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47. Zahrg.

Samstag, 27. ITIärz 1920

Nr. 73

BS

loiranft

An treuer Liebe Dein Vater."

Frankfurt, der als Ministerpräsident vorgeschlagen wird, war bisher der Vorsitzende der sozialdemokrati­schen Fraktion in der Landesversammlung.

Bewgspreis: Monatlich 1,30 Mk. ohne Zustellungsgebuhr. u I" Fulda bei uns abgeholt 1,40 Mk. ~

Anzeiacnpreis: DieKleinzeile (nachColonel'christ) 50pfg., dieRek lamezeile (Textbreite) 1.50 Mk., bet Wiederhol. Rabatt.

Vorschläge für das vreutzssche Kabinett.

Die sozialdemokratische Fraktion der preußischen Landesversammlung hat beschlossen, folgende Mimster- liste zu präsentieren: Präsidium Graf, Lanowirt- schaft: Braun, Unterricht: Hönisch, Inneres: Krüger, Finanzen: Lüdemann. Abg. Graf-

Sreubilvung der Reichsregierung.

Rücktritt des Kabinetts Dauer.

Die Umbildung des Reichskabinetts mit dem «ntritt von vier ,neuen Männern (für Finanzen Schatz, Wiederaufbau und Reichswehr) ist nun doch nicht als ausreichend befunden worden. Es wird zu einer Neubildung kommen.

Am gestrigen Freitag hat das gesamte Reichs- kabinett sein Rücktritt sgesuch einge­reicht. Sie ist vom Präsidenten Ebert angenom­men worden. Dieser hat den bisherigen Reichsmi­nister des Auswärtigen Hermann Müller mit der Neubildung des Kabinetts bettaut.

Die für Freitag angefetzte Sitzung der Natio­nalversammlung wurde abgesagt.

Die neue Ministerliste.

Bersin, 26. März, lieber das neuzubildende Mi­nisterium erfährt die Telegraphen-Union. daß die Bil­dung desselben fast beendet ist. Hiernach wird Her­mann Müller (Soz.) Reichskanzler, Graf Brock- dorff-Rantzau (Dem.) oder Landsberg (S.) Minister des Aeuern; Koch (Dem.) übernimmt das Ministerium des Innern u. wird Vizekanzler, Postmei­ster wird ©testierte (Ztr.), das Finanzministerium übernimmt Cuno (Ztt.), das Schatzministermm Dr. Wirth (3tr.), das Justizministerium Dr. Haas (Dem.), das Wirtschaftsministerium Braun (Soz.), das Arbeitsministerium Schmidt (Soz.), das Mini­sterium für Wiederaufbau Silberschmidt (Soz.), Reichswehrminister wird Dr. G e ß l e r (Dem.). Wer das Verkehrs- und Ernährungsministerium über­nimmt, steht noch nicht fest.

*

Ministerpräsident Dauer und Vizekanzler Schif­fer erscheinen in dieser Ministerliste nicht wieder, sonst bringt die! „Neubildung" meist Namen von Per­sönlichkeiten, die schon bei der „Umbildung genannt wurden und teilweise schon dem alten Kabinett ange­hörten Es handelt sich also im Grunde doch nur um ein ergänztes und ausgestischtes Kabinett. Bei ruhiger und sachlicher Prüfung erscheint es aber zur Führung der Geschäfte in den Monaten bis zur Wahl völlig ausreichend. Es kommt gegenwärttg Überhaupt nicht eine Dauerregierung, sondern nur ein Urtier- gangsministerium in Betracht. Nachdem man sich für die Neuwahlen am ersten Sonntag im amt entschlossen hat, ha» das Ministerium nur wenige Mo­nate Lebenszett. Sofort nach dem Ablauf der Wah­len kann schon eine Umbilbung notwendig fein. Jeden- falls wird das Ministerium beim Zusammentritt des neuen Reichstages die sämtlichen Portesemlles zur Verfügung stellen müssen. Ebenso nach der, Wahl eines neuen Reichspräsidenten. ‘ Das sind die richtigen Zeitpunkte für eine völlige Neubildung.

Wir legen auf diese Ministerfragen augenblicklich weniger Wert, als auf die Erhaltung von Ruhe und Ordnung im Lande und die Wiederaufnahme der Ar­beit. Das Heil regnet nicht von- oben, sondern muß vom Volke aus gef'hasst roerdm.

