Entschluß gesant, wonach sich alle orgamsiertm Arbeiter gegen den Terror von links wie von rechts wenden und sich von der Zentrale Mülheim — dies ist der szaupt- ergänzungsort und die Oberbefehlsstelle der Ro.en ~>x- mes — losfagen. Sm äußersten Falle feien sie sogar bereit, mit den Waffen gegen Mülheim zu -ampsen, weil die anarchische Handlungsweise dieser Zentrale eine Gefahr für den Industriebezirk bedeute. Die yuh- r»r der Kampftruppen der Weseler Front haben rmth'.n bei keiner Partei im Industriedezirk mehr Llnschmg. Mm: erwartet, daß in Dortmund, Elberfeld und war­men em ähnlicher Beschluß zustande kommen wird.

Die Führer der Kampftruppen haben trotz­dem bisher ihrs Haltung nicht geändert und ha- bm Forderungen gestellt, die wett über die ziie.ejeiber Vereinbarungen hinausgehen. So verlangen sie die völlige Entwaffnung und Auflösung der Reichswehr und die Errichtung einer Doikswehr aus Arbeitern, an welche alle Waffen abzugebcn sind. Nur auf dieser Gn-ndlage wollen sie zunächst verhandeln. Diese Hal­tung ist um so schwerer zu erklären, als die Roten Truppen vor Wesel, wie weiter unten berichtet wirb, eine sehr empfindliche Niederlage erlitten habrm

Die wirtschaftlichen Derhältniffe im Ruhr­gebiet verschlechtern sich von Tag zu Tag und die kom­munistischen Machthaber tun nichts, um des Sorglage der Bevölkerung ,besonders der bürgerlichen Kreise, zu mildern. Sehr unangenehm macht sich bereits der Mangel an ZahlungsmittqLn bemerkbar und verschiedene Unternehmungen sahen sich veranlaßt, die Lohnauszahlungen bis auf weiteres einzustellen, da ihre Bargeldvorröte vollständig erschöpft sind. Viele Unternehmungen sind dazu übergegangen, ihren Ar­beitern einen Vorschuß, die letzten noch verfügbaren Varbestände, auszuhändigen» um einer Beschlagnahme des Geldes zu entgehen, die von den Kommunisten mit großer Rücksichtslosigkeit vorgenommen wird. Unter der Arbeiterschaft, die schon durch die knappe Lebens­führung ihre Begeisterung für die kommunistische Be­wegung ziemlich verloren hat, macht sich eine immer stärker werdendeGSHrung wegen des Man­gels an barem Gelde bemerkbar. Nach Aussagen von Finanzfacksieuten werden im Laufe dieser Woche sämtliche Zahlungsmittel aus dem Verkehr geschwunden

gewiffenhasie Durchführung" erfolge. Sehr bedeuiimgs- volle Ausführungen macht

Reickswehrmtnister Getzler, der für die Wiedergewin­nung des Vertrauens zur Reichswehr sich E- sprickt. eine Untersuchungs-Kommission zwecks Prüfung der Haltung der Offiziere während des Puttches ist etn> gerichtet. Eine Gesetzesvorlage, welche auch mtluarifche Persönlichkeiten, die sich am Putsche beteilig! haben, der Aburteilung vor bürgerlichen Gerichten unterstellt, ist der National-Dersanimlung zugegangen. Auf alle Fcme iou sofort ein gerichtliches Verfahren cinadeitet werden. Zur Beruhigung des Landes werben Kommissare entsandt. Sehr ernste Worte widmet Reichswehrminister Gezier bat Dingen im Ruhrrevier. Er konnte aber auch schon Mitteilen, daß dank der festen Haltung der Regierung das Schlimmste abgewendet erscheint, in­dem der Essener Zentralrat das Ultimatum der Regierung angenommen hat. Es fragt sich m>er, ob er genügend Einfluß hat., Geßler will für die Vor­gänge im Ruhrrevier gewiß keine Partei verantwor.uch machen, aber auch er glaubt sagen zu muffen, tah es dre Schuld von rechts und namentlich die Wirkung des Kapp- Putsches sei, daß die Dinge im Ruhrgebiet soweit ge-

