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Fuldaer Heilung

Droü dcr Znldaer Aelirudruckcrei k« Fulda.

Samstag, 27. März 1920.

die

Märkte.

um

6 Uhr.

ZU

Tew..

mancher kleine Mann kam durch triefe Hochherzigkeit preiswert zu einer Fuhre Holz. — .Es ist genug- Wenn dieser Grundsatz im ganzen deutschen Dater- lande zur Durchführung gebracht werden könnte, und wenn jeder, der etwas zu verkaufen hat, chn sich nm gutem Willen zu eigen machte, barm hätten wir auch bald wieder erträgliche Zeiten.

Börsenwochenbericht

der hessische» Vankvereinr. Akiieugesellschafl.

Zweigniederlassung Zulda.

Eoltesdienstordnnng.

KatdoMkber (9ott*8bicnfit.

Sonntag, 28 März. «Palmsonntag

-- Fulda, 27. März. 220 Ferkel und 12 Läufer standen am heutigen Sckweinemarkt zum Berkau'. Ferkel notierten 200, 280 und 360, Läufer 500, 575 und 650 Mark. Gegen Marktschlutz sanken die Preise; dennoch blieb ein großer Ueberstand. Von Samsiag, den 3. April ab, beginnt der Austrieb bereits

Nach der langen, unfreiwilligen Börsenpause wurde v_ Anfang bar Woche in Frankfurt der Börsenverkehr wieder ausgenommen. Berlin folgte am Dvnnerstc^. Infolge der schwierigen inneren Verhältnisse, wie sie z. Zt" herrschen, war die Tendenz im allgemeinen un­einheitlich und zur -schwäche neigend. Der Marrrur?, der beim Ausbruch der Gegenrevolution von rechts an- fänglich fiel, erholte sich wider Erlvarten bald, da weit­aus die Mehrheit des deutschen Volkes hinter der ver­fassungsmäßigen Regierung stand und dadurch das Der. trauen im Auslande zu dieser gehoben wurde. Mon­tanwerke lagen wegen der ungeklärten Lage im Jndu- strierevier durchweg rückgängig. Recht feste finrfe zeig­ten Schiffahrtswerte: Hapag wurden mit 169% Proz.

Dieser Holzwucher ist auch die Ursache für die -'tot der Presse, weil infolge der wahnwitzigen Preissteige­rungen aus dem Holzmarkte die Preise für die Her­stellung des Papiers sich stetig aufwärts bewegen. Hier hat die Regierung das dringendste Interesse, und gerade in diesem Falle zeigt sich die unmittelbare Ver­knüpfung der wirtschaftlichen mit dm politischen In­teressen, mit starker Hand einzugreifen und eine Bes­serung herbeizuführen. Um es noch einmal zu sagen: Es handelt sich hier nicht um die Interessen eines einzelnen Gewerbezweigs, es handelt sich um die Sorge für das ganze DoM

und Llovd mit 177 Proz. genannt. Auch Hamba.-Süd- amerikamfebe Dampfschiff und Dt. Austral. Ges. kann, len wesentliche KnrSverbeflerungen erzielen. Es ver­lautet gerüchtweise, daß Deutschland ein- wenn auch nur ganz geringer Bruchteil der Handelsflotte durch die Entente zurückgegeben werden sollte. Valutawerte lagen mit Ausnahme einiger Koloniolpapter- ansäno- lich schwach, an der letzten Börse jedoch gefestigt.

Der Handel in deutschen Anleihen lag TttH, 5"/<- Reichsanleihe büßte mit 79*'s0/« gegen den letzten Kurs­stand etlvas ein. 4% Preuß. Consols 76.20%, Hypotheken­pfandbriefe zo?en leicht an.

Literarisches.