Leichte Entspannung im Ruhrgebiet.

Die Sage im Industriegebiet ist im großen und j ganzen unverändert. Da Wesel, das Ziel der I bolschewistischen Angriffe, in den letzten Tagen fest I in der Hand der Regierungstruppen ist und tm I dortigen Kampfgebiet sowie in und um Essen zur I Stunde Ruhe herrscht, kann man vielleicht von 1 einer leichten Entspannung reden, ohne indes voraus- I sagen zu können, was die nächsten Tage bringen. Die Entscheidung hängt an einem dünnen Faden! Der Sonderberichterstatter der „Köln. Ztg." meldet aus Wesel vom 25. März.

In Gefangenschaft geratene Samtatsmanmschasten der Steten Armee klagen übereinstimmend über mam gelhafte Verpflegung und über die Führer. Große Angriffslust sei nicht vorhanden CharEe. ristisch ist die Auswahl des Sanitätspersonals. Bon irgend welcher Sanitätsausbildung haben sie keinen Schimmer Eine Arbeiterin aus Hamborn wurde ge- gen ihren Willen in eine Sanitätskolonne gesteckt und miit 30 bis 35 widerstrebenden andern Frauen zur Front gefahren Ein Student aus Duisburg erhielt einen von einem Arzt unterzeichneten Gestellungsbefehl als Krankenpfleger der Sloten Armee. Bei den letzten Gefechten waren die Leute zum Vorgehen mit Waf­fe n g e w al t g e z wu n g e n worden Die sich wer. gerten, wurden erschaffen. Auch viele Soldaten sind zwangsweise eingezogen worden. Alles, was sich wider- setzte, wurde erschoffen. Die Trappe ist am Morgen, weil sie keine Verpflegung bekam, zurück- gegangen und Bat ihre sämtlichen Waffen liegen gelassen Die Maschinengewehre wurden vergraben Das Kräfteverhältnis der beiden Gegner scheint sich immer mehr zugunsten der Regierungstruppen zu ver. schieben, deren Zuversicht täglich zunimmt, wahrend dte Rote Armee anscheinend zu zerbröckeln ^lieber die Stimmung in der Arbeiterschaft des Ruhrkohlengebiets kann man sich aus folgender Dar­stellung des Sonderberichterstatters der Frkft. Ztg.

kreifes 6 in Münster. Statt ihn abzuberufen, hat die Re­gierung in einem vom Reichskanzler Bauer unterz ch- neten Telegramm Matter ihr volles Vertrauen ausgffpro- chen Matter ist sicherlich kern Reaktionär vom schlage der Bauer und Lüttwitz. Er ist Württemberger von Ge­burt und es mag auch ein Tropfen demokratiMn Blutes in seinen Adern fließen. Tatsache aber 'st, daß er. <üs öer Putsch von rechts ausbrach, gezögert hot, bem Reichs- kommiffar ©mering und den Arbeiterführern das von hm verlangte Ehrenwort, daß er auf dem Boden der Derfosiung stehe, zu geben, und erst am 16., als die Regierung Kapp Endgültig erledigt war, sich zu e>mr entsprechenden Ettla- rung herbeigelasfen hat. Wan scheint m Berlin noch immer den Ernst der Lage im Ruhrrevier m ^verhäng, nisvollsten Weise zu verkennen; das Barometer steht hier noch immer aus Sturml

Die Ernährungslage wird int ganzer i Industriegebiet von Tag zu Tag krtlscher. Kartoffelv sind überall aufgezehrt und statt des fehlenden Broiet werden ßülietifrücbte und Nährmittel an die -öe vötkerung ausgegeben. Wenn nicht unverzüglich cm« ausreichende Belieferung des Jndustriegeb,etes mr Nahrungsmittel ein'etzt, so kann eine neue Katastroph. I eintreten, deren Folgen sich tm Augenblick nichi I absehen lassen.

unterrichten:

