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Montag, 22. Marr 1920
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oortung der politischen Faktoren lähmender überragen- !« Einfluß der Gewerkschaftsbürokratie auf die Staats- Mrung muß zu Spannungen führen. Es wird kaum möLich fein, ein Koalitionsministerium tms den bisherigen Mehrheitsparteien auf der Grund- hge dieser Forderungen aufzustellen. Ueber die Einheiten der anderen Forderungen kann man streiten, cber im Ganzen braucht man sie nicht abzulehnen, es muß auch möglich sein, über die bedenkliche erste For- benmg eine zur Beruhigung führende Derständigung herbeizuführen.
Die Nachrichten aus dem Reiche lasten eine leichte Besterung der Lage erkennen. Die Vernunft gewinnt vielfach langsam die Oberhand. Ernst ist vor allem noch die Lage im Industriegebiet. Dort ist die Matur des Proletariats vollkommen eingeführt, ©tauben die Arbeiter wirklich, daß die Aufrichtung der Sowfetdiktatur nach russischem Muster ihre Lage bessern kann? Die Arbeitermasten, die sich gegen die Kappsche Wahnsinnstat mit einmütiger Entrüstung aufgelehnt haben, haben heute das Schicksal Deutschlands u der Hand. Mit derselben Einmütigkeit, mit der sie fix ostelbische Militärdiktatur ablehnten, müssen sie den bolschewistischen Aufwieglern die Gefolgschaft verwei- gern. Die Arbeiter werden einsehen, daß Deutschland innen- und außenpolitisch verloren ist, wenn das bolschewistische Chaos die Oberhand gewinnt. Zum Auf- bmi, zur Förderung und zum Genuß der rechtüchen Macht einer Gemeinschaft, d. i. des Staates, sind alle Stiebet dieser Gemeinschaft nach dem Maße ihrer Kräfte berufen.
Nur die christliche Demokratie, deren oberstes Mo- raigesetz die Nächstenliebe ist, kann dauernde Gerechtigkeit und echte Brüderlichkeit schaffen.
Mögen Throne stürzen und Diktatoren lenken, für den Christen ist und bleibt als der ewig ruhende Pol tt der Erscheinungen Flucht die einzige, höchste imb etzte Souveränität: Gott.
Die Opfer.
Aus Berliner Arbeiterkreisen wird mitgeteilt, daß nach den bisher vorliegenden Meldungen die Unruhen der vergangenen Woche ungefähr 8000 Tote im ganzen Reiche gefordert haben, davon entfallen auf Berlin allein rund 850 Tote.
Die Vorgänge in Mkkeldeutschland.
In Thüringen hat sich die Sage gebessert.
schäften eine schwere Gefahr für die Demokratie und die Verfassung. Die Ordnung sei zu schützen unter Anerkennung der gellenden Gesetze.
In einer Konferenz der drei sozialistischen Parteien des Industriebezirks in Hagen wurden folgende Richtlinien aufgestellt: Vorläufige Waffenabgabe der Reichswehrtruppen und Entfernung sämtlicher Offiziere. Bildung einer Volkswehr unter. Führung republikanisch gesinnter Bürger. Bis auf weiteres übernimmt die bewaffnete Arbeiterschaft die Sicherung der Ruhe und Ordnung. Bestrafung der Berliner Hochverräter. An eine Aufrichtung der Diktatur des Proletariats wird nicht gedacht. Die Einführung der Rätediktatur wird abgelehnt.
Von den Engländern entwaffnet.
1500 Mann und ein General der Reichswehr haben das britische Besatzungsgebiet betreten Sie wurden entwaffnet und unter britische miltärische Bewachung gestellt. Hierzu ist zu bemerken, daß es sich nicht um ein freiwilliges Betreten des besetzten Gebietes handelt. Beim Sturm auf die Stadt Remscheid wurden die Regierungstruppen von der Uebermacht der Kommunisten zurückgärängt und mußten schließlich das britische besetzte Gebiet betreten.
Deutsche Truppen im besetzten Gebiet.
Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Stuttgart: Die Entente hat der Reichsregirrung die Ermächtigung erteilt, die Reichswehrtruppen zur Niederhaltung des Aufruhrs im Industriegebiet innerhalb des besetzten Gebietes aufmaschieren zu lassen.
Die Hnngcrsgesahr.
Bochum, 21. März. Die Frage der Lebensmittelversorgung des Jndustriebezirks ist sehr ernst. In Dortmund sind die Mehlbestände voll» st ä n d i g e r s chö p f t. Die andern Städte des Industriebezirks sind mir wenig besser gestellt. Der Regierungspräsident hat wegen der Unterbindung der Zufuhren sich genötigt gesehen, zur Streckung der noch verfügbaren geringen Mehlvorräte die wöchentliche Brotration allgemein auf zwei Pfund herabzusetzen. Aus den inländischen Versorgungsgebieten ist wirksame Hilfe kaum zu erwarten . Man ist asto hauptsächlich auf Auslands mehl angewiesen. Der Preis des Auslandsmehls wird sich aber auf 12 Mark für das Kilogramm stellen, sodaß ein Sechspfundbrot 14 bis 16 Mark kosten dürfte. Insgesamt sind für die Mehlbeschaffung aus dem Auslande monatlich 400 Millionen erforderlich. In den Verhandlungen mit dem Zechenverbande hat sich dieser bereit erklärt, für die Ernährung seine Devisen in Höhe von 120 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen.
Die Bewaffnung der Kommunisten.
Von mehrheitssozialistischer Seite wird der,Köln. Ztg.' zu der Frage, woher die schnell organisierten radikalen Arbeiterheere ihre Waffen haben, mitgeteilt: Die Neuorganisation der Kommunistischen Partei datiert vom November her. Die Zentrale der kommunistischen Partei war aus den früheren Kämpfen zur Neberzeugung gelangt, daß nur organisierte Truppen den regulären Reichswehrtruppen gewachsen seien. Die Hamburger Opposition gegen diese Auffassung wurde ausgefordert, unverzüglich aus der Partei auszuscheiden. Dies geschah. Von Dortmund aus besorgten Agenten der Kommunisten ihre Arbeiten. Straßenweise wurden die Anhänger militärisch unter Vorgesetzten eingeteilt und organisiert. Den Mitgliedern wurde gesagt, daß zur gegebenen Zeit genügend Waffen zur Stelle wären. Größere Wafsenlager befänden sich in Bremen, München und Düsseldorf. Ueber die Organisation wurde strengstes Stillschweigen beobachtet. Verräter wurden mit der Todesstrafe bedroht.
verschiedenen Teilen konnte das Militär zurückgezogen werden. Es wird gemeldet, daß Mühlhausen sich in bn Händen eines ungesetzlichen VvllzugsrateS befindet. In Hildesheim kam eS zu einem Zusam. menstoß zwischen dem Goßlarer Jägerbataillon und der DolkSmenM, wobei es cnff beiden Seiten Tote gab. Auf Gut E n d o r f wurde Freiherr Knigge von einer Plün» dererbande erschossen. Sein Sohn, früher Kommandeur der Königs.Ulanen, wurde schwer verwundet. In Quedlinburg besetzten Spartakisten den Bahnhof und die Kaserne. Sie wurden von der Garnison mit Minenwerfern und Maschinengewehren nach einem mehrstündigen, regelrechten Gefecht, wobei eS große Verluste an Toten und Verwundeten gab, vertrieben. In Leipzig erfolgte am Freitag zur Sicherung der Ordnung der Einmarsch der Truppen, die sofort einen Vorstoß in der Richtung des Volkshauses untencchmen. Barrikaden wurden erstürmt und das als Sitz der gegnerischen Kampfleitung bezeichnete Volkshaus in Brand geschossen. Ms Brandursache wird angegeben, daß die Gasleitungen zerschossen worden seien1 und das aus. strömende Gas sich entzündet habe. Am selben Abend wurden, offenbar gitr Rache, im Westen der'Stadt zwei Villen in Brand gesteckte Mit diesem schauerlichen Finale war offenbar der Rest der Kampseswut auf bej Seite der Spartakisten erloschen. Am Samstag war alles wieder rubig und die Barrikaden lagen verlassen da. In den beschossenen Straßen sind starke Zerstärmt- gen an Häuserfronten festzrffiellen. Man rechnet damit, daß am heutigen Montag die Arbeit allgemein wieder ausgenommen wird. Die Zahl der Opfer läßt
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sich noch nicht übersehen. Vis jetzt sind schon mehr als 150 Tote festgestellt. Bei Ammendorf (halbwegs zwischen Merseburg und Halle) fanden zwischen den Truppen und den Spartakisten Kämpfe statt. Auch in Halle selbst ist eS in der Nacht zum Samstag zu leb. haften Feuergefechten gekommen. Nach Meldungen aus Berlin vom Sonntag soll Halle von der Roten Armee umzingelt sein. Im Osten der Stadt sei ein erster Angriff von der Reichswehr zurückgeschlagen worden.