Der Bauernsegen. Ein Tiroler Raman aus her Gegenwart von Hans Schrott-Fiechtl. Verlag C. B. Groß. Berlin SO. 68. Geheftet 8 Mark. Tas Buch ist eine Tat, ein hohes 2ied der Arbeit und des­halb doppelt in der augenblicklichen Zeit zu begrüßen. Der Verfasser ist einer der besten Kenner des Bauern­tum?; seine Sprache ist schlicht und doch packend, die Gedanken sind einfach und doch tief überzeugend. Von den zahlreichen Tiroler Dauerngeschichten des Dichters Wohl bte beste. Tas Buch zeigt, wie die geistig alle üverrogende Fillbäuerin die Bauernschaft genoflens- schastlich organisiert und den Geist der neuen Zeit in wirtschaftlichen Dingen in Tirol zur Herrschaft bringt Und dadurch wird die brave Kctthi zum Bauernsegen.

_ ... §r.

Bibliotheks-Ordnung für die Landesbibl othek in Fulda.

(Die Landesbibliothek zu Fulda ist als öffentliche Bib­liothek von dem Fuldaer Fürstbischof Heinrich VIII. von Bibra gegründet und am 15. Mai 1777 eröffnet worden. Nach der Einverleibung Fuldas in den Kurstaat Heften im Jahre 1816 wurde sie als Landesbibliothek weitergefühct; 1867 ging sie an den Bezirksverband für den Regierungs­bezirk Kassel über.)

§ 1 Zweck.

Die Landesbibliothek zu Fulda dient wisienschast. lichen Zwecken und ernster ^Berufsarbeit.

Sie übernimmt auch die Aufgaben einer allge- meinen Bildungsbibliothek, solange keine solche in Fulda vorhanden ist.

§ 2 OefftwngsM ______ ___________..

Die Bibliothek ist an allen Werktagen des ganze» Jahres geöffnet und zwar:

Der Lefesaal von 10—12'/- und von 4—6.

Die Ausleihe von 11—12% und von 5—6.

Die Bibliothek ist geschloffen an allen Samstag Nachmittagen und in der Woche vor Ostern, in den zwei ersten Wochen nach Pfingsten (Revision der Mv» liothek) und in der Woche nach Weihnachten.

§ 3 Benutzung.

'Die Benutzung ist unentgeltlich.

Jeder Erwachsene hat freien Zutritt zum Lefefaal und zur Ausleihe. Indem er von diesem Rechte Ge­brauch macht, verpftichtet er sich zur Befolgung dieser Bibliotheksordnung.

Un-erwachsenen kann der Bibliotheksvorstand die Benutzung auf begründeten Antrag gestatten. Schüler müften das Einverständnis ihrer Lehrer nachweifen.

Das Betreten der Dücherräume, des großen Saales und der Handschriftenausstellung darf nur in steter ^Begleitung eines Bibliotheksbeamten erfolgen.

§ 4 Verhallen der Benutzer.

Es wird von den Benutzern vorausgesetzt, daß fie diejenige Zurückhaltung beobachten, die die Rücksicht auf die in demselben Räume Arbeitenden gebietet. Rauchen, Mitbringen von Hunden, lautes Sprechen in» Lesesaal usw. ist nicht gestattet.

§ 5 Behandlung der Bücher. ErsatzpstM

Die Benutzer müssen die ihnen anvertrauten Druck» nnd Handschriften sorgsältigst behandeln und sie vor jeder Beschädigung bewahren. Alles Einschreiben,oder Anstreichen mit Bleistift oder Tinte, das Umbiegen von Blättern, das Brechen der Tafeln und Karten ist strengstens untersagt. Zum Durchzeichnen bedarf es der Genehmigung des Bibliotheksvorstandes.

Bon dem Zustand einer jeden Druck- oder Hand­schrift muß sich der Benutzer beim Empfange über- saugen und etwa vorhandene Schäden sofort anzeigen. Andernfalls wird angenommen, daß er das Buch in gutem Zustand erhielt. ,

Für verlorene, beschmutzte oder sonst beschavlgte Bücher ist voller Ersatz zu leisten; der Geldbetrag wird von dem Bibliotheksvorstand festgestellt.

§ 6 Kataloge. Wunschbuch.

Die Kataloge über die vorhandenen Drucke und Handschriften können im Lefesaal vorgelegt werden. Bon der Handbibliothek des Lefesaales und von der Freihandbibliothek der Ausleihe stehen dem Publikum besondere Kataloge in den betressenden Räumen zur Verfügung. Das jedes Jahr erscheinende Verzeichnis der Neuanschaffungen kann in der Ausleihe gegen Er­stattung der Selbstkosten bezogen werden. Wer die Anschaffung eines in der Bibliothek nicht vorhandenen Buches wünscht, kann feinen Antrag in eine Liste, die im Lefefaal aufliegt, eintragen.

