Nr. 67.
Verantwortlich für den retoitioneflen Teil: Karl Schütte, - für die Anzeigen: I. Par zell er» Fulda. u
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Samstag, 20* Hlätz 1920»
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Anzeigenpre »: Die fi ’To'onel chrift) 50 Vfg.,
dieReklamezeilr(T 2i-derboiung Rabat,
47. Zahrg.
Neue Erschütterungen.
: Durch den Putschversuch der Rechtsradikalen ist die naere Ordnung, die sich langsam zu festigen begann, «der in Trümmer geschlagen. Das Gespenst des völligen Chaos hebt drohend sein schauerliches Medu- tafjaupt Kommunistische und spartakistische Elemente MÄten wieder Oberwasser, begünstigt von der leiden- schaitlichen politischen Erregung der letzten Tage. Es sied: aus, als ob der Bolschewismus seine Stunde für «kommen hielte und sich anschickte, seine Herrschaft in Deutschland aufzurichten. Schon schlagen die Flam- men in verschiedenen Teilen des Reiches hoch auf. gn Thüringen, in Provinz und Staat Sachsen ist die Lage dauernd ernst. Blutige Kämpfe haben stattge- smiden, die Diktatur des Proletariats ist in verfchie- bmen Städten ausgerufen. 2m Ruhrgebiet sind große Städte in den Händen der Kommunisten, es erstehen tagen. Räteregierungen. Wenn die Bewegung weiter ,chl, dann steht bald ganz Deutschland vor der Gefahr in den Abgrund zu stürzen, aus dem es keine Rettung Mr gibt. Hoffentlich kann die Gefahr noch gebannt werden. Bis das aber erreicht ist, wird möglicherweise wch viel Blut fließen, Bürgerblut, Blut vom Körper eines eben erst aus schwersten Fieberschauern langsam genesenden Volkes, würgender Jammer und Verzweiflung werden einkehren in den Hütten derer, die dieser väsetzlichste aller Kriege zu Witwen und Waisen machen wird. Wir haben noch nicht genug gehungert, unser Leben ist noch nicht trostlos genug, die Hungerseuche hat noch nicht verheerend genug unter uns gehaust, unsere Preise sind noch nicht unerschwinglich genug: nun sollen wir erst einmal kennen lernen was Hunger und Verzweiflung ist.
Die letzte Schuld fällt auf Kapp und die Verschwü- ker um ihn, die durch ihren wahnsinnigen Streich den nur schlummernden Bolschewismus wieder zu neuem Leben geweckt haben. Wahrlich es ist eine furchtbare Schuld, die auf den Staatsftreichlern vom 13. März lastet.
Wir haben unsere politische Stellungnahme zu dem Meirtschen Umsturz sofort mtt aller Scharfe ausgesprochen. Wir verurteilen jede gewaltsame Revolution, weil wir als christliche Demokraten wollen, daß Recht wir auf dem Wege des Rechtes werde. Wir ver- utteilen diese Märzrevolution nicht minder scharf als die Novemberrevolution. Wir stehen auf dem Boden der Reichsvcrfassmig, der verfassungsmäßig gebildeten Regierung, der verfassungsmäßig garantierten Rechte 'und Freiheiten. Demgemäß protestieren wir Men jede Verletzung dieser Rechte und Freiheiten durch Diktatur und Gewaltherrschaft, vom wem sie judf aysgeüb: wird, ob von rechts ober von links.
Ob von rechts oder von links. Nach umvandel- darerii Entwicklungsgesetzen allen Weltgeschehens nmßtr ber Putsch von rechts durch einen Putsch von links abgelöst weiden, und einmal entfeflelt wächst er leicht über die Köpfe der Führer hinweg zur Klafsendiktatur. Dir verurteilen diese Diktatur von links so scharf wie wir die von Kapp und Konsorten verurteilt haben und wir werden dafür einfrettn, daß sie mit allen gesetzlichen Mitteln bekämpft wird. Welche Gefahren sich aus dem neuen Umsturz für den Bestand des Reiches ergeben werden, ist einstweilen noch gar sicht abzusehen. Vielleicht werden es noch Tage schwerer Prüfung rmd Heimsuchung sein, die das deutsche Volk durchzumachen hat Wir werden sie überstehen, wenn wir unbeirrt, mannhast u. unerschrocken, in stetem. Vewnßtjchn unserer staatsbürgerlichen Pflichten um die Allgemeinheit, den Weg gehen, der uns durch unsere christliächemökratischc Weltanschauung vorgezeichnet ist. Arbeiter, Angestellte und Beamte, Stabt und Land haben zusommengestanden in der Abwehr des verbrecherischen Anschlages von rechts. Sie müssen jetzt auch zuiammcnftehen beim Wiederaufbau. Die Arbeiterschaft darf sich nicht trennen von den Gieich-
Der Arbeit Lohn.