Die Lage im Industriegebiet.
Das gesamte rheinisch-westfälische Industriegebiet mit Ausnahme von Wesel ist bis auf Weiteres den Kommunisten in die Hände gefallen. Fast überall wurden die kommunistischen Arbeiter bewaffnet, die vollziehende Gewalt von einem Aktionsausschuß übernommen, unter dessen Kontrolle die Stadtverwaltungen weiter arbeiten. Es wird die Diktatur des Proletariats proklamiert und die Sozialisierung der Betriebe und die Freilassung der politischen Gefangenen gefordert. Die meisten politischen Gefangenen sind bereits auf freien Fuß gesetzt.
Die Reichswehrtruppen sind überall auf das westliche Ruhrufer zurückgewicben, da sie zu fchwach waren, um den gut bewaffneten Arbeitern, die mit Geschützen, Minenwerfern und Maschinengewehren ausgerüstet find, ernstlich Widerstand leisten zu können. Sie sammeln sich jedoch in Wesel zu organisiertem Widerstand. Auf dem Rückzüge kam eS verschiedentlich zu heftigen Gefechten mit Spartakisten. Der größte Teil der Truppen konnte sich jedoch durchschlagen. DaS Reichswehrkommando unter General Walter hat Vorkehrungen getroffen, um die Provinzialhauptstadt Münster vor der Invasion der bolschewistischen Arbeiterarmee zu schützen, die jetzt schon durch bewaffnete kleinere Banden auf Automobilen die Dörfer und ländlichen Gehöfte einzunehmen versuchen und plündern. Auch alle Landstraßen nach Düsseldorf sind durch starke Abteilungen Reichswehr und andere Truppen, die aus Bayern herangeholt wurden, geschützt. Ueber- all wird die sofortige Aufnahme der Arbeit ausgerufen, sodaß damit zu rechnen ist, daß am heutigen Montag im ganzen Industriegebiet wieder gearbeitet wird. Die Bergarbeiter sind fast überall bereits zur Arbeit erschienen.
Die größte Gefahr, die auch den Kommunisten recht wohl bekannt ist, ist das Ausbleiben der Lebensrnittel. Falls nicht bald Sendungen eintreffen, bricht die Bewegung am Hunger in sich zusammen, und es dürfte ein Chaos entstehen, gegen das die bisherigen Vorgänge ein Kinderspiel sind. Der kommunistische Führer Meinberg auS Dortmund hat sich an die Verteilungsstellen mit dem dringenden Ersuchen gewandt, für die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln zu sorgen, da er sonst nicht mehr für Ruhe und Ordnung garantieren könne. Von der Entente ist borläufig kein Eingreifen zu erwarten.
Aus Essen wird gemeldet, daß das Bombardement der Stadt durch die Spartakisten 20 Stunden gedauert hat. Es herrschte eine fmchtbare Panik in der Stadt. Der an- gerichtete Schaden läßt sich noch nicht übersehen. Dar Abzug d« 700 Mann Reichswehr erfolgte mit voller Ausrüstung. Ebenso verlieh die Garnison Mülheim die Garnison aus taktischen Gründen. Aus Düsseldorf hat sich das Mllitär ebenfalls zurückgezogen. Es hat sich ein fozialdemokrattscher Vollzugsrat gebildet, dem ein Kontrollrecht über die allgemeine Verwaltung und über die Polizeiverwaltung zugestanden worden ist. In der Nähe von D u i s b u r g sand gestem ein heftiger Kampf zwischen den bewaffneten Kommunisten und den Reichswehrtruppen statt, wobei auch Gefchütze auf beiden Seiten verwendet werden.