§ 7 Druckfchrisle«.

Die Benutzung von Druckschriften erfolgt im Le­fesaal und durch Entleihung. Gewünschte Bücher, die aus den Magazinen herbeigefchafft werden müssen, sollen vormittags vor 10 Uhr bestellt fern. Das Be­stellen kann durch Postkarte ober durch Einwurf eines Bestellzettels in den Briefkasten im Borflur der Bib­liothek geschehen. Bestellte Bücher, die nicht innerhalb einer Woche angeforbert sind, oder deren Benutzung im Lesesaal 8 Tage ausgesetzt wird, gehen in die Bü- cherrimme zurück.

§ 8 Lefesaal.

Wer den Lefesaal benutzen will, trägt seinen Namen 'm die dort aufgelegte Besucherliste ein. Bringt er Bücher mit, so zeigt er sie beim Kommen und Gehen dem Aufsichtsbeamten vor. Die Handbibliothek des

«tU Not der deutschen Presse.

eutes Volk hat die Regierung, die es verdient, /mott hat auch die Presse, die es verdient. Ein ? tzxs deutschen Volkes war immer die llnad- jLfeit seiner Presse. Die deutsche Oeffentlichkeit immer Über die Presseorgane verfügt, die nur im rite der Allgemeinheit sich betätigten, unter Wah- j ihrer kulturellen und parteipolitischen Anschau-

*^Diefs hochwertige Charaktereigenschaft der beut»

Presse hat sich naturgemäß dem öffentlichen und besondere dem politischen und parlamenrarischen Sen mitgeteilt. Daher kam es, daß die deutsche EX immer mehr zu einem polittschen Faktor heran- lX, mit dem jede Regierung zu rechnen gezwungen

Umsomehr mußte dies der Fall sein, als unter K" parlamentarischen Regime eine viel engere Ver- Esnfiing des ganzen Volkes mit der Politik herbei- Lfflhrt mürbe. Heute ist die Prefle mehr als je ein bestimmender Faktor in der Politik.

*Diefe Rolle erscheint durch die Entwicklung, welche u, wirtschaftlichen Verhältnisse in ihren Wirkungen ig die Verhältnisse in dem Zeitungsbetriebe gerwm- E, haben, aus das Höchste gefährdet zu werden. Die ®Dt(aae der deutschen Presse ist nachgerade eine un- Mheuerliche geworden Damit erwächst eine andere Efcum vieles größere Gefahr, nämlich die, daß das -mse deutsche Volk nahe daran ist, seinen durch die taffe gesicherten Einfluß auf die Politik und den gang der polflischen Dinge zu verlieren. Es handelt ja somit um nichts Geringeres als UM die Frage, ib das deutsche Volk der einflußreichen M i t b e - »immung bei der Gestaltung seines politischen geschicks sich entäußern will oder nicht.

Soweü die materiellen Nöte der Notlage der beut» ^cn Presse in Frage kommen, nur ein paar kurze

Die Einnahmen sind gesunken, die Ausgaben aber M Meles gestiegen. Die gesteigerten Bezugs- und Inseratenpreise machen nicht den riesigen Verlust wett, iefl die außerordentlichen Auslagen unserer Zett für Msterial und Löhne bedingest. Um nur einiges her- «rzuheben: Der wichtigste Betriebsstoff für die Zei­tigen, das Papier, kostete in Friedenszeiten 23 Pfennige das Kilo. Es ist jetzt auf dem Woge, den Preis von 3,50 Mk. zu erreichen. Mehr als 17mat jo teuer ist also allein das Papier geworden, das die wichtigste Nolle tm Unkostenetat der Zeitung spielt. Die Pezugspreiserhöhungen konnten diesem Geschwind- schrill nicht folgen. Nun kommt aber doch noch der ganze Aufwand für die Mehrausgaben der Materia­lien in Betracht. Die Preise für Farben, Oele, Felle mb für sonstige Druckereimaterialien haben sich zum Te-l um das Tausendfache, ja sogar um bas Zwei- lausendsache erhöht. Ins Phantasische gehm die Preise fist die technischen Materialien, die Metalle, die Ma- trizm, die Maschinen. Eine Setzmaschine war früfjer für den Preis von 12 000 Mk. erhältlich, während sie heute kaum unter 80 000 Mk. zu haben ist. Wie es mit den Ausgaben für Löhne und Gehälter steht, brauch» wohl nicht näher erörtert zu werden. Auch hier find die Unkosten so gewaltig gestiegen, daß sie bas Vielfache der früheren Ausgaben betragen.

