47. Zahrg.
Dienstag, 23. IHärz 1920
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»Sie kannten sich von chnen erzählt.
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Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Sari Schütte, ~ für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. r. Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung.
teS Ministers streifte ihn.
„$P, ich Weitz," sagte er dann. Küher. Meine Braut hat mir &etr v. Fredersdorfs."
Harald verbeugte sich.
Fetzt wußte er, woran er war.
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Berlin, 22. März. Um das Dorf Hennigsdorf bei Berlin, wo die AEG eine Fabrikniedorlassung hat, kam es am Montag früh zu schweren Kämpfen zwischen Reichswehr und Spartakisten. Ein Trupp von 500 bis 600 Bewaffneten, mit Maschinengewehren und Ge. schützen ausgerüstet, hatte sich der Dörfer Bützow und Hennigsdorf bemächtigt, als sie auf eine Kompanie der Svandauer Reichswehr stießen. Diese zog sich zurück, stürmte aber dann nach Eintreffen von Verstärkungen und Artillerievorbereitung die Dörfer. Nach heftigem Kampfe wurden die Spartakisten vertrieben. Sie ließen 14 Tote und zahlreiche Verwundete sowie'.zahlreich? Munition und verschiedene Maschinengewehre zurück; die Reichswehrtruppen hatten 2 Tote und 12 Verwundete an Verlusten. In Svandau selbst herrscht Ruhe, der verschärfte Belagerungszustand brauchte nicht verhängt zu werden.
In Schlesien und Ostpreußen ist alles ruhig. Sn Breslau haben die Kapptruppen die Stadt verlassen. Der gesetzmäßige Oberpräsident Philipp «nd der Polizeipräsident Voigt sind an Stelle der Usurpatoren, die sich ihrer Aemter bemächtigt hatten, wieder zurückgekehrt. Sn Breslau ist aus Mitgliedern sämtlicher Parteien von den Demokraten bis zu den Kommunisten einschließlich des Zentrums ein Vollzugsrat gebildet worden, der zwecks organisierten Widerstandes gegen reaktionäre Bestrebungen die Volksbewaffnung durchführt. O fitz r e u ß en befindet sich wieder in der Hand der verfassungsmäßigen Regierung.
Thüringen und Sachsen.
In Mühlhausen liegt die Gewalt in den Händen eine» ungesetzlichen Vollzugsrates. Die Straßen und Ausgänge in der Richtung nach Langensalza sind gesperrt und besetzt. Die Besatzung Erfurts ist verstärkt worden, in der Stadt herrscht Ruhe. Aus Eise-
leien, denen die Hochverräter nahestehen, und es wird umso vernichtender ausfallen, je bälderer in der Tat die Wahlen stattfinden. Die Hochverräter haben also auch ihren Parteien einen vernichtenden Dienst erwie- . ?en, da sie auf baldige Neuwahlen drängten, in denen I sie mit der Moabiter „Reinigungsaktion" gute politische Geschäfte machen wollten. Nun wohl, mit der ^kommenden „Reinigungsaktion" werden sie ganz andere Geschäfte machen.