Die christlichen Gewerkschaften von Rheinland und Wesffalen erheben durch das Generalsekretariat in Köln in einem Telegramm an die Reichsregierung schärfsten Protest gegen den Terror von links. Sie erwarten und verlangen von der Reichsregierung, daß fie jedes Verhandeln mit den Aufrührern von links ebenso ablehne wie mit Kapp und Genossen. In der von dem sozialdemokratffchen Gewerkschaftsbund und von der Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenoerbände gestellten Forderung, daß den Arbeitnehmervorbänden ein entscheidender Einfluß auf die Regierungsumbildung im Reich und in den Ländern sowie auf die Gesetzgebung eingeräumt werden soll, erblicken die christlichen Gewerk-
Ende des Berliner Generalstreiks.
Der Generalstreik ist auch für Berlin beendet Die Verhandlungen, hiezwischen den Führern der Koalitionsparteien, den in Berlin anwesenden Ministern und den Streikleitungen geführt wurden, ivurden am Samstag erfolgreich abgeschloffen.
Die politische Organisation der Unabhängigen in Berlin fordert gleichwohl dazu auf, den Generalstreik f o r 1 z u s e tz e n. Dagegen verbreiten die Berliner Bezirksorganisationen der Mehrheikssozialderno- kflten und ebenso die Generalkommission der Gewerkschaften, die Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände und der Deutsche Beamtenbund öffentlich einen Aufruf, sofort wieder an die Arbeit .......... 11
Verhältnissen ihr Glück finden? Konnten sie nicht, wie ihr Vater es getan, hinausgehen in die weite Welt, um dort ihr Glück zu begründen?
Wenn Harald sie noch liebte!
Ja, das war die große, entscheidende Frage!
Aber hatte Harald sie denn überhaupt je geliebt? Hatte et sie nicht verlassen, als es galt, seine Liebe zu beweisen? Hatte nicht Äse soeben erst gesagt, daß Harald ihr deutlich seine Neigung gezeigt?
Sollte sie mit Else, ihrer Freundin, ihrer Schweflet, um die Liebe dieses Mannes kämpfen? Sollte sie um seine Liebe werben?
Nein — nein! Das war ihrer unwürdig! Sie hatte abgeschlossen mit ter Liebe, mit dem Glück! War sie denn so schwach, daß ein Wiedersehen mit diesem Manne fix zu neuer Liebe entflammen konnte — daß sie lei. denschaftlich das Glück anderer zertrümmerte, um viele leicht in feinem Herzen eine längst erloschene Neigung wieder anzufachen?
Wie eine Schmach, wie einen Flecken auf ihrer Ehre empfand sie biefcn Gedanken, den sie jetzt weit von sich wies.
Ihre trotzige Sehnfucht und ihr leidenfchaftliches Verlangen sanken in sich zusammen wie ein ausge. Brannte? Feuer und das reine Gold ihres Edelmutes, ihres Mitleides mit dem an ihrem Herzen weinenden Mädchen erglänzte lauter und rein unter den Schlacken bet Leidenschaft.
Sanft richtete sie da? Köpfchen Elses empor und schaute ihr liebevoll in die feuchten, großen Kindet- mtgen.
»Beruhige Dich, mein liebes Kind," sagte sie zart, sich; „selbst wenn alles so wäre, wie Deine Phantasie es sich gedacht, so blieben Deine Liebe und Dein Glück doch unberührt davon. Ich bin jetzt mehr als Deine Freundin, meine Else — ich soll die Stelle der Mutter bei Dir vertreten, da ist es meine erste und heiligste Pflicht, für Dein Glück Sorge zu tragen. Ich habe Herrn von FtederSdorff gekannt — alles andere darf Dich nicht kümmern. Geliebt hat er mich nicht! Und wenn et Liebe zu Dir empfindet und Du ihn wieder liebst, fo sollt ihr glücklich miteinander werden. Ich, Deine Schwester, Deine Mutter werde für Dein Glück fargen und darüber wachen."