Die Dinge stehen so, daß bei dem Anhalten der Preissteigerungen mit dem Zusammenbruch einer gan­zen Anzahl von mittleren und kleineren Zeitungs- wternehmrmgen zu rechnen ist. Zeitungen, die früher als finanziell gut gesichert gelten konnten, haben Mühe, fich zu halten.

Wenn, wie mir oben sagten, die Presse unter den heutigen Verhältnissen ein Regierungsfauor gutvi« ten ist, dann hat die Regierung selbst das aller - Mößte Interesie, daß dieser Faktor kräftig bleibt. Darum ist zu fordern, daß unmittelbar von der Re- gerung aus mit größter Beschleunigung alles in die ®ege geleitet wild, was dazu geeignet erscheint, der Preise das Durchhalten durch diese schwere Wirsschasts- mse zu ermöglichen. Zuförderst ist dazu notwendig, «lß die Zettungen instand gesetzt werden, wieder über sinn unmittelbaren Betriebsstoff, über das Papier, m ausreichender Menge und zu angemessenen Preisen zu verfügen. Das hinwiederum ist nur möglich, wenn Mn der Regierung selbst auf die Preisgestaltung des Pchners Einfluß genommen wird, daß sie sich um die Festsetzung der Holzpreise kümmert. Der Horiwucher, bw augenblicklich betrieben wird, ist himmelschreiend. Man braucht sich nur einmal die Lage auf dem Mö- »ckmarkte zu vergegenwärtigen, wo die Zustände der «»Hilfe dringend bedürfen. Deutsche Möbel gelangen gg Ausfuhr ins Ausland, während im Jnlande für

vermischtes.

♦ (Ein vorbildlicher Hofbesitzer. Im Kreise Olpe wollte ein Hofbesitzer ein größeres Quantum Holz verkaufen und hatte einen Termin hierzu bekannt gegeben. Be­vor dieser Tag herankam, ging der Hofbesitzer durch seinen Wald und schätzte das zu verkaufende Holz. Zur angefetzten Stunde hatte sich eine große Anzahl Kauf- luftiger eingeiunden. Als der Verkauf begonnen, fitzte auch sofort ein flottes Bieten ei», denn jeder wollte Holz haben. Der Hofbesitzer hörte ruhig zu. Als die Gebote bis an das von ihm gemachte Taxat ge»

X;o RfwUyt» eine völlige wirtschaftliche Un- I langt waren, trat er hervor und sagte: Es ist genug, möglichteit besteht, sich einen Hausstand einzurichten. mehr will ich nicht haben! DasBiÄen hoillr auf. und

> Sur dem llachdargebttt.