Aus das bloße Gerücht hin, General v. Matter habe seinen Truppen Befehl zum Einmarsch in das Indu­striegebiet gegeben, ist am Donnerstag nachmittag m Dortmund der Generalstreik ausgebrochen. Am Freitag morgen, nachdem sich herausgestellt hatte, daß die alarmierende Nachricht auf einem Irrtum beruht hatte, wurde er wieder abgeblasen. Daß ttotz _ber geraoe im | Dortmunder Bezirk offenkundigen Streikmüdigkeit die von dem Bollzuasrat ausgegebene Streikparole allgemein be- olgt worden ist, zeigt, in welchem Zustande der Er­regung die gesamte Arbeiterschaft sich noch immer befindet, zeigt, ba6 die geringste Unvorsichtigkeit hinreicht, um die ge- <rmte Arbeiterschaft zu einer neuen Einheitsfront zusmn- menzuschliehen, die sich dann sicher nicht mehr allein gegen die Truppen, sondern auch gegen die R eg> er u n g, die für deren Tun und Laffen allein die volle Verantwortung trägt, richten würde. Wenn auch zum mindesten 95 Pro- »nt aller Arbeiter des Jndustriebezirks, nachdem sie den wahren Charakter der Kämpfe um Wefel und Munster erkannt haben, einen Trennungsstrich zwischen sich und jenen Gewaltpolitikern gezogen haben, die mit Maschmen- gewchren und Geschützen die Diktatm des Proletariats er- kämpfan wollen, sicht Idie gesamte Arbeiterschaft dem augenblicklichen Berliner Regiment mtt unverhohlenem Mißtrauen gegenüber. Und dieses Mißtrauen wird täglich von neuem genährt durch Fehler und Unterlas- sunassünden der verantwortlichen Berliner Stellen. Die unbegreifliche Milde gegenüber den Rebellra-Offtzterenuno die vom „Vorwärts" neuestens gemeldete Zuteilung eines Pamerzuges an die Marinekn-igade Ehrhardt haben hier bitterböses Blut gemacht und erleichtern es Kommunisten und Unabhängigen, die Arbeiter zu überzeugen, daß es noch nicht an der Zeit fei, die Waffen aus der Hand zu legen, da die Reattion mit der Vertreibung der Kappleute noch lange nicht erledigt fei. Ganz besonders erregt ist die Arbeiterschaft über die Haltung der Regierung gegenüber dem General v. Matter, dem Kommandem des Wehr-

fuchungen.^ 2öh«ung der roten Truppen

Nickt weniger als 65 Mark täglichen Sold sowie Verpflegung und, soweit möglich, Erscch für SFS&n in Duisburg nach einer Arwrdnu^ des revolutionären Vollzugsrats die raten pon vom Tage ihrer Anwerbung an. Die Mitglieder der Arbeiterwehr und die übrigen im Diemte des: » zugsr-ts arbeitenden Perstnten “ X

lich und freie Verpflegung, werbliche gerinnen 30 3KI Der Betrag ist von der Stadtkape cm den Vollaug- ar imverzüglick cmsuweisen. Die Stadt ist,, wie der Doll- zugsrat "gleichzeitig beschloffen hat, sten von den Unternehmern -mzufor^m Auw die Streiktage sind von den Unternehmern z» bc, z«hheii>; es ist der volle Lohnausfall zu entichädigen.

Die Entente und der Ruhraufstand.

Die Botschafterkonferenz in Paris hat eine Sitzung abgehalten, der auch der amertkanliche ^ ot- [ schafter Wallace beiwohn ie. Fach mir feinem Ge- i neralstatisches General Wehgand sowie nut bte.cn Offizieren des Heeres und der Marine waren gleich­falls zugegen. Die Konferenz beschäftigte sich aus- schließlich mit der Lage in Deutschland, vornehmlich, aber mit der Lage im Ruhrgebiet und mit den militärischen Operationen, die die Deutsche Regw- runa einzuleiten gedenkt. Vor der Sitzung gaben zwe? aus Berlin in Paris etnoetroffene deutsche Ge- neralstobsoffiziere General Wehgand Aufklärung über die Truppen, die sich in der neutralen Zone befinden, und über die Maßnahmen, diezur Auf rechterhaltuna der Ordnung und zur Wiederher- stellung normaler Zustände getroffen weiden sollen. Der Botschafterrat hat einen Beschluß nicht gefaßt, sondern sich dahin entschieden, die Angelegenheit nochmals dem Obersten Rat in London vorzulegen.

Thüringen «nd Sachse«.