Sckrecken der Okkupation cn-szusetzen. Unser -e-ergrhen ist voii der Sorge diktiert, daß durch die Entwickelung der Lage im Ruhrgebiet die Erfüllung der Frieden - Vertragsbedingungen ernstlich gefährdet werden kannte, an der gerade Frankreich lebhaftes Int messe hat: die Kohlenließerung. Man folite doch endlich auch yct Frankreich einfelien, daß die Arbeit, die ttnr leisten,^ im Interesse der europäischen Demokratie geichreyt. ~;Clln die Auflösung der staatlichen Ordnung in irgend einem Teile Mitteleuropas hat bie schwerste Gefahr für atte übrige Teile im Gefolge.

Herr Müller schließt, die Mehrheit des. Hauses spen­det Beifall, die Reckte zischt. Mag sie immerhin, die Wahlen werden ihr die Quittung geben.

Schnell werden einige Vorlagen ohne Erörterung uen zuständigen Ausschüssen überwiesen, dann tritt eine zwei­stündige Pause ein. Um 1 llhr beginnen die Fraktions­redner.

gen erhalten.

Essen, 27. März. Die Verordnung des Essener Doll- zutzSrateS über Beschlagnahme von Lebensrnitteln auch in den PrtvathariShMmiMn ttourbc von zahlreichem, Gesindel zu Plünderungen benutzt Im vielem WÄmm'geu der besseren Viertel ersch-enerr Banden, die angeblich im Auftrage des VollzugSrateZ die Woh­nungen durchsuchen und nicht nur Lebensmittel, soni- derii auch Geld- rmd Wertsachen fortschleppten. Der Voltzuysrat der bisher vergeblich versucht hat, dieses Gesindels Herr zu werden, hat deshalb die Verordnung über die Beschlagnahme von Lebensmitteln zur u ck. genommen. .

Elberfeld, 27 März. Der anscheinend geisteskranke Rechtsanwalt Lamp hat sich hier zum Cbef der I w- st i z v e r w a l tu n g ernannt und die Gesetze Tur ab- geschafft erklärt. 700 Sträflinge sind Es den, Gefängnis ausgebrochen, darunter, befinden sich Mör­der und Schwerverbrecher Von diesen hat eine größte Fahl sich in die Rote Armee einreihen lassen Die Jup: stizbeamten in Elberfeld sind darauf in den Streik em». ^Duisburg, 27. März. Hier in Duisburg ist streng- Diktatur des Proletariats erklärt worden. nvr bisherige aus allen fozialisiischrn Parteien be- ftebenbe Vollzugsrat wurde abgesetzt. An seiner Stelle irmrde ein Erekutivkomitee gebildet aus einigen Arber-, tern der äußersten Linken. Die sofortige Fortsetzung des Kamvfes an den Fronten mit allen Mitteln wurde pro­klamiert und die zur Bezahlung dec Truvven notwen.. tagen Gelder, die für Duisburg allein über 500 000 Mrrk täglich betragen, durch Rectuisttion crirfgsbracht- Nm die Lebensmittel für die Truppen beschaffen zu können, wurden die nicht vatimiierten Lebensmittel in den Geschäften und Lagerhäusern ebenfalls beschlag­nahmt. Die Polizei wurde entlassen, und die Auf- reckterhaltung der Ordnung einer rebolutionären Volks- Mehr übertragen. Wer mißbräuchlich von der —Mrffe Gebrauch mackt, wer sich Befehlen widersetzt oder ~e_- benSmittel und HeeresausrüftungSaeaenstän^ _pir Pri­vatzwecke verwendet, wird standrechtlick eisschonen Der. Oberbürgermeister Dr Jarre? wurde in Der letzten Nackt mit vorgehalt-nem Revolver aus seiner Wohnung gebolt und sollte gezwungen werden, die no wend^en. Gelder, über 5000 Mark täglich, aus städtischen Mit- teln anzuweisen. Er weigerte sich entschieden und, ve. zeichnete das Ansinnen als einen ErpressungSverfuch Man enlließ ihn darauf nack mehrstündiger Haft nutz dem Bemerken, daß er von der Drbetter;chaft abgv- j । foi '

vul-bürg, 29. März. Die Loge hat sich hier wesent­lich verschärft. Am Sonntag nachmittag hat der Ober- bürgermeister wegen persönlicher Bedrohung die ©tobt verlassen. ’ Der erste Beigeordnete wurde verhaftet. Heute, woraen U die seWtze MffKe W

rinzer gewesen. .