)»( Schmalnau (Slbön). Am 4. Fastenfonntag und am PaisionSsonntag hat die hiesige marianische Jung, frauenkongregation dem Ernst der hl. Fastenzeit ent­sprechend das geistliche Schauspiel .Miriam" aufge­führt. Beide Aufführungen waren von den Bewohnern von Schmalnau und Umgegend gut besucht. ES waren aber auch wirklich rechte AndachtS- und Erbauun, S- stunden, die wir verleben dursten. Bietet un?_ doch .Miriam- einen köstlichen erhabenen Inhalt. Kündet eS uns doch die obstegende Kraft der opferbereiten Siebe zum gekreuzigten Heiland, die keine Schranken kennt, di» Leid, Trübsal, Kummer, Angst, Gefahr und Ver­folgung sieg eich überwindet, die ni\t unterscheidet zwischen Jude und Heide, die vielmehr einzig und allein darauf bedacht ist, Christus, dem Sohn Gottes, dem für uns olle Gekreuzigten, Seelen zu gewinnen. Von dieser alles bezwincenden Siebe Christi ist die gleichuamr c Hett n des Stückes erfüllt und entflammt; in Kraft dieser Liebe trägt sie über die auf eklärten ^heidnischen Römerinnen und über ihren Bruder den Sreg davon und macht sie zu Anhängern des Gekreuzigten. Aufs trefflichste haben es die Spielerinnen verstanden, diese Austritte voll derrlicher Gedanken wiederzugeben und sie uns Mitempfinden zu lassen. Wir wissen wahrhaftig nicht, welcher der Mitspielerinnen wir den Vorzu, geben sollen. Bald ist es Miriam, von der Spielenden aufgefotzt als die kindlich-demütige, opfermutige, liebe» -llirhende Braut Christi, die es uns angetan hat Bald ist cS die Darstellerin bc8 leidenschaftlichen Gedeon, die uns den Widerstreit in dessen Herzen zwischen der Liebe des Bruders zum verlorenen und wiedereefun- denen und aufs reue verlorenen Schwesterlein und der vermeinttichen Pflicht des für den Glauben der Väter eifernden Rabbi erschütternd vor die Seele führt Bald sehen wir mit staunender Bewunderuna. wie vortrefflich sich die beiden Römerinnen in ihre Nollen hinein c- funben haben, mit welcher Sicherb-'t, Anmut und Würde deS Auftretens und die Wesenverschiedenheiten einer jeden deutlich ausgeprägt, so daß wir die beiden Töchter deS Senators Cornelius leibhaftig vor uns zu sehen vermeinen. Und auch der an sich undankbaren Rolle der Euphrofine wußten ihre Darstelle, innen Reize ab« zugewinnen. An diese erhebende Aufführung schloß sich am ersten Abend ein gut gespieltes ernstes Stückchen: „Auf falf^etn We e" an, während am zweiten Abend iatt dessen in liebenswürdiger Weise ein gottbegnadeter Dichter aus unserer engeren Heimat, Herr Lehrer Burchart von Ebersberg 2 ausgezeichnete packende eigene Dichtungen tiefevsten Inhalts mit wahrer Meisterschaft zum SBoitro; brachte. Inniger Dank ge- bührt allen, die zu bc # outen Gelingen der Veran- italtun i beigetragen I/fben und wir hoffen bestimmt, dass die hiesige Jungfrauenkongregation der Pfarrge. meinde noch öfter solche Stunden wahrer Erbauung und edlen Genusses bieten wird.

♦ Ans dem $oiel6bcrge. Unter der Bezeichnung S' äferei-Genosienfckaft Alsfeld hat sich eine Ge- 'ssenschaft gegründet, die der Hebung der Schafzucht dienen soll. Vor allem soll durch sie auch dem kleinen Mcknn Gelegenheit geboten werden, zur Deckung seines Wollbedarfs ein Schaf zu halten. Die Genossenschaft üb-rnimmt die von oer Stadt Alsfeld dem derzeitigen Pächter der Hut- wciden auferlegte Ve> Pflichtung, Schafe von Als­felder Bürgern aufzunelmien, wonach auch Nicht­grundbesitzer ein Schaf beitreiben lönnen.