Me Koalitionsparteien können vor dem Volksurteil wohl bestehen, sie haben den kräftigsten Widerstand der Verletzung der Verfassung geleistet. Nicht am wenigsten scharf, klar und unzweideutig hat das die Zentrumspartei getan. Dabei ist festzustellen, daß von sämtlichen Koalitionsparteien gerade das Zentrum es ist, das am wenigsten Veranlassung hat, rest- los mit der Verfassung einverstanden zu sein. Was uns nicht paßt an der Verfassung, dos ist in den Kommissionen und im Plenum der Nationalversammlung, in unseren Parteiversammlungen und auf dem Parteitage, nicht zuletzt auch in unserer Parteipresse, jederzeit offen und unzweideutig zum Ausdruck gebracht. Aber unser gegensätzlicher Standpunkt gegen einzelne Teile der Verfassung hat nicht das mindeste zu tun mit unserer Stellung zur Verfassung überhaupt. Und für diese unsere Stellungnahme ist allein der Rechtsstandpunkt maßgebend. Mag «ms die Verfassung in ein- . seinen Teilen passen oder nicht, und s lbst wenn sie uns in allen Teilen nicht paßte: die Verfassung ist auf rechtmäßigem Wege zustande gekommen, ist von den beru- jenen Vertretern der Volksmehrheit in aller Form Rechtens ausgestellt worden — das allein und nur das kann, was auch immer geschehe, für uns maßgebend sein. Was die Verfassung bestimmt, muß unverbrüchlich innegehalten werden; auch das, was auf dem Wege der Verfassung gegen unsere parteipolitischen Anschauungen unternommen würde und geschähe, ist rechtens, und auch dagegen darf es und wird es von ' uns niemals eine Auflehnung geben können, soweit i nicht das göttliche Recht verletzt wird. Was Recht ist, muß Recht bleiben, auch da, wo es uns nicht paßt; wir sind die Partei, die von ihrem ersten Tage an als einen ihrer Fundamentalfäge das Eintreten für Recht und Freiheit proklamiert hat: duldeten wir nur die geringste Verletzung des Rechtes, von wem cs auch sei, ob von politischen oder militärischen Gewalthabern, ob von rechts oder links, ob von oben oder unten, dann verließen wir die Grundlagen unserer Partei, und wir hätten aufgehört, Zentrumsleute ,zu fein.
Aber gerade, weil wir auf dem Boden der Verfassung stehen, deshalb protestieren wir auch mit äußer-
Sie kannten Edelgard schon?"
„Wie kommen Sie darauf?"
„Ich glaubte zu bemerken, daß Sie bei Ihrem An. blick erschraken . . “
Er lachte gezwungen auf.
„Erschrecken ist wohl nicht der richtige Ausdruck, grwdiges Fräulein. Ich war nur erstaunt."
„So kannten Sie Edelgard also?"
„Mein Gott, ja — wie man eine junge Dame der Gesellschaft kennt. Da darf man denn wohl erstaunt sein, diese Dame in solcher Stellung wiederzufinden."
„Nur das war der Grund Ihres Erstaunens?"
„Welchen Grund sollte ich sonst haben? Aber mm gestatten auch Sie mir eine Frage. Welches Interesse nehmen Sie daran, ob ich Fräulein Lynden schon gekannt habe oder nicht?"
Eine heiße Glut flammte in Elses Wangen empor, dann schlug sie verwirrt und beschämt die Augen nieder.
Ein Lächeln der Befriedigung glitt über Haralds Gesicht. Was kümmerte er sich noch um die Vergangenheit? Die Zukunft lag ja so rosig und glänzend vor ihm!
Das Fest nahm seinen Fortgang. Noch dem Diner versammelte sich die 3ugeiti> zum Tanz in dem großen Saale, während die älteren Herrschaften sich in die Neben, räume verteilten.
HaraD gab sich ganz dem frischen Iugendzauber Eises hin. Er vergaß, was hinter ihm lag, und las mit ge. Heimer Freude die aufkeimende Neigung zu ihm in den lachenden blauen Augen des jungen Mädchens.
Als ihm Elfe dann zu einer Quadrille von Leutnant Debenroch entführt wurde, trat er aufatmend in einen Nebenraum, einen kleinen boudirähnlichen Salon, der leer war. Er wollte endlich nnt seinen Gedanken ins klare kommen. Sollte er heute abend schon ein Ende machen? 6r wußte, daß, wenn er Else das entscheidende Wort sprach, diese ihn nicht znrückweifen würde. Ihre lachenden, glückstrahlenden Augen redeten eine gar zu beredte deutliche Sprache.
Aber eine geheime Stimme sagte ihm auch, daß er ein Unrecht begehe, wenn er jetzt schon dem jungen Mädchen entscheidend nahe trat, wo er noch immer in dem Barme
■ Swn kannte die Vergangenheit Edelgards — ha hieß s t? sehr vorsichtig sein, wenn er nicht die Hoffnung auf fein? eigene Zukunft verscherzen tvollte.