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10. Kapitel.
Mißtrauen uni Eifersucht hatten schon feit langer Seit in da. Herz Fräulein Amaliens ihre Krallen geschlagen und das ernte Seelchen hin- und hergezerrt, sf daß Tante Amalie dir. stolzeste uni) unnahbarste Büenc aufsetzen mutzte, um der Autzenwe.lt, vor allem jedoch ihrem Drüber hie Kämpfe ihres Innern zu bei?, bergen. Durch Erfahrungen ivar sie ffug geworden: fr hatte einmal in geringschätzigem Tone von dem .Fräulein" — von dieser -Person", Ivie sic insgeheim ^Helgard stets nannte — gesprochen, da war ihr Bruder aber so böse geworben und batte ihr derartige Redensarten so energisch untersagt, daß sie sich duckte, •tee die Pantherkatze unter der Peitsche ihres Bärte digers.
Sic war abhängig von ihrem Bruder und hätte um alles in der Welt nicht bas reiche beaueme Leben in frt Villa des Geheimrats. aufgeben mögen. Deshalb fügte sie sich' schloeigend der „Tvrannei dieser Person', bevoachtete aber unausgesetzt Edelgard mit gehasst gen -klicken, ob sie nickt einen Fehler an ihr entdecken könnte.
Als sie ihren Bruder und Edelgard jetzt Arm in ^rnt eintreten sah. da fuhr sie herum, als ob der Blitz hmtex ihr eingeschlagen. In demselben Augenblick wußte sie, daß das Ende ihrer Herrschaft gekommen war; aber ebenso rasch ratzte sie sich und sann auf Mit. tei und Wege, sich neben der neuen Herrin zu behauv- frn, ja, fix wenn möglich zu stürzen.
Auch Else und Elfriede standen fassungslos da, «IS Vater ihnen Ebel»wb als seine Braut vorstellte. »Edelgard hat sich enifchloffen, meine Frau zu wer. den," sprach er mit stolz leuchtenden Augen. »?,ch glaube, wir alle muffen ihr dankbar fein, denn sitzt werdet ihr, meine Kinder, nicht mir eine Frermd:», sondern auch eine liebe Mutter erhalten. Dich Ama. lic, bitte ich, bei Edelgard Mut erstelle zu bertret-n, bis wir ehelich verbunden sind. Edelgard* besitzt ja keine Familie mehr; ich bitte Dich mithin, meine Braut
Deinen Schutz z« nehmen."
Ein kurzer Augenblick nur war es, daß sich b e M <$- Amaliens und Edelgards kreuzten — die der elfteren siharf und feindlich, die der anderen stolz und furchtlos
gesinnten des übrigen demokratischen Deutschland und I eine Klassendiktatur ausrichten wollen. Sie muß mit in die Einheitsfront gegen den Bolschewismus sm- j treten. Wenn nicht auf allen ©shen das allgemeine • Wohl über das Partei- und Klasseninteresse gesetzt wird, werden wir blutige Ostern erleben.
Das Neichskablnett noch in Stuttgart.
Eine Abreiie der Reichsregierung von Stuttgart ist vorläufig noch nicht beabsichtigt. Einige Minister sind aber bereits nach Berlin abgereist und zwar: Reichskanzler Bauer, Minister Müller und Giesberts. Sie wollen in Berlin als Vertreter der Regierung mit den Arbeitern verhandeln, die unter links- radikasin Einflüsfen Forderungen oufgefteHt haben, welche u. a. auch gegen die Verfassung und den Friedensvertiag verstoßen. Die übrigen Minister )tnb in Stut'garl geblieben, um die Arbeitsfähigkeit des Kabinetts aufrechizuerhaiten.