Die Reichswehrbrigade Nr. 11 teilt mth t. bruf wurde am Freitag kampflos von ReichAvehrs- toihtira befeht Waffenabgabe in Gotha, Ohr- Umaeqieub im Gange. Mit den Führern der AufftandsbeweMrnaim S u h l e r Industriegebiet sich den Erfolg versprechende Verhanblmrgen über Nieder- leamia utS Abgabe der Waffen statt. .

T^^mmnistischr- Mümskomiltee m Leipzig teilt nüt daß bei den Kämpfen in Leipzig wahrend bet' Sri®n S auf der Arbeiterseite 168 Tote und über oaa Verwundete waren. Es find wieder 'amtliche ick. phomsche Leitungen zwischen Leipzig und Süddeuttch- tanb zerstört.

der Stille dieser langsam dahinflteßenden Tage war sie zu einem festen Entschluß gekommen, der noch unterstützt wurde durch einen kurzen Brief ihres V<-. tcrs, welchen sie während ihrer Krankheit erhal.en hatte. Der Brief war aus Johannesburg in Trans­vaal wo Lvnden als Direktor, eines Elektrizitätswer­kes weilte, das mit den dortigen Goldm-ineu in L>er.

^unö^lücklich gemacht? . AS «ein. Eine liebe Else, das hast Du nicht, getan Iss uwer Leben fprechen ganz andere Mächte mit btuci«, wgimtnn M Herold Fredersdorff.'

Die Haltung der Aktionsansschüffe.

Wenn die bolschewistischen Mtionscrusschüsse emffd lich bemüht sind, Blu-rvergietzen zu verhindern, mutzter fic sich an das Bielefelder Abkommen halten, deffer Zugeständnisse ihren Wünschen weitgehend,te Rechrmn» Sn Wer über die Ziele, die sie verfolgen, sind s^ diefe Ausschüsse anscheinend selbst nickt Aar, dem während beispielsweise der Akt'onsaussckMß (Wesff ) eine Erklärung erlaßt, 'n der er die -n BieA feld ausgestellten Richtlinien anertenrtt und sämtlich» Aktionsausschüsse auffordert, für die ser Bedingungen Sorge zu tragen, die wilden un4eietz lichen Beschlagnahmungen, insb-iondere von Lebensmck teto im Interesse der Aufrechterhaltung der Lebe^ Mittelversorgung unbedingt zu unterlassen, fffhren dere örtliche Ausschüße fort, bte Stadtgemeinden mst Ungesetzlichkeiten und EigenmächtiMiten zu behellt^n So hat der Aktionsausfchutz in M u I h e' m (R^r) den dortigen Bürgermeister Dr. Lemke seines^ Amte? enthoben. Das gleiche Schicksal traf deffDtr<or de

I Meintet Straßenbahn, well er ,ich w«'g«rte, A n Mr schluh des Personals anzuerkennen, nach dem kunft^ die Einnahmen der Straßenbahn unkt die Ange, stellten verteilt werden sollen! Dr. Lemke.1)0* fMstvvrsifidlich Einspruch gegen diesie Ungefetzmaurg kÄ Sen, und die städtischen Beamten Mra fick einmütig auf seine Seite gestellt Aber , Mr Abkuhlu^ I der erhitzten Gemüter tragen solche Zwilchensalle sicket I ni*t bet In Essen hat der Bollzugsrat mnen -üi- I trag gestellt, wo'«-» die Unternehmer den ehemaligen I politischen Gefangenen einen McmatÄohn M zahlen I haben ebenso soll den Hinterbliebenen, der Gefallenen I durch Sic Unternehmer der Lohn von einem Monats. I imMt werden Ein weiterer Beschluß des Essener ^oll. I chiqsrates vettfügt die Beschlagnahme aller Hämisch. I 'toore in BL-rgerkreisen und dementsprechende Haus,

, ^ch hin jetzt so weit, mein liebes Kind', schrieb er ,daß ich wieder sicheren Grund und Boden unter den Füßen fühle. Meine Stellung hier ist vortrefflich und meine Aussichten für die Zukunft sind glcmMid. Auf die Gerüchte über einen bevorstehenden Krieg zwi­schen England, imd Transvaal gebe ich nicht viel D»e Buten werden nicht sv töricht sein, mit dem mächtigen Albion anzubinden, und die Engländer nicht so tannn. die Buren bis zum Kriege zu reizen. Beider ^nterefie beruht in einem friedlichen Zusammenarbeiten