Wi« ein glückliches Kind weinte Else an dem Herzen Edelgards, über welche jetzt eine heilige Ruhe ge. _ komme» tvsx, dteweher Glück poch Unglück kennt.
nein, Edelgard," flüsterte Else, „laß mich Weile bei Dir. Laß mich danken für die
wenn er eine zufällige Bekanntschaft wieder steht- Weitzt Du, Edelgard, daß ich glaubte, Fredersdorff fei Dein früherer Verlobter gewesen, der Dich verließ, als Dein Vater fein Vermögen verlor ..."
Edelgard erhob sich fo rasch, daß sie Else fast von sich stieß.
„Welch ein Gedanke!" zürnte sie. „Ich Begreife nicht, wie Du auf folche Gedanken kommfl!"
„Edelgard, fei mir nicht böse," bat Else. „Du weißt ja, daß sich Harald Fredersdorff mir näherte, daß er mir deutlich feine Steigung zeigte. Erst heute abend wieder in her Oper . «
— „So, ist es die Eifersucht, die ans Dir spricht?" fragte Edelgard stveng.
„Nicht Eifersucht, Welgard," entgegnete Elfe leise und- traurig. „Ich schätze Dich viel zu hoch, ich siebe Dich viel zu sehr, als daß ich auf Dich eifersüchtig sein könnte. Aber baS weiß ich, daß ich keinen Mann lieben könnte, der einst Dich geliebt und um äußerer Verhältnisse willen verlassen hat. Deshalb war mit bet Gedanke schrecklich, Fredersdorfs könne Dich geliebt und verlassen haben; noch schrecklicher freilich war mir die Vorstellung, Du könntest Harald- noch immer sieben."
„So liebst Du Herrn v. Fredersdorff?"
Statt der Antwort umschlang Else sie stürmisch und verbarg ihr heißes Gesicht an ihrem Herzen.
Edelgard legte die Hand auf das Haupt des jungen Mädchens. Ein tiefer, schneidender Schmerz wühlte in ihrer Seele; erst jetzt empfand sie, was es bedeute, auf das Glück der Liebe Verzicht zu leisten, da sie den Mann, dem noch immer ihre Liebe gehörte, einer an. deren überlassen follte. Aber diese andere wat ihr wie eine Schwester an das Hetz gewachsen; sie hatte sich geschworen, über ihr Glück zu wachen und ihr eigenes Glück hintanzusehen, um Else glücklich zu machen.
Noch einmal empörte sich die Sehnsucht nach diesem Glück in ihrem Herzen, noch einmal erwachten Trotz und Swlz, noch einmal das. Verlangen, sich das Glück trotz allem zu erkämpfen und sollte der Weg zu ihm auch über das vernichtete Glück der anderen gehen.
I,n jcd-s Menschen Herz lebt doch der Anspruch auf Glück, weshalb sollte gerade sie diesem Anspruch entsagen? Alle die Hindernisse, die ihrem Glück entgegen, standen, dünkten sie jetzt so kleinlich und gering. Wenn Harald sie noch liebte, war alles zu überwind«-. Mutz, ten sie denn gerade in der alten. Heimat^
zurückzukehren. Die Berliner sozialdemokratische Parteiorganisation weist darauf hin, daß ein weiteres Fortsetzen des Streiks zu einem Bruderkarnpf innerhalb der Arbeiterschaft führen müsse, während die errungenen Erfolge nur durch Einigkeit gesichert werden könnten.
In der Stadt war eS am Sonntag im allgemeinen ruhig. Die Arbeiterviertel sind vom Zentrum der Stadt streng abgesperrt. Man nimmt an, daß trotz des Widerstandes, der m einer größeren Anzahl von Betriebsversammlungen von den Unabhängigen ausging, die Arbeit am heutigen Montag in den großen Betrieben wieder ausgenommen wird. Der Eisenbahnverkehr hat in Berlin ungefähr in seinem regelmäßigen Umfang wieder eingesetzt.