Noske bleibt.
Die sozialistische Mehrheitsfraktion der ötanona!» Versammlung hat gestern in ihrer FraktionSsitzung dem Minister Noske ihr volles Vertrauen ausgesprochen. Ter Reichswehrminister hat daraufhin sein Rücktrittsgesuch, das er schon dem Reichs« Präsidenten überreicht hatte, wiederzurückgezogen. Der eigentliche Anlaß zu dem Rück riltsgesuch war ein Vorstoß gegen Noske durch den Abg. Scheidemann in seiner Rede in der Donnerstagssitzung der Nationalversammlung gewesen. Es wurde festgestellt, daß dieser Vorstoß ohne Kenntnis der sozialdem. Fraktion erfolgt war. Ta auch die beiden anderen Mehrheitsparteien, Zentrum und Demokraten, Herrn Noske haben wisien lasten, daß sein Rücktritt vom Amt in diesem Augenblick nicht erwünscht erscheine, kann die Krrsis als beseitigt gelten. NoSke wird also vorläufig weiter Re'ichswehrminister bleiben.
' Es wäre schade gewesen, wenn Noske hätte v?r« schwinde« muffen. Er ist wohl die energischste Per- ionlichkeit, di- die Sozialdemokratie in^ ihren führenden Kreisen zur Verfügung hat. In den Januar- und Märztagen des vorigen Jahres, als die ipartaklsrische Welle ollc8 zu über fluten drohte, rettete Noske das Vaterland und die deutsche Kultur vor'der Vernichtung durch den Bolschewismus.
kein Äompromih.
In Berlin wird die Meldung verbreitet, daß dort vor dem Rücktritt Kapps führende Mitglieder der Mehrheitsparieien mit der deutschen Dolkspartei und der deutjchnatioaaien Volkspartei über drei Punkte, die Vornahme der Neuwahlen im Juni, die Wahl des Reichspräsidenten durch das Volk und die Umbildung bes Kbömriis betreffen, verbandelt hätten. Diese Meldung ist unrichtig Die Führer der Mehrhertspartieien, dis fast ausnahmslos sich in Stuttgart befinden, stehen ebenso wie die Reichsregierung mit aller Ent- fchirdenheit auf dem Standpunkt, daß von einer Eini- ?ung irgendwelcher Art, mit dm Staotsstreichlern eine Rede fein kann. Dieser Standpunkt der Reichsregierun;, ist in den letzten Tagen wiederholt den Staotsstreichlern in Bersin, den zurückgebliebenen Regierungsmitgliedkrn und der Oeffentlichkeü be- kanntgentachl worden. Alle entgegenstehenden Meldungen sind eine Lüge zu dem Zweck, den völligen Zpfaminenbruch des verbrecherischen Unternehmens zu verschleiern. Private Besorrchtmgen einzelner Parlamentarier, die allerdings in Berlin stattgefunden haben, find belanglos.
Das Verfahren Kapp und Genoffen.
Der Oberreichsanwalt bei dem Reichsgericht in Leipzig hat, der „Franks. Ztg." zufolge, das Verfahren gegen die Mitglieder der sog. Regierung Kapp, insbesondere gegen Herrn Kapp selbst, gegen den Geuerot v. L u tI :vitz, gegen Herrn o. 2 agow und die anderen bereits eingeleitet.
— aber Edelgard fühlte sofort die unversöhnliche Feind, schast heraus, welche Amalie beseelte, und fit vermochte kaum ihre Hand in die AnralienS zu legen, die ihr mit scruersützem Lächeln geboten teirrbt.
«Ich wußte schon lariiic. befe ei so kommen würde." sagte Fräulein Haüersmart mit übertrieben sanfter und schmeichelnder Stimme. -Ich kenne meinen heben Bruder- ganz genau, als daß er mir die Neigung zu Ihnen, meine teure Edelgard, hätte verbergen können. Seien Sie mir cl6 Schwägerin, als Schwester willkommen. .
Sie wartete die Antwort Edelgards nickt ab, fgiu bern wandte fick an ihren Bruder, um ihm steif und förmlich Glück zu wünschen.