Es gibt heute in Leutfckstmd nickt nur cme S-o. lchr von reckts, sondern auch eine erbetlidje Gefahr t von links Das Weitz auch Herr Müller, aber leider " kcheint er sie Zu gering einzuschätzen. Bolschewismus? ' Ja, geiviß! Aber den lehnen wir ab. Punktum, fer- ; tig. Die Bolschewisten werden sich freuen und sich den - Teufel darum fcheren. Nein, Herr Müller, ebenso wie nach rechts darf mich nach links nicht nur. der Mund L gespitzt, sondern es muß mich hier gepfiffen werden. E Reckt kräftig sogar. Denn im Westen stellt das Haus r in Flammen. Man hätte dem Reichsstmzler en. dieser Stelle seiner Ausführungen etwas mehr Energie und , Bestimmtheit wünschen mögen. Denn leicht kann es kommen, daß sonst der neue Reichskanzler selbst zur k Ablehnung keine Gelegenheit mehr haben wird.

Zur Außenpolitik erklärte der Reichskanzler: Ministerprastdent Millerand hat in bet letzten Frei- toyssitzimg der französischen Kammer »erlangt, daß L .Deutickland ben Friedensverttag erfülle, den es unter« schrieben habe. Die deuffche Regierung ist seit der Uutrrzeicknun«; des Versailler Friedensv-rtrageS ehr­lich bemüht gewesen, alles zu erfüllen, was zu erfüllen

Werhcmvt in der Lage war. Im übrigen ist ein l ZiSanmienarbeiteu Frankreichs mit Deutschland auf dnrtsckaKlichem Gelltet unbedingt geboten, wenn fich l Deutschland nicht wirtschaftlich und finanziell verbluten ’oö, mcrs den wirffchaftlichen Ruin auch bet übrigen Länder zur Folge hätte. Ohne ein lebensfähiges , Deutschland kann Europa nicht leben. Millerand ver- t langt Gerechtigkeit Die Gerechtigkeit gebietet mir zu lagen, daß die deutschen Lellensinteressen nicht einmal »ort Wahrung fänden, wo sie mit denen Frankreichs t identisch waren Aus allen Teilen des Ruhrge­bietes kommen täAick Deputationen zu uns und schildern die fürchterliche Lage. Deshalb vev- daudeln wir mit den alliierten Regierungen, um für

Notfall und vorübergehend eine stärkere Truppen- Sterbt in den dortigen Gebieten zusammenzuzieben, die mfort entfernt werden soll, wenn eine friedliche Ent- Wannmig möglich ist. Die französische Regierung «wer ivlll unsere Wünsche nur bann erfüllen, wenn Eierte Truvpen an anderen Stellen in bte wutrak Jane einrücken dürfen. (Bewegung. Hört! tzE.- ?° verlangen die Franzosen als Garantie die Be­setzung von Frankfurt a. M- n n

Ho mb u r g-, Darmstadt 'und Dieburg, was sin Vorrücken um etwa 20 Kilometer au jener stelle Leuten würde. (Lebh. Belvestung und Hört! Hört rufe. > ^ie deutsche Regierung muß natürlich eine f ol ck ? Zumutung zurückweisen. (Lekch. Beifall.)