„Ich hoffe, Erzellenz", sagte er mit bittendem Tone, -daß mir diese früheren Beziehungen Ihr Haus und \ 8hre Familie nicht verschließen . .
„Durchaus nicht, Herr v, Fredersdorfs. Nicht wahr, It kdelgark«. Herr v. Fredersdorfs wird uns stets will- U kommen fein?"
„Ich wüßte keinen Grund, weshalb dies nicht der ! Kall f€in sollte," entgegnete Edelgard kühl und stolz.
Harald verbeugte sich abermals und zog sich zurück, Lernbar ruhig und gefaßt, aber im Herzen einen bii- tren Groll gen en dieses Mäbch-n hegxnb, dessen Stolz S «b Unnahbarkeit ihn so verletzte und so tief nieder. r drückte.
M Da sah er in die aufmerksam und bang forschenden ilvgen Elses. — Wußte sie auch von seiner früheren ° Verlobung mit Welgard?
Dann konnte er mir gleich wieder nach FrekerS- üaftf zurückreifen, harnt war alle feine Mühe umsonst.
Rasch entschlossen trat er auf Else zrr.
■. »Sud) Ihnen darf ich Wohl gratulieren, gnädiges Tie sind gewiß mit der Wahl Ihres Herrn einverstanden, da Sie stets mit solcher Degei- jfc wrung von Ihrer früheren Erzieherin sprachen."
Lodendorff.
Bersin. Gegen den General Erich Luben- dorff ist wegen seiner Beteiligung an dem Kapp- Lüttwitz-Wtsch Haftbefehl erlassen worden.
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Berlin.
Obwohl von den berufenen Instanzen die Parole zur Wiederaufnahme der Arbeit ergangen ist, wird bet Streik in vielen großen Betrieben Berlins fortgesetzt. Die Staatsbahnen! verkehren ziemlich regelmäßig. Bei der aufklärenden Propaganda der am Generalstreik beteiligt gewesenen Organisationen der Arbeiter, Angestellten und Beamten wird bald eine völlige Wiederaufnahme der Arbeit erwartet. Die Stadt Berlin verhandelt zur Zeit noch über die Bedingungen, die von feiten der städtischen Arbeitnehmer für die Wiederaufnahme der Arbeiten gestellt worden sind. Militär und Technische Nothilse sollen nach dem Verlangen der Arbeiter aus den Werken und Betrieben zurückgezogen Werden, auch ist den Arbeitern eine Wiedereinstellung sämtlicher Arbeitnehmer von feiten der Stadt zugestanden worden. Als dritte Forderung haben die Arbeiter die Entlassung der Streikbrecher aufgestellt und zwar auch derjenigen Arbeiter, Ne in den lebenswichtigen Betrieben während der Streiktage tätig gewesen sind, lieber diesen Punkt schweben Verhandlungen, lieber den vierten Punkt, die Bezahlung der Streittage, hat man ein Einverständnis erzielt. Die Berliner Zeitungen konnten bis jetzt infolge Lohndifferenzen zwischen den Arbeitgebern und dem Personal nicht erscheinen. Dieses Hindernis ist jetzt beseitigt, doch wurde das Erscheinen verzögert durch den Gasmangel.
In Köpenick bei Berlin fallen einige Personen standrechtlich erschossen worden sein, hoch fehlt es an zuverlässigen Nachrichten.
In Neucölln macht fich eine erneute rege Wer- betätigkeit zur Ausrufung der Räterepublik bemerkbar. An den Anschlagsäulen und an den Laternenpfählen und Häusern wird die proletarische Bevölkerung auf gefordert, zur Bildung einer „roten Armee" zu schreiten, wofür eine Werbezentralc eingerichtet fei. Andere Zettel fordern zum Anschluß an Sowjetrußland und zur Einführung der Rätediktatur auf, wieder andere tragen Inschriften wie „Nieder mit den Offizieren"«
Schwere Kämpfe bei Spandau.
möchte aber nicht, daß ihr Glück und ihr Leben einer — sagen wir — klugen Berechnung zum Opfer fällt."