Ein eisiges Gefühl kroch in Edelgards Herzen cm. pot. Sie bereute nicht, daß sie ihr Jawort gegeben, aber die Weiche, fast glückliche Empfindung, welche vor. hin ihr Herz erfüllte, war jetzt einem herben Stolz ge. wichen, der an falten Hochmut grenzte.
Da fühlte sie sich von zwei weichen Armen umschlungen und von frstchcn Lippen stürmisch gefügt.
Else hing an ihrem Halse und blickte mit tränenschweren Äugen zu ihr empor.
-Edelgard — meine liebe, teure Edelgard! O, wie danfe ich Tat, — wie freue ich mich — Tu sollst jetzt meine liebe, gute Mama 1 Derben I Edelgard, ich Tein Töchterchen! Tank, taufend, tausend Dank!"
Edelgard begriff die stürmische Dankbarkeit und Zärtlichkeit El-cns nicht recht. Aber sie freute sich doch darüber, ebenso, wie über die weniger stürmische, aber ebenso innige Liebe, welche Elfriede ihr entgegen, brachte. Mit Hilfe dieser Liebe würde sic den Hag Amaliens schon überwinden können.
„Ich glaube," nahm der Geheimrat das Wort, „toir alle hegen den Wunsch, uns auszusprccken über bre Er. eigniffc dieses Tages, der in unserem Leben eteten Abschnitt bilden wird. Ich schlage deshalb vor, bei einer k Tasse Tee noch ein Stündchen beisammen zu ble bcn. Ich habe Euch noch eine zweite Mitteilung zu machen: .Seine Majestät hat mich heute zum Handelsminister ernannt I"
Ein freudiges Erstaunen, ein stürmfiches S'üdEtoün. scheu. Umarmen, Händedrücken und Küsten, bis sich die neue Exzellenz lachend alledem entzog, Ede'gard den Arm reichte und sie m das Spcisezunm-r führte, wo der Tex iervsirt wurde,
Dr. fiapp ist seines Postens als Generalland- fchaftsdireklor rom stellvertretenden Oberpräsidenten in Ostpreußen enthoben worden.
Ein Aufruf Der preußischen Regierung.
Die preuß. Staatsregiernna erläßt fo'g. Rnfiuf: Berlin, 19. März 1920.
In der Bevölkerung, die infolge der diktatorischen Maßnahmen, der sogenannten Ktabp-Negierung taget- lang ohne genügende Aufklärung über den Gang der Ereignisse geblieben ober durch blinde Nachrichten in Verwirrung gebracht worden ist, laufen öie nnsinn g- sten Gerüchte um, denen so rasch wie möglich ent« gegenzutreten die preußische Staadsrcgierung für ihre Pflicht hält.
1. Die Staatsgewalt ruht in vollem Umfang wieder in den Händen der versa ssungsmätzi- gen Negierung;
2. Diese Wiederherstellung der verfastungsmag-gen Zustände ist durch die vorbehaltlose Erfüllung der For- derungen der Reichsregiertmg erreicht worden;
3. Auch die gesamte Reichswehr untersteht wieder den Anordnungen der verfassungsmäßigen Re. gierung; eine militärische Nebenregierung gibt es nicht mehr;
4. Nur die in Berlin bereits früher garntimv.e-- reuden Truppen bleiben an ihrem Standort. Die nach der Hauptstadt eingedrunigene Truppenteile werden, so rasch tote möglich entfernt, soweit ihre Zurückziehung nickt schon sitzt erfolgt ist. Tie Zurückziehung auch des Restes wird reibungslos erfolgen, toenn die Bevölkerung die Ruhe bewahrt.
5 Die rafche und unblutig».- Niederwerfung deS Putsckes verdankt das deutsche Volk der einmütigen und entschlostenen Haltung der Arb e i ter sck a f t, deS entscheidenden Teils des B ü r g e r t u rn s und notnent. lick auch des größten Teils der Reichswehr und der S-i cke rh ei t S p oli z e i. die den Grundsätzen. oer Demokratie treu geblieben sind. An der polnischen Einsicht und der Festigkeit dieser Volkskreise ist ein Auf. stand gescheitert, der für unser Vaterland die allergrößte tziesahr bedeutete.