V.fi, 6, ' .7 u. 7 Uhr bl. M, in der 6 Uhr^ Messe Kom des christl. Mütierv. 8 II. Palmw., Proz. u. Pfarramt, ‘MO Palmw. u. Kathedralamt, 11 Chr., lM2 M. in. Pr., */i2 Michaelsbr., 2 Christen!, */<3 Vers. d. christl. Mütterv. Pr. u. Andacht, 4 F«stenpr. m. Segen, 7 Uhr And. in der Marienk. Mittw. nachm. bqn 4'/, Ubr ab Beichtgel. Stadtpfarrkir^e. 6", Kom., 5'/« HI. Messe, 6'/« Messe u. Kom. des Msttte» Vereins. 8 HI. M. (1. Schulgd.s, 9Vi Palmenw. u. Pfarramt 11 Messe (2. Schulgd.st 9*6 Christenl. f. d. Iüngl. i. d. Severik, l'/i Chribenl. f. die Jungfrauen, 2Ve Uhr Bruderschaft vom hl. Erz-neel Michael, 3V« Andacht für den Mütter­verein, Mittwoch nachmittag 4 Uhr Beicht elegenheit Pfarrkirche zum heiligen Geiste. ’VT Kom , 7 Frühm., 8 Pred., Amt mit Kom., Vi5 Christen!., 5 And. — Trverikirche. Sonntags und wer'taas >/,7 Messe Gründonnc'Stag und Karfreitag Schlutzandastt 5 Uhr Herz-Je!n-Heim. 6 Frühm., 8 Amt m. Pr.» 2 A. ,Mitt abends 8 A.) — Frauenberg. 5—7 M., während der 8 Uhr-M. Verles, der LeidenSsesch. (Passion) Jesu Christi, 9 Ubr Palmenw. und Proz., darauf Leviten­amt mit Abfinzung der Passion. — Nachm. 2 Uhr Andacht für den Kranziskaner-Misfiourverein in. Seg. Aeneralabsolution für die Terziaren. — MicharlSkirchr Nachm. 2 Ubr Pred. und Bruderschaft von den si.ben Schmerzen Mariens.

Evangslischar tootteebienS.

Sonntag, 28. März. Vormittag» g'/, Uhr Kon­firmation. <Hl Abendmahl). 2 U. Pfr. Weber.

Ei« Leuchtturm christlicher Caritas im Fuldaer Lande.

!dn Dorn zu Hildesheim steht an dem aus Messing Mofsenen Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert das der Misericordia, der erbarmenden Näch- mrllebe. Sie ist dargestellt als königliche Frau, ge» twidt mit der Krone, wie es jener Tugend geziemt, «e der Tugenden Königin ist. Zu ihrem Thron tritt W der Hungernde, um Brot zu empfangen, — der Obstende mit leerer Schale. Von der linken Seite hinzu ein Nackter und empfängt' con ihr den ®°öenen Leibrock; auf der rechten Seite bittet ein ®anbernber Fremder, müde von der Landstraße tom= um Herberge. Zu Füßen des Thrones der Rifericordia liegt ein Kranker, der flehentlich aufblickt i? ihr; und aus dem Gitter eines Kerkers zwängt

Gefangener fein Haupt hervor, um zu spähen, ob ”e Misericordia sein nicht ganz vergesse. So zeigt "’sfes sinnige Bildwerk die Fülle der Not, die zu allen Briten in den verschiedensten Gestalten sich an den Edelsinn der Mttmenfchen wendet.

Diese erbarmende Liebe, die Tränen trocknet und Ariden heilt, die B/ot und Hilfe bringt, die Trost Segen in die Herzen träufelt, hat in unserer lie- Bonifatiusfladt JuSba allzeit eine bevorzugte F&te gesunde::, allzeit wurde hier das Wort in ~wn gehalten: „Res sacra miser, Der Unglückliche, Elende ist etwas Heiliges". So war's, als der ^uwmstab über Fulda herrschte, so ift's geblieben eu* in unfern Tagen.

Grade den ärmsten Kinder der Caritas, den kör- ^ichen und geistigen Krüppeln hat sich in neuester jtöt besondere Teilnahme zugewandt. Dom Fuße des etnuenbergs grüßt das Herz-Iefu-Heim der Barm- »rüber ins Land, das sich der körperlichen ^rüppes liebevoll.annimmt und m entgegengesetzter Züchtung am Münsterfeld, nicht wett von der Ställe, schon ALt Siegehard (870—891) mll Unterstützung Königs Ludwigs des Deutschen und vieler Großen Reiches ein Spital (oermullich das später „Sankt •tatf)rin" genannte) erbaut hatte, erhebt sich das 5L «uloniushrim für geistesschwache und zurückgeblie- ^ne Kinder (Idioten)l Erbaut auf Anregung einer *®wn Fuldaer Dame, der verstorbenen Frau Äfftizrat *wria Rang, geb. Kircher, die zu diesem Zwecke mit