„Sie führen eine eigentümliche Sprache . . ."
„Ich weiß, wie leicht ein Mädchenherz zu betören kft, glaubte ich doch selbst einst, daß es Liebe sei, was Sie zu mir führte. Und doch war es nur — kluge Berechnung."
„Edelgard — Sie beleidigen mich!"
„Wieso? Sprechen die Tatsachen nicht selbst dafür? Doch lassen wir die Vergangenheit ruhen. Ich wünsche nur darüber Klarheit zu haben, mit welchen Gefühlen Sie meiner Else nahe treten. Ist es jene kluge Berechnung, die Sie damals in meines Vaters Haus führte, so werd» ich Ihre weitere Annäherung an Else nicht dulden!"
Er sah sie eine Weile in grenzenlosem Erstaunen an. Dorn lachte er spöttisch auf und ein heftiger Zorn packte ihn.
„Sie — Sie gewinnen es über sich, eine solche Sprache gegen mich zu führen?" stieß er ungestüm hervor. „Sie wollen mir Vonvürse machen? Sie, die Sie soeben mit noch weit klügerer Berechnung als Sie mir vorwerfen können, eine Verbindung geschlossen haben, welche unmöglich auf wahrhafter, edler, uneigennütziger Liebe beruhen kann! Ich will es Ihnen offen gestehen, daß die Vergangenheit in mit nicht tot war — daß ich mich damals mit blutendem Herzen getrennt habe — daß ich Sie wahrhaft mit heißer Leidenschaft geliebt habe — daß ich ein glückloser, hoffnungsarmer Mensch geworden bin — daß ich mich wieder emporranken wollte an der frischen Jugend und der unschuldoollen Neigung jenes lieblichen Kindes! Sie — Sie haben jetzt alles zerstört — das heilige Andenken an die Vergangenheit und die Hoffnung auf die ZukunftI In ehrlichem Ringen wollte ich die Schatten der Vergangenheit besiegen — in ehrlicher Neigung mich um die Siebe jenes Mädchens bewerben! Ich liebte Sie — ich achtete Sie hoch — Sie waren mir der Inbegriff alles Edlen und Guten — Sie haben mir das alles zerstört! Alles — alles! Sie wollen mir Vorwürfe machen, ich sei in kluger Berechnung ht dieses Haus g» kommen? Sie, Ne Sie selbst aus kluger Berechnung dem altcrnben Manne, dem Millionär, dem Minister die Hand zu einem Bunde ohne Liebe reichen? Ich werde tun, wat mir meine Ehre und mein Gewissen erlauben und gebieten! Sie aber — Sie fürchte ich nicht —. Sie achte A niiti mehr . .*!* »fe
ster Entschiedenheit gegen die Verletzung der verfassungsmäßig garantierten Rechte und Freiheiten durch Maßnahmen der Arbeitervollzugsräte. Wir nehmen an, daß die Arbeiterräte, nachdem der Blick für das tatsächlich Gegebene und Erforderliche heute freier ist, als in den ersten Tagen der durch den Berliner Putsch geschaffenen Verwirrungen und Besorgnisse, selbst dazu kommen werden, ihre Ziele auf die klare Innehaltung und Bewachung der verfassungsmäßigen Rechte und Freiheiten zu richten. Sobald sie das tun, werden sie uns hinter sich haben. Angeblich sollte die Revolution vom November 1918 gründlich mit all jenen Geroalttendenzen aufgeräumt haben, deren Faustrecht-Allüren ein Schlag in das Gesicht jedes Christenmenschen waren. Der Putsch der Kappleute und die Putschversuche der Linksradikalen lehren, daß noch immer an die Gewalt appelliert wird, an das gesetzlose. Recht und Freiheit mißachtende Faustrecht. Wir kommen aus dem Zustande der Revolution nicht heraus, bis wieder die Achtung vor G e- s e tz und Recht Allgemeingut wird. Heute mehr denn je werden wir mit dem französischen Katholiken Bonall) das Urteil aus dem Jahre 1815 teilen: „Die Revolution begann mit der Proklamierung der Menschenrechte, enden muß sic mit der Verkündigung der Rechte Gottes."