I 'Sit isnfeji nicht daran, dieses friedliche Gebiet flöt

Abg. Bolz spricht für das Zentrum. Er führte aus: Di» Erhaltung des Reiches können wir nur fördern und zur allmählichen Gesundung unserer wittschafiiichen Ver­hältnisse können wir nur gelangen, wenn das Volk zur Ruhe und Besonnenheit wieder zurückgefuhrt wird, ou diesem Zwecke hat sich die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes zu gemeinsamer politischer Arbeit ver­einigt. Daß diese Politik der Sammlung zum Nachgeben, zum Verzicht und zum Vergleich zwingt, liegt in ihrem Wesen, aber das bedeutet keine Schwäche, sondern Klug­heit Ohne die Koalition gibt es keine Ret­tung für das deutsche Volk. Steigender Ucber- mut rechts und steigender Hebet mut links und zu große Vertrauensseligkeit in der Mitte haben das Unglück ver­schuldet, das über Deutschland hereing-brochen isk. Ucber Nacht standen wir plötzlich vor der größten Gefahr, -v'.e weit die Patteien der Rechten au den Vorbereitungen und der Ausführung des Putsche- beteiligt waren, wissen wir zur Stunde noch nicht, aber wir wissen, daß es ihr Werk ist, ihre Agitation und die Früchte ihrer Vcrhetzmig. (Lebhafte Zustmnnuna bei der Mehrheit.) Besonnene Kreise innerhrlb der beiden rechtsstehenden Parteien mögen ben Verfaffungsbruch mißbilligt haben. Solange aber die Opposition das polttische Narrenspiel j-nb Verbrechertum in ihren Reihen duldet, muß sie es such über sich ergeben lassen, daß man sie dafür verant­wortlich macht. Der Angriff in der Presse der Rechten läßt jedes Maß von Anständigkeit imd politischer Klug­heit vermissen. Das Verbrechen wird noch gesteigert, wenn sich auch heute noch schamlose Gesellen finden, die die Verbrecher selbst als Helden feiern. (Lebh. Zustun- mutig.) Nun werden ja die Wahlen bald stattfinden. Ob die Rechte aber jetzt auch noch mit baldigen Wahlen einverstanden ist, wissen wir allerdings nicht. (Wider- sprach rechts und Beifall bei der Mehrheit.) Der Ruf nach Fach Ministern wird am besten illusttiett durch die Regiemng des Herrn Kapp. Der Ruf nach Fach- minssiern betautet eine Kampfansage gegen das parla­mentarische System und die Demokratie. Zur Arbeit ge­hören gewiß Fachminister, aber noch mehr als dies kluge politische Persönlichketten. Der Putsch war tar Kampf einer übermütigen, ausgeschalteten Kaste. Die Zerttrumsvariei hat es a b g e l e h n t, sich dem Ausruf des Generalstreiks auzuschließen. (Lebhaftes Hort! HStt! reckis.) Damit verkennen wir aber nicht, daß es Umstünde geben kann, in denen der Streik zur Derteidi- guna des Rechts das einzig wirksame Mittel fein kann. Der Verfaffungsbruch ist an dem gefunden Sinn des Volkes gescheitert. Die Gegenbewegung, die der Putsch äuslöste, war nicht allein eine Umsturzbewe­gung von links, nickst allein eine Aktion zur Wiederkehr von Riche imd Ordnung, sondern zwessellos eine Mischung vrm beidem. Wir wissen nicht, wie wett die Um« sturzbewegung von links zu jenem Zeitpunkt gerade vorbereitet war. Das Narreuspiel der einen Sette mußte das Verbrechen der anderen zur Folge haben. Das Ultimatum der Regierung gegenüber den AufstaM- schen im Ruhrgebiet findet unsere volle Zustimmung. Wir halten es für angezsigt, daß die Regierung dott nun ernst macht. Wir dürfen noch einmal hoffen, der Lage Herr zu werden. An uns liegt es nun, zu verhindern, daß die Abwebr des Umsturzes von rechts zum Umsturz von links führt. Schutz der Verfassung muß bte Parole jener Volksteile sein, die Ruhe und Ordnung her­beisehnen. Wir möchten den Reichskanzler bitten, nicht nur nach rechts zu blicken, sondern auch nach links. (Sehr richttg! rechts.) Das erste Gebot der Stunde ist die Schaffung einer zuverlässigen Truppe. Es ist die Aufgabe jener Truppe, für den Schutz der Derfas- sung zu sorgen und für die Wiederherstellung der Rechts- oibmmg. OMziere und Mannschaften der Reichswehr müssen aus Bürger- und Arbeiterkreisen genommen wer­den, die zur Demokratie und zur Verfassung stehen. Wenn von Unabhängigen und Komrmmisteii ausschließlich die Bcwasmimg der Arbeiter verlangt wird, mit tarn ein« »igen Ziele, die Rätediktatur zu errichten, so müs­sen wir das mit aller Entschiedenheit ablehnen. W'.r verlangen auch die AuHebuug der heimlich bemafsneieu M-chi. Der Schutz der Veffaffung verlangt nun aber auch die Bestrafung des Derfoffungsbruches. Mit den straflosen Revolutionen und den Amnestien muß _nun Schluß gemacht werden. Energischer als bisher muffen wir gegen die politische Verhetzung des Volkes auftreten. Daher bemüßen rvir dm Kampf gegen das politische Gesindel aus dem Osten, bas unser Volk ver- hetzt. (Zustimmung rechts.) Wir traben im letzten Jahre eine gute Politik gemacht. Eine spätere Zeit wird unsere Arbett besser würdigm als es im Augenblick von rechts und links ^schicht. Auch das Za'.werwort von der Auf- heduna der Zwangswirtschaft wird am Schieber- und Wuchertt'.m nichts ändern können. Wir müssen unser Volk auf einer mittleren Linie sammeln. Radikale Rechtspolitik führt zum Ruin, radikale Links- poliiik nicht weniger. Beides könnte nur Sie Vernichtung unseres Volkes herbeiführen. Unseren Wöhlern werden wir zurufm: Folgt unserer Partei! Wir sah­en auf einem guten Wege. Unsere Politik ist eine rechte, deutsche, nationale Politik. (Lebhafter Beifall kn Zentrum.)