Die Verständigung mit den Gewerkschaften
ist in Berlin auf folgender Grundlage erfolgt: Die anwefenden Vertreter der Regierungsparteien werden bei ihren FrMionen dafür cintreten, 1. Daß bei der Regierungsneubildung die Personenfrage nach Verständigung mit den Gewerkschaftsorgcmisationen gelöst und diesen Organisationen entscheidender Einfluß auf die Neuregelung der Wirtschafts- und sozialpolitischen Ge. setzgebung eingeräumt wird unter Wahrung der Rechte der Volksvertretung. 2 Sofortige Verhaftung und Bestrafung aller am Putsch Schuldigen sowie der imge. treuen Beamten. 3. Gründliche Reinigung der gesamten öffeEichen Verwaltungen von gegenrevolutiorrä- ren Persönlichkeiten. Wiedereinstellung aller in öffent, lichen Diensten aus politffchen und gewerkschaftlichen Gründen gemaßregelten Organisationsvertreter. 4» Verwaltungsreform unterMttbestiinmung auch der wird- fchaftlichen Organisationen. 5. Neue Gesetze, die soziale und wirtschaftliche Gleichstellung gewährleisten. 6. Sftziaklisierung der dafür reifen Wirtschaftszweige, llebcrnahme des Kohlensyndikcrts und des Kalisyndikats durch das Reich. Erfassung, gegebenenfalls Enteignung der verfügbaren Lebensmittel und verschärfte Bekam- vftmg des Wucher- imb Schiebertums, Sicherung der Ablieferungspflichfigen durch Gründung von Lieferngs. verbänden und Verhängung fühlbarer Strafen. 8. Auslösung aller der Verfassung nicht treugebliebenen gegenrevolutionären militärischen Formationen und ihre Ersetzung durch Formationen aus den Kreisen der zuverlässigen repiMikanischen Bevölkerung, insbesondere der organisierten Arbeiter, Angestellten imb Beamten. 9. Im übrigen wird mitgeteilt, daß die Minister NvZke und Heine ihre Abschiedsgesuche bereits eingereicht haben.___
L N"oße Freude, welche Du mir bereitet hast . . ."
: „So billigst Du meinen Entschluß?"
F „Von ganzem Herzen freue ich mich darüber. Jetzt fcWeihen wir doch für immer zusammen! Und Du wirft ■ cS gut haben, Edelgard. Wir alle haben Dich ja fo r lieh — der Papa auch, er ist so gut imb edel, wenn er V manchmal schweigsam ist und seiner Geschäfte wo- i ten uns oft allein lassen muß. Mer er hat Dich schgn : fcngc sieb, ich habe es wohl bemerkt:— und jetzt ist et glücklich. Und ich bin auch glücklich, Edelgard, denn : tetzt weiß ich, daß mein häßlicher Verdacht falsch ist." E „Welcher Verdacht, Else?" ;
-.„Ich mag nicht mehr davon sprechen. . .
B „Hast Du kein Vertrauen mehr zu mir, Else? Hast >. Tu tnir nicht versprochen, fein Geheimnis vor mir zu Woben?"
F „Es ist ja nichts, Edelgard. Aber sieh, als vor Innigen Tagen Herr v. Fredersdorff hier war und Dich t ^wlickte, da erschrak er und erbleichte ... Er wollte ss stin Erschrecken verbergen, aber ich bemerkte es doch l • • . und ba — da ...
; Sie stockte und verbarg ihr Gesicht in den Schoß älteren Freundin.
i „Nun und da?" forschte Edelgard fast streng. „Du '"ußt mir alles sagen, wenn ich Dir helfen soll."
8 „Es geschah nichts weiter, Edelgard. Aber — aber . häßlicher Verdacht stieg in mir empor, daß FrederS- Dich von früher kannte . . ., daß er . . . daß Tu . .
Wiederum stockte sie und blickte, wie um Verzeihung . bittend, zu Edelgard empor.
M. „Und wenn wir uns früher gekannt hätten," fragte ; biese, „was würde das Dir ober Deinem Glück scha.
kn?"
t. »Ach, Edelgard — wenn Fredersdorff Dich gekannt fo hat er Dich auch geliebt!"