Beratungen der Mehrheitsparteren.
Der interfraktionelle Ausschuß der drei Mehrheitsparteien hielt am Montag im Reichstag eine Sitzung ab. Es wird versichert, daß unter den Mehrheitsparteien Uebereinstimmung darüber herrscht, daß die Neuwahlen für Ende Mai oder für die ersten Tage im Juni anberaumt werden sollen, lieber die Neubildring des Kabinetts haben Besprechungen noch nicht stattgefunden. Erst wenn die Fraktionen wieder vollzählig beisammen sind, wird zur Neubesetzung der drei Mimsterposten Stellung genommen werden können.
Maßregelung der unzuverläfligeuBeamteu y Die preußische Regierung hat mit der Säuberung der Verwaltung von Beamten begonnen, die sich in den letzten Tagen als politisch unzuverlässig erwiesen haben. So ist der Geheime Re- gierungsrat dotier im Ministerium des Innern, der sich von Herrn v. Iagow zum Unterstaatssekretär hatte ernennen lassen, entlassen worden, ebenso der Oberpräsident von Ostpreußen, Winnig, der sich der Sappregterung zur Anfügung gestellt hatte und beschall, auch ans der Sozialdemokratie ausgeschlossen worden ist. Außerdem sind von ihrem Posten enthoben der Oberpräsidialrat o. Hassel und der Regierungspräsident Braun in Königsberg. Die Obersten Schönstedt und Are-ts von der Sicherheitspolizei sind noch vom Minister Heine ihres Amtes enthoben worden. „ ....... ,,
Noske geht doch.
Nach abermaligen Besprechungen mit den Parteiführern ist das erneute Rücktrittsgesuch des Reich s- wehnninisters Noske gestern vom Reichspräsidenten Ebert genehmigt.
Kapp und LLttwih angeblich in Danzig?
Bei den Besprechungen in Berlin stand die Forderung auf rücksichtslose Bestrafung bet Umstürzler vom 13. März im Vordergrund des Interesses. Wie an zuständiger Stelle verlautet, hat die Reichsregierung, sobald sie dazu in der Sage war, aste Maßnahmen getroffen, der Herren Kapp und Lüttwitz habhaft zu werden. Beide haben unter dem Schutz der Marinebrigade Ehrhardt die Stadt Berlin verlassen. Ihr Aufenthaltsort ist bis jetzt nicht bekannt. Ein Gerücht besagt, daß beide nach Danzig geflüchtet seien, xm sich der deutschen Gerichtsbarkeit zu entziehen.
lehrte ihn, baß er noch nicht vergessen hatte, daß dieser Bann ihn noch immer gefangen hielt.
Der Schmerz um die Verlorene saß noch tief in seinem Herzen, um frei und offen um die Liebe einer anderen werben zu können.
AufsÄrszend ließ er sich in einen Sessel sinken und stützte Ne Stirn ht die Hemd.
Da rauschte ein Kleid in ferner Nähe — er blickte auf und sah — Edelgard vor sich stehen.
Er sprang empor.
„Sie hier, gnädiges Fräulein?"
„Ich sah Sie hier eörtreten und folgte Ihnen." ' „Weshalb?"
„Um ungestört ein paar Worte mit Ihnen zu sprechen. Wollen Sie mir Gehör schenken? Es soll nicht lange währen . .
„Ich stehe ganz zu Ihrer Verfügung."
Sie nahm in einem Sessel Platz und spielte eine Weile schweigend mit ihrem Fächer.
Dann blickte sie plötzlich zu ihm auf unb sagte:
„Wollen Sie mir sagen, weshalb Sie in dieses Haus gekommen sind?" •
Er war überrascht.
„Ich weiß nicht, was ich darauf antworten soll."
„Lassen Sie uns offen sprechen, Herr v. Fredersdorfs", fuhr sie ernst fort. „Es handelt sich nicht allein um Ihr Glück . . ."
Er lachte kurz und bitter auf.