6 Von irgendwelchen V orhandlungen auf dem Fuße der Gleichberechtigung mit der sogenann. ten Kapp Regierung ist niemals die Red» gewesen. Die preußiscke Regierung und all ihre Mitglieder haben nencu so tote die ReichAregierung immer auf der Forderung der bedingungslosen Untertoer, f u n g derer bestanden, die kein Reckt und nichts als die Gewalt der Waffen hinter sich hatten;
7. Tie preußische StaatSregierung ist entschlossen, die Ruhe und Ordnung im ganzen Staatsgebiet mit allen ihr zur öcrfümtng stehenden Mitteln auf. reckt,verhalten. Dazu werden die der Verfassung treu gebliebenen Trupventeile und Sicherheitswehren ver- toendet.
, 8. Allen Parteien ist die Getoigb-ik peaeben, daß sie ihre Forderungen in einem politischen Karnvf durchzusetzen Gelegenheit finden werden
9. Um die Hungersnot und namenloses Elend von der ganzen Bevölkerung abzuwenden, ist hie Wieden Hersbellri n g des W i r tschaf tZ he benS das dringendste Gebot der Stunde.
Ein« Mahnung an die Reichswehr.
wtb. Berlin, 13. März. An di, Reichswehr! Durch die Ereignisse bet letzten Tewe ermutigt, glaubt Spartakus aufs neue die Herrschaft in Deutschland ort sich zu reißen, um unserem Volke den TodeSstotz versetzen ,u können An der geschloffenen Front aller derer, denen die Ruhe und Ordnung int Lande am Herzen lieot, mutz dieser Plan zerschellen. Wi? früher, wird dabei auch heute die Reichswehr in vorderster Linie stehen und jeden Versuch zur Rufiichlung deS Bolsche- toiSmuS zurückweisen. In sckweisler Stund, richte ich an die Reichswehr die Aufforderung, einig zn- fammenzustehen und da? Wohl de» Vaterlandes allen anbeten Rücksichten voranzustellen. Ich werde alle» daran setzen, um der Truppe jede Unterstützung angedeihen zu lassen.
Im Auftrage ded ReichSwehrminiftcrS NoSkr: gez. von Seeckt.
des Generalstreiks, der in Berlin trotz bei dringenden Aufforderung, cur Arbeit zinück;ukehren noch nicht «folgt ist. Verhandlungen, die feit Donnerstag mittag bis in die späten Nachlstunden Hinern mit der Generalkommnston der Geweikstzaften und der Berliner Geweikichaft-kommifsion auf der einen Seite und den in Berlin antoefenb.-n Ministern des Reiches und Preußens und den Jührern der Mehrheitsparteieu auf der andern jseite geführt wotden sind, hoben bis jetzt kern Ergebnis gehabt. Die Forderungen der Gewerkfchaflen sind so radikal, daß mit ihrer Annahme die ge amte p»U- tische Enticheivung in die Hönde der Arbeiter gelegt tverben würde. Infolgedessen hat auch der Esten» bahnverkehr wieder aufgehört. Tte Züge, die gestern früh von Berlin ousfuhten, sind beschossen worden, worauf der Betrüb eingestellt wurde.
Gestern sind die Gewerkschaftsorganisationen h Beriin erneut zur Besprechung zusamnwngelreten und stellten nunmehr folgende Forderungen als Bedingung für 'die Aufhebung der Generalftreikparolv Bestrafung, Zurückziehung und Entwaffnung der Bal Mfumttuppen und ihrer Führer, Maßregelung alle» Beamten, die den Militörpulsch umerstützt oder gefordert haben, Auflösung der gegenrevolutionären gor' Motionen, Bildung von Sicherheitsorganisationen durch organifierte Arbeiter, schleunige Demokratisierung de> Venvoltuno unter Mitwirkung der Arbeitnehmer Sozialisierung des Kohlenbergbmrs und der, Kraftgewinnung, llebernahme des Kohlen- und KalifyndikatL auf das Reich, neue Gesetze, die die GleichberechtigunK der Arbeitnehmer in W-irlschaftsbetrieben mit den Arbeitgebern sicherstellen, Rücktritt der Minister Noske, Heine und Oefer, Perpflichtung der Parteien, bei der Neubildung des Kabinetts die Äewerkfchaf sorganisa- tionen mitwirken zu lasten — Die Derhanc lungen mit den (siewerkschaftsorganisationen werden heute fortgesetzt-
Der soziaidemokratflchr Deutsche Eifenbahnarbeiter- Verband erflärt, daß der Name eines feiner Führer durch Fälfchung unter den Aufruf gekommen sei, der den Abbruch des Generalstreiks im Eisenbahnbetrieb verlangte. In den Arbestervierteln Berlins sind zahlreiche Streikposten der Kommunisten und Unabhängigen aufgestellt, die alle zur Arbeitsstätte gehenden Arbeiter mit Gewalt zurückhalten. Die innere Stadt ist ruhig. Die Absperrungen wer- den durch Reichswehr durchgeführt.