mehreren anderen opferwilligen Personen eine G. m. b. H. gründete, steht das $aus feit 1. Oktober 1904 im Dienste der modernen christlichen Caritas, jener Caritas, die von der Fackel der Wissenschaft geleitet und von den Schwingen des Glaubens getragen, jene armen Menschenwefen sammelt, die verblödet in der Seele und vielfach auch mißgestaltet am Leibe den Angehörigen em Gegenstand vieler Verlegenheiten, Sorgefl und Schmerzen, den Außenstehenden aber mir zu oft Anlaß rohen Spottes sind, die sie liebevoll wie ihren Augapfel behütet und unter der entstellten Hülle, die gottgeschaffene unsterbliche Seele erblickend, alles daran setzt, um diese gefangene Seele den Strah­len der religiösen Wahrheit und Gnade zu öffnen. 21 Schwestern aus der Genossenschaft des hl. Vincenz von Paul, deren höchstes Ideal es ja ist, ihr Leben im Dienste der Armen für Christus zu opfern, widmen sich mit treusorgender Liebe

„Immer liebreich, immer huldig Immerdar getrosten Mutes, Dienstbeflissen und geduldig"

der Pflege und Erziehung dieser armen Menschen­kinder, von denen die Anstatt durchschnMich 110—120 beherbergt. Ungefähr 12—15 davon sind ganz tief- stehend und nicht bildungsfähig; diesen Allerärmsten wird, soweit es in der Macht des Anstaltsarztes und der Schwestern steht, ihr Erdendasein so leicht als möglich gemacht, bis die Seele, von der Fessel des irdischen, ungestalteten Leides befreit, sich empor» schwingt zur Sonne des ewigen Lichtes und zum Her­zen des attgütigen Gottes. Bier Lehrschwestern unter­ziehen sich der schweren, eine namenlose Geduld erfor­dernden Ausgabe in einer Vorschulklasse und drei Schul­klassen, den einigermaßen bildungsfähigen Kindern tm Atter von 4—16 Jahren eine den Verhältnissen entfpre» chende geistige Ausbildung zu vermitteln, die sie für irgend einen Lebensberuf vorbereitet u. befätyigt u. ihnen sDor allem die Teilnahme an den Gnadenmitteln der

Kirche ermöglicht. An die'100 Kinder sind im Laufe der Jahre von den Lehrschwestern der Anstalt aus die erste hl. Kommunion vorbereitet worden und haben Mk Freude ihrer Eltern und Geschwitterr: der. schönsten Tag des Lebens nicht zu entbehren brauchen. Schon das allein entschädigt ja für alle Opfer, auch für die materiellen, die von den Ellern gebracht wer­

den. Der Schulunterricht wird noch ergänzt durch den Fortbildungsunterricht, der in zwei Abteilungen für Begabtere und Schwächere den Zöglingen vom 16. bis 26. Lebensjahr in den Wintermonaten erteilt wird. Daß die Mädchen im Stricken, Stopfen, Hackeln, Nähen unterrichtet und die Knaben im Handferiigkeitsunter- richt zu Flecht-, Schnitz-, Nadel-, Papparbeiten ange­lernt werden, fei der Vollständigkeit halber auch er­wähnt, sogar als Schmifpielhelden auf den Brettern haben sich manche schon produzieren können bei den häuslichen Feiern, die im Laufe des Jahres in der Anstatt stattf'mden. Geräumige Spielplätze sorgen für Unterhaltung und Abwechselung und ermöglichen den Kindern während des ganzen Sommers in der freien Zett den Aufenthalt hn Freien, was zusammen mit der gesunden Sage des Hauses u. seiner modernen, allen hygienischen Anforderungen enssprechenden inneren Einrichtung für die Gesundheit und die Entwickelung der Psleglmge von vorteilhaftestem Einfluß ist. Da die Anstalt eine kleine Oekonomie besitzt und, svwett sie nicht ausreicht, die Behörden bei der Zuweisung des Notwendigen immer großes Entgegenkommen ge­zeigt haben, ist auch die Verpflegung trotz der schweren Zeiten gut und dusreichend.