Ich bewohne hier eine hübsche Billa _ Mir fehlt nut eines: eine behagliche Häuslichkeit, könntest Du nicht entschließen, zu mit zu kommen? Ich habe Sohn- sucht nach Dir, mein Kind, und jedenfalls lebst Du als Herrin in meiner Villa angenehmer, denn als Etzieye, rin im Saufe Halletsmatk. _____

(Einen Scheck auf die Deutsche Bank über 200 Pfund Sterling lege ich bei, damit Du nicht in Bertegenheit fnminit , _ .

Benachrichtige mich telegraphisch, ob und wann Du

Wie eine Erlösung au? qualvollen Zweifeln erschien Edelgard^ dieser Brief. Was wie in imgewiffea Nebol- fchl'iern verhüllt vor ihren Augen und ihrer «e-le g«- legen, trat jetzt in voller Klarheit hervor, «n bet Seite ihres Vaters war ihr Platz! Urtb.ntit Ungeduld Wh sie dem Tage entgegen, wo sie Ab,ch>:d von allem, was sie hier feffelte und einengve, nehmen konnte.

Sie wat ungewöhnlich schwerzsam, selbst Else Segen, übet sprach sie "nicht von ihren Zukunftspläneii

Else empfand diese Zurückhaltung und Schweigsa-w feit mit tiefet Bitterkeit; sie hatte Edelgard toabrenb ihrer Krankheit mit Aufopferung gepflegt, fi-, ahnte ia den Zusammenhana und verstand auch ohne Worte den Zwiefvalt in Edelgards Seele, aber es würde ihr doch wohlgetan Raben, wenn diese sich ihr anvertraut hätte.

Tenn auch Else litt schwer unter diesen Verhalt.

Es ist auch ganz selbstverständsich, daß dieses Ausspie- len der freien Gewerkschaften in Berlin ungemein oer- ttmmend auf die Arbeiter, aber auch auf die Sürger« chaft in andern deutschen Landesteilen, namentlich nn Westen und im Süden des Reiches wirken muß. Eine . Diktatur der Berliner Gewerkschaften ließe sich dort I kein Mensch gefallen, und mtt Recht! Soll sich um deswillen das ganze Volk gegen den Versuch der Aus­richtung einer eigensinnigen Willkürherrschaft aufge- bäumt haben, um dafür unter das Joch einer Klassen­herrschaft zu kommen?

Herr Legien und die mit ihm zusammenarbeiten- den unabhängigen Gewerkschaftsführer haben mdessen ttotz aller Bemühungen ihren Widerstand nicyt zurückgezogen. Darauf erklärte sich die demo­kratische Fraktion mit Schiffer solidarisch unb teilte dem Reichskanzler mit, daß sie bei weiterem Beharren der Gewerkschasten auf ihrer Forderung ihre Mimster aus der Regierung zurückziehen werde. Unter diesen Umstanden sah Reichskanzler Bauer keine Mög­lichkeit mehr, die Koalition in seinem Kabinett zu- sammenzuhalten, unb stellte dem Reichspräsidenten sein Amt zur Verfügung._

Der Rücktritt des Reichsministeriums ist auf die Unstimmigkeiten zurückzuführen, die zwischen der Demokratie und der Sozialdemokratie wegen der Forderungen auf Rücktritt Schiffers entstanden fatb. Die Gewerkschaften hatten, wie schon gestern «Mielbet würbe, auf Grunb der vor bem Abbruch bes Generalstreiks mit ben Regierungsparteien vereinbar­ten neun Punkte gegen bas weitere Verble ien bes Vizekanzlers unb Reichsjuftizmimster» Schiffer im Reichskabinett Einspruch erhoben, unb zwar mtt ber Begrünbung, daß Schiffer, ber bekanntlich wahrend der letzten politischen Ereigniffe in Berlin weilte, sich mtt der Kapp-Regierung m Verhandlungen eingelas­sen unb sich für eine Amnestie Meuterer verbürg hübe Die Sozialdemokratie vertrat bte Ansicht, batz dem Einsprüche der Gewerkschaften stattgegeben wer­den müsse, während die Demokraten Schiffer keines­falls fallen laffen wollten.