Der Eisenbahnverkehr Berlins konnte gestern nur in äußerst geringem Umfange aufrechterhalten werden. Auf ten Sororiftatiorr.cn, die von Fernzügen berührt werden, wurden die Eisenbahnbeamten gezwunichn, die Maschinen zu verlasen.. Trotzdem konnten einige Züge nach Frankfurt a. M., noch Königsberg und noch Holle abgesertigt werden. Die Ostbahn ist gänzlich gesperrt. Es erwies sich ög- lich, die aus der Provinz kommenden Züge nach Berlin heranzubringe'-i, da die Dororlbahnhöfe mit Le- bsnsmittri« und Güterzügen verstopft find. Kurz vor Gvlha ist die Eisenbahnstrecke Frankfurt-Berlin gewaltsam unterbrochen.
Von den Eisenbahnerverbänüen wird folgender Aufruf an alle Eisenbahner verbreitet:
Die untsrzcichneten Großorganisatiorien des Eifert. bahupersonals haben den Generalstreik ausfchltztzlich zu dem Zweck proklamiert, um di« Wiederherstellung bet verfast■ > rtft?mäßigen Zustände zu etzwiwgen. Nach, dem der Zweck des Generalstreiks erreicht ist, ballen die Gvoßorgauisatiouert in freier Entschließung an der ausgegebenen Parole feit, daß der Tierntbetrieb fo- fort wieder an szunedmen ist. Für den er. forderlicken Schutz der Arbeitswilligen soll gesorgt wenden. Di« Parole der Generalstreikleitung, die Arbeit wieder aufzunehmLti, ist keine Fälschung.
Berlin, 19. März 1920. — Gewerkschaftsbuird Deutscher Eisenbohnbeamten und Kartell der Eiseubapn- betoerkschaliiten: Gewerkschaft Teutscher Eiseuvabner und Stacisbebienfbiter. Allgemeiner Ei>etchahner.Beri- band, Gewerkschaft deutscher Lokomot'vführer.
datz er Deine Einladung angenommen hätte und sich sehr auf das Fest freue."
.Nun. das freut auch mich." erwiderte der Geheimrar fühl, doch mit einem forschenden Blick auf Elfe, die heiß errötend ihr Köpfchen senkte. „Ich hoffe, Herr von Frebersdorff wird sich in unserem Hause wohlfüh. len und sich in die Bcrhältmffe hineinflnden,"
Niemand verstand diese Worte — mit Ausnahme Edelgards.
„Jetzt tritt cS aber Zeit," bemerkte 5ternte Amalie, datz toir uns zur Ruhe begeben. Morgen können wir ja weiter über diesen ereignisvollen Tag sprechen."
Sie erhob sich, reichte ihrem Bruder und Edelgard die Hand und rauschte steif und stolz, wie sie den ga-r. zen Abend dagesessen, hinaus.
Auch der Geheimrat verabschiedete sich trat zärtlv- chem Handkuß von Edelgard, mit einem väterlichen .Gute Nacht" von seinen Töchtern. Tonn zog sich Edelgard in ihr Zimmer zurück, während- Else und Elfriede ihr Schasgemach aufsuchten.
Als Edelgard in ihrem Zimmer stand, atmete sie tief auf.