In allerbester Weise ist auch für die Seelsorge im Hause gesorgt. Ein Franziskanerpater vom nahen Frauenberg ist dafür angestellt; in der geräumigen stimmungsvollen Hauekapelle versammeln sich täglich Schwestern und Kinder zur hl. Messe, zum Sonntags­gottesdienst und zu sakramentalen Andachten, man­chen der Kinder fami mehrmals in der Woche der Empfang der hl. Kommunion gestattet werden, wovon sie gen, und mit Nutzen Gebrauch machen. Auch ihre besonderen Festige hat die kleine Gemeinde, so den Tag der ersten hl. Kommunion und der Firmung, die der Hochw. Herr Bischof den Kindern im Hause selbst spendet, den Tog des ewigen Geb-ctes und der Fron- leichnamsprozession, die alljährlich in den Gärten der Anstatt zur Freude der Insassen gehalten wird. Die Religion nimmt im Erziehlmgsprocnomm der Anstatt überhaupt die erste Stelle em. So wirkt alles zu­sammen, um die Anstatt zu einer wirklichen Zufluchts­stätte zu machen für diese zahlreiche Klasse von Un­glücklichen, wie sie nur auf dem Boden christliclier Liebe und Aufopferung gedeihen kann. Möge der Wohttätigkeitssinn der Fuldaer Bevölkerung, der sich

bei der Gründung der Anstalt und auch später in den Haus- und Kirchenkottckten und in anderer Weise tm hellsten Lichte gezeigt und der G. m. b. H. die großen Sorgen wesentlich erleichtert bat, nicht Nachlassen. Von den Pflegegeldern allein können besonders in der heutigen Zett allgemeiner Teuerung die Ausgaben, Zinsen usw. nicht bestritten werden. Darum möge man bei den mancherlei guten Zwecken, die der Unter­stützung wert sind, auch das Ant o>ni>ush ei in nicht vergessen. Vielleicht bist du von Gott mit irdi­schen Gütern gesegnet — deine Kinder find geistig frisch und kräftig — du bist dafür Gott Dank schuldig Die Unterstützung einer Anstalt wie das Antoniusheim wäre ein wahrhaft gutes Werk, ein Gott wohlge­fälliger Dank. Vielleicht hast du feine Familie, statt nach deinem Ableben lachenden Erben alles zu hinter­lassen, die dir dafür kaum ein Vaterunser in die Ewig­keit nachfinden, wäre es doch viel vorteilhafter, eine solche Anstalt zu bedenken, in der noch Jahrzehntelang täglich von sooielen unschuldigen Kindern für dich ge­betet wird.

Man ist leicht versucht, das Leben jener Aermsten unter den Armen, jener an Geist und Leib Geschlage­nen als ein zweckloses anzusehen, da sie vielfach für das Leben geboren sind, ohne die Aussicht zu haben jemals das Leben verwerten oder genießen zu können, und doch ist das keineswegs so. „Jedenfalls", fo sagte Pastor Sengelman», ein Vorkämpfer der Idiotenfür­sorge, „hat es den Zweck, die Macht der in der Mensch­heit wohnenden Liebe zu konstatieren. Die Idioten sind bedeutungsvolle Fragezeichen an die Menschheit: Ist noch Liebe in der Menschenwelt, wette, große, starke, erbarmungsvolle, die keine Not unbeachtet läßt und sie zu beseitigen oder zu mildern bereit ist?" Gott sei Dank, die ca. 100 verschiedenen Sbiotenanftalten in unserem Vaterlande, die mit wenigen Ausnahmen Fruchte der christlichen Wohltätigkeit sind und durch die Spenden des Volkes erhalten werden, lassen uns diese Frage mit einem siegesbewußten „5a" beant­worten. Auch das A n t o n i u s h e i m hat an dieser Beantwortung Anteil. Möge es ferner fein uni bleiben ein Leuchtturm christlicher Caritas, ein Monu­ment der Opserwllligkeit des Fuldaer Landes und ein Glaubensbekenntnis an die Unsterblichkeit und Gott­ähnlichkeit jeder, auch der vom mißgestaltetem Körper urndüfterten Menschensette. Pfarrer A.