„Seien Sie unbesorgt, Edelgard, ich werde Ihr Glück nicht stören."
„Nicht um mein Glück handelt es sich", entgegnete sie floh. „Ich bin stark genug, mir mein Glück, mein Leben selbst zu schassen. Es handelt sich um das Glück Elses!"
„Edelgard!"
„Ich schrieb Ihnen schon, daß ich Ihrem und Elses Mick nicht im Wege stehen will! Sie sehen, daß ich Wort halle. Ich habe mit der Vergangenheit abgeschlossen!"
„Wahrhaftig, das haben Sie getanl" sagte er in bitterem Tone.
„Ich hoffe, daß auch Sie mit der Vergangenheit abgeschlossen haben, daß Sie freien Herzens m dieses Haus gekmmnen sind, daß es wahre, aufrichtige Neigung — wahre Siebe ist, was Sie zu Else hinzieht. Ist das der Fall, dann können Sie darauf rechnen, daß ich Ihnen
Die fortschreitende Beruhigung.
Die Lage bessert sich ganz allmählich. Die Ge- faijr von rechts ist so gründlich niedergeschlagen, wie nian cs nur wünschen kann. Die Gefahr von links ist ggtf; drohend, doch scheint die Aussicht größer gewor- ben zu sein, daß einseitige Klassenherrschaft vermieden igjirb. Die Lage in den meisten Gegenden Deutsch- lanbs nähert sich wieder normalen Zuständen. Die Mehrheitssozialisten erklären, daß sie von einer Gewaltherrschaft der Diktatur nichts wissen wollen und bis Hagener Beschlüsse der drei sozialistischen Parteien lassen erkennen, daß man auch in den linksradikalen gjeifen Wasser in den schäumenden Wein der Diktatur |25 Proletariats gießt. Sie haben wohl inzwischen eingesehen, daß ihre Stunde doch noch nicht gekommen ist. Immerhin wird es noch Zeit und Arbeit kosten, bis die hochgehenden Wogen der Erregung, die der irrsinnige Streich der Kappleute aufgepeitscht hat, sich wieder geglättet haben. Bei den Neuwahlen zum Reichstag, die wie man jetzt hört, Ende Mai oder Anfang Juni stattfinden sollen, wird das Dolksurteil über Ke Rebellen und ihren Anhang ergehen. Es wird em vernichtendes Urteil sein über die politischen Par-
ncrch erfahren wir, daß bei einem Zusammenstoß zwischen Arbeitern und einer Reichswehrstreife sieben Arbeiter getötet wurden. Die Toten wurden auf Wagen geladen und offen durch die Stadt gefahren. Nach Beerdigung der Opfer der Kämpfe, die heute stattfinden soll, wird morgen, Mittwoch, der Generalstreik als beendet erklärt. Der Eisenbahnverkehr ist beschränkt. Größere Truppenmengen liegen in der Stadt. Man versucht mit Unterstützung sozialistischer Funktionäre mit den Aufrührern zu verhandeln, um den Aufstand ohne Blutvergießen beizulegen. Auch in H alle schweben Verhandlungen zwischen der Arbeiterschaft und der inzwischen eingerückten Reichswehrtruppen. Schul pforta soll nach einer Nachricht ans Mühlhausen i. Thür, eingeäschert sein; eine Bestätigung der Meldung liegt noch nicht vor. Leipzig zeigte gestern ein vollkommen friedliches Bild, die Absperrungen sind aufgehoben. Post und Straßenbahn haben den Betrieb wieder voll ausgenommen. Schulen und Gerichte find wieder geöffnet. Bis nach der Beerdigung der Toten sind Lust-, barfeiten aller Art verboten. In Chemnitz ist die Stadt vollkommen ruhig. Es wird fast durchweg gearbeitet Die Gewalt liegt in den Händen der Behörden. Die Ordnung wird von der Polizei und bewaffneten Arbeitern aufrechterhalten. In Dresden ist alles ruhig. Der Verkehr mit Leipzig ist ausgenommen. Auch im 1 Zwickauer Revier wird wieder gearbeitet. JnPlauen (Vogtland) drangen Dienstag Nacht etwa 100 bewaffnete Bauern mit Maschinengewehren, Minenwerfern und Handgranaten in das Landgericht ein und verlangten die Herausgabe der bei dem Putsch vom 24. bis 27. April 1919 Beteiligten, sowie die Herausgabe der Akten. Der Staats- aitoalt Dr. Hubert, der die Herausgabe verweigerte, wurde mit den befreiten Gefangenen auf einem Ante als Geisel fortgeschleppt.