Es toar ihr, als erwache sic <nt3 einem schweren Traum, als träte ihr jetzt erst die Wirklichkeit mit ihrer ganzen Grausamkeit und Härte an sie heran. Sie begriff eigentlich selbst nicht, wie sie sich so rasch halte entschließen können. Sie empfand keine Freude, keine Genugtuung, aber auch keinen Schmerz. Eine gren. zenlose Gleichgültigkeit gegen die Welt und gegen ibr eigenes Schicksal schlich sich in ihr Herz. In e uer Auf- teaHung ihres Stolzes, ihrer Sehnsucht nach einer Stell, lung in der Welt, ihrer Liebe zu Else und bereit Schwestern hatte sie ihr Jawort gegeben; jetzt ersch en ihr dieses Wort wie eine Fessel, welche ihr Leben, ihre Freiheit, ihre Selbständigkeit vernickten würde.
Sie ließ sich in einen Sessel sinken, stützte die Stirn in die Hand und starrte mit großen, tränenden Augen in drrS Leere.
Ta ward die Portiere, welche die Tür zum Nebenzimmer verhüllte, l-is- arS.-inander:escklagen und Else, in ein weißes, spitzenumsäumtcS Negligee gehüllt, schlüpfte herein, schmiegte sich S» Edelgards Fätz-'N nieder, ihre Hände ergreifend und mit Küssen bedeckend.
,Dn solltest Dich zur Ruhe begeben, Else," sagte Edelgatd, indem sie zärtlich über das blende Haar deS . jungen Mädchens strich IForts. folgt.).
Die Lage in Berlin.
Die Loge in Berlin ist noch außerordentlich ernst- Im Brennpunkte stellt die Fräste des Abbruchs
.Ich werde in nächster Zeit nicht viel zu Haufe sein können." sagte der neue Minister. «Tie Uebernahm« deS MinistrviumS, die Informationen in den einzelnen Ressorts und mehrere Reisen nach einigen größeren Städten werden mich tagelang, ja vielleicht wochenlang von Hause fern halten. Dann folgt die Ucbersiedelung in das Handelsministerium . . . -"
«Wir sollen unsere schöne Dill« verlaffen, Papa?" fragte Else erschreckend.
„Ihr vorläufig nicht." entgegnete der Vater. -Ihr werdet mit Tante Amalie und Edelgard hier wohnen bleiben. biS wir Hochzeit gemacht haben. Dis dahin schlage ich aber mein Domizil im Ministerium auf, damit ihr hier ungestört seid. Ich denke, Edelgard, Eie sind mit diesem Arrangement emverstanden?"
«Wie Sie eS bestimmen, ist eS mir recht", entgegnete sie einfach.
„Damit aber die Welt nicht im Zweifel über unser Verhältnis ist-" fuhr er fort und ergriff Edelgards Hand, die kalt und tote leblos in der {einigen lag, „(te. statten Sie wohl, meine teuere Edelgard, datz ich bei dem Diner am nächsten Sonntag unsere Verlobung vew öffentliche?"
Ein erkältendes Gefühl durchschallte sie.
Unwillkürlich dachte sie au Harald, der auch zu den Gästen des Diners am nächsten Sonntag gehörte, und eine leise Röle stieg in ihren Wangen empor.
Ta fühlte sie den fanften Truck der Hand * ihres Verlobten und tote sie auf schaute, begegnete sie feiten Augen, die ihr ermutigend zulächelten.
„Ich habe nichts gegen die Veiöffen'lichung um feier Verlobung einzuwenden," erwiderte sie leiser.
Ein toarmer dankbarer Blick belohnte sic.
„Nur schade ist cs," fuhr er fort, „daß wir Ihren Vater nicht erreichen können, Edelgard. . Aber cs ist seit Monaten keine Nachricht von ihm eingebauten. Wer ttrift. wo er jetzt steckt; sich v-r'nute, in bcn Goldm nrn tu Queensland in Australien. Ich werde m d) telegraphisch erkundigen, hoffentlich wird tt uns seinen Segen nicht vorcnlhaltcn."
Ein leichtes, spöttisches Lächeln zuckte um die schmo. len Lippen bet Tante Amalie. S'c schlu.fte etwas Tee und sagte bann:
„Das bas Tiner arbetrisft — wir begegneten Herrn v. St- -dersdorff in der Oper und er sagte un5.