B,. »Närrchen Du!" stieß Edelgard fast unfreundlich ßbervor. „Deshalb sollte er mich geliebt haben, Man ; krni in der Gesellschaft' manchen kennen, ohne ihn zu Weben."
»Ja, — aber dieses Erschrecken, diese Verwirrung | mok erschrickt nicht — vor allem nid# ein Herr,
Die politischen Wogen glätten sich langsam. Die sieichsresienrng hat ihre Gewalt wiederhergestellt und B nach der Reichshauptstadt zurückgekehrt, eine Ge- «nregierung besteht nicht mehr, dagegen wird eine um« Agreiche Umbildung der Regierung erfolgen, jtad) den bei den Berliner Verhandlungen über die Diederaufnahme der Arbeit vereinbarten Punkten ver- Ifltflen die Gewerkschaftsorganifationen der Arbeiter, Angestellten und Beamten Einfluß auf die Neu- tzildung der Regierung, sie wollen, daß man "L S «ich bei der Personenfrage mit ihnen verständige. Die nn den Verhandlungen beteiligten Vertreter der Re- menmgsparteien sollen diese Forderung bei ihren Frak- : Konen befürworten. Es bleibt abzuwarten, wie sich & Parteien selbst dazu stellen, so wie die Forderung iaatet, ist sie nicht verfassungsmäßig. Bedenken erregt ebenso die Forderung auf entscheidende Beeinflussung der wirtschafts- und sozialpolitischen Ge- letzgebung und der Derwaltungsreform durch die Berber Gewerkschaftsvertretungen. Eine die Derant-
11. Kapitel.
Am Sonntag versammelte sich in den glänzend er. leuchteten Räumen der Villa HallerSmark eine auserlesene Gesellschaft. Durch bie’ Ernennung des Geheimrats zum Handelsminister erhielt das Diner eine weit größere Bedeutung; der Kreis der Eingeladenen war erweitert worden, zwei Kollegen des neuen Ministers, sowie die höheren Beamten des Handelsministeriums waren erschienen und wenn der Ministerpräsident nicht bereits anderweig versagt gewesen wäre, würde er dem Feste durch fein Erscheinen noch höheren Glcrnz bet. liehen haben.
In die Honneurs des Empfanges teilten sich Fräulein Amalie und Edelgard, an deren Seite sich Elfe und Elfriede befanden. Während Fräulein HallerS- mark eine gewisse hastige Unruhe und nervöse Unsicher» heit zeigte, begrüßte Edelgard die Gäste mit der ihr eigenen klassischen, vornehmen Ruhe, so daß sie jetzt schon als die eigentliche Herrin des Hauses erschien, und von allen ehrerbietig begrüßt wurde.
Edelgard verlor auch dann nicht ihre Ruhe und Fassung, alS Harald v. Fredersdorff auf die Damen zutrat. Nur um eine Schattierung blasser wurde ihr feines Antlitz, als fie mit einem leichten Neigen des stolzen Hauptes feinen Gruß erwiderte.
„Ich darf auch wohl Ihnen, mein gnädiges Frau, lein", wandte er sich bann an Elfe, „meinen Glückwunsch zu der ehrenvollen Auszeichnung Ihre? Herrn Vaters zu Füßen legen. Man sprach in politischen Kreisen schon lange von dieser Ernennung, aber für mich, der ich mich wenig mit Politik befasse, kam sie doch überraschend."
„Auch uns kam sie überraschend", entgegnete Else, „da Papa mit uns niemals über Politik spricht."
„Sie werden jetzt einer glänzenden Geselligkeit entgegengehen — die Hoffestlichkeiten und die Bälle bei den Wüniftern besuchen — es wird gewiß ein sehr anregender, interessanter Winter für Sie werden."
„Im Grunde genommen, fürchte ich mich ein wenig vor diesen offiziellen Festen. Ich bin noch so unet. fahren — aber ich habe ja eine Stütze an meiner Edelgard."
„Fräulein Lynden wird Sie begleiten?* fragte Harald mit leichtem Erstaunen.
„Allerdings, ohne Edelgard besuche ich von jetzt an keine Festlichkeit mehr."