Nach neueren Meldungen kam es in Halle am Sonntag und nachts darauf zu lebhaften Feuergefech. ten zwischen Truppen und bewaffneten Arbeitern. Seit gestern abend soll die Stabt in den Händen der Regie, rungstruppen fein. - *****—■»->
In Sädbeulschland V 1 '
herrscht überall Ruhe, auch in H o f, In der Nordost- . ecke Bayerns, wo noch unsichere Verhältnisse walteten, ist die Ordnung ohne Kampf wiederhergestellt worden. -ti « ----
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Me Lage in Rheinland und Westfalen
3m eigentlichen Industriegebiet an Iber Ruhr und Wupper sind alte Städte in der Hand lokale- Arbeiterräte. Mülheim und Duisburg stehen seit Sonntag unter kommunistischer Herrschaft. In Duisburg ist es zu Zusammenstößen zwischen bewaffneten Elementen und belgischen Truppen gekommen, die den Hafen besetzt halten. Auch die Ruhrorter Rheinbrücke ist von Belgiern besetzt. Die Zahl der Opfer der Essener Kämpfe wird von den Teilnehmern auf mehrere hundert Tote unb Verwundete geschätzt. Die Krankenhäuser liegen voll von Verwundeten. Bei der Deffming der Gefängnisse sind neben politischen Gefangenen auch zahlreiche gemeine Verbrecher, Diebe, Räuber und Mörder in Freiheit gesetzt worden. Zu einer formellen Ausrufung der Räterepublik ist es im Industriegebiet nirgends gekommen. Ihre Errichtung ist nach den Erklärungen derjenigen, in deren Händen die Führung der Bewegung liegt, nicht beabsichtigt. Eine Versammlung von Vertretern der drei sozialistischen Parteien des Industriegebiets in Hagen hat sich bekanntlich gegen die Einführung der RäteNkdatur ausgesprochen, aber es ist die große Frage, inwieweit die Massen, denen die Rätebiktatiir monatelang als einzige Rettung gepredigt worden -ist, m Wahrheit hinter ihren Parteiführern stehen. Es ist nicht notwendig, die Lage allzu schwer zu nehmen. Ein isoliertes Rheinland-Westfalen müßte schon aus Nahrungsmittelmangel binnen kürzester Frist kapitulieren. Auch sind Truppen aus dem Süden im Anmarsch, die den Widerstand notfalls auch gewaltsam brechen könnten. Namen und Zusammensetzung der neuen Machthaber, deren Befehlsbereich meist nicht über die Grenzen der eigenen Stadt hinausgeht, sind äußerst viel- gestaltig. Es gibt Arbeiterräte, so in Hamm unb Haiti n g e n, in bie auch Vertreter der Christlichen unb Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften zur Aufrechterhaltung der Ordnung eingetreten sind. In anderen Städten, so in Düsseldorf, haben sich die drei sozialistischen Parteien zusammengeschlossen, in der großen Mehrzahl der
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„Ich danke verbi üblichst, Herr v. Fredersdorfs," er* •ettente der Minister, ihm die Hand reichend. „Auch im Santen meiner Braut danke ich Ihnen. Haben Sie Edelgard schon begrüßt?"
„Ich konnte mir das Vergnügen nicht versagen," antwortete Harald mit leichter Schärfe im Ton, „die trübere Bekanntschaft mit Fräulein Lynden zu erneuern."
Ein rascher, scharfer Blick aus den kliigsn Augen
In der Tat — Sie haben recht . . Eine Frage, Herr v. Frederstorsf
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