Gegen ein Einspruchsrecht der Gewerkschaften bei der Berufung der Minister mutz allerdings Verwah­rung eingelegt werden, es widerfpricht der Verfassung. Man ist ben Gewerkschaften wahrhaftig weit entgegen gekommen. Wenn bie Dertveter ber Mehrheltspar- ttien nicht in einer StuiÄe höchster Not bas Wohl des Ganzen über alle Parteirücksichten stellt hätten, dmm hätten sie alle Verhandlungen nut den Gewerk­schaften ablehnen müssen. Aber man hat bas nicht getan, man hat einen Ausgleich gesucht unb gefunben, unb nun muß man auch biesen Sereinbanmgen ge­mäß handeln. Bei einigem guten Willen sind die nun vereinbarten Punkte mit ber demokratischen Staats­ordnung gerabe noch in Einklang zu bringen, auch ber besanbers brückenb empfunbenc Punkt 1. Aber dieser Punkt verpflichtet bie Koalitionsparteren fru ein.*r „Verstänbigung unter Wahrung ber Rechte der Volksvertretung', nicht zu etner Unter­werfung unter ben Machtspruch der Gewerkschaften. Wenn nun aber die Gewerkschaften kommen unb bem Parlament ihren Willen auf zwing en wollen, wenn sie nicht ben Weg ber Verständigung beschrei­ten, wie es in bem ersten Punkte festgesetzt ist, sondern nur ihren Willen gelten laffen wollen, dann muß gegen diese Vergewaltigung, gegen diese Sabotierung ber Verfassung Front gemacht werben. Es tft Bol­schewismus unb nichts anberes, wenn bte Arbeiter hen entscheidenden Einfluß auf bie Bildung des neuen Reichskabinetts verlangen. Deutschland besteht nicht nur aus Arbettem unb die Arbeiter allein haben auch den militärischen Umsturz nicht abgewehrt.

Auch em großer Teil der Arbeiterschaft ist von bem Vorgehen ber Berliner Gewerkschaften abgerückt. Die christlichen Gewerkschaften zumal haben sofort nach Bekanntgabe ber Forderungen, nament­lich, soweit sie sich auf die Einflußnahme ber poli- tifchen Gefchäftsfichrung bezogen, enffchiebene Ein­sprache im Namen wirklicher wohlverstanbener Demo­kratie erhoben. Auch die Hirsch-Dunkerschen Gewerk­schaften haben aus chrer Ablehnung kein Hehl gemacht.

Der Arbeit Lohn.

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.Ich hätte wirklich nicht geglaubt“, versetzte Amalie mit spöttischem Lächeln, „daß mein welterftchrener Bru. ber ncd) so naiv denken könnte. Den Staatsanwalt willst Du anrufen, wenn es sich um einen Familien- ffetnial handelt? Dann enthülle nur gleich Dein gan­zes Familienleben ber breitesten Oeffentlichkeit, denn in bem Prozeß werden Deine Gegner schon dafür sor. gen, daß kein Winkel Deines H«wses, Deines Lebens und' des Lebens Deiner Braut unbeleuchtet bleibt.'

.Es ist da nichts, was das Licht der Oeffentlichkeit gu scheuen hätte!“

„Ich warne Dich, Arnold. Es könnten doch Dmchaltz- niffe zur Spraye kommen —“

„Es gibt hier keine VerMtchflq, liebe Amalie', unterbrach er fte scharf, »welche verschleiert werden müßten. Nur um eine Aufilärung werde ich Edelgard .ersuchen, wenn fte wieder hergestellt ist — eine Auf­klärung über bie letzte Unterredung mit Fredersdorff. Aber ich bin überzeugt, daß mir Edelgard diese Auf. klärung von selbst geben und daß dieselbe mir unb uns allen völlig genügen wird.“

Amalie erhob sich mit schwer gekränktem Ausdruck.

„Ich habe meine Pflicht getan", bemerkte sie steif.

„Ich danke Dir, aber ich bin wirklich alt genug, um filbst zu Waffen, was ich zu tun habe.“

~„S8d) werde mich nicht wieder mit Deinen Ange, lsgenheiten befaffen. Sehen wir Lich heute beim TL- ner?" . :

„Ich glaube kaum. Ich babc e.ne wichtige K.n- ferenz."