Abg. Henke (Uuabh.) schlachtet zunächst Noske ab, der gelassen diese Prozedur über sich ergehen läßt. Allmählich ziebt er Härtere Register und dann geht er gegen bte Rechi» los, die Henke aber nicht ernst nimmt. Schließ­lich wird er langweilig. Man vernimmt von ihm alte, schon zmn Uebcrdruß gehörte Schlagworte, die durch die stete Wiederholung wirklich nicht genießbarer werden. All- mählich ha er auf diese Weise fast bas ganze -Haus"

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Verantwortlich für den redattionellen Teil: Karl Schutte, n für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. •• Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Attrendruckerei in riulda. Femfmecher Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung

„ »Eier wieder hinausgeschabeu, weil 'm testen L•.vnblitf die Regierung tack noch nicht neu gebildet ET überhaupt keine Regierung mehr vochmitan !«ir, “** bi, feit Tagen erwartete Sitzung der Deuffchen Ei-nalversinimilung am Wontcrg statt, um die «tcl- BrLu;hme der Parteien dazu entgegenzunehmcn. Dw dvj- fnablte sommerlich warm vom Himmel, als ge„ "710 Uta bk Minister, von Photogrm>hen beftiirmt. l <Zbaeorbu-ten und -viel Volk" in*ben Reichstag ELtttn Drinnen im Saale die Tribünen überfüllr. D^dcn'Regierungsplätzen die neuen Männer wie auf

Schnur aufgereiht. Dahinter ein Gewimmel fchwcrr^berockten akitnrien. Auch Militärs in ge= Die Bänke der Abgeordneten üben» L^nd'«gering besetzt. Die Formalitäten ber.Eröff- ta-h neben vorüber, ohne daß man ihrer besonder» (Sm Man wartet nur auf den Augenblick, wo der Ec Reichskanzler beginnt. Nach ein paar Minuten » c?. so weit.