„So leb wohl. Bielletcht movgen.^ vielleicht morgen. Leb wohl.“

Ein flüchtiger Händedruck und Fräulein AmÄie «mschte zur Tür hinaus, die der Minister hösuch für ** Dann kehrte er aufseufzenb zu feinen Akten zuruck.

Nachdem die Dtecht bes Fiebers gebrochen Wwc, er. Gölte sich Edelgard dank ihrer kräftigen Natur ziemlich ^Ähon nach «nigra Tagen vermochte sie sich zu » heben unb, wenn die Schwäche des Kowers sie auch wieder auf das Lager werfen wollte, _^r feuer 23'^ hielt sie anfr^t unb unterstüj^e bte fartschE'tenoe (se»

Liebe Harald erschlaffen; sie vertraute dem Worte Edelgards und Haralds, daß die Neigung, welche einst I zwischen chnra bestanden, vergessen und versunken war — und nun mußte sie erkennen, daß die Schatten der Vergangenheit doch stärker waren Äs da? Sonnenlicht der Gegenwart — daß die Gespenster einer früheren Zeit nicht so leicht aus den geheimen Winkeln der Her. »en zu vertreiben waren. Sie hatten sich allzu fest enn= genistet und streckten ihre Polypenarme auch mteh ihrem jungen Herzen aus; fte wuchsen höher und höher und vertrieben nrit ihren düsteren Schatten jeden Sonnen. schein aus ihrer Seele. ,

Von Harald hatte Else nichts mehr gehört, ent Zeichen, daß auch er die Unmöglichkeit einer Verbtn. düng zwischen ihnen fühlte. . , __

Zhe erster Liebestraum hatte einen sähen und furcht­baren Abschluß gefunden. T __

Einige Tage, nachdem Edelgard das Bett verlassen, bat der Mnisier seine Tochter Else, bei Edelgard antz Aufragen, ob sie ihn empfangen wolle.

Else wollte Edelgard vorsichtig und rücksichtsvoll vor. bereiten, aber die letztere erriet sofort, um was es fuh schmerzlich es Lächeln huschte über ihr blaiseS Gefickt.

„Wozu diese Umschweife, meine liebe Else?' fragte sie .Ich selbst wünsche eine Unterredung mit Steinern Vater; denn wir beide müssen uns über das Vorgefal.» lene und über daS, wcS nun werden soll, jetzt klar weq-

'„Papa sprach davon,' entgegnete Else zaghaft- "daß Du zu Deiner Erholung auf einige Monate nach den, Süden gehen solltest. Elsttede und ich sollten Dich be. ^.Dein Vater ist W gütig, liebe Else Aber tetz kann sein Anerbieten nicht annehmen. Ich WB meine eigenen Wege gehen.' .

„Edelgard! Du willst doch nicht — n««, dieser Gedanke ist zu furchtbar! Papa M glücklich fein - und ich, - o, Edelgards k-rmteden Gedanken nicht ertragen, Papa und Dich ung ch

Verantwortlich für den redattionellen Teil: Karl Schütte, n für die Anzeigen: I. Par zell er-Fulda. n

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung

„Seine Mission."

Unter dieser Ueberschtift schreiben die .Leipziger Neuesten Nachrichten" über das Kappsche Abenteuer.

AbermÄs steht Germania vor einem ricffgcn Scher- benhcmsen, patzt die Bruchstellen cmemander und steift melancholisch fest: .So hat S. 0ef«ff«t.

atier empffchlt sich mit der seüylbewustten rang, nachdem die Regierung Bauer die und b'c Zu­sagen gemacht habe, sehe er r on

als erfüllt an. Sckade, _baR Herr

Zeit mehr gesunden HÄ, sich naher darüber crri--,M - ftn, worin er .seine Mlston denn ^gentlich eSltch^ Kam es ihm darauf an, bte der

Gnteulte zu stören? Die wted^erwachende Lust zur Arbeitim Keime zu zertreten? Sprengpulver zwfMn bte einzelnen Teile des Reiches 3« streuen? Spaltpilze, ^ter dte ÄÄ M schwache Wehrmackt bes Reiches zu S fctJ X 'n Frage M stellen was fett te Rückkehr auf den gesetzlichen Boden, fest den Wcchlen i «WcarÄex Arbat und gegen