RrichSkansier Müller begibt sich ans Rednerpult und Lemnt Dtcrn kennt ihn ja und auch seine Sprach. Eie wch aus dem alten Kabinett, mutz aber mit Be« Minima feftiteffen, datz er wirksamer zu reden ver- L» -la' sein Vorgänger. DaS Programm der neuen

Kmerima? Es hat sich nichts Wesentliches U-eändert, imd die Richtlinien der Koalition, Mb denen die Regierung Bauer ihre Geschäfte führte, Mvfeu auch weiterhin ben Weg. Mau kann barmt ) ».frieden sein, benn sie hatten rmS vor dem 13. Marz '•Wti§ auf den Weg der WieÄergefimf-ung unseres -Botas und Vaterlandes geführt. Was der Rebe Mül- ihre befonbere Bedeuttmg gibt, ist die Mrnehinrng WM den Verbrechern von rechts, auf bte das ramc Volk mit Svanmmg gewartet hat. .Herr Miller SW einen guten Tag, und er macht sich gum Sprachrohr Btt überwÄigend-n Mehrhett des deutschen Volkes, in.

-em er iinmißverständlich sagt, was zu sagen tvar, rmm entwickelt der neue Reichskanzler sein Pro- t Matnm Er forderte nickt Weniger Demokratie, Dul­dern mehr Demokratie! In alle öffentUcheii Elnrrc^. brngen der Republik soll die Demokratte enigefirgt und d«in befestigt werden, mit eisernem Besen soll mrSM- Wtt werben, rücksichtslos «nd rasck, daS muß geschehen t Denn das Vertrauen in den breiten Massen wreder- - kehren soll. Der ReichswirtsihastqSrat iüirb scknellstenS k'Uschaffen werden. Ebenso werden die atiberen , in

Angriff genommenen Gesetze fertiggestellt und Wirb, schaftszweige, die dazu reif sind, in öffentliche Brwir tschaftuu« und Kontrolle übernommen ! ^chen. Elektrizität, Kohle und Kali find

die ersten bierber fallenden Gegenstände. Für bte I Landwirtschaft nach künstlicher Dünger geschaffen wer.

ter Die neue Regierung übernimmt das Progr.mmi der alten. Demokratisierung unter voller fl Wahrung der Rechte der verfaffimgstreuen Betrmten, die Auflösung untreuer Heeresfornmtunlen unv an be. an Stelle Schaffung neuer Verbände, die 'als wahr- : ferne, keinen Stand auöschließende Volkswehr beze:ch-- FiKt werden kann; alles dies unter Beteiligung der Or- : gmisationen der schaffenden Stände muß unsere große,

felld zu lösende Aitfgabe sein. Wir werden sie rück- MWÄos und erttsckkoffen dnrchführen. Der Austum der LJ o 31 a l e n Gesesgebung ist bringend geboten.

Großzügige Di^chführung der FÜrforae für bte : Kriegsopfer ist imferc heiligste Pflicht. (Seb- i hafte allseitige Zuftimmimg.) Das VerforgmtgSgefetz

für die Krinosbeschädigten und Hinterblttbenen iit feri- r tiggeftent. Eine Fürsorge für Arbeiter inid Angestellte

muh geschaffen werden, indem bas Arbeiter, und Be. «mtenrecht fcklemitgst biirchgeführt wird. BerwalnmgS- : form und BeamtenbefaDimgsreform müssen alSöald k ibrea geseWLen Ausdruck fhüxn. Die Arbeit tat Wüattonalversamuckung wird schon zeitig abgebrvchem l werden müssen, weil baS Volk nach dem Staatsstreich

mit ben Kavpanhänzern eine baldige Abrech ' ttttng durch Wahlen haben will (Sehr richtig! ■ finis.i Loväle Erfüll»»« des Fr i edenSv er tr a. F gcSchaffung einer Amosphäre des Vertrauens zwt.

scheu ben Völkern und öffentlicher , Bruch m-r allen | Äriegscriifchauungen in der Politik ist unsere Aufgabe.

linier Kurs bleibt auch in be% Außenpolitik der alte, teil bas der richtige war Die schnelle Erdrosselung des Kapp--Putfches erhöhte das Vertrauen zu ' «t?. Hätte uns die Entente nicht das Atmen schier k Mmöglick gemacht, so wäre die Zahl bet Kappianer ge-